Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2005-07-25 Kos – Symi

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 11:53:30 Anzahl Tage: 6
25.07.2005 Kos Nord / Marina
26.07.2005 Kos / Marina – Psérimos / O. Vathy
27.07.2005 Psérimos / O. Vathy – Kálymnos / O. Vlychádia
28.07.2005 Kálymnos / O. Vlychádia – Kos / Marina – Gyali
29.07.2005 Gyali – Nisyros / Páli – Tílos / O. Èristos
30.07.2005 Tílos / O. Èristos – Symi / Hafen

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Lamprecht Matthias
Wild Sigrid
Wild Carmen

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 20:56 Strecke: 132,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


25.07.2005 Montag
Kos Nord / Marina
Beate, sigrid und Carmen holen Matthias vom Flughafen ab und machen eine kleine Inselrundfahrt. Ich besorge diverse Dinge für den neuen Außenborderbezintank und für die Gasversorgung. Von Takis höre ich, dass der Mechaniker morgen früh antanzen wird. Daher mache ich selbst keine Servicearbeiten am kränkelnden Motor. Soll der Spezialist seine Meinung bilden.
Vor der Marina manövriert die größte Sloup, die ich je gesehen habe, Mirabella V. Sie ist sicher 50 bis 60 m lang, einfach unanständig gigantisch.
Abends essen wir an Bord.


26.07.2005 Dienstag
19:45 Kos / Marina Karte Abfahrt
21:31 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:46 Strecke: 8,7 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten


Takis kommt mit der neuen Kühlwasserpumpe um 10h. Der Mechaniker Dimitris eine halbe Stunde später. Binnen einer Stunde hat der die Pumpe umgetauscht, den Startermotor und die Lichtmachine am Stbd-Motor und die ebenfalls etwas lecke Kühlwasserpumpe am Bb-Motor ausgebaut und zum Service in seine Werkstätte mitgenommen. Soll heute noch fertig werden!
Während die Mannschaft zum Strand geht, putze ich die Motorbilgen und schwitze ganz furchtbar. Dabei entdecke ich etwas, wonach ich schon seit 1575 Tagen gesucht habe (nicht täglich aber mindestens schon 10 Mal): Die Motornummer! Sie wäre ganz leicht zu sehen, wenn man direkt vor dem Motor steht und nicht größer als 40 cm wäre. So kann ich sie nur mit einem Spiegel ablesen. Es ist wohl ein Armutszeugnis für Yanmar, dass im Motorhandbuch nicht vermerkt ist, wo sich die Motornummer befindet. Dafür steht drin, dass man Motoröl, das Getriebeöl im Saildrive und Kühlflüssigkeitsstand vor jedem Motorstart kontrollieren soll. In der Praxis würde das eine tägliche schweißtreibende Arbeit von mehr als einer Stunde bedeuten. Und wenn man es wirklich wörtlich nimmt, müsste man auch nach dem Segeln bevor man in den Hafen unter Motor einläuft das halbe Boot zerlegen um die Kontrolle durchführen zu können – sicher sehr lustig bei starkem Wind und Wellengang.
Andererseits, hätte ich mich daran gehalten, wäre mir der Wassereintritt rechtzeitig aufgefallen und die Probleme wären wesentlich geringer gewesen. Also ab heute heißt es: Kontrolle alle 15 Motorstunden, mindestens 1 x pro Woche.
Außerdem schmiere ich die Motorkontrollzüge mit weißem Sprühfett.
Kurz nach 17h kommt Dimitris wieder. Er hat beide Wasserpumpen in Ordnung gebracht und den Startermotor auch. Die Lichtmaschine war nicht mehr zu reparieren – Regler durchgebrannt/gerostet. Dafür hat er eine generalüberholte Lichtmaschine dabei. In Affentempo baut er alles wieder ein und stellt noch an beiden Motoren die Ventile richtig ein. Um 18h sind beide Motoren wieder bestens funktionsfähig. Es war ja doch eine gute Idee, einen Fachmann werken zu lassen.
Die Mannschaft kommt vom Strand zurück und alle sind dafür, heute noch abzulegen. Wasser, Milch und Eiswürfeln werden noch eingekauft und ich begleiche die Tagesrechnung beim Takis für das Motorservice – 950 Euro.
Um 19:45 legen wir ab und motoren bei wenig Wind aber großen Wellen nach Psérimos, wo wir um 1/2 10 ankommen. Wir werfen Anker an der Stelle, wo die wenigsten Fallböen kommen, denn inzwischen hat der Wind zugenommen. Anschließend sitzen wir noch im Cockpit und beobachten Kos und die Türkei beleuchtet. Ein großes Hotel auf Kos fällt uns auf. Später stellt es sich als Fährschiff heraus.


