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2013-09-05 Patrick

Aktualisierung 21.08.2018 20:32:26 Anzahl Tage: 7
05.09.2013 Kos Süd / Kefalos Kamari
06.09.2013 36°45’N,026°59’04“E – Tílos / O. Èristos
07.09.2013 Tílos / O. Èristos – Tílos / O. Livádia
08.09.2013 Tílos / O. Livádia – Nisyros / Páli
09.09.2013 Nisyros / Páli
10.09.2013 Nisyros / Páli – Gyali
11.09.2013 Gyali – Kos Nord / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 15:50 Strecke: 81,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


05.09.2013 Donnerstag
15:26 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
15:50 36°45’N,026°59’04“E Ankern
Zeit unterwegs: 00:24 Strecke: ,8 Seemeilen Ø Fahrt: 2 Knoten


Kurz vor 23h ruft der Patrick an. Er ist bereits mit dem Taxi zum Strand gekommen. Ich hole ihn samt Gepäck ab. Seesack, Gitarre, Handgepäck und ich haben Platz im Schlauchboot. Patrick wird im Wasser nachgeschleppt.
Wir essen, plaudern und gehen schlafen. Zwei Stunden später wache ich vom Schaukeln auf. Der Wind aus Nord hat ordentlich zugelegt und die Wellen kommen in unnötig großer Ausführung aus Ost. Es ist nicht angenehm.

In der Früh frischt der Wind wie vorhergesagt noch mehr auf. Wir fahren an Land, gehen einkaufen und Mittag essen ins Cavos. Das Special Gyros Menü um 6,90 inklusive Bier spricht uns an.

Eine weitere Nacht bei dieser Schaukelei will ich vermeiden und so verlegen wir uns weiter nördlich in der Kefalos-Bucht. Da bläst der Wind auch mit über 20kn, aber es kommen keine Wellen von der Seite, nur eine ganz sanfte Dünung.

Patrick macht einen guten Griechischen Salat, den wir mit Brot, Sardellen und Olivenpasta als Abendessen verspeisen. Dann kommt das obligate Kasino-Kartenspiel dran bis wir schlafen gehen.


06.09.2013 Freitag
12:42 36°45’N,026°59’04“E Abfahrt
17:19 Tílos / O. Èristos Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 04:37 Strecke: 30,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Den Schlaf stört keine Welle und kein Wind. Aber eine Gelse treibt mich schon vor Sonnenaufgang aus der Koje. Ich mache mir einen Tee und setze mich ins Cockpit, um Mal den Sonnenaufgang zu erleben. Es ist sehr stimmungsvoll aber auch sehr kühl. Mit der Sonne verschwinden die Gelsen und ich kann noch ein paar Stunden gut schlafen.

Zum Frühstück mache ich nach Beates Art geröstetes Brot in der Pfanne. Mit dem vom Patrick aus Österreich mitgebrachten Schinken und Emmentaler schmeckt es hervorragend.

Wir studieren die Windprognosen und überlegen, wohin mit uns. Heute und morgen soll der Wind erträglich sein, aber ab Sonntag Mittag bis Dienstag früh wieder volles Rohr. Also beschließen wir, heute nach Tilos, morgen Nisyros/Pali und dort den Starkwind abwarten, dann Gyali und von dort am Mittwoch nach Kos Marina.

Als die Windsurfer und die Nacras

anfangen, uns zu umschwirren, fahren wir los.

Es geht gemütlich dahin. Vor der W-Spitze von Tilos begegnen uns große Wellen und zwei Delfine. Die erste Delfinshow des Jahres wird uns geboten mit richtigen Luftsprüngen.

In Eristos darf die ganze 70m Ankerkette baden gehen und ich auch mit der Landleine. Das ist gut so, denn hier kommt immer eine Dünung von Süd herein und der Wind rotiert in der Bucht. Jetzt liegen wir auf jeden Fall mit dem Bug gegen die Wellen, was ein angenehmes Schlafen verspricht.

Beim Schnorcheln suchen wir die hier schon gesichteten Rochen und Knurrhähne, sehen aber keine. Nur einige übliche Fische bei den Steinen nahe dem Strand.

Wir fahren an Land und essen ausreichend aber nicht so gut wie früher in En Plo, der Taverna nahe dem Strand. Die Zucchinibällchen sind mickrig und fast verbrannt und die Katzen sind lästig.

Die heutige Kasino-Runde gewinnt Patrick. Die Gesamtwertung führe ich aber noch knapp mit 3:2.


