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2009-08-27 Filip und Freunde

Aktualisierung 21.08.2018 21:29:20 Anzahl Tage: 9
27.08.2009 Sámos / Pythagório Hafen
28.08.2009 Sámos / Hafen Pythagório – Sámos / Nsis Samiopoúla / O. Ag. Pelagía – Sámos / O. Ag. Kyriakis
29.08.2009 Sámos / O. Ag. Kyriakis – Ikaría / Fáros
30.08.2009 Ikaría / Fáros – Foúrnoi / Hafen – Foúrnoi / O. Kasídis – Arkí / Tiganáki
31.08.2009 Arkí / Tiganáki – Patmos / Hafen Skála
01.09.2009 Patmos / Hafen Skála – Lipsi / N. Makronísi – Lipsi / O. Papantriá
02.09.2009 Lipsi / O. Papantriá – Léros / O. Pantéli – Kálymnos / O. Paliónisos
03.09.2009 Kálymnos / O. Paliónisos – Psérimos / O. Psérimos (Avlakia) – Kos / Marina
04.09.2009 Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick
Brenner Filip
Segersven Patrik (Pakke)
Ramberg Sara
Lucander Ylva

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 43:12 Strecke: 131 Seemeilen Ø Fahrt: 3 Knoten


27.08.2009 Donnerstag
Sámos / Pythagório Hafen
Wie vereinbart ruft Filip an als er auf das Gepäck in Samos Flughafen wartet. Der Flug mit der klapprigen, alten Zweipropellermaschine ist gut verlaufen, wenn auch mit Verspätung. Kurze Zeit kommen er mit den Freunden auch schon an. Kaum ist das Gepäck in den Kabinen, gehen wir schon zum Tarsanas essen. Der Hunger plagt sie alle, die mit Zwischenlandungen in Budapest und Athen schon den ganzen Tag unterwegs waren.

Anschließend wird die von ihnen mitgebrachte Weißweinflasche im Cockpit für den Willkommensdrink verwendet bevor die Jugendlichen eine Runde durch den Ort drehen.


28.08.2009 Freitag
12:15 Sámos / Pythagório Hafen Karte
14:15 Sámos / Nsis Samiopoúla / O. Ag. Pelagía Karte
15:27 Sámos / Nsis Samiopoúla / O. Ag. Pelagía Karte
17:47 Sámos / Limnionas Karte
Zeit unterwegs: 04:20 Strecke: 19,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten


So um 9h stehe ich auf und gehe zum Bäcker einkaufen. Danach gibt es das erste Frühstück während dessen wir die Einkaufsliste machen. Filip und Freund machen sich auf den Supermarktweg. Bald kommt die finnische Segelmacherin Anitta vorbei und bringt die bestellte „Windschutzscheibe“. Wir probieren sie gleich aus. Sie passt perfekt und die Anitta bekommt ihre wohl verdiente 200 Euro.
Dann gehe ich zum Postamt, die bestellte Ersatzdolle für das Schlauchboot abzuholen. Sie ist aber nicht da. Ich gehe zum Boot zurück und rufe den Lieferanten an. Sie hätten das Paket am Mittwoch versendet, finde aber momentan die Versandnummer nicht, ich soll in ein paar Minuten wieder anrufen. Ich gehe wieder zum Postamt, rufe die Dame in Thessaloniki an und lasse die zwei Damen mit einander reden. Es stellt sich heraus, dass das Paket mit Botendienst und nicht mit Postdienst versendet wurde und daher wo anders liegt – hurra!
Mittlerweile hat Patrick sich um die Wassernachfüllung gekümmert und um 12:15h können wir ablegen. Bei der Tankstelle in der Marina wird auch der Dieseltank aufgefüllt und dann geht es ab in westlicher Richtung. Um 14:15 werfen wir den Anker in der Badebucht des Inselchens Samiopoula. Die mitgebrachten Schnorchelutensilien dürfen ausprobiert werden. Dann gibt es eine Müsli-Joghurt-Jause bevor wir den doch recht schaukelnden Platz verlassen.
Auf dem Weg gegen Wellen und Wind, zwar nicht stark aber doch, bewährt sich die neue Windschutzscheibe zum ersten Mal. Als wir in die Nähe des Votsilakia-Strandes Psili Ammos kommen, sehe ich am Strand jemanden, der uns zuwinkt. Das kann nur der Herbert sein. Also nehmen wir Kurs auf ihn. Kurz danach ankern wir recht weit vom Strand auf 2m Tiefe. Herbert schwimmt zu uns und erhält ein Bier als Zielgetränk. Nach einer Weile schwimmt er wieder zurück und wir fahren in die bewährte Bucht weiter.
Das Schlauchboot wird repariert und gleich ins Wasser gelassen. Filip und Freunde rudern zum Ufer, kommen aber recht bald wieder zurück. Dann wollen Filip und Pakke unbedingt die Harpune ausprobieren. Nach fast einer Stunde kommen sie doch tatsächlich mit einem Oktopus zurück. Sara und Ylva fangen zu kochen an während die erfolgreichen Fischer mit der Zerlegung des Oktopuses so beschäftigt sind, dass sie sogar auf das wohl verdiente Bier vergessen.

