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2014-08-07 Astypalea

Aktualisierung 20.08.2018 01:44:21 Anzahl Tage: 21
07.08.2014 Kos Süd / O. Kamári (Kefalos) – Astypálea / O. Livadia
08.08.2014 Astypálea / O. Livadia
09.08.2014 Astypálea / O. Livadia
10.08.2014 Astypálea / O. Livadia
11.08.2014 Astypálea / O. Livadia
12.08.2014 Astypálea / O. Livadia
13.08.2014 Astypálea / O. Livadia – Astypálea / O. Schinunta
14.08.2014 Astypálea / O. Schinunta
15.08.2014 Astypálea / O. Schinunta – Astypálea / O. Skala (Hafen)
16.08.2014 Astypálea / O. Skala (Hafen) – Astypálea / O. Livadia
17.08.2014 Astypálea / O. Livadia
18.08.2014 Astypálea / O. Livadia
19.08.2014 Astypálea / O. Livadia
20.08.2014 Astypálea / O. Livadia – Léros / O. Xirókampos
21.08.2014 Léros / O. Xirókampos
22.08.2014 Léros / O. Xirókampos – Arkí / Tiganáki
23.08.2014 Arkí / Tiganáki – Arkí / O. Stenó
24.08.2014 Arkí / O. Stenó – Lipsi / Hafen – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
25.08.2014 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Kálymnos / O. Vlychádia
26.08.2014 Kálymnos / O. Vlychádia
27.08.2014 Kálymnos / O. Vlychádia – Kos Süd / O. Kamári (Kefalos)

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 27:26 Strecke: 176 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


07.08.2014 Donnerstag
10:57 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
16:13 Astypálea / O. Livadia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:16 Strecke: 35,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Andrea fährt mit dem Taxi ab. Wir mit dem Schlauchi zurück zum Boot. Wir essen Packerlnudeln und Avocado-Karottensalat. Mit dem Fissler Finecut Obst- und Gemüseschneider lässt sich so eine Komposition perfekt zerhäckseln.
Wie mit Vasilis, den wir hier vor einer Woche kennen gelernt haben, ausgemacht, treffe ich mich mit ihm nach seinem Dienst am Flughafen um 23:30h in Santa Barbara. Wir reden und diskutieren zwei Stunden lang. Dann fahre ich mit dem klitschnassen Schlauchboot zurück. Bei Windstille ersetzt der Tau den Regen.

Um 8 in der Früh nutze ich den Tau, um die aufgeweichten Insektenkackepunkterln, oder was auch immer das ist, vom Deck abzubürsten. Das geht gut im Gegensatz zu den bisherigen Versuchen. Dann Mist wegführen, Brot einkaufen, frühstücken, schwimmen und abfahren.

Außerhalb von Kos gibt es ein wenig Wind aus NW sodass wir eine Zeitlang mit der Genua motorsegeln können. Der Wind dreht dann auf W mit ca. 5 Knoten und ich rolle die Genua weg. Windprognose also wieder richtig.

Doch nicht ganz. Einige Seemeilen vor Astypalea frischt der Wind wieder auf 15 Knoten auf. In Livadia ist er wieder fast weg. Wir ankern diesmal an der Südseite der Bucht, um etwas weiter weg von der Straße zu sein. Die Luxusyacht Sagitta ankert weit draußen, sonst nur ein Segelboot hier. Aber bald darauf kommen drei auf ein Mal. Und was machen Sie? – sie ankern unmittelbar links und rechts und hinter uns. Dabei wäre weiter weg genügend Platz auf bestem Ankergrund. Letztes Mal war es genau so, nur eben an unserem Stammplatz im Nordteil der Bucht. Die Blodughadda ist halt sehr attraktiv.


08.08.2014 Freitag
Astypálea / O. Livadia
Beate liest und arbeitet am Computer. Das WLAN der Strandbar Mojito ist bestens brauchbar. Kommt selten vor.

Ich beobachte Woken:

und ärgere mich über die Schlauchbootmisäre. Nach Recherchen im Internet erfahre ich, dass ein Schlauchboot nur in einem klimatisierten Raum erfolgreich repariert werden kann, mit höchstens 40% relativer Luftfeuchtigkeit und max 25°C Temperatur. Sonst zieht der Klebstoff Wasser an und hält nicht. Also keine Chance unter freiem Himmel hier und jetzt oder sonst wo.

Die Nachbarboote werden ausgewechselt. Der Schoner Blue Lion mit finnischer Flagge ist ein seltenes Exemplar. Ob das Boot wirklich was mit Finnland zu tun hat, kann ich nicht recherchieren:

Ich pumpe das Schauchboot auf, damit wir essen fahren können. Nach einem kurzen Spaziergang und ein paar Einkäufen essen wir wieder Tabuleh und den herrlichen Roten Rübensalat in der Krokodil-Taverna. Dabei beobachten wir die Ankunft einer riesigen Zweimast-Yacht. Blodughadda und die übrigen 3 Boote sehen richtig putzig aus daneben.

Auf der Fahrt zurück machen wir einen Bogen zum Riesen, um zu sehen, was da eigentlich angekommen ist. Es ist die Yacht Regina


09.08.2014 Samstag
Astypálea / O. Livadia
Der Nordwestwind beginnt in der Nacht wie vorhergesagt. Soll noch zumindest bis Montag so bleiben. Wir bleiben auf dem Boot. Abends gibt es ein gutes Omelett und dann Fernsehen aus der Konserve.


10.08.2014 Sonntag
Astypálea / O. Livadia
Schlecht geschlafen. Der Wind ist so laut.
Beate bekommt eine Krise: Nur noch ein ungelesenes Buch auf ihrem E-Reader. Ich bekomme eine Krise: Der Sony E-Reader ist mit ihrem alten Computer, aber nicht mit ihrem neuen MacBook Air gekoppelt. Das ergibt einen Konflikt mit dem DRM (Digital Rights Management) der gekauften Bücher. Den ganzen Tag versuche ich, den Reader mit ihrem MacBook so zu koppeln, wie es bei ihrem alten MacBook war. Es gelingt aber nicht. Die frisch geladene Sony-Software meldet einen Fehler für den Sony E-Book Reader. Die Adobe Digital Editions erkennt ihn nicht. Und Calibre erkennt einen Konflikt mit dem DRM-Schutz. Nach sieben Stunden! gebe ich es auf, das neu erworbene Billigst-Testbuch auf den Sony E-Reader lesbar zu machen. Dabei bin ich in diesen Dingen nicht der Blödeste. Die Reader Library-Software für den Sony PRS 350 ist so grottenschlecht, dass ich mir geschworen habe, nie wieder ein Sony-Produkt zu kaufen.
Hingegen: Mit dem App iBooks auf dem iPad lassen sich Bücher kaufen und absolut problemlos lesen. Das dauert keine 5 Minuten inklusive Download. So soll es sein. Hoch lebe Apple!

