Aktualisierung 20.08.2018 11:34:04 Anzahl Tage: 13
20.07.2006 Sámos / Marina Pythagoríu – Agathonísi / O. Póros
21.07.2006 Agathonísi / O. Póros – Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou
22.07.2006 Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou – Máratho – Arkí / Tiganáki
23.07.2006 Arkí / Tiganáki – Patmos / Hafen Skála
24.07.2006 Patmos / Hafen Skála – Patmos / O. Meloï
25.07.2006 Patmos / O. Meloï – Foúrnoi / O. Kámpos
26.07.2006 Foúrnoi / O. Kámpos – Ikaría / Fáros
27.07.2006 Ikaría / Fáros
28.07.2006 Ikaría / Fáros – Çesme-Kusadasi / Kirkdilim Limani – Çesme-Kusadasi / Sarpdere Limani – Chíos / Limenískos Katatarráktis
29.07.2006 Chíos / Limenískos Katatarráktis – Chíos / Hafen
30.07.2006 Chíos / Hafen – Oinoússes / O. Fourkeró – Oinoússes / O. Kalamiánis
31.07.2006 Oinoússes / O. Kalamiánis – Lésvos / Plomári
01.08.2006 Lésvos / Plomári
Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Tötterström Patrick
Bernreitner Tina
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 35:56 Strecke: 215 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten
20.07.2006 Donnerstag
15:27 Sámos / Pythagoríu Marina Karte Ablegen
17:58 Agathonísi / O. Póros Karte Ankern mit Landleine
Zeit unterwegs: 02:31 Strecke: 17,7 Seemeilen Ø Fahrt: 7 Knoten
Patrick und Tina kommen um 10:30h mit dem Taxi an. Wir sind noch dabei, das Boot zu putzen. Sie richten sich am Boot ein und gehen dann mit Beate nach Pythagórion zum Einkaufen. Ich wasche noch den hinteren Teil des Bootes, der dann trocknen kann während wir weg sind. Gerade als ich in die Stadt gehen will, kommt Beate im Lieferwagen des Supermarktes. Wir räumen die Einkäufe ein und gehen gemeinsam in die Stadt. Ich gehe zur Hafenpolizei, Beate noch Fleisch einkaufen. Dann setzen wir uns ins Lokal neben der Hafenpolizei und warten auf Tina und Patrick. Als sie kommen gehen wir wieder zur Marina zurück, machen das Boot startklar und legen ab, um schräg gegenüber an der Tankstelle wieder anzulegen. Diese ist nicht besetzt aber über VHF kann ich mitteilen, dass wir Diesel benötigen. 10 Minuten später kommt dann schon der Tankwart.
Um 15:27h legen wir endgültig ab. Der Wind ist zwar da aber direkt von achtern. So motorsegeln wir mit der Genua bis kurz vor Agathonísi, wo der Wind wieder schwächer wird.
Um 17:58h werfen wir den Anker in der seichten und schmalen Bucht Póros. Patrick beschnorchelt ihn und legt anschließend die Landleine zum Ostufer. Er beschwert sich, dass das Wasser so kalt ist. Es hat tatsächlich nur 20°. Beate und ich gehen trotzdem noch schwimmen.
Bei ganz wenig Wind können wir draußen ein üppiges,leckeres Abendessen genießen.
21.07.2006 Freitag
16:55 Agathonísi / O. Póros Karte Abfahrt
17:45 Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 00:50 Strecke: 2,4 Seemeilen Ø Fahrt: 2,9 Knoten
Wieder Wind in der Nacht. In der Früh bläst er mit 17-20 kn direkt vom Scheitel der Bucht hinaus. An eine Fahrt in den Norden ist heute nicht zu denken. Also beeilen wir uns weder mit dem Aufstehen noch mit dem Frühstück.
Nachdem wir das Schlauchboot ins Wasser gegeben haben, meldet sich der Kandidat für die Rep.d.T. (Reparatur des Tages): Die Klopumpe. Sie befördert kein Wasser mehr. Ich zerlege sie und stelle fest, dass sich die Mutter, die die Kolbenscheibe hält, gelöst hat. Außerdem ist die Pumpe stark verkalkt – vom Meerwasser! Es folgt ein umfassendes Service. Das mitgebrachte Durgol leistet gute Dienste zum Aufweichen der Kalkschichten. Als alles wieder glänzt und die Gummidichtungen mit Vaseline neu geschmiert sind, montiere ich die Pumpe wieder an ihren Platz. Sie funktioniert wieder bestens bis auf ein Leck an der Basisdichtung. Als ich die Halterungsschrauben fester ziehen will, bemerke ich, dass sie durchdrehen. Das M6 Gewinde im Plastikkanal, auf dem die Pumpe steht, ist ausgeleiert. Das ist ein gröberes Problem, weil keine Chance besteht, mit einer Gegenmutter zu arbeiten. Nach einigen Überlegungen fällt mir ein, den Bolzen mit Teflonband ordentlich einzuwickeln, um ihn dicker zu machen. Das funktioniert, aber wer weiß wie lange. Vermutliche Ursache dieser Materialermüdung: zu heftiges Pumpen.
Inzwischen haben Tina und Patrick am Strand Muscheln gesucht, geschnorchelt und Karten gespielt.
Um 16:55h lichten wir den Anker und tuckern langsam in die 2 sm westlicher liegende Hafenbucht. Das Schlauchboot haben wir im Schlepptau und die Landleine ist noch von der vorigen Bucht sofort einsatzbereit. Das ist sonst nie er Fall und wir witzeln schon, dass wir beide gar nicht benötigen werden. Am Fähranleger deutet ein freundlicher Deutscher, dass längsseits Platz zum Anlegen wäre. Die Fähre war heute schon da und kommt morgen gar nicht. Also nehmen wir den Platz und ein anderer freundlicher Deutscher stellt sich mit einem Fender auf einen riesigen, aus sieben Autoreifen bestehenden Molenfender, um uns vor lästigem Gummiabrieb an der Schiffseite zu bewahren.
Patrick und Tina gehen in den Ort, kommen aber sogleich zurück und erzählen, dass heute das Wasserschiff kommen werde, das den ganzen Kai beanspruchen würde. Wir sollten ablegen und mit Anker und Heckleinen an die N-Seite der Mole anlegen. Das machen wir auch. Als allerdings die anderen zwei Boote das gleiche machen, wird unser Anker herausgerissen. Wir müssen nochmals den Anker legen. Der Grund aus losem Sand und Steinen hält aber immer noch nicht gut, was bei den vorherrschenden unberechenbaren N-Winden Besorgnis erregend ist. Der erste freundliche Deutsche schlägt vor, eine lange Leine zu einem großen Bojenstein, den er beim Schnorcheln gesehen hat, auszubringen. Patrick schafft es, eine Leine durch eine Öse daran in 5m Tiefe einzufädeln, die wir auf Slip legen und somit ziemlich sicher vor jedem Wind liegen.
Um 21h sehen wir zuerst ein elendiges Flüchtlichgsboot an, das in der vorigen Nacht mit 30 illegalen Einwanderern in Seenot aufgegriffen worden ist, an. Dann gehen wir in die Taverna Georgios essen und anschließend machen wir einen Bummel durch den Ort. Weil er aus kaum mehr als 20 Häusern besteht, dauert er nicht besonders lange. Wir kaufen noch Weinessig und Oliven im einzigen „Geschäft“, das gleichzeitig eine Taverna ist. Dann sehen wir schon das Wasserschiff „Leros“ herankommen. In Zeitlupentempo legt es an der W-Seite der Mole an und ist tatsächlich genau gleich lang. Um Mitternacht ist das Manöver beendet und der Wasserschlauch quer über die ganze Bucht gelegt. Der Generator des Wasserschiffes rattert penetrant und wird es wahrscheinlich die ganze Nacht tun. Die Eintönigkeit könnte uns vor der Schlaflosigkeit retten. Werma sehn.
