Aktualisierung 20.08.2018 02:16:17 Anzahl Tage: 6
26.07.2008 Lefkas / Hafen Lefkada – Meganísi / O. Spilia
27.07.2008 Meganísi / O. Spilia – Meganísi / Vathy – Kastós / Bucht S v. A. Megálos Kávos
28.07.2008 Kastós / Bucht S v. A. Megálos Kávos – Festland / Astakós
29.07.2008 Festland / Astakós – Festland / Bucht ohne Namen N v. Platygiali
30.07.2008 Festland / Bucht ohne Namen N v. Platygiali – Skrófa / Ankerplatz
31.07.2008 Skrófa / Ankerplatz – Peloponnes / Patras
Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 54:32 Strecke: 81 Seemeilen Ø Fahrt: 1,5 Knoten
26.07.2008 Samstag
18:30 Lefkas / Hafen Lefkada Karte Abfahrt
20:30 Meganísi / O. Spilia Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:00 Strecke: 9,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten
Bei der Informationsbox gegenüber dem Liegeplatz erkundige ich mich nach einer Wäscherei. Jawohl, die gibt es der Straße entlang nach der Polizei rechts. Gut, wir packen alles zu Waschende in die Wäschetonne und marschieren los. Die Wäscherei ist eine Putzerei. Sie verlangt 15 Euro pro Maschine für Waschen und Trocknen. Wir hätten 2 Maschinen dabei. Also wieder Wäschewaschpreistreiberei wie in Zakynthos. In der vorigen Ortschaft Nydri hat die Maschine Wash&Dry 8 Euro, wie in Kos Marina gekostet. Weil ich am Donnerstag in der Marina eine Wäscherei gesehen habe und vermute, dass diese günstiger sein wird, marschieren wir dorthin. Aber von günstiger kann keine Rede sein: 15 Euro pro Maschine Wash&Dry, wir hätten 2 Maschinen dabei… Nun bleibt keine Wahl mehr aber wir reduzieren auf eine Maschine, nämlich auf das was unbedingt gewaschen werden muss, also die Lein-, Hand- und Badetücher. Beim Schreiben kommt mir jetzt in den Sinn, dass ich in Griechenland noch nie einen Selbstbedienungs-Waschsalon gesehen habe. Das wäre vielleicht eine Geschäftsidee. Am besten kombiniert mit einem Kafenion ausschließlich für Frauen, weil die griechischen Männer garantiert nicht einen Waschsalon betreten würden und die traditionellen Kafenions praktisch mit Frauenverbot versehen haben. Das wäre wohl eine Revolution aber gleichzeitig wohl zum Scheitern verurteilt – noch.
Die Wäsche soll um 18h fertig sein und wir marschieren mit der Restwäsche zurück. Ich besorge Halterungen für den Außenborder, damit dieser auf die Heckreling aufgehängt werden kann. Als ich mir überlege, wie das am besten zu machen ist, rutscht mir ein Klotz aus der Hand und landet im fast undurchsichtigen Hafenwasser. Weil er weiß ist, kann ich ihn auf dem Grund gerade noch ausmachen. Ich versuche ihn mit dem Bootshaken zu erreichen aber trotz der geringen Tiefe, gelingt das nicht. Ich überlege, um wie viel Geld ich bereit wäre, in der Brühe zu Tauchen und komme zum Entschluss, dass es viel mehr wäre als die 36,50, die die Halterungen kosten. Also kaufe ich eine weitere Packung. Beim Montieren bin ich jetzt sehr vorsichtig und es dauert lange, bis ich die richtige Lösung gefunden habe.
Kurz vor 17h kommt Takis mit dem reparierten Bimini und Vorsegel. Dieses hat er selbst repariert und verlangt gar nichts dafür. Das Bimini hat er zum Nähen weiter gegeben, weil er nicht den benötigten Zipferschluss hatte. Das kostet 50 und das Schlauchboot kann er um 650,- hergeben. Das freut mich natürlich, denn inzwischen hatte ich schon beschlossen es zu kaufen, weil es gut zu rudern ist (Sitzbrett vorhanden) und ich es einfach jetzt brauche. Wir fahren gemeinsam zurück in die Marina für die Kreditkartenzahlung und um die Wäsche abzuholen. Danach bringt er mich wieder zurück und wir verabschieden uns auf unbestimmte Zeit – sicher sehr lange Zeit, vielleicht für immer.