Pünktlich um 18h legt sich der Wind und ich hupfe erstmals ins Wasser. Beate hat es schon zwei Mal gemacht und sich darüber beklagt, dass es ungemütlich ist. Das Wasser fliegt ins Gesicht und man treibt schnell ab. Erinnerungen ans Vorjahr kommen auf, als wir drei Wochen hindurch solchen Wind hatten. Heuer waren es die ersten zwei Tage.

Die Motoren dürfen die Batterien aufladen bevor wir zum Abendessen fahren.

Apropos grottenschlecht: Wir gehen ins Mojito, das eleganteste Lokal am Strand mit dem tollen WLAN Netzwerk. Einerseits, weil eine gewisse Verpflichtung aus der Nutzung des Netzwerkes spürbar ist, andererseits, um das neue Passwort zu ergattern (mojitoverde). Ungefähr gleich viele Gäste wie Kellner vorhanden. Trotzdem gelingt es uns nicht, einen davon für uns zu interessieren, nachdem wir die Erstbestellung erhalten haben. Wir sind anscheinend Luft, lassen daher das Geld auf dem Tisch liegen und gehen, nachdem wir eine Zeitlang die gar nicht so schlechte Live-Gesangsdarbietung des griechischen Duos trocken und deswegen frustriert angehört haben. Dem ungelernten Personal aus Albanien oder Bulgarien mache ich keinen Vorwurf. Aber der Chef muss ein Volltrottel sein. Investiert eine Menge in die Lokalausstattung aber nichts ins Personal. Er wird trotz der relativ hohen Preise pleite gehen. Das mieseste Beisl in Wien hat eine um Klassen bessere Bedienung. Leider kein Einzelfall in Griechenland sondern die Regel. Ich bin sicher, das hiesige Bruttoinlandsprodukt könnte um 20% gesteigert werden, würde das Tourismusministerium eine Verordnung erlassen, dass mindestens alle 30 Minuten nachgefragt werden muss, ob es noch was sein darf.
Das hat die Troika noch nicht geschnallt.


11.08.2014 Montag
Astypálea / O. Livadia
Wir frühstücken im Royal Café und ein Wunder geschieht: Die sonst eher muffig wirkende Kellnerin fragt nach, ob wir noch was haben wollen! Hat sie mein Blogbuch gelesen? Oder die Olga Kefalogianni und sie hat gleich eine Blitzverordnung erlassen. Eher beides nicht, es war nur die berühmte Ausnahme. Natürlich bestelle ich noch einen köstlichen Nescafé.

Am Abend fahren wir mit dem klapprigen Uraltbus zum Hafen Skala in der naiven Hoffnung ein Moped, Auto, Motorrad, was auch immer, morgen, übermorgen, irgendwann in dieser Woche mieten zu können. Wir bekommen aber nichts. Beim Abendessen in der Strandtaverna Akrogiali bekommen wir aber einen herrlichen Minze-Salat und danach Prominenz am Nachbartisch: KHG mit Fiona in illustrer Gesellschaft. Und wir bekommen daher auch noch ein neues Gesprächsthema. Hat sich also doch ausgezahlt, dieser Ausflug.

Für den Heimweg bekommen wir allerdings keines der zwei Taxis der Insel, also gehen wir. Zahlt sich auch aus, denn unterwegs kaufen wir, eigentlich Beate, Leckereien beim Zuckerbäcker ein. Dann, kurz vor Mitternacht, kaufen wir im Supermarkt Gefira einiges ein. Die supernette Greißlerin sagt uns, dass die Marienfeierlichkeiten im Kloster am 14. und 15. August stattfinden werden und wir unbedingt an beiden Tagen hingehen müssen. Das werden wir, zumindest an einem der beiden Tage.

Der Busfahrplan mit Taxihinweis:


12.08.2014 Dienstag
Astypálea / O. Livadia
Wir arbeiten am Computer, lassen die Motoren die leeren Batterien aufladen und lassen uns zwischendurch im Meerwasser abkühlen. Gar kein schlechter Arbeitstag.

Beim Pavlos bestelle ich ein neues Schlauchboot um 600 Euro. Muss natürlich wie alles hierzulande im Voraus bezahlt werden. Und das muss schnell gehen, denn nächste Woche machen alle Firmen Urlaub. Bis zum 30. wird das Boot sicher bei seinem Geschäft in Kos ankommen, sagt er.

Die jährliche Italienerinvasion beginnt. Drei große Motoryachten mit blauem Rumpf und ein ebensolches Segelboot ankern hinter uns, die offenbar alle zusammen gehören. Dazu noch zwei Segelyachten der 30-meterklasse. Ist ja ganz nett anzusehen, aber der abendliche Schlauchbootshuttleservice an uns vorbei zum Ufer und zurück nervt ein wenig. Brumm brumm und dann Wellen.

Ein paar Motoryachten mit über 70m länge, die TV, früher Madsummer und die Axioma, fahren vorbei und ankern in den Nachbarbuchten, wie ich auf marinetraffic.com feststellen kann. Astypalea scheint ein Jetsetinsidertipp zu werden. Vielleicht hat der KHG seine Caprifreunde
zu einem Treffen animiert. Leider kann ich nicht eruieren, mit welcher Yacht er selbst gestern angekommen ist.

Die Live-Band in der Mojito-Bar singt und spielt herzhaft Englishman in New York, What A Wonderful World, Always On My Mind, Take Five und andere ähnlich aktuelle Tophits auf griechisch. Die Musik kommt ganz angenehm daher übers Wasser, aber das hören wir erst als wir unseren Fernsehabend beenden und schlafen wollen.