Heute habe ich übrigens das folgende E-Mail an den Kurier geschickt:
Im von meinem Sohn aus Österreich mitgebrachten Kurier lesen wir über die Hitzewelle in Europa. Unser Tipp: Wer sich abkühlen will, soll sogleich einen Flug nach Samos oder Kos buchen! Wir segeln seit 3 Wochen in diesem Gebiet und haben Tagestemperaturen von 25-30 Grad, in der Nacht angenehme 20-25°. Und wem das auch noch zu warm ist, gehe einfach schwimmen: Das Meer hat 20-22°, so kühl wie noch nie um diese Jahreszeit.
Allerdings ist es für Segler weniger lustig, weil der Nordwind Tag und Nacht mit beträchtlicher Stärke weht. Wenn es in Österreich heiß ist, hat der Meltémi hier Hochsaison. Das war auch schon 2003 so.
Beste Grüße
Tom Tötterström & Crew
Derzeit auf S/Y Blodughadda bei Insel Agathonísi.
22.07.2006 Samstag
13:36 Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou Karte Ablegen
13:51 In der Bucht segel setzen
15:37 S von Arkí Segel bergen
16:21 Máratho Karte An Boje
18:14 Máratho Karte Abfahrt
18:38 Arkí / Tiganáki Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:08 Strecke: 16,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten
Also geschlafen haben wir alle mehr oder weniger gut. Meine Ohrenstöpsel haben jedenfalls gute Dienste geleistet. So habe ich nicht ein Mal den Wind im Rigg gehört. Seit 9 Tagen pfeift der Meltémi nun schon Tag und Nacht. Ursache ist das stabile Hochdruckgebiet über dem Westbalkan, das auch Österreich die heißen Tage beschert, sowie das Hitzetiefdruckgebiet über Zypern. Das zweite wird wohl den ganzen Sommer dort bleiben aber zum Wohle der unter der Hitze stöhnenden Menschen in Österreich, aber vor allem, damit wir eine Chance bekommen, die 49 sm über offenes Meer mit Nordkurs nach Kirkdilim Limani, unserem ausgesuchten Zwischenstopp in der Türkei auf der Fahrt nach Chios, zu bewältigen, möge sich dieses westbalkanesische Hochdruckgebiet doch endlich vertschüssen!
Nach den Wetternachrichten von Olympia Radio auf VHF um 13h – 4. Tag in Folge Sturmwarnung für Zentralägäis – legen wir um 13:36 ab. Um 13:51h haben wir die Segel gesetzt und steuern Arkí an. Mit 2 Reffs in beiden Segeln, 20-25 Knoten Wind aus NW und gar nicht so argem Wellengang machen wir die 11 sm lange Überfahrt so hoch am Wind wie möglich in 1:46h.
S von Arkí bergen wir die Segel und motoren noch 3 sm nach Màratho. Wir nehmen eine der Bojen und setzen mit dem Schlauchboot zur „Piratentaverna“ hinüber. Nach dem frühen Abendessengehen gehen wir noch am schönen Sandstrand entlang bevor wir um 18:14h wieder ablegen. 20 Minuten später werfen wir den Anker im seichten, türkisblauen Wasser von Tiganáki. Wie immer ist es hier absolut menschenleer, ruhig und sehr schön. Die Wahrscheinlichkeit, in der Nacht ein brummendes Wasserschiff 10m entfernt zu haben ist absolut Null.
Zum Sonnenuntergang macht der Wind tatsächlich eine Pause und beruhigt sich auf 5-10 Knoten. Das trägt zur Hoffnung bei, doch noch morgen den langen Weg „bergauf“ zu schaffen. Nach einer Stunde ist sie wieder dahin. Alle gehen früh schlafen.
23.07.2006 Sonntag
12:33 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
13:05 segel setzen
14:18 Segel bergen
14:53 Patmos / Hafen Skála Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:19 Strecke: 12,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten
Auch heute Vormittag gibt es einen kurzen Moment, als sich der Wind beruhigt. Patrick und ich schwimmen zur kleinen Felseninsel und zum Insel Avápisto, der das seichte Becken im S abgenzt. Als sich Tiganáki beginnt, mit Motorbooten zu füllen, machen wir uns auf den Weg. Wir fahren die Straße zwischen Arkí und Máratho hinauf, um zu sehen, wie sich das offene Meer benimmt. Kurz nach der Durchfahrt müssen wir erkennen, dass ein Ritt gegenan keinen Sinn macht. Um 13h setzen wir die Segel und nehmen Kurs auf das etwa 5 sm entfernte Pátmos. Nach 3,5 sm beruhigt sich der Wind von 22 auf 16 Knoten und die Fahrt von 7 auf 6 über Grund.
Nach der Umrundung des Kap Geranós, frischt er wieder auf. Auf den letzen 3 sm erreichen wir 8,3 kn bei 25 kn Halbwind. Es hat nur 24° Lufttemperatur und durch den Wind wirkt es noch viel kühler. Immerhin 13° weniger als in Wien.
Wir legen in Skála am Yachtkai an. Tina und Patrick fahren um 15:30h mit dem Bus zur Chora hinauf, um v.a. das Koster zu besichtigen. Beate und ich bummeln etwas durch die fast menschenleeren Gassen bevor wir uns ins Kafé Marina setzen. Wir stellen fest, dass die Luft wirklich sehr angenehm ist, da eben ziemlich kühl und trocken. Ich sehe mir die hier liegenden Megayachten an während Beate eine Postkarte malt. Die zahlreichen vorbeifahrenden Mopeds bringen einen beachtlichen Geräuschkontrast zur Ruhe in Tiganáki.
Auf dem Heimweg gehen Patrick und Tina essen, Beate und ich erst um 19:30h als sie zurück kommen.
24.07.2006 Montag
13:48 Patmos / Hafen Skála Karte Ablegen
14:10 Patmos / O. Meloï Karte
Zeit unterwegs: 00:22 Strecke: 1,6 Seemeilen Ø Fahrt: 4,4 Knoten
Am Vormittag machen wir diverse Einkäufe (Proviant, Flossen für Beate, Plastikkiste für den Kühlschrank). Ich schaue im Internetcafé die Wetterprognose auf http://poseidon.hcmr.gr/weather_forecast.html an. Sie verspricht weniger Wind für unser Gebiet morgen und übermorgen. Allerdings habe ich schon festgestellt, dass diese Prognose etwas untertreibt.