Beate und ich beschließen, die kommende Nacht wo anders zu verbringen. Sie geht noch Geschenke und sauteures Bier einkaufen – 1,- pro 0,33 Dose! Um 18:30h fahren wir los.
Weil ich schon beobachtet hatte, dass hier nicht nur der Anker sondern auch die Ankerkette voll von Schlamm sein wird, machen wir das Ankeraufmanöver etwas anders als sonst: Wir fahren einfach los ohne uns um die Ankerkette zu kümmern. Der Wind ist ablandig und da holen wir vor den anderen Booten liegend die Kette ganz gemütlich herauf, wobei ich diese mit dem Bootshaken hin und her rüttle während Beate sie mit der Ankerwinde einholt. Gelegentlich löst sich ein Klumpen nicht von der Kette aber da kann ich der Beate entsprechend Bescheid sagen und die Kette wieder ins Wasser dirigieren. So bleibt der Ankerkasten einigermaßen sauber. Aber grauslich ist es schon.
Jetzt fahren wir durch den 3,4sm langen, 25-35m breiten, auf 4,5m Tiefe ausgebaggerten Kanal in Richtung S. An beiden Seiten davon befinden sich weite Flächen mit ganz seichtem Wasser. Eine seltsame Landschaft.
Um 20:30h erreichen wir die Bucht Spilia auf der N-Seite der Insel Maganisi. Zu unserer Überraschung kommt ein Mann im Schlauchboot uns entgegen und bietet einen kostenlosen Platz am Schwimmsteg an. Wir sollen nur in die Taverna essen gehen. Der Platz ist sehr eng aber der gute Mann schiebt mit dem Schlauchboot nach. Am Steg steht ein anderer, der die Festmacher entgegen nimmt und uns eine Mooringleine reicht. Also gleiches Service wie in er Marina Kos. Sogar Strom gibt es zum gleichen Preis. Wir sind entzückt und gehen schwimmen, denn das Wasser ist trotz der vielen Boote ganz klar.
Wohin wir abendessen gehen ist also auch klar wie Hafenwasser. Es gibt nur die eine Taverna „Porto Spilia“. Sie ist riesengroß, weil es früher zwei waren. Der Besitzer, der uns mit dem Schlauchboot eingelotst hat, erzählt uns das und dass er die Taverna von seinem Vater übernommen hat und die zweite Taverna aufgekauft hat. Den ganzen Abend rennt er geschäftig nur in Badeshorts bekleidet herum und kontrolliert das Funktionieren seiner Riesentaverna. Das tut sie tatsächlich perfekt und gut und günstig ist das Essen auch noch. Wir essen leistbaren Fisch (12,- pro Portion Goldbrasse mit Pommes) an einem der vielen Tischen auf dem Kiesstrand.
27.07.2008 Sonntag
11:30 Meganísi / O. Spilia Karte Abfahrt
12:00 Meganísi / Vathy Karte Angelegt
14:44 Meganísi / Vathy Karte Abfahrt
17:00 Kastós / Bucht S v. A. Megálos Kávos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:45 Strecke: 14,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten
Eigentlich wollen wir den Ort Spartochori besuchen, der direkt oberhalb liegt. Aber der dicke Wirtassistent kommt um 11h vorbei und sagt, er benötige alle Plätze am Schwimmsteg, weil sich telefonisch schon so viele Besucher zum Mittagessen angesagt hätten. Also Schluss mit Gastfreundschaft. Wir haben schon gegessen, wir können gehen. Aber ich verstehe das ja auch. Am Sonntag wollen sicher viele Familien einen Ausflug machen und da bietet sich dieser Platz wirklich sehr gut an.
