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2019-09-28 Tom Abschluss

Aktualisierung 11.10.2019 01:19:33 Anzahl Tage: 11
28.09.2019 Kos / Kefalos, Kamari
29.09.2019 Kos / Kefalos, Kamari
30.09.2019 Kos / Kefalos, Kamari
01.10.2019 Kos / Kefalos, Kamari
02.10.2019 Kos / Kefalos, Kamari – Léros / Kuluki
03.10.2019 Léros / Kuluki – Léros / O. Plakouti (Blefuti)
04.10.2019 Léros / O. Plakouti (Blefuti)
05.10.2019 Léros / O. Plakouti (Blefuti) – Léros / O. Parthéni Agmar Marine
06.10.2019 Léros / O. Parthéni Agmar Marine
07.10.2019 Léros / O. Parthéni Agmar Marine
08.10.2019 Léros / O. Parthéni Agmar Marine

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 10:05 Strecke: 48,3 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten

28.09.2019 Samstag
Kos / Kefalos, Kamari
Vor Sonnenaufgang stehe ich auf. Bin schon so gespannt, wie sich dieser Tag entwickeln wird. Mit Dimitris ist vereinbart, dass er mich so ca. um 10 h anrufen wird, um mitzuteilen, dass er von Kos Stadt los fährt, um in Kefalos den stbd Motor auszubauen. Tut er auch und kündigt sein Kommen um ca. 11h an. Ich verlege das Boot zum gewohnten Platz längsseits am Kopf der Pier und warte. Ich denke mir, dass er wahrscheinlich mit einem tollen Pickup mit Kran ankommen wird, damit der Motor heraus gehievt werden kann. Aber nichts dergleichen. Ein uralter Toyota Corolla fährt vor und Dimitris samt Sohn steigen aus, nehmen eine kleine Werkzeugkiste mit und kommen an Bord. Was, sonst nichts? Es ist mir unvorstellbar, wie der Motor jemals ohne Kran aus dem Boot befördert werden könnte.
Die beiden wissen es aber. Mit unglaublicher Effizienz und Geschicklichkeit legen sie los. Dimitris klettert wie ein Akrobat in den Motorraum und sitzt dann gemütlich auf dem Schalldämpfer und schraubt. Er zögert keine Sekunde, was zu tun wäre und sein Sohn reicht ihm die Werkzeuge wie ein Zahnarztassistent.
Dann ist der Motor von allen Befestigungen, Schläuchen und Kabeln befreit und das 125 kg Trum muss jetzt raus. Das geht mit Muskelkraft! Die beiden schmächtigen Männer stemmen den Motor zwar nicht wie nix aber doch auf die 70 cm hohe Schott (siehe Bild) und bringen ihn aus der Achterkabine heraus, wofür die Tür abgeschraubt werden muss. Von da geht es weiter mit einem Seil am Motor befestigt und durch dieses ein robustes Aluminiumrohr. Wie eine Wildbeute wird der Motor behutsam über die Treppen, quer durch den Cockpit, über die Bank und Rückenlehne und über die Passarella Stück für Stück an Land getragen. Ich helfe auch ein bisschen mit, aber eher proforma.
Dann hieven die beiden den Motor in den Kofferraum und brausen ab. Die ganze Aktion hat nicht einmal eine Stunde gedauert.

Dimitris wird den Motor in seiner Werkstatt öffnen und nachsehen, was eigentlich los ist, ob er das reparieren kann, ob eine Zylinderschleiferei in Athen benötigt wird oder ob ein neuer Motor angeschafft werden muss. Dafür hat er nun reichlich Zeit, denn ich werde sobald es der Wind zulässt mit dem Restmotor nach Leros fahren und das Boot dort für den Winter auf Land stellen. Im Mai oder Juni nächstes Jahr wiederkommen, nach Kos fahren, damit Dimitris den entweder reparierten oder neuen Motor wieder einbauen kann.

Nach Wasser tanken und einem kleinen Einkauf fahre ich ab und ankere diesmal nicht am gewohnten Platz sondern etwas weiter nördlich vor dem Kefalos Market. Die Stege von Sydney und Santa Barbara sind schon weg geräumt und der Strand dort ist steinig und nicht so gut zum Anlanden mit dem Schlauchboot.