Die riesige Portion Spaghetti mit köstlichem Fleischsugo wird fast vollständig vertilgt. Der griechische Salat sowieso und der mit viel Aufregung zubereitete Oktopus in Knoblauch-Retsína-Olivenölsud findet auch Abnehmer. Der mittlerweile windstille Abend klingt mit Diskussionen bei Retsína und Ouzo im Cockpit aus. Um Mitternacht schlafen schon alle.


29.08.2009 Samstag
11:30 Sámos / Limnionas Karte
13:55 Ikaría / Fáros Karte
Zeit unterwegs: 02:25 Strecke: 15,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Die jungen Finnen sind schon vor neun munter und haben den riesigen Abwasch schon erledigt als ich aufstehe. Die Angel ist im Betrieb, weil sich große Fische sich um die Abwaschreste gerangelt haben. Die Schinkenstücke auf den Haken interessieren sie aber nicht, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Filip die Harpune geholt hat und auf Lauer liegt. Als ich schwimmen gehe und Filip weiter weg ist, kommen die fetten Fische wieder, darunter eine Goldbrasse in der ein Kilo-Klasse. Kaum kommt die Harpune näher, verabschieden sich die Fische wieder. Soll noch einer sagen, dass sie blöd sind.
Nach Frühstück und Abwasch geht es um 11:30h in absoluter Flaute los. Es ist kaum Wind angesagt und daher steuern wir auf Ikaria zu. Zwischen Samos und Ikaria haben wir doch Wind aus 300 mit ca. 10 Knoten, also schräg auf die Nase.

Kurz vor 14h erreichen wir Ikaria. Der Wind hört ganz plötzlich auf kurz vor dem Strand von Faros. Der Kopf des Betonanlegers ist frei und die über 2m Tiefe mehr als ausreichend. Kaum haben wir angelegt, sind wir schon die Attraktion des Ferienortes. Praktisch alle Leute am Strand kommen vorbei und sehen das Boot und uns an. Ein kleines Mädchen sagt „you must be very rich and famous“. Wir verneinen nicht, sondern lachen.

Wir schwimmen und schnorcheln, gehen dann auf ein Toast ins Strandcafé, machen einen Nachmittagsschlaf und gehen dann wieder in die Taverna. Drei Tavernas teilen sich eine gemeinsame Holzterrasse direkt oberhalb des Strandes. Wir nehmen die dritte aus keinem anderen Grund als, dass es keine vierte gibt. Das Essen ist typische Tavernenkost zum normalen Preis. Erwähnenswert ist lediglich der gute Weiß- und Rotwein aus Ikaria um 7 Euro das Kilo.

Weil Ylva heute ihren 21. Geburtstag hat, lade ich die Crew auf einen Drink ins Café Almyra nebenan. Weder Kellner noch Chef kennen „Long Island Ice Tea“ aber nach Studium des Cocktailbuches verkünden sie ganz stolz „yes we have“. Angeblich kostet dieses Getränk in Finnland 20 Euro, weil so viel Alkohol dafür verwendet wird aber hier ist der Preis mit 7 Euro gleich wie die anderen Drinks.

