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2008-08-01 Rauferei mit Fischern

Aktualisierung 20.08.2018 11:18:18 Anzahl Tage: 13
01.08.2007 Patmos / Hafen Skála – Patmos / O. Meloï
02.08.2007 Patmos / O. Meloï – Patmos / O. Grikós
03.08.2007 Patmos / O.Gríkos bei A. Nisyríou
04.08.2007 Patmos / O.Gríkos bei A. Nisyríou – Amorgós / N. Nikouria / O. Kalotíri
05.08.2007 Amorgós / N. Nikouria / O. Kalotíri – Amorgós / Katápola Hafen
06.08.2007 Amorgós / Katápola Hafen – Náxos / O. Réna
07.08.2007 Náxos / O. Réna – Páros / O. Náousas / w vom Hafen
08.08.2007 Páros / O. Náousas / w vom Hafen – Mykonos / O. Ornos
09.08.2007 Mykonos / O. Ornos – Mykonos / Hafen – Tínos / Ag. Nikolaos – Tínos / Hafen
10.08.2007 Tínos / Hafen – Tínos / Ag. Nikolaos – Páros / O. Alikí
11.08.2007 Páros / O. Alikí – Sikinos / Bucht S von A. Malta (NE-Kap)
12.08.2007 Sikinos / Bucht S von A. Malta (NE-Kap) – Santorin / Bucht SW von A. Mesa Vouno (Perissa)
13.08.2007 Santorin / Bucht SW von A. Mesa Vouno (Perissa)

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Tötterström Patrick

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 39:51 Strecke: 219,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


01.08.2007 Mittwoch
15:00 Patmos / Hafen Skála Karte Abfahrt
16:32 Patmos / O. Meloï Karte Ankern mit Landleine
Zeit unterwegs: 01:32 Strecke: 1,6 Seemeilen Ø Fahrt: 1 Knoten


Auf dem Rückweg zum Boot kaufen wir noch Gemüse und Eiswürfeln ein. Inzwischen hat die Eleni abgelegt, um auf der anderen Seite wieder anzulegen. Nach erfrischenden Getränken mit Eiswürfeln legen auch wir um 15h ab und tuckern in die Nachbarbucht. Dort legen wir eine Landleine vom Bug zum äußerst rechten Baum am Strand und bringen den Heckanker mit dem Schlauch aus.


02.08.2007 Donnerstag
11:30 Patmos / O. Meloï Karte
14:20 Patmos / O. Grikós Karte
Zeit unterwegs: 02:50 Strecke: 3,2 Seemeilen Ø Fahrt: 1,1 Knoten


Der Wetterbericht verspricht Windstärke 6, stellenweise 7. Also bereiten wir 2 Reffs im Großsegel vor. Um 11.30 ziehen wir bereits in der Bucht das Segel hoch und steuern hinaus. Der Wind ist aber sehr heftig. Ohne Genua und nur mit dem gerefften Groß machen wir fast 8 kn Fahrt. Wir haben 34 bis 40 kn Wind schräg von hinten, also volle 8 Beaufort, was im Wetterbericht bereits als Sturm bezeichnet wird. An eine Weiterfahrt zu einer anderen Insel ist nicht zu denken. So biegen wir bereits nach 2 sm in die Grikos-Bucht ein. In der Einfahrt zur Bucht finden wir einen gut geschützten Platz, wo wir wieder Buglandleine und Heckanker ausbringen. Am Ufer bildet ein Stein einen natürlichen Poller, um den Patrick die lange Landleine legt.
Wir haben beste Aussicht auf das tobende Meer auf dem alsbald eine 50m-Perini-Segelyacht unberührt vom Wellengang daher steuert. Die „Santa Maria“ (sehr einfallsreich) aus Douglas (??) mit seltsamer Flagge (rot mit einem Kreuz aus 3 gewinkelten Beinen) ankert gleich hinter uns und gibt wieder Gesprächs- und Spekulationsstoff.
Wir warten den Sturm also gut geschützt ab und ich nütze die Zeit um endlich alle Lampen, die ich auf Åland kaufte, zu montieren. Patrick verbeißt sich in ein PM-Logik-Rätsel und Beate liest.
Um 18:30h setzen wir mit dem Schlauch zum Ufer hinüber und gehen den Strand auf der anderen Seite des Halbinselchens zum Ort Grikos in 5 Minuten. Wir setzen uns in die Taverna Diogenis und essen Käsevorspeisen (Saganáki, Burelákia und Féta).
Kurz nach Sonnenuntergang sind wir wieder zurück auf dem Boot und Beate macht ein leckeres Omelett mit Speck, Zucchini, Erdäpfel, Tomaten und Feta. Inzwischen hat sich der Sturm in ein angenehmes Lüftchen verwandelt. Draußen toben aber noch die weißen Kämme, die wir später auch im Mondschein mit dem Fernglas sehen können.


03.08.2007 Freitag
Patmos / O.Gríkos bei A. Nisyríou
Weil der Wind noch keine angenehme Überfahrt erlaubt, schlafen wir lange. Ich sehe mir im Internet die Windvorhersage auf http://www.windfinder.com/forecast/mykonos für die kommenden 7 Tage an. Demnach sollte es von Montag bis Donnerstag ganz wenig Wind auf Mykonos, sprich in den Kykladen, geben – na hoffentlich.
Wir bleiben also noch am selben Platz und machen am Nachmittag eine Wanderung zum Strand Psili Ammos an der SW-Seite der Insel. Es sind 3,6 km dorthin und nach 1 1/4 Stunden kommen wir an dem wunderschönen Strand an. Die letzten 800 Meter führen über einen schmalen und teilweise steilen Pfad und dauern deswegen eine ganze halbe Stunde. Wir setzen uns in die Taverna im Schatten der Tamarisken und bestellen was zu trinken. Die üblichen Tische und Sesseln stehen hier unüblicherweise in feinem Sand.
Dann suchen wir einen schattigen Platz für unsere Sachen und werfen uns in die Fluten. An dem langen Sandstrand brechen sich die recht großen Wellen und wir und viele andere haben einen Mordspass daran, von den Brechern im Wasser herumgewirbelt zu werden. Beate findet es weniger lustig, fast ertränkt zu werden.
Auf dem Rückweg kehren wir zum Essen in eine Taverna in der Grikos-Bucht ein. Noch vor Sonnenuntergang sind wir beim Boot zurück. Alle schwimmen, um den Staub los zu werden. Das Schlauchboot (und mich) zieht Patrick hinten nach. Dann gibt es noch ein Schafkäse-Oliven Nachthäppchen bevor wir früh schlafen gehen.


