Aktualisierung 20.08.2018 02:25:04 Anzahl Tage: 9
03.07.2008 Egina / Hafen – Angistri / Drive in Swimmingpool
04.07.2008 Angistri / Drive in Swimmingpool – Peloponnes / O. Frangolimano – Peloponnes / Korinth-Kanalbehörde – Peloponnes / Korinth Hafen
05.07.2008 Peloponnes / Korinth Hafen – Alkyonídes / Zoodochos Pigi
06.07.2008 Alkyonídes / Zoodochos Pigi – Festland / Itea – Festland / Itea „Marina“
07.07.2008 Festland / Itea „Marina“ – Festland Süd / Moliméno Inselchen – Festland / Galaxidi Hafen
08.07.2008 Festland / Galaxidi Hafen – Festland / A. Psaromyta, E-Seite
09.07.2008 38°09’06“N,021°10’50“E – Zakynthos / Paralia Ionio – Zakynthos / Hafen
10.07.2008 Zakynthos / Hafen
11.07.2008 Zakynthos / Hafen
Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick
Schermann Christian
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 30:05 Strecke: 181,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten
03.07.2008 Donnerstag
19:35 Egina / Hafen Karte Abfahrt
20:30 Angistri / Drive in Swimmingpool Karte
Zeit unterwegs: 00:55 Strecke: 7,7 Seemeilen Ø Fahrt: 8,4 Knoten
Christian kommt mit der Fähre aus Piräus um 19:30h an. Wir legen sogleich ab. Eine Stunde später erreichen wir den Drive-In-Swimmingpool an im SW von Angistri. Wie die Bucht tatsächlich heißt, weiß ich immer noch nicht. Aber der von mir schon vor Jahren vergebene Name ist sowieso zutreffender als jeder andere.
Der Bojenstein in der Mitte ist durch ein Fischernetz unbrauchbar geworden und daher müssen wir ankern und eine Landleine ausbringen statt mit einem Seil zum Bojenstein hinunter zu tauchen, was der Patrick zuletzt vor 12 Jahren gemacht hat.
Die Taverna am Strand ist aber immer noch da. Es dauert daher nicht lange, bis wir hinüber paddeln und uns mit griechischen Salat und Fisch (viel mehr gibt es hier nicht) verköstigen.
04.07.2008 Freitag
12:00 Angistri / Drive in Swimmingpool Karte
14:05 Peloponnes Nordost / O. Fragolimano Karte An Boje
16:47 Peloponnes Nordost / O. Fragolimano Karte Weiterfahrt
17:45 Peloponnes Nordost / Korinth-Kanalbehörde Karte Anlegen
19:10 Peloponnes Nordost / Korinth-Kanalbehörde Karte Abfahrt
19:55 Peloponnes Nord / Korinth Hafen Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 03:47 Strecke: 24,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten
Das Wasser ist glasklar, der helle Sandgrund in 2,5 – 3 m Tiefe ist perfekt zu sehen durch die spiegelblanke Wasseroberfläche und die Wassertemperatur ist mit 26° ebenfalls swimmingpoollike. Schon recht seltsam, dass hier kein anderes Boot ist, aber mir kann es nur recht sein.
Im Laufe es Vormittags kommt etwas Wind direkt in die Bucht auf so dass es gerade ausreicht, das Boot schaukeln zu lassen. Wir fahren um 12h los. Die erste Schachpartie auf dem vom Christian mitgebrachten tollen Schachbrett kann anfangen. Als wir gerade die zweite Partie beenden biegt Patrick schon in die Bucht Frangolimani ein. Diese ist bis kurz vor dem Strand sehr tief aber im E-Zipfel finden wir eine Boje, die wir für den Badestopp verwenden können. Es ist kaum zu glauben, aber hier ist das Wasser noch um einen Grad wärmer, wenn auch ziemlich trüb.
Nach 2:42h Aufenthalt fahren wir weiter. Unsere voraussichtliche Ankunftszeit am Korinth-Kanal habe ich per Funk, Kanal 11 durchgegeben. (Verwirrend, das mit den Kanälen. Nur die Engländer unterscheiden zwischen channel und canal.) Kurz vor der Einfahrt melden wir uns wieder und bekommen die Anweisung, längsseits anzulegen und zum Büro zu kommen. Dort darf ich satte 135 Euronen für die Durchfahrt hinblättern. Nach einer Stunde wird ein Kreuzfahrschiff aus dem Kanal bugsiert. Die Passagiere winken uns fröhlich zu und wir zurück. Danach bekommen wir per Funk die Order, in den Kanal zu fahren. Mit ca. 25 m Breite und 4,3km Länge und mit bis zu 80m senkrecht hinaufragenden Felswänden ist der Kanal von Korinth wirklich ein Durchfahrterlebnis erster Klasse. Gerade in den Abendstunden beleuchtet die Sonne die Felswände sehr schön. Ich filme und fotografiere. Patrick steuert. Die Blodughadda führt den Konvoi von 4 Booten an.