Um Mitternacht gehen alle schlafen nur ich setze mich auf den Standsessel auf das Deck und genieße den herrlichen Blick auf das mondbeschienene Meer. Um ein Uhr wird am Strand ein großes Feuer gemacht und Raketen abgefeuert. Haben die Griechen darauf gewartet, dass der Mond untergeht, bevor sie Feuer machen?


30.08.2009 Sonntag
11:15 Ikaría / Fáros Karte
14:25 Foúrnoi / Hafen Karte
15:12 Foúrnoi / O. Kasídis Karte
16:15 Foúrnoi / O. Kasídis Karte
18:50 Arkí / Tiganáki Karte
Zeit unterwegs: 24:41 Strecke: 29,8 Seemeilen Ø Fahrt: 1,2 Knoten


Zum Frühstück gibt es ein ungewöhnliches Programm: Landende Flugzeuge anschaun. Es sind zwar nur zwei Zweipropellermaschinen aber da die Landebahn nur 440 Meter entfernt liegt, fliegen sie ganz tief über uns. Siehe Google Earth: 37°40.362N 026°21.1E.
Nur Patrick rafft sich auf, schwimmen zu gehen. Allen anderen ist es „zu kalt“. In der Tat weht ein schwaches Lüftchen und es hat „nur“ 25°. Um 11:15 fahren wir los. Jetzt kommt das Lüftchen aus Süd!

Nach einer Stunde und 20 Minuten erreichen wir den Hafen von Furni. Es gibt nur einen Platz an der Außenseite der Hafenmole. Aber bei so wenig Wind ist es kein Problem längsseits beim Fähranlegeplatz zu gehen. Zum dritten Mal in Folge ist außer uns kein Segelboot anwesend. Hier sind aber jede Menge Boote der Einheimischen. Filip und Pakke müssen jetzt schwimmen gehen. Sie machen die tollsten Köpfler und tauchen ins tiefe glasklare Wasser. Dem Filip gelingt es sogar, bis zum 10m entfernten Grund zu tauchen.

Wir gehen auf ein Getränk und Toast in eines der Kafés und anschließend kaufen wir noch etwas Proviant für den Abend ein. Um 14:25 geht es weiter. 45 Minuten später ankern wir in der Bucht Kasidis für einen Badestopp. Es ist herrlich, weil fast kein Wind. Eine Stunde später geht es wieder los. Mittlerweile ist etwas Wind genau von hinten vorhanden. Wir rollen die Genua aus und stoppen die Motoren. Die Geschwindigkeit reduziert sich auf weniger als die Hälfte aber immerhin machen wir etwas mehr als 3 Knoten Fahrt. Der Segelspass hält aber kaum 15 Minuten an bevor der Wind ganz abgeflaut ist.

Um 18:50h ankern wir in Tiganáki, zum 17. Mal für mich und Blodughadda. Wieder sind wir ganz allein. Nach einer Schnorchelrunde fängt die Kocherei an. Es gibt Spaghetti Carbonara und Griechischen Salat. Filip und Pakke kochen unterstützt von Sara und Ylva. Es schmeckt wunderbar. Danach sitzen wir noch lange im Cockpit und diskutieren vor allem die Unterschiede des finnischen und österreichischen Militärs und der Universitätsstudien. Zum Schluss schwimmen Filip, Patrick und ich im Schatten unter dem Boot, um das aufblitzende Plankton anzusehen. Im Mondschein ist es dafür zu hell.