04.08.2007 Samstag
06:29 Patmos / O.Gríkos bei A. Nisyríou Karte
07:30 segel setzen
08:25 Motoren starten
09:24 Motor aus
11:30 Motoren starten
12:16 Vorsegel weg
14:12 Amorgós / N. Nikouria / O. Kalotíri Karte Ankern
Zeit unterwegs: 07:43 Strecke: 44,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,7 Knoten


Weil der Meltémi meistens erst nach 10h aufwacht, fahren wir bereits um 6:30h los. Wir umrunden die Südspitze von Patmos und nehmen Kurs auf Amorgos. Der Wind ist tatsächlich recht bescheiden mit 10-13 kn. Auf der w-Seite von Patmos nimmt er etwas zu und wir setzen die Segel. Die Wellen sind allerdings viel größer als von diesem Wind zu erwarten. Nach einer Stunde ist der Wind wieder fast weg, aber nach einer weiteren kommt er wieder. Ab etwa halbwegs bleibt er stabil aus NW mit 15-20 kn so dass wir nach 7 3/4 Stunden Segelns und Motorsegelns in der gut geschützten Bucht Kalotiri S der Insel Nikouria ankern können.
Hier herrscht bescheidener Badebetrieb und eine Strandbar mit dahinter liegendem surrendem Dieselgenerator bewirtet die Badegäste, die mit kleinen Verbindungsbooten vom nahen Amorgos herübergebracht werden. Was besonders auffällt: Es ist kalt (26°) und feucht (50%) und die Inselberge sind in Wolken verhüllt, die der Meltemi erzeugt, wenn er die Bergkette überwinden muss.
Unser Anker liegt nicht gut und der umlaufende Wind lässt uns mehrfach um ihn herum drehen. Wir verlegen uns vom W- in den E-Teil der Bucht, wo der Anker gut hält.


05.08.2007 Sonntag
13:18 Amorgós / N. Nikouria / O. Kalotíri Karte Abfahrt
14:50 Amorgós / Katápola Hafen Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:31 Strecke: 8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


In der Früh schwimme ich zum österreichischen Alleinsegler auf der Stina, der neben uns ankert hinüber. Er heißt Sepp und stammt aus einem Dorf bei Innsbruck. Seit April ist er von Marmaris aus unterwegs und will im Herbst in Lignano sein Boot in eine Werft bringen. Wir plaudern eine Weile und dann schwimme ich wieder zurück. Inzwischen sind auch Beate und Patrick auf. Es gibt Frühstück und anschließend Sonntagsputz. Patrick wäscht wie üblich ab und Beate und ich waschen Deck und Cockpit mit Meerwasser. Salzfrei wird es dadurch zwar nicht aber der Sand von Patmos dürfte weggeschwemmt sein.
Um 13:15h fahren wir los. Nach 1,5h kommen wir im Hafen Katápola an. Am Yachtkai sind einige Plätze frei. Zuerst versuchen wir im E-Teil neben einem anderen Katamaran anzulegen aber der Anker hält nicht. Dann winken uns einige Leute zu, wir sollen doch zwischen zwei Segelbooten am Hauptkai anlegen. Machen wir auch aber beim ersten Mal verschätze ich den Abstand und die Ankerkette ist zu kurz. Beim zweiten Mal klappt dann alles und die Leute an Land helfen, die Festmacher entgegen zu nehmen.
Beate geht den netten Ort inspizieren während ich den Adrenalinpegel mit einem Bier und einem Casino-Spiel mit Patrick senke. Dann setzen Beate und ich uns in ein Café, wo sie ein Bild der malerischen Gasse in das Reisetagebuch zeichnet. Der Kellner ist ganz begeistert.
Abends essen wir in der einzigen Taverna mit bequemen Sesseln (daher auch „Restaurant“ genannt) so ganz gut. Anschließend gehen wir auf einen Drink in eine einfache Bar und danach recht bald ins Bett.


