Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2015-08-06 Südwärts

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Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 01:03:53 Anzahl Tage: 12
06.08.2015 Samothraki / Kamariotissa – Limnos / Déma Bucht
07.08.2015 Limnos / Déma Bucht – Limnos / O. Stivi
08.08.2015 Limnos / O. Stivi – Limnos / Moudros Hafen
09.08.2015 Limnos / Moudros Hafen
10.08.2015 Limnos / Moudros Hafen – Lésvos / Sígri
11.08.2015 Lésvos / Sígri – Lésvos / Krousos Bucht
12.08.2015 Lésvos / Krousos Bucht
13.08.2015 Lésvos / Krousos Bucht – Lésvos / Plomári
14.08.2015 Lésvos / Plomári – Oinoússes / O. Kalamiánis
15.08.2015 Oinoússes / O. Kalamiánis – Chíos / Emporios Volcano Beach
16.08.2015 Chíos / Emporios Volcano Beach – Ikaría / Fáros
17.08.2015 Ikaría / Fáros – Patmos / O. Lampis – Patmos / Livadi Geranou

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 43:37 Strecke: 285,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


06.08.2015 Donnerstag
10:15 Samothraki / Kamariotissa Karte Abfahrt
15:55 Limnos / Déma Bucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:40 Strecke: 39,6 Seemeilen Ø Fahrt: 7 Knoten


Karte
Ab heute geht es südwärts. Zuerst per Motor und Genua mit dem Wind. Dann bleibt der Wind weg. Es kommt eine starke Strömung aus SW, die uns bremst und nach E versetzt und offenbar auch für eine Kreuzsee verantwortlich ist. Es geht zäh voran bis etwa 13 sm vor Limnos. Der Strom kippt und schiebt mit an. Statt ca. 6 machen wir zeitweise über 8 GPS-Knoten bei gleichbleibender Fahrt durchs Wasser mit 7,2 – 7,3 kn. Die Kurskorrektur gem. Kompass um 15° kann ich wieder zurück nehmen. Das hätte man früher ohne GPS nie und nimmer feststellen können.

Limnos sieht von See aus wie eine „normale“ griechische Insel, also braun und kein einziger Baum zu sehen. Die erste mögliche Bucht in der NW Ecke von Limnos beschreibt das Handbuch mit „Good anchorage for N winds. A great place for a swim. You will be alone here.“. Das stimmt schon, bis auf ein paar zottelige Ziegen und deren Fliegen und ca. 120 (mit Fernglas gezählt) Möwen, die auf der Schotterhalde im Scheitel der Bucht blöd herum sitzen. Trotzdem, endlich eine stille einsame Bucht. Mit 27 Grad hat das Meer auch endlich eine vernünftige Temperatur.

06.08.2015: Die bis auf Möwen, Ziegen und Fliegen einsame Bucht
Die bis auf Möwen, Ziegen und Fliegen einsame Bucht

Dass das Internet so gut wie gar nicht geht, ist natürlich ein Riesennachteil dieser Bucht. Die sanfte Dünung wird erst dann ein Nachteil sein, wenn ich das nächste Mal an Land in ein Geschäft gehen muss.


07.08.2015 Freitag
10:49 Limnos / Déma Bucht Karte Abfahrt
12:50 Limnos / O. Stivi Karte Ankern
13:53 Limnos / O. Stivi Karte Abfahrt
14:54 Limnos / O. Stivi Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:02 Strecke: 16,6 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


Der erste Limnos-Morgen begrüßt uns mit einer neuen griechischen Sommerwettervariante: Stetig starker Wind (das ist nicht neu) und totale Bewölkung. Daher Himmel grau, Meer grau und feucht ist es auch noch. Würde es regnen und 16 statt 24 Grad haben, könnte es fast ein finnischer Sommertag sein.
Erst gegen zehn finden die ersten Sonnenstrahlen den Weg durch die Wolkendecke.

Der Wind nimmt kräftig zu. Wir fahren der Küste entlang und die Buchten aus. Bei dem Wetter sehen sie alle abweisend aus. Wir fahren in den Hafen der Hauptstadt Myrina, der auch so aussieht. Kein freier Platz zu sehen und fünf Segelboote, die bereits in der Hafenbucht ankern. Die nächste Bucht Platy soll „Good holding in sand / weeds and plenty of space for everybody“ haben. Mag sein, aber es wimmelt von Windsurfern, die in der Bucht hin und her rasen. Außerdem sieht es verdächtig nach Beach Party aus.

Die nächste Bucht Stivi, ganz an der SW Ecke, ist genau das Gegenteil und hat einen perfekten Ankergrund in der Mitte. Aber sie hat wieder kaum Handyempfang. Nach einem Schwimm und einem Joghurt fahren wir daher weiter in die übernächste Bucht Thanos „good shelter against the northernlies“. Von shelter kann keine Rede sein. Der NE Wind kommt mit voller Wucht die Berghänge herunter. Die Bojenkette, die den Schwimmbereich markiert, ist weit vom Ufer weg, wo die Wellen schon recht hoch sind und die Farbe des Wassers auf Seegrasgrund schließen lässt. Außerdem ist auch hier genau so schlechter Handyempfang.

In der dazwischen ausgelassenen Bucht W des Inselchens Thanos sieht der Ankergrund gut aus. Wir werfen sogar den Anker. Aber wir stellen fest, dass die Wellen hier aus zwei Richtungen kommen, weil sie sich auch aus E um die Ecke schleichen. Da war Stivi noch um besten und wir fahren zurück.

