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2015-07-25 Ostwärts

Aktualisierung 20.08.2018 01:00:57 Anzahl Tage: 12
25.07.2015 Thessalien / Platamon Marina – Kassandra / Nea Fokea
26.07.2015 Kassandra / Nea Fokea – Kassandra / Glarokavos Bucht E
27.07.2015 Kassandra / Glarokavos Bucht E – Sithonia / Porto Koufó
28.07.2015 Sithonia / Porto Koufó – Sithonia / Kryaritsi
29.07.2015 Sithonia / Kryaritsi – Sithonia / O. Sykià – Sithonia / Valti
30.07.2015 Sithonia / Valti – Sithonia / Sarti – Sithonia / Vurvuru
31.07.2015 Sithonia / Vurvuru – Sithonia / Ormos Panagias – Athos / Nes Drènia
01.08.2015 Athos / Nes Drènia – Thasos / Limenaria
02.08.2015 Thasos / Limenaria
03.08.2015 Thasos / Limenaria – Thasos / Aliki NE Bucht – Samothraki / Kamariotissa
04.08.2015 Samothraki / Kamariotissa
05.08.2015 Samothraki / Kamariotissa

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 37:38 Strecke: 234,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


25.07.2015 Samstag
10:13 Thessalien / Platamon Marina Karte Abfahrt
15:21 40°11’48“N,23°19’09“E Kanaleinfahrt
15:37 40°11’50“N,23°20’09“E Kanalausfahrt
16:32 Kassandra / Nea Fokea Karte An Boje
Zeit unterwegs: 06:19 Strecke: 42,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Der für zwischen acht und neun bestellte Dieselwagen kommt kurz bevor ich ganz unrund werde um ca. 9:30h. Wir fahren gleich ab und überqueren den Thermaikos auf nur leicht gekräuseltem Wasser.
Wir wollen Cassandra Crossing per Kanal Néa Potídea machen. Die Durchfahrtshöhe unter der Brücke soll 17m bei Normalwasserstand sein. Der Mast samt Antenne soll knappe 16m über dem Wasserspiegel sein. Ich verlasse mich nicht auf den Squad-Effekt und taste mich im absolutem Schneckentempo heran, bereit sofort den Rückwärtsgang einzulegen, sollte was da oben anstoßen. Es geht sich aber aus. Viel Luft war da nicht dazwischen. Mein Herzklopfen muss man weit gehört haben.



Dann biegen wir rechts ab und erreichen den kleinen Hafen von Nea Fokea. Kein Platz hier und wir wollen ankern. Der Mann von http://www.daysailing.gr ruft uns auf deutsch zu, dass wir die Mooring nehmen können, die an einer roten Boje NW der Pier hängt. Die sei stark. Das machen wir.

Der Ort hat einen mittelalterlichen Turm

wo es eine schöne Aussicht auf den Hafen gibt.

Wir gehen etwas herum und setzen uns in die Taverna Manos. Stofftischtuch! Stoffservietten! Gepflegte Atmosphäre, überhaupt kein Vergleich mit dem fürchterlichen Platamon. Wir genießen die Ruhe, die schöne Umgebung und auch das Essen, das noch dazu günstiger ist als im fürchterlichen Platamon.


26.07.2015 Sonntag
11:00 Kassandra / Nea Fokea Karte Abfahrt
13:34 Kassandra / Glarokavos Bucht E Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:34 Strecke: 16,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Der nette Ort büßt aus zwei Gründen gewaltig an Sympathie ein. Erster: Die Gelsen. Zweiter: Die Musikbar, die auch noch um 4:17h (jetzt) den Hafen mit ödester griechischer Popmusik beschallt. Aus beiden Gründen kann ich nicht schlafen. Beate erstaunlicherweise schon. Um 5:03h hört die Musik auf und ich kann auch endlich schlafen.

Beate malt den Turm während ich noch schlafe. Beim Frühstück beobachten wir wie Hafenpolizisten ein Motorboot an der Pier genauestens unter die Lupe nehmen und sind froh, dort nicht zu liegen.