Wir fahren also los. 30 Minuten später legen wir im nächsten Ort Vathy an. Obwohl das Hafenwasser furchtbar dreckig ist, macht der Ort einen schnucklig-sauberen Eindruck. Hafenausbauarbeiten sind im Gang und sogar am Sonntag werden riesige Betonklötze von einer Arbeitsplattform auf das flache W-Ufer entladen. Wir flanieren in extrem langsamem Tempo herum, stellen fest, dass der Bäcker nicht offen hat, seine Öffnungszeiten auch nicht angeschlagen hat aber dafür die Zeiten der Fährverbindungen mit Lefkas und landen dann in der Cafe-Bar Patrino. Je 2 Euro für Capuccino und großes Bier ist sehr moderat. Wir versuchen erfolglos, jemanden zu finden, der die aufgestellten mit Jetons funktionierenden (oder auch nicht) Strom- und Wassersäulen in Gang bringen könnte. Weder Person noch Jetons sind irgendwo aufzutreiben.
Um 14:45h fahren wir weiter. Beate möchte schwimmen. Ich biete ihr einen Strand gleich E vom N-Kap der Insel Kálamos an, der laut griechischem Seekartenbuch wunderbar sein soll und wo Onassis und Kallas gebadet haben sollen. Natürlich ist sie damit einverstanden. Aber als wir nach fast zwei Stunden dort ankommen (Onassis hatte sicher ein schnelleres Boot) müssen wir feststellen, dass es da so toll nun auch nicht ist aber sehr viele Leute dieser Meinung sein müssen.
Wir fahren weiter. Die E-Küste der nächsten Insel, Kastós soll jede Menge Kiesstrände haben. Der erste wäre gleich nett aber nicht ohne Landleine zu benützen. Dazu habe ich keine Lust. Der nächste passt. Das Wasser ist klar und kalt, 21°. Der Anker liegt perfekt in einem Sandfeld umringt von niedrigen Felsplatten. Der Wind dreht uns mehrmals im Kreis und kleine Wellen kommen immer wieder vom offenen Wasser zwischen uns und dem Festland. Aber ich befinde den Platz für gut genug zum Übernachten. Ein Nachtsturm ist nicht zu erwarten.
28.07.2008 Montag
12:30 Kastós / Bucht S v. A. Megálos Kávos Karte
15:10 Festland West / Astakós Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:40 Strecke: 12,4 Seemeilen Ø Fahrt: 4,6 Knoten
Morgenschwimm im kristallklaren, spiegelglatten aber kalten Wasser, Frühstück mit weichem Ei und Wespen, Abwasch, lesen, Abfahrt um 12:30h. Nach 20 Minuten kommen wir zum einzigen Ort der Insel. Obwohl Platz zum Anlegen vorhanden wäre, fahren wir weiter. Ein Fall von Attraktivitäsmangel. Entlang der restlichen E-Küste von Kastós leiden die Buchten entweder genau darunter oder sie sind mit einem Segel- oder Motorboot italienischer Provinienz besetzt. An der s-Spitze nehmen wir deshalb Kurs auf das Festland. Die Motoren schnurren weiterhin nur mit 2000rpm aber mit der Genua dazu kommen wir im mäßigen Rückenwind auf über 6kn Fahrt.
Nach ca. einer Stunde erreichen wir die Einfahrt in die Bucht Astakos am Festland. Bis zum Ort gibt es keine verwendbaren Ankerbuchten und der Ort selbst sieht wenig anlegefreundlich aus. Aber zwischen Wellenbrecher und Fischerhafen befindet sich ein Badestrand, vor dem sich ankern lässt. Das machen wir auch auf 4,5m Tiefe. Hier hat man keine Chance, den Meeresgrund zu sehen. Dafür ist das Wasser mit 24° wieder badefeundlicher.
Während des entspannten Nachmittags putze ich widerwillig die Bilgen. Die stbd-Bilge ist trocken aber schmutzig. die bb-Bilge hat ca. 2l Wasser und bereits Algenbildung. Ich verwende griechisches Chlorputzmittel, um jegliche Bakterien zu töten.
