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2015-08-18 „Daheim“ im Dodekanes

Aktualisierung 20.08.2018 01:28:12 Anzahl Tage: 14
18.08.2015 Patmos / Livadi Geranou – Patmos / Hafen Skála – Patmos / Livadi Geranou
19.08.2015 Patmos / Livadi Geranou
20.08.2015 Patmos / Livadi Geranou – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
21.08.2015 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Léros / O. Plakouti
22.08.2015 Léros / O. Plakouti – Léros / O. Xirókampos
23.08.2015 Léros / O. Xirókampos
24.08.2015 Léros / O. Xirókampos – Kálymnos / Póthia
25.08.2015 Kálymnos / Póthia – Kálymnos / O. Vlychádia
26.08.2015 Kálymnos / O. Vlychádia – Kos / Kefalos, Kamari
27.08.2015 Kos / Kefalos, Kamari
28.08.2015 Kos / Kefalos, Kamari
29.08.2015 Kos / Kefalos, Kamari – Gyali / Strand – Nisyros / Páli – Kos / Kefalos, Kamari
30.08.2015 Kos / Kefalos, Kamari
31.08.2015 Kos / Kefalos, Kamari

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 17:05 Strecke: 94,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


18.08.2015 Dienstag
09:00 Patmos / Livadi Geranou Karte Abfahrt
09:44 Patmos / Hafen Skála Karte Anlegen
13:16 Patmos / Hafen Skála Karte Abfahrt
13:47 Patmos / Livadi Geranou Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:15 Strecke: 6,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten


So eine herrliche Nacht! Angenehme Temperatur, völlig still, kein einziger Windhauch, keine einzige Welle, keine einzige Gelse. Auch beim Morgenschwimm ist es, als ob die Welt stehen geblieben wäre. Beate gleitet nicht ganz lautlos ins Wasser und sie ist ganz betreten ob der Lärmentwicklung.
Wir machen dann doch Lärm, weil wir nach Skala zum Einkaufen aufbrechen. Da ist der Lärmpegel enorm. Insbesondere im Café Arion, direkt neben der meistbefahreren Straße der Insel, wo Familien mit plärrenden Kindern auf die Ankunft der Fähre warten. Heiß ist es auch. Egal, nach so einem Ausflug schätzen wir den Hupf ins Wasser am Ankerplatz ganz besonders.

Nenad kommt wieder mit dem Schlauchboot und holt die bestellten Brote ab. Wir plaudern ein wenig und verabreden uns für ca. 20h bei der Taverna.
Um 14 Uhr zählt Beate 17 Boote in der Bucht. Die Anzahl Schwimmer, die an der Blodughadda vorbei zur kleinen vorgelagerten Insel unterwegs sind, ist ein Vielfaches. Die meisten unterhalten sich dabei auf Italienisch.

Gegen Abend verlassen die meisten Boote den wunderbaren Ankerplatz. Wahrscheinlich, um im überfüllten, heißen und lauten Hafen essen gehen zu können. Dabei ist die Taverna hier voll in Ordnung. Muss man halt mit dem Schlauchboot hinfahren. Das machen wir etwas früher als Nenad und seine Frau Eri. Es folgt ein sehr netter und gemütlicher Abend mit vielen Seglergeschichten.

18.08.2015: Das nach Abfahrt der Fähre nicht mehr so volle Arion
Das nach Abfahrt der Fähre nicht mehr so volle Arion
18.08.2015: Warten auf Nenad und Eri in der Taverna mit der schönen Aussicht auf die Bucht
Warten auf Nenad und Eri in der Taverna mit der schönen Aussicht auf die Bucht


19.08.2015 Mittwoch
Patmos / Livadi Geranou
Wir bleiben in der schönen Bucht. Beate liest und arbeitet. Ich programmiere die Blogbuch-Datenbank und teste verschiedene Möglichkeiten, Bilder als Galerie in einer „Lightbox“ anzuzeigen. Die Materie ist völlig neu für mich und die Lernkurve steil. Es dauert lange, bis ich ein passendes Plug-In für WordPress finde,. Es gibt dutzende davon und jedes funktioniert anders. Die meisten gehen davon aus, dass der im Blog angezeigte Text und auch die Bilder direkt in WordPress erfasst werden. Beim Blogbuch werden diese aber zuerst in der Datenbank erfasst und dann exportiert.

