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2021-09-14 Arbeitsherbst

Aktualisierung 27.10.2021 11:25:50 Anzahl Tage: 41
14.09.2021 Kos / Kefalos, Kamari – Léros / Lakkí Kuluki
15.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
16.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
17.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
18.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
19.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
20.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki – Léros / Lakkí Marina
21.09.2021 Léros / Lakkí Marina
22.09.2021 Léros / Lakkí Marina – Léros / Lakkí Kuluki
23.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
24.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
25.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki
26.09.2021 Léros / Lakkí Kuluki – Astypálea / O. Livadia
27.09.2021 Astypálea / O. Livadia
28.09.2021 Astypálea / O. Livadia – Astypálea / O. Maltezana
29.09.2021 Astypálea / O. Maltezana
30.09.2021 Astypálea / O. Maltezana
01.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
02.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
03.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
04.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
05.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
06.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
07.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
08.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
09.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
10.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
11.10.2021 Astypálea / O. Maltezana
12.10.2021 Astypálea / O. Maltezana – Nisyros / Páli
13.10.2021 Nisyros / Páli
14.10.2021 Nisyros / Páli
15.10.2021 Nisyros / Páli
16.10.2021 Nisyros / Páli
17.10.2021 Nisyros / Páli – Gyali / Strand
18.10.2021 Gyali / Strand – Kos / Kefalos, Kamari
19.10.2021 Kos / Kefalos, Kamari
20.10.2021 Kos / Kefalos, Kamari
21.10.2021 Kos / Kefalos, Kamari
22.10.2021 Kos / Kefalos, Kamari
23.10.2021 Kos / Kefalos, Kamari
24.10.2021 Kos / Kefalos, Kamari

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 24:20 Strecke: 140,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten

14.09.2021 Dienstag
07:40 Kos / Kefalos, Kamari Karte
13:05 Léros / Lakkí Kuluki Karte
Zeit unterwegs: 05:25 Strecke: 35,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten

Ohne besondere Vorkommnisse erreiche ich Kuluki. Die Cara Mia ist noch da aber nicht mehr mit Landleine. Ich kann also den perfekten Landleinenpoller nehmen. Kaum habe ich festgemacht kommen die Müllers schon daher. Wir plaudern ein wenig zwischen „Tür und Angel“ also zwischen Boot und Beiboot der Müllers. Kurz danach fahren sie ab. Ihre Heimreise nach Wien beginnt übermorgen.
Ich stelle den großen Bildschirm auf und kann gut arbeiten.

2021-09-14 Kos Kefalos Sonnenaufgang
Kos Kefalos Sonnenaufgang
2021-09-14 Kos Kefalos Südspitze bei Flaute
Kos Kefalos Südspitze bei Flaute
2021-09-14 Leros Lakki mit Landleine in Kuluki
Leros Lakki mit Landleine in Kuluki
2021-09-14 Leros Lakki mit Landleine in Kuluki
Leros Lakki mit Landleine in Kuluki

15.09.2021 Mittwoch
Léros / Lakkí Kuluki
Um 13h mache ich mich auf den Weg zum Segelmacher. Er soll den Landleinensack reparieren, das Plastik der „Windschutzscheibe“ erneuern und eine neue Tasche für das Fernglas machen. Für die habe ich eine Zeichnung gemacht aber weil der gut Englisch sprechende Sohn nicht da ist, soll ich am Abend nochmals vorbei kommen.
Dann miete ich ein Moped beim Giannakos Nachbarn neben der Wäscherei. Ich glaube, der ist der Bruder vom Auto-Giannakos. Das heiße Eisen kostet zehn Euro per Tag, ab 6 Tagen nur acht. Also miete ich es für 6 Tage.
Damit fahre ich zur Werft, um die mittlerweile angekommenen Pakete abzuholen. Auch der neue Benzintankdeckel für den Außenborder ist da.
Das Moped ist wirklich ein heißes Eisen – geht 70 km/h bergauf wie nix. Das Paket von SVB habe ich zwischen den Füßen und die zwei neuen zusammenklappbaren „Skandika“ Sessel von Amazon mit den Tragtaschenschlaufen an den Schultern hängen.

Zurück auf dem Boot muss ich natürlich alles auspacken und den Sessel probieren: Super! Die Rückenlehne ist hoch genug, um den Kopf anlehnen zu können. Also auch ideal um darin ein Nickerchen machen zu können.
Im Packerl von SVB: 40 m 10 mm Ø Seil Liros Hercules für das neue Großfall und Travellerleine. Und die neue Frischwasserpumpe Marco UP2/E samt Filter. Na da habe ich was zum Basteln.

Als ich am Abend zum Segelmacher fahre, sehe ich, dass die Belle amie im Stadthafen angelegt hat. Nach dem klärenden Gespräch mit dem Segelmachersohn wegen der Tasche besuche ich Riitta und Sakari auf ihrem Boot. Seit wir in Ikaria gemeinsam zum Abendessen waren, haben sie Ikaria Marina, Patmos und Arki besucht. Die Ikaria Marina war voll und die Boote in Päckchen gelegen!
Mit Bootsnachbarn aus der Schweiz und Österreich haben sie ein gemeinsames Abendessen in Petrino vereinbart. Ich schwindle mich als neunte Person dazu. Bei mehr als 6 Leuten entstehen immer Gesprächsgruppen. In dem Fall eine Deutsch und eine Finnisch sprechende. Mit der deutschen habe ich kaum was geredet.

2021-09-15 Sessel Skandika
Sessel Skandika

16.09.2021 Donnerstag
Léros / Lakkí Kuluki
Nach der Vormittagsarbeitssitzung passt es gut, dass Riitta und Sakari mich um 14h zum Kaffee eingeladen haben. Vorher besorge ich noch einen Schlauch für die neue Pumpe und einige Köstlichkeiten von der Konditorei. Wir plaudern ein paar Stunden und ich kann mir ihre Sunbeam 44 ansehen. Dabei erzählen sie, dass sie nie Wasserflaschen kaufen, sondern das Wasser aus dem Tank trinken. Dazu haben sie ein Aktivkohlefilter vor dem Pentrywasserhahn eingebaut. Hmm, wäre eine Überlegung wert. Das Wasserflaschenschleppen und –entsorgen ist ja immer eine mühsame Sache.

2021-09-16 Leros Lakki bei Riitta und Sakari auf der Belle amie
Leros Lakki bei Riitta und Sakari auf der Belle amie

17.09.2021 Freitag
Léros / Lakkí Kuluki
Nanu! Das Gas ist schon aus. Die neue Flasche vom 1.8. hat also nur für 47 Tage gereicht.
Auch ist die Hauptbatterie mit 125 Ah ziemlich leer. Die Solarpaneele werden in dieser Bootsposition nicht optimal beschienen und die Arbeit mit dem großen Monitor braucht doch recht viel Strom. Der Bb Motor darf ein paar Stunden lang laufen.

Während der Vormittagsarbeit läuft auch immer wieder die alte Frischwasserpumpe unmotiviert für ca. 20 Sekunden laut und nervig an, wie auch nachts, wenn man ihr den Strom nicht abdreht. Es wird Zeit, die neue Pumpe zu installieren. Im Prinzip recht einfach, habe ich mir schon lange überlegt: Neuen Schlauch vom Tankhahn zur Pumpe, die nicht hinten, sondern seitlich leicht erreichbar an der Wand zum Kühlschrank angeschraubt wird, und dann weiter zum T-Stück des Bordwassersystems.

Die Pumpe anschrauben mit Neopren Blindnietmuttern funktioniert leider nicht. Sie sind zu kurz für die ca. 1 cm dicke Glasfaserwand und rutschen heraus, wenn man sie mit den frisch dafür angeschafften ø 4 mm Edelstahlbolzen anzieht. Und was mache ich jetzt mit den vier ø 8 mm Löchern, die ich sorgfältig mittels einer Schablone gebohrt habe? Im Werkzeugkisterl „Befestigen“ finden sich zum Glück vier 8 mm Dübeln mit Kragen und im Schraubkisterl passende Schrauben, die zwar rosten werden, aber hoffentlich eh nie wieder herausgeschraubt werden müssen. Und zum Glück ist die Isolierung des Kühlschranks ausreichend dick, so dass die Dübeln nicht in den Kühlschrank hinein ragen.

Beim Anschluss an den 3-Wege Tankhahn stelle ich fest, dass die Idioten der Werft nicht nur den Hahn falsch montiert haben (schon früher festgestellt), sondern den Schlauch zur Kontrolle des Wasserstandes so knapp daneben konstruiert haben, dass man auf dem Hahngewinde gar nichts schrauben kann, auch nicht so ein geniales Schlauchanschlussstück ohne Griffflügeln, das ich extra dafür gekauft habe. Man kann nur einen ziemlich dicken Schlauch auf das Gewinde drücken und diesen mit einer Schlauchklemme fixieren – sehr griechisch. Und so hat es die Werft auch gemacht, klar, sind ja griechische Idioten.

Und wie verbinde ich jetzt den dicken mit dem dünneren Schlauch? Piperis weiß Rat: Mit einem Rückschlagventil mit dem man unterschiedliche Schlauchdurchmesser verbinden kann. Rückschlagventil müsste es nicht sein, aber was solls.

Und wie verbinde ich jetzt das T-Stück mit dem neuen Schlauch? An sich habe ich mir das einfach vorgestellt: Alte Zuleitung abschrauben und ein Schlauchanschlussstück drauf schrauben. Geht aber nicht. Der Durchmesser würde zwar passen aber das Plastikding hat eine besondere Gewindesteigung. Piperis weiß keinen Rat, auch nicht der Wasserinstallateur neben der Tankstelle im Buchtscheitel, auch nicht der sonst sehr gut sortierte Baumarkt Andreas beim Supermarkt Kritikos.
Ich muss also wieder improvisieren. In der Wasserkiste findet sich ein Schlauchverbinder mit einigermaßen passender Dimension. Mit der original Plastik-Überwurfmutter der abmontierten Zuleitung (die muss ich abschneiden, um die Mutter entnehmen zu können) bastle ich mit O-Ringen und Gummidichtungen einen Schlauchanschluss. Nach ein paar Versuchen wird der tatsächlich dicht!