13.08.2014 Mittwoch
12:40 Astypálea / O. Livadia Karte Abfahrt
13:43 Astypálea / O. Schinunta Karte An Boje
Zeit unterwegs: 01:03 Strecke: 3,5 Seemeilen Ø Fahrt: 3,3 Knoten


Wir bekommen genug vom Luxusmotoryachtbestaunen. Nach dem Abwasch fahren wir in unsere zweite Stammbucht auf Astypalea. Diesmal ankern wir nicht, sondern nehmen die Boje, eigentlich den weißen Plastikkanister mit der verwitterten Aufschrift „MOORING FOR BOATS“. Ein ordentliches Tau ist an einer ordentlichen Kette befestigt, die um einen ordentlich mit Beton gefüllten Kühlschrank gewickelt ist. Dürfte halten.

Wie üblich ist Schinunta ziemlich bootfrei. Nur eine Bahia mit englischer Flagge ankert hier.
Über eine Stunde mache ich Kundenbetreuung per Telefon und Internetfernwartung. Funktioniert wie daheim. Währenddessen kommt noch eine große Segelyacht. Das wars aber schon, abgesehen von ein paar kleinen Motorbooten drinnen in der Bucht.

Am Abend essen wir nach einem kurzen Spaziergang in Astifagia. Wie üblich sehr gut. Das Kebab Special ist köstlich, eigentlich kein Kebab, sondern Cepavcici auf Fladenbrot mit Tomatensoße, Joghhurt und Zwiebel. Die Hauptsaison ist deutlich zu merken. Fast volles Lokal, wie auch in der Nachbartaverna. Die Bedienung dauert ewig und to Logariasmó (die Rechnung) noch länger. Ist aber egal, wir haben Zeit.

Zurück auf dem Boot werde ich nervös. Der neue Inverter hat was. Nach dem Einschalten liefert er ca. 5 Sekunden lang Strom und dann ist es aus. Ich probiere das Ein- und Ausschalten mehrmals immer mit demselben Ergebnis. Anleitung zur Hand, Fehlersuche aufschlagen: Wenn alles grün leuchtet ist kein Fehler vorhanden. Alles leuchtet grün. Ich stecke den Anschluss zum Bordnetz ab und hänge ein normales Verlängerungskabel an. Siehe da, tatsächlich kein Fehler im Inverter. Also muss er irgendwo in der 230V-Verkabelung liegen und ich habe schon einen Verdächtigen, nämlich den 3-Wegeschalter, mit dem man die Stromzufuhr zwischen Landstrom, Inverterstrom und aus schalten kann. Vermutlich Korrosion an einer Klemme.
Jedenfalls bin ich heilfroh, dass der Inverter nicht kaputt ist.

Unsere neuen Nachbarn in Livadia: Tin Tin, der Große und Decompression, der „Kleine“.

Da liegen wir auch gerne mit zwei der besten Tavernen Griechenlands direkt vor der Nase:


14.08.2014 Donnerstag
Astypálea / O. Schinunta
Den Stromfehler finde ich nicht. Er ist gar nicht mehr da. Trotzdem sprühe ich den 3-Wegeschalter kräftig mit Kontaktspray ein. Mit diesem Wundermittel habe ich ja schon vor Jahren auch mein Videocam repariert.

Wieder ein guter Arbeitstag, an dem ich viel weiter bringe. Was zu hohem Stromverbrauch und damit Batterielademotorknattern am Abend führt.

Pavlos mailt, dass das neue Schlauchboot bei ihm angekommen ist. Werde ich aber erst zum Monatsende abholen können. Das Schlauchi darf ich also noch etliche Male aufpumpen. Es sieht wirklich alt aus mit so vielen Falten. Und beim Aufpumpen fällt mir auf, dass der Fußblasebalg kaputt ist. Die Bodenplatte hat einen Riss, aus dem Luft beim Aufpumpen ausströmt. Naja, so kann man zumindest nicht das angeschlagene Schlauchi mit Überdruck strapazieren. Es fällt auch schon länger auf, dass die Trennwände zwischen den Luftkammern im Schlauchi gerissen sein müssen, bzw. deren Nähte. Denn es genügt, an einem Ventil hineinzublasen, um alle Luftkammern zu befüllen. Das könnte wirklich nur ein Profi reparieren.

Es ist schon finster, als wir zum Abendessen ins Astakoukos fahren. Als wir anlanden begrüßen uns Alan und Tina, die vom Essen kommen und die wir schon in Livadia einige Tage als Bootsnachbarn hatten, aber bisher ohne persönlichen Kontakt. Sie leben auf ihrer Oceanis 43 „Whisper“ mit neuseeländischer Flagge. Die Unterredung ist kurz, denn sie wollen nicht wieder in die Taverna. Aber möglicherweise kommen sie morgen mit, wenn wir zum Kirchenfest unterhalb des Kastells gehen.

Der Abend ist absolut windstill. Das bringt nicht nur hohe Luftfeuchtigkeit sondern auch Gelsen, wo es sie gibt. Hier gibt es sie, wie wir früher schmerzhaft erfahren haben. Deshalb schließen wir Luke und Tür zur Kajüte schon bevor der Tatort-Krimi anfängt.


15.08.2014 Freitag
11:23 Astypálea / O. Schinunta Karte Abfahrt
11:46 Astypálea / O. Skala (Hafen) Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 00:23 Strecke: 2,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


In der Nacht tauscht Beate Mückenfreiheit gegen Luftigkeit und legt sich auf die Salonbank. Sie dankt gar nicht daran, dass im Steuerbordbug zwei freie Kajüten wären.

Der Morgen ist immer noch absolut windstill und sehr feucht. Der Morgenschwimm im spiegelblanken Wasser ist herrlich. Laut Windprognose soll erst am Montag Starkwind aufkommen, aber nur für einen Tag.

Um hoffentlich einen Platz im Hafen zu ergattern, legen wir schon früh los. Entgegen unserer Vermutung ist mehr als genug Platz. Ich wende eine neue Anlegemethode an: Lasse mehr als genug Kette hinaus und fahre extrem langsam rückwärts an die Kaimauer. Dann gebe ich ordentlich Gas rückwärts und Beate kann in aller Ruhe übersteigen, die Heckleinen einfädeln und wieder an Bord kommen. Dann nur mehr den Anker spannen und wir liegen richtig. Der unmittelbare Motoryachtnachbar, ein Nichtamerikaner aus Delaware, schaut zu aber denkt nicht daran, zu grüßen oder die Leinen entgegen zu nehmen. Dafür hat er seine Ankerkette so schräg draußen, dass ich sehr aufpassen muss, unseren Anker nicht über seine Kette zu legen. Richtig vorbildliche Seemannschaft!