Nach dem Kanal biegen wir nach S ab und steuern den Hafen von Korinth an. Überraschenderweise finden wir einen guten Platz im Hafenbecken für die Fischerboote, bzw. weist ein herbeieilender Mann uns zu, der mit den Leinen hilft und als Dank einen Fünfer bekommt.
Der Hunger treibt uns in die Stadt. Wir finden die Fußgängerzone mit zahlreichen Cafés und Bars aber einem einzigen, eher mickrig aussehenden Esslokal. Wir fragen einen Mann, der so aussieht als würde er gerne in Tavernas gehen, wo denn eine zu finden sei. Er greift sich auf den Kopf und sagt, wir sollten ein Taxi nehmen und ca 5km außerhalb der Stadt in eine der dort befindlichen Tavernas gehen. Es sei gar nicht teuer. Etwas verwundert gehen wir in Richtung Taxistandplatz wie beschrieben und rätseln, ob das wahr sein kann. Eine große Stadt mit fast 20.000 Bewohnern und keine Taverna! vielleicht war der Mann Taxifahrer. Neben dem gepflegten Park, der das Zentrum der Stadt beherrscht, finden wir die Polizeistation. Christian fragt den dort postierten Portier in Begleitung eines Uniformierten nach der Tavernaszene. Sie bestätigen, quasi beeidet, dass das Lokal an der Fußgängerzone das einzige Esslokal Korinths sei und wir ein Taxi nehmen sollten… Auf der anderen Seite des Parks stehen die Taxis. Der Taxifahrer spricht weniger Englisch als ich Griechisch und das heißt schon was. Trotzdem gelingt es bestens zu erfahren, dass die Tavernas ca. 5km außerhalb der Stadt zu finden sind und es würde ca. 3 Euro kosten, uns dorthin zu fahren. So ist es auch, 2,80 laut Taxameter, was ja nun wirklich nicht teuer ist. Was aber so teuer ist, dass es uns die nicht vorhandenen Socken auszieht, sind die Fische: 60 Euro per Kilo! Obwohl Christian sich für einen Fisch fast schon entschieden hat, ändert er seine Meinung als der Preis des Fisches genannt wird: 30 Euro! Wir essen daher die üblichen Vorspeisen und gegrilltes Fleisch, das zwar viel billiger als der Fisch ist, aber trotzdem alles mit einander zum Teuersten und Schlechtesten zu zählen sind, was ich in Griechenland erlebt habe. Nur der Platz ist wunderschön direkt am Meer mit Blick auf das in der Ferne liegende Festland auf der anderen Seite des Golfes. Darüber quellen die Wolken und zeigen imposante Blitze. Weder Donner noch Regen sind irgendwo wahrzunehmen.
Uns wird ein Taxi gerufen, mit dem wir in den Hafen fahren. Als wir aussteigen fühlen wir uns gefoppt: 3 Esslokale neben einander. Der Wirt der Ouzeri drängt mich, in die Küche zu kommen, um seine Fische anzusehen. Es sind herrliche Goldbrassen/Doraden, wie im vorigen Lokal nur um den halben Preis. Als ich keine Begeisterung zeige, geht er noch auf 25 Euro per Kilo hinunter und will mir schnell ein Retsína aufzwängen. Ich habe aber genug gesehen (und auch gegessen) und verabschiede mich mit der griechischen Höflichkeitsfloskel „ich komme morgen“.
Gut, dass wir nicht den sauteuren Fisch gegessen haben. Und seltsam, dass diese Lokale unbekannt sein dürften, obwohl es gar keine anderen gibt.