Die Pumpe funktioniert dann endlich perfekt. Braucht keinen Druckwassertank, sondern erzeugt nur so viel Druck wie benötigt wird. Hält also den Wasserdruck im System auf konstant 2 bar. Wird ein Wasserhahn nur wenig geöffnet, läuft er langsam, und je mehr Wasser benötigt wird um so schneller. Alles zwar hörbar aber lange nicht so laut wie die alte Pumpe (die dort wo sie ist das restliche Bootsleben bleiben kann).
Und das Wasser kann nicht wie bisher vom Druckwassertank durch die Pumpe in den Wassertank zurück gedrückt werden, was die Ursache für das nervige Anspringen der alten Pumpe war.

Ziemlich zufrieden fahre ich dann mit dem Moped nach Xirokampos zum Abendessen in Porto Nikola. Weil es mich interessiert, wo eigentlich der Weg endet, fahre ich zunächst weiter. Es geht bergauf, bald auf einem Schotterweg, der sich in Serpentinen in die Höhe klettert und immer schmäler und schlechter wird. Am Ende angekommen gibt es eine herrliche Aussicht und einen leeren Ziegenverschlag, sonst nichts.
Das Moped ist hinauf wie nix gefahren. Hinunter ohne Gas geben stirbt der Motor ab. Als ich ihn unten wieder brauche, will er nicht mehr starten. Zum Schluss ja doch und es ist klar, dass es ein griechisches Moped ist, das viel Futter braucht und dann stark und laut ist.
Das Essen in Porto Nikola ist sehr gut und recht einsam, insgesamt drei Gäste.

2021-09-17 Blodughadda neue Pumpeninstallation, Filter, Druckgeregelte Pumpe
Blodughadda neue Pumpeninstallation, Filter, Druckgeregelte Pumpe
2021-09-17 Blodughadda neue Pumpeninstallation Anschluss an den Tank
Blodughadda neue Pumpeninstallation Anschluss an den Tank
2021-09-17 Blodughadda neue Pumpeninstallation Verbindung zum Bordwassersystem
Blodughadda neue Pumpeninstallation Verbindung zum Bordwassersystem
2021-09-17 Leros Aussicht von der Südspitze nach Süden auf Kalymnos
Leros Aussicht von der Südspitze nach Süden auf Kalymnos
2021-09-17 Leros Aussicht von der Südspitze auf Xirokampos
Leros Aussicht von der Südspitze auf Xirokampos

18.09.2021 Samstag
Léros / Lakkí Kuluki
Ab 7:11h arbeite ich an den Preislisten. Um 15:49h mag ich nicht mehr und lege mich aufs Ohr bevor ich mich mit Riitta und Sakari zum Abendessen in Pyrofani in Panteli treffe. Die ankern jetzt vor Vromolithos.
Es ist wieder sehr nett mit ihnen und mein Finnisch wird immer besser. Ich fange danach sogar an, auf Finnisch zu denken. Es ist schon eine sehr lustige Sprache.

19.09.2021 Sonntag
Léros / Lakkí Kuluki
Wieder voller Arbeitstag und abends wieder Mopedfahrt. Diesmal nach Agia Marina, wo ich um 2,90 Euro beim „Suvlapolio Krupia“ ein Pita-Gyros esse. Das letzte Drittel davon schaffe ich kaum.

20.09.2021 Montag
16:27 Léros / Lakkí Kuluki Karte
17:00 Léros / Lakkí Marina Karte
Zeit unterwegs: 00:32 Strecke: ,3 Seemeilen Ø Fahrt: ,5 Knoten

Die vom Leros Segelclub veranstaltete Göran Schildt Regatta startet heute. Deshalb gibt es Platz in der Lakki Marina für zwei Nächte. Das ist gut. Denn einerseits muss die Bordbatterie mit Landstrom wirklich mal voll aufgeladen werden. Andererseits geht mir der Platz hier schon am Nerv. Das Boot liegt voll einsichtig für alle, die auf der Straße oberhalb des Landleinenpollers gehen und insbesondere auf dem dort befindlichen Bankerl sitzen und die Straßenlaterne beleuchtet das Boot abends und nachts sehr gut. Mit weiter weg Ankern ließe sich das ja leicht lösen. Aber das Freitag Nacht angekommen Kriegsschiff P269 macht immer noch unerträglichen Lärm obwohl es an der anderen Seite der Bucht liegt.

Ich fahre also um den Fähranleger herum in die Marina und bekomme einen guten Platz am Betonsteg an der Westseite.

21.09.2021 Dienstag
Léros / Lakkí Marina
Der Morgen ist „frisch gewaschen“. Es ist extrem feucht und das Deck komplett nass obwohl es nicht geregnet hat und es ist total bewölkt bei absoluter Windstille.

Es wird Zeit, den Landstrom anzuschließen. Das wird aber ein längeres Unterfangen, denn es kommt kein Strom. Nun geht es ans Ursachesuchen. Der nette Marinero Hippolito hilft mir dabei. Ziemlich einfach können wir feststellen, dass der Sicherungsautomat der Versorgungssäule fällt sobald der Stecker an die Bootsteckdose angeschlossen wird. Er wie ich vermuten, dass der 20 Jahre alte Stecker ausgedient hat. Also gehe ich zum Piperis und kaufe einen neuen. Also zwei, weil Reserve immer gut ist. Nach Umbau des Kabels mit diesem ändert sich aber nichts, außer dass sich der Stecker extrem schwer anstecken lässt.

Nach Stunden und nach einer zweidrittel Spezialpizza im Kuluki Pizza komme ich abends drauf, dass das Bordstromnetzwerk und auch der Batterielader mittels Verlängerungskabeln von der an der Versorgungssäule angehängten Kabeltrommel problemlos funktionieren. Also gottseidank ist der teure Lader nicht die Ursache. Die liegt irgendwo zwischen diesem und der Bootsteckdose. Aber da alles was ich brauche mit Kabelsalat im Boot funktioniert, suche ich nicht weiter.

2021-09-21 Leros Lakki an einem sehr feuchten Morgen
Leros Lakki an einem sehr feuchten Morgen

22.09.2021 Mittwoch
10:40 Léros / Lakkí Marina Karte
11:05 Léros / Lakkí Kuluki Karte
Zeit unterwegs: 00:25 Strecke: ,3 Seemeilen Ø Fahrt: ,7 Knoten

Eigentlich hatte ich vor, heute nach Astypalea zu segeln. Aber die Windprognosen sagen für morgen und übermorgen dort wie auch hier sehr starken Wind aus NW voraus. Also fahre ich wieder um die Ecke nach Kuluki nehme aber jetzt einen weniger einsichtigen Ankerplatz, der auch bei starkem Wind erträglich sein müsste. Astypalea also dann am Samstag, wenn Äolus sich an die Windprognosen hält und den NW Wind um so 15 Knoten bläst.

Der P269 liegt immer noch gegenüber, hat aber seinen Generator abgestellt. Es ist ein schön ruhiger Abend mit wenig Wind obwohl mit 21°C schon etwas frisch.

23.09.2021 Donnerstag
Léros / Lakkí Kuluki
Der angekündigte Wind startet um 10 Uhr. Ab dem frühen Nachmittag wird er 250 Meter entfernt in der Lakki Bucht und hinter dem Boot richtig stark und die weißen Kämme jagen zum Nordufer der Bucht. In Kuluki ist es bis ca 30 Meter vom Strand weg windstill. Der Anker liegt 80 und das Boot 115 Meter davor. Meist ist der Wind hier sehr moderat bis fast gar keiner. Gelegentlich kommt eine Bö aber nicht arg watschenhaft. Ich überlege, etwas näher beim Strand zu ankern, um es noch angenehmer zu haben. Aber die Schnorchelbesichtugung ergibt, dass der Anker bestens hält und daher darf er dort liegen bleiben. Nach einem neuen Ankermanöver müsste ich wieder alles checken.

Der Wind bläst auch den Dunst weg. Der Herbst ist da mit seiner viel klareren Luft als im Sommer. Der Horizont hinter der Buchteinfahrt ist ganz klar gezeichnet und zwar mit Wellenlinien, die man mit freiem Auge sieht.

Ich bringe die Preislistenarbeit wieder gut weiter und nach 7:10 Stunden mit dem großen Monitor aufgedreht hat die Bordbatterie noch 191 Ah.

Es wird Zeit für eine Rasur.

Um 18:30h treffe ich mich mit Krister Adamson, dem Schweden, den ich mit seiner Frau Anita vor zwei Jahren kennen gelernt habe und die eine Wohnung auf Leros in Panteli mit toller Aussicht mieten. Wir fahren mit seinem Leihwagen zum Aloni in Xirokampos auf ein Abendessen. Die Wellenlänge passt wieder. Er erzählt u.a., dass sie die Wohnung gekündigt haben, weil die 35 Stufen zum Erreichen der aussichtsreichen Wohnung doch zu mühsam geworden sind, und noch nicht wissen, ob sie eine andere mieten werden. Er hat noch keine zusagende gefunden. Aber sicherheitshalber eine Lagerungsmöglichkeit für ihren Hausrat und ihre Möbel.

Zurück auf dem Boot hat der Wind leider leicht nach rechts gedreht, womit Kuluki kaum mehr windgeschützt ist. Und die Temperatur ist auf 18,2°C gesunken. Das erste Mal in diesem Jahr unter 20°C. Draußen den Abend genießen, ist heute keine Option.

2021-09-23 Aktuelle Windkarte um 17_14h
Aktuelle Windkarte um 17_14h

24.09.2021 Freitag
Léros / Lakkí Kuluki
Mein improvisiertes Anschlussstück an des T-Stück ist doch nicht perfekt gelungen. Es tröpfelt. Das kann man jetzt hören. Denn die Wasserpumpe springt gelegentlich ganz kurz an, um den Druckverlust auszugleichen. Das ist eigentlich ganz praktisch. Nun muss ich was anderes basteln.

Muss ich doch nicht. Nachdem ich lange nachgedacht hatte, wie ich den Anschluss machen könnte, habe ich eine Plastikdose unter das T-Stück geschoben um genau zu sehen, wo es herauströpfelt. Und siehe da, es tröpfelt gar nicht mehr, kein einziger Tropfen. Jetzt lasse ich die Plastikdose einfach dort. Eine griechische Reparatur sozusagen.