27.07.2005 Mittwoch
16:39 Kálymnos / O. Vlychádia Karte An Boje
Zeit unterwegs: 02:20 Strecke: 13,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Um die Mittagszeit verlegen wir uns in den inneren, sehr seichten Teil der Bucht und werfen den Anker auf 1,7 m Tiefe. Es folgt ausgiebiges Baden und Matthias kocht uns leckere Schinkenfleckerln. Die Fallböen sind wie hier üblich furchtbar und die kurze Ankerkette reißt immer wieder heftig am Boot. um 14:20h verlassen wir die Bucht und ich staune nicht schlecht über die totale Flaute, die am SE-Spitz von Psérimos herrscht. Wie können solche Fallböen entstehen, wenn gar kein Wind vorhanden ist?
Wir umrunden die Insel südlich und machen eine “Hafenrundfahrt” vor dem einzigen Ort. Ohne anzuhalten fahren wir wieder hinaus. Dort erwartet uns wieder ein starker Nordwind, der etwa eine Meile später auf 4 kn abnimmt. Wieder kurz vor Kálymnos nimmt der Wind wieder zu und in der Bucht kommen auch wieder Fallböen. Wir nehmen eine der zwei ausgelegten Bojen.
Nach 22 Tagen nehmen wir das Schlauchboot das erste Mal in Betrieb. Drei bemerkenswerte Sachen: 1. Im Boot befand sich ziemlich viel Süßwasser – kann sich nur um über die Tage angesammelter Tau handeln. 2. Der Motor springt nicht an, weil der neue Benzinschlauch nicht passt.(“Yes, yes, that is a standard connection” sagte der Verkäufer). Ein 4 Jahre alter Honda-Anschluss ist also dann nicht standard. Das Problem lässt sich mit 2 kleinen O-Ringen lösen. 3. Nachdem Matthias die Damen zum Ort gebracht hat, ist weder Vor- noch Rückwärtsgang von Wirkung. Er muss zum Boot zurückrudern. Die Diagnose: Scherstift gebrochen. Das ist leicht zu beheben. Aber nachdem er unmöglich auf einen Stein aufgefahren sein kann, ist der Scherstift von selbst gebrochen. Wahrscheinlich Materialermüdung mit der Zeit.
Wir essen in der Strandtaverna Paradise, wo wir von Wespen belästigt werden. Auch der brennende Kaffeesud, den der Wirt als Patentrezept bringt, hilft nicht wirklich.
Beate und ich schwimmen zum Boot zurück und sie lernt dann schwedisch mit meiner Hilfe, während die anderen im Cockpit BOOMO spielen.


28.07.2005 Donnerstag
11:00 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Abfahrt
12:48 segel setzen
13:35 Motoren starten
15:30 Kos / Marina Karte Anlegen
16:20 Kos / Marina Karte Abfahrt
19:44 Gyali / Strand Karte Ankern
Zeit unterwegs: 07:54 Strecke: 52,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