06.08.2007 Montag
13:34 Amorgós / Katápola Hafen Karte
16:34 Náxos / O. Réna Karte
Zeit unterwegs: 03:00 Strecke: 19,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Obwohl in der Nacht ein paar Fähren in unmittelbarer Nähe an- und ablegen, schlafen wir gut. Wir gehen frühstücken in eines der vielen Cafés. Während wir auf die Bestellung warten, kann ich noch vom gerade in den Hafen gekommenen Tankwagen 40 Liter Diesel nachfüllen. Dann machen wir diverse Einkäufe und warten die Abfahrt der Fähre nach Lavrion ab. Es ist eine spektakuläre Autofähre der NEL-Line mit Jetantrieb.
Um 13:34h legen wir ganz gemütlich ab. Das Wetter ist sonderbar, weil es viele Wolken gibt und der schwache Wind aus W kommt. Zwischen Kéros und Antíkeros begleitet uns ein Schwarm Delfine für kurze Zeit. Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie neugierig die Tiere sind. Wenn sie neben dem Bug schwimmen, drehen sie sich auf die Seite, um beobachten zu können, was da eigentlich durch ihr Revier fährt. Zwischen Káto Koufonissi und Naxos wird der W-Wind etwas stärker und wir dürfen ein wenig schaukeln. Aber nach genau 3 Stunden problemloser Fahrt können wir den Anker im feinen Sand der wunderschönen Bucht Réna eingraben. Weil hier wirklich wenig Platz ist, legen wir den Heckanker noch dazu. Wahrscheinlich ist die geringe Größe der Grund, weshalb diese Bucht auf 36°56,8’N und 025°29,5’E in keiner Beschreibung als Ankerplatz angegeben ist. Dabei ist es hier viel schöner als in den anderen Buchten in der Nähe. Und die Fallwindböen sind sicher auch nicht schlimmer als sonst wo an der Südküste von Naxos.
Vor drei Jahren waren wir ganz allein hier. Jetzt hat eine Familie ihr Sommerlager am Strand aufgeschlagen. Patrick und ich schwimmen zum anderen Ende des Strandes, um die Süßwasserquelle anzusehen, die da in die Bucht fließt. Diese und die andere am anderen Ende des etwa 100m langen Strandes, wo die Zelte stehen, verursachen in eigenartiges Flimmern im Meer. Beim Schnorcheln sieht man daher alles unscharf. Erst 20-30 cm unter der Oberfläche wird die Sicht wieder klar.
Nach einer Pause schwimmen Patrick und ich noch in die ca. 15m tiefe Grotte hinein. Es ist spektakulär, weil es aussieht als ob man in ein Riesenmaul, mitsamt Gaumensegel, hinein schwimmen würde. Ganz drinnen setzen wir uns auf einen Stein, der nur etwa 40cm tief liegt, rufen und horchen der unglaublichen Akustik zu.
Abends macht Beate ein fulminantes Menü mit amorgischem Salat als Vorspeise und das in Katápola eingekaufte Rindfleisch mit Erdäpfeln als Hauptspeise. Wir stellen fest, dass es sich auszahlt, beim Fleischhauer einzukaufen, wenn man einen findet. Das Fleisch ist immer gut und günstig. Nur müssen wir es natürlich am selben Tag verwenden.
Dann spielen Patrick und ich noch einige Runden Backgammon. Es ist ganz still bis auf gelegentliche Wellen von vorbeifahrenden Schiffen in der Ferne. Wenn sie in der tricherförmigen Grotte brechen, ertönt ein gewaltiges Grollen.


07.08.2007 Dienstag
12:33 Náxos / O. Réna Karte
16:07 Páros / O. Náousas / w vom Hafen Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:33 Strecke: 23,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Schon vor Sonnenaufgang stehe ich auf. Mir ist eingefallen, dass ich noch ein paar E-Mails schreiben und die Route der kommenden Tage bis Montag wenn Patrick von Santorin nach Hause fliegen wird, überlegen muss. Das mache ich dann auch aber zuerst mache ich mir einen Kaffee und setze mich ins Cockpit. Dabei kann ich lächelnd beobachten wie ein Mann von den Campierern am Strand versucht, die Ziegen zu verscheuchen, die zum Trinken aus der Süßwasserquelle gekommen sind und sich offensichtlich an den Vorräten zu schaffen machen.
Beate macht uns köstliche Schinken-Käse Toasts zum Frühstück. Dann folgt der Morgenschwimm, bei dem Patrick und ich die Ziegen-Süßwasserquelle inspizieren, weil die Campierer mit dem Boot weggefahren sind und wir sie daher nicht stören. Das Wasser rinnt etwa 2 m vom Meer aus einer Felsspalte mit sicher 5 Liter pro Minute. Ich finde es schmeckt leicht salzig aber Patrick meint, es wäre nur stark kalkhältig.
Um 12:30h fahren wir los gegen den leichten SW-Wind(!). Außerdem sind wieder für den griechischen Sommer ganz ungewöhnliche Schönwetterwolken zu sehen. Wir umrunden die SW-Spitze von Naxos und fahren zwischen Naxos und Paros bei mehr oder weniger Windstille in 3,5 Stunden nach Náoussa. Hier stellen wir fest, dass eine neue Hafenanlage für Yachten gebaut worden ist. Trotzdem werfen wir Anker vor dem Sandstrand W davon, weil wir wie immer auch schwimmen wollen. Beim Schnorcheln stelle ich fest, dass der Aushub vom neuen Hafenbecken hier, kaum 100m entfernt, haufenweise ins Meer gekippt worden ist. Zum Glück liegt unser Anker an einer unberührten Stelle im feinen Sand.
Abends rudert Patrick die Beate zur neuen Mole hinüber, weil sie malen möchte. Inzwischen legen wir den Heckanker so, dass der Bug hinaus gegen die Wellen vorbeifahrender Boote zeigt. Außerdem gönne ich mir die Rasur der Woche. Dann rudern auch Patrick und ich hinüber. Wir machen einen kurzen Rundgang durch den sehr pittoresken Ort und treffen Beate bei der Bühne, die im Hafen gerade aufgebaut wird.
Wir machen uns auf die Suche nach einer netten Taverna und landen im Fish Tavern Restaurant „Moschonas“ direkt beim alten Fischerhafen, der von Lokalen umsäumt ist. Es ist extrem Stimmungsvoll hier in der Abenddämmerung. Außerdem kann man sich hier einen Fisch leisten: Beate nimmt eine Goldbrasse = Meerbrasse = Dorade (Tsipúra) und ich einen Meerwolf (Lavráki), der mindestens einen halben Kilo hat. Mit einer ordentlichen Portion Griechischen Salat (Choriátiki), die wir gar nicht mehr hinunter kriegen, kosten sie jeweils nur € 14,50!
Anschließend müssen wir natürlich noch in eine der vielen Musikbars mit Ausblick auf das spiegelblanke Wasser auf einen Drink gehen. Hier sind die Preise allerdings um nichts billiger als in der Sky-Bar auf der Kärntnerstraße.
Auf dem Heimweg bleiben wir eine Weile beim Freiluftkonzert auf der Bühne im Hafen. 12 Musiker und eine Sängerin geben griechische Lieder zum Besten. Offensichtlich sind sie allgemein bekannt, weil viele im zahlreichen Publikum mitsingen.
Dann kehren wir zum Boot mit 40 Paddelschlägen zurück. Es ist absolut windstill und am Strand machen sich Jugendliche daran, Lagerfeuer zu errichten und zu feiern. Es stinkt und sie lärmen – bis 7h in der Früh. Erst danach können wir gut schlafen, bis 1/2 11.