Ich beobachte, dass etwa 150 m von uns im Ostteil der Bucht viel weniger Wind ist – ein seltener Windschattenplatz. Ich schwimme hinüber. Leider ist da der Felsgrund zum Ankern unbrauchbar. Also bleiben wir auf unserem windigen Platz mit perfektem Ankergrund. Allerdings fange ich an, mir trotzdem Sorgen zu machen. Aus Erfahrung weiß ich, dass Wind bis 30 kn kein Problem für unseren Jambo Anker ist. Die Windböen kommen aber schon mit 40 kn und mehr daher, Spitzenwert 47 kn!
Drei Anker hätten wir noch, die ich nach langer Zeit wieder begutachte. Ich überlege ernsthaft, einen zweiten Anker auszubringen. Als ich in einem hellen Moment der Internetverbindung die Windprognose abrufen kann, und sehe, dass der Wind um 3h in der Nacht noch zulegen soll, ist der Entschluss für einen Zweitanker gefasst. Nur welchen, und wie ausbringen, so dass ich ihn wieder mit Muskelkraft herein holen kann ohne was kaputt zu machen. Ich überlege lange mögliche Varianten und entscheide mich dann für den 14 kg Britany Anker mit 5 m Kettenvorlauf und der Ankertrosse mit Bleiseele. Der Bulldog Leichtgewichtsanker würde wahrscheinlich auch halten, aber mit dem Britany habe ich mehr gute Erfahrungen. Der frühere Hauptanker Delta ist sowieso nur als eiserne Reserve (im wahrsten Sinne des Wortes) mit an Bord, sollte der Jambo aus irgend einem Grund verloren gehen.

Das Ankermanöver geht dann ganz glatt. Ich befestige das Ende der Ankertrosse an der Bb-Bugklampe. Während Beate in etwa 30° Winkel zur Ankerkette vorwärts fährt, lasse ich diese entsprechend hinunter – lang genug ist sie ja. In etwa auf Höhe des Jambo – es ist unmöglich festzustellen, wo er genau liegt – hält Beate an und ich schmeiße den Britany über Bord. Sofort treibt das Boot wieder zurück. Die Ankertrosse kommt auf Spannung und der Anker hält. Jetzt nur noch die Ankerkette so weit wieder herein holen, dass beide Anker ungefähr gleichmäßig, zumindest abwechselnd belastet werden. Das Hanepot funktioniere ich zu einer Kettenhalterung an Stbd Bugklampe um. Jetzt machen die zwei Anker und das Boot ein V, wobei die Anker jeweils an den Bugklampen nach schräg vorne ziehen. Eigentlich müsste das Boot jetzt sehr stabil im Wind liegen. Tut es auch, nur ist der Wind nicht stabil. Er kommt in heftigen Böen aus leicht unterschiedlichen Richtungen und lässt das Boot tanzen. Egal, Hauptsache die Anker halten. Im letzten Abendlicht kontrolliere ich die Konstruktion mit der Taucherbrille und bin zufrieden.

Dann schmecken die Nudeln ganz hervorragend und wir machen uns einen, diesmal nicht so gemütlichen, Krimiabend im Cockpit. Den Lautsprecher müssen wir auf ganz laut aufdrehen, damit er das Windgebrüll übertönt.


08.08.2015 Samstag
16:40 Limnos / O. Stivi Karte Abfahrt
19:13 Limnos / Moudros Hafen Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 02:33 Strecke: 16,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Um zwei weckt mich der Wind das erste Mal. Aber mit max. 44,8 kn noch kein neuer Rekord. Ich überprüfe unsere Position auf Navionics am iPad. Sie hat sich nicht verändert und ich gehe wieder schlafen. Um vier und um sechs das gleiche.
Warum diese hoch gelobte Navigations App keine Funktion für Ankerwache hat, ist mir schleierhaft. Das iPad GPS funktioniert auf 5 m genau und wird ständig aktualisiert. Es kann doch nicht so schwierig sein, eine Funktion zu programmieren, die einen Alarm auslöst, sollte sich die Position um, sagen wir, 20 m verändern.

Wie es aussieht, werden wir noch eine Weile hier bleiben müssen. Unser nächster geplanter Stopp Hafen Moudros liegt zwar nur ca. 15 sm entfernt, aber davon ca. 10 gegen den Wind. Da darf er schon etwas weniger sein. Spätestens übermorgen soll es der Fall sein.

Um 14h nimmt der Wind etwas ab. Um 15h ist der Horizont nicht mehr voll von weißen Schaumkronen. Um 16h bleiben auch die Fallböen unter 20 kn. Der untragbare praktisch internetlose Zustand muss beendet werden. Wir fahren ab. Die Anker herauf holen geht gut. Zuerst den Hauptanker wie normal. Dann nehme ich die Ankertrosse vom Zweitanker und gehe damit nach hinten. Während Beate das Boot zum Anker hin reversiert, ziehe ich die Trosse und dann den Anker von der Heckplattform aus herauf. Der fest eingegrabene Anker muss natürlich ausgebrochen werden. Nur mit der Hand ziehen geht nicht. Aber mit Vorlaufkette an die Plattform halten und dann rückwärts über den Anker fahren, kommt er aus seinem Sandgrab heraus.

Wir erreichen Moudros ganz problem- und fast spritzerlos. Ein ziemlich neu erbauter Hafen mit mehreren Betonstegen erwartet uns. An allen außer einem liegen Fischer- und Einheimischenboote. Am letzten liegen zwei Segelboote an je einer Seite. Platz für zwei bis drei ist noch vorhanden, also auch für uns. Im Gegensatz zu fast allen anderen öffentlichen Häfen macht dieser einen richtig aufgeräumten Eindruck. Sogar die Fischernetzhaufen liegen nicht willkürlich herum, sondern gesammelt im Südteil des Hafens. Auch die Versorgungssäulen scheinen funktionstüchtig zu sein. Es dürfte ausnahmsweise jemand für die Ordnung zuständig sein.