Kurz bevor wir ablegen wollen, holt die Nachbar-Motoryacht beim Ablegen den Anker einer kleinen Yacht vom Grund. Der Einsamsegler ruft um Hilfe und wirft seine Leinen an Land. Patrick und ich warten noch bis er den Anker nochmals gelegt hat und sich im starken Seitenwind mühsam mit seiner Langkiel-Yacht zum Kai zurückgekämpft hat und werfen ihm dann die Heckleinen zu. Auf dem Kai liegt eine superedler schwarzer Festmacher mit eingespleißtem Auge und Lederummantelung. Wir fragen, ob sie dem Deutschen gehört, was er verneint. Daher schließen wir, dass die Motoryacht sie als Wiedergutmachung für die entstandenen Mühen hinterlassen hat und nehmen sie mit. Mit dem Seildurchmesser von 25 mm hätte der Deutsche sowieso keine Chance, sie auf seinen Miniklampen zu verwenden, wir wahrscheinlich auch nicht. Um 13:48h legen wir ab und schreien einem Riesenkatamaran, Lagoon 50, noch zu, sie soll damit warten, neben uns anzulegen, bis wir abgelegt haben. Das Ablegemanöver bei 20kn Seitenwind klappt perfekt und wir tuckern zur Bucht um die Ecke. Bei der Einfahrt bewundern wir noch die vor Anker liegende extrem lange Ketsch „Mari Cha III“. Patrick schwimmt mit der Landleine zu „unserem“ Baum, dem letzten am langen Sandstrand, womit keine Probleme mit dem hier sehr schlecht haltenden Ankergrund zu befürchten sind.
Am Nachmittag ziehen Patrick und ich das Kabel von der Unterwasser-Videokamera zur Navi-Konsole und installieren den LC-Bildschirm. Ab sofort kann der Ankergrund per Video inspiziert werden. Es funktioniert wunderbar, was wir durch tauchen unter der Kamera am BB-Rumpf bestätigen. Die Videoüberwachung lässt sich auch als digitales Aquarium verwenden!
Weil der Wind bei Sonnenuntergang zwar schon merkbar weniger wird, aber nicht so, dass eine Fahrt über einigermaßen glattes Wasser zu erwarten wäre, ändern wir unseren Plan, eine lange Nachtfahrt zu machen und beschließen, erst kurz vor Sonnenaufgang Richtung Norden los zu fahren. Daher gehen wir früh schlafen.
25.07.2006 Dienstag
04:31 Patmos / O. Meloï Karte Abfahrt
09:00 Foúrnoi / O. Kámpi Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 04:28 Strecke: 21,2 Seemeilen Ø Fahrt: 4,7 Knoten
In der Nacht wache ich einige Male auf, um auf die Windgeräusche zu achten. Ganz ruhig ist es nie. Um 4h holt mich der Wecker aus dem Schlaf. Es geht nur ein ganz leichter Wind mit 5-8 Kn. Ich schwimme zum Strand, löse die Landleine und wecke den Patrick. Wir trinken noch einen Kaffee, bzw. Tee. Um 4:31h holen wir den Anker auf und fahren in der totalen Finsternis an der wieder hier vor Anker liegenden Mari Cha III in voller Beleuchtung vorbei. Wir müssen sehr genau navigieren, um zwischen den Felsinselchen S der E-Spitze von Pátmos, A. Geranós durchzukommen. Sie sind in der Finsternis erst kurz davor auszumachen. Inzwischen kommt der Wind aus N schon mit 18 kn daher. Nach A. Geranós ist er wieder weg, aber Wellen sind noch da. Bei Sonnenaufgang Frühstücken Patrick und ich im Cockpit und bewundern die Geschwindigkeit, mit der die Sonne als rote Kugel über der Türkei aufgeht.
Als wir die Hälfte der Strecke nach Foúrni hinter uns haben, werden die Wellen größer und das Boot stampft ordentlich dagegen an. Beate und Tina bleiben vernünftigerweise in ihren Betten, denn wenig später frischt auch der Gegenwind auf und die Verhältnisse werden wirklich ungemütlich. 6 sm S der Foúrni-Inseln kommen wir nur mehr mit 3,8 kn vorwärts und es ist auf Grund der Gischt und der Kälte(!) nicht mehr besonders gemütlich im Cockpit. In solchen Situationen ist der Autopilot wirklich ein Segen. Als wir noch näher kommen, erhöht sich die GPS-Geschwindigkeit obwohl der Gegenwind noch bis auf 33 kn zunimmt. Die Wellen werden kleiner aber steiler. Ein Zeichen dafür, dass hier eine starke Strömung herrscht, der die Wellenlänge zusammenschiebt.
Um 8:47h erreichen wir die Einfahrt in die Bucht Kámpos an der W-Seite von Foúrni. Wir inspizieren die Poller und den Ankergrund (Video – Sand mit kurzem Seegras!) an der N-Seite der Bucht. Aber weil ich das letze Mal, als wir in der Nachbarbucht ankerten, zu Fuß hierher gegangen bin und am Kopf des kleinen Anlegers an der W-Seite vor dem Strand genügend Tiefe gesehen habe, legen wir uns längsseits dorthin. Ein freundlicher aber wortkarger Fischer hilft uns mit den Leinen und empfiehlt dann eine der zwei Fischtavernen. Wir verstehen daraus, dass der Platz zum Anlegen genehmigt ist. In der Tat dürfte das der beste Anlegeplatz auf ganz Foúrni sein, obwohl auch hier die Fallböen aus unterschiedlichen Richtungen mit teilweise großer Geschwindigkeit daherkommen und ein leichter, aber nicht ungemütlicher Schwell herein steht.
Tina und Patrick erkunden die Umgebung (Ort kann man wohl nicht sagen) während ich noch 1,5h schlafe. Dann gehen Beate und ich zum Hauptort. Dabei hat man die Wahl zwischen drei Stufenwegen, um zum Sattel mit zwei Windmühlenruinen aufzusteigen. Dort fängt ein sehr bequemer gepflasterter Gehweg an, der zum Ort in die nächsten Bucht hinunterführt. Wir stellen fest, dass der Ort bemerkenswerterweise über zwei Alleestraßen verfügt aber sonst keinen sehr gepflegten Eindruck macht. Wir setzen uns in eines der vielen Lokale am Hafen, trinken und essen etwas. Beate zeichnet die Ortskirche während ich den Hafen aus der Nähe inspiziere. Wie schon beim letzen Mal aus der Ferne, kann ich feststellen, dass Yachten hier nichts zu suchen haben.
Als wir um 14h zurück kommen, machen sich Tina und Patrick auf den selben Weg. Um 15:40 sind sie wieder zurück und gehen anschließend schwimmen. Und weil sie schon hungrig sind, in die Taverna direkt oberhalb vom Boot.
Als Beate und ich um 20h in die andere Taverna essen gehen, kommt auch Patrick mit, weil er nach dem Mini-Souvlaki um 4 wieder was vertragen kann. Tina hat aber keinen Hunger mehr und bleibt auf dem Boot.
Eine Entscheidung habe ich heute endgültig Beschlossen: Für die nächste Saison kommt das Boot in das Ionische Meer. Dort gibt es im Sommer keinen Meltémi sondern nur normale Winde, die zwischendurch auch Pausen machen, zumindest in der Nacht.
26.07.2006 Mittwoch
12:24 Foúrnoi / O. Kámpi Karte Abfahrt
14:44 Ikaría / Fáros Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:20 Strecke: 10,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten
Weil der Trick mit der frühen Abfahrt gestern nicht funktioniert hat, versuchen wir ihn heute erst gar nicht. Die ganze Nacht rüttelt der Wind an der Takelage und lässt die Wanten singen. Er ist aber nicht so stark, wie es sich in der Kajüte anhört, sondern kommt nur aus einem blöden Winkel.
Um 9h gibt Olympia Radio das erste Mal in diesem Sommer eine glatte Vier für die Windstärke in unserem Gebiet (Samos Sea). Bisher war zumindest ein „locally five“ dabei. In den letzten 14 Tagen sowieso nur 5-6. Also werden wir heute die Überfahrt probieren.