Das Landstromkabel wird angeschlossen, um endlich die Batterien wieder knallvoll zu bekommen. Der andere Nachbar, der ziemlich alte Riesenkatamaran Jemayka legt ab und hat ein Ankerproblem, weil er den Anker 50 Meter weit fast am gegenseitigen Ufer geworfen hat. Bitte wer braucht bei 4m Tiefe mehr als 20m Kette? Der Kat ist so breit und hoch, dass ein großes Schlauchboot samt Besatzung unten durch fahren kann. Sein Boot gibt es nur ein Mal auf der Welt und die normale Segelfahrt ist 14 Knoten, max. 28, sagt der französische Eigner der grauen Hässlichkeit. Gut so!

Ich gehe auf ein Bier ins Café Dapia. Vorher habe ich Gewissensbisse, weil der Abstand zum Grußmuffelnachbarn immerhin ca. 2 Meter beträgt und ich damit womöglich den Hafenplatz eines Neuankömmlings vereitele. Ich überlege und lege die Leinen so, dass die Blodughadda bei Bedarf auf die eine oder andere Seite verholt werden kann, um Platz zu schaffen. In Dapia sehe ich allerdings, wie die seemännische Kameradschaft aufs Gröbste verletzt wird. Ein mordstrum RIB legt längsseits an und nimmt damit den Platz von 4, wenn nicht 5 Booten weg. Ein gelbes Motorboot liegt schon bei unserer Ankunft längsseits.


Was denken die sich eigentlich? Wahrscheinlich „Hauptsache ich habe einen guten Platz, alles andere ist mir wurscht.“

Die Grußmuffelnachbarn mit Delaware-Flagge sind Türken, wie viele mit dieser Steuerfluchtflagge. Eigentlich untypisch, dass sie sich wie Italiener verhalten. OK, ich pauschaliere jetzt zu viel.

Der „Säulenheilige“ (©Beate) sperrt das Wasser an der Versorgungssäule auf, damit wir die Tanks auffüllen und das Boot abspritzen können, und stampert den Längslieger, damit zwei weitere RIBs anlegen können. Mehr Boote kommen dann nicht mehr bevor wir den Bus um 21:20h zur Chora nehmen und zum Kirchenfest unterhalb des Kastells gehen. Es ist genau so wie vor 4 Jahren. Volle Beleuchtung, voller Kirchenhof mit Ausspeisung und sehr nette Stimmung.






Alan und Tina haben unseren Tipp wahrgenommen und gleich die Crews der Bootsnachbarn in Livadia mitgenommen, ein ebenfalls neuseeländisches Paar und ein schottisches. Wir plaudern kurz und holen dann das Essen, das wir an einem Tisch mit jungen griechischen Paar zu uns nehmen. „Genießen“ zu sagen wäre übertrieben. Lammfleischragout mit Braterdäpfeln und Reis. Beate isst nur Schafkäse mit Brot. Alan schaut bei uns vorbei und wir plaudern noch ein bisschen bevor er mit der Partie wieder nach Livadia aufbricht. Dann plaudern wir mit den Griechen am Tisch und kurz vor elf brechen auch wir auf und gehen die vielen Stufen hinunter nach Skala.


16.08.2014 Samstag
10:40 Astypálea / O. Skala (Hafen) Karte Abfahrt
11:00 Astypálea / O. Livadia Karte
Zeit unterwegs: 00:20 Strecke: 1,3 Seemeilen Ø Fahrt: 3,9 Knoten


Es ist wieder windstill aber diesmal so richtig heiß. Das Hafenwasser ist zwar so klar, dass man den Grund gut sieht. Trotzdem mögen wir da nicht hinein hupfen. Beate kauft ein und ärgert sich über die Bäckerin, die dem Dapia-Wirt einen Riesensack Croissants verkauft, aber ihr kein einziges.
Während wir frühstücken kommt der Dieselmann wie bestellt. So sind danach Batterien, Wassertanks und Dieseltank voll. Da macht ein ein Anlegen im Hafen Sinn.

Wir legen ab und ankern bald darauf an unseren alten Stammplatz in Livadia. Trotz 30,2°C kühlt das Meerwasser angenehm. Die Luft hat 33,3°C, im Hafen war es sicher viel mehr.

Die Vodafone-Karte ist abgelaufen und ich installiere COSMOTE Internet On The Go. Wie die Verkäuferin angewiesen hat, schalte ich das WLAN ab, die Ortungsdienste ein und öffne ein Browserfenster. Sehr richtig, die Seite ciotgprepaid.cosmote.gr wird gezeigt. Den Text kann man umstellen auf englisch oder russisch. Ich nehme englisch. Der Rest funktioniert auch wie beschrieben. Da ist 10 Euro Guthaben drauf und unter Menüpunkt Top up kann ich dieses mit den zwei 10 Euro-Bons auf 30 erhöhen. Dabei sehe ich, dass Zahlung mit Kreditkarte auch möglich wäre, aber ich habe nun Mal die zwei Bons. Als ich das Top up Menü später nochmals aufrufe geht aber nur mehr „With a top up card or an e-voucher“.
Auf der Home Page kaufe ich 30 Tage mit 5GB um das 30 Euroguthaben. Das Angebot, Bonus 4U beizutreten und damit 4 Tage und 1 GB extra zu bekommen, lehne ich ab. Denn erstens brauche ich das gar nicht und zweitens sieht es nach verdammt viel Werbemails aus, die an die anzugebende E-Mailadresse gesendet werden. In den Bedingungen steht „13) During the Program and until their delivery COSMOTE reserves the right to use the Premiums for advertising purposes. The end receivers of the Premiums do not have the right to raise any claim against COSMOTE due to the use of the Premiums for advertising purposes.“

Aber ich bin trotzdem zu schnell mit dem Bestellen. Es gibt nämlich ein Summer offer bis zum 31. August: 15 Tage und 1 GB kostenlos. Da braucht man nur eine Taste anklicken. Das mache ich nachdem ich das 30-Tage Paket gekauft habe und jetzt habe ich bis zum 30. September 6 GB zu verprassen. Na gut, viel Internetradio hören wird das Guthaben schon auffressen.

