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2013-08-29 Johan

Aktualisierung 21.08.2018 20:33:45 Anzahl Tage: 7
29.08.2013 Kos Süd / Kefalos Kamari – Kálymnos / Emboriós
30.08.2013 Kálymnos / Emboriós – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
31.08.2013 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Levítha / O. Levítha
01.09.2013 Levítha / O. Levítha – Astypálea / O. Livadia
02.09.2013 Astypálea / O. Livadia – Nisyros / Páli
03.09.2013 Nisyros / Páli – Gyali
04.09.2013 Gyali – Kos Süd / Kefalos Kamari

Crew:
Tötterström Tom
Brenner Johan

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 30:34 Strecke: 163,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


29.08.2013 Donnerstag
12:20 Kos / Kefalos, Kamari Karte
17:15 Kálymnos / Emboriós Karte
Zeit unterwegs: 04:55 Strecke: 30,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Wir fahren zum Boot. Nach etwa einer Stunde plaudern im Cockpit über die wichtigsten Ereignisse seit wir uns vor 1,5 Jahren das letzte Mal in Abu Dhabi gesehen haben, gehen wir schlafen.

Der Presslufthammer am Pier weckt uns um 8 Uhr auf. Nach Schwimm und Frühstück fahren wir eine kurze Runde hinauf nach Kefalos Ort und dann zum hervorragenden Geschäft Duty Paid Shop. Wir bezahlen nicht nur die Steuern sondern auch die Waren und bringen sie zum Schlauchboot. Ich fahre das Auto zurück zu Manolis und die nette Autovermieterin bringt mich die 1,8 km zum Schlauchboot zurück.
Nach nochmaligem Schwimm und Einkäufe verstauen fahren wir los. Zuerst mit, dann gegen recht ordentlichen Wind rund um die SW-Spitze von Kos. Danach aber nur mehr 10-15 kn Wind gegenan bis nach Emporios, wo wie die Nachbarboje von Vorvorgestern nehmen.
Wir essen bei Barba Nikolas und gehen dann auf ein Ouzo zum Stand hinunter.


30.08.2013 Freitag
12:50 Kálymnos / Emboriós Karte
16:50 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
Zeit unterwegs: 04:00 Strecke: 21,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


Gegen recht viel Wind kämpfen wir uns entlang der Ostküste von Leros hoch. Dabei schauen wir die in die Buchten hinein. Wie erwartet bläst es am meisten in der Alinda Bucht mit Böen von 40 Knoten. Johan steuert und ich löse Kreuzworträtsel.
In Archangelos ankert gar kein Boot – seltsam. Womöglich vom Wind verscheucht. Dabei ist er am Ankerplatz gar nicht so arg.
Ich bin froh, die beste Ausgangsposition für den morgen geplanten Schlag nach Levitha oder Astypalea erreicht zu haben. Wie Windprognose verspricht Windstärke 6 aus Nordwest.
Wir setzen mit dem Schlauch hinüber zur einsamen Sommertaverna Spilia. Genau beim Steg weht der Wind in Böen ganz fürchterlich. Eine Frau ist damit beschäftigt, die Springs des am Steg liegenden Motorbootes zu kürzen, indem sie am Ufer daran zieht. Johan hilft ihr dabei und ich stoße das Boot mit dem Fuß vom Steg weg. Allein wäre sie chancenlos gewesen.
Die Küche ist betriebsbereit aber der Grill nicht. Macht nichts. Wir essen nur drei Vorspeisen und fahren im letzten Dämmerungslicht zurück. Noch immer kein anders Boot hier vor Anker, obwohl es sonst meistens so um die zehn waren.


31.08.2013 Samstag
11:25 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
14:50 Levítha / O. Levítha Karte
Zeit unterwegs: 03:25 Strecke: 18,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Kurz vor Sonnenaufgang schaue ich hinaus und traue meinen Augen nicht. Es ist Südwind! Nur noch eine Bootslänge bleibt bis zum Ufer. Ich verkürze die Ankerkette von 25 auf 15 Metern und gehe wieder schlafen.
Um acht hält der seltsame Wind immer noch an. Er wechselt zwischen Süd und Ost mit 3 bis 10 Knoten. Dabei sollte laut allen Vorhersagen jetzt Nordwind mit 20 Knoten sein. Immer noch kein anderes Boot hier. Haben die gewusst, dass der Wind so kommen würde? Wenn ja, woher?