Außer zum Schwimmen bewegen wir uns nicht von Bord. Abends gibt es wieder Salat, aber diesmal mit gebratenem Speck, auch sehr gut.


20.08.2015 Donnerstag
17:43 Patmos / Livadi Geranou Karte Abfahrt
19:53 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:10 Strecke: 14,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Auch heute feile ich am Blogbuch und ändere die Fotos vom vorigen Törn so, dass sie in einer Lightbox-Galerie aufscheinen. Das ist dann sozusagen der Bericht für Lesefaule. Es gelingt mir auch wieder, die Route auf einer Karte von Google anzeigen zu lassen. Funktioniert leider nicht mehr so automatisch wie früher und besonders schnell ist der Kartenaufbau auch nicht. Daher nur als Link auf der Seite vorhanden. Ich finde auch ein Plug-In für das Ausdrucken der Seite. Beate meint, wir sollten das machen, falls die digitalen Daten verloren gehen. Ich schätze aber die Wahrscheinlichkeit, dass die ausgedruckten Berichte in Flammen aufgehen, als ungefähr gleich hoch.

Zwischendurch muss ich auch ein paar Kunden betreuen und zwischendurch müssen wir uns über die hohe Konzentration an ankernden Luxusyachten wundern. Das sind ein paar ganz große dabei, zb Excellence V und Nero. Auch wundern wir uns darüber, dass es ausreichend viele superreiche Aufsgeldscheißer gibt, die bereit sind, bis zu 659.000 Euro für eine Charterwoche auszugeben. Und wir wundern uns darüber, dass der griechische Staat unfähig ist, von diesen einen Obulus zur Staatsfinanzierung abzuverlangen. Das Gesetz dazu ist zwar schon seit 1,5 Jahren in Kraft – wir würden die ca. 250 Euro im Jahr ja gerne zahlen – aber es ist so kompliziert, dass niemand weiß, wie das Geld einzutreiben ist und wer das tun soll. Und jetzt sollen Reformen kommen? Die einzige Reform, die dieses Land auf die Füße bringen würde, wäre, das Land komplett unter EU-Verwaltung zu stellen. Das hätte sogar Tradition und wie man sich unter Fremdverwaltung (venezianischer, türkischer, italienischer, Militärjunta…) durchlaviert, haben die Griechen seit Jahrhunderten im Blut. So lange aber die Lavierer das Sagen haben, wird aus diesem Land nie ein so funktionierender Staat, wie es sich die Geldgeber vorstellen oder zumindest wünschen. Eigentlich gut so.

Ja und dann fahren wir nach Archangelos und gehen in die Taverna Stigma gut essen. Eine Gruppe mit 15 Erwachsenen und 5 Kindern, deren 5 RIBs am Steg im Packerl liegen, sorgen für eine Stimmung, wie bei uns beim Heurigen.


21.08.2015 Freitag
13:20 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Abfahrt
13:45 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte Anlegen
14:40 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte Abfahrt
15:23 Léros / O. Plakouti Karte An Boje
Zeit unterwegs: 01:08 Strecke: 4,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4 Knoten


Gestern ist uns das Wasser ausgegangen. Beide Tanks sind leer. Wir müssen heute Wasser bunkern. Bevor wir los fahren, teste ich, ob die neue Bildhandhabung auch nur am iPad funktioniert und nehme dazu ein Foto mit dem iPad auf.