Am Vormittag stelle ich die bisherigen Törnberichte von diesem Jahr auf den Server. Es funktioniert ganz gut sobald der Login erfolgt ist. Dieser dauert allerdings ewig lange.
Um 12:30h legen wir ab und fahren durch die schmale Straße zwischen Foúrni und Thymaina. Der Wind bläst hier kräftig entgegen, wird aber außerhalb der Düse schwächer und hat tatsächlich die versprochenen 4 Beaufort. Das hilft uns aber nicht wirklich, weil die Wellen zu hoch sind für eine erträgliche 30 sm lange Überfahrt. Also nehmen wir Kurs auf Ikaría / Fáros.
Gerade als ich das hier schreibe meldet sich der Warnsummer mit einem fürchterlichen Pfeifen. Ich renne hinaus und sehe, dass die Warnlichter der std-Maschine leuchten und drehe ihn daher ab. Patrick deckt sogleich den Motor ab, der fürchterlich stinkt und brennheiß ist. Die Ursache ist sofort gefunden: gerissener Keilriemen. Mit dem bb-Motor kommen wir mit immerhin 3,6 kn voran, was bei diesem Wellengang sowieso nicht unangenehm ist. Allerdings kann ich den Kühlschrank nicht einschalten, weil dann die Geschwindigkeit total zusammenbricht! Die halbe PS, die der Kompressor benötigt, bedeutet schon zu viel Leistungsverlust. Die Reparatur kann ich erst beginnen, wenn der Motor weniger heiß ist.
Innerhalb von 9 Tagen fahren wir nun also zum zweiten Mal von Foúrni nach Fáros bei gleichem Wind mit nur einem intakten Motor, diesmal der andere.
Um 14:44h werfen wir den Anker in den 4 m tiefer liegenden Sandgrund direkt vor der kleinen Mole. Beate macht uns noch eine Jause und dann montieren Patrick und ich den Ersatzkeilriemen. Binnen 10 Minuten läuft der stbd-Motor wieder.
Wir beobachten, wie Flugzeuge auf dem Flughafen unmittelbar hinter der Ortschaft landen – zuerst zwei Militärflugzeuge und dann eine Linienmaschine der Olympic. Alle sind zweimotorige Propellermaschinen. Größere können wahrscheinlich nicht auf diesem Flugfeld landen.
Um 18h kommt ein scharfer Wind aus West auf, der auch noch anhält als wir um 20h mit dem Schlauchboot zum kleinen Anleger hinübersetzen. Wir gehen in den gut sortierten Minimarkt mit den freundlichen Verkäuferinnen und anschließend in eine der 3 Tavernen am Strand. Als wir um 22h mit unseren Einkäufen zum Schlauchboot zurückkommen, beschließt Beate die Beladung zu verringern und zum Boot zurückzuschwimmen. Allerdings war das keine gute Idee, denn sie kommt ganz erschöpft vom Kampf mit der immer noch aufgepeitschten See am Boot an. Der Wind mit Böen bis zu 27 kn hält immer noch an als wir schlafen gehen.
27.07.2006 Donnerstag
Ikaría / Fáros
In der Nacht nimmt der Wind etwas ab aber als Beate und ich um 7h schwimmen gehen, frischt er wieder auf. Der Wetterbericht um 9h verheißt keine Verbesserung. In 7 Tagen haben wir also noch keinen Meter Richtung Lesvos gemacht. Im Gegenteil, wir sind 1 sm südlicher als Pythagórion, wo wir Tina und Patrick abgeholt haben. 6 Tage bleiben uns noch, um die 83 sm nach Plomári auf Lesvos zu schaffen – bei ruhigem Wetter eine Sache von 14 Stunden. Und wenn wir doch gegenan kämpfen müssen, sollte die Strecke in ca. 24 Stunden zu bewältigen sein. Also noch kein Grund nervös zu werden. Trotzdem geht diese dauernde Konzentration auf die Windverhältnisse gehörig auf den Nerv. Die Pausenlosigkeit des Windes gibt mir immer mehr das Gefühl, gefangen zu sein.
Ich fange an, alle Törnberichte durchzusehen und fürs Internet zu exportieren. Um 13h hören wir wieder die Wetternachrichten und beschließen die Überfahrt morgen sehr zeitig in der Früh zu probieren. Da ist der Wind doch am schwächsten.
Beate schlägt vor, zum Strand zu schwimmen und den neuen wasserdichten Beutel zu probieren. Wir packen also trockene Sachen, Geld und Rauchwaren hinein und schwimmen die 150m zum Strand gegenüber. Etwas weiter entfernt gibt es ein Umkleidehäuschen und sogar eine Dusche mit Warmwasser. Das Wasser ist warm, weil der Zufuhrschlauch offen auf der Erde liegt. Dann setzen wir uns in die Café-Bar und beobachten, was sich so tut. Patrick und Tina bleiben an Bord und Spielen Karten. Es gibt tatsächlich was zu beobachten: eine Familie rüstet ein altes, kleines Boot mit einem alten Außenbordmotor aus und Großvater, Vater und zwei kleine Kinder steigen ein. Sie setzen sich vom Ufer ab bevor der Motor läuft und ich sage noch zur Beate, dass das sehr unvorsichtig ist. Tatsächlich gelingt es ihnen nicht, den Motor in Gang zu setzen und mit den klobigen Riemen können sie nicht gegen den Wind rudern. Nach einer halben Stunde sind sie schon vom ablandigen Wind weit hinausgetrieben worden und winken hektisch. Die Rettungsaktion startet und ein junger Mann und eine schwangere Frau telefonieren ganz aufgeregt. Ich frage, ob sie ein Boot zum abschleppen haben. Das haben sie und als wir wieder zurückschwimmen fährt ein genau so kleines Boot hinaus, dessen Motor aber gut funktioniert. Sicher weiter als eine sm vor der Küste können sie dann das treibende Boot in Schlepptau nehmen.
Um 18h macht uns Beate eine köstliche Eierspeise mit Erdäpfeln und Zucchini, die wir im Cockpit schnell essen, bevor der Wind sie komplett abgekühlt hat. Der wind ist nämlich wieder ganz arg geworden und hat um 10kn zugenommen mit Böenspitzen bis 31kn. Ich sehe das als gutes Zeichen für die Überfahrt, denn bis dahin müsste sich der Wind ausgeblasen haben. Optimist darf man wohl bleiben.
21:17:26 so, jetzt habe ich bald alle Törnberichtdateien per GPRS auf den Server geladen. Sehr mühsam. Manchmal flutscht es nur so, manchmal hängt sich der ftp-Transfer beim Befehl < --[7]SITE CHMOD 664 auf und ich muss abbrechen. Die Datei ist dann aber mit der richtigen Byteanzahl und den richtigen Berechtigungen hinaufgeladen. Kann mir wer sagen, warum?