Wir fahren los und sehen, dass die Vorhersagen richtig waren. Nur in der Bucht wird der Wind irgendwie verwirbelt. Die Segel werden gesetzt und wir können mit zwei Reffs in jedem sogleich gute Fahrt machen. Ungefähr halbwegs bläst es am meisten mit über 25 Knoten und wir machen bis zu 8,8 GPS-Knoten Geschwindigkeit. Der Halbwindkurs ist optimal und trotz ordentlicher Wellen werden wir kaum geduscht. Also ich gar nicht, weil ich meistens drinnen sitze.
Südlich von Levitha kommt der Wind fast aus West und wir müssen das letzte Stück mit Motor fahren. Dabei Ist es unmöglich, die Genua vom Cockpit aus einzurollen. Es geht nur durch Drehen direkt an der Trommel, die sich wieder zur Seite neigt. Schlecht. Ich befürchte, eine hohe Winterserviceausgabe mehr wird fällig sein, um das zu reparieren.
Auch beim Bergen des Großsegels gibt es ein Problem: Die Dirk ist nicht mehr am Baumnock angeschlagen. Ich denke schon, dass sie gerissen ist. Aber zum Glück nicht. Nur das Schäkel hat sich verabschiedet und die Dirk hat sich um die Want gewickelt. Einfache und billige Reparatur.

In der Bucht liegen bereits sieben Segelboote an den Bojen. 6 sind noch frei. Also kein Problem. Um 18:20h kommt der Bauer wie üblich 7 Euro für die Boje kassieren. Ist ein berechtigter Kostenbeitrag für die wirklich ordentliche und stabile Boje. Wir fahren an Land

und gehen zum Abendessen 10 Minuten hinauf zum einzigen Bauernhof der Insel. Die kleine Taverna im Hof ist so gepflegt wie alles hier. Zwei deutsche Segelcrews sitzen bereits da und alsbald kommen wir mit ihnen ins Gespräch. Von der einen erkennt ein Bärtiger, dass wir schwedisch sprechen und spricht uns darauf an, weil er selbst einige Jahre in Göteborg gelebt hat. Von der anderen ist der Skipper aus Frankfurt mit einer Finnin verheiratet.
Trotz Taschenlampen finden wir den steinigen Weg zurück schwer. Zuerst nehmen wir eine falsche Abzweigung und gehen zurück. Dann sind wir unsicher, ob die andere richtig ist oder ob wir die richtige übersehen haben. Haben wir aber nicht.


01.09.2013 Sonntag
11:05 Levítha / O. Levítha Karte
11:30 segel setzen
17:20 36°29’55“N,026°19’29“E Segel bergen
18:25 Astypálea / O. Livadia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 07:20 Strecke: 36 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten


Die deutsche Chartercrew von gestern kommt während unseres Frühstücks mit dem Schlauch vorbei. Sie erkundigen sich, ob wir heute einen frischen Wetterbericht erhalten haben. Ohne Internet ist das aber schwer. Für uns auch nicht so wichtig, denn wir wollen mit dem Wind nach Astypalea. Das schlage ich ihnen auch vor. Aber bei Windstärke 7 wollen sie rein gar nirgends hin. Dabei haben sie eh mit 42 Fuß kein kleines Schinakel.

Wir fahren los und die gestrige Windprognose stimmt exakt: NW mit 7 Beaufort. Wir rollen die Genua nur ganz wenig hinaus und segeln damit kommod zwischen 5 und 6 Knoten. Unterwegs ist immer mehr als 20 Knoten Wind, meistens zwischen 25 und 30 mit Maximalwert 38. Die Wellen sind mächtig, insbesondere in der Nähe von Astypalea. Wenige schlagen mit dem weißen Kamm von schräg hinten gegen den Rumpf. Aber sie reichen aus, um auch das Cockpit einzusalzen.
Nach 5:50 Stunden erreichen wir das Windlee unter der Südküste und tauschen die Minigenua gegen die eiserne. Als wir um die Ecke biegen, kommt der Wind wieder mit voller Wucht auf die Nase. Was bis jetzt am Deck noch trocken war, wird nun ordentlich gespült. Gegen 30kn Wind und nicht hohe aber scharfe Wellen kommen wir mit knapp über 3 Knoten gerade noch an. Es ist ziemlich fürchterlich. Die Gischt zischt waagrecht links und rechts vorbei. Ohne Windschutzscheibe wären wir ihre salzige Beute.
Den üblichen Ankerplatz erreichen wir aber problemlos. Nach kurzem Schwimm und Ankerkontrollbeschnorchelung – er liegt gerade noch vor dem Seegras perfekt im Sand – fahren wir an Land. Wir essen gut, üppig und günstig im To Gerani und der Ouzudigestiv im lässigen Café Astropelos darf nicht fehlen bevor wir zum Boot zurück kehren.


02.09.2013 Montag
10:05 Astypálea / O. Livadia Karte
17:55 Nisyros / Páli Karte
Zeit unterwegs: 07:50 Strecke: 43 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


Nach Frühstück und Abwasch legen wir los. Das Großsegel setzen wir sogleich im dritten Reff und motorsegeln Richtung offenes Meer. Da ist der Wind weniger heftig als in Lee von Astypalea. Die Genua wird zu 75% ausgerollt und die Motoren verstummen. Bei 20kn +/- 2 geht es mit ca. 6kn dahin.
Der Wind wird flauer und bei 16kn rollen wir die Genua komplett aus. Knapp nach der halben Strcke kommt der Wind wieder und steigert sich bis 32kn. Wir lassen die Segel aber so wie sie sind und machen gute Fahrt in den mittlerweile großen Wellen, die wieder in Spritzlaune sind.