In der Nacht fahren wir Karussell. Der Wind dreht ununterbrochen und kommt mit unterschiedlichen Windstärken daher. Da leistet die Boje gute Dienste. Erst gegen 10h stabilisiert sich der Wind auf NW.
Wir legen um 11 Uhr ab und wollen an Kos westlich vorbeifahren. Kurz nach der Ausfahrt aus der Bucht bemerke ich beim Auspuffcheck, dass der Bb-Motor grauen Rauch und auch das Kühlwasser aus dem auspuff ist grau statt weiß. Ich lasse den Matthias das auch überprüfen und er bestätigt, dass der graue Rauch bei Motordrehzahlen über 2000 vorhanden ist (beseitigt meine Befürchtung schon paranoid zu sein). Das soll so nicht sein. Also rufe ich den Takis an und berichte darüber. Er verspricht, mit dem Mechaniker darüber zu reden und zurückzurufen. Inwzischen ist der Wind ganz ordentlich, um nicht zu sagen überordentlich aus NW mit großen Wellen präsent.
Takis ruft an und gibt Anweisung, den Stopphebel und die Dekompressionshebel am Motor zu checken. Das mache ich und kann nichts besonderes feststellen. Als ich ihm das berichte, schlägt er vor, die Sache von Dimitris überprüfen zu lassen. Wir ändern also den Kurs richtung E, um nördlich an Kos entlang zur Marina zu fahren. Weil der Wind gut ist, ziehen wir die Segel hinauf. Das ist bei dem Wind und Wellengang recht mühsam aber wir werden danach mit guter Segelfahrt belohnt. Allerdings nur ca 40 Minuten lang, denn ab Höhe Mastichari schläft der Wind vollkommen ein. Also wieder Motoren starten und Genua einrollen. Nach einer halben Stunde fast Flaute hole ich auch das Großsegel ein. Die Flaute hält bis zur Südspitze von Psérimos an, wo der NW-Wind wieder moderat einsetzt.
Wir beobachten schon seit langem mehrere Segelboote, die von Bodrum nach Kos segeln. Vor der Marina ist das Ziel der Regatta und wir müssen zwischen den dort eintreffenden Segelbooten zur Tankstelle durchfahren.
Dort angekommen gehen Beate und Matthias gleich einkaufen und ich fülle den Dieseltank mit 64 l wieder auf. Dimitris und sein Lehrbub sind schon zur Stelle und Takis kommt auch sogleich mit dem Fahrrad. Wir legen wieder ab und ich zeige ihnen, dass der Bb-Motor nicht auf die gleichen Touren kommt wie der Stbd-Motor, max. 2700. Allerdings ist die Rauchentwicklung kaum noch wahrnehmbar. Wir fahren herum und Dimitris checkt den Motor, kann aber keinen Fehler entdecken. An der Molenmauer gegenüber der Tankstelle wieder angelegt, steigen die Griechen von Bord und Beate und Matthias kommen gleich daher. Wir wollen nicht in der Marina bleiben, sondern legen gleich wieder ab. Dabei hören wir Leute in der Marina schreien und können sehen und hören, wie ein großes Gulet beim Versuch umzudrehen, den Mast eines Segelbootes mit der weit herausragenden Passarella mit einem Riesenkrach abrasiert. Die Leute schreien fürchterlich. Viel mehr können wir nicht beobachten, sind aber froh, nicht in der Marina zu sein.
Wie bei Meltemi üblich, ist der NW-Wind an der E-Spitze von Kos sehr stark. Die ausgerollte Genua bringt das Boot auf über 8 kn Fahrt und nach Kap Fokás kommen die Fallböen von Kos mit ungeheurer Wucht daher. Aber es dauert nicht lange bis wir das Flautenloch erreichen und die Genua ganz einrollen. Um 1/2 8 erreichen wir den Ankerplatz S von Gyali.
Es gibt einen ganz köstlichen Hühnertopf mit Kartoffelpüree. Während ich das hier schreibe, spielen die anderen Alhambra im Cockpit.
Ach ja: seit einigen Tagen ist der Meltemi da und die seltsamen Nachmittags-Abendwinde nicht mehr.