Um 20h fahren wir erstmals mit dem neuen Schlauchboot an den Strand. Wir gehen der Strandpromenade entlang und wundern uns über die vielen Lokale, in denen kein Mensch sitzt. Wir gehen vor bis zum Fähranleger und wieder zurück entlang der Hauptstraße an der Rückseite der Häuser der Wasserfront. Es ist deutlich zu sehen, dass es hier um keinen Touristenort handelt. Es fehlen die Fetzen- und Badeutensiliengeschäfte.
Wir setzen uns in die Taverna Dionysos direkt am Strand. Mehr Gäste als uns zwei hat sie nicht und bekommt sie auch nicht so bald – sprich während wir dort sind. Aber wir essen hervorragend und bekommen sowohl eine Vorspeise als auch die Nachspeise von „The boss“ geschenkt. Beide ausgezeichnet. Dann gehen wir die paar Meter zu den Hafenflaniermeilenlokalen. Kaum zu glauben, aber sie sind alle fast voll. Woher kommen die Leute???
Wir bekommen einen Tisch in der ersten Reihe der Flaniermeilenbeobachtungszone und bestellen Kaffee und Metaxa (ich). Dann rudern wir bei absoluter Windstille zurück zum Boot. Das lauteste Lokal spielt „läif is läif, bab baa da da dam“ über die windstille Bucht und einige auffrisierte Mopeds mischen im Chor mit.
29.07.2008 Dienstag
14:15 Festland West / Astakós Karte Abfahrt
15:27 Festland West / Bucht ohne Namen N v. Platygiali Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:12 Strecke: 5,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,6 Knoten
Viele Fischerboote fahren hier ein und aus, machen Krach und Wellen. Die Einheimischen dürften gerne früh am Morgen schwimmen gehen, wobei sie Hüte aufhaben und sich im unendlich langsamen Schwimmtempo lautstark unterhalten.
Um 11:30h verlegen wir das Boot zum Hafen, um einzukaufen und Wasser zu tanken. Zuerst gehen wir längsseits an den Fähranleger. Da habe ich gestern einen Wasserhahn gesehen. Beate geht Brot und Joghurt einkaufen. Ich stelle fest, dass eines der drei neben einander liegenden großen Fischerboote den Wasserschlauch in Beschlag genommen hat. Das könnte länger dauern und am Horizont sehe ich bereits die Fähre kommen. Als Beate zurück kommt verlegen wir das Boot auf die andere Seite des riesigen Hochseeschleppers, der hier liegt. Ich wundere mich wieso. Hochseeschiffe gibt es hier keine zu sehen.
Vor einer Taverna finde ich auf einem kleinen Rasenstück einen weiteren Wasserhahn. Meine Frage, ob ich mich daraus bedienen darf wird bejaht und ich rolle die Schläuche aus. Den schmutzigsten verwende ich für die Straßenquerung, weil dieser von vielen Autos überfahren werden wird. Der Hebel des Wasserhahns ist kaputt aber mit einer Zange kann es doch „Wasser marsch!“ heißen. Eigentlich heißt es „Wasser kriech!“ denn der Druck ist so schwach, dass kaum etwas in den Tank kommt. Ich setze mich in die Taverna mit Blick auf den Überlauf und bestelle mir ein Bier. Dieses kommt mit einer Miniportion Huhn und Pommes. Beate geht auf ein Capuccino einige Lokale weiter. Sie kommt dann zu mir und ich bestelle noch ein Bier. Diesmal kommt es mit einer Miniportion Sardinen mit Pommes. Es dauert fast 2 Stunden bis der kleinere Wassertank mit ca. 125 Liter voll ist. Den größeren versuche ich erst gar nicht aufzufüllen. Dabei dürfte es nicht so sein, dass der Wirt absichtlich den Wasserdruck reduziert, um mehr Umsatz zu machen. Denn einerseits ist der Wasserdruck beim Händewaschen auf der Toilette auch sehr niedrig und andererseits ist der Preis für ein Bier mit Meze mit 1,70 Euro ja so gut, dass man auch ohne Wasserdruckproblem hier ein solches zu sich nimmt.