Das iPad hat also beste 3G Internetverbindung. Wie vermutet, lässt es sich auch bestens als Persönlichen Hotspot übers WLAN betreiben. Die Anweisung, man solle WLAN abschalten war wohl nur damit der Verbindungsaufbau sicher übers Mobilfunknetz erfolgt. Scheint also als ob die mühsame Kombination Huawei E220 Datenkarte + ALFA R36 USB WiFi Router nicht mehr notwendig wäre. Und die noch mühsamere Kombination ALFA AWUS036NHR + ALFA R36 zum Anzapfen von WLAN Netzwerken von Tavernen brauche ich auch nicht mehr. Denn 3G gibt es fast immer, wo es WLAN-Netzwerke gibt und mit 6GB zum versurfen kann ich mir die Mühe ersparen, den Router auf irgendein WLAN einzurichten, das sowieso fast immer entweder plötzlich langsam wird oder plötzlich gar nicht mehr geht. Der iPad-Hotspot funktioniert auch bestens während das iPad im Schlafmodus ist.

Am Abend fahren wir zum Strand und essen beim Krokodil natürlich wieder Tabuleh, Red Salad und Symi-Shrimps. Diesmal mit Foto:


17.08.2014 Sonntag
Astypálea / O. Livadia
Wir überlegen, ob wir heute oder nach dem sich heute aufbauenden Starkwind Richtung Osten fahren sollen und entscheiden uns für das Zweitere. Also bleiben wir an Bord und essen Thunfischnudeln.


18.08.2014 Montag
Astypálea / O. Livadia
Der Starkwind kommt wie von der Prognose versprochen. Im Cockpit haben wir es aber gemütlich

Das ist übrigens auch unsere Fernsehposition. Dann übernimmt der Laptop die Position der Kamera bei diesem Foto, nämlich auf dem Cockpittisch.

Am Abend machen wir wieder Landgang mit Abendessen in der Taverna To Gerani und Absacker in Astropelos.


19.08.2014 Dienstag
Astypálea / O. Livadia
Der Wind hält an, aber ich beachte ihn kaum. Denn den ganzen Tag arbeite ich an einem Softwareproblem bei einem Kunden. Die Internetverbindung ist vollkommen in Ordnung für die Fernwartung. Schon faszinierend, dass man auf einem Boot mitten in der Ägäis sitzen und auf einem Computer im 6. Bezirk in Wien arbeiten kann. Und das ziemlich flüssig.

Am Abend fahren wir wieder mit dem Bus. Beate bis zur Chora und ich zum Hafen hinunter. Ich will mir eine Salbe in der Apotheke kaufen, weil mich seit ein paar Tagen ein Gerstenkorn auf dem linken Augenlid irritiert. Ich bekomme eine und gehe dann zur Chora hinauf, wo ich die Beate im Café Meltémi treffe. Nomen est omen. Der Wind ist nicht zu verachten (warum wohl sind hier sieben alte Windmühlen in einer Reihe aufgestellt) und wir gehen daher ins windgeschützte Archipelago in Richtung Livadi.

Es ist eine nette Konditorei mit mit angenehmer Musik und herrlicher Aussicht auf die Chora aber praktisch ohne Speisen, teuere Süßspeisen ausgenommen. Wir essen einen Toast, einen Sandwich und die Mezedes zum Ouzo und kaufen auf dem Heimweg günstige Süßspeisen beim Zuckerbäcker „Akti“.

Warten auf den Bus:

Der Bus kommt:

Die Chora in der Nacht:


20.08.2014 Mittwoch
12:26 Astypálea / O. Livadia Karte Abfahrt
12:57 unterhalb der Chora Genua dazu
18:59 NW von Kalymnos Genua weg
19:32 Léros / O. Xirókampos Karte An Boje
Zeit unterwegs: 07:06 Strecke: 50,7 Seemeilen Ø Fahrt: 7,2 Knoten


Am Vormittag muss ich mich noch um den gestrigen Kunden kümmern. Das passt gut, weil der Wind am Nachmittag nach links drehen soll und wir daher ein Ziel weiter nördlich anpeilen können. Die Idee ist, Segel zu setzen und dann sehen, wohin wir kommen.

Segel setzen gelingt aber nur zur Hälfte. Die Schiene am Mast, an der entlang die segelhaltenden Mastrutscher rutschen sollen, ist so voll Sandstaub, dass sie nicht rutschen. Eigentlich rollen sie auf Kugellagern. Etwas über der Hälfte bleibt das Segel stecken und ich kann es nicht einmal mit voller Kraft auf die Winschkurbel weiter hinauf befördern. Es kommt auch schwer wieder herunter. Nach drei Versuchen gebe ich es auf, bevor ich irgendwas ruiniere.

Also rollen wir die Genua aus und Motorsegeln. Die Windprognose stimmt ganz genau und wir können sogar Xirokampos ansteuern. Sehr gut, da brauchen wir morgen nicht gegenan bolzen. Es geht super voran.

Xirokampos ist beliebt. 27 Boote sind bereits da, einige ankern. Trotzdem sind noch drei Bojen frei. Eine gelbe, eine weiße und eine rote. Wir nehmen die weiße, eigentlich nur ein Fender, die zum Restaurant Mama Veta gehört. Dorthin wollen wir sowieso essen gehen. Aber erst morgen. Heute gibt es griechische Landwürsteln mit Erdäpfelsalat an Bord.

Um 21h ist es absolut windstill mit fast spiegelblankem Wasser. Die Boote stehen kreuz und quer. In der miesen Taverna To Kima (rote Bojen) fängt eine griechische Band zu spielen an. Klingt richtig gut. Während wir fernsehen dreht die Band die Lautstärke auf. Wir auch, sonst hören wir nichts vom Film. Um 23:40h ist der Film aus aber die Musik nicht. Klingt immer noch nett und typisch griechisch, aber wieso spielen sie ununterbrochen dasselbe Lied? Ja ich weiß, es ist nicht dasselbe Lied. Es klingt nur so für uns Nichtgriechen. Habe mich schon voriges Jahr in Lipsi über die Einfallslosigkeit der Musik beklagt. Die Variationen liegen wahrscheinlich im Text, aber den verstehe ich nicht und in Feinheiten, die ich nicht höre. Klingt also schon gut, die bei jedem Lied praktisch immer gleiche Melodik, Harmonik, Rhythmik, Metrik, Tempo, Phrasierung, Artikulierung, Ornamentik, Kadenz (von Wikipedia kopiert, he he) geht aber mit der Zeit entsetzlich auf die Nerven und die sagenhafte Lautstärke weckt tief schlummernde Aggressionen. Mit Ouzo abgefüllt und Ringeltänze tanzend wärs wahrscheinlich nicht so. Um 2h tanzt aber schon lange keiner mehr. Und im Lokal sitzen ganze fünf Personen – mit dem Fernglas gezählt. Für die wird der Schlaf der ganzen Bucht terrorisiert. Müssen so gut wie taube wichtige Personen sein. Wahrscheinlich der schmuddelige Wirt mit ebensolchen Freunden. Kurz danach ist aber die Düdelei endlich zu Ende.