21.08.2015: Archangelos Taverna Stigma
Archangelos Taverna Stigma

Ich rufe den Dieseltankwagen von Leros an 22470 23280 und vereinbare einen Tanktermin um 14h bei Agmar. Beim Travelliftbecken angekommen ist der Platz längsseits natürlich von einem größeren Motorboot besetzt. Der Skipper weiß nicht, wie lange er noch bleiben wird, aber er schlägt vor, am linken „Arm“ des Beckens mit Buganker und Heckleinen anzulegen. Er würde mit den Leinen helfen. So ist es dann auch und gut geht es. Sieht zwar nicht sehr vertrauenserweckend aus. Ist aber bei nicht zu viel Wind durchaus möglich. Die Ankerfernbedienung ist dabei extrem praktisch, um die Ankerkettenlänge genau einzustellen während ich mit den Heckleinen hantiere
Der Dieseltankwagen ist total pünktlich da und wir können 123 Liter á 1,25 einfüllen. Der gut englisch sprechende Fahrer ist außerdem sehr freundlich und ich bekomme sogar eine Quittung!!!
Dann wird Wasser vom Wasserhahn gebunkert. Der Schlauch auf der Rolle ist gerade so lang, dass die Rolle auf der Passarella stehen kann, aber was solls. Das Wasser ist extrem warm und schmeckt nach Chlor.
Nach einer Stunde können wir wieder ablegen. Gerade rechtzeitig bevor der Nachmittagswind noch mehr zunimmt, was an dieser Stelle nicht so lustig ist.
21.08.2015: Anlegen fürs Tanken beim Travelliftbecken in Partheni
Anlegen fürs Tanken beim Travelliftbecken in Partheni
21.08.2015: Leicht schräg, weil genau im Wind
Leicht schräg, weil genau im Wind
21.08.2015: Passarellebehinderung durch Schlauchtrommel, weil Schlauchlängen exakt so sind
Passarellebehinderung durch Schlauchtrommel, weil Schlauchlängen exakt so sind
21.08.2015: Beate lässt das extrem warme Wasser in die Tanks
Beate lässt das extrem warme Wasser in die Tanks

Wir fahren nur um die N-Spitze von Leros und nehmen eine der 5 gelben Bojen in Plakouti (oder auch Blefouti). Bis auf eine sind alle frei. Schwimmen und danach ausgiebig duschen können, ist wieder sehr angenehm. Tankwasser und Meerwasser wetteifern darum, wer wärmer sein kann. Das Meer hat 30,2°, im Tank gibt es kein Thermometer, aber wir stellen fest, dass es ungefähr die übliche häusliche Duschtemperatur hat.

Abends paddeln wir an Land und essen gar nicht schlecht in der einzigen Taverna Artemis. Sie ist wirklich keine Perle der Gemütlichkeit, aber sonst in Ordnung.


22.08.2015 Samstag
12:36 Léros / O. Plakouti Karte Abfahrt
14:00 Léros / O. Xirókampos Karte An Boje
Zeit unterwegs: 01:24 Strecke: 9,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Endlich finde ich die richtige Methode, eine Törnkarte anzuzeigen. Geht über Google My Maps und ist abrufbar auf der Seite mit der Jahreszahl. Gegenüber der früheren Google-Version hat sie den Vorteil, dass einzelne Törns ein- und ausgeblendet werden können. Womit eine Karte per Jahr ausreicht.
Die Bucht wäre ja sehr schön, würden nicht die Wellen um die Ecke kriechen. Es ist zwar weniger arg als gestern Abend, doch zu Mittag reicht es uns. Wir fahren nach Xirokampos. Die Standardboje von Mama Veta ist frei, also die mit dem Fender direkt vor dem Lokal. Bis auf vier sind alle anderen besetzt und das nicht lange. Man kann von Höchstsaison sprechen.
Wir essen natürlich bei Mama Veta ihren Salat (diesmal nicht so toll), Spinat im Tontopf (mindestens so gut wie immer) und gegrilltes Hühnerfilet aus Leros (sehr gut gewürzt).

22.08.2015: Boat parking Xirokampos
Boat parking Xirokampos
22.08.2015: Beate fotografiert mich
Beate fotografiert mich
22.08.2015: Ich fotografiere Beate
Ich fotografiere Beate
22.08.2015: Panorama Xirokampos Ostufer
Panorama Xirokampos Ostufer


23.08.2015 Sonntag
Léros / O. Xirókampos
Eigentlich wollten wir heute nach Lakki. Aber die Marina hat bis Dienstag keinen freien Platz. Eigentlich wollten wir nach Lakki, um Wäsche zu waschen. Aber ich mache eine Wäscherei in Pothia Kalymnos ausfindig, wohin es mit dem mittlerweile aufgekommenen Meltémi und nicht gegen ihn geht. Außerdem war ich schon lange nicht in Pothia, in Lakki jedoch schon so oft. Weil die Wäscherei am Sonntag wohl nicht offen hat, bleiben wir bis morgen hier.
Ich bringe die Törnberichte ab 2009 ins neue Blogbuch und mache dann Fenderwäsche. Mit reichlich Cif und einem Schleifvlies geht es am besten. Richtig weiß werden die Dinger aber nicht mehr, weil zu zerkrazt.