Am Abend esse ich in Captain John ein wirklich gutes Chicken Souvlaki.

Dimitris schraubt
Dimitris schraubt
Dimitris & Sohn sind starke Männer
Dimitris & Sohn sind starke Männer
So geht das!
So geht das!
Verladen
Verladen
der verwaiste Motorraum
der verwaiste Motorraum
Unglaublich: Der kleine eiserne Japaner wiegt wohl ungefähr gleich viel wie der fesche neugierige Engländer
Unglaublich: Der kleine eiserne Japaner wiegt wohl ungefähr gleich viel wie der fesche neugierige Engländer

29.09.2019 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari

Alle 3 Solarmodule bei der Arbeit
Alle 3 Solarmodule bei der Arbeit

30.09.2019 Montag
Kos / Kefalos, Kamari

Kurz vor Sonnenaufgang um 6:48h in Kefalos
Kurz vor Sonnenaufgang um 6:48h in Kefalos

Kefalos im Morgenlicht
Kefalos im Morgenlicht

01.10.2019 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Die Tage vergehen am guten Ankerplatz mit viel Computerarbeit und ein wenig schwimmen und essen. Das neue Solarmodul habe ich installiert und die zwei bestehenden mit dem neuen Solarregler für die Bb Batterien verkabelt. Alles funktioniert sehr gut. Trotz viel Stromverbrauchs mit dem MacBook und 27″ Bildschirm habe ich den Motor nicht anwerfen müssen.
Morgen soll der Wind ideal sein, um mit einem Motor die 35 sm nach Leros/Lakki fahren zu können, hoffentlich stimmts.

02.10.2019 Mittwoch
07:10 Kos / Kefalos, Kamari Karte
14:02 Léros / Kuluki Karte
Zeit unterwegs: 06:52 Strecke: 33,8 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten

Die Sonne geht gerade hinter den türkischen Bergen auf als ich losfahre. Die Windprognose stimmt genau. Es ist kaum Wind und westlich von Kos ist überhaupt Flaute oder er weht ganz schwach aus SW. Bei ganz sanfter Dünung kann ich gut auch am großen Bildschirm arbeiten während der Autopilot gemäß GPS-Kurs steuert. So um die 5 Knoten Fahrt ist möglich, oft auch etwas mehr. Bei Gegenwind wäre das schon eine zaache Partie. Es dauert auch so fast 7 Stunden bis zum Ankerplatz.

In Kuluki ankert kein Boot. Gut so, da kann ich mir den Platz aussuchen. Nachdem es nicht möglich ist, mit nur einem Motor einigermaßen gerade rückwärts zu fahren, setze ich den Anker in langsamer Vorwärtsfahrt. Geht eh gut. Nur überprüfen, ob er gut hält, geht nicht. Es soll aber eh kein starker Wind kommen.

Bevor ich an Land gehe, sehe ich mir nochmals die AegeanAir Website an. Immer noch ist es so, dass in nächster Zeit nur an diesem Samstag ein Flug von Leros nach Athen geht, was bei mir aber nicht geht, weil da das Boot erst aufs Land kommt. Schwer vorstellbar, dass sie den Linienbetrieb danach komplett einstellen. Und dann sehe ich, dass beim Flug von Athen nach Wien am Mittwoch 9.10. 14:40-16:00h nur mehr ein Platz frei ist. Den schnappe ich mir sogleich. Denn sollte es tatsächlich keinen Flug nach Athen geben, kann ich am Dienstag Abend die Blue Star Fähre nach Piräus nehmen. Die geht ja auch nur 3 x die Woche.

Im Reisebüro erfahre ich, dass es sehr wohl Flüge von Leros nach Athen gibt. Die sind aber in nächster Zeit ausgebucht und daher scheinen sie als gar nicht vorhanden auf – ziemlich dämlich! Ich kaufe daher ein Ticket mit der Blue Star und bekomme 20% Rabatt, weil ich eine Sea Smiles Kundenkarte habe. Die Fahrt in der 2-Innenkabine kostet daher 62 Euro. Kauft man das Ticket online, bekommt man den Rabatt nicht – auch dämlich.