Über wieder nur ganz leicht gekräuseltem Wasser fahren wir südostwärts. Eine schöne Einbuchtung mit bestem Sandgrund bietet sich als Ankerplatz an. Endlich wieder klares Wasser, so dass es sich lohnt, die Taucherbrille zu verwenden. Wie üblich gibt es da unten nichts interessantes außer dem Anker zu sehen. Eigentlich: Wie sich der Anker eingegraben hat. Denn wie der Anker aussieht, weiß ich schon.
An Land ein langer Sandstrand, dahinter ein Pinienwald mit sehr vielen Wohnwägen.

Ich repariere die los gelöste Dichtung des Salonfensters mit Kontaktkleber. Erfordert ein paar Verrenkungen, aber das Ergebnis dürfte passen.

Die letzten Lidl-Würstel werden verspeist bevor wir uns zum Fernseher setzen.


27.07.2015 Montag
12:13 Kassandra / Glarokavos Bucht E Karte Abfahrt
13:58 39°57’37“N,23°55’06“E Buchteinfahrt
14:25 Sithonia / Porto Koufó Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:12 Strecke: 13,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Ja, so kann eine Nacht auch sein. Keine Gelsen, kein Lärm, kein Wind, keine Wellen, keine Feuchte und eine angenehme Temperatur. Ich genieße diesen Idealzustand zuerst im Bugnetz, dann im Cockpit. Zum Sonnenaufgang wache ich kurz auf.

Wir schwimmen an Land und sehen uns den wilden Campingplatz an. Er ist voll. Das ist verständlich. Ein schönerer Platz für ein Wohnwagen unter Pinien mit Sandstrand davor und Blick aufs Meer wird nicht leicht zu finden sein. Eine Strandkantine mit dezenter Musik, Dusche und Liegestühlen unter Sonnenschirmen gibt es auch.

Nach der Abfahrt sehen wir uns die nächste Bucht an. O. Paliouri (Chrouso) wird als familienfreundlicher Badestrand beschrieben. Glaube ich sofort. Vom Sandstrand ist nicht viel zu sehen, weil voll mit Liegestühlen und Sonnenschirmen. Besser vor Wellen aus SE als die vorige ist sie auch nicht geschützt.

Am „Mittelfinger“ soll Porto Koufó einer der am besten geschützten Buchten Griechenlands sein. Nicht, dass wir bei der Wetterlage wirklich Schutz benötigen, aber wenn sie schon auf dem Weg liegt, kanns ja nicht schaden.
Aha, hier haben sich die Segelboote versteckt! Ganze 14 Stück liegen hier. Doppelt so viele wie wir seit dem Verlassen der Sporaden vor 6 Tagen insgesamt gesehen haben. Die Bucht ist aber auch wirklich nett. Im N gibt es einen kleinen Hafen. Davor sind Bojen ausgelegt worden. Wir überlegen, eine davon zu nehmen, entscheiden uns aber dann fürs Ankern gegenüber der Einfahrt, wo schon zwei Boote ankern.

Ich schwimme an Land, um die Restaurantszene zu erkunden. Hinter dem Hotel gibt es tatsächlich eine Taverna, die gar keinen schlechten Eindruck macht: Bukadura. Wenn sie nur halb so gut ist, wie auf der flashverseuchten Homepage angepriesen, wäre das schon was.

Sie ist tatsächlich in jeder Hinsicht gut und die Preise ganz normal.