05.07.2008 Samstag
11:57 Peloponnes Nord / Korinth Hafen Karte
14:37 Alkyonídes / Zoodochos Pigi Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:39 Strecke: 15,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten
Kurz nach 9 mache ich mir auf die Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit. Jetzt gehe ich sofort nach rechts die 400 m zum Zollhafen, wo die Tavernas sind, in der Hoffnung, irgendwo Brot, Margarine, Marmelade und Apfelsaft kaufen zu können. Nun, dort gibt es kein Geschäft. Also fange ich an, die Gassen systematisch abzusuchen. Schuh- und Bekleidungsgeschäfte und Cafés sind sehr zahlreich vertreten aber kein Lebensmittelgeschäft. (Ich glaube inzwischen, die Korinther essen gar nichts, oder kaum was und sind daher auch Korintenkacker) Doch dann sehe ich einen einigermaßen intelligent wirkenden Mann mit Einkaufsplatiksackerln, den ich frage, wo er eingekauft hat. Er weist mir den Weg zum AB-Supermarkt gleich bei der Fußgängerzone. Der Supermarkt ist wirklich super und führt sogar Apfelsaft. Ich kaufe auch Faschiertes für die Spaghetti heute Abend.
Zurück auf dem Boot gibt es Frühstück mit frischem Brot. Leider habe ich Bratfett statt Rama (heißt hier Vitam) gekauft, weil ich glaubte, es wäre dasselbe. Christian geht nochmals zum Geschäft, um das Malheur zu reparieren. Währenddessen entdeckt Patrick einen funktionierenden Wasserhahn direkt neben dem Boot. Wir packen den Schlauch aus, waschen das Boot wieder mal und füllen den angefangenen Wassertank auf.
Dann können wir endlich diese hässliche Stadt verlassen und steuern über mehr oder weniger spiegelglattem Wasser zu den Alkyoniden-Inseln. Diese flache, karge, bis auf ein Kloster und eine Fischzucht unbewohnte kleine Inselgruppe begrüßt uns mit zahlreichen Möwen und unzählichen quallenartigen, rechteckigen durchsichtigen – äh, ja was? – Fischen?, Schwebetierchen? doch Quallen?
Am Ankerplatz an der W Küste des Inselchens Zoodikhos Pigi sind sie aber kaum mehr vorhanden. Hier ist das Wasser sehr klar und man sieht deutlich den Schotter-/Steingrund auf 5m Tiefe. Erwarungsgemäß greift der Anker halt irgendwie aber bei 0 bis 3 kn wind es es ziemlich egal. Mehr soll es auch gar nicht werden.
Wir hupfen sogleich ins 27° warme Wasser, um uns „abzukühlen“. Ein solches durchsichtiges Ding ist zur Stelle, wird beobachtet und aufs Boot gehoben. Es ist ca. 5 x 10 cm groß, fühlt sich viel fester als eine Qualle an und macht schwache Kontraktionsbewegungen. Wahrscheinlich kann es dadurch etwas Wasser durch sich hindurch pumpen zur Nahrungsaufnahme und Fortbewegung.
Naja, zu wissenschaftlichen Forschungsarbeiten ist das windstille Wetter mit fast 35° im Schatten und fast 40% rel. Luftfeuchtigkeit sowieso nicht geeignet. Da spielt man besser Präferanzen und Schach und hupft zwischendurch ins Wasser.
Um 19h meldet sich der Hunger und die Küche wird angeworfen. Die Menge an Spaghetti Bolognese wird jedenfalls ausreichend sein für heute und morgen, denke ich jetzt während das Sugo fertig ist und das Spaghettiwasser (50% Meerwasser) erst aufkochen muss.
Die Sonne sticht unbarmherzig und das Wasser spiegelt die Sonnenstrahlen von unten brutal in die Augen. Noch sieben Minuten bis die Spaghetti fertig sind.
Die anschließende Präferanzpartie dauert bis weit nach Mitternacht.
06.07.2008 Sonntag
10:50 Alkyonídes / Zoodochos Pigi Karte Abfahrt
14:28 BB Motor aus
15:48 Festland Süd / Itea Ankern
18:13 Festland Süd / Itea Abfahrt
18:33 Festland Süd / Itea „Marina“ Karte
Zeit unterwegs: 05:19 Strecke: 32,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
Die Nacht ist ungewöhnlich: Wind kommt auf, somit auch Wellen. Glücklicherweise kommen sie aus derselben Richtung. So kann man doch ganz gut schlafen obwohl zwischendurch Duftwolken von der Fischzucht gegenüber zu uns finden.
Am Morgen ist der Wind fast weg aber die Wellen noch nicht. Daher legen wir nach dem Frühstück sofort ab. Die Wellen bleiben, der nicht vorhandene Wind auch – zaach.