Beim Segel- und Persenningmacher neben dem Hotel Artemis erkundige ich mich, ob er eine Idee hätte, wie man die Solarmodule auf dem Biminidach besser befestigen könnte. Nämlich so, dass sie bei Starkwind nicht zu hupfen anfangen. Hat er: Klettbänder und in den 6 Ösen Schnappverschlüsse. Klingt gut, jedenfalls besser als die jetzige Verschürung, die zwar die Module am Platz halten aber nicht verhindern, dass sich ein Luftpolster zwischen Modul und Stoff entstehen kann. Am Montag Vormittag werde ich ihm das Bimini bringen. Vielleicht schafft er die Arbeit bis Dienstag. Viel ist es ja nicht.

In der nicht wirklich eleganten (aber mit schönen Toiletten) Imbissbude Fraka an der Ecke beim Kreisverkehr-Monumentan auf Uferstraße esse ich einen hervorragenden Spieß mit Hühnerfleisch in Speckmantel (Kotobeikon auf Griechisch). Am Abend gibt es Kreuzwortlösen per Internet mit Martin.

Kos Südspitze mit Loch
Kos Südspitze mit Loch
Durch die Flaute
Durch die Flaute
Telendos im Dunst
Telendos im Dunst
Einfahrt Lakki-Bucht erreicht
Einfahrt Lakki-Bucht erreicht

03.10.2019 Donnerstag
11:05 Léros / Kuluki Karte
13:08 Léros / O. Plakouti (Blefuti) Karte
Zeit unterwegs: 02:03 Strecke: 10,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten

Nach Arbeit für die Kunden fahre ich ab Richtung Nord. Mit 10 kn Wind aus SSE geht es noch besser als gestern. Der Südwind soll noch stärker werden und da ist Blefuti ein guter Ankerplatz mit gutem Sandgrund. Wolken kündigen bereits die angesagte Wetterlage an: Südwind, Regen und Gewitter in der Nacht auf Samstag.

In Blefuti stelle ich fest, dass ich nicht der einzige bin, der die Wettervorhersage anschaue. 12 Boote ankern hier bereits! Könnte einen Rekord ergeben.
Schnorchelergebnis: Anker liegt bestens im Sand auf 6m Tiefe. Das Meerwasser hat immer noch 26°C.

Abendessen in Artemis, weil morgen evtl. nicht mehr so gemütlich.

04.10.2019 Freitag
Léros / O. Plakouti (Blefuti)
Die Prognosen stimmen. Der Wind kommt aus SE mit bis zu 30 Knoten. Gut zu wissen, dass der Anker gut im Sand liegt und dass er in Kefalos bei bis zu 48 kn Wind gehalten hat. Was stört ist der blede Franzos, der so geankert hat, dass sein Boot 20 m genau vor der Blodughadda hin und her schwojt. Ohne Entfernungsmesser sieht das viel näher aus. Trotzdem, hoffentlich hält auch sein Anker. Gestern habe ich ihm schon gesagt, dass er morgen um 7 Uhr für mich Platz machen muss, weil sein Boot genau über meinem Anker liegt, wenn der Wind so bleibt. Er soll aber auf West drehen.

Es wird immer bewölkter und um 18:08 h fängt der Regen an. Hab eh schon alles eingeräumt, was nass werden könnte.

Also an Land zum Essen fahren ist heute wirklich nicht angebracht. Daher gibt es Penne mit Broccolisauce aus dem Packerl und arbeite bis spät in die Nacht und schaue immer wieder draußen nach ob alles in Ordnung ist. Schlafen könnte ich sowieso nicht.

Rgenwolken kommen näher
Rgenwolken kommen näher

05.10.2019 Samstag
07:04 Léros / O. Plakouti (Blefuti) Karte
08:14 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte An Boje
Zeit unterwegs: 01:10 Strecke: 3,7 Seemeilen Ø Fahrt: 3,2 Knoten

Viel Regen gab es doch nicht, aber dafür Wind, bis zu 41,7 kn. Anker hat gehalten und der vom Franzosen auch. Etwas mulmig war mir schon, weil ich andernfalls mit einem Motor größte Schwierigkeiten gehabt hätte gegen den Wind anzufahren.