21.08.2014 Donnerstag
Léros / O. Xirókampos
Beate hat recht. Mit so vielen Booten, die so knapp bei einander stehen, kommt ein gewisses Campingplatzgefühl auf. Man grüßt den Nachbarn mit einem freundlichen „guten Morgen“ und kann genau beobachten, was er tut.

Die Nachbarn werden sich wohl darüber wundern, was ich tue. Nämlich aus dem obersten Mastrutscher einen Schienenreinigungswagen basteln. Verschiedene Konstruktionen überlege ich mir. Die einfachste mit einem Gepäckspanner und einem Fetzen ist die beste:

Ich mache den Fetzen nass, ziehe ihn zum Masttopp hinauf und wieder herunter, wende ihn und wiederhole das mehrere Male, bis der Fetzen auch sauber wieder herunter kommt. Da war viel Sand!

Am Abend essen wir bei Mama Veta wieder hervorragend. So köstlichen Salat (Mama Veta), Spinat im Tontopf und Chickensouvlaki findet man kaum wo sonst. Den Spinat im Tontopf mit Käse, Feta, gewürzt mit getrockneten Tomaten und Dille habe ich sowieso sonst nirgends gesehen.



22.08.2014 Freitag
10:11 Léros / O. Xirókampos Karte Abfahrt
13:20 Arkí / Tiganáki Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:09 Strecke: 20,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Die Batterien müssen wieder mindestens drei Stunden lang geladen werden. Die Windprognose verspricht eine angenehme Fahrt nordwärts und max. 14 Knoten Wind in der Nacht. Passt alles zusammen, um die Nacht in Tiganáki zu verbringen. Muss doch jedes Jahr dabei sein!

Alles passt. Wir erreichen Tiganáki wenig geschüttelt und mit fast vollen Batterien. Das Ausflugsboot Margarita aus Lipsi kommt unmittelbar vor uns an und ankert dort wo wir gerne ankern würden. Wir ankern daher etwas außerhalb des „Swimmingpools“ und fahren zum Stammplatz als das Ausflugsboot bald wieder ablegt und bevor die anderen kommen. Sie kommen!

Aber sie fahren auch wieder. So wie die vielen übrigen Motorboote. Nur zwei Segelboote ankern weiter draußen.

Weil ich gestern bei Mama Veta recht lange suchen musste, wann wir zuletzt dort waren und wann wir den „Sats“ gegessen haben, programmiere ich das Blogbuch schon den ganzen Tag, damit es einen Gesamttext auswirft, in dem man mit der Suchfunktion des Browsers suchen kann.

Am Abend gibt es Packerlrisotto und Dosenkeftédes. Die sind richtig gut, das Risotto richtig sättigend.


23.08.2014 Samstag
11:40 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
12:08 Arkí / O. Stenó Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:28 Strecke: 1,5 Seemeilen Ø Fahrt: 3,2 Knoten


Wir schlafen nicht so gut. Es ist sehr warm. Aber der Sonnenaufgang ist herrlich:

Die ersten Motorboote kommen kurz vor 10h. Ich beobachte mit Verwunderung, dass sie sich hier mit Landleine und elendslanger Ankerkette einparken. 40 bis 50m Kette bei knapp über 2 m Tiefe! Bei dem zu erwartenden Ansturm ist damit der Ankersalat vorprogrammiert. Bevor der Ansturm kommt und nachdem wir eine zeitlang die so wunderbare laut aufgedrehte griechische Düdelei-Musik gehört haben, fahren wir los. Nicht weit. In Ormos Stenó liegen zwar schon drei Segelboote an den Bojen. Aber die innerste ist noch frei. Kein Wunder bei 1,8m Tiefe. Uns ist das sehr recht. Der Platz ist hübsch und ruhig. Nur heiß ist es mit über 33°C heute auch. Und so gut wie gar kein Wind.

Die Sonne sinkt und die Temperatur auch – gleich um 5 Grad. Wir paddeln die 50 Meter zum Steg und gehen in 13 Minuten auf einem bequemen Betonweg zum Ort. Hier ist alles für ein Fest vorbereitet. Der Dorfplatz voll mit gedeckten Tischen. Wir vermuten eine Hochzeit. Der Hafen und die ganze Hafenbucht sind gerammelt voll.

Wir sehen uns das Geschehen an und setzen uns ins neu renovierte Lokal gleich beim Anleger. Sehr gemütlich hier. Nur leider keine Bedienung. Der Wirt ist überfordert von so vielen Leuten. Wir gehen wieder zurück. Die Taverna im Scheitel unserer Bucht „Apolafsi“ ist schön gelegen aber keine Offenbarung. Der Wirt ist total entnervt. Uns bedient er noch, aber später ankommende Gäste verjagt er mit den Worten „I have nothing more to eat, total crazy day“. Letzteres stimmt wohl. Wir haben den ganzen Tag schon beobachtet, wie zahlreiche Boote mit vielen Leuten an seinem Steg anlegen. Ersteres stimmt sicher nicht. Aber er hat halt schon genug von diesem, seinem umsatzstärksten Tag des Jahres (vermutlich). Er sagt, dass das Fest im Dort einfach nur ein Fest im Dorf und keine Hochzeit sei. Wir vermuten, dass die zwei Dorfplatztavernen einfach Mal ein Fest organisieren, um den Umsatz zu erhöhen.

Zurück auf dem Boot hören wir die Musik deutlich aus der Nachbarbucht. Gottseidank nicht mit Notwendigkeit von Ohrenstöpseln. Trotzdem, diese extrem penetrante Fidel und die damit abwechselnde, vielleicht 4 Töne umfassende raue Gesangstimme ist wirklich der absolute Nerventöter – schon wieder.

