Aktualisierung 21.08.2018 21:36:41 Anzahl Tage: 8
01.07.2009 Léros / Marina Leros Evros SA
02.07.2009 Léros / Marina Leros Evros SA
03.07.2009 Léros / Marina Leros Evros SA
04.07.2009 Léros / Marina Leros Evros SA – Léros / O. Xirókampos
05.07.2009 Léros / O. Xirókampos
06.07.2009 Léros / O. Xirókampos – Léros / Lakkí – Kálymnos / O. Paliónisos
07.07.2009 Kálymnos / O. Paliónisos – Kos / Marina
08.07.2009 Kos Nord / Marina
Crew:
Tötterström Tom
Lamprecht Harald
Schillab Christian
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 6:51 Strecke: 43,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten
01.07.2009 Mittwoch
Léros / Marina Leros Evros SA
Der Olympic-Flug von Harald hat eine Stunde Verspätung. Christian und ich fliegen daher früher mit einer steinalten MD 83 der Firma Mapjet. Offenbar will SkyEurope nicht riskieren, die eigenen Maschinen irgendwo beschlagnahmt zu bekommen und engagiert daher eine andere Firma. Nach einem guten Kaffe und 2:15h landen wir in Athen. Wir erkundigen uns nach der besten Möglichkeit, nach Piräus zu kommen und gehen dann ins McDonalds. Am besten nehmen wir also den Zug, der etwa eine Stunde dauert, insbesondere, weil jetzt rushhour ist und ein Taxi mindestens 40-50 Euro Kostet gegenüber 3×5,- mit der Bahn.
Harald landet und um 17:14h können wir den Zug nehmen – sehr modern und bequem. Allerdings müssen wir umsteigen irgendwo. Wir fragen einen Herrn, der, wie es sich herausstellt, perfekt deutsch spricht. Am besten sollen wir die Metro M1 nehmen, weil der anschließende Vorortezug so selten verkehrt. Die M1 kommt in der Station Naratziotissa auch alsbald. Aber das Vorwärtskommen gleicht einer Grottenbahnfahrt mit gelegentlichen Unterbrechungen. Es dauert daher ewig, die 20 Stationen bis Piräus abzuspulen. Als wir um 18:30h aussteigen, sind wir noch zuversichtlich, rechtzeitig da zu sein und noch eine Fahrkarte für die Fähre um 19h zu bekommen. Wir gehen über den Fußgängerübergang zu den Fähren. Aber unsere Blue Star ist nirgends zu sehen. Wir biegen ab nach links und gehen los auf eine, wie es aussieht, Fahrkartenverkaufsstelle. Davor hält gerade ein Taxi. Ich frage ihn, wo denn die Blue Star wäre. Er meint „three kilometers away“, er könne uns dorthin führen. ein paar Uniformierte daneben bestätigen. Er mahnt zur Eile – es sei außerdem verboten, hier Passagiere aufzunehmen.
Tatsächlich dauert es bis 18:45 bis wir vor den Verkaufsschaltern der Blue Star Line stehen. Zwei Leute stehen vor mir. Ein Neger bittet mich um 2 Euro, damit er genügend Geld für die Fahrkarte hat. Ich gebe sie ihm. Als ich darankomme, ist der Kartenverkäufer ganz hektisch und braucht einen Namen, um nach Karten im Computer nachzufragen. Dann lehnt er sich zurück, schließt die Augen und sagt „sorry no tickets boat is full“. Christian und ich stehen völlig verdattert da. An den anderen zwei Schaltern sind keine Leute mehr angestellt. Wir fragen jetzt nach, ob es vielleicht doch eine Möglichkeit mit Kabine gäbe. Der junge Mann klopft in den Computer ohne Resultat. Dann überlegt er ein wenig, klopft wieder hinein und kommt darauf: In einer Kabine mit 4 Betten wären noch drei frei, koste 72 Euro pro Person, ob wir die haben wollen – no na! Der Taxler kassiert 12 Euro für seine Geistesgegenwärtigkeit und 3 für die Fahrt und setzt uns direkt vor der Blue Star 1 ab. Fünf Minuten bevor das Schiff ablegt, marschieren wir an Bord und lassen uns mit den Rolltreppen auf Deck 7 hinaufbringen.
