Aktualisierung 21.08.2018 20:46:58 Anzahl Tage: 11
23.06.2012 Léros / O. Parthéni Agmar Marine
24.06.2012 Léros / O. Parthéni Agmar Marine
25.06.2012 Léros / O. Parthéni – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
26.06.2012 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni – Lipsi / Hafen
27.06.2012 Lipsi / Hafen – Lipsi / O. Papantriá – Patmos / Livadi
28.06.2012 Patmos / Livadi – Patmos / O. Meloï
29.06.2012 Patmos / O. Meloï
30.06.2012 Patmos / O. Meloï – Lipsi / O. Papantriá – Lipsi / Hafen – Arkí / Tiganáki
01.07.2012 Arkí / Tiganáki – Foúrnoi / O. Kámpos
02.07.2012 Foúrnoi / O. Kámpi
03.07.2012 Foúrnoi / O. Kámpos – Ikaría / Hafen Ag. Kírykos
Crew:
Tötterström Tom
Nozar Claudia
Nozar Wolfgang
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 17:19 Strecke: 73,7 Seemeilen Ø Fahrt: 4,2 Knoten
23.06.2012 Samstag
Léros / O. Parthéni Agmar Marine
Die Blue Star 2 erreicht Leros mit 30 Minuten Verspätung um 5:05 Uhr. Claudia und Wolfgang haben fast nicht geschlafen und so hauen wir uns noch ein paar Stunden aufs Ohr im Appartement. Nach dem Minimalfrühstück bestehend aus Tee und je einer einheimischen Zwetschge fahren wir zum Boot. Es wird innen und außen gewaschen, die lockeren Holzstäbe der Heckplattform mit Maschinenschrauben befestigt, und überhaupt umgeräumt. Zur Mittagszeit fahren wir nach Lakkí, die Bettwäsche aus der Putzerei holen, dann auf ein Mittagessen nach Xirokampos und auf dem Heimweg kaufen wir im Supermarkt und beim Obst- und Gemüsehändler ein.
Ein Nachmittagsschläfchen ist angesagt und dann geht die Schleiferei des Unterwassers an. Nach etwas mehr als einer Stunde habe ich mit dem Exzenterschleifer beide Rümpfe komplett angeschliffen und sehe aus wie ein Schornsteintaucher.
Am Abend essen wir im Restaurant Zorbas in Panteli furchtbar schlecht. Pastizio und Moussaka schmecken nur nach Zimt und der gegrillte Oktopus nach Salz. Den sehr benötigten Verdauungsouzo nehmen wir in der Castelo-Bar unter dem Fußball-Großbildschirm ein.
24.06.2012 Sonntag
Léros / O. Parthéni Agmar Marine
Die Marinadame kann endlich grünes Licht für den Travellift am Montag geben. Wir legen mit dem Unterwasseranstrich los. Um 11:30 ist der erste 2,5-Liter Farbtopf leer und die Saildrives geschliffen und neu angesprüht. Während ich zur Hafenpolizei in Lakkí fahre, noch einige Einkäufe erledige und den Leihwagen zurück bringe, rollt Wolfgang fast die ganze Farbe des zweiten 2,5-Liter Farbtopfes mit dem großen Roller auf. Bis auf die Stellen, die erst gestrichen werden können, wenn das Boot vom Travellift gehoben wird, haben wir in etwa 7,5 Mannstunden (ok auch Fraustunden dabei) verbraucht und rechnen nach: Die Marina hätte für diese Arbeit 870 Euro verlangt. Das Material hat inkl. Roller, Kreppband etc. ca. 170 gekostet. Also wäre die verrechnete Arbeitsstunde auf 93 Euro gekommen. Kein Wunder, dass der Technical Manager keine Aufschlüsselung des Angebotspreises geben wollte.
Wir nützen den hier vorhandenen gefliesten Segelwaschplatz, um die Genua zu schrubben. Besonders aus dem UV-Schutzstreifen rinnt der Dreck nur so heraus. Zum Trocknen ziehen wir die Genua einfach am Vorstag auf, weil der Trocknungsmast schon besetzt ist.
Die diversen herumliegenden Utensilien werden eingesammelt und frisch geduscht gehen wir zur Taverna beim Flughafen, ca. 100m entfernt. Das Essen ist ganz köstlich.