07.09.2013 Samstag
13:17 Tílos / O. Èristos Karte Abfahrt
15:42 Tílos / O. Livádia Karte Ankern mit Landleine
Zeit unterwegs: 02:25 Strecke: 12,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


Bevor ich die lange Landleine abnehme, gehe ich den Hang ein Stückchen hinauf, um wieder Mal ein Panoramafoto zu machen:

Wir fahren los und Patrick montiert seine GoPro Hero3 auf den Bootshaken und macht damit Aufnahmeexperimente aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Navigation macht er zeitgemäß mit dem iPad und der Navionics App. So erreichen wir Tilos Hafen problemlos. Der ist aber wie erwartet voll. Patrick schlägt vor, gleich davor auf einem deutlich sichtbaren Sandfleck zu ankern. Machen wir auch und ich schwimme wieder mit der Landleine. Diesmal weniger weit und der Befestigungspunkt ist diesmal kein Stein, sondern ein Straßenlaternenmastfuß.

Mit dem Platz und der Aktion sind wir hoch zufrieden. Wir sind niemandem im Weg, der Wind kann drehen wie er will und wir können das Geschehen im Hafen beobachten und jederzeit im sauberen Wasser schwimmen gehen.

Um 17h beobachten wir die Abfahrt der Schnellfähre Sea Star nach Rodos. Absolut nicht umweltfreundlich, was da aus den gewaltigen Auspuffrohren heraus kommt.

Um 19h hanteln wir uns an der Landleine im Schlauchboot ans Ufer und gehen wir eine Runde im recht hübschen Ort und dann ins To Armenon. Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass man hier gut isst. Die meisten Tische sind besetzt oder reserviert. Den vorletzten freien in der dritten Reihe bekommen wir gerade noch. Das Essen ist wirklich sehr gut. Aber wir verlegen den Sitzplatz baldmöglichst in die Musikbar IVO direkt hinter der Blodughadda. Sehr angenehm mit schöner Aussicht und dezenter Rockmusik meiner Jugendjahre. Und sehr passend zum derzeitigen Touristenmittelalter hier. Aber dem Patrick gefällt es auch.
Als er Spielkarten und meinen Pullover vom Bord holt, erkennt die Barbesitzerin, dass wir zum Boot vor ihrem Lokal gehören. Sie erzählt, dass der Hafenpolizist da gewesen ist und sich darüber aufgeregt hat, dass wir die Landleine um den Laternenmastfuß gebunden haben. Das sei nicht erlaubt. Also für fremde und für große Boote. Denn an fast jedem Laternenmast stadtauswärts hängt eine Landleine von einem Motorböötli, das davor im Wasser liegt. Und der Laternenmastfuß hat einen Durchmesser von einem Ozeandampferpoller. Mit drei bis vier Befestigungsbolzen im Beton sollte man schon mit mehreren zig Tonnen daran ziehen können, bevor der Mast Richtung Meer wandert. Unsere Landleine würde bei spätestens 5 reißen.
Nach dieser Analyse der Situation ärgern wir uns über die typische Unfähigkeit, irgendwas Vernünftiges zu organisieren: Wenn die Laternenmaste schon nicht benutzt werden dürfen, sollen sie verdammt noch Mal, andere Landleinenbefestigungspunkte anbringen, wenn sie hier an Bootstouris interessiert sind. Statt dessen sind seit heuer riesige gelbe Bojen ausgelegt worden, die den Schwimmbereich kennzeichnen. Und den bisher benützten Ankerplatz in der Bucht größtenteils unbrauchbar machen.
Wir bestellen also noch ein Getränk und spielen Kasino. Die Lokalbesitzerin sagt, sie werde dem Hafenpolizisten, sollte er nochmals kommen, sagen, sie wisse nicht wer zum Boot gehört.


08.09.2013 Sonntag
08:10 Tílos / O. Livádia Karte Abfahrt
11:47 Nisyros / Páli Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 03:37 Strecke: 15,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Heute soll der Sturm kommen. Aber nicht vor Mittag. Die drei Stunden nach Nisyros wollen wir daher um 8h angehen. Es kommt aber zu einer kleinen Verspätung, weil der bb-Motor kein Kühlwasser aus dem Auspuff spuckt. Patrick findet und repariert schnell den Fehler: Wasserpumpenkeilriemen zu locker.

Der starke Wind hat zwar noch nicht eingesetzt, aber die Riesenwellen sind schon da. Scheint es zumindest. Die Fahrt dauert daher eine halbe Stunde länger als geplant. Spielt keine Rolle. Wir bekommen unseren Platz vor der Afrodite.

Patrick geht sich entsalzen zum Strand mit Süßwasserdusche. Ich bin nur im Salon gesessen und kann daher gleich auf ein Bier ins Afrodite gehen.

Gut, dass wir so früh angekommen sind. Der heftige Wind kommt zwar erst um 20 Uhr, aber nach 14 Uhr hätten wir keinen Platz mehr bekommen. Die Flottilie von Lindas Sailing Adventure trägt maßgeblich dazu bei. Um 18h kommt noch ein Charterboot mit einer dänischen Herrenpartie, die den letzten noch verfügbaren Platz ergattert nachdem wir die Blodughadda um einen knappen Meter versetzt haben. In die Lücke zum Nachbarboot passt die Bavaria 47 gerade noch hinein.