08.08.2007 Mittwoch
11:50 Páros / O. Náousas / w vom Hafen Karte
14:26 Mykonos / O. Ornos Karte
Zeit unterwegs: 02:36 Strecke: 17,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Kurzer Morgenschwimm, Frühstück und um 11:50h Abfahrt. Die Überfahrt nach Mykonos über glattes Wasser bei einem Lüftchen aus W ist herrlich. Bei normalem Augustwetter wären diese 18sm auf Kurs 015 gar nicht zu machen, weil hier der Meltémi am ärgsten tobt. Der Wetterbericht erklärt warum: Das Hochdruckgebiet liegt über dem Tyrrhenischen Meer und Libyen statt über dem Nordbalkan und das Tiefdruckgebiet über dem Schwarzen Meer statt über Zypern und in der ganzen Ägäis herrscht Flaute – recht so! Trotzdem ist die Temperatur mit 28° sehr angenehm.
Nach 2,5 Stunden erreichen wir Ormos Ornós und finden einen ausgezeichneten Platz im E-Teil der Bucht am Fischerpier mit 1,6m Wassertiefe. Wir werfen den Heckanker und legen uns mit dem Bug in Passarellaabstand an. Bei der Ankerbeschnorchelung stellen wir fest, dass wir großes Glück hatten. Vor dem Pier wimmelt es von Ankern und Ketten aber unser Anker liegt vollkommen frei und gut eingegraben.
Gerade als Beate und ich einen Landspaziergang machen wollen, kommt ein Fischerboot herbei, um am Kai längsseits neben uns anzulegen. Der Fischer und seine 2 Mann Besatzung schimpfen fürchterlich und sagen, wir sollen verschwinden, der Platz sei nur für Fischerboote erlaubt, er wolle die Hafenpolizei rufen. Ich antworte, ok soll er ruhig machen und dass es aber „no problem“ gäbe, und zeige, dass eh beide Boote Platz haben, was auch stimmt. Ich hänge einen Fender zwischen den Booten und gehe in den Salon, um unsere für solche Fälle gekauften Marillenschnapsfläschchen für die Fischerbootmannschaft zu holen, damit sie sich beruhigen. Während dessen geht aber der Fischer her, hängt unsere Festmacher ab und schneidet die zwei Springs auf Slip mit einem Messer durch. Das gefällt mir rein gar nicht und ich schreie ihn entsprechend an, ob er „crazy“ geworden ist. Bei allen Auseinandersetzungen mit verrückten Fischern ist mir das während mehr als 400 Segeltagen in Griechenland noch nie passiert.
Wir lassen das Boot am Heckanker liegen, weil beim nicht vorhandenen Wind keine Gefahr besteht. Ich bestücke mich mit VHF-Handfunkgerät und Digitalkamera und paddle mit Patrick im Schlauchboot zum Platz hinüber, wo wir vorhin gelegen sind. Ich mache ein paar Beweisfotos, weil ich vor habe, den Vorfall der Hafenpolizei zu melden. Als der Fischer das sieht rastet er vollends aus, springt aus seinem Boot und attackiert mich mit Faustschlägen, „no photo, no photo“ schreiend, als ob es auch verboten wäre zu fotografieren. Patrick wirft sich sofort auf ihn und versucht ihn zu halten, um mich zu verteidigen. Daraufhin springen auch die zwei anderen vom Fischerboot und es entsteht eine veritable Rauferei. Patrick und ich versuchen zwar mit Gesten und Worten mitzuteilen, sie sollen sich doch beruhigen. Aber sie sind außer Rand und Band und als dann der stämmigste von ihnen Patrick festhält und die zwei anderen auf mich losgehen, fange ich an, mit voller Kraft, „help, help“ zu schreien. Das bringt einerseits die verrückten Fischer zur Räson und andererseits tatsächlich Hilfe. Herr Apostolos Zerkoulis mit Sohn, beide in meiner Größe mit jeweils ca. 1,5-fachen Volumen, haben den Vorfall von ihrem Motor-Schlauchboot aus etwas weiter weg an der selben Mole gesehen. Sie stellen den Fischer zur Rede und sofort entsteht ein fürchterliches Geschrei, von dem wir nichts verstehen. Herr Zerkoulis sagt mir sehr aufgeregt auf Greek-English, ich solle sofort die Polizei rufen. Daraufhin gehe ich die 200 m zur nächsten Bar, um mich nach der Telefonnummer der Polizei zu erkundigen. Ich informiere Beate auf dem Boot per VHF darüber und sie berichtet, dass Patrick bei den hilfreichen Griechen sei und sie bereits die Polizei gerufen hätten. Also gehe ich wieder zurück und erfahre, dass sie tatsächlich die Hafenpolizei angerufen haben und dass diese in wenigen Minuten eintreffen werde. In der Wartezeit bietet uns Frau Zerkoulis Wasser an und erzählt uns, dass an einem anderen Ort ein Fischer gedroht hätte, die Leinen von ihrem Boot loszumachen während sie mit ihrem 10-jährigen Sohn allein auf dem Boot war und dass sie sich sehr gefürchtet hätte. Ich erzähle, dass ich bisher ganz gut mit den Fischern ausgekommen wäre, aber sie meinen nur, 98% seien „Arschlochs“ (wörtlich!).
Die Hafenpolizei aus Mykonos-Stadt trifft mit dem Auto ein, drei Mann stark. Herr Zerkoulis erklärt dem coolen, sonnenbebrillten Chef die Situation. Dieser spricht sehr gut Englisch und hört sich meine Version an. Dann gehen wir zum Fischer und er lässt sich die Version des Fischers erklären, von der ich natürlich nichts verstehe. Ich muss zeigen, wo mein Boot gelegen ist, gleich neben dem Bug des Fischerbootes. Dann telefoniert der Hafensheriff und erklärt mir anschließend, ich hätte jetzt die Möglichkeit, den Fischer anzuzeigen, worauf er in Haft genommen würde. Anschließend würde der Fischer sicher Gegenanzeige erheben und wir beide kämen ins Gefängnis nach Syros, wo wir ins Kreuzverhör genommen würden bis die die Wahrheit feststünde. Das könnte Monate dauern. Ich wende ein, es wäre wohl nicht notwendig, deswegen den Fischer gleich zu verhaften, aber plötzlich schaltet sich Herr Zerkoulis ein und fängt ein lautstarkes Wortgefecht mit dem Fischer an. Offensichtlich sagen sie sich Dinge, die nicht gerade freundlich sind, denn der Fischer attackiert jetzt ihn. Ein Tumult und ein unglaubliches Geschrei entsteht, wobei der Fischer sogar einen Hafenpolizisten bedroht, der mit einem weiteren Auto angekommen ist. Das Chaos ist perfekt. Patrick und ich sehen dem ganzen Geschehen mit Verwunderung zu und stellen fest, dass wir jetzt zu Statisten degradiert worden sind. Als die Hafenpolizisten ihre Schlagknüppel in die Hand nehmen, beruhigt sich die Situation wieder. Ich erkläre, dass ich dem Fischer nicht schaden aber, dass ich will, dass er beim nächsten Bootstourist die Leinen nicht durchschneiden möge. Er interpretiert das so, dass ich meine Leinen ersetzt haben will und sagt es dem Fischer. Dieser ist damit einverstanden und reicht mir die Hand zur Versöhnung und murmelt irgendwas von „work hard“ als Entschuldigung. Er will mir die Leinen ersetzen, ich solle ihm die durchgeschnittenen geben. Patrick rudert zur Blodughadda hinaus und holt sie. Ein Hafenpolizist sagt noch, wir sollen die Leinen tauschen während er noch da sei, sonst würde ich vielleicht leer ausgehen. Der Fischer hat kein adäquates 25m, 16mm Tau aber bietet an, meines zu spleißen, wie ein anderer Hafenpolizist übersetzt. Damit bin ich einverstanden und die Angelegenheit endet damit, dass der rabiate Fischer ruhig vor mir sitzt und 10 Minuten lang das Seil zwar unschön aber haltbar zusammenfügt. So hoffe ich, dass er dem nächsten Boot etwas mehr Zeit lässt, bevor er zum Messer greift.
Anmerkungen dazu: Erstens: In Griechenland sind sämtliche Ufer und Kaianlagen öffentlich und für jedermann zugänglich, außer in besonders gekennzeichneten Bereichen (durch Schilder oder gelber Malfarbe). Die Fischer und viele Einheimische glauben, ein Gewohnheitsrecht auf einen bestimmten Platz zu haben und markieren diesen meistens mit einer Boje und verteidigen ihn mit allen Mitteln gegen Eindringlinge. Es ist so als ob wir auf der öffentlichen Straße einen bestimmten Parkplatz für unser Auto beanspruchen würden. Zweitens: Es ist niemanden erlaubt, nicht Mal der Hafenpolizei, die Leinen eines festgemachten Bootes ohne Einwilligung des Schiffsführers los zu binden. Drittens: Das Durchschneiden eines fremden Festmachers ist mutwillige Sachbeschädigung und Gefährdung auch der anderen Boote und müsste eigentlich von Amts wegen strafrechtlich verfolgt werden. Viertens: Hätten die Fischer voll zugelangt, wären wir wohl ohne Verletzungen nicht davongekommen.