Um 14:15 dampfen wir in die Vorspring ein, damit wir aus dem engen Platz wieder heraus kommen. Die Bucht Panteleimon keine 3sm weiter entlang des Festlandes ist das Ziel. Aber leider ist diese schöne Bucht durch Fischfarmen völlig zerstört. An der S-Seite der Halbinsel, die diese Bucht gegen S abschließt, finden wir aber eine schöne Bucht. Nur zwei italienische und ein englisches Segelboot ankern hier. Das Wasser ist trüb und der Anker hält bombenfest, also Schlickgrund.
Zum Abendessen kocht Beate die in Astakos eingekauften Fische. die kleinen für sie, den großen für mich. Alle werden einfach in der Pfanne gebraten und mit Erdäpfel und griechischen Salat verspeist.
Am Ufer entlang zieht eine kleine Horde Minirindviecher, die nicht viel größer sind als die sonst üblichen Ziegen. Dürfte irgendeine widerstandsfähige griechische Spezialrasse sein.
30.07.2008 Mittwoch
14:30 Festland West / Bucht ohne Namen N v. Platygiali Karte Abfahrt
16:49 Festland West / Skrofa Ankerplatz Karte Ankern
Zeit unterwegs: 23:02 Strecke: 13 Seemeilen Ø Fahrt: ,6 Knoten
Eine weitere neue Tiergattung gibt es hier: Flugameisen oder sowas ähnliches. Als ich um 8h hinaus gehe, ist das Salondach voll davon. Sie bewegen sich kaum. Auch nicht wenn man sie tötet. Mir fällt nichts ein, was ich sonst mit ihnen machen könnte. Also metzle ich sie nieder mit dem Fliegenpracker und sammle sie dann auf zur Entsorgung ins Meer.
Der Hoschseeschlepper aus Astakos quert draußen vorbei und bleibt stehen. Bald kommt auch schon das dazugehörende Hochseeschiff, nämlich ein Containerschiff. Es wird in die Nachbarbucht begleitet! Wir fahren los und sehen sie uns an. Tatsächlich, hier mitten in nichts wurde eine schöne Ankerbucht in einen hochmodernen Containerhafen umgebaut. Ein Sattelschlepper, der mit einem dieser hier zu tausenden gestapelten Container beladen wird, sieht direkt witzig winzig aus.
Wir fahren wieder hinaus und fahren Richtung S. Es ist sehr diesig. Überall befinden sich Fischfarmen. Es gibt auch viele vorgelagerte Inseln, die s.g. Echinaden. Aus der Ferne sehen sie ganz nett aus. Aber weil hier keine einzige Ankerbucht vorhanden ist, taugen sie nur als Fischfarmbehausungen. Diese Ecke des Ionischen Meeres ist sicher die schrecklichste.
Wir umrunden die Mündung des Flusses Achelóos mit großem Abstand, weil hier so flaches Schwemmland ist. An der absoluten SW-Ecke des Festlandes finden wir einen Ankerplatz zwischen den Inselchen Skrofa und Skrofopúla (kein Witz), die eigentlich mit Sanddünen mit einander verbunden sind, die eine riesige Lagune vom Meer abtrennen. Endlich haben wir klares Wasser und reinen Sandgrund in 2m Tiefe. Der Platz ist zwar sehr offen und die Nachmittagsbrise lässt uns ein wenig schaukeln. Aber endlich auch wieder allein an einem Ankerplatz.
Unter dem Sternenhimmel und mit Blick auf die in der Ferne vorbei rauschenden Fähren zwischen Italien und Patras sehen wir uns einen Krimi aus der Konserve an. Das haben wir auch noch nie gemacht.