Es tröpfelt aber woanders. Besser gesagt, es rinnt. Nämlich Benzin aus dem Tank im Außenborder durch den neuen Tankdeckel wenn man den Tank füllt und danach kippt. Was natürlich notwendig ist beim Anlanden und beim Heraufziehen des Schlauchbootes auf die Heckplattform. Ich habe mich eh schon gewundert, dass der neue Tankdeckel (finnisch: Tankkikorkki) so schwer anzuschrauben ist. Wahrscheinlich ist das Gewinde etwas anders als beim alten Deckel, den ich glücklicherweise noch nicht entsorgt habe und daher wieder verwenden werde. Dabei habe ich bei der Bestellung die Motornummer und das Baujahr des Motors angeben müssen. Aber wahrscheinlich wieder griechisch: Haben wir nicht aber was Ähnliches, wird schon passen.

Am Abend schläft der Wind endlich ein. Man kann draußen bei 18,8°C den Abend fast genießen. Wäre da nicht irgendwo ein Fest im Gange bei der natürlich die „Musik“ nicht fehlen darf. Glücklicherweise weit weg. Abwechselnd Geige und Gesang bzw. eher ein Rezitativ, beide musikalisch komplett einfallslos und sich immer wiederholend. Ich verstehe nicht, warum den sonst so improvisierfreudigen Griechen nichts besseres einfällt.
Aber darüber habe ich schon oft sinniert.

25.09.2021 Samstag
Léros / Lakkí Kuluki
Die Reparatur mit der Plastikdose hat nicht lange gehalten. Es tropft wieder aus dem T-Stück, mehr als zuletzt. Muss ich also doch was besseres dagegen tun. Eigentlich wollte ich heute früh nach Astypalea los fahren. Aber ich werde doch zuerst die Reparatur machen. Sollte ich noch irgend einen Teil dafür benötigen, bekomme ich ihn eher in Lakki als in Astypalea. Morgen soll es eh den gleichen Wind mit um die 12-17 kn wie heute geben.

Um 11:52h bin ich mit dem Umbau des Anschlussstückes fertig. Nach Einschalten der Pumpe tröpfelt es nicht. Aber so war es zuvor ja auch…
An sich ginge sich Astypalea noch vor Sonnenuntergang aus, aber knapp. Also lieber morgen.

Auch die Tankkikorkkireparatur scheint gelungen zu sein. Alle neun (!) Teile auseinander genommen, geschmiert, einen unnötigen Schaumstoffteil und einen Gussgrat genau beim Dichtungs-O-Ring entfernt.

26.09.2021 Sonntag
08:04 Léros / Lakkí Kuluki Karte Abfahrt
09:53 Genua setzen, Motoren aus
12:38 BB Motor dazu
16:05 Astypálea / O. Livadia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 08:01 Strecke: 43 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten

Nach einem sehr erfrischenden Morgenbad (21,5°C) fahre ich los. Nach knappen zwei Stunden nimmt der Wind so weit zu, dass es sich lohnt, die Genua zu setzen. Er kommt also mit bis zu 20 kn aus etwa 135° achterlich. Es geht zwar langsamer voran mit 4 bis 5 kn, dafür ohne Motorgeräusch und Dieselverbrauch.
Als der Wind auf 12 bis 14 kn nachlässt und die Fahrt auf unter 4 kn sinkt, schalte ich den Bb Motor dazu. Es sind immerhin noch 20 sm bis zum Ziel. Ankunft zwei Stunden früher.

Unterwegs kann ich die zehn Preislistenseiten der neuen Designserie LUA von LAUFEN endlich fertig machen.

In Livadia hatte ich gehofft, praktisch allein zu sein. Aber nein, als ich ankomme sind schon drei Segelboote da und um 19h sind es insgesamt acht. Ich ankere „ganz rechts“, wobei ich beim ersten Versuch nicht haltendes Seegras erwische. Beim zweiten dürfte der Anker halten aber die Schnorchelbesichtigung ist nicht ganz überzeugend. Leider nicht den angepeilten Sandfleck zwei Meter daneben erwischt.

Warum hier die Wassertemperatur um vier Grad wärmer ist, verstehe ich nicht. Ist mir aber ganz recht.

Ich fahre an Land und freue mich schon riesig auf ein Tabulé und einen Red Salad im Korkodilo. Aber das Lokal hat zu. Gibt es offenbar gar nicht mehr nachdem auch kein Schild mehr vorhanden ist. Na gut, gehe ich halt ins To Gerani, war ja auch immer gut. Aber so lieb- und geschmacklose Bifteki habe ich noch nie serviert bekommen. Zwei gegrillte Fleischlaberln auf einem Haufen Pommes, 8,50 Euro ist es nicht nicht wert. Werde also zukünftig wo anders hin essen gehen.

27.09.2021 Montag
Astypálea / O. Livadia
Bei einem langen Schwimm stelle ich fest, dass der Anker eh gut bei einem Büschel liegt und dass sie hier die Linie der gelben Markierungsbojen für den Schwimmbereich weiter hinaus verlegt haben. Nämlich auf 200 m vom Strand, ungefähr bis zur Grenze, wo der gute Sandgrund in eine hohe Seegraswiese übergeht…

28.09.2021 Dienstag
10:24 Astypálea / O. Livadia Karte
11:10 Astypálea / O. Maltezana Karte
Zeit unterwegs: 00:46 Strecke: 3,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,6 Knoten

Während der Vormittagsarbeit ruft Riitta an. Die Belle amie ist in Maltezana an der langen Pier längsseits und es gäbe noch einen Platz für mich. Das passt gut, denn der Wind in Livadia hat schon ordentlich zugenommen und soll noch stärker werden. Ich fahre also gleich los. Gerade als der Anker mit einem Riesenbüschel Seegras fast oben ist, streikt die Ankerwinde. Glücklicherweise nicht früher, denn da hätte ich nicht losfahren können.

In Maltezana warten Riitta und Sakari schon auf mich bei einem perfekten Platz zwischen einem Fischerboot und dem kleinen Segelboot „Kiruli“. Der Wind ist hier schwächer und es gibt so gut wie keine Wellen.

Dann entdecke ich, dass der Inverter auch nicht funktioniert. Aber zuerst schaue ich mit Sakari die Ankerwinde an und wir messen die Spannungen an den Kabeln mit dem Multimeter. Wir finden keinen Fehler. Da ich ja hier keinen Anker brauche, wird die Reparatur auf später verschoben und ich widme mich dem Wechselrichter. Den brauche ich wirklich, um den Laptop und den großen Bildschirm betreiben zu können. Ich kann nur feststellen, dass er hinüber ist. Die Sicherung ist in Ordnung und was anderes kann man nicht selbst reparieren. Ich suche erfolglos überall nach dem kleinen 100 Watt Waeco Wechselrichter, den ich vor vielen Jahren beim Kartentisch installiert hatte aber nie verwendet habe. Vielleicht habe ich ihn schon weggeschmissen.

Ich gehe zur Pierwurzel, um vielleicht eine Steckdose zu finden. Finde aber nur eine Ladesäule für Elektroautos, die vermutlich noch nie verwendet worden ist. Dabei kommen Riita und Sakari von einem Spaziergang zurück und erzählen, dass sie für morgen und übermorgen ein Auto gemietet haben. Damit können wir nach Skala fahren. Hoffentlich gibt es in einem Elektrogeschäft irgend einen Inverter. Außerdem wollen wir die Insel erkunden.

Zurück beim Boot komme ich mit dem Uli vom Nachbarboot Kiruli ins Gespräch und erzähle ihm von meiner misslichen Lage. Er ist ein Deutscher und auch im Mittelmeer-Skipper-Forum aktiv. Und er hat einen kleinen 150 W Sterling Inverter, den man an die 12V Steckdose anschließen kann und den er mir borgt solange ich da bleibe. Er selbst ist schon seit Mitte Juli hier und wird noch eine Weile bleiben. Also kann ich zunächst aufatmen.

Während meiner Versuche, den Lidl-Inverter in Gang zu bringen habe ich unbemerkt die Ankerwinde repariert. Keine Ahnung, warum die wieder geht. Aber sicherheitshalber spraye ich alle Stecker beim Relais mit Elektronikspray ein. Könnte schon ein Kontaktfehler gewesen sein.

Um 18:30h gehe ich mit den Finnen in die Nachbarbucht Schinunta, um in Astakoukos oder Astifagia zu essen. Beide haben geschlossen! Astakoukos anscheinend für immer, denn alles ist weg inklusive Terrassengeländer und Eingangstor. Wirklich schade um zwei der besten Tavernen. Auch die Taverna an der Pierwurzel hat zu. Aber etwas abseits an der Straße nach Schinunta finden wir doch ein Lokal fürs Abendessen. Ein altes offenbar recht vergessliches Ehepaar bemüht sich sehr. Doch bekommen wir zuerst das Essen für den Nachbartisch serviert und dann weder den Reis noch das Okra noch eine Scheibe Feta auf dem griechischen Salat. Dafür ist aber alles bis auf den Ouzo überteuert.

2021-09-28 Astypalea an der Pier von Maltezana
Astypalea an der Pier von Maltezana

29.09.2021 Mittwoch
Astypálea / O. Maltezana
Bevor wir mit dem Leihwagen abfahren teste ich nochmals den Lidl-Inverter. Schließe ihn also an und schalte ihn ein – er funktioniert wieder! Warum er gestern gestreikt hat, kann ich nicht nachvollziehen. War also eine ähnliche „Reparatur“ wie bei der Ankerwinde. Naja, vielleicht ist es doch gut, in Skala einen kleinen wie den geliehenen zusätzlich zu kaufen, falls es sowas auf der Insel gibt. Müsste es eigentlich, da ja Astypalea die erste vollelektrische Insel ohne Verbrennungsmotoren werden soll…
VW glaubt wohl wirklich daran.

Mit Riitta und Sakari fahre ich mit dem Leihwagen zur Chora, wo wir eine Runde um die Festung gehen und dann einen Kaffee im Nostos Café trinken. Dann weiter nach Livadia und den Weg südwärts. Mich würden die Strände Vatses und Kaminakia interressieren, aber der Straßenbelag hört alsbald auf und auf der Staubpiste drehen wir um.
In Livadia muss ich ein bisher nie gesehenes Schild fotografieren, das auf beiden geschlossenen Geschäften klebt: Behördlich vorübergehend geschlossen wegen Steuervergehen!
Dann fahren wir zum Hafen in Skala, schauen uns die Segelboote an und ich erkundige mich bei einem Autoverleiher, wo es ein Elektrogeschäft gibt. Also im Haus, wo der Kurierdienst ACS ist, aber es wird gleich schließen, denn es ist kurz vor 14 Uhr. Als wir dann auf dem Weg zurück an ACS vorbei fahren, sehen wird nichts, was auf ein Elektrogeschäft hindeuten würde.