Als wir an Land gehen kommt schon der vermutlich Zuständige entgegen in der Gestalt eines kleinen hageren Hafenpolizisten. Er ist sehr freundlich, überreicht uns ein Formular und bittet uns, es auszufüllen und zu seinem Büro zu kommen. Das machen wir auch gleich. Wir dürfen € 7,16 Hafengebühr zahlen, erhalten einen Zettel mit der Telefonnummer des Dieselwagens und die Auskunft, dass die Karte für die Versorgungssäulen in den Tavernen gekauft werden kann. Na bitte, so kann es auch funktionieren. Mit ein wenig weniger Umständlichkeit und Papierkram wäre es fast schon effizient. Andererseits müssen die zwei Hafenpolizisten ja auch mit irgendwas beschäftigt werden.

Zwei Tavernen gibt es hier. Wir essen in To Kyma sehr gut und günstig unter Bäumen. Die Taverna ist wirklich schön und hat das eleganteste WC je in Griechenland gesehen. Schade nur, dass sich auf der Herrentoilette das automatische Licht bereits nach ca. 10 Sekunden ausschaltet und es total finster wird. Fürs kleine Geschäft kein Problem für einen nicht Gehörlosen. Aber sonst?

08.08.2015: Ein stolzes Schiff im Hafen von Moudros
Ein stolzes Schiff im Hafen von Moudros
08.08.2015: Restaurant To Kyma (Die Welle)
Restaurant To Kyma (Die Welle)

Anschließend machen wir einen Spaziergang durch den Ort. Wirkt auch sehr ordentlich und auch sehr verschlafen. Es ist wirklich nichts los und alle Geschäfte haben schon zu. Also eindeutig kein Touristenort.


09.08.2015 Sonntag
Limnos / Moudros Hafen
Wir schlafen sehr gut. Es ist angenehm kühl mit ca. 24° und es gibt weder Gelsen noch Discomusik. Nach dem Frühstück werfe ich die Versorgungssäule mit der gestern gekauften Karte an. Ich staune nicht schlecht. Fünf Euro dafür gezahlt und 10 Euro Guthaben scheint auf. Das gefällt mir. Nach dem Befüllen der Wassertanks ist immer noch 8,22 Guthaben vorhanden. Also nichts wie endlich Boot und Seile waschen. Das neue Sonnenschutznetz an der Hinterkante des Bimini ist zwar super, aber auch ein perfekter Staubfänger. Der Dreck rinnt weg. Die Große Waschaktion dauert gute vier Stunden.
Dazwischen gelingt es mir, den Dieselmann anzurufen und auf griechisch(!) zu erklären, dass wir ca. 120 L Diesel benötigen. Er kommt dann auch wie vereinbart in ca. einer Stunde. 119 Liter á 1,36 passen hinein.

Nach der Waschaktion ist immer noch € 5,01 Guthaben vorhanden. Ich ziehe das Boot nach vorne, damit sich das Stromkabel ohne Verlängerung ausgeht. Den Hafen werden wir morgen nicht nur mit vollen Tanks, auch mit vollen Batterien verlassen.

Am Abend gibt es ein „Honigfestival“. Tische, Sesseln, Griller, Loukoumades-Süßwarenküche, Scheinwerfer, Musikanlage und Verkaufsstände mit Honig, Honigwaren, Teigwaren und auch Ramschwaren werden im Hafen aufgebaut. Zum Sonnenuntergang strömen Menschen hin, auch wir. Wir kaufen Honig und Limnosnudeln und gehen dann wieder ins To Kyma essen. Diesmal ist das Lokal voll und das Essen weniger überzeugend. Die Tanzdarbietungen von diversen Gruppen haben begonnen als wir wieder zum Fest zurück gehen. Es sind massenhaft Leute hier. Wir müssen uns durchwursteln, um einen Blick auf die hupfenden Jugendlichen in Trachten zu ergattern. Es ist eindeutig kein Fest für Touristen, sondern ein Sommerfest, das jährlich abgehalten wird, wie wir im Inselführer nachlesen. Seltsam, dass er am Sonntag statt findet.

09.08.2015: Ein Sonnenuntergang
Ein Sonnenuntergang
09.08.2015: ist immer stimmungsvoll
ist immer stimmungsvoll
09.08.2015: Honigverkauf
Honigverkauf
09.08.2015: Das Fest kann beginnen
Das Fest kann beginnen
09.08.2015: Die Lukumades (heiße Honigsüßigkeiten) werden fließbandmäßig frittiert
Die Lukumades (heiße Honigsüßigkeiten) werden fließbandmäßig frittiert
09.08.2015: Die Souvlakis auch
Die Souvlakis auch
09.08.2015: Gute Stimmung in To Kyma
Gute Stimmung in To Kyma

10.08.2015 Montag
09:25 Limnos / Moudros Hafen Karte Abfahrt
10:26 39°48’59“N,25°16’39“E Segel setzen
15:21 39°25’51“N,25°37’12“E Genua weg, Motoren an
18:17 Lésvos / Sígri Karte Ankern
Zeit unterwegs: 08:52 Strecke: 55,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Wir gehen in den Ort einkaufen, finden einen Minimarkt und fünf Supermärkte. Der Unterschied ist nicht groß, vielleicht 20 bis 50 m2. Alle gemeinsam haben sie noch kein Brot, soll um neun Uhr geliefert werden. Nur im letzten gibt es Brot. Aber da ist es auch schon fast 9.
Auf dem Weg zurück zum Boot kommen wir beim Bäcker vorbei…

10.08.2015: Die 'Westernstadt' Moudros im Morgenschlaf
Die ‚Westernstadt‘ Moudros im Morgenschlaf
10.08.2015: Viel los hier
Viel los hier
10.08.2015: Immerhin haben die Supermärkte offen, wenn auch kein Brot
Immerhin haben die Supermärkte offen, wenn auch kein Brot