Die Außenkabine ist tadellos, lediglich mit einem Soldaten auf dem Weg nach Leros besetzt. Wir erkunden das Schiff und gehen alsbald in das verhältnismäßig kleine Restaurant mit Bedienung. Auch dieses ist tadellos und gar nicht teuer. Wir genießen das Abendessen und stellen fest, dass wir sehr froh sind, eine Kabine zu haben. Denn bis 3 Uhr Früh irgendwo bei den Massen von Deckspassagieren auszuharren, wäre wohl ziemlich arg. Bereits um 22h gehen wir schlafen. Der Soldat tut es schon.
02.07.2009 Donnerstag
Léros / Marina Leros Evros SA
Mit wenig Verspätung kommen wir um 3:40 in Leros an. Alle haben irgendwie, aber nicht ganz schlecht geschlafen. Das Lokal am Hafenpier hat offen. Wir beschließen, hier auf das Tageslicht zu warten. Es gibt köstlichen (wirklich) Neskaffee, süße und salzige Kexe aus dem Regal. Um 5:30h soll die nächste Fähre kommen. Also haben wir keinen Stress bezüglich Taxis.
Wir schlagen die Zeit tot mit Kaffeetrinken und Kexessen und Herumalbern mit dem neuen Roller, den Harald im Karton mitgeschleppt hat. Kurz vor Sonnenaufgang um 5:20 nehmen wir eines der hier wartenden Taxis zur Marina Evros. Die Blodughadda hat inzwischen einen neuen Platz bekommen, der allerdings recht weit weg von der nächsten Wasser-/Stromversorgungssäule ist. Der Schlauch, besser: Alle an Bord befindlichen Schläuche, reichen gerade aus, um die 60-70 m zu überwinden. Harald und Christian waschen den Staub vom Deck ab und ich fange bereits an, das Abdeckband aufzukleben für die Antifoulingmalerei. Dann hilft mir Christian damit und um 8h machen wir eine Stunde Pause. Vom Kiosk gleich außerhalb des Marinageländes kaufen wir Getränke und Croissants in der Plastikverpackung als nochmaliges Frühstück. Am Kinderspielplatz gegenüber verzehren wir die Leckereien.
Dann geht es ans Streichen. Die Farbe aufrühren und in die richtige Konsistenz bringen, dauert gut eine halbe Stunde lang. Dann packe ich die aus Österreich mitgenommenen Malerrollen aus und stelle fest, dass ich am falschen Platz gespart habe. Die langhaarigen Rollen saugen mindesten einen Viertel der sauteuren Antifoulingfarbe und beim Abrollen spritzen sie das Gesicht samt Brillen voll kleiner schwarzer Pünktchen. Der Farbverbrauch ist außerdem enorm. Ich wechsle zu einer vom Vorjahr noch vorhandenen Lammfellrolle und damit geht die Arbeit besser. Sie ist aber nicht wirklich unanstrengend und daher bin ich sehr froh, dass Harald den Steuerbord-Rumpf abrollt.
Der nette Engländer vom Ketsch „No Limits“ bietet an, den Antifouling-Spray für die Saildrives und Propeller mitzunehmen bei seiner Schlauchbootfahrt zum Ort. So sind wir schon um 14h fertig mit dem Unterwasseranstrich.
Christian und Harald sind hungrig aber ich bin mehr müde als hungrig. Also gehen die zwei die 20 Minuten zum Ort und ich ins Bett. Drei Stunden später treffen wir uns wieder an Deck. Wir richten uns am Boot irgendwie ein und gehen dann wieder um 19h gegenüber der Marina zum Hendlbrater essen. Es wird uns ein ganzes Tier, griechischer Salat und Senf(!!!) gereicht. Bis auf den Senf wird alles aufgegessen und dann ruft wieder die Koje.