Dann kehren wir zum Boot zurück, holen den Heckanker problemlos herauf und ankern in der Bucht nicht weit von der Bojenkette, die den Schwimmbereich markiert, auf 10m Tiefe auf hartem Sandgrund. Der Platz ist hier knapp wegen der vielen Boote. Wir nützen die Zeit, um den Adrenalinpegel zu senken bis wir um 19:30h mit dem Schlauchboot zum Kai fahren. An der Bushaltestelle treffen wir die Familie Enter, die in der Nachbarbucht Urlaub macht, deren Tochter Larissa Patrick von der Schulclique her kennt. Der reine Badeort hat viele Lokale. Wir entscheiden uns für Nikolados direkt am Strand. Es wird ein vergnüglicher und anregender Abend zu sechst mit viel Diskussion. Es zeigt sich auch, dass das Lokal zwar teurer aber deswegen nicht besser als andere sind.
Zurück auf dem Boot wundern wir uns über den Motorlärm, der von der E-Seite der Bucht kommt und an Lautstärke mit der Discomusik vom Strand in N locker mithalten kann. Wir vermuten, dass es sich um ein Notstromaggregat für die große Appartementanlage „Santa Marina“ handelt, weil heute schon mehrere kurze Stromausfälle waren.


09.08.2007 Donnerstag
10:43 Mykonos / O. Ornos Karte
11:35 Mykonos / Hafen Karte Hafenrunde
12:07 Weiterfahrt
13:16 Tínos / Ag. Nikolaos Karte Ankern
16:18 Tínos / Ag. Nikolaos Karte Weiterfahrt
16:52 Tínos / Hafen Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 03:07 Strecke: 16,3 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


Die Nacht ist absolut windstill und bei leichtem Südwind verlassen wir die Bucht um 10:40h. Wir haben mit den Enters ausgemacht, uns um 12h im Hafen Mykonos zu treffen, weil sie heute einen Leihwagen haben. In einer knappen Stunde umrunden wir das SW-Kap der Insel und steuern auf den Hafen zu. Wir wundern uns darüber, dass das Meer hier voll mit Plastiksäcken und braunen Quallen ist, und dass der große Hafen bis auf einige Motoryachten an der S-Mole leer ist. Bei der Hafeneinfahrt sehen wir, warum: Auf einem Schild steht „SAILING MOORING PROHIBITED“. Ich versuche die Hafenpolizei anzurufen, um zu fragen, ob wir für 2 Stunden doch anlegen dürften. Ich erhalte aber nur die Meldung „All lines are busy, please try again later.“ Der VHF-Kanal der hiesigen Hafenpolizei ist unverständlicherweise im sonst so ausführlichen griechischen Karten-/Hafenatlas nicht angeführt. Also fahren wir nicht in den Hafen hinein, sondern machen zuerst eine Runde in der Postkartenmotiv-Bucht mit den Häusern direkt am Wasser und den 4 Windmühlen knapp oberhalb, bevor wir uns die 2,6 km entfernte „neue Marina“ ansehen. Hier sind die Bauarbeiten noch voll im Gang. Fast alle Boote liegen längsseits, meistens sogar im Doppelpack. Für uns ist kein Platz. Daher müssen wir die Verabredung leider absagen und gleich Kurs auf Tínos nehmen. Resümee von Mykonos: Nie wieder diese Insel!