Eine lange Etappe haben wir vor uns und frühstücken daher erst nach der Abfahrt. Nach einer Stunde, noch in der Großen Bucht, werden die Segel gesetzt. Da geht es fein ohne Wellen dahin. Außerhalb der Bucht kommen zwar schon Wellen auf, aber kaum der Rede wert. 30 sm segeln wir, aber dann kommt der Wind zu sehr achterlich. Die Genua hat keinen Zug mehr, fällt ein und die Fahrt fällt unter 4 kn. Also Genua wegrollen und die eiserne anwerfen. Wir wollen ja noch vor Sonnenuntergang in Sigri sein.
Das gelingt auch bestens. Nach 34 Tagen kommt die Blodughadda wieder an einen Platz, wo sie schon mal war. Und zwar vor 9 Jahren und 6 Tagen. Wir ankern wieder am selben Platz. Diesmal hält der Anker auf Anhieb. Aber inzwischen ist es der Jambo Anker, der sich auch in einen harten Grund schnell eingräbt. 6 andere Segelboote ankern auch hier, so viele wie schon lange nicht.

Wir paddeln an Land, gehen auf die andere Seite zum kleinen Fischerhafen und dann durch den Ort zum Strand. Schilder des Museums des versteinernen Waldes zeigen in dieser Richtung, aber ohne Angabe der Entfernung. Daher zurück und ins Remezzo essen. Schöne Terrasse mit schöner Aussicht über die Bucht und gutes Essen – Bulgursalat und Hühnerstreifen in Fetasauce. Manchmal findet sich was Neues auf der Speisekarte.

10.08.2015: Der Leuchtturm von Sigri begrüßt uns
Der Leuchtturm von Sigri begrüßt uns
10.08.2015: und auch der Ort Sigri selbst
und auch der Ort Sigri selbst
10.08.2015: und sein Castle
und sein Castle
10.08.2015: Wir paddeln an Land
Wir paddeln an Land
10.08.2015: Das Castle ist 'temporär' wegen Schäden geschlossen, also für immer
Das Castle ist ‚temporär‘ wegen Schäden geschlossen, also für immer

11.08.2015 Dienstag
10:28 Lésvos / Sígri Karte Abfahrt
12:09 Lésvos / Krousos Bucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:41 Strecke: 11,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Es ist zwar schön hier. Aber ohne Internet geht es gar nicht. Der Schwimm vor der Abfahrt erfrischt mit 23° wirklich. Auch die Luft hat nur 25°.
Wir fahren der Küste entlang und sehen eine Bucht mit Sandstrand. Sie ist nirgends als Ankerplatz gekennzeichnet, was mich sehr neugierig macht. Also hinein mit Polaroidbrille auf der Nase. 150m vor dem Strand ankern wir auf 3 m Tiefe in bestem Sandgrund. Am Strand sind einige wenige Badegäste und eine Strandkantine. Im Ostteil wird in Zelten campiert.

11.08.2015: Panorama vom Boot aus
Panorama vom Boot aus
11.08.2015: Wir paddeln an Land
Wir paddeln an Land
11.08.2015: und wollen ein wenig spazieren gehen. Aber hinter der Kantine
und wollen ein wenig spazieren gehen. Aber hinter der Kantine
11.08.2015: ist nur eine Staubpiste. Also darf sie mit einem Bier und Eistee mit Aussicht auf die Blodughadda für die diesmalige Landerfahrung sorgen.
ist nur eine Staubpiste. Also darf sie mit einem Bier und Eistee mit Aussicht auf die Blodughadda für die diesmalige Landerfahrung sorgen.

Beate schwimmt zum Boot zurück und ich genehmige mir noch eines. Ein Grieche setzt sich zum Tisch. Alsbald kommen wir ins Reden. Er heißt Dimitris, wird aber seit jeher Jimmy genannt, weil er in Australien geboren ist und seit 55 Jahren an der australischen Südküste lebt. Er kommt jedes Jahr für zwei bis drei Monate nach Krousos, weil seine Familie von hier stammt. Den Strand hat er noch nie so voll gesehen, sagt er. Ganze 6 Autos und 2 Mopeds stehen neben der Kantine. Normalerweise verirren sich kaum Leute hierher, weil der Weg weit und sehr schlecht sei. Die meisten Leute bleiben in Tavari.
Das ist verständlich. Aber warum ankern hier keine Segelboote? Weiß er auch nicht.


12.08.2015 Mittwoch
Lésvos / Krousos Bucht
Der Morgen ist absolut wind- und geräuschlos. Der Morgenschwimm ist herrlich. Zum Frühstück können wir endlich wieder das Ö1 Morgenjournal hören. Es ist so angenehm hier, dass wir beschließen, noch eine Nacht zu bleiben.
Endlich gelingt es mir, die gerissene Reffleine neu in den Baum einzufädeln. Vorher muss ich ein Vogelnest aus dem Baum heraus fitzeln. Die Lazyjack Leinen mache ich dann auch endlich so, dass der Lazybag elegant aussieht und der Schriftzug BLODUGHADDA von beiden Seiten gut sichtbar ist.

Auf die andere Strandkantine bin ich sehr neugierig. Beate nicht. Ich schwimme zum Strand mit dem wasserdichten RALF TECH Expedition Bag und den Crocs im Schlepptau und gehe zum Ostteil des Strandes.