Der Franzos ist doch nicht blöd. Er fährt auch ab und lichtet den Anker vor mir. Daher genug Platz für mich. Der Wind hat jetzt auf SW gedreht und kommt N von Leros mit ca 15 kn entgegen. Bei der Boje vor dem Travelliftbecken in Böen. Ich habe größte Mühe, das Seil durch den Bojenring zu fädeln, weil die Bö immer dann kommt, wenn das Boot knapp davor steht und ich nach vorne rase. Die finnische Bojenstange funktioniert auch nicht, weil der Bojenring zu dick ist. Ich brauche vier Anläufe bis es klappt. Geht nicht ohne Schlapfenverlust. Egal, war eh schon grindig. Ich schmeiße den zweiten auch ins Wasser. Vielleicht findet sie ein Flüchtling.

Bei den Bojenmanövern lerne ich, wie man mit nur dem bb Motor doch ziemlich exakt fahren kann. Nämlich mit viel Gas und vollem Ruderwinkel. Aus dem Stand will das Boot natürlich nach stb fahren und erst ab einer gewissen Geschwindigkeit, wenn die Ruder umströmt werden, dreht sich dann der Bug nach bb. Mit einem kurzen Vollgasschub rückwärts lässt sich die Drehung beschleunigen. Kurven nach stb gehen natürlich super.

Um 8:44 h ist der Kran bereit und mir wird gewunken. Mit etwas Herzklopfen steuere ich auf das schmale Becken zu, wohl wissend, dass es keinen zweiten Versuch geben kann. Der Wind ist aber gnädig und kommt nur mit 10 kn von der stb Seite. Es geht bestens ohne seitliche Berührung ins Becken hinein. Die Kranmänner wissen, dass ich nur einen Motor habe und deswegen soll auch ein Mechaniker kommen bevor das Boot hoch gehoben wird. Als er auf dem Moped daher kommt, sage ich, dass ich gar keinen stb Motor habe. Das will er sich selbst ansehen. Wahrscheinlich glaubt er mir nicht oder er hat noch nie einen leeren Motorraum gesehen.

Nach einer Stunde steht die Blodughadda gut aufgebockt am besten Platz überhaupt direkt neben dem Einfahrtstor. Das ist der einzige Stellplatz mit Betonboden. Da kann man also mit Wasser pritscheln so viel man will ohne Gatsch zu erzeugen. Das mache ich auch sogleich. Ich bürste den Bewuchs am Unterwasser weg, den die Burschen vor einer Woche noch übrig gelassen haben. Seltsamerweise finden sich auch jede Menge kleine Seepocken und weiße harte Krausfäden auf dem Antifouling. Das war bisher noch nie der Fall. Mit einer selbst gebastelten Plastikspachtel geht alles aber locker weg.

Dann habe ich eine Idee, wie man den Außenborder mit Frischwasser spülen könnte: Unterteil in eine wassergefüllte Pütz stecken, diesen mit dem Schlauch voll halten und starten. Funktioniert prima. Und weil es so gut funktioniert habe ich auch eine ähnliche Idee für den Dieselmotor, nämlich statt Pütz die Wäschetonne nehmen und Saildrive hineinstecken. Passt haargenau und funktioniert genau so gut. Dass ich nicht früher auf diese einfachste aller Motorspüllösungen draufgekommen bin!

Dann kommt die schmutzige Arbeit. Mit Hilfe des Wolfcraft Impellervorsatzes für den Akkuschrauber gelingt es mir relativ einfach, das Wasser-Ölgemisch in der stb Bilge fast vollständig abzusaugen. Zuerst wollte ich es in eine leere Wasserflasche hineinpumpen, aber dazu hätte ich drei Hände gebraucht. In einen rechteckigen Schmutzkübel, den man auf den Boden stellen kann, gehts auch mit zwei. Dann ergänze ich die Pumpenschläuche um einen dünnen, den man durch das Ölmessstabloch stecken kann, um das Motoröl im bb Motor abzusaugen. Das geht zunächst sehr zäh. Aber ich kann ja den Motor laufen lassen, um das Öl aufzuwärmen! Jawoll, es klappt dann, wenn auch nicht schnell und in einer unmöglich anstrengenden Körperposition. Natürlich patze ich mit dem schwarzen Dreck und darf nachher mit White Spirit aufwischen. Ich weiß ja, warum ich den Ölwechsel immer von den Mechanikern habe machen lassen. Aber diese hier lasse ich nicht mehr an einen Motor. Urfreundlich sind sie zu mir und ich lasse sie nicht merken, dass ich sie für komplett unbrauchbar halte. Der Explosions-Yannis zeigt mir seine brandgeschädigte Haut an der rechten Hand. Sieht schlimm aus.