31.08.2009 Montag
12:21 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
12:40 segel setzen
14:30 Patmos / Hafen Skála Karte
Zeit unterwegs: 02:09 Strecke: 10,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,7 Knoten


Nach Frühstück, Abwasch und schwimmen machen sich Filip, Sara und Ylva auf, den Berg auf Arkì zu besteigen. Im inzwischen recht frischen Wind ist es gar nicht so einfach, mit dem Schlauchboot zum Strand zu rudern. Als sie zurück kommen, gibt es wieder einen Schaden: Die nicht ausgetauschte Dolle hat einen Riss, genau an der selben Stelle, wie die zuerst kaputt gegangene. Ich beglückwünsche mich zu der Weisheit, gleich zwei Stück als Ersatz bestellt zu haben und beschließe die Reparatur so bald wie möglich zu machen.

Um 12:20 dampfen wir ab und setzen die Segel gleich S von Maratho. Mit 2 Reffs im Groß und zuerst voller Genua geht es gut dahin. Vor Patmos nimmt der Wind wie üblich zu und erreicht 25 und mehr Knoten. Kurz nach 14h bergen wir die Segel vor der Hafenbuchteinfahrt von Patmos. Am Yachtkai ist massenweise Platz aber die“neue Marina“ ist schon fast knallvoll mit den kleinen Booten der Einheimischen. Na wirklich Hauptsache, dass die EU 75% dieser 3,5 Mio Euro teuren Anlage finanziert hat! Am besten gar nicht hinschauen, außer wenn man wüsste, wo bei der EU man so eine Geldverschwendung anzeigen könnte.

Wir gehen gleich zum Mopedverleiher gegenüber, der zwei schmucke Peugeot-Mopeds á 20 Euro per Tag anstandslos verleiht. Filip und Packe packen ihre jeweiligen Freundinnen auf den Sozius und fahren los, die Insel anzusehen. Patrick und ich spazieren zum Café Ägean, etwas abseits des Trubels.

Als das Fischereizubehörgeschäft BLUE FIN gegenüber unserem Liegeplatz um 17h aufsperrt, sind Filip und Pakke schnell drinnen. Sie zeigen auf ein Foto an der Wand, das einen Mann mit einem etwa gleich großen Thunfisch abbildet, und sagen, dass sie auch so einen Fisch fangen möchten. Der Verkäufer, nicht blöd, verkauft ihnen einen gewaltigen Rapala-Wobbler, ein Bleigewicht, eine neue Leine für die Angel und außerdem einen fluoreszierenden Köder für Kalamari-fischen. Ganze 30 Euro haben sie investiert. Mein Einwand, dass man darum 3kg besten Fisch kaufen könnte, was sicher mehr ist, als sie jemals fangen werden, findet keine freundliche Aufnahme.

Am Abend gehen wie zur Taverna TZIVAERI auf dem Balkon beim Badestrand. Es ist wie schon früher keine schlechte Wahl, wenn auch die Preise etwas höher und die Portionen etwas kleiner als üblich sind. Die Tischdiskussionen drehen sich praktisch nur mehr um die Frage, was mit dem zu erwartenden riesigen Thunfischfang zu tun sei. Anschließend gehen Patrick und ich in die Bar KOUKOUMAVLA auf ein Drink während die anderen vorziehen, zum Boot zu gehen, um für den morgigen Mopedtag fit zu sein.


01.09.2009 Dienstag
14:56 Patmos / Hafen Skála Karte
16:55 Lipsi / N. Makronísi Karte
18:35 Lipsi / N. Makronísi Karte
18:59 Lipsi / O. Papantriá Karte
Zeit unterwegs: 02:23 Strecke: 13,1 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Bereits vor 9h fahren die Mopedfahrer zum Kloster hinauf. Patrick und ich reparieren die angeknackste Dolle des Schlauchbootes. Gerade als wir fertig sind, kommen die anderen auch schon wieder. Ich hatte vorgeschlagen, in der Campingplatztaverna Hamburger zu essen. Also führen Filip und Pakke Patrick und mich dorthin und holen dann die Mädchen mit den Mopeds ab. Allerdings sind wir zu früh da. Der Grill wird erst um 12h angefacht. Wir beratschlagen, was wir in den 1,25 Stunden machen wollen. Als der Wirt merkt, wie enttäuscht wir sind, sagt er, wenn wir alle Hamburger essen wollen, dann fährt er den Grill früher hoch. Natürlich wollen wir alle einen Hamburger Special. 45 Minuten später sitzen wir vor den riesigen Dingern mit Speck, Ei und Tomate zusätzlich zum 200 Gramm Fleischlaberl zwischen den Brothälften. Nur die Burschen schaffen es, alles aufzuessen. Mit 3,50 Euro ist dieses Essen wirklich seinen Preis wert!