Auf der Motorfahrt bis nach Itea kann Christian seinen Schachrückstand entscheidend verringern und erzielt den Anschlusstreffer mit 4:3.
Vor dem Ort Itea ankern wir für eine Schwimmpause. Von Abkühlung kann wirklich keine rede mehr sein. Das Thermometer zeigt in 1 m Tiefe 28°, an der Oberfläche sogar 29°. Aber anschließend das Wasser auf der Haut verdunsten lassen, bringt die gewünschte Abkühlung. Dabei ist die Lufttemperatur mit 32° gar nicht so arg.
Nach 2,5 Stunden fahren wir weiter und erreichen wenig später die neue „Marina“ von Itea. Diese ist hier unter Anfürungszeichen angeführt, weil sie an sich hervorragend und großzügig um zig Millionen Euro angelegt und gebaut worden ist aber seit der Fertigstellung 2003 vollkommen verlottert. Sie könnte mit minimalem Aufwand genau so wie die Marina Kos betrieben werden aber sie ist ihrem Schicksal überlassen worden: Alle Elektro- und Wasserversorgungssäulen sind unbrauchbar. Die Kästchen für Feuerlöscher bzw. Feuerlöschschlauch sind allesamt leer. Die Duschen/WCs sind abgesperrt. Das Verwaltungsgebäude ebenso abgesperrt mit einer Staubschicht auf der Tür, die mindestens 2 Jahre alt ist. Fast alle Anlegeplätze sind mit Bojen für die Einheimischen „reserviert“, also in Beschlag genommen – garantiert ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Wir können daher an der Außenmole längsseits anlegen und zahlen freilich auch nichts. Die ganze Anlage ist ein perfektes Beispiel für moderne griechische Ruinenarchitektur: Sobald mit EU-Geldern finanziert und fertig abgerechnet (möglicherweise mit dem entsprechenden Obulus in die richtige Tasche), interessiert es keinem Menschen mehr, die Investition in irgendeiner Weise zu pflegen. Das habe ich schon so oft in Griechenland gesehen. Und das tut so weh. So nett und liebenswürdig die Griechen sonst sind, aber dafür hasse ich sie. Würde es eine Möglichkeit geben, die mangelnde Nachhaltigkeit von EU-Finanzierungen anzuzeigen, ich wäre sofort dabei obwohl ich dann wohl hier 20-30 Euro für die Nacht zahlen müsste.
Als wir nach Mitternacht unsere Präferanzpartie beendet haben, stellen wir fest, dass es überhaupt keinen Wind gibt, dass aber trotzdem das Wasser vor dem Wellenbrecher ziemlich unruhig ist, und dass hinter dem Wellenbrecher, also da wo wir liegen auch noch ein Schwell vorhanden ist, der das Boot leicht schaukeln lässt. Resümee: Da hat irgend ein extrem Obergscheiter eine Marina geplant, die nicht ein Mal den Wellengang eines Flautenabends abhalten kann (im Seekartenbuch steht tatsächlich, dass sie bei Südsturm unbrauchbar ist) und dafür sicher Länge mal Breite abkassiert. Danach hat man offensichtlich festgestellt, dass die Marina unbrauchbar sein kann und sie deswegen aufgelassen – aber nicht mit dem Wissen von vor 100 Jahren sondern mit dem Wissen von vor 5 Jahren. Wie man es auch dreht und wendet, eine bessere Beurteilung der griechischen Marinaplanung ist nicht drin.
07.07.2008 Montag
15:40 Festland Süd / Itea „Marina“ Karte
16:03 Festland Süd / Moliméno Inselchen Karte Ankern
17:25 Festland Süd / Moliméno Inselchen Karte Weiterfahrt
18:10 Festland Süd / Galaxidi Hafen Karte Angelegt
Zeit unterwegs: 01:08 Strecke: 3,9 Seemeilen Ø Fahrt: 3,5 Knoten
Am windstillen Morgen mache ich einen Spaziergang zum anderen Hafen des Ortes. Dieser ist kleiner, älter, seichter und voll mit Booten der Einheimischen. Und hier gibt es etwas, was in der neuen „Marina“ nicht zu bekommen ist: Wasser aus dem Hahn.
Ich finde auch den Supermarkt und kaufe ein paar Getränkeflaschen ein bevor ich zurück gehe.