28.07.2006 Freitag
03:34 Ikaría / Fáros Karte Anker auf + Segel setzen
03:47 Abfahrt
06:12 Kursänderung
09:04 Buchteinfahrt Segel bergen
09:28 Çesme-Kusadasi / Kirkdilim Limani Karte Ankern
13:14 Çesme-Kusadasi / Kirkdilim Limani Karte Weiterfahrt
14:19 Çesme-Kusadasi / Sarpdere Limani Karte Buchtrunde
17:22 Segel bergen
17:32 bei Hafeneinfahrt
17:45 Chíos / Limenískos Katatarráktis Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 10:24 Strecke: 71,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,8 Knoten
Um 3h läutet der Wecker. Immer wieder vorher bin ich schon aufgewacht und habe festgestellt, dass der Wind noch immer ordentlich weht. Die Windanzeige bestätigt es, aber es ist trotzdem viel weniger als sonst: im Schnitt ca. 15 kn. Ich koche Kaffee und Tee und wecke den Patrick auf. Nach einer kurzen Aufwachphase fangen wir an, das Segel im Licht der Lampe auf der 100m entfernten Mole herzurichten. Um 3:34h holen wir den Anker auf und setzen anschließend das Großsegel mit 2 Reffs. Um 3:47h fahren wir los. Der Plan ist, so hoch am Wind wie möglich zu motoren und das Segel als Stützsegel zu verwenden. Neben Chios haben wir 2 mögliche Ausweichziele ausgesucht und am GPS programmiert, falls wir den Kurs auch Chios nicht halten können: Kirkdilim Limani auf Kurs 025 und Ankerplatz bei Kormen Adasi auf Kurs 054. Agia Ermioni auf Chios liegt auf Kurs 345
Nach kurzer Zeit entlang des letzten Zipfels von Ikaría können wir den Bug Richtung N wenden. Wir sind sehr neugierig, welchen Kurs wir fahren können und wie die Wellensituation ist. Auch nach der Landabdeckung kommt der Wind fast aus W. Wir können also Kurs auf Chios nehmen und dabei noch eine Reserve von 10° zusätzlich fahren, also auf Kurs 335 mit 6,5 kn über Grund.
Auch die Wellen sind harmlos und ich freue mich schon über die gute Entscheidung, so früh los gefahren zu sein. Als aber kurz vor Sonnenaufgang der Wind ganz wegstirbt werde ich skeptisch, ob ich denn wirklich richtig Entschieden habe. Der Meltémi dreht nämlich im Laufe des Tages gegen links, d.h. gegen den Uhrzeigersinn. Er dreht aber nie in die andere Richtung, zumindest nicht in der Ostägäis. Ich vermute die Thermik als Ursache: Im Lauf des Tages wärmt sich das türkische Festland auf und der Meltémi wird dorthin abgelenkt. Irgendwann muss er sich neu einrichten, um wieder nach links drehen zu können. Für ca. 20 Minuten ist es windstill und das Deck wird triefend nass vom Tau. Während wir im Cockpit frühstücken fängt der Wind wieder an – direkt aus N. Wir hätten noch 25 sm nach Agia Ermioni und die Fahrtgeschwindigkeit verlangsamt sich zunehmend und das Boot fängt zu stampfen an. Es ist vorauszusehen, dass der Wind noch auffrischen wird und wir diese Strecke gegen ihn nicht schaffen werden. Also ändern wir den Kurs um +60° und steuern Kirkdilim an, 17 sm entfernt. Als die Sonne um 6:20 aufgegangen ist, bläst der Nordwind schon mit 18-19 kn aber wir können problemlos mit 6,7 kn über Grund Richtung Türkei düsen.
Lehre daraus: Wer hier bei Meltémi gegen Norden muss, fahre so ab, dass er kurz vor Sonnenaufgang, also um 5:30-6h am Ziel ist! Wären wir um 23:30h losgefahren, hätten wir Chios so bestens erreicht. Das wurmt mich schon. Andererseits ist Patrick ganz erfreut über die Aussicht, einen inoffiziellen Grenzübertritt nach Asien machen zu können. Das Blöde ist nur, dass ich keine ordentliche Karte habe. Das sonst sehr gute und präzise griechische Seekartenbuch von Nicholas Elias ignoriert die Türkei indem er sie dunkelbraun einfärbt und möglichst wenig zeigt und schon gar keine Details oder türkische Namen. Nicht ein Mal Çesme 9 sm gegenüber von Chios Stadt ist namentlich erwähnt. Mit Hilfe vom Übersegler im Maßstab 1:750.000 (normale Seekarte 1:150.000), Turkish Waters Pilot von Rod Heilkell und GPS sollte es aber gehen.
Kaum sind wir S des westlichsten Zipfels der Türkei „Akburun“, wenn auch ca. 12 sm davon entfernt, verändern sich die Umstände wieder. Wind und Wellen nehmen stark ab. Ich suche im Pilot-Buch nach einer anderen Bucht, die wir jetzt ansteuern könnten und finde eine: Sarpdere Limani, ca. 19 sm von Chios entfernt. Wenn die Verhältnisse so bleiben, könnten wir nach einer Pause am Nachmittag dorthin weiter fahren.
Patrick sitzt auf dem Steuermannsessel, hört Musik und lässt sich schaukeln. Das hat seine Wirkung und er schläft fast ein. Bevor er vom Sessel fällt, legt er sich ins Bett. Ich bin auch saumüde und döse auf der Sitzbank im Salon zwischen den Kontroll-Rundumblicken alle 10 Minuten.
8 sm vor Sarpdere ist der Nordwind mit 20 kn wieder da. Es ist nicht mehr so gemütlich und ich ändere wieder den Kurs um +35° auf Kirkdilim, 4 sm östlich von Sarpdere. Ist auch nicht so toll aber geht schneller insbesondere als der Wind 25 kn erreicht. Nach 5 sm ist der Wind wieder weg und direkt an der Küstenlinie scheint überhaupt Flaute zu herrschen. So ist es auch als wir die Buchteinfahrt um 09:04:04 erreichen. Das Minilüfterl kommt mit 5 kn daher – aus E!
Die Bucht selbst ist, bis auf eine große Festmachertonne in der Mitte, total naturbelassen, riesig und schneidet 1,7 sm Richtung NNW in das Land ein. Ein einziges kleines Segelboot ankert hier. Auf dem Bug steht ein Mann und ohne abzuwarten, was wir überhaupt vor haben, wild gestikuliert und mit der Hand deutet, dass sich seine Ankerkette vom Bug in Richtung Bucht Strecke und damit, dass ich meinen Anker nicht über seine Ankerkette legen soll. Na auf das wäre ich wohl sonst nie gekommen. Armer Mensch, was für Erfahrungen muss er gemacht haben, dass er hier, wo unendlich viel Platz ist, wie wahrscheinlich überall, unter Umgehung jedweder Gehirntätigkeit sofort mit dem Ankerkettenrichtungswachelritual beginnt, wenn sich ein anderes Boot nur nähert! Sowas habe ich schon ein paar Mal beobachtet. Die absolute Steigerung war einer bei N. Archangelos, der zusätzlich schrie, er habe 60 m Kette draußen und deutete, diese liege nicht gerade, sondern in einem Bogen — kein Wunder bei 4 m Wassertiefe. Warum er sich lieber aufgeregt hat als die Kette auf normale Länge zu verkürzen, verstehe ich bis heute nicht.
Um 09:30:45 liegt also auch unser Anker auf 4 m Tiefe 70 m weiter weg vom Wachler. Das Wasser ist kristallklar und fast spiegelglatt, herrlich! Beate, Patrick und ich schwimmen sogleich darin. Es hat aber auch hier nur 22°. Am Strand meint Patrick, es wäre ein historischer Augenblick, weil er das erste Mal außereuropäischen Boden berühre. Der ist hier aber nicht besonders attraktiv. Kieselsteine und relativ große Steine ziemlich voll mit Seeigel bis zu 2 m Tiefe. Auf dem Weg zum Boot liegen 2 große Eidechsenfische, ca. 20 und 30 cm lang auf dem Grund auf der Lauer. Sonst gibt es wenig zu vermelden, außer, dass der Grund aus relativ grobem Sand mit vielen Steinen besteht, wie auf Agathonísi, und daher wahrscheinlich schlecht hält.