23.08.2015: Die frisch gewaschene Fenderfamilie sonnt sich über der Fenderboje der Mama Veta
Die frisch gewaschene Fenderfamilie sonnt sich über der Fenderboje der Mama Veta

Eigentlich wollten wir heute an Land spazieren. Aber der Wind ist fürs Paddeln an Land zu stark und fürs Motor anschnallen bin ich zu faul. Wir bleiben daher an Bord und beobachten diverse geschickt geglückte, missgeglückte und gerade noch geglückte an der Boje anlegen Manöver. Bei dem Wind gar nicht so einfach.


24.08.2015 Montag
09:45 Léros / O. Xirókampos Karte Abfahrt
12:30 Kálymnos / Póthia Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:45 Strecke: 17,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Wie vorhergesagt, ist der Wind stark. Wir segeln und motorsegeln mit ihm. Unterwegs lasse ich die Fender mit „Iosso Raft Spray“ ein. Macht die Oberfläche glatter und hoffentlich weniger anfällig für Schmutz.
In Pothia, Hauptstadt von Kalymnos, ist der Yachtkai voll. Ein schmächtiger Mann in Autofahrerwarnweste deutet uns, Richtung W zu fahren. Vor dem Hotel Olympic, weist er uns einen Platz zu. Der Lagoon 420 Katamaran „Danamic Duo“ (toller Name!) aus Melbourne wird unser Nachbar, wie schon zuvor in Xirokampos. Dem Warnwestenheini will ich fünf Euro für die Hilfe geben. Aber er will fünfzehn. Das sei die Anlegegebühr. Gut, den Zehner bekommt er noch, wenn er uns eine Quittung bringt. Bringt er. Abgestempelt mit Kalymna Yachting LTD fürs „Berthing“. Klingt irgendwie nach Privatinitiative in einem öffentlichen Hafen. Kein Problem – im Gegenteil begrüßenswert, solange der Preis im Rahmen bleibt.

24.08.2015: Liegeplatz in Kalymnos. Man beachte die frisch gewaschenen Fender.
Liegeplatz in Kalymnos. Man beachte die frisch gewaschenen Fender.

Wir machen uns auf die Wäschereisuche mit zwei großen Lidl-Tragtaschen und der großen Wäschetruhe auf der Klapprodel. 50m hinter dem Haupttaxistand mitten im Ort befindet sich der leicht zu übersehende Ort der Begierde, „Dry Cleaning Sydney“ Tel. 22430 28003. Bis morgen Abend sollen wir unsere Wäscheberge wieder sauber zurück bekommen.

Vom Hafen führt eine einzige schmale, von Geschäften umsäumte und sehr stark befahrene Einbahnstraße zum Taxistand = Zentrum hinauf. Fußgänger haben es nicht leicht und alles was rollt, muss die Fahrbahn benützen. Denn, wenn überhaupt vorhanden, sind die Gehsteige zwei- bis dreistöckig und vor jedem Haus anders ausgeführt und in einer anderen Höhe.

24.08.2015: Zweistöckiger Gehsteig
Zweistöckiger Gehsteig

Beate entdeckt in einer sehr schmalen Nebengasse zum Platz beim Hafen, sieht aus wie ein Durchgang zwischen zwei Kaffeehäusern, das schönste Geschäft für Schwämme. Der Eigentümer erzählt, das sei sein Lebenswerk. Früher tauchte er selbst nach Schwämmen, aber nicht mehr seit er das Geschäft mit seiner Frau betreibt. Er zeigt, wie er einen großen Schwamm mit einem langen Messer in kleinere Stücke zerschneidet, die er und sein Helfer dann mit einer Schere in Fasson bringen. Die Kunst sei, den großen Schwamm richtig zu schneiden, damit möglichst wenig Abfall entsteht.