28.07.2015 Dienstag
14:30 Sithonia / Porto Koufó Karte Abfahrt
15:12 39°56’07“N,23°56’09“E Motoren schneller
16:20 Sithonia / Kryaritsi Ankern
Zeit unterwegs: 01:50 Strecke: 12 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Die Gegend ist eher so, wie wir Griechenland kennen. Bergig mit unregelmäßiger Küstenlinie und vielen Buchten mit einem Sandstrand im Scheitel. Wir machen uns auf die Suche nach einer einsamen solchen, finden aber keine. Entweder voll von Sonnenschirmen, Zelten oder Möwen. Die schönste Bucht Kryaritsi ist auch voll mit Zelten und Wohnwägen. Zwei Strandbars gibt es am weitläufigen feinen Sandstrand auch, die jedoch sehr dezent ganz lässige Musik spielen. Also ankern wir hier.
Auf der einen Seite kleine vorgelagerte Felsinseln, dahinter der Berg Athos. Auf der anderen Sandstrand in fast einem Halbkreis, im Südteil mit ungewöhnlich „weichen“ Klippen dazwischen.
Einziger Nachteil: Die Internetverbindung klappt schlecht.



Was auch ungewöhnlich ist: Es ist ein Seminudistenstrand. Die meisten Leute sind ganz normal in Badebekleidung, dazwischen aber immer wieder nackerte ganz unbekümmert.


29.07.2015 Mittwoch
13:32 Sithonia / Kryaritsi Abfahrt
14:10 Sithonia / O. Sykià Ankern
19:42 Sithonia / O. Sykià Abfahrt
20:07 Sithonia / Valti Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:03 Strecke: 4,2 Seemeilen Ø Fahrt: 4 Knoten


Wir schwimmen zum Strand. Im Minimarket des Campingplatzes kaufen wir ein Brot ein, gehen etwas herum und setzen uns dann in das lässige Lokal des Campingplatzes auf ein Toast und ein Bier mit Aussicht auf die Blodughadda.


So, jetzt kennen wir diese Bucht, auf in die nächste. Sie ist gleich ums Eck und riesengroß mit drei Sub-Buchten an der Süd- und zwei an der Nordseite. Wir schauen uns die südseitigen im Vorbeifahren an und schmeißen den Anker in die westliche im N ohne Namen.
Es ist heiß. Baden im 31° warmen Meer bringt auch keine wirkliche Kühlung. Wir warten auf den Sonnenuntergang. Kurz davor schwimmen wir zum Ufer. Dabei sehe ich, dass der Grund wo wir ankern aus Sand, ein kurzes Stück näher zum Ufer aber aus sehr großen Felsplatten besteht, die fast bis zum Ufer reichen. Wir sehen an Land einen Campingplatz – was sonst. Aber keine Taverna – seltsam. Die Bucht ist auch landschaftlich nicht so besonders hübsch. Daher beschließen wir einen Buchtwechsel.
Nach kurzer Zeit ankern wir in der östlichen der Nordbuchten, die sogar einen Namen hat: Valti. Mit dem Schlauchi paddeln wir an Land und sehen einen Campingplatz – was sonst. Aber auch eine Taverna mit schöner Aussicht auf die Blodughadda – so gehört es sich! Die Taverna Mesogios ist richtig gut aber nicht besonders gut besucht. Dafür sehr angenehm sehr ruhig. Die Gegend hier gefällt uns wirklich.


30.07.2015 Donnerstag
12:52 Sithonia / Valti Karte Abfahrt
13:49 Sithonia / Sarti Karte Ankern
14:25 Sithonia / Sarti Karte Abfahrt
16:25 Sithonia / Vurvuru Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:57 Strecke: 17,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


Kurz vor 12 fängt der SE-Wind an und erfrischt angenehm. Wir fahren los, wieder Mal nur um die Ecke. In Sarti wollen wir ein paar Einkäufe machen und ankern vor dem Ort und vor der Bojenlinie des Schwimmbereiches. Die Bojen sind hier sogar mit einer dünnen Leine mit einander verbunden. Der Wind frischt aber mehr auf und bringt größere Wellen. Darin mit dem Schlauchi einkaufen fahren, wäre eine nasse Angelegenheit. Wir beobachten ein Segelboot, das sich anschickt im etwas entfernten Hafen anzulegen. Es reversiert aber gleich wieder hinaus, also kein Platz vorhanden.
Dann fahren wir einfach weiter. Der Wind nimmt etwas ab und kommt genau von hinten mit genau unserer Reisegeschwindigkeit. Also genau null Ventilation. Ich messe die Temperatur des Biminidaches mit 58°. Es wird auch feuchter und schwüler.