29.07.2005 Freitag
12:35 Gyali / Strand Karte Abfahrt
13:15 Nisyros / Páli Karte Anlegen
13:51 Nisyros / Páli Karte Abfahrt
14:17 bei E-Spitze Nisyros segel setzen
14:43 Motoren starten
17:10 Tílos / O. Èristos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:58 Strecke: 23,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Alle schlafen lange. Nach dem Frühstück legen wir um 1/2 1 los. Wir fahren nach Pali um Brot einzukaufen und den Müll loszuwerden. Beides gelingt. Auf der Weiterfahrt setzen wir die Segel an der NE-Spitze von Nisyros. Nach kurzer Segelfahrt ist der Wind wieder futsch. Kurz vor Tilos kommt er wieder. Die Mannschaft liest. An der W-Spitze von Tilos sind die Wellen ganz schön groß. Mit Großsegel und Stbd-Motor kommen wir schnell zur Einfahrt in die Bucht, wo die Wellen bald abnehmen.
Das Wasser ist hier besonders warm und wir schwimmen und schnorcheln. Carmen und Matthias machen Sprungübungen auf die gefundene Schildkröte bis sie kaputt ist. Ich schraube den Wärmetauscher von Bb-Motor auf und finde nicht wenig Seegras, das ich entferne – möglicherweise die Ursache für die mangelnde Motorleistung.
Das Boot wackelt weil eine Dünung in die Bucht hereinkommt aber es ist absolut windstill.


30.07.2005 Samstag
10:40 Tílos / O. Èristos Karte Abfahrt
14:16 Badestopp
14:52 Weiterfahrt
16:14 vor dem Hafen
Zeit unterwegs: 04:57 Strecke: 34,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,9 Knoten


Die Nacht war sehr schaukelig. Die Dünung kommt bei W-NW Wind in die Bucht herein. Bei der absoluten Windstille in der Nacht hat sich das Boot quer zu den Wellen gestellt und entsprechend gewackelt.
Heute sind alle fünf bereits vor dem Frühstück im Wasser! Die Damen waschen sich die Haare. Dann wird ausgiebig gefrühstückt um für die lange Etappe von über 7 Stunden gewappnet zu sein. Um 10:40 legen wir los.
Der Wetterbericht um 13h meldet ebenso wie der um 9h 5 Bft. aus W-NW für Rodos Sea. Wir befinden uns so mitten in der Rodos Sea wie man nur sein kann und haben seit Stunden kaum einen Windhauch. Das Barometer ist auf 990 mbar gefallen. Also hat sich das Tiefdruckgebiet zu uns her verlagert aber die Wetterfrösche von Olympia Radio haben das noch nicht mitbekommen. Es ist außerdem sehr diesig und auch einige Wolken haben sich gezeigt.
Um 14:20 machen wir einen halbstündigen Badestopp auf 36°34,1’N, 24°42,0’E. Das Meer ist nur ganz leicht bewegt, tiefblau und ca. 600 m tief aber angenehm warm.
Kurz nach 16h erreichen wir den Hafen Symi und legen uns an die N-Seite. Die ganze Zeit rührte sich kaum ein Windhauch aber beim Anlegen weht es heftig aus W, also von der Seite. Das Anlegemanöver ist daher nicht so angenehm. Wir erhalten sogar Landstrom um 8 euro. Wenig später werden wir von einer großen Motoryacht und einem noch größeren Gulet flankiert.
Wir erkundigen uns nach den Fährverbindungen nach Rodos beim Reisebüro und der Hafenpolizei. Es stellt sich heraus, dass die telefonische Auskunft der Hafenpolizei in Rodos vollkommen falsch war. Es geht weder um 9, um 10 noch um 12 eine Fähre sondern um 6 oder 7:30. Das war’s. Es bleibt nicht anderes übrig, als das Boot um 7:30h zu nehmen. Beate und Matthias verzichten auf ihren geplanten Tagesausflug nach Rodos, auf den sie sich schon gefreut hatten.
Abends essen wir Gyros. Beate, Matthias und ich gehen noch auf ein Drink in die Vapori-Bar und nach Mitternacht sitzen wir noch alle im Cockpit und kosten den eiskalten Samoswein.

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