Taverna Apolafsi:

Die Bucht davor:

Nettes Lokal, leider bedienungslos in Arkí:

Dorfplatz für Fest vorbereitet. Bitte die bequemen Sesseln beachten:


24.08.2014 Sonntag
10:10 Arkí / O. Stenó Karte Abfahrt
11:28 Lipsi / Hafen Karte Anlegen
12:33 Lipsi / Hafen Karte Abfahrt
13:52 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:37 Strecke: 15,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Wir tuckern über recht glattes Wasser nach Lipsi wo wir längsseits an der Nordseite der Pier anlegen. Die Wasserdame meint, das ginge nicht. Für eine Stunde ist es aber OK. Während ich darauf warte, dass der Wasserschlauch frei wird und dann die Tanks auffüllen kann, holt Beate Geld vom Bankomaten und kauft in der Bäckerei ein. Beides nicht einfach, da sehr viele Leute dasselbe machen wollen. Sie kommt recht verärgert zurück. Wir setzen uns auf ein Capuccino und ein Bier ins Kalypso bevor wir schnell Wasser, Wein und Tomaten kaufen und dann sofort wieder ablegen.

In Archangelos ist der Bär los! Die östliche Seite der Bucht ist ziemlich voll, ich mag gar nicht zählen wie viele Boote, darunter ein paar Superyachten, also so 40 Meter und länger. Mittlerweile haben wir so viele davon gesehen, dass man deren Anblick einfach mit „aha“ quittiert. So viele wie heuer haben wir noch nie gesehen, stellen wir fest. Allerdings flitzen die von ihnen ausgesetzten Jetskis und RIBs wie deppert herum, was uns nicht wurscht ist.

Wir ankern im W-Teil der Bucht auf fast 10m Tiefe. Das braucht der Anker schon ordentlich Kette bis er hält, bzw. dürfte er beim ersten Versuch nicht auf dem angepeilten Sandfleck zu liegen gekommen sein.

Die griechische Idioten-Düdelei-Musik werden wir nicht los! Am Strand gibt es sowas wie ein Sonntagsausflugshappening mit vielleicht 20 Leuten, die es lustig haben. Wir trösten uns damit, dass sie sicher abhauen, wenn es finster wird – na hoffentlich!

Ende August ist keine gute Zeit hier. Pavlos sagte ja, dass in Griechenland praktisch alle Firmen die heute zu ende gehende Woche zusperren. Kein Wunder, dass es jetzt so wurlt. Außerdem ist es sauheiß.

Trotzdem programmiere ich schon seit gestern das Blogbuch auf dem sauheißen MacBook mit einer Erweiterung um. Der Gesamttext hat mich auf die Idee gebracht, die Berichte per Platz zu sammeln gemeinsam mit den Kommentaren zum Platz, so vorhanden. Eine gewisse Redundanz lässt sich nicht vermeiden. Denn der Bericht wird per Tag erfasst und erscheint somit bei jedem an diesem Tag besuchten Platz. Aber eh gut. So liest man was vorher und was nachher war. Das Ergebnis ist HIER

Wir essen Salat und die beim Lipsibäcker eingekauften Pizzaschnitten.


25.08.2014 Montag
13:27 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
14:28 Außerhalb von Lakkí Genua dazu, Motoren langsamer
15:46 Bei Kalymnos SW Genua weg
16:40 Kálymnos / O. Vlychádia Karte An Boje
Zeit unterwegs: 03:13 Strecke: 21,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Nach bequemer Fahrt begrüßen uns in Vlychadia zwei freie Bojen mit der verwitterten Aufschrift „Paradisio“. Wir nehmen die linke. So richtig sicher, dass der recht filigran aussehende Bojenring halten wird, bin ich nicht. Schwimmend fädle ich daher weiter unten eine Leine durch ein Auge des stabilen Taus.

Das Tau ist unten an einer Kette befestigt, die um einen ca. 1/4m3 großen Bojenstein gewickelt ist. Sieht haltbar aus.
Ich lese nach, dass die Bojen schon 2005 da waren. Na wenn sie schon so lange gehalten haben, wird die Boje doch hoffentlich nicht gerade heute brechen. Zumal der Wind mit 20-25 Knoten zwar stark aber für diesen Platz keineswegs rekordverdächtig ist.

Als einziges anderes Segelboot liegt die Suntiki mit holländischer Flagge vor Anker. Bald kommt eine große Bavaria-Charteryacht mit vielen Personen an Bord daher. Es legt sich nicht ungeschickt mit Anker sehr weit draußen (was bei dem schlechten Ankergrund hier ausnahmsweise sinnvoll ist) und dem Heck an den einzig möglichen Platz am Kai an. Der Kai ist eigentlich nur eine Straßenverbreiterung und genau in der Kurve ist es tief genug für ein oder max. zwei Segelboote. Da wo das Motorboot auf diesem Bild jetzt ist:

Rechts am Strand ist das Paradisio.

An Land besichtigen wir den seit einem Monat neu eröffneten Minimarkt ca. 100m entlang der Straße nach Pothia. Macht einen sehr sauberen Eindruck mit gar nicht so kleinem Sortiment und der Inhaber spricht perfekt englisch.

Dann müssen wir natürlich ins Paradisio essen gehen, wenn wir schon eine Boje mit diesem Namen verwenden. Wir erleben eine große Überraschung. Das Lokal kommt auf Anhieb in unsere Top-Ten der besten Lokale Griechenlands! Wir vermuten, dass junge Leute das Lokal übernommen haben und sich wirklich überlegt haben, wie sie es verbessern können. Es passt alles. Auf bequemen Regiesesseln sitzend bekommen wir zuerst ein köstliches warmes Brot mit einem Körbchen in dem zwei Keramiktiegeln sind – Oliven und ein Käseaufstrich. Der Paradisio-Salat ist optisch und geschmacklich eine Sensation. Der Hamburger wird mit Bratkartoffeln in einem Holzkisterl serviert, was allerdings das Essen mit Messer und Gabel nicht gerade vereinfacht. Der mit Feta gefüllte Rindfleisch-Bifteki ist auch sehr gut. Wie die Bedienung. Es tut so gut, wenn das Geschirr gleich weggeräumt wird und man gefragt wird, ob wir noch was haben wollen – nach so langer diesbezüglicher Abstinenz. Als ich am iPad die Login-Seite zum Paradisio Hotspot vor mir habe, und überlege, welches Passwort wohl das richtige sein könnte, ist der Kellner auch gleich da und erklärt, man braucht nur auf die Taste „Free internet“ klicken und bekommt ein Lease für 2 Stunden. (Funktioniert auch an der Boje einwandfrei.)