Die Bucht vor dem Ort mit dem lustigen Namen Vurvuru bietet eine gewaltig große Fläche mit 2,5 m Tiefe. Wir ankern weit draußen vor dem Restaurant „Paris“, weil auf Google Maps dazu steht „opposite super-market Dionisos“. Abkühlen durch schwimmen funktioniert hier noch schlechter. Das Meer hat 32,3°C!

Wir warten den Sonnenuntergang und die Abkühlung ab, bevor wir an Land fahren. Sehr richtig, der Dionisos ist ein Stückchen hinter Paris, gut sortiert und mit einer Klimaanlage ausgestattet. Wäre wunderbar, würde ich nicht fürchterlich Landkrank darin werden. Der Fußboden hebt und senkt sich und die Regale wackeln. Beate merkt nichts aber mir wird ganz mulmig. Lässt gleich nach, als wir wieder zurück gehen.

Das Páris ist sehr gut besucht und auch einen Besuch wert. Gutes, günstiges Essen und eine Nachspeise vom Haus, die sich sehen lassen kann: Teller mit Wasser- und Zuckermelone, Weintrauben, zwei puddingartige Kuchen und dazu eine Schüssel mit zwei Eiscrémekugeln. Absoluter Rekord bisher.

Als wir um 23:45 zum Boot zurückkehren ist es absolut windstill und acht Grad kühler in der Luft. Die Fußbodenheizung ist allerdings immer noch bei 31,5°


31.07.2015 Freitag
10:40 Sithonia / Vurvuru Karte Abfahrt
11:50 Sithonia / Ormos Panagias Karte Längsseits anlegen
13:32 Sithonia / Ormos Panagias Karte Abfahrt
15:34 Athos / Nes Drènia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:12 Strecke: 17,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Das Morgenbad erfrischt ja direkt, keine 30° im Wasser! Wir fahren gleich nach dem Frühstück ab. Eine ungewöhnliche Insellandschaft hier. Erinnert ein wenig an Finnland. Überall könnte man geschützt ankern. Das tun auch viele. Wir wollen vor allem Diesel bunkern, damit eine Flucht in den kühlen Süden möglich wird. Im Limeniskos (Tourist Shelter) Agios Nikolaos, eine Art Marina mit Schwimmstegen, steht im Handbuch bei der Betonpier „Fuel replenishment pier“. Klingt ja viel versprechend, sieht aber nicht so aus. Die Pier ist voll von parkenden Autos und gerade nimmt uns ein Boot den letzten Platz weg. Von einer Tankstelle oder einem Dieselwagen ist nichts zu sehen.
Gegenüber ist der Hafen Limeniskos Ormos Panagias. Ein paar Segelboote liegen hier längsseits. Wir alsbald auch. Unseren Müll können wir endlich entsorgen und ich mache mich auf Dieselsuche. Kein Schild mit einer Telefonnummer zu sehen. Ich frage eine Deutsche, die hier ein Reisebüro betreibt, und im Supermarkt. Von beiden erhalte ich die Antwort, dass die Tankstelle an der Landstraße etwa 1 Km entfernt sei, Telefonnummer unbekannt. Ich gehe zur Landstraße hinauf, sehe aber keine Tankstelle. Ich gehe wieder zurück und setze mich am recht netten Ortsplatz in ein Café auf ein Bier. Eine bewährte Problemlösungsmethode in Griechenland. Bereits nach der halben Flasche kommt die Lösung schon. Beate ruft an und fragt, ob ich den Dieselwagen im Hafen schon gesehen habe. Die zweite Bierhälfte wird in den Rachen gekippt und ich eile zum Dieselwagen. Beate hat schon mit dem Dieselmann gesprochen. Er will uns aber keinen Diesel verkaufen! Wenn das furchtbar hässliche Motorboot mit dem Tanken fertig sei, hätte er keinen Diesel mehr und ein zweites Mal will er nicht wieder hierher fahren. Mir sagt er dasselbe aber ich lasse mich nicht abwimmeln und bleibe einfach stehen. Es dürfte ihm doch ein wenig peinlich sein und fragt, wie viel wir benötigen. Ca. 70 Liter sage ich. Dann ist das Motorboot fertig und der Dieselmann sagt, so ca. 40-45 L hätte er vielleicht noch. Na besser als gar nix, sage ich und er verspricht, zum Boot zu kommen. Er kommt und ich fülle den Tank mit 65 l auf. Also Problem gelöst. Mit 1,25 per Liter ist außerdem der Preis der bisher günstigste in diesem Jahr.
Es gibt hier auch Wasserhähne. Es wäre zwar nicht so dringend, die Tanks aufzufüllen. Eine Woche würden wir noch auskommen, aber was man hat, das hat man. Noch dazu gratis.