12.08.2015: Hier darf nackt gezeltet werden, weil auf den Schildern die entsprechenden Verbote überpinselt sind.
Hier darf nackt gezeltet werden, weil auf den Schildern die entsprechenden Verbote überpinselt sind.
12.08.2015: Die Kantine ist um einiges größer
Die Kantine ist um einiges größer
12.08.2015: und besser besucht, als die im Westteil der Bucht.
und besser besucht, als die im Westteil der Bucht.
12.08.2015: Nach einem Bier gehe ich wieder zurück. Der von den Bergen her kommende Fluss gleich neben der Strandkantine verwandelt sich im Sommer zu einem Süßwassersee, der durch eine Sandbarre vom Meer getrennt ist.
Nach einem Bier gehe ich wieder zurück. Der von den Bergen her kommende Fluss gleich neben der Strandkantine verwandelt sich im Sommer zu einem Süßwassersee, der durch eine Sandbarre vom Meer getrennt ist.
12.08.2015: Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, was sich da im Wasser tut: Sicherlich an die 30 Wasserschildkröten, massenhaft Minifrösche, die vom feuchten Seeufer ins Wasser hupfen, wenn man sich ihnen nähert und im seichten Wasser viele Fische, die hin und her huschen.
Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, was sich da im Wasser tut: Sicherlich an die 30 Wasserschildkröten, massenhaft Minifrösche, die vom feuchten Seeufer ins Wasser hupfen, wenn man sich ihnen nähert und im seichten Wasser viele Fische, die hin und her huschen.
12.08.2015: Ich gehe jetzt nicht entlang der Wasserlinie zurück, sondern auf der 'Straße'. Hier ist der Sand, wie bei uns im Winter der Schnee, auf beide Seiten der Fahrbahn gepflügt worden.
Ich gehe jetzt nicht entlang der Wasserlinie zurück, sondern auf der ‚Straße‘. Hier ist der Sand, wie bei uns im Winter der Schnee, auf beide Seiten der Fahrbahn gepflügt worden.

In der Kantine der Dimitra, so heißt die Dame, wie ich gestern erfahren habe, trinke ich noch ein Bier und erkundige mich, ob die Taverna von Stavros (ich vermute, das ist ihr Mann) ca. 150 m dahinter am Abend offen hat. Sie bejaht und ich sage, dass wir so ca .um 8, 9 Uhr kommen werden. 9 sei besser meint sie. Und das alles auf griechisch. Wird schon langsam.

Der Weg zur Taverna ist doch länger als 150m, nämlich ca. 600. Links und rechts der Staubstraße sind Felder ohne jeden Bewuchs. Im Frühjahr muss es hier schön grün sein. Die Taverna ist jedenfalls in grün gehüllt und überraschend groß. Zwar nicht urgemütlich, aber schwer in Ordnung. Aus der totalen Finsternis rund um das Haus tauchen sogar Gäste für weitere zwei Tische auf.


13.08.2015 Donnerstag
08:10 Lésvos / Krousos Bucht Karte Abfahrt
11:15 Hafeneinfahrt
11:40 Lésvos / Plomári Karte Leinen fest
Zeit unterwegs: 03:30 Strecke: 22,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Nicht mal die Hähne krähen hier in der Früh. Wir verlassen diese neu entdeckte Superbucht bei absoluter Windstille. In Plomari wollen wir, wenn möglich, heute noch ein Auto mieten und die Insel befahren. Daher die frühe Abfahrt.
Im Stadthafen ist Platz genug vorhanden. Wir nehmen den Platz direkt neben dem für das Boot der Küstenwache reservierten, damit ggf. nur dieses sich an unsere Schlafseite legt. Das erste Mal mit der Beate, das zweite Mal überhaupt in diesem Sommer legt die Blodughadda klassisch mit Buganker und Heckleinen an. Bis diese passen, vergehen gute 20 Minuten und danach bin ich schweißgebadet. Das Hafenwasser ist absolut klar und ein kurzer Sprung ins Wasser wirkt Wunder.
Der erste Autoverleiher, Oceanis, gleich um die Ecke hat kein Auto. Der zweite, Imperial Car Rental Tel.+30 6946001263 oder +30 6977570711 hat eines bis morgen in der Früh um 30 Euro. Das passt. Um 14:15 fahren wir los, um den Berg Olympos im Gegenuhrzeigersinn zu umrunden. Die kurvenreiche Straße führt durch eine sehr schöne Landschaft mit üppiger Vegetation. Die etwas abseits der Hauptroute liegenden Bergdörfer Skopelos und Mesagros sollen ursprünglich und schön sein. Ersteres stimmt. Es ist eindeutig Siestazeit. Kaum ein Mensch zu sehen und wenn, dann bewegt er sich nicht. Eine alte Frau, die ihre Wasserflaschen am Dorfbrunnen auffüllt ist die Ausnahme.

13.08.2015: Brunnen im Dorf Skopelos
Brunnen im Dorf Skopelos
13.08.2015: In Mesargos gibt es eine Moscheeruine. Nicht ganz alltäglicher Anblick.
In Mesargos gibt es eine Moscheeruine. Nicht ganz alltäglicher Anblick.
13.08.2015: Der Blick von der Straße hinunter auf die Geras Bucht
Der Blick von der Straße hinunter auf die Geras Bucht
13.08.2015: Die Geras Bucht Richtung N
Die Geras Bucht Richtung N

Wir erreichen das Bergdorf Agiasos, unser eigentliches Ziel und vom letzten Besuch vor neun Jahren noch gut in Erinnerung. Bei der Dorfeinfahrt sind Verkaufsstände an beiden Straßenseiten aufgebaut. Aha, Touristenkram, denke ich. Aber nein, den gibt es weiter oben im Dorf. Das sind ganz normale Marktstände, die Bekleidung, Schuhe, Hausrat, Spielzeug usw. anbieten. Natürlich kann auch ein Tourist zuschlagen und 12 Paar Socken um 5 Euro kaufen, falls es ihm mit 32° im Schatten zu kalt ist. Hier einige Bilder vom sehr stimmungsvollen Ort:

13.08.2015: Sockenverkaufsstand
Sockenverkaufsstand
13.08.2015: Bergdorf Agiassos
Bergdorf Agiassos
13.08.2015: erste Souvenirbude
erste Souvenirbude
13.08.2015: Weitere Souvenisbuden. Sehr viele ganz nette Holzsachen.
Weitere Souvenisbuden. Sehr viele ganz nette Holzsachen.
13.08.2015: Ein Café an der überwachsenen Hauptstraße
Ein Café an der überwachsenen Hauptstraße
13.08.2015: Die stimmungsvolle Hauptstraße
Die stimmungsvolle Hauptstraße
13.08.2015: Brunnen bei der Kirche
Brunnen bei der Kirche
13.08.2015: Die Kirche
Die Kirche
13.08.2015: Die Hauptstraße von oben
Die Hauptstraße von oben
13.08.2015: Eine Nebenstraße
Eine Nebenstraße
13.08.2015: Café am Hauptplatz
Café am Hauptplatz
13.08.2015: Verkäufer
Verkäufer
13.08.2015: Handwerker
Handwerker
13.08.2015: Noch ein Café
Noch ein Café
13.08.2015: Über dem Eingang des Cafés
Über dem Eingang des Cafés
13.08.2015: Nochmals die Hauptstraße
Nochmals die Hauptstraße
13.08.2015: Eine Tischlerwerkstatt
Eine Tischlerwerkstatt

Der Weg auf der Westseite vom Olympos führt durch schöne Pinienwälder und durch die Bergdörfer Ampeliko und Akrasio. So gut ausgebaut die Straße zwischen den Dörfern ist, so schlecht ist sie in den Dörfern. Die breite Asphaltstraße hört einfach auf und ein sehr schmaler holpriger Weg schlängelt sich durch das Dorf. Wäre irgendwo ein Parkplatz zu sehen, würden wir stehen bleiben. Als eine Haltemöglichkeit auftaucht, sind wir aber schon durch.

13.08.2015: Pinienwald
Pinienwald
13.08.2015: Unser Leihwagen neben einem Salzhaufen - wahrscheinlich für das Glatteis im Wnter
Unser Leihwagen neben einem Salzhaufen – wahrscheinlich für das Glatteis im Wnter
13.08.2015: Das Bergdorf Ampeliko
Das Bergdorf Ampeliko

Auf der ganzen Strecke sehen wir immer wieder Fabriksruinen, schon in Plomari beginnend. Und auch hier mitten im nirgendwo taucht eine auf. Wir rätseln, was da mal erzeugt worden ist. Aber nachdem rund herum nur Olivenbäume sind, muss es wohl damit zu tun gehabt haben.

13.08.2015: Fabriksruine nach Akrasio
Fabriksruine nach Akrasio

Der Weg gabelt sich. In beide Richtungen geht es nach Plomari, links über eine auf der Karte rote Straße, von der aus man einen Abstecher nach Megalochori machen könnte, rechts eine gelbe via Paleochori und Malinta. Wir fahren nach rechts. Die Straße durch Paleochori gewinnt den Urigkeitspreis. Sie verwandelt sich in einen engen Hauptplatz mit Tischen und Sesseln auf beiden Seiten. Die Wirtin muss sogar einen Sessel wegräumen, damit wir durchfahren können. Die gesammelte männliche Ortsbevölkerung über 50 begutachtet uns neugierig. Ist sicher eine nette Abwechslung im Nichtstun, wenn ein Auto durch das Kaffeehaus fährt.

Die Ortschaft Melinta besteht anscheinend nur aus einer schmalen, vollgeparkten Gasse, einer Taverna mit Terrasse und Ausblick auf den schmalen Kieselstrand mit einem gewaltigen Felsbrocken davor.

13.08.2015: Strand von Melinta
Strand von Melinta

Wir trinken ein Bier und einen Eistee bevor wir nach Plomari zurück fahren, um fürs Boot einzukaufen und am Abend im Restaurant Berdema direkt beim Boot zu essen.
Das Auto bringe ich um 20:30h zurück. 96 km haben wir abgespult.


14.08.2015 Freitag
11:49 Lésvos / Plomári Karte Abfahrt
16:41 Oinoússes / O. Kalamiánis Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:52 Strecke: 34,6 Seemeilen Ø Fahrt: 7,1 Knoten


Bis Mitternacht ist es im Hafen recht angenehm. Doch dann wird die Sperre der Straße aufgehoben und die motorisierten Zweiradfahrer können endlich wieder Gas geben. Wir schlafen trotzdem. Ich mit vielen Unterbrechungen. Um 3:11h werde ich wieder geweckt und wünsche mir, ein Maschinengewehr zu haben. Platzpatronen würden ausreichen, um zumindest dem Geräusch Paroli bieten zu können. Dass sich die Bevölkerung dieses bieten lässt, ist mir ein absolutes Rätsel. Vorschlag zur Sanierung des Staatshaushaltes: Saftige Strafen für Lärmerzeugung in der Nacht.
In der Früh, sprich, bis ca. 11 Uhr ist es aber friedlich. Beate geht zum Bäcker und zum Fischgeschäft und danach setzen wir uns in eines der menschenleeren Cafés. Dann geht Beate zum Friseur und ich zum Geschäft für Cosmote Mobilfunk Internetgutscheine. Um 30 Euro kann ich das Guthaben mit 10 GB aufladen. Das dürfte reichen.
Während Beate beim Friseur ist, mache ich ein paar Fotos