Eine Meile vor Pali starten wir die Motoren und bergen die Segel. Die verdammte Rollreffanlage klemmt wieder und ich muss im Netz stehend die Genua an der Vorliek einrollen während Johan an der Reffleine zieht. Es ist mehr als anstrengend und ich werde komplett geduscht.

In Pali ergattern wir gerade noch einen Platz vor Taverna Salonikios. Dann gibt es wieder ein Problem. Beim Stromanschluss fällt die Sicherung an der Versorgungssäule. Ich kontrolliere, dass es an uns und nicht an der griechischen Säule liegt. Dann gehe ich auf Fehlersuche und schraube die Kabel systematisch ab, um zu sehen wann die Sicherung fällt. Finde aber nichts, schraube alles wieder zusammen und das Problem ist gelöst. Was auch immer es war. Währenddessen geht Johan zu den Autovermietern, um ein Auto für die morgige Inselbesichtigung zu besorgen. Bei Manos K. reserviert er einen funkelnagelneuen VW Polo um 30 Euro.
Der Captain darf für das Abendessen zuständig sein. Dabei ein bisher unvorstellbares Novum: Außer uns keine Gäste da! Dabei ist der Hafen knallvoll. Dem Captain ist es wurscht. Er sagt nur „another day we have work for three days“.


03.09.2013 Dienstag
19:16 Nisyros / Páli Karte
20:11 Gyali / Strand Karte
Zeit unterwegs: 00:55 Strecke: 3,3 Seemeilen Ø Fahrt: 3,6 Knoten


Um 10 Uhr holen wir das Auto von Manos K. Alle Sehenswürdigkeiten inklusive Vulkan und Vulkanmuseum werden besichtigt. Um 17:30h geben wir das Auto zurück und bestellen den Dieseltankwagen. In einer Stunde soll er kommen. Johan nützt die Dusche beim Autovermieter und kommt dann auch zum Abschiedsouzo beim Captain. Dabei überlegen wir, wie wir am besten den Anker bergen können. Er liegt nämlich sehr nahe an den Segelbooten, die zu zweit längsseits am Kai wohin der Wind mit 25 bis 30 Knoten bläst. Die Gefahr ist groß, während des Ankerbergens auf diese Boote getrieben zu werden. Wir beschließen, mit voller Fahrt in das Hafenbecken hinauszufahren, das Boot zu drehen so dass es mit dem Heck im Wind steht, und erst dann anzufangen, die Kette hereinzuholen während die Motoren das Boot im Rückwärtsgang gegen den Wind halten.
Das machen wir dann auch so und es klappt absolut perfekt. Der Captain und seine Frau winken zum Abschied und sind hoffentlich mit dem Manöver zufrieden.
Die üblichen Salzduschen kommen ordentlich über das Boot bis wir nahe genug an Gyali sind. Im absolut letzten Tageslicht werfen wir den Anker auf zwei Meter Tiefe in den hier perfekten Sandgrund.

Noch ein paar Bilder von Nisyros:
Die Platia von Nikia oben auf dem Kraterrand, eine der stimmungsvollsten Plätze Griechenlands:

Die Caldera. Links das Dorf Nikia:

Von hier oben fotografiert:

Der Krater Stefanos, Durchmesser 300 Meter:

Katzenparadies in Mandraki:


04.09.2013 Mittwoch
09:45 Gyali / Strand Karte
11:54 Kos / Kefalos, Kamari Karte
Zeit unterwegs: 02:09 Strecke: 10,6 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten


Nach Frühstück und Beschnorchelung der vom Meeresgrund aufsteigenden Gasblasen, die im schrägen Sonnenlicht herrlich glitzern, fahren wir los. Es ist weniger schlimm als gestern. Trotzdem machen wir einen Bogen Richtung Nord, um die Wellen in möglichst angenehmen Winkel zu schneiden. Die Fähre Panagia Spilliani kommt uns von Kardamena entgegen und lässt das Horn tönen. Ich vermute, dass der Pali-Captain, der heuer diese Fähre fährt, uns erkannt hat und winke zurück. So ein Tieftönerhorn wäre für solche Zwecke ja gar nicht so übel. Mit dem Fernglas kann ich aber nicht erkennen, wer auf der Brücke steht.

In Kamari ankern wir auf den üblichen Platz. Zunächst ist der Wind hier wesentlich schwächer als auf der anderen Seite des Piers. Als der Wind aber mehr auf West dreht, kommt er dann auch hier ordentlich daher.

Wir haben noch Zeit auf einen Schwimm und fahren dann mit dem Minimalgepäck von Johan zum Strand. Ein Abschiedsessen in der Taverna Faros geht sich auch noch aus bevor das Taxi den Johan zum Flughafen abholt.