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2014-09-06 Abschluss

Aktualisierung 20.08.2018 01:34:18 Anzahl Tage: 5
06.09.2014 Kos Nord / Marina – Léros / O. Xirókampos
07.09.2014 Léros / O. Xirókampos – Léros / O. Plakouti
08.09.2014 Léros / O. Plakouti – Léros / O. Parthéni Agmar Marine
09.09.2014 Léros / O. Parthéni Agmar Marine
10.09.2014 Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Kos – Wien

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 6:23 Strecke: 37,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


06.09.2014 Samstag
11:45 Kos / Marina Karte Abfahrt
16:04 Léros / O. Xirókampos Karte An Boje
Zeit unterwegs: 04:19 Strecke: 24,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten


Die Restbestände der Elena werden für die paar Tage ausreichen, weshalb ich nicht einkaufen muss. Ich fülle einen Wassertank auf und wasche die Blodughadda, allerdings nicht gründlich. Das kommt am Dienstag und Mittwoch.

Die Ablegetechnik, einfach nur vorwärts mit dem Backbordmotor in die Kaimauer zu fahren, bewährt sich wieder. Der Kugelfender vorne verhindert ein Anschrammen und das Heck dreht sich hinaus. Dabei habe ich Zeit genug, die Leine los zu machen bevor ich rückwärts mit ordentlich Gas hinaus fahre. Draußen kommt der Wind mit 14-15 Knoten genau von vorne. Es wird eine Schüttelpartie, aber das stört mich eigentlich nur, weil ich nichts auf dem Computer schreiben kann. Die Finger treffen kaum jemals die richtige Taste. Aber lesen geht gut. E von Kalymnos beruhigt sich der Wind auf 10 kn und weniger und die Wellen sind weniger spritzfreudig.

In Xirokampos sind wieder viele Boote und wieder die selbe Boje wie letztes Mal frei und noch ein paar mehr. Mit der neuen Bojenstange, die ich von den Finnen als Geschenk bekommen habe, ist es einfach, das Boot sicher zu fixieren und dann in aller Ruhe die übliche Leine einzufädeln. Das ganze dauert keine zehn Minuten, obwohl ich die Boje erst beim zweiten Versuch erwische. Alleine muss man schnell sein.

Ich mache Blogbuchupdate und nach dem Abendwasch und -schwimm rudere ich zur Mama Veta. Den ganzen Tag schon habe ich ein Mordsgusto auf ihren Spinat im Tontopf. Schmeckt auch himmlisch gut.

Weniger gut ist die zweite Erfahrung mit dem neuen Schlauchboot. Alleine lässt es sich zwar gut rudern. Aber es ist so klein und instabil, dass ich beim Aussteigen am Steg beinahe ins Wasser falle. Außerdem funktioniert die merkwürdige Konstruktion der Ruderdollen bereits schlecht und die Steine, die sich unter den Bodenbrettern vom letzten Mal gesammelt haben, wird man wohl erst los, wenn man die Luft auslässt und die Bretter heraus nimmt. Ein absoluter Fehlkauf also. Ich werde das Schlauchi über den Winter reparieren lassen.


07.09.2014 Sonntag
11:57 Léros / O. Xirókampos Karte Abfahrt
13:20 Léros / O. Plakouti Karte Ankunft
13:35 Léros / O. Plakouti Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:38 Strecke: 9,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


Wieder viele Wolken und absolute Flaute in der Früh. Laut Vorhersage soll es heute und morgen wieder regnen. Total verrückt. Aber allemal lieber als ein Sturm. Insbesondere morgen, wenn ich ins Travelliftbecken hinein zielen muss.

Auf der heutigen Fahrt schaukelt das Boot überhaupt nicht, außer von den Wellen des Dodekanissos Pride. Es ist kaum Wind vorhanden und es soll auch keiner kommen.

