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2009-07-12 Schillabs Resttage

Aktualisierung 21.08.2018 21:35:14 Anzahl Tage: 4
12.07.2009 Kos / Kamari – Nsis Nerá – Kálymnos / O. Vlychádia
13.07.2009 Kálymnos / O. Vlychádia – Kálymnos / Póthia
14.07.2009 Kálymnos / Póthia – Psérimos / O. Vathy
15.07.2009 Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Schillab Christian
Schillab Elisabeth

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 8:34 Strecke: 49,6 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten


12.07.2009 Sonntag
09:31 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
12:42 Nsis Nerá Karte Ankern
14:03 Nsis Nerá Karte Abfahrt
14:16 Kálymnos / O. Vlychádia Karte
Zeit unterwegs: 03:22 Strecke: 24,4 Seemeilen Ø Fahrt: 7,2 Knoten


Überpünktlich um 7:58 holt das Taxi den Harald ab. Wir frühstücken noch fertig, kaufen Wasserflaschen und etwas Proviant ein bevor wir um 9:30h ablegen. Es ist schwül mit über 50% Luftfeuchtigkeit und fast windstill. Kos wird westlich umrundet bevor wir Kurs auf Nsis Nerá bei Kálymnos nehmen können. Dort treffen wir 3 Stunden später ein, werfen den Anker und uns ins Wasser. Die kleine Bucht unterhalb des Kirchleins ist heute am Sonntag gut besucht. Ich schwimme zum Ufer und gehe herum. Ein gewaltig fetter Mann spricht mich an und erzählt, dass er mit seiner Partie im Sommer jeden Sonntag hierher kommen zum Schwimmen, Fischen, Grillen und Essen. Tatsächlich wird heftig gegrillt. Scheint hier ein Frauenjob zu sein. Der Riese erzählt auch, dass man in der Nacht aufpassen muss wenn die Blue Star Fähre vorbei fährt. Die Wellen seien gewaltig.
Auch Elisabeth und Christian schwimmen zum Strand und gehen den betonierten Gehweg hinauf, das Kirchlein besichtigen. Um 14h fahren wir wieder weiter und erreichen die Bucht Vlychadia zwölf Minuten später. Hier ist der Wind sonderbar – aus Süd. Die 5 hier vor Anker liegenden Segelboote schauen also in die verkehrte Richtung. Ich bin sehr unschlüssig, wohin mit uns. Dann entscheide ich mich, per Anker und Landleine an das W-Ufer zu gehen. Alles funktioniert perfekt. Kaum habe ich die Landleine um einen natürlichen Steinpoller glegt, kippt der Wind und dreht auf Nord. Die anderen Boote bekommen die Hektik aber wir nicht. Wir stellen nur fest, dass der Wind immer mehr zunimmt entsprechend der Vorhersage. Daher legen wir noch eine Landleine aus, um den Druck auf zwei zu verteilen.
Dann folgt ein allgemeiner Status des Nichtstuns. Ich genieße den neuen Strandsessel, der auf dem Deck eine perfekt lässige Sitzposition ermöglicht. Plötzlich meint Beate, wir seien dem Nachbarboot verdächtig näher gekommen. Ich sehe mir die Situation per Tauscherbrille an und stelle fest, dass der Anker rutscht. Die zwei Landleinen sind also für die Katz und wir haben ein Problem: Das Boot hängt bereits mit dem steuerbord-Propeller in den Leinen des kleinen Nachbarbootes. Ich stelle mich auf diese so dass sie vom Propeller und Ruder frei kommen und Christian gibt Gas vorwärts. So kommt das Boot doch schnell frei und Christian macht die Landleinen los.
Beim zweiten Versuch hält der Anker in dem schlechten Ankergrund dann doch. Diesmal allerdings ohne Landleinen und mit mehr Platz, weil inzwischen 3 Segelboote abgefahren sind.
Christian und Elisabeth rudern zum Strand und besuchen das private Schwammtauchermuseum und Beate kocht köstliche Spaghetti mit Zucchini-Thunfisch-Sugo.