24.08.2015: Schwammmodellieren
Schwammmodellieren
24.08.2015: im Schwammgeschäft
im Schwammgeschäft
24.08.2015: Sehr viele Schwämme
Sehr viele Schwämme
24.08.2015: Beate kauft zwei kleine, die mit 20 Euro auch schon genug kosten.
Beate kauft zwei kleine, die mit 20 Euro auch schon genug kosten.

Auf einem Plakat sehen wir, dass heute das Honigfestival statt finden wird. Das hatten wir doch schon in Limnos. Eine Bühne wird unweit des Bootes aufgebaut. Uns ahnt Schlimmes.

Um ca. 20:15h ist noch nichts los, als wir los ziehen, ein Esslokal zu suchen. In einer Nebengasse einer Nebengasse finden wir ein nettes und ganz ruhiges Lokal „13-23“ mit brauchbarem Essen. Danach ist allerdings das Honigfestivalgeschehen in vollem Gang. Eine 6-Mann-Band spielt, Volkstanzgruppen treten auf. Sehr viele Leute stehen darum herum. Die Leute auf den extra aufgestellten Plastikstühlen dahinter sehen von den Darbietungen nichts. An ein paar Tischen wird Honig verkauft und die obligaten Loukoumades werden frittiert. Beate kauft zwei kleine Honigdosen und dann bahnen wir uns den Weg zum Boot durch das dichte doppelreihige Mopedspalier.

Trotz des Lärmes kann Beate etwa ab Mitternacht schlafen. Ich versuche es gar nicht, sondern gehe zum Geschehen, setze mich auf eine Bank und beobachte: Der Publikumstanz hat schon längst begonnen. Die Band spielt mit Inbrunst und gar nicht schlecht. Zwei Mandolinen oder Lauten, eine Schlagzeugbatterie, eine große Trommel und der sitzende Sänger fidelt mit einem Bogen auf einer Minigeige, die er senkrecht vor sich auf dem Oberschenkel hält. Mehr als 4 unterschiedliche Töne kommen dabei nicht heraus. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es kommt auf den Rhythmus an, den die große Trommel diktiert. Aber auch dabei gibt es so gut wie keine Variationen. Man sieht aber, dass die jungen Musiker wirklich sehr gerne spielen so lange zur Musik getanzt wird, also bis ca. 3:20 Uhr. Und das ohne Pause! Zwischendurch flößt ihnen ein Kellner ein Getränk ein und es bleibt dann offenbar im Körper drinnen – über 6 Stunden lang! Beneidenswert.

Die Tänzerinnen (es tanzen nur ganz wenige Männer mit) sind durchwegs jung. Die jüngste, die bis zum Schluss mit macht, schätze ich auf unter zehn Jahren. Der Ringeltanz ist denkbar einfach: Nachbarin links und rechts an den Händen halten, rechter Fuß nach links vorne schwenken, linker Fuß nach rechts vorne schwenken, Wechselschritt nach rechts und wiederholen. Gelegentlich übt sich ein Besoffener in etwas mehr Akrobatik in der Mitte des Ringels, aber sonst sehe ich während meiner fast dreistündigen kulturanthropologischen Studie keinerlei Abwechslung.

24.08.2015: Das Honigfestival wird abgetanzt.
Das Honigfestival wird abgetanzt.

Also bei uns wäre es undenkbar, dass auf einem Volksfest sechs Stunden lang ohne Pause ausschließlich Polka und das mit ohrenbetäubender Lautstärke gespielt wird. Die Griechen sind eben anders.


25.08.2015 Dienstag
14:18 Kálymnos / Póthia Karte Abfahrt
15:13 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:55 Strecke: 3,2 Seemeilen Ø Fahrt: 3,5 Knoten


Ich schlafe lange und mache mich dann auf die Suche nach einer neuen schwimmenden Polypropylenleine fürs Schlauchboot. In keinem der vier Nauticgeschäften gibt es eine.
Beim Rathaus sehe ich einen Taxistandplatz der andren Art: Dreirädrige Mopeds mit einer Ladefläche warten auf Kundschaft. Da fällt es mir erst auf, dass in der ganzen Stadt kein LKW zu sehen ist. Und es wird klar warum: Die Gassen – auch die Hauptrouten – sind viel zu eng für ein LKW.