25.06.2012 Montag
11:45 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
12:17 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
Zeit unterwegs: 00:32 Strecke: 1,5 Seemeilen Ø Fahrt: 2,8 Knoten
Wie vereinbart finde ich mich um 8h im Marinabüro ein. Die Erlaubnis der Hafenpolizei, das Boot zu Wasser zu lassen wird kopiert und wir sollen als nächstes Boot für den Lift an der Reihe sein. Sind wir aber nicht. Noch vier Boote werden zum Wasser getragen bis wir an der Reihe sind. Es funktioniert bestens. Aber wäre die Blodughadda 10 cm breiter, könnte sie hier nicht behandelt werden.
Um 11:45h reversieren wir aus dem Travelliftbecken und nehmen Kurs auf die Insel Archangelos gleich gegenüber. Nach kaum 10 Minuten fahrt bleibt der stbd Motor stehen. Mit dem bb Motor geht es aber auch. Der Anker fällt in der schönen Ankerbucht ins Wasser und wir ihm gleich hinterher – herrlich!
Der stbd Motor lässt sich nicht mehr starten. Ich vermute einen Fehler in der Treibstoffzufuhr. Nach Austausch des Diesel-Primärfilters und Ansaugen des Diesels mittels Ölabsaugpumpe läuft die Maschine wieder. Dann mache ich noch Motoröl und -filterwechsel an beiden Motoren und tausche auch den Filter am Wasserabscheider des bb Motors aus. Alles wird gereinigt und die Motoren und die Bilge sehen wieder ansehnlich aus. Ich nicht. Und jede Menge russiges Altöl haben wir in leeren Wasserflaschen an Bord nebst einem öltriefenden Fünffachplastiksackerl mit den alten Motorölfiltern drin.
Auch das Bordklo verlangt ein Service. Es saugt kein Spülwasser an. Ich fülle die Muschel mit Wasser und pumpe es heraus. Beim zweiten Mal anfüllen gurgelt es vielversprechend und mit abwechselnd auspumpen und spülpumpen löst sich die Dreckverstopfung in den Spülkanälen. Endlich eine einfache Reparatur.
26.06.2012 Dienstag
12:37 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
12:56 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
14:08 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
15:20 Lipsi / Hafen Karte
Zeit unterwegs: 01:30 Strecke: 8,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten
Endlich ohne Mückenattacken und Hundegebell geschlafen. Dazu noch ein wunderschöner fast windstiller Morgen mit dazugehörigem Schwimm und anschließendem Müsli-Frühstück.
Ich habe mir vorgenommen, die Probleme mit dem Laderegler der stbd Maschine endgültig zu lösen. Zwei Multimeter installiere ich, um die Spannungen der Batterie und der Lichtmaschine mit der Anzeige zu vergleichen. Damit gelingt es mir, die Potis am Regler so einzustellen, dass beide Werte in etwa gleich sind an Display und Multimeter. Das scheint so zu funktionieren. Während dessen waschen Wolfgang und Claudia das Deck.
Um 12:37h fahren wir los und erreichen die Boje vor dem Travelliftbecken in Partheni. Wolfgang und ich rudern hinüber und bringen den ganzen Mist und das Altöl in die entsprechenden Behälter der Agmar Marina. Im Shop kaufe ich noch ein paar Sachen ein und um 14:08h fahren wir wieder los. Nach etwa einer Stunde muss ich feststellen, dass der Laderegler noch nicht so arbeitet, wie er soll. In der Equal-Phase steigert er kontinuierlich die Ladespannung. Bei 15 Volt schalte ich ihn ab.
Um 15:20h liegen wir an der Innenseite der Pier im Hafen von Lipsi. Ein Bier bzw. Eiskaffee im Calypso folgt sogleich. Während Claudia und Wolfgang den Ort besichtigen, verlege ich die für die neuen Garmin-Instrumente notwendigen Verlängerungskabel. Kurz vor 20h funktioniert alles und ich freue mich über ein extrem gut ablesbares Farb-Display.