03.07.2009 Freitag
Léros / Marina Leros Evros SA
Trotz um 6h Früh angehenden Maschinenlärms von der Bergbaustelle – der Hafen wird erweitert – schlafen wir bis nach 8h früh. Das Frühstück fällt mangels Ess- und Trinkbarem aus. Wir bunkern Wasser. Christian holt was vom Kiosk vor der Marina und Harald kauft Gemüse und Obst vom fliegenden Händler. So kommen wir doch zu einem Frühstück.
Der riesige Travellift in einer Ecke der Marina fängt zu brummen an. Nachdem ich die restliche Marinagebühr bezahlt habe, bekommt der Liftführer grünes Licht und ich die Bootspapiere. Die Blodughadda wird gehoben und mit mir als Passagier zum Travelliftbecken geführt. Alles läuft glatt, die Motoren starten und Christian kommt an Bord. Als Harald mit der bb-Heckleine an Bord kommen will, gebe ich sanft Gas rückwärts, um aus dem Becken herauszugleiten. Aber das Boot reagiert nicht sondern treibt langsam vorwärts. Ich wundere mich, dass ich den Winddruck so unterschätzt habe und gebe daher ordentlich Gas im Rückwärtsgang. Aber die Blodughadda schießt nach vorne. Bevor ich auf die Idee komme, dass die Gänge verkehrt herum funktionieren könnten, kracht das Boot schon gegen das Ende des Travelliftbeckens mit ordentlicher Wucht. Dann erst, leider zu spät, ist mein Gehirn bereit zu akzeptieren, dass alles bisher gelernte andersherum ist. Dass ich also Gas vorwärts geben muss, um rückwärts zu fahren. Vom Aufprall erhält der steuerbord Bug einen etwa faustgroßen Cut etwa 10 cm oberhalb der Wasserlinie und der Querbalken zwischen den Bügen eine Delle, die leider auch mit einer Verformung des gesamten Balkens einher geht. Es ist klar, dass das Boot sofort wieder aufs Land muss, damit der Schaden am Bug nicht nass wird und an Land repariert werden kann.
Ich rufe sogleich Pierre an, der während des Winters einige Servicearbeiten auf der Blodughadda in Auftrag hatte und erzähle ihm was passiert ist. Er sagt mindestens 15 Mal „fuck“ aber organisiert dann auch den Allround-Werftarbeiter Bob von der Evros-Marina, um den Plastikschaden möglichst schnell zu reparieren. Und tatsächlich legt der Bob auch gleich los.
Ich gehe zum Marinabüro und erzähle das Geschehene. Der Chef Constantin Kalantzopoulos meint, das wäre nicht passiert, wenn ich die Arbeiten bei der Marina und nicht bei Pierre bestellt hätte, naja.
Christian und ich versuchen die Ursache der verkehrten Gänge zu ergründen, können aber nur vermuten, dass entweder die Gashebel vertauscht oder die gesamte Fernsteuerungseinheit um 180° gedreht worden sind. Pierre hatte ja den Auftrag, diese Hebel neu zu lackieren während des Winters.
Mittlerweile hat Harald Gusto auf einen Kaffee und ich erkläre ihm, wie das Ventil auf der Gasflasche funktioniert. Er kann es aber nicht aufschrauben. Ich auch nicht und der Christian auch nicht. Er versucht sogar, den durch intensive Zangenbewegungen inzwischen vom Metall gelösten Plastikknubbel auseinander zu sägen. Wir müssen aber einsehen, dass wir das Gas so nicht in Richtung Herd befördern können.
Bobs Reparatur geht zügig voran und er gibt uns die Hoffnung, morgen wieder ins Wasser zu können. Wir wollen es vorläufig noch gar nicht hoffen und marschieren nach Lakkí. Das Essen in To Petrino ist wieder sehr gut und der Supermarkt „Delikatessen“ gleich in der Nähe hat bis 21h geöffnet. Für Frühstück in den nächsten Tagen ist also gesorgt und der Marinehändler hat sogar einen passenden Campinggas-Flaschenanschluss samt 0,28 bar Druckregler um € 7,50 lagernd.