25.08.2015: Schöner Lastendreiradler
Schöner Lastendreiradler

Zu Mittag ruft die Wäscherei an. Wir können die Wäsche abholen. Das ist fein. Alles ist in Papierpaketen eingepackt. Dass es ganze fünf Maschinen á 10 Euro waren, glaube ich nicht so ganz, eher drei bis vier. Aber gut, vielleicht haben die als Putzerei keine große Waschmaschine.

Auf dem Rückweg sehen wir uns das „Neoklassiko“ Museum an. Der Nachfahre einer angesehenen kalymnischen Familie hat ein Privatmuseum im Erdgeschoß des Familienhauses eingerichtet. Der gute Mann freut sich über Besucher und macht eine Privatführung, wobei er fast alle Fotos und Gegenstände wortreich kommentiert.

25.08.2015: Privatmuseum mit freiem Eintritt, geöffnet 11 - 15 Uhr
Privatmuseum mit freiem Eintritt, geöffnet 11 – 15 Uhr

Dann noch schnell Wasser einkaufen, die Tanks auffüllen und den Staub vom Boot abspritzen bevor wir ablegen. Kurze Zeit später erreichen wir Vlychadia. Drei Boote ankern, aber die zwei Bojen von Paradisio sind frei. Es wird auch klar, warum sie frei sind. Sie sind nämlich unmöglich zu nehmen, insbesondere bei den heftigen Windböen: Ein absolut glatter Kugelfender verhindert effektiv, die darunter hängende Leine mit dem Bootshaken zu fassen. Nach drei Versuchen geben wir es auf und ankern direkt vor dem Paradisio-Badestrand.

Ich mache endlich Verwaltungstätigkeiten für die Firma, was bis zum Abend dauert. An Land vertreten wir uns die Beine und stellen fest, dass auch die zwei anderen Tavernas in der Bucht sich gemausert haben. Zumindest ist eine neu renoviert und sieht direkt einladend aus. Trotzdem gehen wir natürlich ins Paradisio. Es bestätigt sich wieder, dass dieses Lokal das mit Abstand beste aller uns bekannten Lokale in Griechenland ist.


26.08.2015 Mittwoch
12:12 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Abfahrt
15:37 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:25 Strecke: 21,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Ich rufe Vasilis an. Er ist gerade auf dem Weg zur Post, um das Schlauchboot abzuholen. Das ist fein. Dann wollen wir doch heute nach Kamari fahren. Er hat aber Dienst bis 20 Uhr, aber nachher werden wir uns sicher treffen.

Bevor wir abfahren, erweise ich dem Paradisio und allen Booten, die dessen Bojen verwenden wollen, einen großen Dienst. Ich schneide zwei ca. 3,5m lange Stücke vom dicken PP-Schwimmseil ab, das in 36 Metern Länge seit Ewigkeiten ungenützt im Boot herumkugelt. An beiden Enden mache ich einen Palstek, den ich mit Kabelbindern sichere. Das grauslich glatte Seil macht sonst jeden nicht belasteten Knoten selbsttätig auf. Dann schwimme ich mit diesen Stücken zu den Bojen und befestige ein Ende unten an dem nicht erreichbaren Auge, das andere schwimmt neben der Boje. So macht die sonst sehr stabile Boje – der Bojenstein ist riesig – einen Sinn.

26.08.2015: Paradisio-Boje mit neuem Seil
Paradisio-Boje mit neuem Seil

Nach angenehmer Überfahrt ankern wir wieder vor dem Restaurant Santa Barbara auf 1,8m Sandgrund und ich bin mit dem Nachschreiben des Blogbuches fertig.