Bevor ich mich kurz schlafen lege, wechsle ich noch die Gastlandflagge.
Um 13:15h sind wir wieder unterwegs. Bis Sarpdere Limani haben wir fast gar keinen Wind. Als wir in die Bucht einbiegen, um sie zu inspizieren, kommt der Wind schon wieder mit angenehmen 12 kn aus N. Die Bucht wäre wie die vorige durchaus für eine Übernachtung geeignet. Hier sind auch einige Ferienhäuser vorhanden. Das Wasser ist so klar, dass ich noch auf 20 m Tiefe den Grund mit der Videokamera sehen kann. Sieht aus wie Sandgrund mit kurzem Seegras.
Gleich nach Sarpdere kommt der Wind schon aus WNW mit 14 kn, also von vorne. Aber die Wellen sind (noch?) unbedeutend für die Blodughadda. Um 15:45h setzen wir die Segel aber lassen den bb-Motor laufen. Damit können wir bis zu 35° am Wind motorsegeln und kommen gut voran. In der Straße zwischen Türkei und Chios sind die Verhältnisse wider Erwarten sehr freundlich. Der gerade noch mögliche Kurs führt uns nach Katarráktis. Also sehen wir uns dieses urtümliche Bauern- und Fischerdorf an. Laut Reiseführer der Tina kann man hier gut und günstig Fisch essen. So sieht es auch aus.
An der E-Mole bekommen wir noch einen Platz längsseits zwischen einem Fischerboot und einem total abgewrackten Minilastschiff, das mit 7(!)Heckleinen den Platz fast wegnimmt. Der Bug wird von diesen Heckleinen nach außen gehalten. Wir hätten also gar keine Fender benötigt. Über das Bootsheck können wir bequem auf die Mole hupfen. Andere Yachten sind hier nicht vorhanden. Um 17:45 schalte ich endgültig die Motoren nach einer Fahrt von 10:24h ab. Vorteil: Volle Batterien und eine Kühlschranktemperatur von 2,8° (plus).
Dieses GPRS ist ein absoluter Schas. Ich habe volle Internetverbindung und beste Empfangsbedingungen aber weder Mail noch FTP können irgendwas damit anfangen. Gleicher Provider (Cosmote), gleiche Einstellungen wie gestern nur andere Insel. Soll man vielleicht inselpezifische Einstellungen verwenden oder was?
Nach diesem gescheiterten Versuch, den neuesten Bericht auf den Server zu stellen gehen wir in die Taverna „Meltemáki“ (Kleiner Meltemi) essen. Entlang des Wassers gibt es überhaupt viele Tavernen. Vom günstigen Fisch kann aber keine rede sein: € 48,- per Kilo. Nachdem ich vor 3 Wochen in Kálymnos bei einem Fischhändler Goldbrassen um € 7,- das Kilo, die noch dazu auf Wunsch geputzt wurden, gekauft habe, habe ich jetzt keine Lust, den 7-fachen Preis dafür zu zahlen, dass sie nur mehr gebraten und serviert werden. Also isst Patrick seinen geliebten saganáki tyrí (gebratener Käse) und moússaka (Melanzaniauflauf), Beate panzária skéta (Rote Rüben ohne Knoblauch) soúvlakia (Spieße), ich stifádo (Gulasch) und Tina begnügt sich wie üblich mit mégalo neró (großes Wasser).
29.07.2006 Samstag
11:55 Chíos / Limenískos Katatarráktis Karte Ablegen
13:40 Chíos / Hafen Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:45 Strecke: 10,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten
Auf dem Kai gibt es einige Wasserhähne und Stromanschlüsse. Von den Wasserhähnen funktioniert nur der erste am Fuß der Mole. Es ist weit dorthin. Ich stückle alle vorhandenen Schläuche zusammen auf eine Länge von ca. 100m. Weil das Fischerboot hinter uns in der Nacht schon abgelegt hat, können wir die Blodughadda um 2,5 Bootslängen nach hinten verlegen. So geht es sich gerade aus, die Wassertanks neu zu befüllen. Währenddessen gehen Tina und Patrick einkaufen — vor allem Trinkwasser. Ob die Stromanschlüsse funktionieren, habe ich gar nicht probiert; wozu auch, mit vollen Batterien und kaltem Kühlschrank.
Um 11:55h legen wir ab. Der gestern so liebliche Stenó Chíos ist heute ganz anders: Voll mit weißen Kämmen wegen des scharfen NE-Windes. Der Wind ist also voll auflandig mit 25-30 kn und wenn wir die Hafenausfahrt passieren bzw. passiert haben, dann sind wir nur 50-60 m von dieser brodelnden Leeküste entfernt. Außerdem müssen wir im rechten Winkel zum Wind aus dem Hafen hinausfahren und können erst dann gegen den Wind drehen. In langsamer Fahrt bei starkem Seitenwind kann es mit diesem Boot durchaus passieren, dass das misslingt. Jetzt würde ein Misslingen eine Katastrophe bedeuten. Als Patrick die letzte Leine los gemacht hat, gebe ich also Vollgas. Die Strecke zum Beschleunigen ist ca. 80m lang. Wir haben etwa 2,5 kn Geschwindigkeit als wir in die aufgepeitschte See hinauskommen. Trotzdem gelingt es, das Boot dagegen zu wenden und dann, immer noch bei Vollgas, ganz langsam zu beschleunigen. Als wir endlich 5 kn erreicht haben, kann ich aufatmen.
Bei diesem Wind sollte keiner versuchen, diesen Hafen anzulaufen, wenn er ihn nicht sehr gut kennt! Also hatten wir gestern großes Glück.
Wir laufen gegen den starken Wind entlang der SE-Küste von Chíos hinauf. Weil die Wellen nicht sehr groß sind, ist das kein Problem und wir kommen mit 5,4 kn ü.G. voran. Nach 5 sm bei A. Katomén sind wir aber wieder auf dem Rüttelpult und wir müssen die Geschwindigkeit reduzieren.
Um 13:40h erreichen wir die Hafeneinfahrt von Chíos. Im riesigen Hafenbecken ist jede Menge Platz frei. Ebenso an den „Yachtstegen“ im SE-Teil des Hafens. Dort sind auch Bojen und Moorings vorhanden und die Kaimauer ist vollgepflastert mit alten Autoreifen. Blöderweise entscheide ich mich dafür, dort anzulegen. Fast gegen den Wind und mit dem Bug voran ist es normalerweise keine große Sache, anschließend eine Mooring zu nehmen und sie an der Heckklampe fest zu machen. Aber, wie es sich zeigt,befinden sich diese Bojen genau auf der Höhe der Propeller, die ich deswegen nicht einschalten kann. Wir treiben daher sogleich zum Segelbootnachbar, einem Belgier, der gestern angekommen ist, und lehnen uns an seine gefenderte std-Seite. Er erklärt, dass das hier alles Plätze von Dauerliegern wären, die bis morgen an einer Regatta teilnähmen, bis auf den Platz, wo wir gerade seien. Dort liege normalerweise ein großes Motorboot. Wir wären gut beraten, unser Boot weiter weg zu verholen, weil mit dem Motorbooteigner nicht zu spaßen wäre. Also machen wir das. Es ist aber recht mühsam ohne Motor und mit den Bojen, die nicht weit genug entfernt sind. Natürlich verheddert sich auch eine Bojenschnur um einen Saildrive. Ich muss sie schnorchelnderweise im Hafenwasser mit einer Sichtweite von höchstens 63,5cm befreien. Es dauert eine ganze Stunde bis wir mit dem Anlegemanöver fertig sind.