Mit dem voriges Jahr angeschafften Werkzeug für Ölfilterdrehen geht es sehr gut, den Filter herauszubekommen obwohl er schon sehr fest zugedreht war. Weil ich keinen Ersatz habe und ihn am Montag besorgen muss, höre ich für heute auf und gehe mich duschen und dann in die Flughafentaverna essen.

Der Außenborder pinkelt mit Süßwasser
Der Außenborder pinkelt mit Süßwasser
Der Diesel auch
Der Diesel auch
Krausfäden um den Loggengeber
Krausfäden um den Loggengeber
Der neue Stellplatz beim Einfahrtstor
Der neue Stellplatz beim Einfahrtstor
ist betoniert
ist betoniert

06.10.2019 Sonntag
Léros / O. Parthéni Agmar Marine
Ich komme auf immer bessere Ideen, wie man was machen kann. Die Seile wasche ich im Schlauchboot mit „Denk Mit“ Handwaschmittel aus der Tube, spüle sie zwei Mal und hänge sie optimal zum Trocknen auf dem Gitterzaun auf. Das Schlauchboot wird mit dem neuen Schlauchbootwaschmittel pipifein sauber und ebenso die Fender – naja die alten werden nicht wirklich weiß. Und für den Außenborder finde ich den optimalen Platz für den Winter: Auf dem Schott im stb Motorraum.

Der Platz direkt neben dem Einfahrtstor ist eigentlich auch ideal für Diebe, denke ich mir. Andererseits leuchtet dort die ganze nacht ein starker Scheinwerfer so dass ein Einbruchsdieb wohl eher ein weniger gut beleuchtetes Boot aussuchen wird. Und tagsüber wird das Boot von allen beobachtet, die ein- und ausfahren. Nicht dass es jemals ein Problem hinsichtlich Diebstahl in Griechenland gegeben hätte. Aber man weiß ja nie.

Seile trocknen
Seile trocknen
Fender Wäscherei
Fender Wäscherei
Außenborderwinterplatz
Außenborderwinterplatz
Stellplatz in Nachtbeleuchtung
Stellplatz in Nachtbeleuchtung

07.10.2019 Montag
Léros / O. Parthéni Agmar Marine
Am Vormittag bringe ich die Wäsche in die Wäscherei und das Bimini samt den Solarpanelen zum Segelmacher. Er wird Ösen im Stoff zum anbinden und zusätzlich Klettverschlüsse machen.

Am Abend treffe ich mich mit dem Schweden Krister Andersson, der in Alinda eine Jahreswohnung mietet. Wir essen als einzige Gäste in Hotel Alinda, das den vorletzten Tag in der Saison geöffnet hat. Er erzählt, dass er und seine Frau Anita, die erst am 20. Oktober nach Leros kommen wird, in Linköping in Schweden ihr Eigenheim verkauft haben und in eine kleinere Mietwohnung übersiedelt sind. Jetzt brauchen sie nur die Tür zuzusperren, wenn sie wieder für mehrere Monate nach Leros kommen. Auch in Leros müssen sie übersiedeln, weil die Wohnung künftig als Ferienappartement vermietet werden wird. Aber sie haben schon in Panteli Ersatz gefunden, eine etwas größere Wohnung im ersten Stock eines Zweifamilienhauses mit großer Terrasse und Aussicht über die Bucht. Am 1. November werden sie dorthin ziehen.

Krister versteht viel von Motoren und schnallt sofort, was mit dem stb Motor los war. Wenn nämlich die Kolbenringe nicht mehr richtig dicht sind, wandert der beim Diesel sehr hohe Druck oberhalb des Kolbens nach unten in das Kurbelgehäuse. Warum die Ringe undicht geworden sind, muss herausgefunden werden. Unter Umständen könnte sogar die Reparatur der Einspritzpumpe die Ursache sein. Wenn sie nämlich nicht richtig eingestellt oder eingebaut wurde. Das wäre wirklich die Höhe!