Wir setzen über zum Westufer vom dritten Finger, Halbinsel Athos, also zu den vorgelagerten Inseln. Der schönste Ankerplatz des bisherigen Sommers begrüßt uns mit türkisblauem Wasser und Sandgrund in 2m Tiefe. Und auch mit einer Menge Campierern in Zelten entlang der Sandstrände. Und mit einer Menge Rent a Boat Booten, die herumkurven – wahrscheinlich in Ouranoupoli, der Stadt gegenüber am Festland gemietet. Und mit einer Menge Badegäste, die sich im Wasser und den Sonnenliegen räkeln. Wohlweislich ankern wir ein gutes Stück davon entfernt. Aber mit der Sonne verschwinden auch die Tagesausflügler. Die Sonne verschwindet ungewöhnlicherweise in eine vom Norden heraufziehende Wolkenbank. Was wird das?

Es wird ein Gewitter. Der Wind nimmt um ca. 20:30h schlagartig zu und dreht nach N. Im letzten Abendlicht kontrolliere ich noch den Anker mit der Taucherbrille. Gut so, denn der Wind nimmt immer mehr zu und erreicht den Höchstwert mit 34,7 Knoten. Praktischerweise kommt er genau aus der Richtung des Inselchens, hinter dem wir ankern, und es uns daher vor den heftigen Wellen schützt. Es wackelt trotzdem. In dieser Position ist es seichter, nur mehr 50 cm Wasser unterm Kiel. Das Ufer hinter uns ist zwei, drei Bootslängen entfernt. Nichts für schwache Nerven. Gut, dass ich den Anker kontrolliert habe!
Über dem Festland sind zahlreiche Blitze zu sehen, aber kein Donnern zu hören. Um 23h wird der Spuk mit ein paar Regentropfen beendet.


01.08.2015 Samstag
08:56 Athos / Nes Drènia Karte Abfahrt
11:55 40°6’31“N,24°18’10“E S-Spitze Athos
17:57 Thasos / Limenaria Karte Ankern
Zeit unterwegs: 09:01 Strecke: 60,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Der Morgen begrüßt uns ziemlich bewölkt und kühl. Ich mache ein paar Fotos.


Das ist unser „Schutzinselchen“:

Da gehts hinaus Richtung SE, im Hintergrund der Mount Athos, den wir umrunden müssen.

Vor vielen Jahren habe ich gewitzelt, dass man eines Tages mit Google Earth navigieren wird. Es ist so weit. Auf keiner Seekarte ist zu erkennen, ob die schmale Durchfahrt passierbar ist. Auf Google Earth sieht man deutlich, dass sie ist. Hier haben wir sie schon hinter uns:

Die Felsen gleich nebenan sehen wenig schifffreundlich aus:

Wir nehmen Kurs auf die Südspitze von Athos. Wind ist wie üblich kaum vorhanden.