Patrick und ich gehen einkaufen während die anderen zur Nordseite der Insel fahren. Wir erledigen alles inklusive Besuch bei der Hafenpolizei. Diesmal ist es billiger: 36 Cent per Meter und Tag + 13% MWSt statt wie letztes Mal 49 Cent, also in Summe 4,32 statt 5,39. Na gut, schon Mal mehr Geld verloren. Die 36 Cent dürfte der offizielle Tarif sein, weil der auch in Samos eingehoben wurde. Dann wollen wir noch Wasser für das Boot tanken. Der uralte Tankwagen steht direkt vor dem Boot aber der Fahrer ist nicht da. Wir erkundigen uns nach ihm. Aber als er nach 1,5 Stunden noch immer nicht aufgetaucht ist, fahren wir um 14:50h los. Pakke und Filip sind schon ganz aufgeregt, weil sie endlich die großen Thunfische haben wollen.

Der Wind ist stark. Das Großsegel kommt gar nicht zum Einsatz. Nur mit 3/4 Genua machen wir schon fast 6 Knoten Fahrt – ideal für die Thunfischfischerei! Die Überfahrt bei raumen Wind ist sehr entspannt trotz der teilweise riesigen Wellen. Sie sorgen eigentlich nur für zusätzliche Unterhaltung.

Kurz vor 17h werfen wir den Anker S von Makronisi. Alle fünf Jugendlichen schwimmen hinüber zur wassergefüllten Doline, springen hinunter und tauchen durch den Tunnel. Sie sind mit der Aktivität sehr zufrieden. Weniger zufrieden bin ich mit dem Anker. Er lässt sich trotz vorsorglich angebrachter Sorgeleine nicht heben. Mehrere Versuche scheitern, ihn aus verschiedenen Richtungen zu bergen. Filip nimmt Schnorchel und Flossen und inspiziert die Lage: Der Anker liegt eingekeilt zwischen zwei Steinen und zwar in mehr als 10m Tiefe! Er taucht hinunter und versucht ihn zu bewegen aber er sitzt bombenfest. Er dirigiert in welche Richtung wir versuchen sollen, den Anker zu ziehen. Aber mit voller Kraft rückwärts bewegt sich gar nichts. Wir lassen die Kette wieder baumeln und Filip taucht zum dritten Mal hinunter. Jetzt gelingt es ihm, den Anker aus der Klemme zu befreien und wir können ihn ganz leicht bergen – uff! Gut, einen guten Taucher an Bord zu haben. Damit hatte ich allerdings gerechnet. Sonst hätte ich hier nie den Anker geworfen.

25 Minuten später ankern wir in der schönen Bucht Papantria in W-Teil der Katsadia-Bucht auf feinem Sandgrund in 2,5 m Tiefe. Trotz des draußen heulenden Windes ist es hier fast ruhig und sehr angenehm. Das muss ich mir merken.

Etwas enttäuscht darüber, dass es kein Thunfischessen gibt, bereiten die 4 Finnen ein sehr gutes Essen. Die gebratenen Zucchini sind wirklich hervorragend und die anderen Vorspeisen aus der Dose auch nicht schlecht. Das Chili con Carne-ähnliche Fleischbällchensugo zum Spaghetti mundet ebenfalls. Pakke sinniert über das ausgebliebene Fischerglück „kann es sein, dass der Verkäufer uns reingelegt hat?“

Als Vorspeise bekommen wir auch eine tolle Aktion von italienischen Charterseglern geliefert: Das Schlauchboot reißt sich los und treibt im Wind sehr schnell dahin. Die Nachschwimmenden erreichen es erst als es an dem Inselchen Lyra, etwa 500m entfernt ankommt. Es ist schon sehr dunkel als sie dann mit dem Segelboot von den anderen abgeholt werden.