04.07.2009 Samstag
17:50 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Abfahrt
18:49 Léros / O. Xirókampos Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:59 Strecke: 6,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
Mit einem infernalischen Schleifgeräusch weckt uns der Bob auf. Ich dachte tatsächlich zuerst, das sei die Schiffssirene einer Fähre in Gefahr. Das erste ordentliche Bordfrühstück ist also eingeläutet.
Irgendwann kommt dann der Thomas – ein Deutscher, der ebenfalls für die Marina arbeitet – aufs Boot und sieht sich die Motorfernsteuerung an. Er sieht auch keinen offensichtlichen Fehler und holt daher Bob dazu. Nach längerem vierfachen Kopfkratzens (also auch von Christian und mir), kommen wir zum Schluss, dass die ganze Einheit um 180° verdreht eingebaut sein muss. Also wird diese recht mühsam ausgebaut, umgedreht und wieder eingebaut. Das war es auch. Jetzt funktionieren die Gänge so wie sie sollen. Der Angestellte/Handlanger/Neuer Selbständiger „Steve“, der nicht mehr „available“ ist, hat angeblich den Mist gebaut, wie Pierre am Telefon sagt.
Christian und ich machen einige Fotos vom Schaden und ich mache anschließend die Schadensmeldung an die Yacht-Pool Versicherung per E-Mail. Dieses funktioniert übrigens ganz ausgezeichnet und ist im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte billiger geworden – nur mehr € 15,- per Woche inklusive 1 GB Datenverkehr per Tag.
Ich darf wieder eine Marina-Rechnung bezahlen – diesmal 450,- Euro für die neuerliche Travelliftbewegung sowie die Reparatur des Stbd. Rumpfes. Dieser hat jetzt einen neuen Schaumkern, eine neue einlaminierte Glasfasermatte und darüber einige Schichten neuen Gelcoats an der eingedrückten Stelle. Der Gelcoat kann allerdings erst nach einigen Tagen oder später, sprich: wenn die Blodughadda wieder an Land kommt, glatt geschliffen und poliert werden. Aber Hauptsache, die Stelle ist jetzt wasserdicht und stabil repariert. Auf den Preis für den Travellift hat Constantin übrigens 50% Rabatt gegeben – 283,- statt 566,- Euro. Finde ich einerseits nett und zuvorkommend andererseits immer noch teuer. Die Maschinenstunde vom Travellift kostet also über 1.000 Euro.
Um 16:40h bin ich wieder mit dem Travellift unterwegs. Diesmal läuft alles bestens. Wir wollen endlich schwimmen und legen daher gleich los ohne einen weiteren Aufenthalt an einem der neuen Schwimmstege der Marina. Nach einer Stunde erreichen wir die Bucht Xirókampos an der Südspitze von Leros. Die letzte Viertelstunde vor der Einfahrt in die Bucht begleiten uns drei recht große Delfine, ca. 2 m lang. Sie sind außergewöhnlich spaßig, schwimmen daher nicht nur zwischen den Bügen hin und her sondern machen auch richtige Luftsprünge, teilweise mit Rückenlandung. Man hat wirklich das Gefühl, sie wollen uns ansehen und ordentlich imponieren. Wir fotografieren und filmen was das Zeug hält. Wir sind wirklich sehr imponiert.
Eine gelbe Boje der Taverna Aloni ist noch frei und die nehmen wir sogleich. Wir pumpen das Schlauchboot auf bevor wir uns in das herrliche heiß ersehnte kühle Wasser werfen. Naja, mit 24,5° ist es vielleicht gerade noch als kühl zu bezeichnen.
Das Essen in Aloni ist wie immer sehr gut. Die Lobeshymnen des Kellners tragen wohl zu diesem Eindruck auch bei (“very special Mussaka“). Auf die Frage, was denn dabei „special“ sei, antwortet er überlegen, dass die Erdäpfel und Melanzani von hier, genauer, von seinem Garten seien. Das ist natürlich schon special. Die anderen Tavernen machen ja sicherlich das Mussaka mit ägyptischen Kartoffeln und türkischen Melanzani.