Nach dem Frühstück holt Christian weitere Getränke und Brot bevor wir uns auf den Weg nach Delfi machen. In einem Touristengeschäft erhalte ich die Auskunft, dass man am besten mit dem öffentlichen Bus hinfährt, das Taxi koste 50 Euro. Wir fraen trotzdem einen Taxler, was er für Delfi hin und retour verlangt, tatsächlich 50. Patrick und ich finden das unverschämt teuer aber Christian ist nicht zu einer Busfahrt zu bewegen. Als der Taxler 5 Euro nachlässt, was den Preis zwar auch nicht menschlich macht, willige ich trotzdem ein.
Also fahren wir die 16km hinauf nach Delfi. Der Eintritt in das Gelände des Apollo-Tempels samt Museum ist mit 9 Euro pro Person auch nicht gerade billig aber den Preis mehr als wert. Leider haben wir keinen Führer dabei und so stapfen wir ziemlich planlos herum. Die wichtigsten Ruinen sind aber eh beschriftet. Das Museum ist ebenfalls sehr beeindruckend und im Gegensatz zum Gelände angenehm kühl.
Zurück in Itea erfrischen wir uns mit einem kühlen Getränk bevor wir um 15:40 ablegen. Nach 20 Minuten Fahrt ankern wir bei einem Miniinselchen, damit wir endlich wieder schwimmen können. Das Wasserthermometer zeigt schon deutlich erreichte 29°. Wenn es so weiter geht, wird die Dreissigermarke auch noch fallen.
Eine Stunde später fahren wir weiter und erreichen Galaxidi nach 40 Minuten. Es gibt gerade noch einen Platz für uns, womit wir gar nicht gerechnet haben. Patrick fährt mit Herzklopfen aber perfekt in die Parklücke hinein. Der Wasser-Diesel-Hafenmeister hilft mit den Leinen, was ganz praktisch ist, weil wir anschließend gleich den Dieseltank füllen können.
Das Abendessen genießen wir im Restaurant OMILOS, das sich schiffsähnlich an der Hafeneinfahrt auf einer eigenen Betonmole
befindet. Sogar mit zwei Masten und einer Lichterkette bestückt. Das Essen ist sehr gut und günstig und die Bedienung besser als üblich.
08.07.2008 Dienstag
11:30 Festland Süd / Galaxidi Hafen Karte Abfahrt
14:00 Festland Süd / A. Psaromyta, E-Seite Karte Ankern mit Landleine
22:45 Festland Süd / A. Psaromyta, E-Seite Karte Abfahrt
Zeit unterwegs: 02:30 Strecke: 13,3 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten
Wir frühstücken auswärts, sprich in der Kafé-Bar OK…? genau gegenüber unserem Liegeplatz. Weil der Hafenmeister gestern gemeint hat, wir könnten kostenlos Wasser aus den neuen Versorgungssäulen verwenden (kostet sonst 5 euro), will ich den Wassertank auffüllen und das Boot abspritzen bevor wir los fahren. Aber aus der Säule kommt kein Wasser und der Meister ist verschwunden. Egal, wir fahren um 11:30h trotzdem los.
Kaum haben wir das Kap Andromachi umrundet und den Kurs Richtung E aufgenommen, kommen uns Wellen entgegen. Weil schwacher Südwind herrscht, glauben wir zunächst,eine Motoryacht oder mehrere hätten die Wellen verursacht. Aber sie bleiben uns erhalten, werden immer größer und plötzlich sehen wir die Ursache: Der Horizont vor uns ist voll mit weißen Kämmen! Wir fahren also in eine Westwindwand hinein. So ist es dann tatsächlich auch. Der Wechsel von praktisch kein Wind in 30 Knoten Gegenwind vollzieht sich auf einer Strecke von max. 100m. Weil in keiner Vorhersage vorhanden, vermute ich, dass dieser Wind ein lokales Phänomen ist und sich nach dem nächsten Kap wieder legen wird. Wir kämpfen also die 2 sm gegenan bis zum Kap Psaromyta, wobei die Windböen bis 39kn erreichen. Aber nix ist mit dem lokalen Wind. So weit das Auge reicht weiße Schaumkronen vor uns. Wir drehen ab und suchen uns einen Ankerplatz im Lee. Das Seekartenbuch von Commodore Elias sagt nämlich „Good shelter from W Winds“ neben einem Ankersymbol. Wir finden eine kleine Einbuchtung, gerade groß genug für ein Boot, mit einem verschmutzten vielleicht 30m langen Kiesstrand. Es ist tatsächlich kaum Wind hier, nur gelegentlich mäßig heftige Fallböen aus wechselnden Richtungen. Weil nicht ein Mal Platz genug vorhanden ist, das Boot mit den Windstößen schwojen zu lassen ohne dabei die steilen Klippen zu berühren, schwimme ich mit der Landleine zu einem großen Stein am Kiesstrand. Es gibt sogar eine Auswahl davon, so dass ich mir einen aussuchen kann, um das Boot mittig zu plazieren.