02.09.2009 Mittwoch
12:05 Lipsi / O. Papantriá Karte
14:00 Léros / O. Pantéli Karte
18:36 Léros / O. Pantéli Karte
20:30 Kálymnos / O. Paliónisos Karte
Zeit unterwegs: 03:48 Strecke: 21,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,7 Knoten


Wir überlegen, ob es notwendig ist, in Lipsi Wasser zu bunkern. Die Mädchen wünschen, von Donnerstag auf Freitag auf Kos zu sein, weil sie ausgehen wollen. Also muss das Wasser noch zwei Tage reichen, das müsste es wohl.
Es gibt ein ganz tolles Frühstück mit viel Obst, Pfirsich und Zuckermelone.
Um 12h fahren wir los. Der Wobbler wird natürlich sofort gebadet und die Genua ausgerollt. Nach zwei Stunden ankern wir in Pantéli mit dem Heck zum Badesteg. Diesmal aber nur mit dem bb-Heck in der Nähe der Ecke des Stegs, gerade so, dass man hinüber steigen kann, wenn man das Boot näher zieht. Eine Vorsichtsmaßnahme wegen der hier wasserhupftobenden Buben.
Die Finnen gehen zum Johanniterkastell hinauf. Patrick und ich versuchen, die Bremse der Ankerwinde zu lösen. Nach der gestrigen Aktion mit festsitzendem Anker hat sie sich so stark zugezogen, dass es extrem mühsam ist, sie wieder zu lockern. Die Stange verbiegt sich anstatt die Bremse zu öffnen. Nach viel WD40 und Hammerklopfen gelingt es aber doch. Dann bekommt die ganze Mechanik ein Service, sprich: wird zerlegt, gereinigt und neu eingefettet. Als wir fertig sind, kommen die anderen schon zurück. Wir gehen auf ein frühes Abendessen in die Taverna Patimenos und diskutieren, was wir noch machen wollen. Wir beschließen, anschließend in die Nikolas-Bucht weiter zu fahren. Es müsste sich gerade bis zur Dämmerung ausgehen.
Natürlich kommt die Angel sofort in Betrieb. Die neuen Sesseln eigenen sich auch hervorragend als Beobachtungsposten neben der Angel auf der Plattform. Und natürlich könnte man fast schon sagen, sehen wir wieder Delfine am Bug des Bootes. Diesmal sind es fünf kleinere. Am Vormittag waren es zwei größere. Insgesamt waren jetzt fünf Mal Delfine innerhalb einer Woche unmittelbar beim Boot – ein absoluter Rekord.

Erst nach Sonnenuntergang biegen wir in die Bucht fischfanglos ein. Um 20:30h liegen wir mit dem Heck zur Minifischermole wieder in Hupfabstand. Ein netter Fischer hilft uns dabei. Er spricht sehr gut englisch und lobt die Fischereiausrüstung auf der Blodughadda. Das spornt wiederum Filip und Pakke an, an Land zu gehen, um Kalamári zu fischen. Patrick und ich gehen im Mondschein zur Taverna. Die Mädchen bleiben an Bord. Nikolas und seine Frau begrüßen uns herzlich und er erzählt auf meine Frage, wie der Sommer verlaufen ist, dass es anfangs ganz schlecht war aber ab dem 1. Juli gut gegangen ist. Zum Namenstag der Kirche, Peter und Paul, sollen sogar 3000 Personen da gewesen sein, normalerweise bisher so um die 1000. Aber er hätte auch ein Mal 12 Leute aus drei Segelbooten da gehabt, die zusammen nur 14 Euro Umsatz gemacht hatten – furchtbar!

Er ist neugierig und kommt spätabends aufs Boot, um die jungen Leute zu sehen und ein paar Geschichterln zu drucken.