Beate, Tina und Patrick gehen gleich um sich zu erkundigen, ob wir ein Leihauto für einen halben Tag zu einem vernünftigen Preis irgendwo mieten könnten und ich schreibe diese Zeilen. Derweil kommt schon ein älterer Mann ganz aufgebracht und spricht auf Griechisch, dass das hier Privatplätze seien. Ich antworte ihm auf Griechisch(!), dass ich das wüsste und auch wüsste, dass die Boote hier erst morgen zurückkommen würden und dass wir zwischen 8 und 9 losfahren würden ob ob das nicht „entaxi“ (in Ordnung) wäre. Ganz verwirrt ob dieser griechischen Antwort schaltet er auf irgendein Englisch-Italienisch-Gemisch um, und sagt dasselbe dann noch ein Mal. Das mache ich auch, aber auf reinem Greek-English. Dann zieht er ab. Als die anderen mit dem Leihauto kommen, mich abzuholen, sehe ich ihn zusammen mit 2 anderen Männern auf einer Motoryacht einige Boote weiter draußen. Ich erkläre ihnen nochmals, dass wir nur bis morgen Früh bleiben werden. Jetzt finden sie alle das auch entaxi und ich kann beruhigt die Inselrundfahrt antreten.
Wir fahren mit einem roten Citroën C3 Richtung Südwesten der Insel. Die Straße geht hoch in die bewaldeten Berge, teilweise in Serpentinen. Unser erstes Ziel ist Mestá. Die unverputzten Steinhäuser des Ortskernes sind wie eine Festung zusammengebaut. Nur wenige enge Gasserln schlängeln sich durch die Häuser, oft auch unter ihnen. Auf dem Platía (Hauptplatz) genehmigen wir uns eine Erfrischung, während Tina ein Geschäft auftreibt, das Mastix-Waren verkauft. Aus diesem nur hier in Südchios vorkommenden Baumharz wird alles mögliche Essbare gemacht, eigentlich nur aromatisiert, vor allem Süßigkeiten. Wir kaufen einen Tiegel mit weißem pastösem Inhalt und Loukumia – Geleewürfeln, die man vor allem zum ungesüßten griechischen Kaffee nascht. Der Cultural Society of Mesta (www.mesta-chios.gr) hat eine Verkaufsbudel aufgestellt, wo 2 Damen Kräuter, Nüsse und Feigenschnaps verkaufen. Beate kauft Letzteren, weil die Frau erklärt, man sollte ihn wie Ouzo mit Wasser trinken und das könnte mir schmecken. (Später stelle ich fest, dass er in extremer Verdünnung gerade noch trinkbar ist.)
Wir fahren weiter nach Pirgí, der „Mastixhauptstadt“. Unterwegs sehen wir viele Plantagen. Die für Griechenland einzigartigen Kratzputzfassaden geben dem Ort einen ganz besonderen Charakter. Sehr viele Häuser sind eingehüllt in schwarz-weißen geometrischen Mustern, sogar an der Unterseite der Balkone.
Etwas anderes verleiht heute diesem Ort eine besondere Stimmung: Es soll eine Hochzeit stattfinden. Man bekommt das Gefühl, alle Einwohner über, sagen wir 40 Jahren, würden schön gekleidet in freudiger, neugieriger Erwartung auf der Zufahrtsgasse zur Kirche versammelt sein. An einer Kreuzung, an der die Brautleute wahrscheinlich in diese Kirchengasse einbiegen werden, stellen wir uns auch neugierig hin. Alsbald kommt schon der Bräutigam mit großem männlichem Gefolge. Er trägt einen Blumenstrauß aber keine Krawatte. Ich finde, sie sehen alle wie Mafiosi aus. Dann dauert es lange bis die Braut kommt. Ihr Gefolge ist noch größer und wird von einer kleinen Musikkapelle angeführt. Als sie an uns vorbei sind, füllt sich die Gasse mit den Leuten, die hinterher gehen. Nur wir gehen wieder zum Auto.
Als wir um 21h das Auto zurückgeben, regt sich der Verleiher Georgios Psoras vom Exodus Car Rental auf, weil wir angeblich zu wenig nachgetankt hätten. Es entsteht eine sinnlose Diskussion, der damit endet, dass wir zu den „günstigen“ € 35,- Halbtagesmiete noch € 7,- Benzinkosten zahlen müssen. Somit haben wir, zusammen mit den € 7,- an der Tankstelle, € 14,- an Benzinkosten gehabt — für 80 km Fahrt. Bei 1,22/L ergibt das einen Verbrauch von 14,3L/100 km. Ziemlich heftig für ein Miniauto auf Überlandstraße. Würde meinen, etwa doppelt so viel wie tatsächlich.
Während wir anschließend unseren Hunger in einer Taverne an der extrem lauten und mit Lokalen aller Art gespickten Hafenstraße stillen, schaut sich Tina die Stadt noch näher an. Patrick geht mit ihr dann noch eine Runde durch die Stadt, Beate und ich zurück zum Boot. Auf dem Heimweg fällt uns auf, dass das riesige Hafenbecken (700 x 350 m) praktisch leer ist. Kein einziges Fischer-, Ausflugs- oder Segelboot. Nur an der S-Seite liegen 4 riesige Motoryachten, also jetzt abgesehen von der „Marina“ an der SE-Seite, wo die Blodughadda liegt. Bei diesem Wind wäre es auch überall sonst sehr unkomfortabel für eine kleine Yacht, ganz abgesehen vom Lärm. So gesehen war die Entscheidung, hier anzulegen, doch richtig.
30.07.2006 Sonntag
09:55 Chíos / Hafen Karte Ablegen
11:13 schneller
12:26 Oinoússes / O. Fourkeró Karte Ankern
16:55 Weiterfahrt
17:08 Oinoússes / O. Kalamiánis Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:43 Strecke: 15 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten
Unter den Argusaugen des „Marinabewachers“ legen wir um 9:55h ab. Mit einer langen Leine auf Slip ziehen wir uns an einer Mooring langsam hinaus. Weil wir keine Boje mitnehmen, winkt der Grieche freundlich zum Abschied.
Jetzt ist ein Kontrastprogramm angesagt und daher nehmen wir Kurs 030 auf eine einsame Bucht auf der Insel Inússa (Oinnoússes). Der Wind mit ca. 18kn kommt aus 000 und beschert uns zunächst eine Schaukelpartie, die zu mäßiger Fahrt zwingt. Ca. 4 sm S der „Wellenbrecherinsel“ können wir dann Vollgas geben.
Um 12:04 schauen wir uns den Ormos Bogázi an. Die Kartenkommentare „Very good with Meltemi“ und „Shelter from all winds“ des guten Herrn Elías bezieht sich ausschließlich auf die Wellen. Der Wind kann an solchen Stellen durchaus mit ohrwaschelabreissender Geschwindigkeit daher kommen. Ganz so schlimm ist es hier nicht, aber hässlich. Wir drehen um und fahren in die Bucht Fourkeró weiter westlich. Hier ist es netter und vor allem kommt der Wind mit nur 8-13 kn vom Scheitel. Was aber verblüfft: Den Grund sieht man auf 3 m Tiefe kaum, auch nicht mit dem Video. Das Wasser ist nämlich ungewöhnlich trüb. Wahrscheinlich vom Schlickgrund.