Um 18:30h fahren wir wieder los. Das ACS Büro IST ein Elektrogeschäft, bzw. umgekehrt. Hat aber keinen Inverter. Ein anderes Elektrogeschäft gibt es auf Astypalea nicht. Hinter der Theke sitzt wer, den ich kenne. Nämlich der Sohn eines der beiden derzeit geschlossenen Geschäfte in Livadia. Er erkennt mich auch gleich wieder obwohl ich selbstverständlich die FFP2 Maske trage und wir begrüßen einander recht herzlich. Er sagt, dass es immer so sei, dass das Geschäft geschlossen werden muss, wenn eine Finanzprüfung statt findet und dass das mit einem Steuervergehen nichts zu tun habe. Naja, vielleicht gibt es nicht viel Unterschied zwischen diesen beiden Dingen.

Wir fahren also weiter nach Livadia, gehen dort kurz auf und ab und essen als einzige Gäste in Parathinalos gleich neben dem geschlossenen Geschäft des Vaters des Sohnes im ACS wirklich sehr gut, stilvoll serviert und überhaupt nicht teuer. Also wenn ich in Livadia wieder essen gehen werde, dann nur mehr dort.

Sakari und ich genehmigen uns noch einen Absackerouzo im einzigen offenen Lokal in Maltezana, dem bescheidenen Café Maltezos, bevor wir zu unseren Booten gehen. Der Wind hat sehr abgenommen und es ist herrlich ruhig, bis auf das dezente Sausen des Windgenerators der Kiruli.

2021-09-29 Astypalea Chora muss immer fotografiert werden
Astypalea Chora muss immer fotografiert werden
2021-09-29 Astypalea E-Autos
Astypalea E-Autos
2021-09-29 Astypalea Chora Riita und Sakari
Astypalea Chora Riita und Sakari
2021-09-29 Astypalea Chora hinter der Livadia Bucht
Astypalea Chora hinter der Livadia Bucht
2021-09-29 Astypalea beide Geschäfte in Livadia sind wegen Steuervergehen vorübergehend behördlich gesperrt worden
Astypalea beide Geschäfte in Livadia sind wegen Steuervergehen vorübergehend behördlich gesperrt worden

30.09.2021 Donnerstag
Astypálea / O. Maltezana
Für heute ist sehr viel Wind vorhergesagt, der schon in der Nacht beginnt. Ich richte die vier Festmacherseile so, dass das Boot möglichst wenig in den Windböen hin und her ruckelt und die Fender nicht knarren. Es ist gar nicht so einfach, weil der Wind eigentlich genau von vorne kommt, die Böen aber mal von leicht rechts mal von leicht links kommen. Und das mit bis zu 38 Knoten. Bin trotzdem froh über diesen Platz, denn passieren kann dem Boot eigentlich gar nichts und das Cockpit ist recht gut windgeschützt. Wellen gibt es auch keine.

So brauche ich mir keine Sorgen zu machen als wir um kurz vor 11 h Richtung Norden fahren. Die vor ein paar Jahren erneuerte Straße hat eine perfekte zweispurige Fahrbahn, klettert bis auf 210 m hinauf und bietet herrliche Ausblicke. Die Landschaft ist extrem kahl und steinig. Keine einzige Behausung ist zu sehen, nur ein paar wenige weiße Kirchlein, wie halt in Griechenland üblich. Ein paar Kilometer vor unserem Ziel, dem Weiler Exo Vathy an der binnenseeähnlichen Bucht (die natürlich auch Vathy = tief heißt – Sakari nennt sie Umpisouli = Blinddarm), wechselt die Straße mitten im nichts auf eine schmale Sand- und Schotterpiste. Wir fahren trotzdem weiter, aber sehr langsam.

Im Tal der Bucht gibt es Getreidefelder, Bäume, sogar ein paar Palmen und Gehege für Ziegen und Schafe. Exo Vathy besteht aus vielleicht sieben „Häusern“, einem strahlend weißen Kirchlein im üblichen Stil, also wie ein oberirdisches fünf Meter langes Kellergewölbe, einem kleinen Anleger für Boote und dahinter der geschlossenen Taverna Galini, die an sich recht nett aussieht. Wir gehen etwas herum, sehen keinen Menschen, nur ein paar Hühner.

Hier fällt auf, dass die Landschaft wunderschön ist und es praktisch gar keinen Wind gibt. Für eine leicht zu errichtende riesengroße und absolut sichere Marina wäre der Platz ideal, sinnieren Sakari und ich. Man müsste nur ein paar Millionen Euro investieren.

Das machen wir doch jetzt nicht, sondern fahren zurück. Im Minimarket in Maltezana kaufen wir ein wenig ein. Die sympathische und sehr gut Englisch sprechende Inhaberin erzählt, dass die Straße deshalb so abrupt aufhört, weil der Eigentümer nicht willens war, ein paar Meter seines eh unbrauchbaren Steingrundes für die breitere Straße zu verkaufen. Aber in einigen Jahren wird das schon werden… Also wenn es gut geht, werden die Urenkeln schon auf einer asphaltierten Straße bis nach Exo Vathy fahren können, denke ich.

Am Abend fahren wir mit dem inzwischen ausgetauschten Leihwagen nach Skala. Der vorige gab ein immer lauter werdendes Schleifgeräusch vom rechten Hinterrad von sich und Sakari befürchtete einen Lager- oder Bremsschaden. Nach seinem Anruf bei Verleiher Delis kam dieser binnen wenigen Minuten mit einem anderen Auto derselben Type. Das nenne ich Service!
In Skala schlendern wir herum und suchen ein Lokal fürs Abendessen. Gar keine leichte Aufgabe, denn alle mir bekannten sind geschlossen. Wir überlegen schon, wieder nach Livadia zu fahren. Aber dann etwas versteckt etwas oberhalb in der Gasse, in der die Hafenpolizei und die Bank ist, sehen wir Maistrali. Dürfte einen Besuch wert sein. Ist es auch, denn alles passt bestens, sogar der Windschutz.

Das französische Inselhopperpaar, das vorgestern am Nachbartisch saß und dessen Essen wir zunächst bekommen hatten, kommen auch herein und begrüßen uns freudig, zumal wir sie heute auch im Minimarket getroffen haben. Hier ist die Serviererin um etliche Jahrzehnte jünger und verwechselt die Bestellungen nicht. Als wir uns darüber unterhalten, kommen wir auf den passenden Namen für die vorgestrige Taverna: Drei Fische, auf Finisch Kolme Kalaa. Denn das war die Durchschnittsanzahl der von beiden Tischen bestellten Fische (4 und 2). Mit Riitta und Sakari kann ich herrlich blödeln und herzlich lachen.

2021-09-30 Astypalea Ormos Vai
Astypalea Ormos Vai
2021-09-30 Astypalea Vathy in Sicht
Astypalea Vathy in Sicht
2021-09-30 Astypalea Vathy Asphaltstraße hört auf
Astypalea Vathy Asphaltstraße hört auf
2021-09-30 Astypalea Vathy Bootsanleger
Astypalea Vathy Bootsanleger
2021-09-30 Astypalea Vathy Taverna Galini
Astypalea Vathy Taverna Galini
2021-09-30 Astypalea Vathy Taverna Galini
Astypalea Vathy Taverna Galini
2021-09-30 Astypalea Vathy Teddybärboot
Astypalea Vathy Teddybärboot
2021-09-30 Astypalea Vathy Teddybärwerkstatt
Astypalea Vathy Teddybärwerkstatt
2021-09-30 Astypalea Vathy Naturskulptur
Astypalea Vathy Naturskulptur

01.10.2021 Freitag
Astypálea / O. Maltezana
Gestern Abend haben sich zwei Boote mit italienischer Flagge zur Pier dazu gedrängt – unerhört! Heute Morgen hört man aber deutlich, dass es sich um Italiener handelt, vielleicht insgesamt 12 Exemplare, die nicht nur mit Gesten reden. Am Vormittag legen sie wieder ab und es wird wieder ruhig.

Sakari kommt aufs Boot und bringt eine Festplatte mit Fotos von seiner DJI Drohne mit. Er erklärt, was da zu sehen ist und ich darf mir welche aussuchen. Mich interessiert vor allem die Luftaufnahmen von Häfen und Ankerplätzen, insbesondere solche, wo ich schon mal war. Bei Gelegenheit werde ich diese ins Blogbuch einbauen.

Der Wind wird schwächer aber noch lange nicht schwach. Das soll erst am Mittwoch der Fall sein. Egal, es ist gut hier und ich werde noch eine Weile da bleiben.

Am Abend bin ich bei den Finnen zum Essen eigeladen. Es gibt Hühnerfleischleibchen mit Erdäpfel-Brokkolimus und sautierte Zwiebelringe, Salat, Tsatsiki, Cashewkerne, Oliven und Rotwein. Alles sehr gut und gemütlich in deren Salon genossen. Hat etwas länger als das Essen alleine gedauert.

02.10.2021 Samstag
Astypálea / O. Maltezana
Es ist Arbeit in die Dropbox herein gekommen. Die erledige ich am Vormittag und dann mache ich Tabulé. Ich will mich ein wenig für gestern revanchieren und Riita und Sakari kommen um 14:30h aufs Boot auf eine levantinische Jause. Ich bin richtig stolz darauf, dass ich das Rezept auf Griechisch auf der Bulgurverpackung so weit lesen kann, dass daraus was wird. Es gelingt auch sehr gut und ist nur möglich zu machen, weil der Minimarket gestern frische Petersilie bekommen hat.

Mein Plan war ja ursprünglich, schöne griechische Herbsttage ohne viel Juli- und Augustwind, also Meltémi, genießen zu können. Der Plan ist schon jetzt gescheitert. Es orgelt wieder ordentlich und eigentlich mehr als im August und soll laut neuesten Prognosen mindestens eine Woche noch so bleiben. Wo das Boot jetzt in dieser Gegend bei diesem Wind besser als hier liegen könnte, wüsste ich jetzt nicht. Marathokampos auf Samos fällt mir ein. Aber es ist unmöglich 76 Seemeilen gegen diesen Wind dorthin zu fahren. Vielleicht ergibt sich noch ein Fenster. Ich muss ja erst in drei Wochen in Kos Kefalos sein, um den Johan abzuholen.