03.09.2009 Donnerstag
13:00 Kálymnos / O. Paliónisos Karte
14:38 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte
17:05 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte
18:50 Kos / Marina Karte
Zeit unterwegs: 03:23 Strecke: 21,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Beim etwas späten Morgenschwimm macht es Spaß, die vielen Fische mit Zweiback zu füttern. Sie kommen bis auf 5 cm zu den Händen heran. Filip und Pakke bringen einen Seeigel mit, der geöffnet und gegessen wird. Es schmeckt angeblich nicht besonders, was ich schon vorher wusste.
Niemand will mehr ins Wasser oder die Ortschaft inspizieren und so legen wir um 13 Uhr ab. Lesen und Kartenspielen kann man schließlich auf einem fahrenden Boot auch. Sobald ich wieder Telefonnetz habe, rufe ich den Frank an. Er und Petra sind in Marina Kos. Ich rufe in der Rezeption an, bekomme aber nur die Antwort, dass die Marina voll ist und ich morgen früh wieder anrufen soll. Frank ruft an, dass der Marinero Thomas einen Platz längsseits geben könnte aber da müsste ich vor 15 Uhr ankommen. Das geht nicht, auch nicht wenn wir den geplanten Stopp in Pserimos streichen würden.

Kurz vor der Einfahrt in die Hafenbucht gibt es die grösstmögliche Enttäuschung: Der 16,50 teure Rapala-Wobbler ist futsch! Die logische Erklärung: Ein Riesenthunfisch hat ihn gegrapscht. Andere Varianten werden auch diskutiert aber mangels Attraktivität abgeschmettert.

Vor dem Strand in Pserimos sind jetzt Bojen vorhanden, um den Schwimmbereich zu markieren. Wir werfen den Anker genau auf der Bojenlinie auf 2m Tiefe. Per Schlauchboot und Schwimm verfrachten wir uns in die Taverna Tripolitis. Der Wirt Nikos scheint ehrlich erfreut zu sein, mich wieder zu sehen. Es gibt wirklich sehr gute Special Sandwiches und Club Toasts.

Nach 2,5 Stunden fahren wir wieder weiter. Frank schickt eine SMS, dass er einen Liegeplatz für uns in der Marina mit Marinero Stavros organisiert hat. Also nichts wie hin. Nach entspannter Fahrt tanken wir zuerst voll an der Tankstelle und bekommen dann einen Platz an der Außenmole längsseits. Auf meine Frage, ob wir hier zwei Tage bleiben können sagt Stavros „zwei Jahre, wenn wir wollen“. Naja, er übertreibt halt gerne.

Frank und Petra sind auch gleich zur Stelle. Das Abendessen wird für 21 Uhr in der Marinataverna vereinbart und dann gehen Parick und ich zum neuen Lagoon 38 Katamaran der Haidingers. Die neue Charivari ist wirklich brandneu und frisch aus Frankreich hierher gesegelt. Selbst waren sie noch nie damit unterwegs sondern haben fast eine Woche lang nur die Sachen eingeräumt, die sich so im Laufe der Jahre sammeln. Obwohl nur 3 Fuß länger und 50 cm breiter ist der Kat wesentlich geräumiger als die Tobago. Er ist auch mit allen möglichen Raffinessen ausgestattet, wie zB elektrischen Winschen mit denen nicht nur die Schoten bedient sondern auch die Segel gehisst werden können.

Um neun Uhr gehen wir also zu acht essen – gut aber bisher am teuersten mit 107 Euro für uns 6. Dann verabschieden sich die Finnen in die Discostreet, weshalb wir ja überhaupt heute schon da sind. Frank und Petra sind schon müde aber Patrick und ich gehen noch auf einen Drink in eines der vielen Lokale an der Uferstraße. Es wird ein sehr schwacher Long Island Ice Tea serviert aber dafür doppelt, weil hier 24 Stunden lang Happy Hour ist.


04.09.2009 Freitag
Kos / Marina
Morgens schaut der Frank vorbei, um mich und Patrick auf die Jungfernfahrt mit dem neuen Katamaran einzuladen. Sie wollen das Boot nur Mal ein paar Stunden lang ausprobieren. Ich muss aber jedenfalls auf den Mechaniker warten. Patrick fährt gerne mit. Die vier Finnen schlafen natürlich lange nach der langen Disconacht. Dafür legen sie nach dem Restefrühstück mit dem Bootsputz ordentlich los und gehen nachher schwimmen zum Strand.