08.10.2019 Dienstag
Léros / O. Parthéni Agmar Marine
Letzter Tag in Leros. Es ist bewölkt und ein paar Regentropfen fallen. Eigentlich angenehm. Am Abend hole ich die Wäsche ab und kaufe eine Tube Silikonpaste mit der ich die Lukengummidichtungen einschmiere, damit sie über den Winter dicht bleiben und sich nicht am Rahmen verkleben.
Es bleibt auch noch Zeit für ein Abendessen in Pyrofani in Panteli und eine Dusche bevor ich zur Fähre fahren muss. Kurz nach 22 h komme ich beim Hafen an, wo mich Herr und Frau Giannakos schon erwarten, um den Leihwagen entgegen zu nehmen. Die Abfahrtszeit ist mit 22:25 h angegeben und ich stelle mich auf eine längere Wartezeit ein. Aber gerade als ich in Marinetraffic.com nachsehen will, wo sich denn die Blue Star 2 befindet, schwenkt sie schon zum Anlegen an.
Mit vielleicht hundert anderen Passagieren gehe ich an Bord, deponiere den Koffer in der Gepäckaufbewahrung am Autodeck, bekomme Kabine 8412, wo sich bereits ein junger smarthphonesüchtiger Bursche befindet. Dann gehe ich zum Achterdeck um die Abfahrt zu beobachten. Dort bleibe ich bis ich ca. eine Stunde später auch die Ankunft auf Patmos beobachten kann. Wie genau dieses riesige Schiff manövrieren kann und wie schnell es fährt – 26 Knoten mit Navionics am iPad kontrolliert – ist schon faszinierend.
Auch erwähnenswert: Jede Menge junge arabisch sprechende Männer (die alle rauchen und auf ihre Smartphones glotzen) fahren mit. Übersiedelung von Flüchtlingen von den Inseln aufs Festland?

Ich schlafe sehr gut bis 7 h, dusche mich und gehe auf ein Morgenkaffee aufs Achterdeck. Der Morgengrauen ist auch von so einem großen Boot aus gesehen wunderbar. Viel Zeit bleibt aber nicht, weil wir schon 20 Minuten vor der geplanten Zeit um 8:05 h in Piräus anlegen. Massenhaft Leute wollen den kostenlosen Shuttlebus für die vielleicht 2 km lange Strecke vom Ankunftsgate E1 zum E4 nehmen, wo sich die öffentlichen Busverbindungen befinden. Ich warte bei einem Kiosk bei einem Kaffe bis sich die Menschenmenge verflüchtigt hat. Zeit bis zum Abflug um 14:40 h habe ich ja genug.
Beim Gate E4 angekommen suche ich ein Lokal, wo ich in Ruhe arbeiten könnte bis ich zum Flughafen fahren muss. Das gelingt aber nicht. Die Cafés sind miniklein und der Verkehrslärm fürchterlich. Ich entdecke aber den sehenswerten Fleisch- und Fischmarkt von Piräus. Da sind zunächst vielleicht 10 Standln, die nur Fleisch verkaufen und dann mindestens so viele, die Fisch und Meeresfrüchte verkaufen. Alles schön präsentiert und lauthals angepriesen.

Bei einem Minikiosk am KARAISKAKI SQUARE kaufe ich die Fahrkarte um 6 Euro für den Flughafenbus X96. Er kommt auch bald und nicht so bald, nämlich fast 90 Minuten später bin ich am Flughafen. Auch hier kaufe ich einen Nescafé und stelle fest, dass man, wie an jedem Flughafen, zuerst ausgeraubt (3,10 statt vorher 1,50) und dann wie ein Dieb perlustriert (beim Securitycheck) wird. Kofferabgabe und Flug sind aber ok obwohl auch kein Vergnügen.

Damit ist ein langer Griechenlandaufenthalt zu Ende. Sehr schön war es trotz der Motorprobleme. Im Mai oder Juni nächstes Jahr folgt die Fortsetzung.

Fleisch- und Fischmarkt in Piräus
Fleisch- und Fischmarkt in Piräus