Die bergige Küste von Athos fällt steil herab ins Meer. Wir beobachten einige Klöster und Mönchsdörfer, die sich am Felsen festklammern. Einige haben auch einen Hafen, der aber nicht angelaufen werden darf. Ohne Genehmigung und Visum(!) darf niemand diese verrückte Mönchsrepublik betreten. Das kann aber auch nur eine männliche Person über 18 Jahren sein, der ein religiöses oder wissenschaftliches Interesse hat und eine langwierige Genehmigungsprozedur auf sich nimmt. Pro Tag dürfen sich maximal 10 ausländische Pilger auf Athos aufhalten und nach drei Nächten müssen sie wieder ausreisen. Jede Nacht muss in einem anderen Kloster verbracht werden und selbstverständlich nimmt der Pilger auch teil an der ersten Messe des Tages – zwischen 4 und 6 Uhr in der Früh. Es wundert mich schon, dass sich überhaupt jemand für diesen Mönchslebenschnupperkurs meldet.

An der Südspitze ändern sich die Verhältnisse schlagartig. Wind mit über 30 Kn kommt uns entgegen. Das hat mir kein Wetterdienst gesagt! Vorhersage war 10 bis 15 Kn. Ich vermute daher ein lokales Phänomen, beim dem der NE-Wind um die Kurve des Kaps gedrückt wird, und steuere weiter hinaus. Gegenan geht sowieso nicht. Und sehr richtig, weiter draußen beruhigt sich die Lage und nach einiger Zeit haben wir den Wind aus N mit 10 Kn und weniger. Wir können Kurs auf Thasos nehmen. Durch die Gewitterabkühlung sind wir doch nicht auf der Flucht in den kühlen Dodekanes. Es wäre Schade, Thasos und Samothraki auszulassen, wenn wir schon mal hier oben sind. Wird ja so bald nicht wieder sein.

Im Hafen von Limenaria ist natürlich kein Platz. Besser gesagt, alle Plätze, wo kein Boot liegt, sind nach griechischer Unart mit Bojen reserviert. Wir ankern im Hafenbecken vor dem Badestrand, eh besser. Um acht paddeln wir an Land, mieten ein Auto für morgen bei Speedy rent a car und essen sehr gut und günstig in der Taverna Stelios. Zurück auf dem Boot „erfreut“ die Musikbar die ganze Gegend mit furchtbar lauter BummBummMusik. Eh klar, es ist Samstag Abend. Je später es wird, desto lauter. Um 0:30h messe ich einen Spitzenwert von 90,8 Decibel – 180 m entfernt vom Störenfried. Das macht einen direkt aggressiv. Mit den Schwimmohrenstöpseln so weit ins Ohr geschoben, dass es weh tut, ist der Lärmpegel erträglich. Aber nicht die „Musik“. Warum muss das in jedem verdammten Hafen sein?


02.08.2015 Sonntag
Thasos / Limenaria
Thasos gefällt uns nicht. Mit dem Leihwagen fahren wir rund um die Insel. Hohe Berge, viele Bäume und Badestrände, massenhaft Unterkünfte, Lokale und Ramschgeschäfte für Touristen. Aber nichts Interessantes, Liebliches, Malerisches, Stimmungsvolles. Die Hauptstadt Thasos (auch Liménas genannt) ist potthässlich, abgesehen von ein paar netten Cafés am Hafen. Da wir keine Ruinenfreaks sind, interessieren uns die Reste antiker Bauwerke nicht, die es hier gibt – wie praktisch auf jeder griechischen Insel. Da müssten es schon ganz besondere Reste sein.
Auch die im Reisehandbuch gepriesenen Bergdörfer machen im Vergleich zu denen auf anderen Inseln einen erbärmlichen Eindruck.
Die Wasserfront unserer Hafenstadt Limenaria macht noch den besten Eindruck obwohl das Handbuch meint, dass hier die Industieruinen aus der Zeit des Bergbaus, der 1963 aufgehört hat, die größte Sehenswürdigkeit sind. Das sagt schon alles.