Wir essen bei Manolis Tastes wieder ganz hervorragend gut und den eigentlich nicht benötigten Ouzo-Digestiv nehmen wir in der neu renovierten Kneipe direkt am Hafen ein. Aus traditionellen Gründen muss das so sein. So richtig entspannen kann ich mich allerdings noch nicht, weil ich testen muss, ob der vom Christian Baumann erhaltene GPS Empfänger Garmin GPS 45XL sich am neuen Garmin GMI 10 anschließen lässt. Er lässt sich und liefert die erforderlichen GPS-Daten. Dabei hat er sich zwei Tage lang geweigert, überhaupt irgendwelche Daten anzuzeigen. Wir dachten schon, der 16 Jahre alte Empfänger hätte den Geist aufgegeben. Wunder über Wunder.
27.06.2012 Mittwoch
10:17 Lipsi / Hafen Karte
10:30 stbd. Motor stirbt ab
10:56 Lipsi / O. Papantriá Karte
13:23 Lipsi / O. Papantriá Karte
14:42 stbd. Motor stirbt ab
16:00 Patmos / Livadi Geranou Karte
Zeit unterwegs: 03:15 Strecke: 11,1 Seemeilen Ø Fahrt: 3,4 Knoten
Nach Einkauf im Supermarket und der tollen Bäckerei legen wir um 10:17h ab. Ich freue mich, dass das neue Garmin Instrument auch die GPS-Kursdaten super gut lesbar anzeigt. Aber nach 13 Minuten weicht die Freude der Enttäuschung darüber, dass der stbd Motor wieder abstirbt. Statt nach Patmos fahren wir daher nur ein Mal um die Ecke und werfen den Anker in der Südbucht Papantriá. Den Motor bringen wir wieder mit der Ölabsaugpumpe in Gang, d.h. Dieselzuleitung abschrauben und saugen. Dann läuft er wieder bestens. Allerdings, nachdem wir uns doch auf dem Weg nach Patmos gegen recht hübsche Wellen machen, stirbt er nach 1 Stunde und 10 Minuten wieder ab. Mit einem Motor erreichen wir die Bucht Livadi. Es liegen hier ganze 6 Boote, obwohl die Bucht nirgends als Ankerbucht beschrieben ist.
Zwei davon gehören Wolfgang und Marcello, der auf Mittelmeer-Skipper-Forum diesen Ankerplatz publik gemacht hat. Sie kommen alsbald daher mit dem Schlauchboot. Blodughadda ist auch mein Name in diesem Forum und dürfte recht einprägsam sein. Wir plaudern eine Weile, auch über das Motorproblem. Aus eigener Erfahrung sagen sie, dass es bestimmt ein Luftproblem ist: Irgendwo kommt Luft in die Dieselleitung und wenn sich darin genug gesammelt hat, blockiert es die Treibstoffzufuhr. Klingt einleuchtend. Jedenfalls läuft der Motor nach der Dieselansaugmethode sofort wieder bestens. Also wird es notwendig sein, irgendwo eine undichte Stelle in der Dieselleitung zu finden. Na lustige Aussichten für den Rest des Sommers!
Zu Abendessen kocht Wolfgang ein tolles Omelett und dazu gebratenen Saganaki-Käse, den wir noch aus Leros haben. Danach spielen wir Rummy, oder auf Österreichisch „Jolly“. Claudia gewinnt.
28.06.2012 Donnerstag
09:53 Patmos / Livadi Geranou Karte Abfahrt
10:20 Patmos / O. Meloï Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:27 Strecke: 1,9 Seemeilen Ø Fahrt: 4,2 Knoten
Kurz vor 10h fahren wir los. Macello auf Rondinara an stbd und Wolfgang auf Ti Punch an bb winken zum Abschied.
20 Minuten später ankern wir auf dem Sandfleck in Meloï.
Claudia und Wolfgang rudern hinüber, um ein Moped zu mieten und die Insel zu erkunden. Ich inspiziere den stbd Motor, um auf eine mögliche Undichtheit zu finden. Diesel tropft nirgends aber die Dieselpumpe sieht verdächtig aus:

Da dürfte an einer Schraube etwas nicht in Ordnung sein. Die neue Reservepumpe vom Vorjahr wird eingebaut. Das gelingt wesentlich besser als voriges Jahr an bb Motor, weil ich 1. meine neue Nicht-Gleitsicht-Brille verwende, mit der ich auch kopfüber arbeitend bestens sehe, 2. den Motor so drehe, dass die Nocke, die den Hebelarm bewegt nach unten zeigt und 3. eine Pinzette verwende, um die Kupferdichtung zwischen Pumpe und Metalltreibstoffleitung einzusetzen. Am längsten dauert es, die Reste der alten Dichtung zwischen Pumpe und Motorblock zu entfernen und die Kupferdichtungen zu polieren.
