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2004-10-11 Kos – Leros – Kos

Aktualisierung 20.08.2018 12:00:54 Anzahl Tage: 7
11.10.2004 Kos Nord / Marina
12.10.2004 Kos / Marina – Kálymnos / O. Paliónisos
13.10.2004 Kálymnos / O. Paliónisos
14.10.2004 Kálymnos / O. Paliónisos – Léros / O. Pantéli
15.10.2004 Léros / O. Pantéli – Psérimos / O. Vathy
16.10.2004 Pserimos / O. Vathy
17.10.2004 Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 12:23 Strecke: 61,3 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten


11.10.2004 Montag
Kos Nord / Marina
Mit Gulet Arrangement und AUA nach Kos gekommen. Herrliches Wetter, wenig Leute, Boot ok. Die neuen Seitenteile fürs Bimini sind da. Cockpitfenster hat neue Dichtung bekommen und die hintere Kante der Genua ist repariert, wie gebeten.
Ich bin doch froh, dass ich gekommen bin, obwohl ich das wegen der Laufen-Preisliste schwer überlegt habe.


12.10.2004 Dienstag
11:41 Kos / Marina Karte Ablegen
14:53 Kálymnos / O. Paliónisos Karte vor der Bucht
Zeit unterwegs: 03:12 Strecke: 19,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


Nach einem Ergänzungseinkauf lege ich um 11:40h ab. Ein ganz leichter Nordwind bläst mir auf die Nase und ich tuckere zur Bucht von Nikolas. Nach 3 Stunden und 10 Minuten bin ich am Ziel. Leider liegt ein Gulet mit Gästen aus Österreich am Steg. Ich werfe den Anker außerhalb des Steges, wo das Motorboot von Nikolas liegt und schnorchle ein wenig herum, schwimme zum Gulet und unterhalte mich mit den Gästen. Sie haben vor, die Nacht da zu bleiben, also nix mit Stammplatz.
Nikolas taucht erst gegen 19h auf und kommt zu mir aufs Boot. Ich lade ihn zu Dolmádes aus der Dose, Brot und Retsina ein und wir plaudern mit einander. Wirklich was Neues gibt es nicht. Er bricht bald auf, denn er hat den Generator laufen lassen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.


13.10.2004 Mittwoch
09:35 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Abfahrt
10:53 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Leinen fest
Zeit unterwegs: 01:17 Strecke: 2,8 Seemeilen Ø Fahrt: 2,2 Knoten


Während der Nacht hat der Wind stark zugenommen. Ich wache sehr früh auf von der Schaukelei und bin etwas besorgt, ob der Anker halten wird. Er hält aber der Platz ist ziemlich ungemütlich. Als der Gulet um 9:30h ablegt, habe ich mich entschlossen, doch nicht zu bleiben sondern nach Léros weiter zu fahren. Als ich aber aus der Landabdeckung Richtung Norden abbiege, stelle ich fest, dass die Wellen sehr große sind. Ich probiere, mit welcher Geschwindigkeit ich einigermaßen sanft gegenan fahren kann. Schneller als 2, maximal 3 Knoten über Grund ist nicht möglich, was über 3 bis 4 Stunden bis Pantéli bedeuten würde. Also drehe ich um. Das Anlegemanöver am Steg beschert mir neue Kenntnisse: Ich werfe den Anker und grabe ihn ein, dann stelle ich das Boot Richtung Steg, schalte den Rückwärtsgang ein und bremse die Fahrt mit der Kettenlänge. Es funktioniert (fast) perfekt. Obwohl der Wind seitlich kommt, bleibt das Boot sehr stabil. So stabil, dass meine Berechnung, das Boot würde mit dem Wind abtreiben und ich auf den Steg springen könnte nicht stimmt. Es bleibt hartnäckig im Luw des Steges. Wenn ich weniger Rückwärtsschub gebe, zieht die Kette das Boot so weit vor, dass ich nicht an Land springen kann. Wenn ich mit dem luvseitigen Motor mehr Gas gebe, komme ich kaum dem Steg näher. Nach einigen Versuchen, die Kettenlänge und den Rückwärtsschub auf einander abzustimmen kommt der Leebug doch so nahe an den Steg, dass ich problemlos hinüberspringen könnte. Aber in diesem Augenblick kommt ein junger Grieche, der am Strand campiert zu Hilfe, übernimmt den Festmacher und macht ihn fest. Ich mache den zweiten Festmacher an derselben Stelle fest und stimme dann die Kettenlänge genau so ab, dass das Heck nicht auf den Steg ankommen kann aber man leicht hin und her springen kann, wenn man vorher am Festmacher das Boot heranzieht. Obwohl auch hier Schwell von den Wellen vorhanden ist, ist diese Stelle und Bootsposition ungleich ruhiger als 30 Meter weiter vor Anker. Ich bin zufrieden.
Nikolas holt mich um 18h ab. Wir gehen zu seiner Taverna. Er schusselt wie immer herum und kocht für uns: Marinierte Fische, griechischen Salat und frittierte Melanzani mit Käse. Wir sitzen drinnen, denn draußen ist es recht frisch, besser gesagz ich sitze und Nikolas rennt herum. Sein Vater kommt dazu, setzt sich zu uns und isst mit uns. Seine Frau ist nicht da, sondern in der Hauptstadt, oder woanders, habe ich nicht so richtig verstanden. Ich versuche mich mit dem Vater auf Griechisch zu unterhalten. Ist nicht so einfach. Ich verstehe aber, dass sein Leben 40 Jahre lang aus harter Arbeit als Schwammtaucher und Ziegenhirte bestanden hat. Er gestikuliert und deutet damit an, wie anstrengend das Schwammtauchen war. Da ich weiß, wie das Schwammtauchen vor sich gegangen ist, verstehe ich seine Gesten und er merkt das.
Um 20h muss Nikolas seinen mittleren Sohn zur Fähre nach Piräus bringen. Wir brechen auf und verabschieden uns von einander.