14.08.2015: Der einzige Wasserhahn für die Yachten. Ich fülle aber nur einige Wasserflaschen auf, weil ich zu faul bin, einen entsprechend langen Schlauch auszulegen und die Wassertanks sowieso noch für mindestens 8 Tage reichen.
Der einzige Wasserhahn für die Yachten. Ich fülle aber nur einige Wasserflaschen auf, weil ich zu faul bin, einen entsprechend langen Schlauch auszulegen und die Wassertanks sowieso noch für mindestens 8 Tage reichen.
14.08.2015: Der nette Platz Platanos, wo ich das Internetguthaben in einem der Lokale auffülle. Die Platane dürfte 202 Jahre alt sein, schätze ich.
Der nette Platz Platanos, wo ich das Internetguthaben in einem der Lokale auffülle. Die Platane dürfte 202 Jahre alt sein, schätze ich.
14.08.2015: Eine der Straßen mit dem Fischgeschäft, die der Beate sehr an Skopje erinnert bevor der größenwahnsinnige mazedonische Ministerpräsident Nikola Gruevski die Altstadt zugunsten von kitschigen Prachtbauten hat schleifen lassen.
Eine der Straßen mit dem Fischgeschäft, die der Beate sehr an Skopje erinnert bevor der größenwahnsinnige mazedonische Ministerpräsident Nikola Gruevski die Altstadt zugunsten von kitschigen Prachtbauten hat schleifen lassen.
14.08.2015: Frischee Fischee!!
Frischee Fischee!!
14.08.2015: Leitertransport
Leitertransport
14.08.2015: Kafenion am Hauptplatz
Kafenion am Hauptplatz
14.08.2015: Der Liegeplatz der Blodughadda. Man beachte den schönen Lazybag mit der Namensaufschrift
Der Liegeplatz der Blodughadda. Man beachte den schönen Lazybag mit der Namensaufschrift
14.08.2015: Das Schlauchi sieht traurig aus. Muss noch 14 Tage überleben. Dann sollte das neue aus Deutschland bestellte in Kos angekommen sein.
Das Schlauchi sieht traurig aus. Muss noch 14 Tage überleben. Dann sollte das neue aus Deutschland bestellte in Kos angekommen sein.

Wir fahren bei wenig Wind los und allmählich wird er noch weniger. Es ist total diesig, das Meer ölig. Da heute Freitag ist und außerdem morgen der 15. August – einer der größten Feiertage in Griechenland – wollen wir möglichst weit weg von jedem potenziellen Rummel sein. Ich suche die Bucht Kalamianis auf Oinousses aus, wo wir schon vor 9 Jahren waren, garantiert friedlich. Bis auf zwei Häuser weit oberhalb des Scheitels und ein kleines Motorboot an einem halb versunkenen Holzsteg gibt es hier nichts. Oder vielleicht doch? Die Strände sind ziemlich voll von Müll, der zumindest teilweise von Flüchtlingsbooten stammt, also Schwimmwesten und Traktorschläuchen, die offenbar als Rettungsringe gedient haben. Ich überlege, ob ich Beate mit dem Gedanken beunruhigen soll, dass hier in der Nacht eventuell ein Flüchtlingsboot ankommen könnte. Aber meine Frau ist keine schreckhafte sondern eine logische: „Die Flüchtlinge wollen gerettet werden. Da werden sie nicht in eine menschenleere Bucht fahren.“
Womit das Thema erledigt ist und ich den Fisch putzen darf. Er schmeckt sehr gut. Eigentlich sind es drei: Zwei ganz kleine Rote Barben und eine ordentliche Brasse. Danach werfen wir wieder mal unser Cockpitkino an.


15.08.2015 Samstag
15:37 Oinoússes / O. Kalamiánis Karte Abfahrt
18:54 Ankunft Emporios
19:23 Chíos / Emporios Volcano Beach Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:46 Strecke: 24 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Der Morgen ist absolut windstill und total bewölkt. Der Schwimm im fast spiegelblanken Wasser ist herrlich. So gegen 10h als wir abwaschen kommt die Sonne zum ersten Mal ein wenig hinter den Wolken hervor. Es ist aber immer noch sehr diesig.

15.08.2015: Die Bucht Kalamiánis
Die Bucht Kalamiánis
15.08.2015: Beate macht den Abwasch
Beate macht den Abwasch
15.08.2015: Ich beobachte Wolken
Ich beobachte Wolken

Bevor wir los fahren folgt eine längere Arbeitssession, um ein ACT-Plakat zu gestalten. So gut wie kein Wind und keine Wellen machen die Fahrt angenehm. An unbewohnten SE-Kap von Chios, Nenita, vorbei fahrend sehen wir am Ufer hunderte Schwimmwesten, die nur von Bootsflüchtlingen stammen können. Die Schlepper dürften also doch ihre „Passagiere“ an unbewohnten Stellen ins Meer schmeißen. Die paar Schwimmwesten in der vorigen Bucht könnten aber leicht vom Wind von hier dorthin getrieben worden sein und sie muss deshalb nicht wirklich eine Schlepperfahrtendstation sein.

Wir erreichen die kleine Bucht von Emporios. Sie ist leider mit Booten voll belegt, weniger angenehm. Gleich südlich der Bucht finden wir aber eine Ankermöglichkeit vor dem schwarzen Kullersteinstrand, Volcano Beach genannt. Ca. 80 m vor dem Strand ist es bereits 10 m tief und der Ankergrund im Licht der tief stehenden Sonne nicht zu erkennen. Der Anker hält und die Taucherbrillenbegutachtung ergibt: Sandgrund, meist mit nicht langem Seegrasbewuchs. Unser Anker hat einen Sandfleck genau erwischt – gut!
Eine wichtigtuerische Griechin schwimmt herbei und meint, wir würden zu nahe am Strand ankern. Das machen wir aber definitiv nicht und die recht vielen Badegäste haben mehr als genug Platz, dort zu schwimmen, wo die Blodughadda nicht schwimmt. Außerdem wird es in einer Stunde finster und die Badegäste werden verschwunden sein.
Als wir zum Ufer paddeln, ist es schon fast ganz finster. Eine Straße gesäumt von mondänen Häusern führt über einen kleinen Hügel in den Ort Emporios. Auch hier ein paar elegante Häuser und ca. vier Lokale. So genau kann man die Anzahl nicht sagen, weil die Lokale Tische beim Haus und beim Wasser haben, dazwischen die Straße. Wir gehen ein Stückchen in den Ort. Nach 50 Metern ist es Schluss mit der Eleganz und die ganz normale griechische Architektur (ein Euphemismus in Bezug auf griechisch) zeigt sich.
Wir setzen uns in eines der Lokale an der Wasserfront und essen einen guten gebratenen Käse und einen furchtbaren Souvlaki.