Ich lasse den Motor laufen und beobachte die Installation. Die Entlüftungsschraube am Dieselfilter muss ich noch nachziehen aber dann sieht alles dicht aus. Na werma sehn.
Und weil ich gerade bastle, bekommt der Batteriemonitor für die stbd Batterie einen fixen Platz an der Innenabdeckung der Navi-Instrumente.
Als Claudia und Wolfgang zurück gekommen sind, holen wir den Außenborder heraus, damit wir zu dritt hinübersetzen können. Als ich den Motor aus der Bugkabine hole, tropft seltsamerweise Motoröl aus einem Loch oberhalb der Kavitationsplatte und das nicht wenig. Aber der Motor funktioniert bestens.
Wir essen Hamburger und gefüllte Zucchini in der Campingplatztaverna. From the house bekommen wir eine Art Zuchinikuchen als Vorspeise und einen ganz köstlichen griechischen Honig-Zimt-Gugelhupf mit Eis als Nachspeise. Außerdem ist die Wirtin sehr freundlich und die Sessel sehr bequem.
Claudia und Wolfgang düsen mit dem Moped nach Skala, um das Fußballmatch anzusehen. Ich gehe zu Fuß, um die Beine zu vertreten. Von Skala Zentrum bis zum Schlauchboot in Meloï dauert es genau 25 Minuten und 50 Sekunden (am Rückweg gestoppt). Weil ich mich ärgern will, inspiziere ich am Hinweg die um 3,5 Mio Euro gebaute und 2006 fertiggestellte „neue Marina“. Seit meinem letzten Besuch hat sich nur geändert, dass die 32 Strom/Wasserversorgungssäulen und die 17 Brandmeldesäulen Schutzhauben bekommen haben und bei 17 der 19 Fäkalientankabpumpstationen der Schlauch fehlt. Wahrscheinlich anderweitig verwendet. Die Abpumpstationen sind sowieso noch nie verwendet worden und werden es wohl auch nie werden. Hingegen entdecke ich ganze zwei angeschlossene Wasserschläuche aber kein einziges angeschlossenes Stromkabel. In der gerammelt vollen Anlegeanlage (“Marina“ ist definitiv das falsche Wort) gibt es ohnehin kaum Boote, die diese Versorgungssäulen brauchen könnten, falls sie überhaupt funktionieren. Ganze 6 Boote zähle ich, die hier vermutlich Hafengebühr zahlen, weil sie offensichtlich keine Dauerlieger von Einheimischen sind. Tja, ein perfektes Beispiel für griechische Misswirtschaft und sorglosem Umgang mit EU-Gelder. Und das soll sich jetzt plötzlich ändern?
29.06.2012 Freitag
Patmos / O. Meloï
Claudia und Wolfgang fahren nach Skala einkaufen bevor sie das Moped zurück geben. Für 24 Stunden hat es ganze 10 Euro gekostet. Wir faulenzen am Boot und nach einem Salatessen lasse ich die Motoren laufen. Nach 1 Stunde und 46 Minuten drehe ich den stbd Motor ab. Das Problem mit Luft in der Dieselleitung dürfte vorbei sein.
Für den bb Motor führe ich ein Ladeprotokoll, um zu dokumentieren, wann der Regler anfängt, die Ladespannung in die Höhe zu treiben. Das tut er heute aber nicht. Nach 2 Stunden und 10 Minuten drehe ich den Motor ab. 50Ah sind in die Batterie geflossen mit max 13,9 Volt. Das wäre die Idealspannung wenn die Batterie 36°C hätte. Sie hat aber „nur“ 31°, was 14,07 Volt vertragen würde. Aber egal, besser die Batterie wird ein wenig langsamer aber dafür sicher nicht zerstörerisch geladen.
Die einzige Änderung am Regler: Die zwei Verlängerungsleitungen, die zum Minus-Pol der LiMa führen habe ich an der Lusterklemme ab- und wieder angeschraubt.