14.10.2004 Donnerstag
09:58 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Ablegen
12:19 Léros / O. Pantéli Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:20 Strecke: 10,2 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Nach dem Morgenschwimm und Frühstück breche ich um 10h auf. Wind und Wellen sind wieder ganz sanft gegenan. Um 12h erreiche ich den Fischerhafen, den gerade 4 Segelboote verlassen – bestens. Ich lege längsseits an der zweitäußersten Stelle an. An der äußersten liegt “Estia”, ein kleines Segelboot mit schwedischer Flagge. Die Besatzung, Vater mit Sohn aus Schweden kommen sogleich während ich meinen täglichen Schafskäse mit Oliven und Brot zu mir nehme. Wir plaudern etwas und dann legen sie ab – so wie man das in Schweden macht: Segel setzen, abstoßen und ohne Motor lossegeln. Ich bin direkt neidisch.
Ich verhole das Boot zur äußersten Position per Handkraft, denn diese ist mir hier am liebsten. Dadurch können keine Boote die Aussicht auf die nette Ortschaft verstellen.
Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Haus von Göran Schildt, dem finnischen Mittelmeersegler und Buchautor, der bereits Anfang der 1950-er Jahre Griechenland besegelt hat und wunderbare Bücher geschrieben hat. In Pantéli soll er irgendwo ein Haus Haben. Ich frage danach in Hafen beim der Fischereivereinigung (oder so ähnlich). Sie wissen sofort Bescheid und deuten auf ein Haus oberhalb des Hafens in westlicher Richtung. Sie wissen aber auch, dass er heute nicht da ist! Ich mache mich trotzdem auf die Suche, gehe zuerst einen typisch griechischen Treppenweg hinauf und schlage mich anschließend durch verlassene Höfe durch. Als ich die Stelle erreiche, die nach der Beschreibung passen könnte, treffe ich auf einen Mann an einer Hausbaustelle. Ich frage auch ihn, ob er weiß, wo das gesuchte Haus ist “Pu ine to spiti tis Göran Schildt apo tin Finlandia?” Bin mächtig stolz auf meine Griechischkenntnisse und noch stolzer als er das versteht. Er zeigt auf das Nachbarhaus und sagt, auf Englisch natürlich, dass er nicht da ist. Ich gehe trotzdem hin und finde das Türschild “J. Schildt”, wieso “J”, es müsste doch “G” sein? Oder hat er absichtlich J bestellt, weil Göran auf schwedisch Jöran ausgesprochen wird? Egal, ich höre, dass drinnen das Radio aufgedreht ist, klingele lange zwei Mal. Keine Reaktion, er ist also wirklich nicht da. Ich schreibe auf einen Zettel, dass ich ihn gerne für seine Bücher bedankt hätte und hinterlasse meine Telefonnummer und Bootsname mit dem Hinweis, dass ich mich im Hafen befinde und stecke ihn zwischen Tür und Rahmen. Vielleicht meldet er sich?
Dann mache ich einen langen Spaziergang entlang der Straße, die über die Ortschaft verläuft, gehe hinunter zum Ort Platanos, der im Bergsattel liegt und die Ortschaften Pantéli und Agio Marina verbindet und dann wieder zum Boot zurück.
Zur Abenddämmerung gehe ich in die Taverna “Patimenos” und begnüge mich mit Mussaka und einem Bier.