16.08.2015 Sonntag
09:07 Chíos / Emporios Volcano Beach Karte Abfahrt
14:09 Ikaría / Fáros Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:02 Strecke: 35,2 Seemeilen Ø Fahrt: 7 Knoten


Nach dem Morgenschwimm fahren wir gleich los und frühstücken während der Fahrt über fast spiegelglattes Wasser. So bleibt es bis zum Ankerplatz. Unterwegs packe ich die zwei Brunner Strandsesseln aus, die ich als Reserve für die 2009 angeschafften schon vor einigen Jahren gekauft habe (ich kann nicht mehr nachschlagen, wann – sträfliches Blogbuchversäumnis). Ich werde schwer enttäuscht. Die neuen sehen gleich aus, sind es aber nicht. Die Rohrgestellkonstruktion ist eine andere:

16.08.2015: Zwei nicht sehr identische Sesseln der selben Typenbezeichnung
Zwei nicht sehr identische Sesseln der selben Typenbezeichnung

Man sieht es hier beim vorderen neuen: Er kippt nach hinten sobald man sich ein wenig zurück lehnt. Außerdem drückt sich das Gestellkreuz in den Rücken und der Stoff wird von dessen Niete sofort aufgerieben. Ich schreibe dem Hersteller Brunner in Bozen (eigentlich: Dem Chinaimporteur), und frage wie es sein kann, dass unter derselben Typenbezeichnung zwei unterschiedliche Sesseln verkauft werden. Einer sehr gut, der andere total unbrauchbar.

Wir ankern direkt vor dem kleinen Betonsteg in der Absicht, am Abend zu dessen Kopf zu reversieren und dann schlauchbootlos an Land gehen zu können. Aber die Ins-Wasser-Hupf-Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen dauern bis zur Dämmerung und außerdem findet dort ein Windsurfkurs in der aufgekommenen Abendbrise statt. Also wieder Schlauchi aufpumpen und paddeln. Wir gehen zum Minimarkt, der sich seit dem letzten Besuch gemausert hat. Sieht jetzt wie ein richtiges Geschäft aus.
Die drei Lokale am Ufer sind voll. Es wird zwar gerade ein Tisch frei, aber bei diesem Andrang ist sicherlich mit längerer Wartezeit zu rechnen. Allein bis der Tisch abgeräumt sein wird, werden sicherlich einige zig Minuten vergehen. Wir gehen daher auch und zwar zum neuen Lokal auf der W-Seite des Steges. Es ist auch voll und außerdem ein reines Strandcafé.
Das Essen an Bord schmeckt dann besonders gut, Packerlnudeln Carbonara und ein Gemischter Salat mit Thunfisch und Ei.


17.08.2015 Montag
09:46 Ikaría / Fáros Karte Abfahrt
13:34 Patmos / O. Lampis Karte Ankern
15:12 Patmos / O. Lampis Karte Abfahrt
16:03 Patmos / Livadi Geranou Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:39 Strecke: 30,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Der Ankerplatz wird durch Wellen ungemütlich, hier leider üblich. Dabei ist kaum Wind, aber dieser aus SW. Die Fahrt nach Patmos ist aber gemütlich. An der N Küste sichte ich viele Delfine mit dem Fernglas. Wir ändern den Kurs, um diese womöglich aus der Nähe zu sehen, was aber nicht gelingt. Dafür sehen wir uns die Nordküste von Patmos aus der Nähe an, was bei normalem Wind nicht möglich ist. In der Bucht Ag. Nikolaos ist nichts, nur ein Fischerboot ankert hier. In der Bucht Livadi Kalogirion liegen einige Fischerboote und hier ist ein wenig Badebetrieb. Eine kleine Taverna dürfte auch vorhanden sein. In der Bucht Lampi machen wir einen Badestopp. Ankergrund hier: Sand mit kurzem Seegras, hält gut. Beate schwimmt zum Strand, wo es eine Taverna, ein Café und gar nicht so wenige Badegäste gibt.
Wir fahren um das E-Kap herum und erreichen die uns gut bekannte Bucht Livadi Geranou. Schon gestern beim Passieren der Linie Samos-Ikaria hatte ich das Gefühl, das Ziel erreicht zu haben. Jetzt, wieder daheim zu sein. Das Gefühl wird noch durch Nenad verstärkt. Er und seine Frau ankern bereits hier mit ihrem Segelboot Almanama und begrüßt uns freudig winkend. Er kommt dann auch gleich mit dem Dinghy herüber gerudert und wir erzählen einander, wo wir bisher in diesem Sommer unterwegs waren. Heute waren sie in Patmos Skala und haben Grillfleisch für den Abend gekauft. Aber morgen Abend werden wir gemeinsam in der Taverna oberhalb der Bucht essen.
Beate und ich machen das bereits heute Abend, gar nicht schlecht. Es ist total windstill. Sieben Boote ankern in der Bucht. Die meisten Crews essen an Bord, denn nur 4 Tische sind besetzt. Von den drei anderen hören wir nur Französisch. In den letzten 6 Wochen war es fast nur Griechisch, außer in Platamon und Thassos, wo die Balkanesen Urlaub machen.
Zurück auf dem Boot ist es fast lautlos. Nur irgendeine Strandbar weit weg sorgt für gedämpfte Geräuschverschmutzung.

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3 Gedanken zu “2015-08-06 Südwärts”