Mit anderen Worten: Ein lang gewünschtes Ereignis ist eingetreten: Es gibt am Boot nichts, das nicht so funktioniert wie es soll. Möge dieser Zustand möglichst lange anhalten!
Vor dem Abendessen im Camping Restaurant schlagen wir endlich das Großsegel an. Es ist ein wenig mühsam bei dem starken Wind. Aber das Essen ist wieder sehr gut. Eine Grillplatte für zwei schaffen wir zu dritt gar nicht. Dann noch eine Jolly-Kartenpartie, die ich gewinne.
30.06.2012 Samstag
09:56 Patmos / O. Meloï Karte
10:23 Genua dazu, Motoren langsamer
10:51 stbd. Motor stirbt ab
12:32 Lipsi / O. Papantriá Karte
16:15 Lipsi / O. Papantriá Karte
16:44 Lipsi / Hafen Karte
19:27 Lipsi / Hafen Karte
21:08 Arkí / Tiganáki Karte
Zeit unterwegs: 04:46 Strecke: 22,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,6 Knoten
Um 10h machen wir uns auf den Weg. Der Wind ist angenehm schwach. Mit der Genua motorsegeln wir Richtung Lipsi. Alles ist bestens, bis 10:50 als sich wieder die stbd Maschine verabschiedet… Sie hat also seit der letzten Reparatur 2,5 Stunden durchgehalten, bis dieselben Symptome auftreten: Motordrehzahl nimmt ab und es hilft nicht, mehr Gas zu geben. Dann bleibt sie stehen. Also doch etwas, das nicht funktioniert, wie es soll.
Wir nehmen Kurs auf die bewährte Reparaturstelle in O. Papantriá an der Südküste von Lipsi. Vor der Einfahrt rollen wir die Geua ein und geben mehr Gas am bb Motor. Da meldet sich die Sterling Fernanzeige mit einem Warntonsummer zu Wort: Hight voltage trip! Also hat der Regler schon wieder versucht, mehr als 15,5V in die Batterie zu pumpen und hat sich dann selbst ausgeschaltet. Die Spannung, die jetzt an der Batterie anliegt ist 13,10V. In der englischsprachigen Version der Bedienungsanleitung steht, dass in so einem Fall der Regler kaputt ist und ausgetauscht werden muss. Also steht auch das noch bevor.
Gestern zu früh gefreut, aber immerhin ein halber Tag Hochgefühl, dass alles funktioniert. Eigentlich habe ich eh vermutet, dass es nicht lange so bleiben würde. Aber ich wollte mir die Freude nicht verderben.
In Papantria ankernd sehe ich mir den stbd Motor nochmals genau an. Der Sekundärfilter ist pipifein ohne jede Verunreinigung. Aber die flexible Dieselleitung, die zur Pumpe hin führt, dürfte schon in die Jahre gekommen sein. Die Schlauchklemmen kann man alle nachziehen und das Ende an der Pumpe wirkt etwas spröde. Ich verkürze die Leitung um 3 cm und ziehe die Klemmen ordentlich an. Na vielleicht war das die Stelle, an der Luft in das System gekommen war.
Es gibt einen griechischen Salat und dann ein Nachmittagsschlaferl.
Um 16:15 fahren wir weiter zum Einkaufen nach Lipsi. Nach kaum 15 Minuten stirbt der Motor wieder ab. Es gelingt mir nicht, ihn wieder in Gang zu setzen. In Lipsi legen wir längsseits an der Außenseite des Piers an. Mit einem Motor geht das gerade noch. Claudia und Wolfgang gehen einkaufen, ich zum Motor. Es gelingt mir nicht, ihn zu starten. Den (heuer neuen) Waterboy frage ich ob es einen Mechaniker auf Lipsi gibt. Es gibt und er ist flux da auf einem vergammelten Moped. Er diagnostiziert die Sekundärfiltereinheit als Ursache des Problems, montiert es ab und verschwindet auf seinem Mopedkrewecherl. 45 Minuten später kommt er wieder und montiert das Ding wieder an. Mit einigen Tricks lässt sich der Motor starten. Er packt seine Sachen zusammen und will 20 Euro für seine Arbeit. Er bekommt 30.