Patrick bastelt sein erstes GoPro Video und stellt es auf YouTube: Blodughadda Trailer

Heute Abend essen wir bei der Afrodite. Morgen kommt der Captain dran. Bevor wir schlafen gehen, sehen wir uns die Wellen an. Sie donnern wuchtig gegen den Wellenbrecher und bedeckt die dahinter liegenden Boote mit Gischt.


09.09.2013 Montag
Nisyros / Páli
Heute ist Montag(etag). Zuerst untersuchen wir, warum die Genuarollreffanlage nicht ordentlich funktioniert. Es ist wieder dasselbe: Wenn an der Reffleine gezogen wird, neigt sich die Trommel und der Leinenverwurschtelungsverhinderungsbügel wirkt wie eine Bremse. Mit meinem ziemlich umfangreichen Vorrat an scheinbar sinnlosen Befestigungssachen und Patricks technischem Geschick basteln wir eine Antiwackelkonstruktion, die zumindest bei wenig Wind bestens funktioniert. Wie sie sich beim Segeln bewähren wird, werden wir am Mittwoch sehen.

Dann kommen dran: Waschbeckenabfluss reinigen, Außenborderzündkerze säubern, Lautsprecherkabelkontakt löten, Ankerkastenkabeldosenfräsung für das NMEA2000 Backbonekabel, Reffleinenblockverklemmung lösen (Block zerstören nicht einfach)

Zwischendurch gehen wir zum Strand schwimmen, äh plantschen und und nachher eine Runde zum Fotografieren bevor wir uns ins Captain’s House zum Abendessen niederlassen. Der Captain George und seine Frau Anna warten bereits auf uns:

Wie immer essen wir gut und der Captain hält die Stimmung im Lokal hoch mit seiner lustigen sympathischen Art.


10.09.2013 Dienstag
11:17 Nisyros / Páli Karte Ablegen
12:10 Gyali / Strand Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:53 Strecke: 2,7 Seemeilen Ø Fahrt: 3,1 Knoten


Wir tuckern sehr gemütlich gegen wenig Wind und Wellen. Sehr angenehm. Am Ankerplatz schwimmen wir sogleich zu den Unterwassermofetten. So könnten die vom Grund aufsteigenden Gasblasensäulen eventuell heißen.

Es wird höchste Zeit, die Außenrumpfwände der Blodughadda zu waschen. Vom Gummiabrieb durch die Fender sind sie schon stellenweise ganz grau. Zu zweit im Schlauchboot geht das ganz flott: Einer scheuert mit dem Abwaschschwamm, der andere führt das Schlauchboot entlang der Bootseite.

Dann entdeckt Patrick die neue Form des Power-Snorkelings: Während hinten der Außenborder mit Minimaldrehzahl schiebt, liegt er vorne kopfüber im Wasser, schaut mit der Taucherbrille hinein und filmt was er sieht mit der auf dem Kopf befestigten GoPro Kamera. Es sieht so komisch aus, dass ich nur laut lachen kann.

Am Abend gibt es 4 griechische Würstel mit 2 griechischen Erdäpfeln, wovon einer normalgroß, der andere hat schätzungsweise das 8-fache Volumen. Dann überholt Patrick mich im Kasinokampf und es steht 6:5 für ihn. Während wir im Cockpit spielen, wundern wir uns darüber, dass Wasser vom Biminitop tropft. Die hohe Salzkonzentration im Stoff dürfte für die Luftfeuchtigkeit enorm anziehend sein.


11.09.2013 Mittwoch
11:00 Gyali / Strand Karte
11:45 Genua dazu
12:15 Genua weg
14:54 Kos / Marina Karte
Zeit unterwegs: 03:54 Strecke: 19,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten


Beim Ankermanöver gibt es was Neues: Ein Thunfisch umkreist das Boot mit irrer Geschwindigkeit, ca. 60 cm lang und richtig schön bläulich. Auf der Fahrt gibt es was Unerwartetes, obwohl viel häufiger als Thunfisch: Trotz so gut wie kein Wind ganz verrückte Wellen. Dann kommt ja doch noch der Wind und wir können die Genua ausrollen. Nach einer halben Stunde kommen die Wellen von Backbord und der Wind von Steuerbord. Wir rollen die Genua wieder ein und freuen uns sehr, dass es „butterweich“ geht. Unsere Abstützkonstruktion funktioniert also.

Nach dem Auftanken fahren wir zur Marinaeinfahrt. Der Marinero Thomas holt gerade ein anderes Boot ab als er uns sieht und gleich daher kommt und uns freundlich begrüßt. Ja klar hat er einen Platz für uns.

Es folgt Bootwasch und -entsalzung, einpacken, selbst waschen mit warmer Dusche das erste Mal seit über zwei Monaten, Umräumen, Leihwagen entgegennehmen, das hier schreiben und dann Abschiedsessen auf dem Weg zum Flughafen.

Mein Griechenlandsommer ist zu Ende.