Ich bringe die Wäsche in die Wäscherei und frage nach beim KAVAS-Shop, ob sie einen Ersatz für die gebrochene Flaggenstockhalterung hätten – nein aber ich soll doch beim Pavlos fragen, er sei gleich hinter der Marina. Nicht schlecht ein Bootszubehörgeschäft empfiehlt einen Konkurrenten. Der hat auch nicht so ein Ding aber er würde nachfragen, ob jemand es schweißen könnte. Zwei Ruckdämpfer und die letzten Rope Tidy Hooks – Seilaufhänghaken – kaufe ich ein.

Zurück am Boot ist der Dimitris mit Sohn Yannis schon am Werken. Er hat jetzt einen original Simmerring von Yanmar, den er einbaut. Auch den Dieselfilter erneuert er und stellt fest, dass der Dieseltank gereinigt werden muss. Seit 8 Jahren fürchte ich mich vor dieser Aussage. Denn der Dieseltank hat gar keine Inspektionsluke. Ob man den Tank durch den Einfüllstutzen reinigen kann bezweifle ich. Zumindest habe ich noch nie von dieser Möglichkeit gehört. Also wird es notwendig sein, den Tank zu leeren, abzuschrauben, hervorzuziehen, ein rundes Loch zu sägen und einen neuen Deckel anzufertigen, den Tank durch das Loch zu reinigen, den Deckel draufzuschrauben, den Tank wieder hineinschieben, befestigen und anzuschließen an die Dieselleitungen. Keine Ahnung, wer das machen kann und zu welchem Preis und ohne, dass die Dieselreste zu brennen anfangen.
Die zweite Hiobsbotschaft: Es ist Wasser im Getriebeöl des Saildrives, was bedeutet, dass die Dichtungen kaputt sind und das ohne, dass sich eine Leine im Propeller verfangen hätte. Dritte Hiobsbotschaft: Die Gummidichtung beim Saildrive, die überhaupt das Wasser absperrt, muss dringend getauscht werden. Das muss alle 7 Jahre erfolgen und jetzt ist die Blodughadda schon 12. Wenn die Dichtung platzt, ist der Motorraum sofort voll mit Wasser.
Nach etwas mehr als einer Stunde ist Dimitris schon wieder fertig. Betreffend Rechnung und Kostenvoranschlag wird er morgen vorbeikommen.

Als alle wieder zurück auf dem Boot sind und die Koffer gepackt, gehen wir um 17h Richtung Stadt. Die Wäsche ist schon fertig und die Flaggenstockhalterung repariert. Wir holen beides ab und setzen uns dann in eine der Touristenlokale an der Hauptstraße bei der neuen Bushaltestelle. Kurz nach 19h schauen die Finnen kurz den Baum des Hippokrates an und dann marschieren wir zum Fähranleger. Die Blue Star 1 kommt pünktlich um 19:30h und ein unglaubliches Be-und Entladen beginnt. Wir verabschieden uns von Filip und Freunden und warten noch das Spektakel ab. Uns fasziniert vor allem, wie geschickt die Sattelschlepperanhänger rückwärts in die Fähren geschoben werden und wie schnell die Zugmaschine wieder leer herausfährt. Es sind drei, vier davon und jede fährt mindestens fünf Mal mit einem riesigen Anhänger hinein. Dass dabei weder Fußgänger überfahren, noch ein dazwischen fahrendes Auto beschädigt wird, grenzt nicht an ein Wunder sondern ist eines.

Wie vereinbart, treffen wir uns anschließend mit Petra und Frank im alten Hafen und gehen gemeinsam in die Taverna Mummy’s Cooking. Wir essen sehr gut und günstig für gegrillten Fisch mit 18 Euro pro Person. Die anschließend kostenlose servierten Ouzos, Rakis und Wassermelone machen den Preis noch werter.