05.07.2009 Sonntag
Léros / O. Xirókampos
Heute muss die Dirk repariert werden. Die Leine habe ich in September mit Wolfgang zum Waschen herausgeholt und mit einer provisorischen roten Schnur ersetzt. Die rote Schnur ist abgerissen und baumelt oben am Mast.
Harald darf in den Bootsmannstuhl und wird mit Hilfe der Ankerwinde hinaufgezogen. Obwohl diese laut Beschreibung locker 350 Kilopond ziehen können müsste, tut sie sich sehr schwer. Die FI-sicherung fällt zwei Mal und als Harald noch ein paar Meter unter der Mastspitze weilt, gibt die Winde den Geist ganz auf. Das ist für das angestrebte Vorhaben weniger dramatisch, weil dort schon die rote Schnur baumelt und wir die Dirk durch den Mast und nach Hinten zum Baumnock ziehen können. Fürs Hinunterkommen braucht man auch keine Winde sondern nur die richtige Technik des Fierens an der Winschtrommel. Also kommt Harald wohlbehalten herunter.
Aber die Ankerwinde funktioniert nur mehr abwärts. Bei aufwärts hört man wohl das Relais mit einem „Klack“ anziehen aber danach bewegt sich nichts. Die Große Werkzeugkiste darf auf das Vordeck kommen und ich in den Ankerkasten kriechen. Christian assistiert mit Messgeräten und Ratschlägen, wie der Fehler durch Messungen mit dem Voltmeter eingegrenzt werden könnte. Als größtmögliche Fehlerursache erkenne ich aber mit bloßem Auge, dass die Anschlussterminale des Relais für die Ankerwinde komplett verrostet sind. Nach etlichen Caramba-Spritzern (Rostlöser) gelingt es mir, das Kabel vom Anker-Auf-Terminal zu lösen. Eigentlich wollte ich dieses Kabel auf des Anker-Hinunter-Terminal legen, um zu sehen, ob die Ankerwinde dann in die andere Richtung drehen würde, wodurch die Winde wieder einsatzfähig wäre – hinunter geht der Anker sowieso mit der geöffneten Kupplung ohne Strom. Aber die Mutter und das ganze Teminal sind so verrostet, dass keine Chance besteht, das Kabel abzuschrauben. Es endet damit, dass sich irgendwas dreht, nämlich das ganze Terminal samt Mutter, und auch dieses beim Drücken des Tasters stromlos bleibt. Also Relais kaputt, ein neues muss her.
Am Sonntag ist das auf jeden Fall unmöglich. Daher beschließen wir, bis morgen hier zu bleiben und dann wieder zurück nach Lakki zu fahren, um ein neues Relais zu besorgen. Jetzt brauchen wir vor allem Wasser und Milch und was wir sonst noch ergattern können. Ich weiß, dass am Ortsanfang ein Geschäft vorhanden ist und schlage vor, dorthin zu gehen. Mit dem Schlauchboot hinüber gerudert und 10 Minuten gegangen stellen wir fest, dass das Geschäft geschlosssen hat. Und wie hier allgemein üblich gibt es kein Schild, das die Öffnungszeiten anzeigen würde. Aber unterwegs haben wir ein kioskähnliches Geschäft in einem Haus gesehen, in dem eine ältere Dame ausgeharrt hat. Wir retten ihren Tag und kaufen Getränke um 21 Euro ein.
Dann gehen wir Mittag essen in die mittlere Taverna des Ortes – Mama Veta. Auch sehr köstlich. Christian sagt sogar, sein Spinat mit Käse und getrockneten Tomaten im Steinguttopf sei überragend gut. Mein Mussaka schmeckt auch nicht nach ägyptischen, sondern einheimischen Erdäpfeln und Harald packt die Portion Spaghetti Bolognese gar nicht.
Wir rudern wieder zum Boot zurück. Die Genua wird endlich gesetzt, also aufgezogen und eingerollt. Nach diversen erfolglosen Versuchen, die Kleininverter für 230 Volt Strom in Gang zu setzen, setzen wir uns mit dem Schlauchboot in Richtung der letzten Taverna „To Kima“ (Die Welle) mit dem Schlauchboot in Gang. Diese Taverna ist wirklich mies. Da helfen die günstigen Preise auch nichts.