Um Mal was anderes zu sehen, ankere ich nicht in Archangelos sondern in Plakouti. Ich überlege, ob ich eine der drei Bojen nehmen soll, die wahrscheinlich für Yachten ausgelegt sind. Aber an den beiden blauen Plastikkanistern toben sich gerade Jugendliche schwimmend herum und beim weißen ist das Seil dick mit Algen bewachsen. Beim Schnorcheln entdecke ich daran eine neue Bojensteinvariante: Ein mit Beton gefüllter Reifen von einem Unimog oder Traktor. Auch nicht schlecht.

Ein kleineres blaues Segelboot von Istion Yachtcharter schickt sich an, die weiße Boje zu nehmen. Ich höre deutsche Wortfetzen und rufe, dass die Boje Ok ist. Der Mann schwimmt zur Blodughadda herbei und stellt sich als Jörg vor. Er ist mit seiner Freundin Melanie auf einem 2-wöchigen Segeltörn erstmalig im Dodekanes. Wir plaudern ein wenig und verabreden uns unverbindlich auf ein Abendbier in der Taverna.

Kurz vor Sonnenuntergang rudere ich zum Strand und gehe auf einen Hügel mit schöner Aussicht über die Bucht hinauf:

Dann setze ich mich in die einzige Taverna Artemis. Das Ambiente ist kahl, das Service fahl. Aber das Essen gar nicht so schlecht, also das Hendlsouvlaki in Speckmantel. Als Vorspeise muss ich unbedingt „Stuff and nonsense eggplant“ probieren. Vier fast geschmacklose Melanzanikroketten mit ein bisschen Käse drin kommen mit Tsatsikiklecks daher.

Und dann kommen auch schon Jörg und Melanie daher. Es wird ein sehr netter Abend, an dem wir nicht nur Bier, sondern auch Retsína trinken. Jörg und Melanie zum ersten Mal – und es schmeckt! Zum Abschluss macht die Profifotografin ein Selfie:


08.09.2014 Montag
07:29 Léros / O. Plakouti Karte Abfahrt
07:55 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:26 Strecke: 3,2 Seemeilen Ø Fahrt: 7,4 Knoten


Nach einem letzten ausgiebigen Morgenschwimm fahre ich in die Nachbarbucht. Alle vier Agmar-Bojen sind belegt! Aber der Travellift ist schon da und der Herausheberhelfer winkt einem der Boote zu, sich ins Travelliftbecken zu bewegen und ich kann dessen Boje nehmen. Mit der Bojenstange geht es genial einfach.

Die Blodughadda kommt als drittes und letztes Boot um 11 Uhr aus dem Wasser. Alles läuft glatt. Mit so wenig Wind ist es kein Problem, ins Becken hinein zu treffen. Es dauert aber bis kurz vor zwölf bis die Blodughadda so aufgebockt ist, wie ich es haben will. Sie steht fast am selben Platz wie immer.

Ich hole das Formular für die Arbeiten während des Winters. Während ich es ausfülle bzw. ankreuze, komme ich noch auf ein paar sinnvolle Sachen, zB Mast reinigen, Wassertanks und Dieseltank reinigen. Dann fängt Das Große Waschen an. Sogar die neue Ankerkette wird in voller Länge mit Wasser und Bürste von Salz befreit. Einige seltsame weiße Ablagerungen, die sich auf dem nicht gewässerten Teil gebildet haben, gehen gar nicht weg. Ich beschließe, nächstes Jahr die Kette zu wenden.

Um ca. 19h sind meine Finger und Zehen ganz schrumpelig und ich höre auf. Dann passiert was Eigenartiges: In die Stille herein kommt das Motorrad des Kranführers. Er entert den Kran und fährt los. Dann kommen noch etliche andere Mechaniker auf unterschiedlichen Gefährten daher, die das Gelände um 15h fluchtartig verlassen haben. Ich packe meinen Rucksack und gehe zum Travelliftbecken nachsehen. Tatsächlich, der Kran samt elf(!) Agmar-Mechaniker sind da, Oberchef und Unterchef inklusive. Ich frage den Unterchef Tony, was los sei, erhalte aber nur die knappe Antwort, dass sie hier auf ein Boot warten. Es sei ein Notfall. Was für einer, erfahre ich nicht. Muss ein verdammt großer sein. Egal, ich fotografiere den schönen aufgehenden Vollmond und gehe zur Flughafentaverna Arkontiko essen. Gar nicht schlecht.