13.07.2009 Montag
14:02 Kálymnos / O. Vlychádia Karte
15:02 Kálymnos / Póthia Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 00:59 Strecke: 3,4 Seemeilen Ø Fahrt: 3,4 Knoten


Der Anker hat gehalten. Der Wind ist geblieben. Zwei Ausflugsboote kommen an und laden ihre sonnenhungrige Fracht aus. Wir schwimmen und richten diverse Sachen her, wie zB die Mastrutscher waschen und die Landleinen von gestern versorgen.
Um 14h fahren wir los. 40 Minuten später kommen wir in der Hauptstadt der Insel, Póthia, an. Unglaublicherweise gibt es hier einen freien Platz. Ein dicker Mann winkt uns zu, er wolle uns helfen. Wir bringen die Fender und Festmacher aus und legen an. Die ganze Steganlage ist komplett neu über einer Länge von locker 250 Metern östlich der bisherigen Anlegemöglichkeiten – EU lässt wieder grüßen! Der dicke Mann ist der Wirt der Taverna gleich hinter der Hauptstraße und erzählt, dass demnächst auch Wasser und Strom aus den Versorgungssäulen fließen wird.
Mächtig imponiert spazieren wir in die Stadt. Ich habe sie als laut und stickig-heiß in Erinnerung. Mit dem frischen Nordwestwind fühlt sie sich aber jetzt direkt angenehm an. Das mindert auch die Lautstärke.
Wir setzen uns in ein Kafé beim alten Teil des Hafens. Die Rechnung fällt sehr moderat aus – noch ein Pluspunkt.
Abends gehen wir in die Taverna des dicken Anlegehelfers. Sie erweist sich als Volltreffer. Wir essen uns satt mit guten Vorspeisen und sehr gut gegrillten Fisch und zahlen eine ganz normale Rechnung: 72 Euro für vier Personen. Das gibt es sonst kaum irgendwo in Griechenland.


14.07.2009 Dienstag
13:10 Kálymnos / Póthia Karte Ablegen
15:39 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:29 Strecke: 13 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


In den frühen Morgenstunden nimmt der Wind besonders stark zu. Bei dem Lärm kann niemand gut schlafen. Nach Sonnenaufgang beruhigt sich die Lage wieder und wir schlafen bis nach 9 Uhr. Nach dem Frühstück gehen wir ins Nautische Museum. Für einen Euro Eintritt bekommt man hauptsächlich recht interessante Dinge zum Thema Schwammtauschen präsentiert. Gleich daneben und im Eintrittspreis inbegriffen sind zwei Räume mit Möbeln, Hausrat und Vitrinen mit Trachtenkleidung zu besichtigen. Die Dame, die bereitwillig erklärt, empfiehlt, auch das archäologische Museum zu besuchen. Also machen wir uns auf den Weg dorthin. Der dürftige Stadtplan im Reiseführer reicht aus und in ca. 20 Minuten stehen wir vor dem Haus von N. Vouvális, einem Schwammhändler, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelebt hat. Es ist aber nicht mehr das archäologische Museum. Hier gibt es aber drei Räume zu besichtigen, wie sie vor ca. 100 Jahren vom kindlosen reichen Ehepaar bewohnt wurden. Der Prunk ist nicht ohne. Wir werden kostenlos freundlich herumgeführt und der junge Mann verweigert sogar, ein Trinkgeld entgegen zu nehmen.
Das nagelneue archäologische Museum ist gleich daneben. Auch hier ist freier Eintritt. Das erst seit 10. April geöffnete Gebäude ist architektonisch sehr gelungen und die Ausstellung interessanter als ich erwartet hatte.
Auf dem Rückweg kommen wir bei einem Bäcker vorbei. Wir kaufen Brot. Christian darf den untersetzten Bäcker vor seinem riesigen holzbeheizten Backofen fotografieren. Seine Frau spricht sehr gut Englisch und erklärt, dass der Ofen die Wärme sehr lange hält und von Ihrem Mann täglich um ein Uhr in der Früh nur neu aufgewärmt wird mit einem Holzfeuer. Die Familie betreibt die Bäckerei seit 1930. Wir kaufen noch einen Sack Paximádi – hiesiger Zwieback, der in den kalymnischen Salat hinein gehört.Dazu schenkt sie uns einen anderen Sack mit Zwieback vom Anisbrot, das gerade in großen Formen für die Kirche gebacken wird. Die Bäckersleute sind von unserem Interesse begeistert, halten uns vom Gehen ab mit „wait one minute please!“ und schenken uns noch ein ganz frisch gebackenes Anisbrot. Dann gehen wir aber wirklich bevor diese so netten Leute uns ihre Tagesproduktion verschenken.
Beim Fleischhauer werden 4 Schweinskotletts erstanden (5 Euro für 1,08 kg) und einige Leckereien beim Zuckerbäcker. Beim netten dicken Wirten bestellen wir vier Frappees, auf die er uns jetzt einladet. Ich gebe ihm meine Visitenkarte und er seine. Er heißt Themelis und sein Lokal Psaro Ouzeri O Vrachos, seit 70 Jahren in Familienbesitz, Telefon 22430-29879.
Wir legen ab. Themelis kommt mit und hilft mit den Leinen. Die machen auch keine Probleme, dafür aber der Anker des Nachbarbootes. Dieses ist gar nicht anwesend, hat aber einen großen Anker mit zwei Bojen (=leeren Motorölplastikkanistern) als Platzreservierung liegen gelassen. Der Anker kommt mit unserer Ankerkette hoch und wir haben Mühe ihn wieder los zu werden. Als es endlich gelingt, haben wir ihn gute 50 Meter weiter Richtung Hafenausfahrt befördert. Der Besitzer wird sich ärgern. Insgeheim freue ich mich, dass ich endlich ein Mal – wenn auch ungewollt – Rache üben konnte an einem dieser egoistischen illegalen Platzbesetzer mit ihren penetranten Bojen.