Nach nur einer Stunde und acht Minuten ankern wir vor dem langen Sandstrand der flachen Bucht Nikólaos für einen Badestopp. Das ,Wetter ist dafür denkbar günstig: Die Luft hat 29°, das Wasser 25° und es weht ein ganz schwacher Südwind. Normalerweise sollen hier die nördlichen Fallwinde von der Bergen von Tínos wie verrückt heruntersausen.
Nach 3 Stunden fahren wir um die kleine Halbinsel zum Hafen von Tínos. Vor der Einfahrt wird gerade ein vorgelagerter Wellenbrecher errichtet, um Schutz gegen Südstürme im Winter zu bieten. Der Mooring-Man pfeift uns und zeigt einen Anlegeplatz am ehemaligen Fähranleger E vom vollen Yachtkai an. Patrick darf das erste Mal das Anlegemanöver fahren während ich den Buganker mache und dann dem Mooring-Man die Heckleinen zuwerfe. Er stellt sich als Dimitrios vor und sagt, die „Anlegegebühr“ betrage fünf Euro aber wir dürften ihm gerne mehr geben, weil er beim Anlegen geholfen hat. Wegen der guten Erfahrung in Patmos gebe ich ihm zehn, womit er hoch zufrieden ist. Er ist auch gleich hilfreich und ruft den Dieselwagen an, der alsbald eintrifft. Wasser für das Boot bekäme ich morgen, wenn ich einen entsprechen langen Schlauch hätte.
Beate und ich machen uns auf, die Kirche mit der wundertätigen Ikone zu besichtigen. Die ca. 1 km lange gepflasterte Gehgasse vom Hafen zur Kirche ist gesäumt von Geschäften, die unglaublichen Devotionalienkitsch verkaufen. Auch kleine Plastikflaschen für Weihwasser und überdimensionale Kerzen in Abstufungen zwischen einem und zwei Meter Länge sind überall zu haben. Das ist weiter nicht verwunderlich, denn dieser Pilgerort hat einen ähnlichen Stellenwert wie Lourdes in Frankreich. Die Kirchenanlage ist groß aber die Kirche selbst ziemlich klein und voll von Menschen. Die wundertätige Ikone befindet sich an einem Pult ein paar Meter nach dem Eingang hinter einer Glasscheibe, die von den Leuten ehrfürchtig geküsst wird. Die Ikone soll Jungfrau Maria darstellen aber sie ist überhaupt nicht erkennbar. Vielmehr sieht sie aus wie eine abstrakte Installation aus schwarzem und silbernem Material und vielen Edelsteinen. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Opfergaben in Form von silbernen Weihrauchgefäßen, von denen die ganze Decke voll gehängt ist. An jedem baumelt ein Gegenstand: ein Boot, ein Bein, eine Brille, ein Schraubenschlüssel, etc.
Bevor wir am Abend essen gehen, ergänzen wir unsere Vorräte im sehr gut sortierten Champion-Markt gleich an der Hafenstraße. Zwischen 20 und 01h ist diese für den Verkehr gesperrt und bekommt die Funktion einer Flaniermeile. Als solche wird sie von den zahlreichen griechischen Urlaubern ausgiebig genützt. Und die Pier an dem wir liegen wird als Spielplatz für Kleinkinder ausgiebig genützt, was allerdings den niedrigen Lärmpegel des fehlenden Auto- und Mopedverkehrs wieder in die Höhe treibt. Als wir um 23:30h schlafen gehen ist das Fußballspiel der 10-Jährigen noch voll im Gang, aber wir können trotzdem gut einschlafen.


10.08.2007 Freitag
11:00 Tínos / Hafen Karte Abfahrt
11:20 Tínos / Ag. Nikolaos Karte Ankern
12:33 Tínos / Ag. Nikolaos Karte Weiterfahrt
16:32 Bei Einfahrt Paros-Antiparos
17:33 Páros / O. Alikí Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:19 Strecke: 32,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten


Nach einer sehr ruhigen Nacht holt Beate Brot und Gebäck vom Bäcker und es gibt Frühstück. Dann gehe ich auf Wassersuche. Am Yachtkai gibt es drei Versorgungsstellen mit fertig angeschlossenem Schlauch. Die Blodughadda liegt allerdings fast 100m entfernt so dass ich einen Teil meines Schlauchvorrates aktiviere und 60m ausrolle. Das genügt. Dimitrios ist auch zur Stelle und ist sehr zufrieden damit, dass die Autos über meinen aber nicht über seinen Schlauch fahren. Es dauert entsetzlich lange, bis die 200 Liter nachgefüllt sind, weil das Wasser so langsam rinnt. Es ist aber klar, schmeckt gut und kostet so viel wie man zahlen will. Weil ich gestern 10 gezahlt habe, zahle ich heute nur 2,50, womit Dimitrios auch zufrieden ist und mir noch einen aus dem Internet ausgedruckten Zettel in die Hand drückt. Es ist die Wettervorhersage der kommenden 7 Tage für die SE-Ägäis.
Voll getankt und frisch proviantiert verlassen wir Tinos Hafen um 11h, um 20 Minuten später wieder in O. Nikólaos zu ankern. Wir brauchen dringend ein erfrischendes Bad.
Eine Stunde später fahren wir los Richtung Páros und müssen richtig aufpassen, um nicht in die Quere der extrem vielen Fähren, die Tínos anlaufen, zu kommen. Resümee von Tínos: Sehr nett! Es tut uns direkt Leid, keine Zeit gehabt zu haben, die vielen schönen und ursprünglichen Dörfer der Insel anzusehen, was uns der Segelbootnachbar eindringlich empfohlen hatte. Tínos wir kommen wieder!
Die 28 sm lange Überfahrt nach Páros ist angenehm. Die Motoren schnurren, der Wind schläft, kleine Wellen lassen das Boot sanft schaukeln, Patrick liegt auf seinem Lieblingsplatz im Trampolinnetz und hört Musik, Beate liest, ich schreibe Tagebuch. Zwischendurch gibt es einen griechischen Salat mit Oliven- und Schinken/Käsetascherln vom Bäcker in Tínos. Dann spielen Patrick und ich Karten bis wir nach vier Stunden in die Einfahrt zur Straße zwischen Páros und Antiparos kommen. Wegen der vielen Klippen und seichten Stellen gilt es, hier aufmerksam zu navigieren. Patrick macht es bestens. Nach einer weiteren Stunde biegen wir in die Bucht Alikí an der SW-Küste von Páros ein. Wir ankern vor dem Sandstrand der kleinen Ortschaft auf 3,5 m Tiefe im kristallklaren, 27° warmen Wasser. Schwimmen ist angesagt und eine ruhige Nacht in Aussicht, weil keine Strandbars, Kinderspielplätze oder gar viel befahrene Straßen zu erblicken sind. Naja, ein Fußballplatz dürfte sich hinter dem Strand befinden. Aber ob gerade heute ein Match stattfindet?
Die Schnorchlerei ergibt: Feinster, gut haltender Sand, Seesterne, die über diesen gleiten, viele Einsiedlerkrebse, die hektisch auf diesem laufen und einander bekämpfen, Rotbarben, die emsig in diesem wühlen und Zylinderrosen (Ceriantharia), die in diesem stecken. Wenn man ihre braunen Tentakeln berührt, ziehen sie sich blitzartig in ihre Wohnröhre zurück. Offensichtlich wird der Sandgrund hier selten von Ankern durchwühlt. Am ganzen Strand sind höchstens 50 Urlauber. Mit den schattenspendenden Tamarisken auf der einen Seite und dem herrlichen weit hinaus seichten feinen Sandgrund auf der anderen, finde ich, ist dieser Strand einer der schönsten in ganz Griechenland. Möge er noch lange so unbekannt und unberührt bleiben!
Während ich schnorchle schwimmt Beate zum Strand und geht den Ort inspizieren. Sie berichtet, dass auch dieser sehr nett ist und dass der Fußballplatz eine Tennisanlage ist. Weil ich Gusto auf Thunfischspaghetti und nicht auf griechischen Speisen habe, essen wir an Bord und setzen das Dinghy erst gar nicht ins Wasser.


11.08.2007 Samstag
12:36 Páros / O. Alikí Karte
15:10 Síkinos Bucht am NE-Kap angesehen
15:23 Sikinos / Bucht S von A. Malta (NE-Kap) Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:47 Strecke: 16,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


Das sonderbare Wetter bringt während der Nacht leichte Wellen aus S, extreme Feuchtigkeit aber kein Wind. Das Boot dreht sich und schaukelt leicht, was weniger stört aber die Feuchtigkeit in Verbindung mit der Fußbodenheizung macht die Luft stickig. Außerdem besuchen uns Gelsen obwohl wir mehr als 100m vom Strand ankern. Also doch keine wirklich angenehme Schlafnacht.
Um 12:30h fahren wir ab. Die Überfahrt ist etwas holpriger als die gestrige und ab etwa halbwegs nimmt der SW-Wind(!!!) auf über 20 kn zu. Nach 2,5 Stunden erreichen wir Sikinos und entdecken eine Badebucht S des NE.Kaps. Weil kaum Wind und wenig Wellen vorhanden sind und auf 5m Sandgrund zu sein scheint, werfen wir Anker und gehen schwimmen. Der Anker liegt tatsächlich in feinen Sand aber zum Strand hin wird der Grund steinig und im N-Teil sind zwei große Steine knapp unter der Wasseroberfläche. Am Strand sind einige wenige Badegäste, die mit kleinen Booten vom Hafenort Alopronia hergebracht werden. Ich frage einen Bootsführer wie die Lage dort sei. Er bestätigt meine Vermutung, dass sie nicht gut ist, weil Wellen bei diesem Wind hereinkommen. Dieser Platz wäre der beste zum Übernachten. Bei diesem Wind gibt es auch auf den anderen Inseln keine gut geschützten Buchten. Also bleiben wir da.
Heute ist übrigens der 365. Tag meines Computerlogbuches, das ich seit Ende Mai 2002 führe. Somit bin ich seither ein ganzes Jahr auf der Blodughadda in Griechenland gewesen.