2021-10-02 Astypalea Maltezana Riitta und Sakari beim Tabuléessen an Bord
Astypalea Maltezana Riitta und Sakari beim Tabuléessen an Bord

03.10.2021 Sonntag
Astypálea / O. Maltezana
Gegen Mittag beruhigt sich der Wind etwas. Sakari schlägt vor, seinen DJI Mini 2 Quadrocopter fliegen zu lassen und mir zu zeigen, wie das geht. Faszinierend! Obwohl die Starkwindwarnung auf der App mehr oder weniger sofort aufscheint, kann er ein paar Fotos machen.

Dann schlagen die Finnen eine Buchtwanderung vor. Machen wir auch gleich, nämlich west- und südwärts und dann über die Straße beim Beginn der Flughafenlandebahn wieder zurück. Alsbald kommt dann die Taverna „7 Asteria“ (7 Sterne). Ich schlage vor, da eine kleine Jause zu nehmen. Mehr als Zustimmung bleibt den anderen eh nicht übrig. Das Lokal ist sehr nett mit schöner Aussicht und den Tischen auf kleinen Terrassen in unterschiedlicher Höhe. Der Griechische Salat kommt schnell, die Zucchinibällchen etwas später, aber mein Omelett lässt auf sich warten.

Riitta und Sakari werden unruhig, weil sie am Boot den Motor haben laufen lassen und es schon Zeit wäre, ihn abzudrehen. Ich habe kein Problem damit, alleine auf mein Omelett zu warten und dann zu verspeisen. Also gehen sie. Fünf Minuten später kommt die Kellnerin mit einer großen Platte in meine Richtung. Ich denke, dass das nicht mein 3,50 Euro Omelett sein kann. Aber sie stellt die Platte auf meinen Tisch und fragt, wo denn die zwei anderen seien. Die Kommunikation mit ihr ist sehr schwierig und so dürfte sie verstanden haben, dass wir Omelett für alle drei haben wollten. Ich esse tapfer so viel ich kann, aber mehr als die Hälfte bleibt übrig. Sieben Euro darf ich dann für die Riesenportion zahlen.

Um 18h bin ich auf der Belle amie zum Abschiedsessen eingeladen. Sie wollen morgen sehr früh nach Agios Nikolaos auf Kreta aufbrechen, zu einer Fahrt von mindestens 13 Stunden. Es gibt Risotto mit Hühnerfleisch ganz köstlich gekocht von Sakari.
Nach zwei vergnüglichen Stunden verabschiede ich mich und wünsche gute Fahrt und dass wir einander irgendwann im Frühling oder Frühsommer wieder sehen werden. Es wird aber sehr viel früher, nämlich nach ca. einer Stunde. Ich will gerade auf ein Abendouzo ins Café Maltezos gehen als Sakari daher kommt und erzählt, dass sie die lange Überfahrt auf später verschoben haben, nachdem er nochmals die Wind- und Wellenprognosen studiert hatte. Er geht mit auf ein Ouzo, aus der dann drei werden…

Als ich die erhaltenen Drohnenfotos ansehe, muss ich eines hinzufügen, das früher aufgenommen wurde. Es zeigt so toll, was man mit so einem Ding aufnehmen kann: Ein schwebendes Boot.

2021-09-21 Kalymnos Almires Beach Die Belle amie schwebt
Kalymnos Almires Beach Die Belle amie schwebt
2021-10-03 Astypalea Maltezana Pier
Astypalea Maltezana Pier
2021-10-03 Astypalea Maltezana Guter Platz an der Pier
Astypalea Maltezana Guter Platz an der Pier
2021-10-03 Astypalea Maltezana Pierwurzel rechts unten, dahinter die kleine Ortschaft
Astypalea Maltezana Pierwurzel rechts unten, dahinter die kleine Ortschaft
2021-10-03 Astypalea Analipsi Omelett in Taverna 7 Asteria
Astypalea Analipsi Omelett in Taverna 7 Asteria

04.10.2021 Montag
Astypálea / O. Maltezana
Nach einer wieder fast lautlosen Nacht begrüßt mich der Morgen mit wenig Wind und vielen Wolken.
Die acht Brote im Minimarket sind alle reserviert und die vier nicht reservierten sind schon weg. Für morgen bestelle ich ein frisches Brot.
Pünktlich um 10 Uhr startet der Wind wieder durch, vertreibt aber noch nicht die Wolken.
Etwas Arbeit kommt in die Dropbox, die ich innerhalb einer Stunde erledige. Eigentlich sollte LAUFEN jetzt ordentlich Gas geben, wenn die Preislisten in zwei Wochen in Druck gehen müssen.

Nachmittags wird der Wind etwas schwächer. Es ist angenehm, im Skandika Sessel in der Sonne ein Buch zu lesen und ein Meeresbad mit Körperwäsche tut auch gut. Nach einem Würstelabendessen lese ich im Marc Elsbergs Buch GIER weiter im Skandika Sessel, aber drinnen im Salon. Draußen ist es mir bei 18°C und mittlerweile wieder sehr starkem Wind zu kühl. Der Sessel passt genau zwischen Tisch und Pantryzeile und mit dem Klapphocker unter den Wadln ist es fast so bequem wie in einem Stressless Sessel, stelle ich mir vor.

05.10.2021 Dienstag
Astypálea / O. Maltezana
Der Wind hält die ganze Nacht an und wird in der Früh noch stärker. Heute und morgen soll es noch so bleiben, aber dann wird es laut Prognosen zumindest einige Tage Flaute geben, verursacht durch ein riesiges Tiefdruckgebiet über Italien und der Adria, das nach Österreich wahrscheinlich Schlechtwetter bringen wird.

Um 11 Uhr höre ich jemanden meinen Namen rufen. Es ist Michael Konz von der Sioned. Gestern Nachmittag ist er von Kos herüber gesegelt und ankert in der Bucht. Wir gehen gemeinsam zum Minimarket, ich um mein Brot abzuholen und er um rote Äpfel zu kaufen. Anschließend plaudern wir im Cockpit vor allem über die von ihm programmierten Apps „Anchor Sentry“ und „Skippers Log“ bevor er um 13:30h wieder mit dem Schlauchboot zu seinem Segelboot fährt.

An SVB schreibe ich ein Beschwerde-Mail, dass ich endlich wissen möchte, ob sie die von Beate zurückgeschickten Invertern erhalten haben und ob ich nun den von mir gewünschten Ersatz bekomme. Die fünfte (!) damit befasste Person, Herr Bastian Rittel, gibt telefonisch grünes Licht. Ein Victron Phoenix 375 samt Bluetooth-Dongle wird an die Manolis Car Rental in Kos Kefalos gesendet, von wo ich das Paket abholen werde, wenn ich den Johan in 19 Tagen auch in Kefalos abhole. Wenn es denn tatsächlich bis dahin dort ankommt…

Sakari hat Fieber und Muskelschmerzen. Die Finnen gehen daher natürlich nicht mit zum Abendessen. Der Nachbar Uli hat gestern zu viel gesoffen und muss sich noch erholen. Also gehe ich alleine hinauf zu den 7 Sternen. Da oben am Hang geht der Wind ganz arg aber ich sitze komplett im Windschatten als einziger Gast in der wirklich netten Taverna. Die Windgeräusche sind allerdings furchterregend. Ebenso das laute Miauen der drei oder vier Katzen, die sich um meinen Sessel scharen sobald ich das gegrillte Schweinskotelett bekomme. Als mir das bald zu sehr nervt, brülle ich die Katzen wie ein Löwe an. Das wirkt. Sie fliehen panisch und kommen nicht wieder. Bis auf das Windbrüllen kann ich das wirklich gute Stück – zu den Pommes sogar mit gegrilltem Brot mit Kräutern und Meersalz drauf serviert – in Ruhe essen und die Nachrichten auf dem iPad lesen.

Zurück auf dem Boot lese ich das Buch fertig, obwohl ich es schlecht finde. Elendslanger Versuch, den mathematischen Beweis für den wirtschaftlichen Nutzen von Kooperation für Trotteln als Dialoge in komplett unglaubwürdigen Situationen zu erklären eingepackt in einen komplett haarsträubenden Action-Thriller geschmückt mit technischen Details, die einfach unmöglich sind. Wer mag denn sowas?

06.10.2021 Mittwoch
Astypálea / O. Maltezana
Dem Sakari geht es besser. Nach der Tagesarbeit mache ich mit ihm und Riitta einen kleinen Spaziergang. Er erzählt, dass ein weiterer Finne hierher unterwegs ist und irgendwann zwischen 18 und 19 Uhr aus Ios kommend da sein wird. Damit sein Boot noch Platz hat, verholt Uli seine Kiruli weiter zu mir und Sakari seine Belle amie etwas weiter achterlich. Dann setzen wir uns drei auf ein Bier ins Cockpit der Belle amie.

Ganz pünktlich kommt Sami mit seiner Oceanis 460 an. Sakari, Uli und ich helfen beim Anlegen. Das Boot passt genau in die vergrößerte Lücke hinein. Es hat einen lustigen Namen: Möömeid, also Meerjungfrau auf Finnisch-Englisch. So liegen hier jetzt drei Boote mit finnischer Flagge, sicher ein Rekord. Sami ist müde von der langen Überfahrt mit viel Wind und Sakari ja noch nicht fit. Also mache ich mir Penne al pomodoro mit Oliven und gehe anschließend auf ein Ouzo ins Maltezos.

07.10.2021 Donnerstag
Astypálea / O. Maltezana
Endlich ist der Sommer wieder da! Nach neun Tagen und neun Stunden Schlaf begrüßt mich ein herrlicher Morgen mit ganz sanftem Wind. Das Boot ruckelt nicht in den Festmacherleinen. Weder Wind noch der Windgenerator der Kiruli sind zu hören. Da schmeckt ein Morgenbad im kristallklaren Hafenwasser wieder.

Laut Prognosen soll es mindestens noch eine Woche so bleiben oder komplett windstill werden. Naja, dann kommt wahrscheinlich wieder die irre Luftfeuchtigkeit. Egal, ich genieße es jetzt sehr mit 26°C im Schatten und 48% rel. Luftfeuchtigkeit im Schatten im Cockpit.