Wir paddeln kurz vor acht zum Steg von Santa Barbara, gehen zum Geschäft „One Stop Shop“ (früher „Duty Paid Shop“) etwas weiter östlich. Die Chefin begrüßt uns wie alte Bekannte. Ich nehme es ihr sogar ab, dass sie uns wieder erkennt. Sie hat eine neue Brille mit rosa Bügeln. Die Tochter ist schon fast eine Frau und macht die Kassa. Das Geschäft ist gut sortiert wie immer, vielleicht noch besser.

Kaum in Santa Barbara Platz genommen kommt Vasilis schon daher. Natürlich hat er das neue Schlauchboot in seinem Auto. Nach einer angenehmen Plauderstunde muss ich es aber doch besichtigen. Ich schleppe den Karton die Stufen von der Straße zum Strand hinunter und packe es aus. Innerhalb weniger Minuten ist es aufgeblasen. Es ist wesentlich größer als das Schlauchi und hat rote Seiten- und einen weißen Bugschlauch, ist also rot-weiß-rot. Passt ja gut.
Mit Vasilis sitzen wir noch eine Weile zusammen bis er sich verabschiedet. Er hat morgen die Frühschicht in der Flughafenbetriebsleitung. Wir essen einen durchschnittlichen Mixed Grillteller bevor ich Beate im neuen Schlauchboot nach Hause rudern darf. Das geht bei der Schlauchbootgröße wirklich gut.


27.08.2015 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
Das neue Schlauchboot wird genau inspiziert und erhält eine Befestigungsöse am Heckspiegel, damit es auf der Plattform sicher aufbewahrt werden kann. Ich bin mit dem neuen Boot zufrieden, insbesondere mit dem größeren Innenraum wodurch man es recht vernünftig rudern kann. Einen aufblasbaren Kiel, wie auf der SVB-Homepage abgebildet, hat das Boot allerdings nicht. Trotzdem hält es die Spur wesentlich besser als das Schlauchi.

27.08.2015: Das neue Schlauchboot
Das neue Schlauchboot

Wir treffen Vasilis kurz nach 18h bei Santa Barbara und fahren mit ihm zu einem Platz oberhalb von Kamari, wo vor 3000 Jahren eine Siedlung oder eine Kultstätte war. Heute sieht man nicht viel davon. An einem erhabenen Platz, wo irgendwann vielleicht ein Tempel oder sonstiger Heiligtum stand, liegen um den Grundriss des Gebäudes paar dicke Säulenfragmente herum. Etwas unterhalb sind die Reste eines nicht besonders großen Amphitheaters. Interessanterweise gibt es kein Schild, das auf diese antike Stätte hinweisen würde, wie sonst überall üblich.
27.08.2015: Amphitheater
Amphitheater
27.08.2015: Aussicht vom Amphitheater
Aussicht vom Amphitheater
27.08.2015: Beate und Vasilis
Beate und Vasilis

Vasilis hat heute Nachtschicht am Flughafen und lässt uns beim Geschäft aussteigen. Bevor wir zur Blodughadda zurückfahren, muss ich das sagenhafte Angebot in der Memory-Bar ausnützen: Ein Krügerl um 1,50 Euro! Es werden zwei. Beate trinkt ein vergleichsweise sündteueres Achterl um 2 Euro.
27.08.2015: Wein um 2, Bier um 1,50 Euro
Wein um 2, Bier um 1,50 Euro


28.08.2015 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Wir bleiben auf dem Boot und gehen am Abend mit Vasilis in Santa Barbara essen. Der Chef Romos interessiert sich fürs Schlauchi und ladet uns als Dankeschön fürs Geschenk zum Essen ein. So muss ich mich nicht um die Entsorgung kümmern und seine Kinder haben ein nettes Spielzeug.


29.08.2015 Samstag
09:28 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
11:09 Gyali / Strand Karte Ankern
20:27 Nisyros / Páli Karte Abfahrt
22:49 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:03 Strecke: 18 Seemeilen Ø Fahrt: 4,4 Knoten


Mit Vasilis machen wir einen Tagesausflug. Zuerst nach Gyali, dann nach Pali. Ich will ihm die Sehenswürdigkeiten der Insel zeigen und miete ein Auto bei Manos K für den Nachmittag.

Fortsetzung folgt nach dem 22.9.2015…


30.08.2015 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari


31.08.2015 Montag
Kos / Kefalos, Kamari