12.08.2007 Sonntag
11:22 Sikinos / Bucht S von A. Malta (NE-Kap) Karte Ablegen
17:13 Santorin / Bucht SW von A. Mesa Vouno (Perissa) Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:50 Strecke: 37,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Es lässt sich einigermaßen schlafen obwohl es recht schaukelig ist und der Wind während der Nacht 2x die Richtung um 180° ändert. Um 11:20h fahren wir los. Zuerst entlang der SE-Küste von Sikinos, um einen Blick auf den Hafen zu werfen. Dieser ist tatsächlich sehr klein und besteht hauptsächlich aus einem Sandstrand mit Badebetrieb. Dann nehmen wir Kurs auf Santorin. Nach ca. 2,5 Stunden können wir in die Kaldera hineinsegeln. Wir sehen uns die 300 m hohen, senkrechten roten Felswände an, an deren Kamm sich die Städte Fira und Ia wie Schnee auf einem Berg schmiegen. Danach sehen die Lavagesteinsinsel Kammeni aus der Nähe an und fahren wieder aus der Kaldera heraus. Es dauert ganze 1,5 Stunden die Kaldera zu durchqueren bevor wir um die W-Spitze fahren können. An der S-Küste sehen wir uns den Fischer- und Yachtboothafen an. Er wirkt ziemlich verkommen, obgleich er besten Schutz bietet. Wir wundern uns über drei große Boote an der Innenseite des Wellenbrechers. Sie dürften dort so lange unbeaufsichtigt gelegen sein, dass die Versandung sie fast komplett aus dem Wasser gehoben hat. Nach einer weiteren halben Stunde werfen wir um 17:13h den Anker vor dem Badeort Perissa beim mächtigen Felsen Mesa Vouno.
Die Dünung ist zu hoch, um am Anleger mit seichtem Wasser unterhalb des Felsens anzulegen. So müssen wir mit dem Schlauchboot zwischen die vielen Badenden hindurchschlängeln und am Sandstrand anlanden, was bei der Brandung kein einfaches (=trockenes) Manöver ist. Wir gehen zum Autoverleih Romani und bestellen einen Nissan Micra um € 50,- für morgen. Dann gehen wir essen in die Taverna Porto Castello direkt am Strand und an der Hauptstraße (die allerdings nach 200 m endet und daher hier nicht so viel Verkehr hat). Wir bestellen die üblichen Vorspeisen, Griechischen Salat und gebackenen Käse (Féta Tyrí). Dieser ist besonders groß und ungewöhnlich trocken aber sehr schmackhaft. Als dann die bestellte Grillplatte für zwei Personen mit angezündeten Sprühkerzen serviert wird, glauben wir unseren Augen nicht. Sie würde sicher für fünf Personen ausreichen. Obwohl wir essen was wir können, bleibt mehr als die Hälfte übrig.


13.08.2007 Montag
Santorin / Bucht SW von A. Mesa Vouno (Perissa)
In der Nacht schaukelt das Boot in alle Richtungen und morgens habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Könnte aber auch von der gestrigen Grillplatte sein. Patrick packt seine Sachen zusammen und in zwei Fahrten bringen wir alles und alle an Land. Das Ausladen verläuft zwar etwas umständlich aber trocken an einer Treppe des Anlegers. Anschließend bringe ich das Dinghy zum Sandstrand, wo wir es bis sehr weit vom Wasser heraufziehen.
Mit dem Auto wollen wir zuerst die Minoische Stadt in Akrotiri aus der Zeit vor dem Vulkanausbruch besichtigen. Diese ist aber aus „technischen Gründen“ für die Saison gesperrt. Dafür können wir die Bauern bei der Weinernte beobachten. Sie müssen sich tief bücken, um die Trauben an den ganz niedrigen Weinstöcken abzuschneiden. Dann kommen die Trauben in eine Plastikkiste, die auf einen Esel beladen wird. Der Esel wird voll beladen mit zwei Kisten zu einem kleinen Lastauto geführt, der am Feldrand steht, wo die Kisten umgeladen und gestapelt werden.
Wir beschließen, als nächstes den Ort Oia ganz im Norden zu besichtigen. Halbwegs im Hauptort Fira stehen wir im Stau! Nach 30 Minuten und einer Strecke, die zu Fuß höchstens 10 gedauert hätten, habe ich genug und will einen anderen Weg suchen. Wir biegen ab hinunter Richtung Ost, weil es auf der mäßig guten Karte aussieht, als ob es Schleichwege gäbe. Die gibt es auch, aber keinerlei Wegweiser. Wir verfahren uns hoffnungslos und sehen Orte, die kein Tourist jemals gesehen hat bevor wir endlich einem Wegweiser nach Oia folgen können. Der Weg führt über Dörfer entlang des Abhangs und später entlang der Küste bis wir Oia problemlos erreichen. Ein Parkplatz hat auf uns gewartet und wir gehen wenige Schritte zur Hauptpromenade. Der Ort ist wirklich sehr schön und eindrucksvoll. Die Häuser sind praktisch über einander gebaut, weil es so steil hinunter geht. Nach einer Runde setzen wir uns auf eine Erfrischung ins Café-Restaurant Seagull mit fantastischer Aussicht und miesem Schinken-Käse Toast.
Die Straße zurück führt durch die schroffe Vulkanlandschaft ganz in der Höhe. Wir finden in Fira auch sofort einen Parkplatz (was gar nicht selbstverständlich ist) und gehen auf dem spektakulärsten Fußweg Griechenlands entlang des Abgrundes in 15 Minuten ins Zentrum. Wir drehen eine Runde durch die schmalen, juweliergesäumten Gässchen und erfrischen uns mit sauteuren Getränken in einem der zahlreichen Lokale mit „best view over the caldera“. Im Reiseführer lesen wir, dass Pirgos ein Besuch wert sei. Also fahren wir hin und klettern durch die schmalen Gassen des Ortes mit dem „am besten erhaltenen mittelalterlichen Charakter“ auf die Spitze des Bergkegels, wo sich das alte Castro mit verlassenen Behausungen in erbärmlichem Zustand befindet.
Zurück an der Hauptstraße biegen wir in die Weinkooperative „Santo Wines“ ein. Auch diese bietet eine tolle Aussicht, viele Sitzplätze, wovon wenige im Schatten und eine Weinverkostung von 6 Weinen mit Käse und Oliven. Der weiße Assyrtico und der rosé Ageri schmecken uns am besten. Also kaufen wir je eine Flasche im sehr schönen Shop.
Den Sonnenuntergang betrachten wir im lokal Caldera View mit „best sunset view“, essen was und fotografieren. Dann wird es Zeit, Patrick zum Flughafen zu bringen. Wir warten bis er eingecheckt hat bevor wir uns verabschieden. Auf dem Heimweg kaufen wir im Champion-Markt ein, der bis 22h offen hat. Weil wir das Auto nicht mehr brauchen, bringen wir es noch am Abend zum Verleiher zurück. Die Einkäufe und uns bringen wir trocken aufs Boot, weil die Dünung inzwischen ganz sanft ist.