Aktualisierung 14.09.2019 08:00:57 Anzahl Tage: 1
13.09.2019 Kos / Marina – Kos / Kefalos, Kamari
Crew:
Tötterström Tom
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 5:03 Strecke: 25,1 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten
13.09.2019 Freitag
10:15 Kos / Marina Karte
15:18 Kos / Kefalos, Kamari Karte
Zeit unterwegs: 05:03 Strecke: 25,1 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten
Als ich in der Marina Kos ablege stelle ich mich auf eine gemütliche Fahrt nach Kefalos ein. Es wird aber alles andere als gemütlich. Es wird ein Gewittersturm.
Zuerst fülle ich den Dieseltank an der Tankstelle auf. Dann rolle ich die Genua aus und motorsegle fein mit dem bb Motor. Der Wind bläst mit 17-18 Knoten. Als ich die SE Spitze von Kos umrunde, hat der Wind schon 10 kn mehr drauf. Ich muss die Genua zur Hälfte einrollen. Kurz nach Therma rolle ich sie ganz weg. Die Windböen kommen unberechenbar daher. Ich fahre nur ca. 150 m entfernt vom Südufer. Trotzdem kommen gelegentlich Spritzer von den zwar nicht hohen aber scharfen Wellen ins Cockpit. Die Sonne versteckt sich hinter Wolken und bald ist es komplett bewölkt.
In Höhe Palio Pyli kommt der Wind stetiger von schräg hinten aber dafür kräftiger. Ich rolle nur ein kleines Zipfel der Genua hinaus und schalte den Motor aus. Bei 30 bis 40 kn Wind komme ich gut mit 5 kn voran. Ginge zwar schneller mit mehr Segel, aber wer weiß, was noch kommt. Es kommt ein Gewitter. Blitz und Donner über Kos. Bei Kardámena überlege ich kurz, hineinzuschauen, ob ein Hafenplatz frei ist. Aber da ich mich bei dem Wind sowieso nicht trauen würde allein anzulegen, segle ich eigentlich ganz gemütlich knapp vorbei.
Ab dem Huk von Robinson Club könnte ich zwar direkt auf Kefalos zuhalten. Bei dem Wind bevorzuge ich aber doch, weiter knapp entlang der Küste zu fahren. Da brauche ich dann wieder den bb Motor. Blitze sind jetzt im Norden, Westen und Süden zu sehen, darunter richtige Prachtexemplare. Den Donner hört man selten, da der Wind ihn überbrüllt.
Ich ankere in der Kefalosbucht nicht an der üblichen Stelle, sondern ganz in Nord ca. 200 m unterhalb der ehemaligen Club Med Anlage auf 6 m Tiefe. Auch hier sind die Wellen bereits ziemlich mächtig. Gerade da fängt es zu regnen an. Mit Motoren überprüfen, ob der Anker hält erübrigt sich. Das macht eh der Wind. Glücklicherweise hält er, denn der Wind nimmt noch kräftig zu. Er bläst ständig mit über 30 kn, zeitweise über 40 mit Maximalwert 48,1 – das ist Windstärke 10. Die Solarpanele auf dem Biminidach flattern ganz fürchterlich und ich drücke sie nieder, weil ich fürchte, dass sie kaputt gehen könnten. Und mit 20°C ist es auch nicht wirklich warm.
Meine Vermutung, dass es hier besser zu ankern ist als am üblichen Platz, dürfte richtig sein, weil zwei dort ankernde Boote sich hierher verlegen.
Um 17:05 hat es bereits etwas aufgeklart und es ist plötzlich ganz still. Der Wind ist weg! In Süd sieht man wieder blauen Himmel und die Wolkendecke über Kefalos Ort wird schon von hinten von der Sonne beschienen.
17:10: Es ist verrückt: Statt des noch vor wenigen Minuten ärgsten Nordwinds bläst es jetzt mit 10 kn aus Süd, möge das Gewitter vorbei sein! Sowas habe ich in Griechenland noch nicht erlebt.
Und eine neue Erkenntnis: Die Küchenabwasch kann pfeifen! Es muss nur genügend starker Wind unten am Abflussloch vorbei streichen.