Hier ist das Wasser wesentlich frischer als zuletzt. Knappe 22° zeigt das Thermometer – fast 8 Grad weniger als gestern ein paar Meilen entfernt! Wir stellen einstimmig fest, dass es sich hier wieder lohnt, ins Wasser zu gehen, wenn man sich abkühlen will. Die Luft hat immer noch 33°.
Wir faulenzen, spielen Schach, schlafen und sammeln Kräfte für die geplante Nachtfahrt nach Zakynthos. Bevor es los geht kontrolliere ich die Motoren samt Getriebeölstand während Patrick Palatschinken macht. Nachdem wir diese mit Erdbeermarmelade verschlungen haben (köstlich) hole ich mit dem Schlauchboot die Landleine ein (wegen der vielen Seeigel mag ich das nicht in der Finsternis schwimmenderweise machen).
Um 22:45 geht es los. Eine Stunde lang haben wir noch Wellen gegen uns, die stark genug sind, das Boot zu duschen. Danach beruhigt sich die Lage und auch unsere Geschwindigkeit nimmt um einen Knoten zu.
09.07.2008 Mittwoch
02:39 Wachablöse
11:18 Ankunft
11:32 Zakynthos / Paralia Ionio Karte Ankern
14:16 Zakynthos / Paralia Ionio Karte Weiterfahrt
15:15 Zakynthos / Hafen Karte
Zeit unterwegs: 13:45 Strecke: 83,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
Gegen 1/2 2 nähern wir uns der neuen Rio-Brücke, die kurz vor Patras den Peloponnes mit dem Festland verbindet. Man muss sich auf VHF-Kanal 14 anmelden mit Rufzeichen RIO TRAFFIC (Rio Tower hätte dem Otto noch besser gefallen), um eine der drei Durchfahrten zugeteilt zu bekommen. Wir werden angewiesen die nördliche Durchfahrt zu verwenden, die ausreichende 32m Durchfahrtshöhe hat, also das Doppelte unserer Masthöhe. Die mittlere hat 45m. Die Durchfahrt unter der 2.252m langen Brücke ist faszinierend, weil die Dimensionen so deutlich werden. Der Lastwagen, der über uns fährt, sieht aus wie ein Spielzeugauto. Die 160m hohen A-förmigen Brückenpfeiler stehen auf runden Basispfeilern, die immerhin auch noch 60m tief bis zum Meeresgrund reichen.
Kaum haben wir die Brücke hinter uns, verschwinden auch die Lichter an den Ufern, die uns bis hierher begleitet haben. Der Golf von Patras begrüßt uns ruhig und dunkel. Wir bleiben bis Messolongi in der Nähe der Festlandküste, um notfalls eben dorthin ausweichen zu können, sollte der im Wetterbericht um 1h angesagt Wind mit 7 Windstärken tatsächlich daher kommen. Er kommt aber nicht, so dass wir Kurs direkt auf Zakynthos aufnehmen können. Über ein kaum bewegtes Meer erreichen wir den Strand von Vasilikos um 11:18, also 24 Stunden nach unserer Abfahrt in Galaxidi und 12,5 Stunden nach dem Aufbruch von unsererem vorigen Ankerplatz. Von dort haben wir 78,9sm abgespult.
Wir ankern vor dem Strand der Sommerakademie Zakynthos und ich schwimme zum Bedesteg,um die Zana zu begrüßen. Beate ist mit ihrer Kursgruppe irgendwo außerhalb auf Motivsuche für die Aquarellmalerei. Sie kommt um 1/2 2 zurück als wir an der Pool-Bar sitzen und ich kann sie nach 3 Wochen endlich wieder umarmen. Wir machen uns ein Treffen für den Abend in der Sommerakademie-Anlage aus und machen uns auf den Weg. Die Internet-Windprognose stimmt auf die Stunde genau, weil inzwischen der NW-Wind deutlich zugelegt hat und es höchste Zeit wird, den ungeschützten Platz zu verlassen.