03.08.2015 Montag
10:00 Thasos / Limenaria Karte Abfahrt
12:08 Thasos / Aliki NE Bucht Karte Ankern
13:21 Thasos / Aliki NE Bucht Karte Abfahrt
18:57 Hafeneinfahrt
19:43 Samothraki / Kamariotissa Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 08:30 Strecke: 50 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Bei ganz wenig Wind verlassen wir den Hafen. Ab der S-Spitze kommt er uns mit bis zu 20 Kn entgegen. Das haben wir auch gestern vom Auto aus beobachtet. Auch eine kleine Bucht E von Aliki, die einladend aussieht. In dieser werfen wir den Anker für einen Badestopp. Der Grund besteht fast nur aus Steinen, wo der Anker nicht hält. Ein paar kleine Sandflecken sind auch vorhanden. Einige wenige Badegäste sind es auch, aber keine übliche Badestrandausstattung. Dafür wird an Land an einer Hotell- oder Ferienhausanlage gebaut.
Das Wasser ist endlich kühler. Bei 28° kann man schon sagen, dass es erfrischt.
Ich mache alles bereit, um die Segel zu setzen. Laut Windprognose sollen wir zumindest die ersten 20 der 30 Seemeilen gut segeln können, dann soll der Wind abflauen. Aber was ist? Fast kein Wind! Er kommt mit 3 bis 7 Kn aus N. Es gibt aber ordentliche Wellen aus E. Die Fahrt ist nicht angenehm. Auf den letzten 10 Seemeilen nimmt der Wind nicht ab, sondern zu. Er kommt mit bis zu 25 Kn aus ENE, also fast auf die Nase. Die Fahrt wird richtig schrecklich. Es gibt aber keine Ausweichmöglichkeit. Mit dem Wind wäre Limnos ganze 35 Sm entfernt.

Erst im Hafen lässt die Schaukelei endlich nach. Es gibt sogar freie Plätze am langen Wellenbrecher! Große Erleichterung.


04.08.2015 Dienstag
Samothraki / Kamariotissa
Wir schlafen so gut wie schon lange nicht, obwohl der Wind die ganze Nacht hindurch pfeift. Aber angenehm kühl, keine Gelsen oder Discomusik. Um die Mittagszeit gehen wir einkaufen. Sonst bleiben wir auf dem Boot. Beate arbeitet und liest. Ich arbeite und recherchiere wieder mal im Internet nach einem neuen Schlauchboot. Ein solches muss unbedingt her, aber welches und woher? Ich werde immer noch nicht fündig.

Um 19h gehen wir zum Mopedverleiher und erhalten ein ziemlich ausgedientes Ding um 15 Euro für 24 Stunden. Damit fahren wir die 5 km zur Chora hinauf. Dort geht uns das Herz über. So ein stimmungsvolles Dorf haben wir schon lange nicht gesehen. Eine Inselidylle erster Klasse mit einer schmalen, mit Natursteinen gepflasterten Gasse, die sich zwischen den zweistöckigen kleinen Häusern hinauf zur alten Festung schlingert. Umsäumt von gepflegten kleinen Geschäften, gemütlichen Lokalen und vielen Bäumen. Kein Massentourismus hier, das spürt man richtig. Eher spürt man, dass die freundlich grüßenden Einheimischen die wenigen Touristen neugierig beobachten.

An der Burg, bzw. was davon noch übrig ist, setzen wir uns in ein Café mit toller Aussicht, gehen dann wieder hinunter und sehen das Folklore Museum gleich bei der Kirche. Da gehen wir natürlich hinein. Nicht so sehr wegen der Exponate, aber weil diese Museen meist in für den Ort typischen Häusern untergebracht sind. Es lohnt sich aus dieses Mal.

Bevor wir wieder zurück fahren, essen wir eine Kleinigkeit in der Taverna Ouzeri 1900 gleich unter dem Museum auf einem für den Ort großen Platz. Der Wirt dürfte ein ehemaliger 1967-er sein. Aus den Lautsprechern ertönt keine übliche griechische Musik, sondern The House Of The Rising Sun und ähnliches. Passt gut zur Stimmung hier.