Am Nachmittag fragt mich Sakari, ob ich dabei sein wolle, wenn er wieder mit der Drohne fliegt. Natürlich will ich das und gehe zu seinem Boot. Wir sehen, dass niemand in der Nachbarbucht ankert und erkunden die Ankerplätze der Insel Glinó etwa 1 km im Süden. Schon praktisch so ein Ding. Dann kommt noch Sami vorbei. Er lebt ständig auf seinem Boot und wird den Winter in Agios Nikolaos auf Kreta verbringen, wie es viele andere auch tun.

Bevor ich abends zur Taverna „Kolme Kalaa“ auf ein Pastitsio gehe, plaudere ich eine gute Stunde lang mit Uli im Cockpit der Blodughadda.

2021-10-07 Astypalea Maltezana an der Pier Blodughadda, Kiruli, Möömeid und Belle amie
Astypalea Maltezana an der Pier Blodughadda, Kiruli, Möömeid und Belle amie
2021-10-07 Astypalea Schinunta links Maltezana
Astypalea Schinunta links Maltezana
2021-10-07 Astypalea Schinunta
Astypalea Schinunta
2021-10-07 Astypalea Insel Glinó vor Maltezana
Astypalea Insel Glinó vor Maltezana

08.10.2021 Freitag
Astypálea / O. Maltezana
Ein Morgen fast wie gestern, nur mit einem Hauch von Südwind. Ich sehe, dass Michael von der Sioned mit seinem Schlauchboot vom Einkaufen wieder zurück zum Ankerplatz fahren wird und rufe ihm zu, ob er auf einen Tee vorbeikommen möchte. Mag er. Wir plaudern eine Weile im Cockpit.
Als er wieder abfährt, haben wir ein gemeinsames Abendessen in einer der drei offenen Tavernen der Gegend als Option besprochen. Je nach Lust und Laune.

Zu Mittag wird der Südwind etwas stärker. Die Wellen plätschern am Heck, das Boot bewegt sich ein wenig auf und ab aber das ist es schon. Laut Prognose soll es nicht schlimmer werden.

Um 18:30h kommt Michael. Wir gehen zur Taverna Tasos in Schinunta, essen. Ist gut und günstig und wir plaudern wieder angenehm auf gleicher Wellenlänge. Seine Erfahrungen mit Bootsfahren in Griechenland und Arbeiten mit Apple Computern sind praktisch deckungsgleich mit den meinigen.
Das Tasos hat den letzten Tag in dieser Saison offen und wir sind auch die einzigen Gäste.

09.10.2021 Samstag
Astypálea / O. Maltezana
Wieder ziemlich bewölkt und leichter Südwind. Am Donnerstag/Freitag soll es kräftigen Südwind geben. Ich überlege, wohin ich mich verdrücken soll, denn da wird es hier mehr als ungemütlich werden. Der Dienstag scheint ein guter Tag sein, um Richtung Ost mit Westwind zu fahren. Bis dahin Flaute oder so wie jetzt. Ich beschließe, nach Nisyros Pali zu fahren. Dort kann der Südwind blasen so viel er will.

Ich mache einen Spaziergang auf einem Pfad entlang der Küste Richtung Ost, bis ich zu einem Gatter komme, dessen gute Verschnürung ich nicht aufmachen will. Auf dem Rückweg kehre ich bei Ilias und Irini (so heißt Kolme Kalaa eigentlich) auf ein Bier ein. Als ich aufbreche, komme ich mit Henning ins Gespräch. Er ist ein siebzigjähriger Deutscher aus Hamburg mit Wurzeln aus Baden bei Wien und war auch schon oft in Finnland. Nun lebt er mit seiner griechischen Frau und seinem Teenagersohn auf Astypalea in der Chora.

Am Steg hat ein winziges 9m Segelboot „Charleen“zwischen Möömeid und Kiruli angelegt. Der kleine Fetzen am Achterstag sieht aus wie eine österreichische Flagge. Ich frage den Skipper, der gerade sein Schlauchboot aufpumpt, ob das wirklich eine ist. Ist es und der vielleicht 45 jährige stämmige Skipper mit Glatzkopf ist der Reini aus Nussdorf in Wien, der mit seiner hageren griechischen Freundin aus Thessasloniki seit Mitte Juli unterwegs ist.

Es gefällt mir, mit den Leuten hier zu quasseln.

An der Snackbar zwischen Minimarket Katerina und Café Maltezos bin ich bisher immer vorbei gegangen, weil das Lokal immer sehr leer ausgesehen hat. Obwohl diesmal auch, gehe ich hinein und werde positiv überrascht. Der Club Sandwich ist köstlich und mit den Pommes voll ausreichend als Abendessen. Während ich darauf warte und dann esse kann ich mir im Fernsehen eine total blödsinnige Castingshow ansehen. Es geht um die Bewertung von extrem kurzen miserablen Gesangsdarbietungen, die dann elendslang besprochen werden. Aber sämtliche Damen sind sehr hübsch.

Zurück auf dem Boot lösen Martin und ich schwierige Kreuzworträtsel per TeamViewer und FaceTime bis spät in die Nacht.

Fotos:

2021-10-09 Astypalea Maltezana Boote auf dem Strand
Astypalea Maltezana Boote auf dem Strand
2021-10-09 Astypalea Schinunta Restaurant Astakoukos hat geschlossen
Astypalea Schinunta Restaurant Astakoukos hat geschlossen
2021-10-09 Astypalea Schinunta Bootsabstellplatz
Astypalea Schinunta Bootsabstellplatz
2021-10-09 Astypalea Schinunta Auto- und Bootsabstellplatz
Astypalea Schinunta Auto- und Bootsabstellplatz
2021-10-09 Astypalea einsame Blütenstaude
Astypalea einsame Blütenstaude
2021-10-09 Astypalea Schinunta wo die Boote für den Stellplatz aus dem Wasser gezogen werden
Astypalea Schinunta wo die Boote für den Stellplatz aus dem Wasser gezogen werden
2021-10-09 Astypalea Taverna von Ilias und Irini (Kolme Kalaa) hat noch offen
Astypalea Taverna von Ilias und Irini (Kolme Kalaa) hat noch offen

Video: Berghang wird nicht gesprengt, sondern mit dem Bagger abgetragen:

10.10.2021 Sonntag
Astypálea / O. Maltezana
Heute ist der mit Abstand schönste Tag seit sehr langer Zeit, wenn nicht sogar der ganzen Saison bisher. 28°C im Schatten, 25°C im Wasser und nur ein Windhauch. Auf den Gedanken, die langen Hosen wie in den Tagen zuvor anzuziehen, komme ich gar nicht. Dafür umso öfter, ins Wasser zu hupfen. Mit einem Schwamm schwimme ich ums Boot herum und wische den inzwischen entstandenen Bewuchs vor allem an der Wasserlinie aber halt auch so weit ich ohne zu tauchen reiche weg.

Um 18:30 gehe mit dem Uli Kühn zu den 7 Sternen hinauf. Wieder nur ein Tisch mit den eigenen Leuten besetzt. Wir essen und plaudern gut und dürfen heiße 29,80 für alles zusammen bezahlen. Dann kommt die lustige Wirtin, die weniger Englisch spricht als ich Griechisch, noch mit zwei Bechern Joghurt mit Honig und einem Ouzaki daher.

Der Abend auf dem Boot ist genau so windstill wie der Morgen. Man hört in der Ferne Zikadengesang, gelegentlich einen Fisch plätschern, selten ein Motorgeräusch und das wars schon – wunderbar.

11.10.2021 Montag
Astypálea / O. Maltezana
Die absolute Windstille hat auch Nachteile: Mücken! Ganz kleine, die man nicht hört außer direkt am Ohr, die man kaum sieht, die man aber spürt. Nämlich nachdem sie zugestochen haben. Um zwei Uhr wache ich von einem furchtbar juckenden linken Unterarm auf. Drei Pusteln zeugen vom Fressplatz der kleinen Biester. Ich schmiere mit Fenistil und sprühe die Kajüte mit Mückenspray aus. Aber an Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Zweieinhalb Stunden später sind die Pusteln weg und die Kajütenmücken wohl tot. Und ich falle todmüde ins Bett.

Der Tag ist irgendwie unheimlich, fast dauernd bewölkt und es regnet zwei Mal kurz. Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm und das dürfte nicht ganz falsch sein. Obwohl der Wind morgen erst in der Früh anspringen soll und da noch nicht wirklich heftig. Dafür soll es morgen ordentlich regnen. Ich studiere die Prognosen mehrmals und bleibe bei meiner Entscheidung, morgen bei Sonnenaufgang nach Nisyros aufzubrechen.

Uli verlegt sein Boot an die andere Seite der Pier, damit es bei dem zu erwartenden Wind besser liegt. Ich helfe ihm m it den Leinen dabei.

Und ich ziehe das Boot ans Ende der Pier, damit ich morgen in jedem Fall problemlos ablegen kann. Uli kommt sich von mir verabschieden und beteuert, dass er sich freut, mich kennen gelernt zu haben. Beruht zu 90% auf Gegenseitigkeit.

Kurz nach Sonnenuntergang gehe ich zur Katarinas Minimarket und kaufe ein wenig ein und dann in die Snackbar auf ein wieder köstliches Club Sandwich. Dann noch die Vervollständigung der neuen LAUFEN Preislistendatenbankprogrammierung, mit der ich schon den ganzen Tag beschäftigt bin, und ein Bad im mittlerweile wieder fast spiegelglattem Meer bevor ich schlafen gehe. Und heute spraye ich vorher die Mücken aus der Kajüte und schmiere mich mit S-quito ein.

12.10.2021 Dienstag
07:36 Astypálea / O. Maltezana Karte Abfahrt
13:56 Nisyros / Páli Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 06:20 Strecke: 43 Seemeilen Ø Fahrt: 6,8 Knoten

Nach einem Morgenbad im immer noch spiegelglatten aber nicht ganz sauberen Wasser starte ich nach 14 Tagen wieder die Motoren. Die Solarpaneele haben bestens ausgereicht, um die Batterien zu laden obwohl ich viel mit dem großen Bildschirm gearbeitet habe.
Diesen Platz an der Fischerpier werde ich mir merken und sicherlich wieder anlaufen. Absolut sympathisch alles hier bis auf die Mücken.

Der Wind hält sich gut an die Prognosen und schiebt das Boot ordetlich mit, allerdings erst in der letzten Stunde so stark, dass es sich lohnen würde, die Genua auszurollen. Bin dafür aber zu faul.