15.10.2004 Freitag
11:10 Léros / O. Pantéli Karte Abfahrt
14:37 Pserimos / O. Vathy Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 03:27 Strecke: 20,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Der Morgen ist wunderbar, fast windstill, schön warm aber überhaupt nicht heiß. Fischerboote fahren ein und aus. Ich kaufe Brot und Wasser im Miniladen der Ortschaft. Ich überlege, ob Göran Schildt meine Mitteilung erhalten hat und ob er irgendwie darauf reagieren wird. Es könnte ja sein, dass er zum Hafen kommt. Ich beeile mich mit dem Auslaufen daher nicht.
Das Hafenbecken und die Einfahrt, die ich vom Boot aus gut sehen kann, wimmeln nur so von Fischen jeder Größe. Ein riesiger Schwarm von Minifischen kreist in der Einfahrt herum, dazwischen kann ich immer wieder größere, bis zu 50 cm langen Fischen ausmachen. Also: Angel auspacken und fischen! Ich beschließe, diesmal einen Spinner auszuprobieren. Ich habe einfach keine Lust, einen Köder zu kneten. Der Spinner fliegt gar nicht so schlecht in die Hafeneinfahrt obwohl ich sehr ungeübt bin. In Finnland habe ich immer nur eine geschlossene Spinnrolle mit Taste und nie eine offene Haspelrolle mit Bügel verwendet. Ich lasse den Spinner sinken und kurble ihn dann langsam zu mir zurück. Nur ein paar Minifische schwimmen neugierig hinter dem Spinner her. Die großen Raubfische lassen sich nicht blicken.
Um 11:10h lege ich ab. Es ist direkt ein Vergnügen, das Boot loszumachen und mit einem Fußtritt in Bewegung zu setzen. Bis auf ein Windhauch in Richtung Hafenausfahrt ist es absolut ruhig und da funktioniert so ein Ablegemanöver ohne Motor wie auf einem Ruderboot.
Über beinahe glattes Wasser tuckere Richtung Süden. Nach 3,5 Stunden erreiche ich Vathi / Psérimos. Ich werfe den Anker auf 3 m Tiefe und beschließe, den neuen Minianker für die Landleine auszuprobieren. An der schwimmenden Landleine befestigt, schwimme ich mit ihm zum Ufer und lege ihn einfach auf einen großen Stein mit zwei der vier Krallen dahinter, schwimme zurück und hole die Leine dicht. Das war eine sehr einfache Angelegenheit, ob er hält?
Anschließend schnorchle ich zum Anker und um das Boot herum. Es ist sehr schön.
Abends koche ich Kartoffeln und brate Cocktailwürstchen. Schmeckt fantastisch! (weil ich hungrig bin).


16.10.2004 Samstag
Pserimos / O. Vathy
Den ganzen Tag am selben Platz. Herrliches Wetter! Fast den ganzen Tag absolut windstill. Nur am Spätnachmittag kommt leichter Westwind auf. Ich beschließe bis morgen zu bleiben und teile es der Marina per Telefon mit. Der ganze Tag vergeht mit Schreiben an der Sedlacek-Sache. Nur wenn es zu warm wird, springe ich kurz ins Wasser. Das Meer hat immer noch 23°C und die Tageshöchsttemperatur war 32,1°C um 13:47h.
Zum Sonnenuntergang um 19h koche ich mir eine Eierspeise mit Speck und esse Tomaten dazu. Schmeckt gut. Macht mich aber müde und ich gehe schon um 21h schlafen.


17.10.2004 Sonntag
09:55 Pserimos / O. Vathy Karte Anker auf
12:00 Kos / Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:05 Strecke: 9 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Sehr schlecht geschlafen. Die Eierspeise mit Speck hat meinem Magen nicht gut getan. Um 0:30 wache zum ersten Mal auf. Es ist noch immer windstill, aber es herrscht leichter Wellengang.
Ich döse, lese und scheiße abwechselnd bis ungefähr 5 Uhr. Dann finde ich endlich wieder Schlaf bis 8:30. Ich mache einen Morgenschwimm und löse die Landleine. Der Minianker hat sich bewährt. Die Wellen sind größer geworden aber es ist noch immer fast windstill. Der Wetterbericht verspricht Süd-Südost mit bis zu 6 bft. Ich frühstücke, schreibe an meiner Sedlacek-Sache, wasche mich, rasiere mich und mache zum letzten Mal in diesem Jahr meinen Lieblingköpfler vom Boot weg. Kurz vor 10 mache ich mich auf den Weg. Der angekündigte Wind ist da, aber direkt aus Ost, also Gegenwind mit ca 15 – 18 Kn. Es ist eine ziemlich schaukelige Motorfahrt. Die Wellen sind zwar nicht hoch aber teilweise sehr steil.
An der Tankstelle herrscht Seegang wegen des Ostwindes. Der Tankwar deutet mir, ich solle nicht längsseits sondern mit dem Heck anlegen. Das klappt bestens. Er legt die Heckleinen um die Poller und ich lasse die Motoren im Vorwärtsgang laufen, so wie die großen Fährschiffe anlegen. Ohne die Mole auch nur ein einziges Mal zu berühren kann ich in aller ruhe 40 Liter Diesel nachtanken. Keine blöde Idee!
Ich bekomme wieder den selben Platz an Pier E. Die Mooringleinen laufen kreuz und quer. Es dauert eine Weile, bis die richtigen gefunden sind und das Boot wie gewünscht liegt.
Die Arbeiten für die Einwinterung können beginnen. Es macht mir aber mehr Spaß die Tagesereignisse nachzutragen…