06.07.2009 Montag
11:09 Léros / O. Xirókampos Karte Abfahrt
11:59 Léros / Lakkí Karte
12:34 Léros / Lakkí Karte Angelegt
15:00 Léros / Lakkí Karte Abfahrt
16:50 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 03:15 Strecke: 18,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,7 Knoten
Heute gelingen die Frühstückseier bestens. Wir essen die letzten Vorräte auf. Um 11h brechen wir auf und erreichen Lakki eine Stunde später. Ich bin so fixiert darauf, mit Heckanker anzulegen, dass ich das mögliche längsseits vorerst in den Wind schlage. Als es aber nicht so richtig gelingt, das Boot mit dem Bug in vernünftiger Entfernung zum Kai zu stabilisieren, gehen wir aber doch längsseits zwischen den beiden riesigen Traktorreifen, wo die Blodughadda genau hinein passt. Den Anker lassen wir einfach draußen.
Christian und Harald gehen in den Supermarkt und ich zum Marinezubehörhändler Piperis. Er hat kein Relais für die Ankerwinde. Auch der angerufene Elektriker hat keines. Frühestens in 24 Stunden könnte eines herbeigeschafft werden per Expressbote. Per Segelboote bin ich aber schneller in Kos, wo es wahrscheinlich ein passendes Relais gibt. Beim Geschäft von Wind habe ich auch kein Glück. Die Internetverbindung ist darnieder. Daher kann ich nicht die Wertkarten-SIMs für Internet und Telefon aufladen.
Wir treffen uns im Café der Marina Lakki unweit der öffentlichen Pier, trinken Frappee und essen Toast. Ein Anruf bei Pavlos bestätigt meine Vermutung, dass er in seinem Marinestore in Kos ein passendes Ankerwindenrelais lagernd hat. Er reserviert es für mich.
Um 15h legen wir wieder ab und erreichen O. Paliónisos 1 Stunde und 50 Minuten später. Der Stammplatz ist belegt aber der Platz an der kleinen N-Mole ist frei. Christian bedient den Britany-Anker mit der Hand statt des Hauptankers und Harald springt an Land. Kein optimaler Platz, weil der Wind von der Seite kommt. Aber der Anker hält bestens im Sand.
Abends gehen wir zur Taverna Paliónisis Paradissos hinauf. Nikolas ist gschaftig wie immer und erzählt dass heute bereits 400 Leute da waren – dank der seit Oktober asphaltierten Straße! Ich gebe ihm die ausgedruckten Photos vom letzen Jahr, die er flüchtig ansieht und dann in eines der Fotoalben am Tisch steckt. Wir können Salat, Gigantés, gebratene Zucchini und Melanzani mit Parmesan sowie Tsatsiki haben. Wir bestellen alles sowie Brot, Wasser, Bier für Harald und Retsína für mich. Am Nachbartisch sind Leute, die gegrillten Fisch bestellen und daher hat Nikolas nicht viel Zeit mit uns zu reden. Aber immerhin so viel: Der jüngste Sohn, Leftheris mach die Tourismusschule auf Rodos und praktiziert im Robinson Club auf Kos, der älteste Mike, hat eine Zusatzausbildung zu seinem Handelskapitänstudium und ist jetzt Hafenpolizist in Kalymnos/Pothia und der Mittlere – Name vergessen – fährt zur See. Die irrwitzigen Preise hat er offenbar behalten, weil er 35 Euro für unser spärliches Essen und Trinken verlangt. Er bekommt es aber ohne Murren, denn die Show ist ja auch was wert.
Auf dem Heimweg entdeckt Christian das Spinnenauge. Analog zum Katzenauge reflektiert es das Licht. Aber nur wenn die Lichtquelle eine Stirnlampe ist. Dann geht man den steinigen Pfad von der Taverna zum Strand und sieht immer wieder blaue Reflexe irgendwo am Boden. Näher hinzugekommen und angeleuchtet sind das Spinnen – komplett paralysiert vom Licht.