In Pali ergattere ich meinen Wunschplatz für die kommenden Windverhältnisse: Längsseits am Wellenbrecher ganz innen knapp vor den Booten der Einheimischen mit dem Bug nach West. Da kann mir kein missglücktes Ankermanöver eines Charterbootes was anhaben. Von denen gibt es hier viele.

Vor dem Schlafengehen kontrolliere ich die Festmacherleinen und entdecke dabei, dass irgendwas zwischen Boot und Kai schwimmt. Mit dem Bootshaken hole ich einen richtig fetten Fender herauf, sogar in einer Fendersocke. Da hat wohl, wer den Fenderknoten falsch gemacht. Als herrenloses Treibgut betrachte ich diesen Fund jetzt als mein Eigentum. Muss halt irgend ein Charterer (vermutlich) den Fenderverlust bezahlen, schätze so um die 70 Euro.

13.10.2021 Mittwoch
Nisyros / Páli
Es ist fast komplett windstill den ganzen Tag. Ich kann die Umprogrammierung der LAUFEN Produkt- und Preisdatenbank fertig stellen. Die ist jetzt dafür vorbereitet, die kommenden neuen Artikelnummern für die Armaturenartikel aus einer Konvertierungstabelle zu empfangen, bearbeiten und eine Suchen-Ersetzen-Liste für ein InDesign Script auszuspucken. 25 Stunden und 29 Minuten habe ich insgesamt dafür benötigt.

Um 17 Uhr kommt die Hafentante die Gebühr kassieren. Ganze 40 Euro darf ich für fünf Tage hinblättern! Naja, bisher nirgends Hafengebühr bezahlt und in der Kos Marina würde ein einziger Tag mehr kosten.
Sie meint auch, dass ich morgen entweder das Boot per Anker hinstellen oder einen anderen Längsseitsplatz an der Ostpier nehmen müsse. Denn es wird erwartet, dass der Hafen voll wird. Die Charterboote müssen meistens am Freitag Abend in Kos sein und am Donnerstag ist das hier ein sehr beliebter Platz. Insbesondere, wenn – wie jetzt – am Freitag Südsturm erwartet wird.
Es sind wirklich viele Charterboote noch unterwegs und auffallend viele riesige Katamarane. 6 solche „Häuser“ zähle ich am Abend. Die sind wirklich grottenhässlich.

Strom und Wasser würden extra kosten. Aber ich denke, dass 40 Euro eh schon genug ist und am Abend schließe ich den Landstrom an, um die Batterien über Nacht wieder mal ganz voll zu laden und fülle auch die Wassertanks auf. Auf der anderen Hafenseite ginge das nicht, denn dort gibt es jetzt neue Versorgungssäulen, die nur mit einer Chipkarte funktionieren.

2021-10-13 Nisyros Pali Blodughadda am Wellenbrecher längsseits
Nisyros Pali Blodughadda am Wellenbrecher längsseits

14.10.2021 Donnerstag
Nisyros / Páli
Pali ist wirklich gut für Bootstouristen ausgestattet. Drei der vier Auto- und Mopedverleiher bieten auch Duschen und Wäscheservice an. Ich bringe zwei Lidlsäcke mit Wäsche zu Petastra. Ganz stolz zeigt er mir seine zwei extrem eleganten Badezimmer. Werde mir eine Luxuswarmdusche am Nachmittag gönnen.

Als der Längsseitsplatz an der Ostpier um 10:20h frei wird, fahre ich dorthin. Gerade als ich angelegt habe, kommt die Hafentante und sagt, dass ich doch nicht hier bleiben kann. Das Verbindungsboot würde den Platz brauchen. Denn bei Südsturm legt es hier und nicht in Mandraki an, hat ihr die Hafenpolizei in Mandraki gesagt. Ich solle den besten Platz für die zu erwartenden Winde nehmen, nämlich per Anker am Kai direkt vor der Taverna Salonikios. Mache ich. Der Petastra (oder wie immer er heißt) hilft mit den Leinen bei beiden Anlegemanövern – sehr nett von ihm.
Vom Südsturm ist noch nichts zu bemerken. Es ist die absolute Ruhe vor dem Sturm.

Um ca. 13h klopft wer an der Passarella. Es ist der Skipper der finnischen Yacht Sea Diana, die etwas weiter geparkt ist. Er und seine drei Crewmitglieder gehen ins Salonikios essen. Ich folge ihnen und unterhalte mich sehr angenehm mit den vier Herren auf meinem mittlerweile sehr verbesserten Finnisch.

Am Nachmittag legt das Verbindungsboot an. Es ist aber nicht die Joy Star, die nach Kos fährt, sondern Antonios (männlicher Name = Arbeitsboot), das Boot mit dem die Arbeiter nach Gyali gebracht werden. Es hätte schon noch Platz vor der Blodughadda gehabt.

Ich gehe zu Petastra duschen. Die Wäsche ist auch schon fertig. Zwei Maschinen á 10 Euro + 3 fürs Duschen darf ich bezahlen. Der Stavros, so heißt der Petastra Mann, besteht darauf, die Wäsche mit dem Moped zum Boot zu bringen, weil sie so schwer ist, meint er. Offenbar mache ich schon einen alten und schwachen Eindruck auf die jungen Leute.

Der Käptn erzählt mir am Abend, dass alle Bewohner von Nisyros gratis mit der Joy Star nach Kos fahren können, weshalb viele das auch im Winter machen, morgens hin, abends retour. Sein Sohn ist der Kapitän so wie er früher auf der Panagia Spiliani war.

15.10.2021 Freitag
Nisyros / Páli
Um 6h wache ich von Blitz und Donner auf. 45 Minuten später fängt der Regen an. Kurz vor Sonnenaufgang um 7:15h kommt das Gewitter so richtig in Fahrt. Es blitzt und donnert rundherum und der Regen ist fast lauter als der Donner. Ich schalte die ganze Elektrik an Bord aus. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass der Blitz einschlägt. Und wenn ist es unsicher, ob das dann was hilft. Aber schaden kann es jedenfalls nicht.
Laut www.windy.com soll es zu Mittag aufklaren und dann der Südostwind auf bis zu 38 Knoten zunehmen.
Als ich vor fünf Tagen auf Astypalea überlegte, wohin ich fahren könnte, war das Wetter bereits genau so vorhergesagt, das ist schon erstaunlich.

Um 8:20h dürfte das Gewitter vorbei sein, der Regen wird schwächer, der Wind stärker.

9:40h: Die Sonne zeigt sich wieder, der Wind ist ganz schwach. Also doch nicht genau so wie in der Vorhersage. Mittlerweile habe ich das Cockpit mit dem Wettextuch vom nassen Staub befreit. Die große Bootwaschaktion werde ich erst in Kefalos mit dem Gratiswasser machen.

11:42h: Wieder total bewölkt, der Wind nimmt kräftig zu, derzeit max. 27,9 Kn.

17h: Die Sonne findet gelegentlich den Weg durch die Wolken. Der ganz arge Wind ist ausgeblieben – max 32,1 kn. Jetzt ist kaum noch Wind.

Am Abend mache ich einen Spaziergang und sehe am Nordhimmel Blitze in Sekundentakt, höre aber kein Donnern. Dann esse ich Bohnensuppe beim Käptn.

16.10.2021 Samstag
Nisyros / Páli
Der Wind ist komplett weg. Alle Charterboote sind auch komplett weg. Nur noch vier Segelboote im Hafen.
Statt diesen aber Regen, immer wieder und auch sehr ergiebig. Bin ich jetzt in Finnland? Na eher nicht, die Außentemperatur beträgt immerhin noch 21°C.
Korrektur um 17:15h: 18°C

Die Arbeit mit dem großen Bildschirm hat viel Saft aus der Batterie gezogen, den die Solarpaneele nicht ersetzen konnten, zu bewölkt der Himmel heute. Ich muss also wieder Strom aus einer alten Versorgungssäule stehlen. Die 50-Meter Kabeltrommel ist dafür ideal geeignet.

17.10.2021 Sonntag
12:57 Nisyros / Páli Karte
13:40 Gyali / Strand Karte
Zeit unterwegs: 00:43 Strecke: 3,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten

Nach Arbeitsmorgen und dann Frühstück beim Käptn fahre ich nach Gyali. Die Geräusche vom Bimsabbau stören mich nicht (die arbeiten auch am Sonntag, die spinnen ebenfalls die Griechen!), sondern genieße die Einsamkeit als einziges Boot, die herrliche Aussicht und die Möglichkeit, endlich wieder unbeschwert nackt schwimmen zu können. 25°C im Wasser, 22 an den Mastspitze, 27 im Cockpit. Dazu ein sanfter Wind und ein gestochen scharfer Horizont mit ein paar Wölkchen darüber. So habe ich mir den Herbst vorgestellt.

Mit einem Schwamm tunke ich das gestrige Regenwasser aus dem Schlauchboot auf (habe ich Freitag Abend auch schon gemacht) und staune nicht schlecht: Das gelbgrüne Abwaschschaffl wird randvoll! Weil es mich interessiert, messe ich nach: 14 Liter auf einer Fläche von 1,65 x 0,9 m (Innenmaße des Schlauchis in etwa) macht 9,43 Liter oder mm per m2. Das ist 3,1% der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge in Abisko. Was natürlich nicht extrem wichtig ist.

Um 17:51h werden die Maschinen beim Bimsabbau ausgeschaltet und das Boot Antonios dampft herbei. Fünf Männer in grünem Arbeitsgewand und eine Frau steigen an Bord. Die Männer kommen mit einem Auto, die Frau zu Fuß… Um 17:59 sind sie schon Richtung Nisyros unterwegs.

In Pali habe ich noch ein paar Aufnahmen gemacht und auch ein Video von den modernsten Mistkübeln Griechenlands:

2021-10-17 Nisyros Pali
Nisyros Pali
2021-10-17 Nisyros Pali
Nisyros Pali

18.10.2021 Montag
09:20 Gyali / Strand Karte Abfahrt
11:15 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:55 Strecke: 10,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten

Bevor der Nordwind stärker werden soll, fahre ich los. Es geht auch gut bei 13-15 kn schräg gegenan.
In Kefalos probiere ich einen neuen Ankerplatz direkt außerhalb von Manolis Car Rental. Dort will ich ja das Paket mit dem neuen Wechselrichter abholen sobald es angekommen ist. Am 7.10. ist es laut DHL Sendungsverfolgung in Griechenland angekommen. Dürfte mit einem Ruderboot von Athen hierher gebracht werden.