Beate macht uns einen griechischen Salat, den wir sogar im Cockpit genießen können.
Dann versuche ich noch eine Toilettenpumpenreparatur, indem ich die Basisschrauben noch mehr mit Teflonband einwickle. Die Schrauben sitzen wieder etwas fester aber sicher nicht lange. Hoffentlich bringen Harald und Matthias die bestellten Hohlraumdübel!
Nach 4,5 Stunden brechen wir wieder auf. Die beißenden Fliegen von den zahlreichen Ziegen an Land haben uns entdeckt und in dem schlecht haltenden Grund ist unser Anker schon 20-30 m geschliert. Wir fahren ganze 0,8 sm in die westliche Nachbarbucht. Diese ist viel kleiner und lieblicher. Insbesondere der Seegrund: gut haltender feiner Sand, der vom Sandstrand im Scheitel langsam abfällt. Und hier gibt es Muschelschalen in Mengen. Patrick und ich tauchen innerhalb von 20 Minuten ganze 65 schöne, große Hälften herauf, viele davon noch durch das Ligament mit einander verbunden.
Patrick und ich spielen lange Karten und plaudern im Salon. Zum Schluss machen wir noch einen Mitternachtsschwimm.
31.07.2006 Montag
10:29 Oinoússes / O. Kalamiánis Karte Abfahrt
15:32 Lésvos / Plomári Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 05:03 Strecke: 35,9 Seemeilen Ø Fahrt: 7,1 Knoten
Um 10:30h brechen wir den Anker aus dem sehr gut haltendem Sand. 1,5 sm weiter westlich fahren wir eine Runde im schönen Hafen. Dann umrunden wir Inússa entlang der SW-Küste, wo sich einige schöne Strände und große Villen befinden, aber keine Menschen.
Das Meer N präsentiert sich ziemlich freundlich, nur 8-9 kn Gegenwind und mäßig große Wellen. Allerdings sind diese größer als diese Windstärke erzeugen würde. Also werden wir wahrscheinlich weiter draußen mehr Wind bekommen. Oder sie sind noch vom gestrigen stärkeren Wind übrig, was weniger wahrscheinlich ist, aber angenehmer wäre.
Um 12:30h, nach 2/5-tel der Strecke, flaut der Wind noch mehr ab und die Wellen werden flacher. Als ich in N auch noch einige ganz wenige Cirrus-Wolken sehe, werde ich optimistischer, dass der Meltémi nach 19 Tagen doch endlich wieder eine Pause machen könnte. Wahrscheinlich ist in Österreich heute das Wetter schlechter geworden.
Der Wetterbericht um 13h weiß aber noch nichts von einer Pause und verspricht Nordwind mit 5-6. Die tatsächliche Windstärke beschränkt sich auf den Fahrtwind von 7,7 Knoten. Mit anderen Worten: Es herrscht Flaute.
Sie hält nicht lange an und etwa 12 sm vor Plomári kommt leichter Wind aus W auf. Als wir um 15:20h an der Hafeneinfahrt ankommen, hat er auf kaum 5 kn zugenommen und wir haben eine sehr angenehme und schnelle Überfahrt gehabt.
Wir legen mit Buganker und Heckleinen am Hauptkai an. Nur 3 Segelboote liegen hier und Platz ist reichlich vorhanden, dafür wenige Festmacherringe. Das macht aber nichts weil es total windstill ist und wir uns Zeit lassen können. Ich stelle dann fest, dass der Katamaran sehr gut liegt mit 20 m zwischen den beiden Festmachern, weil sie jeweils in fast 45° vom Bootsheck weggehen. So viel Platz gibt es aber selten in einem Hafen.
Wir inspizieren den nicht besonders attraktiven aber recht sympathisch wirkenden Ort. Es gibt hier direkt am Kai sogar einen Park, der aber wegen der Gitterzäune wie ein Zoo wirkt. Ich inspiziere noch den im Jahr 2000 neu gebauten Teil des Hafens mit einem Betonschwimmsteg und muss mich wieder über die Schlampigkeit der Griechen ärgern. Hier wären nämlich alle Voraussetzungen für einen wirklich tollen Yachthafen vorhanden inklusive vielen Wasseranschlüssen und Versorgungssäulen für Strom. Aber alles ist kaputt, wirklich alles, sogar die dort aufgestellten Mistkübeln. Und so gut wie alle Plätze sind mit Booten besetzt, von denen die meisten in einem erbärmlichen Zustand sind und sicher nur dort liegen, weil es nichts kostet. Vermutlicher Grund dieser Misäre: Wie üblich ist niemand zuständig.
Der freundlichste Hafenpolizist, den ich in Griechenland je erlebt habe, zeigt mir auf der Seekarte, wo auf Lesvos schöne Ankerplätze vorhanden sind und empfiehlt mir dringend, diese schöne „Insel für Segler“ anzusehen. Ich fange sogleich an zu überlegen, wie lange eine Inselumrundung dauern würde.
Bevor wir essen gehen, beobachten wir, wie ein Mann vom Kai aus ganz lässig einen Oktopus mit einer Leine aus dem Hafenbecken zieht und ihn wieder hineinwirft. Er war zu klein, sagt er. Dann gehen wir ca. 12 m zum am nächsten gelegenen Tisch der Hafentaverna während Tina noch die Geschäfte durchstreift.
01.08.2006 Dienstag
Lésvos / Plomári
Pünktlich um 8:30h kommt der bestellte Dieselwagen und liefert 127 l zum Preis von 1,05/l. Und ebenfalls pünktlich um 9:30h kommt der bestellte Leihwagen Szuzuki Wagon+R. Zwei seltene Ereignisse in Griechenland. Das Auto kostet € 55,- für zwei Tage inkl. 200 km.
Um 10h machen wir uns auf den Weg auf eine Rundfahrt nach Megalochorio, Agiassos und Mytilene. Meine Eindrücke:
1. Sehr viel und vielfältige Vegetation mit massenhaft Olivenbäumen und immer wieder Wasserquellen mit Zapfhahn zu sehen.
2. Bazarstraße in Agiassos ein tolles sehenswertes Erlebnis.
3. Staubpiste zwischen Megalochorio und Agiasssos über den höchsten Berg, der auch hier „Olymp“ heißt, abenteuerlich mit beeindruckender Aussicht und irrem Wind.
4. Mytilene erstickt fast im Verkehr und ist entsprechend laut. Die Yachten liegen dort 10 m von der meist befahrenen Straße der Insel.
Um 15h sind wir wieder zurück und fühlen uns etwas gerädert. Beate, Patrick und ich essen eine Kleinigkeit in der Nachbartaverna. Dann plaudere ich mit einem deutschen Einsamsegler und gehe auf Eiswürfeljagd. In ganz Plomári sind keine zu bekommen, auch nicht von den Lokalen, weil sie zu wenig haben. Der überaus freundliche Mann vom Hotel Oceanis verspricht aber, Eisblöcke von zu Hause zu besorgen. Als er sie mit dem Moped zum Boot bringt, sitzen wir schon mit dem Einsamsegler, der Wolfgang Weber heißt, im Cockpit und plaudern. Er will mit seiner Swan-Yacht in 4 Wochen nach Tunesien, wenn der Wind es zulässt. Nach einer Jause an Bord gehen Beate und ich mit ihm noch zum wunderschönen Platz unter einer riesigen Platane auf ein Retsína und analysieren die EU und erzählen einander schrullige Geschichten über die USA.