31.07.2008 Donnerstag
09:30 Festland West / Skrofa Ankerplatz Karte Abfahrt
15:40 Peloponnes NNW / Patras Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 22:50 Strecke: 26,2 Seemeilen Ø Fahrt: 1,2 Knoten
Die ganze Nach pfeift ein ablandiger Wind in der Takelage. Er ist nicht stark aber laut. Wir wollen Johan und Agneta in Patras am Nachmitag abholen und vorher einkaufen und Boot waschen und auftanken. Daher fahren wir um 9:30h los. Obwohl wir nach E wollen, müssen wir über eine Meile Richtung S fahren, um die extrem lange Flachstelle am Kap Skrofa zu umrunden. Da ist ein GPS-Wegpunkt schon sehr brauchbar.
Der schwache Wind aus N stirbt bald komplett ab und wir motoren über ein spiegelblankes Meer. Etwa 12sm vor Patras sehe ich, dass das Wasser am Horizont ganz dunkel ist. Bald kommen Wellen entgegen und 10 Minuten später sind wir im ärgsten Gegenwind. Wir müssen die Geschwindigkeit reduzieren.
Die zahlreichen Italien-Fähren zeigen uns, wo die Hafeneinfahrt ist. Wir halten uns in großem Respektabstand N von der Route und erreichen um ca. 15h die N-Seite des Yachthafens, der N des Fährhafens liegt. Gerade als wir dem Wellenbrecher entlang fahren, kommt das Wasserflugzeug der www.airsealines.com aus der Marina heraus und startet mit großem Getöse und gewaltiger Wasserfontäne gleich neben uns – faszinierend.
Wir biegen in die Marina ein und ein freundlicher Mann empfängt uns am ersten Schwimmsteg mit der Information, dass die Marina voll ist und wir im Fährhafen anlegen sollen nach vorheriger Anmeldung über VHF Kanal 13 bei Patra Traffic. Diese antwortet auch sogleich und weist uns an, in der Mitte des Hafens hinter den Küstenwachbooten anzulegen. Das machen wir dann auch gleich bei einigen Containeranhängern von DHL. Ich steige aus und frage einen der Hafenpolizisten, wo der nächste Supermarkt sei. Er weiß es nicht. Wo man Wasser für das Boot bekommen könnte. Er weiß es nicht. Blöderweise frage ich ihn nicht, wo man aus dem Hafengelände herausgehen kann. Ich gehe zunächst in südlicher Richtung, dort wo die Autos ein- und ausfahren. Aber nach einigen hundert Metern kehre ich um. Ein Ende des schwarzen Metallgitters ist nicht zu sehen. Der Lärm der vielen Autos und von den noch mehr Sattelschleppern, die außerdem dauernd hupen, ist ohrenbetäubend.
In der anderen Richtung gibt es eine Taverna mitten im Lärm. Ich gehe hinein, um ein Bier zu kaufen und mich zu erkundigen. Ja, gleich neben der Taverna gibt es ein Tor für Fußgänger und nach überquerung des Gleises und der 3-Spurigen Einfallstraße,käme ein Supermarkt nach 150m. Als ich wieder hinaus gehe, sehe ich eine Gruppe Jugendicher, die sich hinter einem geparkten Auto verstecken, offensichtlich vor dem Polizeiauto, das gerade vorbei fährt. Ich denke gleich, dass es sich nur um Flüchtlinge handeln kann, die auf eine Gelegenheit warten, unbemerkt auf eine der Fähren nach Italien zu gelangen.
Ich gehe zur Blodughadda zurück. Beate ist ganz aufgelöst. Sie hat einige Containertrailers weiter eine Gruppe Männer beobachtet, die sich darunter verstecken. Bei genauerer Beobachtung sehen wir jede Menge davon, die von einem Versteck zum nächsten huschen. Wir beschließen, das Boot nicht allein zu lassen und daher keinen Einkauf zu machen. Wir warten also auf den Anruf von Johan und diskutieren das Beobachtete. Wenn wir schon nach so kurzer Zeit so deutlich sehen, was hier vor sich geht, muss die Polizei es ja auch schon längst wissen. Und wenn die Polizei es wirklich wollte, könnte sie diese Flüchtlinge wie nichts festnehmen. Aus irgend einem Grund tun sie das aber nicht.