Wir tuckern in den 5sm entfernten Hafen von Zakynthos und finden genügend Anlegeplätze vor. Allerdings ist die „neue Marina“, die seit 2001 gebaut wird noch lange nicht fertig und wird es sicher auch nie werden solange Griechen Griechenland regieren und allerdings zweitens kommt hier der Wind kräftigst direkt seitlich. Patrick ist inzwischen so selbstsicher, dass er sich das Anlegemanöver trotz der schwierigen Umstände zutraut. Es geht auch bestens: Wir zielen schon sehr weit draußen im Hafenbecken auf einen Platz und Patrick steuert die Blodughadda rückwärts mit ordentlicher Geschwindigkeit darauf zu, damit die Windböen den Bug nicht so leicht versetzen können. Ich lasse den Anker gehen und Patrick hat die Nerven, die Geschwindigkeit bis kurz vor der Anlegemole beizubehalten. Die inzwischen dort versammelten Anlegehelfer haben aber weniger starke Nerven so dass sie mit den vorbereiteten Festmachern, die der Christian ihnen hinüber wirft, zu patzen anfangen. Es dauert eine ganze Weile bis sie diese endlich um einen Poller umgehängt haben und schmeißen die Nerven vorher beinahe weg. Dabei rumpelt das bb-Heck zwei Mal gegen die Kaimauer aber wegen der nunmehr dort vorhanden Gummileisten macht es nur ein Geräusch aber keinen Schaden. Der eine Helfer, offensichtlich ein Hafenschackl, fängt an sich wichtig zu machen, wie das Boot zu vertauen wäre. Ich muss ihm eindeutig klar machen, dass ich der Kapitän bin und ich meine Arbeit mache und er gefälligst seine Arbeit machen soll aber nicht meine.
Wir brauchen wieder 6 Leinen und ziemlich lange Zeit um bei diesem Seitenwind sicher zu liegen und danach ist der Hafenschackl ganz freundlich während er mir die Bootspapiere und 30 Euro Hafengebühr für zwei Tage abknöpft. Weil anscheinend darin weder Wasser noch Strom noch irgendwas anderes außer Platz und Mistkübel enthalten ist, kann man diese Gebühr nur als beginnende kroatische Verhältnisse bezeichnen. Wasser und Strom an der Versorgungssäule gleich beim Boot kosten pro Tag jeweils 5,- zusätzlich.
Christian und Patrick organisieren ein Leihauto für zwei Tage. Sobald sie da sind, fahren wir damit zurück nach Vassilikos und treffen Beate und Zana in der Taverne dort. Wir essen was und gehen anschließend mit zu der Vernissage der Kursteilnehmer. Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und fahren zurück zum Hafen. Wir gehen noch auf einen Schlummertrunk ins Café Greco wonach wir definitiv streichfähig sind.
Zurück auf dem Boot finden wir das griechische Fahrerlaubnispapier vor, wie mit dem Hafenschackl vereinbart, und sehen, dass er es tatsächlich von der Hafenpolizei hat abstempeln lassen. Eine Dienstleistung war also doch noch im Preis enthalten.
10.07.2008 Donnerstag
Zakynthos / Hafen
Während wir frühstücken kommt der Mann vom dauernd auf der Mole stehenden Tankwagen mit der Aufschrift MINERAL WATER und fragt, ob ich Wasser benötige. Ich bejahe, mache aber deutlich, dass ich das Wasser aus dem Wasserhahn direkt beim Boot haben möchte. Ich möchte das Boot nicht mit Mineralwasser waschen. Er ist für das aus dem Boden kommende Wasser aber nicht zuständig. Ich frage, was sein Wasser koste. Er fragt, wie viel ich benötige. Ich antworte „about 300 litres“. Er antwortet „fifteen euros“. Ich zeige auf den Wasserhahn und sage, dass das Wasser von dort „nur“ fünf Euro kostet. Er sagt, ich bekäme sein Wasser um zehn und das Wasser aus dem Hahn sei „finished“. Weil er keine bessere Argumentation für sein doppelt/dreifach so teueres Wasser als eine Lüge hat, drehe ich mich wortlos um und gehe auf das Boot zurück.
Ein Hafenpolizist bleibt mit seinem Geländewagen beim Boot stehen. Durch das offene Fenster ruft er „papers?“. Ich Antworte „yes yes“, gehe zu ihm hin und zeige ihm durch das offene Fenster die zakynthischen Ein- und Ausreisestempel. Er ist zufrieden und meine Frage nach dem Wassermann beantwortet er mit einem Fingerzeig auf diesen, der gerade daher kommt. Aus einem gewaltigen Schlüsselbund wählt er geschickt den Schlüssel aus, der das Vorhangschloss auf dem Wasserhahn aufsperrt. Er muss danach nur noch das Wasser wo anders aufdrehen gehen und in ca. 15 Minuten soll das Wasser schon fließen.