Wir legen wieder ab. Nach 20 Minuten wieder dieselben Symptome: Der stbd Motor verliert an Drehzahl, schwankt zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen um danach bei etwa 1000 dahin zu röcheln. Was neu ist: Er stirbt nicht ab sondern hustet vor sich hin und lässt sich gar nicht ausschalten mit dem Zughebel im Cockpit. Erst mit Druck auf den Abwürghebel direkt am Motor.
Beim letzen Abendlicht erreichen wir Tiganaki und essen Claudias köstliche Penne mit Sugo.
01.07.2012 Sonntag
12:41 Arkí / Tiganáki Karte
17:30 Foúrnoi / O. Kámpi Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 04:48 Strecke: 18,5 Seemeilen Ø Fahrt: 3,8 Knoten
Wolfgangs hervorragende Idee, den Dieselschlauch vom Tank zum Absperrventil durch einen Durchsichtigen Schlauch zu ersetzen, führt er gleich selbst aus. Mit seinen langen schmalen Armen und brillenfreier Sicht geht es ganz gut, obwohl trotzdem sehr mühsam, weil der Platz so eng und der Schlauch ein wenig zu dünn ist. Der abmontierte Schlauch zeigt tiefe Risse und ist alles andere als Luftdicht, was er durch Hineinblasen unter Wasser feststellt. Also wieder ein Ursachenkandidat für die Motorprobleme.

Es folgt die bewährte Entlüftungsprozedur mit der Ölabsaugpumpe. Aber jetzt sehen wir, dass sich am höchsten Punkt eine Luftblase, etwa doppelt so groß wie die Libelle einer Wasserwaage sich nicht durch Saugen entfernen lässt. Ich stecke die Pumpe um und befördere den Diesel von unten in den Tank und weg ist die Luftblase. Jetzt läuft der Motor bestens.
Wir brechen um 12:41 auf und nehmen Kurs auf Furni. Es ist zwar extrem ungemütlich gegen Wind und Welle aber morgen soll der Wind noch stärker werden. Mit nur 2000 rpm machen wir kaum 3kn. Trotzdem kommen immer wieder Brecher über das Boot.
Ca. 1 Stunde S vor Furni begleiten uns drei Delfine eine ganze Weile. Wir können natürlich nicht aufs Deck, um sie näher zu beobachten aber aus dem Cockpit sind sie immer wieder deutlich zu sehen.
Nach 4,5 Stunden erreichen wir endlich unser Ziel auf Furni und legen längsseits am kleinen Betonanleger in der Bucht Kampos an. Endlich herrliche Ruhe und eine idyllische Umgebung. Der stbd Motor hat problemlos funktioniert aber die Luftblase ist wieder da. Also gibt es noch irgendwo in der Leitung noch eine undichte Stelle, vielleicht am Absperrventil?
Nach kurzem Schwimm marschieren wir in ca. 25 Minuten über den Sattel in den Hauptort Furni, gehen etwas herum und essen dann einen gegrillten Skorpionfisch in der Taverna Miltos. Ist gut und nicht zu teuer. Aber nach dem Essen sitzen wir wie so oft hierzulande bei leeren Tellern und Gläsern von der Bedienung völlig unbeachtet obwohl sonst nur ein einziger Tisch besetzt ist. Ich beschwere mich und erkläre, dass Mitteleuropäer die Aufmerksamkeit haben aber nicht einfordern wollen. Der Wirt ist ganz zerknirscht und bringt zur Rechnung eine köstliche Schokobischkotenschnitte.
Für das Fußball EM Endspiel setzen wir uns in das übernächste Lokal, weil hier der größte Fernseher des Ortes steht. Nach zwei Ouzos und 10 Minuten modernem Gladiatorenkampf verabschiede ich mich und gehe zurück zum Boot.
02.07.2012 Montag
Foúrnoi / O. Kámpi
Den Tag verbringen wir am selben schönen Platz. Wolfgang und Claudia sehen sich die Umgebung an. Ich muss mich mit zwei Hausverwaltungskunden beschäftigen und vor allem führe ich eine intensive E-Maildiskussion mit Charles Sterling in England – dem Konstrukteur des spinnerten Ladereglers. Erst am späten Nachmittag gelingt es mir, hoffentlich, ihm verständlich zu machen, was das Problem eigentlich ist. Da hat er was zum Grübeln über Nacht.