18:55h verlege ich das Boot zum üblichen Ankerplatz, damit ich den Matthias mit dem Schlauchboot abholen kann. Der Wind ist wieder normal NW mit 12 kn aber es kommt eine ordentliche Dünung herein. Der Sturm hat an den Stegen von Santa Barbara und Sydney Spuren hinterlassen: Der von Santa Barbara hat keine Bretter mehr und der von Sydney ist zweigeteilt, der äußere Schwimmsteg hat sich vom Festteil abgerissen und „ankert“ davor. Daran hängt ein Schlauchboot von einem der hier ankernden Segelboote. Ei ei ei, wie werden die zurück zum Boot kommen?
Und ei ei ei, wie werde ich bei der Dünung mit dem Schlauchboot anlanden können? Derzeit (20h) praktisch unmöglich. Da war es am vorigen Ankerplatz besser (war es das wirklich?). Soll ich in der Finsternis wieder dorthin zurück oder wird sich die Dünung beruhigen bis Matthias um ca. 22h mit dem Bus ankommt? Fragen über Fragen.
21:03 h scheint mir die Dünung etwas weniger geworden zu sein. Zumindest ist das Brandungsgeräusch leiser. Ich glaube, dass es möglich sein wird, am Festteil vom Sydney Steg anzulanden. Ich werde es versuchen.
Das war doch zu optimistisch gedacht. Die Dünung ist zu hoch für einen sicheren Aus- und Einstieg. Ich fahre dem Ufer entlang zu einer Stelle, wo es einen schönen Sandstrand gibt. Das Anlanden funktioniert gut, wenn man schnell hinfährt, sofort heraus hupft und das Boot herauf zieht.
Ich setze mich ins Captain John, die Taverna gleich daneben, und warte auf Matthias. Mit dem Bus um 21:35 vom Flughafen kommt er ca. eine halbe Stunde später an. Wir essen überraschend gut und günstig bevor wir zur Blodughadda zurück fahren.






5 Kommentare Empfänger "2019-09-13 Gewittertag"
#1 Kommentar Von Martin am 2019-09-13 um 19:10 Uhr
Puh! Sind ja heftige Sachen, die Du gerade erlebst! Ich wünsch‘ Dir „gute Besserung“ und dass alles klappt!
Das Rätsel von letzter Woche hat Spaß gemacht – konnte ich übrigens soeben fertigstellen. :)
#2 Kommentar Von Tom am 2019-09-13 um 19:51 Uhr
Ja ich könnte mir schon was schöneres vorstellen. Sitze jetzt da, lasse mich schaukeln und warte. Vielleicht beruhigt sich die Dünung doch in der nächsten Stunde.
Zum Rätsellösen bin ich nicht gekommen.
LG Tom
#3 Kommentar Von Heinrich am 2019-09-14 um 8:19 Uhr
Na servas ! Die letzten Tage waren ja recht spannend: Motor kaputt, Unwetter…..
Halte dir die Daumen, dass des besser wird.
Liebe Grüße
Heinrich
#4 Kommentar Von Herbert am 2019-09-14 um 15:48 Uhr
Was hätten wir uns gefürchtet. Sind in der Zwischenzeit gut in Paleochora angekommen. Wind lt. Vorhersage. Am Montag soll es besser werden. Trotz den geschilderten Problemen war es wieder nett, mit Dir Zeit zu verbringen. Herzliche Grüsse Herbert & Silvi
#5 Kommentar Von Tom am 2019-09-15 um 15:30 Uhr
An Spannung hat es wirklich nicht gefehlt. Zum Fürchten war es nicht weit mit all den Blitzen rundherum. Die Chefin vom Kefalos Market hat mir noch erzählt, dass das Schleppboot für die Wasserbelustigungsutensilien (Banana, Matratze, etc.) gesunken ist, weil es mit dem Heck zu den Wellen vertäut war. Ich sagte, dass ich so ein Wetter in Griechenland noch nie erlebt habe. Sie: „ich auch nicht“.