Kaum geankert wird der Wind auch schon stärker. Bei 20°C fühlt er sich auch ganz schön kalt an. Das Meer hat aber immer noch 25°C, aber der Drang hineinzuhupfen hält sich in Grenzen. Es sind aber immer noch viele Windsurfer unterwegs.

Noch vor Sonnenuntergang fahre ich zum Strand. Die langen Hosen bis zum Knie hochgekrempelt geht es bestens aus dem Schlauchi auszusteigen. Seit Astypalea habe ich keinen längeren Spaziergang gemacht. Das hole ich jetzt nach und gehe dann ins Santa Barbara essen. Die Lokale haben alle noch geöffnet aber kaum Gäste. Romos schätzt, dass ca. 300 Touristen derzeit in Kefalos sind, aber die verteilen sich natürlich auf die zahlreichen Lokale. Er wird seines Ende der Woche für die Saison dicht machen.

19.10.2021 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Seit einigen Tagen schon benütze ich den vom Sakari gelernten Trick, wie man das Tankwasser zu Trinkwasser machen kann: Durch ein Aktivkohlefilter. Seine Konstruktion mit separatem Wasserhahn dafür kann ich nicht machen. Ist auch nicht notwendig. Es geht supereinfach mit einem Schlauch vom Wasserhahn im Nassraum direkt in eine leere Wasserflasche. Das Wasser schmeckt auch genau so wie das in Plastikflaschen gekaufte. Also nix mehr Wasserflaschen schleppen und die Umwelt mit dem Müll belasten.

Die Sonne scheint auf einem wolkenlosen Himmel und der Wind weht aus NW mit 20 bis 30 Knoten. Fast wie im Hochsommer, nur 10 Grad kälter, weil die Sonne tiefer steht und kürzer scheint. Für einen Land- oder Inselurlaub eh gut, aber auf dem Boot ist es mir wirklich schon zu kühl. Würde sich zumindest der blöde Wind beruhigen, könnte ich mit Genuss schwimmen und draußen sitzen, wie am Sonntag.

Beim Club-Sandwich im Windschatten der Bravo-Bar war es nachmittags eh gut. Naja, am Donnerstag soll der Wind weniger werden und Freitag – Samstag nur ganz schwach sein.

2021-10-19 Blodughadda Tankwasser durch Aktivkohlefilter zu Trinkwasser in die leere Plastikflasche
Blodughadda Tankwasser durch Aktivkohlefilter zu Trinkwasser in die leere Plastikflasche
2021-10-19 Kos Kefalos Club-Sandwich in der Bravo Bar, ganz hinten die Blodughadda
Kos Kefalos Club-Sandwich in der Bravo Bar, ganz hinten die Blodughadda

20.10.2021 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
Mit dem Wechselrichter habe ich kein Glück. Heute schrieb ich an SVB in Bremen:

„Dieser Versand ist leider misslungen. Laut Sendungsverfolgung: Am 6.10. hat das Paket SVB verlassen. 13 Tage später, also gestern am 19.10. erschien (endlich) die Meldung, dass es in Athen einem „third party agent“ (an wen?) übergeben wurde und voraussichtlich erst am 1.11. zugestellt wird, also wieder 13 Tage später!!! Siehe Screenshots.

Das ist ein Problem, denn am 25.10. verlasse ich Kos und weiß nicht, wann ich wiederkommen werde. Manolis Car Rental wird also die Annahme des Paketes ablehnen, damit es zu Ihnen zurück gesendet wird. 26 Tage Postweg muss man wirklich nicht akzeptieren (außer in Timbuktu vielleicht). Alle Pakete von Ihnen per DHL nach Griechenland kamen bisher immer spätestens nach 14 Tagen an (das wäre heute). Deshalb habe ich auch Manolis Car Rental als Empfängeradresse angegeben und bin extra nach Kos Kefalos gesegelt, um es dort abzuholen. Dass ich ziemlich sauer bin, brauche ich nicht extra erwähnen.“

Naja, deswegen extra ist nicht wahr. Aber etwas übertreiben darf man ja.

Heute zum ersten Mal seit fünf Monaten Socken auf den Füßen. Fühlt sich seltsam aber gut an.

2021-10-20 Sendungsverfolgung DHL Deutschland
Sendungsverfolgung DHL Deutschland
2021-10-20 Sendungsverfolgung DHL Griechenland
Sendungsverfolgung DHL Griechenland

21.10.2021 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
Endlich wieder ein Tag ohne starken Wind. Es ist gleich ganz sommerlich und ich kann in Badehosen und ohne Socken überleben.
Viel Arbeit.

22.10.2021 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Ein Wunder geschieht: Marja-Riitta von Manolis Car Rental ruft um 12:57h an und teilt mit, dass mein Paket geliefert wurde. Eine Stunde später hole ich es ab.
Wenn ich schon an Land bin, denke ich, dass ich was essen könnte und steuere das mit Beate als gut befundene Restaurant Hippokrates an. Hat für die Saison aber schon geschlossen. Also setze ich mich ins Antonios auf der anderen Seite der Straße am Strand. Der Souvlaki ist zwar gut und sehr eindrucksvoll auf einem Metallspieß auf einem Gestell auf einer Holzplatte serviert aber mit 15,95 Euro komplett überteuert. Es ist überhaupt ein arges Touristennepplokal. Die Deppen an den Nachbartischen fotografieren den malerischen Spieß begeistert mit ihren Smartphones. Hätte ich am davor parkenden Autobus eigentlich schnallen können. Also nie wieder dieses Lokal!

Zurück auf dem Boot packe ich zwar den Wechselrichter aus, schließe ihn aber noch nicht an, weil ich vor lauter Arbeit dafür keine Zeit habe.

23.10.2021 Samstag
14:45 Kos / Kefalos, Kamari Karte Anker auf
14:58 Kos / Kefalos, Kamari Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 00:13 Strecke: ,6 Seemeilen Ø Fahrt: 2,8 Knoten

Offenbar, weil ich mitgeteilt hatte, dass ich kommende Woche weniger Zeit für die Preislistenarbeit haben werde, haben sie mich gestern voll eingedeckt. Ich arbeite den ganzen Tag bei herrlichem Wetter drinnen am Salontisch mit zwei Unterbrechnungen. Um die Mittagszeit brauche ich eine Bildschirmpause. Die nütze ich, um das Boot innen zu ordnen und zu putzen. Als ich beobachte, dass die Taxiarchis, die seit gestern Sand oder dergleichen auf herbeieilende LKWs geladen hat, den Hafen verlässt, beschließe ich zum bewährten Platz neben dem Wasserhahn zu fahren. Vorher tut ein Meeresbad mit Körperwasch gut.
Als ich den Anker mit der Winde lichte, hört diese schon wieder wie auf Astypalea plötzlich auf zu funktionieren. Diesmal aber bei noch etwa 10 m Kette draußen. Ich probiere die Kette manuell zu ziehen. Zu zweit ginge das schon.
Mir kommt der Verdacht, dass der Lidl-Wechselrichter, der an demselben Pluspol wie die Ankerwinde angeschlossen ist, eine Rolle spielen könnte. Und tatsächlich, der Wechselrichter ist wie auch zuletzt außer Funktion und als ich ihn vom Strom trenne, geht die Winde wieder. Das soll irgendwer verstehen!

Kaum angelegt, schließe ich den Strom an der 60 m entfernten Versorgungssäule an. Dass ich hier nicht früher auf diese Idee gekommen bin! Kabellängen gibt es ja eh genug an Bord. Wegen der vielen Bildschirmarbeit ist die Hauptbatterie nur mehr halbleer, obwohl ich gestern Abend den Motor zwei Stunden lang laufen ließ.
Dann natürlich Wassertanks auffüllen. Es fehlen nur 127 Liter im großen Tank. Also ca. 11,5 l per Tag verbraucht. Den Bootwasch hebe ich für morgen auf und gehe ins Cavos ein Gyros essen. Danach wieder Arbeit bis ich um 22:24h alles abgearbeitet habe und entsprechend müde in die Koje falle.

24.10.2021 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari
Boot- und Schlauchboot waschen. Letzteres wieder ein Vergnügen auf dem Kai mit dem Hochstellschmäh und dem superen Reinigungsmittel. Ersteres mühsam hinsichtlich der grauen Schuhsohlenabdrücke auf dem Stbd-Deck, die Michael in Maltezana hinterlassen hat. Hätte ich doch sofort wegwischen sollen. Jetzt waren sie quasi eingebrannt.
Wirklich mühsam ist die Reinigung der Windschutzscheibe. Seit ich sie vor einem Monat vom Segelmacher mit neuem Klarsichtplastik bekam und montierte habe ich sie nicht berührt und es kam auch kein Spritzwasser drauf, Regenwasser schon. In einem Monat hat sich darauf so viel Staub angesammelt, dass man nur mehr wenig durch die Scheibe sieht. Mehrere Durchgänge sind notwendig, um beide Seiten mit Wasser, Schwamm, Gummilippe und Mikrofasertuch zu behandeln.

Um 12:35h gehe ich los, um das bei Manolis bestellte Leihauto abzuholen. Nach einem Sandwich in der Faros Taverna fahre ich hinauf zum Kefalos Ort. Gehe dort eine Runde durch die eigentlich ganz netten schmalen verwinkelten Gassen mit überraschenderweise vielen schönen modernen Wohnhäusern. Im netten Kafenion To Ethniko trinke ich einen Nescafé.
Dann habe ich noch Zeit, bis das Flugzeug von Johan landen wird, die ich in einem Café in Kardámena verbringe. Hier noch totale Sommerurlaubsstimmung und jede Menge englische Touristen, unglaublich dick, furchtbar gekleidet und tätoviert.

Am Flughafen finde ich mit Mühe einen nicht offiziellen Parkplatz und gehe zur Ankunftshalle.

2 Kommentare (Öffnen | Schließen)

2 Kommentare Empfänger "2021-09-14 Arbeitsherbst"

#1 Kommentar Von Heinrich am 2021-09-25 um 7:40 Uhr

Hi Tom,

Tankkikorkki – finde ich genial. Absolut treffend für Deutschsprechende.
Alles Gute und noch schöne Tage !
Liebe Grüße Heinrich !

#2 Kommentar Von Tom am 2021-09-29 um 16:56 Uhr

Danke! Die Tage sind schön aber nicht mehr wirklich Badewetter.