Nachmittags legt ein kleiner Zweimaster an der N-Seite des Anlegers an. Ich helfe mit den Leinen und wir kommen ins Gespräch. Es ist eine sehr nette australische Familie, die heute von Samos/Pythagorio durch sehr schweres Wetter herüber gekommen sind – Böen über 40 Knoten
Am Abend erkunden wir die Tavernensituation in Kampi, dem Ort wo wir angelegt haben. Es gibt nur mehr eine Strandbar. Die beiden Tavernen haben geschlossen. Ob nur heute oder überhaupt lässt sich nicht eruieren. Die direkt oberhalb des Anlegers eher überhaupt. Die andere eher nur heute, weil wir durch die Fenster Getränkekisten sehen können. Aber ein Schild oder zumindest Papierl mit Öffnungszeiten haben die Griechen sowieso an keinem Lokal oder Geschäft. Daher gehen wir zum Bergsattel hinauf, wo eine der Windmühlenruinen zu einem Lokal schön restauriert worden ist. Bei herrlicher Aussicht essen wir eine große kalte Vorspeisenplatte. Was anderes gibt es nicht. Es ist überhaupt kalt. Daher brechen wir alsbald auf. Claudia geht zurück zum Boot. Wolfgang und ich in den Ort. Nach einem Ouzo, eigentlich zwei, gehen wir dann auch zum Boot zurück.
03.07.2012 Dienstag
11:07 Foúrnoi / O. Kámpi Karte
13:06 Ikaría / Hafen Ag. Kírykos Karte
Zeit unterwegs: 01:58 Strecke: 9,7 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten
Bevor wir um 11:07 die Leinen los machen, berate ich Gery und Familie, wohin sie in Griechenland segeln sollen. Ihren Plan, nach Mykonos und Santorin zu segeln kann ich ihnen ausreden. Bei diesen Windverhältnissen würde es wohl das erste und letzte Mal sein, dass die Familie mitsegelt. Patmos, Lipsi & Co. sind wahrlich besser für Segelanfänger als die Kykladen.
Wir erreichen Ikaría problemlos und liegen nach zwei Stunden längsseits am Kleinbootpier. Kein anderes Touristenboot hier. Aber Wasser gratis.

Der Mann, der uns mit den Leinen beim Anlegen geholfen hat, betreibt das Reisebüro IKARIADA Holidays, Rent a Car, direkt gegenüber. Wir mieten ein kleines Auto um 25 Euro per Tag von ihm.
Während Wolfgang und Claudia was essen gehen, hole ich mit dem Auto zwei Kanister Diesel von der Tankstelle und fülle sie in den Dieseltank. Dann fahren wir ins nur ein paar Kilometer entfernte Therma, wo C&W ein Zimmer für die kommenden drei Nächte in der Pension Agriolykos gemietet haben. Es ist nicht schwer zu erkennen, weil auf einer Klippe direkt am Meer gebaut. Den Weg dorthin zu finden ist allerdings schwieriger. Nach zwei Versuchen, eine Straße zu finden, sehen wir ein, dass es nur einen Fußweg geben kann. Und der führt durch eine Hotelruine. Aber die Pension ist ausgesprochen attraktiv.


Es folgt eine Inselrundfahrt mit dem Leihauto: Unglaublich kurvige und immer wieder spektakuläre Bergstraße, herrliche Aussichten, sensationell üppige Vegetation mit unterschiedlichen Bäumen und blühenden Sträuchern, ein Tal voll blühender Oleander, sogar Unmengen an Zypressen und Farne und gelegentlich kleine Dörfer und hübsche Streusiedlungen. Leider reicht die Zeit nicht aus, um die vom Autoverleiher empfohlenen Orte weiter westlich aufzusuchen.
In Therma zurück essen wir unser letztes gemeinsames Abendessen, das zunächst zu floppen scheint, weil das Restaurant kaum was von der Speisekarte tatsächlich hat. Aber die Schweins- und Händlsouvlakis und der Schopfbraten (für Wolfgang: Chiriní Brisóla) sind wunderbar.
Wir verabschieden uns und ich fahre zum Boot zurück. Es ist immer noch das einzige Touristenboot. In der Hafendünung schwankt es gar nicht so wenig hin und her. Mit entsprechend lockeren Leinen ist es aber kein Problem.