Dann bekommen wir eine moderate Rechnung und danach eine Nachspeise mit Joghurt und rote Spoonsweets. Bevor wir uns ins Schlauchi schwingen, plaudern wir kurz mit dem holländischen Ehepaar von der Nachbaryacht, die auch ins Paradisio essen kommen. Sie haben Ihr Boot in Fethiye und wollen jetzt westwärts segeln. Unsere Schlauchbootfahrt geht dann auch westwärts.


26.08.2014 Dienstag
Kálymnos / O. Vlychádia
Bis 12:45h haben wir mehr oder weniger durchgehend frischen Wind und Schaumkronen im Wasser. Aber dann ist es plötzlich ganz still.

Weil es hier schön ist, beschließen wir, erst morgen nach Kamari zu fahren.

Die Holländer fahren ab. Es kommen drei Segelboote in die Bucht. Keines nimmt die zweite Paradisio-Boje, sondern alle ankern. Kein Wunder, die beiden Bojen sind viel zu nahe bei einander.

Um 17:20h wollen wir zum Strand fahren. Aber plötzlich kommt wieder der Wind mit bis zu 34 Knoten daher. Nach kurzer Zeit flaut er wieder ab und wir setzen zum Sandstrand in N über. Die Lokale des Schwammtauchermuseumimperiums sehen traurig aus. Aber das Paradisio ist wieder perfekt. Das Ambiente am Strand ist wirklich nett.

Wir essen
Talagani (Cheese with caramelized onions and vegetables):

Flogeres (Filo pastry stuffed with cheeses and thyme honey sauce):

Dazu wieder das köstliche hausgemachte warme Brot mit Aufstrich und Oliven. Es sieht nicht nur gut aus, es schmeckt auch sagenhaft gut! Wir beschließen, dieses Lokal an die erste Stelle unserer Top-Ten in Griechenland zu befördern und gestehen ein, dass wir hauptsächlich da geblieben sind, um nochmals ins Paradisio gehen zu können.

Wir sagen das dem jungen Wirt auch und er freut sich sehr. Er würde sich auch freuen, wenn wir unseren Kommentar auf seiner Webseite abgeben würden. Aber der befindet sich leider auf Facebook (paradisio vlyhadia), wohin weder Beate noch ich einen Zugang hat und auch nicht haben will.


27.08.2014 Mittwoch
09:48 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Abfahrt
10:20 Segel setzen
12:08 W von Kos Genua weg, Motoren an
12:45 Bei Kos SW-Kap Groß weg, Motoren schneller
13:39 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:51 Strecke: 24 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Die zu viel geröstete Brotscheibe zeigt uns, dass es viele Fische in der Bucht gibt. Als wir sie ins Wasser werfen, kommen sie sogleich daher und zerlegen die Scheibe wie nix. Ich werfe ein hartes Brotscherzerl nach und sehe mir das mit der Taucherbrille an. Nicht schlecht! 40 – 50 Fische unterschiedlicher Größe und Bauart. Die größten Brassen würden auch auf dem Teller durchaus passabel aussehen.

Der Wind ist in der Bucht praktisch nicht vorhanden, aber draußen begrüßt uns ein frischer Nordwest mit ca. 20 Knoten. Wir setzen die Segel. Diesmal rutscht das Großsegel problemlos hinauf.

Mit Wind und Wellen von schräg hinten geht es schön vorwärts. Westlich von Kos müssen wir den Kurs ändern und segeln genau vor dem Wind, der noch dazu um gute 6 Knoten abgenommen hat. Das mag die Blodughadda gar nicht. Die Genua wird eingerollt und die Motoren dürfen mit 1800 RPM mitschieben. Das mag die Blodughadda.

Knapp nach Umrundung des SW-Kaps und genau rechtzeitig bevor die Gegenwindfallböenorgie anfängt, hole ich das Groß herunter. Jetzt klemmt nichts und es donnert herunter, wie es soll. Die Schienenreinigungsaktion hat also wirklich was gebracht.
Als wir um die letzte Ecke biegen, kommt der Gegenwind mit über 25 Knoten wahren Wind daher, also 5 bis 10 Knoten mehr als auf der anderen Seite der Insel, wo wir vorhin gemütlich entlang gesegelt sind.

Am Ankerplatz vor der Santa Barbara ist der Wind wieder auf 10 Knoten herunten, sehr angenehme Brise.

Beate beginnt den Koffer zu packen.

Kurz nach 17h machen wir das Schlauchi fertig. Der schwere Koffer und wir passen gerade noch hinein. Als wir uns ins Santa Barbara setzen wollen, kommt auch schon der Vasilis mit dem Auto daher. Wir plaudern eine Weile und fahren dann zum Flughafen. Vasilis lässt seine Beziehungen als Flughafenleiter spielen und so kann Beate an der langen Schlange vorbei mit Abgabe ihres Passes einchecken. Allerdings muss dann noch der Koffer eingecheckt werden und das geht erst nachdem sich fast keiner mehr anstellt. Immerhin können wir in Ruhe sitzend darauf warten.

Wir verabschieden uns von der Beate und Vasilis zeigt mir die neu renovierte alte Windmühle in Antimachia, der Ortschaft gleich beim Flughafen. Sie ist jetzt voll funktionsfähig und hat zahlreiche imponierende eingerollte Segel. Tagsüber sollen sie aufgespannt sein und die Mühle in Betrieb zu besichtigen sein. Ein reicher 80-jähriger hat die Renovierung in Privatinitiative veranlasst. Dazu seien die Behörden sowieso unfähig.

Die Taverna Kabos hat in Kefalos angeblich die beste griechische Küche, hat Vasilis gehört. Also probieren wir sie. Die gebratenen Zucchini, das Mussaka und die Dolmades sind aber genauso durchschnittlich wie das Ambiente. Der Unterschied zu Paradisio gestern und vorgestern könnte nicht größer sein.

Dann zeigt mir noch Vasilis wo er wohnt, damit ich morgen zum Frühstück hinfinde und wir verabschieden uns vor Santa Barbara. Ich genehmige mir noch ein Ouzo in Maria’s Bar und fahre dann zum Boot hinaus.