09.09.2014 Dienstag
Léros / O. Parthéni Agmar Marine
Es ist wirklich ein verdammt großer Notfall gewesen! Eine 24m lange Ferretti 780 Motoryacht hat irgendwo einen Felsen gerammt. Ich sehe mir das Desaster auf Land an. Über einer Länge von ca. 15 Metern ist der Kielbereich vom Bug weg aufgeschlitzt und ein paar große Löcher in der Mitte vorhanden, aus denen immer noch Wasser ausrinnt. Das zu reparieren ist ein Großauftrag. Also war das gestrige Großaufgebot keine Übertreibung.

Zuvor werke ich schon seit 7 Uhr am Boot und ärgere mich immer mehr darüber, dass der technische Unterchef nicht daher kommt, um die anstehenden Arbeiten zu besprechen. Um 12:30h kommt er endlich und es dauert eine gute Stunde bis wir alles durch haben. Immerhin habe ich Vertrauen darin, dass alles korrekt rechtzeitig bis ca. Juni nächstes Jahr erledigt werden wird. Zu einem vertretbaren Preis, der trotzdem enorm hoch werden wird. Ich rechne mit mindestens sechs bis siebentausend Euro für neues Bimini, neuen Lazybag samt Lazyjacks, Austausch der Membranen an den Saildrives, Reinigung der Wassertanks und des Dieseltanks, Austausch der Dichtung und des Plexiglases an den Luken, neue Scheuerleisten, um nur die größten Brocken zu nennen.

Alles, was ich mache, ist schweißtreibend. Und es ist nervig, dass die Brille jedes Mal abzurutschen droht, wenn ich den Kopf nach unten neigen muss. Das ist oft. Dann komme ich darauf, dass ich die Bügel enger biegen könnte. Das hilft wirklich.

Ein Mechaniker hilft mir, das Großsegel abzuschlagen und zusammen zu falten. Die Genua bleibt noch oben, weil angeblich zu viel Wind ist. Finde ich zwar nicht, aber bitte dann halt morgen oder irgendwann.

Kurz vor 18h gehe ich duschen und dann zum Einfahrtstor. Der Leihwagen soll um ca. 18h geliefert werden. Wird er auch. Damit will ich eigentlich nur heute Abend nach Alinda fahren und morgen zur Hafenpolizei und dann zum Hafen in Lakkí.

Es ist ja noch hell und die Aussicht von der Taverna des Hotels Alinda ist wirklich schön. Das Essen ist auch OK und der Wirt nett wie immer.


10.09.2014 Mittwoch
Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Kos – Wien
Wieder stehe ich mit der Sonne auf. Die Hin- und Herräumerei geht weiter. Tausende Handgriffe, tausende Schritte. Ich lasse jetzt, wie viele andere Boote auch, den Anker samt Kette auf einer Palette vor dem Boot liegen. Soll besser sein, sagte gestern der Tony, weil die Kette weniger rostet.

Um 12h gehe ich frisch geduscht in den langen Hosen, die ich zuletzt auf der Herreise anhatte, ins Marinabüro. Wir machen einen Vertrag bis 23.9.2016. Der Rabatt besteht darin, dass ich den Vorjahrespreis für alle zwei Jahre bekomme, also 2.980,- per Jahr. Ich verabschiede mich von der Kundenbetreuerin Irene, vom Yachzubehörgeschäftsleiter Parisis und den beiden Technical Managers per Handschlag. Sie wirken alle recht verblüfft darüber.

Ich hole mir einen Stempel von der Hafenpolizei ins griechische Schiffspapier DEKPA, kaufe ein Ticket für den Katamaran in einem Reisebüro und setze mich auf ein Club Sandwich und ein Bier ins Marinacafé. Dodekanissos Pride ist heute später als sonst daran.