Patrick und Christian machen eine Inselrundfahrt mit dem Leihauto während ich das Boot putze. Mit dem begehrten Wasser wird das Boot außen wie innen per Schlauch und Spritze vom Dreck befreit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen aber ich schwitze wie verrückt. Zwischendurch versuche ich erfolglos ein Bootszubehörgeschäft zu finden. In einem Autoverleih frage ich danach und erfahre, dass es nur ein solches Geschäft gibt, weit vom Hafen entfernt.
Ich kann auch den Dieseltank voll füllen und das Stromkabel anschließen, damit der Kühlschrank wieder ein solcher wird. Das kostet wie gesagt auch noch 5 Euronen pro Tag allerdings ebenfalls unabhängig vom Verbrauch. Ich rechne nach, dass wenn alles auf dem Boot 24 Stunden lang rennt und brennt die Kilowattstunde auf ca. 60 Cent kommt. Also auf Abkassieren verstehen sie hier was: 15 Euro pro Tag für den Liegeplatz (ok, inkl. Hafenpolizeistempel) plus 10 Euro für die Wasser- und Stromversorgung macht insgesamt fast schon so viel aus wie in der besten griechischen Marina. Aber dort würde man nicht die Aussicht auf drei riesige, verrostete, nie wieder in Betrieb gehende Fährschiffe genießen können. Was deren Eigner wohl an Hafengebühr zahlen? Garantiert nichts, sonst wären sie nicht hier. Von zweien habe ich die Daten aufgeschrieben, weil an unserer Mole festgemacht: UGO FOSCOLO, Piräus IMO 8325420 (hat schon Schlagseite und wird in spätestens einem Jahr umkippen) sowie ODYSSEAS ELYTIS, Panama IMO 8613580. Die Dritte heißt Zakynthos 1 und hat genau wie die UGO als Reederei „Anez“ an der Seite aufgemalt. Das Markanteste an allen dreien ist der zunehmende Rostbefall. Naja, es ist eben das hässliche Gesicht Griechenlands.
Gegen 19h kommen Christian und Patrick zurück und erzählen begeistert von der Bootsfahrt zu der Blauen Grotte im N der Insel, wo sie auch schwimmen waren. Danach fahren wir in 15 Minuten zum von ihnen entdeckten Terrassenrestaurant AGNANDI, wo wir bei herrlicher Aussicht sehr gut und gar nicht teuer essen und der Christian ausnahmsweise mit der Bedienung zufrieden ist.
11.07.2008 Freitag
Zakynthos / Hafen
Der Wecker läutet um 1/2 8. Muffig und frühstückslos fahren wir zum Flughafen. Das Flughafengebäude samt Zufahrt ist neu gebaut worden. So neu, dass bei der Einfahrt zum Gebäude von der 4-spurigen Straße gar kein Schild vorhanden ist. Wir fahren daher daran vorbei und landen beim alten, nicht mehr im Betrieb befindlichen Flughafengebäude. Wir kehren um, fahren die Schnellstraße wieder zurück. Aber an der Abbiegung zum Flughafengebäude gibt es von dieser Seite kommend gar keine Abbiegung. Mit dem Geländewagen wäre ist wohl kein Problem, über den Mittelstreifen zu hupfen. Aber als der Christian mich darauf aufmerksam macht, sind wir schon vorbei. Also an der nächsten Kreuzung Umdrehen (Schild „Umdrehen verboten“ ist sicher wegen auffälliger Verhaltensweisen unserer früheren Schicksalsgenossen aufgestellt worden, damit die Rätselrallye nicht zu leicht wird).
Jetzt gelingt die Abbiegung zum Flughafen perfekt. Wir verabschieden uns im Halteverbot vor dem mit „International Flights Intra-Extra Schengen“ beschrifteten Eingang. Wenn in Griechenland Schilder vorhanden sind, soll man sie nicht allzu ernst nehmen.
Ein schöner Törn ist zu Ende, bei dem wir leider kein einziges Mal passendes Segelwetter hatten.
Ach ja, das Schachturnier geht mit 6,5 zu 5,5 zu Christians Gunsten aus aber beim Präferanzen gewinne ich und Patrick wird zweiter.