Bei sehr starkem Wind motoren wir zur nächsten Insel, Psérimos. Der Ausflugsort ist fast menschenleer. Eine kurze „Haufenrunde“ und weiter geht es um den Südteil der Insel. Das letzte Stück in der großen Vathi-Bucht bläst uns der Wind ganz ordentlich entgegen. An „unserem“ Platz ankert bereits ein Boot. Wir müssen also einen anderen suchen. Etwas E vom Anlegeplatz der Ausflugsboote scheint ein guter zu sein. Der anker hält auch. Aber als ich ihn beschnorchle, sehe ich, dass er ganz offen auf der Seite da liegt – Felsgrund, der aussieht wie Sandgrund! Also nochmal. Diesmal zwischen Stammplatz und Ausflugsbootboje. Der Anker hält wieder und diesmal tief im fast weißen Sand – in einer „Sandkiste“ umgeben vom gleichen seltsamen weißen Felsgrund.

Gemütlich ist es allerdings nicht. Die Fallböen kommen wie verrückt manchmal sogar mit kleinen Windhosen und fliegendem Wasser. Aber unsere Kotletts mit Kalymnischen Salat können wir dann doch recht angenehm im Cockpit essen.


15.07.2009 Mittwoch
12:15 Pserimos / O. Vathy Karte Abfahrt
12:30 Segel setzen
13:57 Kos / Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:42 Strecke: 8,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


Man hält es nicht für möglich: Zu den zwei hier bekannten potenziellen Schlafstörgeräuschen – Wind und Ziegenglockengeklimper – kommt ein neues hinzu: Wildes Hundegebell vom Ufer im Luw um punkt 5 Uhr früh. Nach einer halben Stunde ist es wieder vorbei. Der Wind ist aber nach wie vor stark und laut und die quer daher kommenden Wellen, schaukeln das Boot.

Ein ausgiebiges Frühstück, abwaschen, schwimmen, Tagesereignisse nachtragen und endlich wieder auf den Server stellen. Die Internetverbindung scheint jetzt endlich zu funktionieren. Dann noch eine Stunde Zeit zum Schwimmen vor der Abfahrt nach Kos Marina.

Um 12:15h geht es los. Der Wind ist günstig. Die Segel kommen zum Einsatz und bis kurz vor der Marina können wir sehr schön im raumschots segeln. 88 Liter Diesel wird getankt und einen schönen Platz direkt vor dem Marinabüro wird uns vom Marinero Thomas zugewiesen.

Wie vereinbart steht der Leihwagen auch schon da mit dem Schlüssel unter dem Teppich. Ich hole Claudia und Wolfgang am Flughafen ab. Anschließend fährt Beate mit ihnen zum Lidl. Eleisabeth und Christian gehen eine Runde in die Stadt. Das Abendessen genießen wir mit den leckeren Mezedes der Taverna Ampavris, von wo Beate die Schillabs zum Flughafen bringt.