Und weils so schön war und überall schöne Motive, hier mehr Bilder als üblich:










Die Steine auf den Dächern sollen die Dachziegel im Sturm vor dem Wegfliegen bewahren. Als wir ankommen, hat sich der Wind aber wieder verabschiedet, so dass wir nicht beurteilen können, ob das wirklich notwendig ist.


05.08.2015 Mittwoch
Samothraki / Kamariotissa
Wir erkunden Samothraki mit dem Mopedkrewecherl. Fazit: Interessant und schön. Im Norden Wälder, im Süden Felder und Olivenhaine. Dazwischen der höchste Berg der Ägäis. Im Norden nach der Streusiedlung Therma finden wir über einen mit richtig groben Natursteinen gepflasterten Weg zum Parkplatz mit Taverna Xenia, von wo es zu Fuß zu den Gria Vathria Wasserfällen geht. Wir haben zwar die Badesachen dabei, aber so wahnsinnig einladend ist es doch nicht, in dem „Fluss“ zu baden. Bei uns nennt man ein derartiges Gewässer „kleiner Gebirgsbach“. Aber für Griechenland ist es natürlich eine Sensation. Die Landschaft ist auch sehr ungriechisch mit großen Farnen und einem richtigen Platanenwald. Einige Leute nützen ja doch die Gelegenheit, in Süßwasser zu baden und einige Hippies haben hier ihre Zelte aufgeschlagen.






Wir fahren mit dem gelegentlich stotternden Moped wieder zur Hafenstadt zurück. Beates Knie vertragen die beinverrenkte Stellung auf dem Sozius schlecht. Sie verzichtet daher auf die Südseite der Insel. Gar so viel versäumt sie dabei nicht, obwohl die Landschaft auch hier schön ist. Man sieht weit über Felder mit Büschen und Bäumen dazwischen. Danach kommen endlose Olivenbaumplantagen. Ich nehme mir vor, bis zum einzigen Sandstrand der Insel, Pachia Ammos, zu fahren. Aber er kommt einfach nicht daher und die Tankanzeige nähert sich dem E. Ich drehe daher ammoslos um. In der Fischtaverna Akrogiali, etwas erhöht direkt am Meer, genehmige ich mir ein Bier und habe das Glück, eine Delfinschule am Ufer vorbei schwimmen zu sehen. Vom Land aus habe ich noch nie Delfine beobachten können.


Zurück am Boot ist drückende Hitze und Flaute. Wir hupfen ins Wasser, ist eh sauber obwohl Hafenwasser. Wir bringen um 19h das Moped zurück, kaufen was ein und gehen wieder zum Boot zurück, um diesmal auf dem Boot zu essen. Dabei sehen wir, dass sich wettermäßig wieder was zusammen braut. Dunkle, mächtige Wolken ziehen heran und man könnte fast einen Vulkanausbruch vermuten. Der Sturmwind lässt nicht lange auf sich warten. Er kommt plötzlich und heftig aus NE. Viel stärker als vor fünf Tagen in Nes Drenia. Dauernd 30 bis 40 Knoten, Spitzenwert 50,7 Kn!


Wir können trotz des achterlichen Sturms und der Gischt, die immer wieder über den Wellenbrecher herüberwächst, im Cockpit gemütlich essen. Die neuen Sonnenschutznetze bieten auch diesbezüglich Schutz – super!

In der nördlichen Ägäis ist der Wind doch ganz anders als in den Kykladen oder im Dodekanes. Zwei bis drei komplette Windrichtungsänderungen an einem Tag, wie sie hier täglich vorkommen, oder Gewitterstürme im Sommer habe ich dort bisher nicht erlebt. Das nahe Festland dürfte einen großen Einfluss auf das Wetter hier oben haben.

Nach zwei Stunden wird der Wind wieder normal und ich gehe mit dem Computer zur Gyrosbude mit dem guten Internetzugang, um endlich mehrere zig Megabyte Daten in der Dropbox zu synchronisieren.