Harald und Christian gehen bald schlafen während ich das Blogbuch seit beginn dieses Törns nachtrage und damit jetzt um 1:37h fertig bin.
07.07.2009 Dienstag
14:14 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Abfahrt
16:50 Kos / Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:36 Strecke: 18,6 Seemeilen Ø Fahrt: 7,2 Knoten
Salon aufräumen ist angesagt. Es dauert ganze drei Stunden, bis das Chaos beseitigt ist. Ein Buchtschwimm noch bevor wir um 14h abfahren. Der Nikolas lässt sich gar nicht blicken – nicht mehr der Alte.
Über fast glattem Wasser erreichen wir die Marina Kos in Rekordzeit – 2:36h. Kaum angelegt ist der Pierre schon an Bord. Er bedauert den Schaden sehr und versichert, er würde für den Schaden aufkommen. Als ich ihm allerdings erzähle, dass so ein Beam ganz schön teuer sein kann – über 10.000 Euro wie mir André mittlerweile mitgeteilt hat – schluckt er ordentlich und glaubt es noch weniger. Ich eigentlich auch nicht.
Wir checken ein im Marinabüro. Selbstverständlich werden die Papiere wie immer kopiert und auf Nimmerwiedersehen abgelegt. Zwei Nächte kosten hier € 60,24, Internet inklusive. Weil auf einer Tafel angesucht wird, anschließend zum Hafenpolizeibüro zu gehen, mache ich das. Die Filiale im Marinagebäude ist also wieder geöffnet. Die sehr freundliche und hübsche Hafenpolizistin kopiert und stempelt und versucht dann zu erklären, wo ich die Verwaltungsgebühr zu bezahlen habe. Früher kassierte die Hafenpolizei diese, jetzt muss man also deswegen extra in die Stadt zum Steueramt. Der Vorteil, die Polizei im Marinagebäude zu haben, reduziert sich gegen Null. Christian mein ganz richtig, die Marina könnte diese Gebühr ja auch als Serviceleistung einheben und weiter leiten. Es handelt sich um 0,88 Euro!
Pavlos hat wie versprochen ein passendes Relais von Lofrans um 90 Euro auf lager. Jetzt versuchen wir nochmals die verrosteten Muttern auf dem alten aufzuschrauben. Das gelingt nicht. Die Kabel müssen abgezwickt werden. Die restliche Arbeit verschieben wir auf morgen.
08.07.2009 Mittwoch
Kos Nord / Marina
Um 8:40 ruft Stamatis an, dass das bestellte Leihauto auf mich wartet. Ich eile zum Marinaeingang. Ganz stolz stellt er seinen Sohn und Nachfolger vor, der gerade das Militär absolviert hat. Ein recht passables Auto Kia Rio hat er für mich.
Nur Pavlos hat passende Kabeschuhe. Aber er kommt erst um 10:30 ins Geschäft. Mit Hilfe von Yves, einem Belgier, der hier in der Marina auf seinem Boot wohnt, wird das neue Relais fachmännisch montiert. Es dauert zwar aber das Resultat kann sich sehen lassen. Beim Pavlos bestelle ich, weil es gerade passt, eine Funkfernbedienung für die Ankerwinde, damit man diese von überall her bedienen kann. Soll morgen kommen.
Christian marschiert in die Stadt. Er will die 88 Cent beim Steueramt einzahlen und die Wind-Telefonwertkarten aufladen bzw. eine neue besorgen. Harald wäscht das Deck und ich kann auch schon eruieren, was für ein Profil für den Beam verwendet worden ist. Thierry BILLARD von Fountaine Pajot schickt eine PDF-Zeichnung und Craig Bond von Z-Spars UK beziffert die Kosten für einen neuen Beam mit £ 1.250,- + VAT. Wer sie im Endeffekt zahlen wird, Pierre oder die Versicherung, weiß ich noch nicht. Aber Hauptsache, ich nicht.