In Kos angekommen warte ich auf den Anruf von Vasilis in der Touristentaverna beim Albergo Gelsonimo beim Lokalbusbahnhof. Er war mit seiner Lebensgefährtin Sofia in der Therme. Beim KTEL Busbahnhof treffen wir uns und fahren zu ihm nach Kefalos. Er hat Fisch eingekauft.

Während Sofia kocht, überrascht er mich mit einem ungewöhnlichen Angebot: Ob er mir die Haare schneiden dürfe? Schon mit 11 Jahren hat er im väterlichen Frisiersalon in Thessaloniki den Kunden die Haare geschnitten und erst damit aufgehört als er mit 19 Jahren nach Graz zum Studieren kam. Eine kleine Tasche mit Profiausrüstung inklusive Umhang hat er immer im Auto dabei. Im letzten Tageslicht macht er mir nur mit Schere und Kamm die schönste Frisur seit meinem letzten Profischnitt vor ca. 25 Jahren – wenn man bei mir überhaupt von Frisur reden kann.

Sofia brät die Fische ganz köstlich und serviert dazu Salzkartoffeln und griechischen Salat, Vasilis schenkt Bier und Ouzo ein und zum Abschluss erhalte ich guten Ellenikó métrio und Obst. So lässt es sich auf der schmalen Terrasse sehr angenehm auf den späten Abflug warten. Er bringt mich zum Flughafen, wo wir uns kurz vor Mitternacht herzlich verabschieden und einander beteuern, in Kontakt zu bleiben.

Eine Stunde vor Abflug hat sich die Pauschaltouristenschlange schon aufgelöst und ich kann sehr bequem und schnell einchecken. Auch der Flug ist sehr angenehm, aber die Ankunft in Wien nicht. An einem Finger im neuen Flughafengebäude steigen alle Passagiere aus und gelangen in den elendslangen Gang mit den F-Gates nach rechts und den G-Gates nach links. Das Exit-Schild zeigt auf eine in den nächsten Stock führende Rolltreppe, die außer Betrieb ist und mit einer Glastür versperrt ist. Auch der Lift in den 2. Stock funktioniert nicht. Ein anderes Exit-Schild oder eine Info oder gar ein Plan ist nirgends zu sehen. Der ganze Flugzeuginhalt steht ratlos herum und weiß nicht, wohin weiter. Ich gehe zurück, um die Flugzeugcrew zu fragen. Der Schrägzugang zum Flugzeug ist aber jetzt mit einer Glasschiebetür versperrt. Ich kann nicht um die Ecke sehen, aber ich höre Stimmen und klopfe so laut ich mich traue auf die Glastür. Es kommt niemand. Der Weg zurück ist nun auch mit einer Glasschiebetür versperrt und ich nehme einen anderen, der aber auch mit einer versperrten Tür nach einer still stehenden Rolltreppe nach oben endet. Ich gehe diese wieder hinunter und finde um die Ecke in einem schmalen Sackgassengang einen Lift, der natürlich auch nicht funktioniert. Immerhin kann ich die Beate anrufen und sagen, dass ich im Objekt 118, Ebene 01 eingesperrt bin und sie zur Information gehen soll. Weder bei der Info am Abflug noch bei der Ankunft ist um 2:30h jemand zu sehen. Dann gleitet auch die Glastür vor der Rolltreppe zu und bleibt so. Weil ich keine besondere Lust habe, hier zu übernachten, löse ich Feueralarm aus. Und siehe da, die Glastür gleitet wieder auf und die Tür am Ende der Rolltreppe lässt sich öffnen. Ich bin befreit! Beate hört von den anderen aus Kos kommenden Passagieren wie sie den Abholenden erzählen, dass sie lange im Haus umhergeirrt sind, bis sie zur Gepäcksausgabe gefunden haben. Dieses sündteure Flughafengebäude ist wirklich eine Fehlplanung der schlimmsten Art.

Damit endet ein sehr entspannter, sorgen- und problemfreier Sommer in Griechenland mit einem Feueralarm in Österreich.