Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2003-08-04 Kos – Türkei – Kos

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 12:32:55 Anzahl Tage: 14
04.08.2003 Kos Nord / Marina
05.08.2003 Kos / Marina – Bodrum / Marina
06.08.2003 Bodrum / Marina – Gökova Körfezi / Küçük Çati
07.08.2003 Gökova Körfezi / Küçük Çati – Gökova Körfezi / Namenlose Bucht
08.08.2003 Gökova Körfezi / Namenlose Bucht – Gökova Körfezi / Yedi Adalari
09.08.2003 Gökova Körfezi / Yedi Adalari – Gökova Körfezi / Degirmen Bükü
10.08.2003 Gökova Körfezi / Degirmen Bükü – Gökova Körfezi / Cökertme
11.08.2003 Gökova Körfezi / Cökertme – Psérimos / O. Vathy
12.08.2003 Psérimos / O. Vathy – Psérimos / O. Psérimos (Avlakia)
13.08.2003 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia)
14.08.2003 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia)
15.08.2003 Psérimos / O. Psérimos (Avlakia) – Kálymnos / Póthia – Nsis Nerá – Kálymnos / O. Vlychádia
16.08.2003 Kálymnos / O. Vlychádia – Kálymnos / O. Vathy
17.08.2003 Kálymnos / O. Vathy – Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Lamprecht Matthias
Schillab Lukas

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 29:39 Strecke: 178,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


04.08.2003 Montag
Kos Nord / Marina
Herr Stamatis hat doch noch einen Leihwagen für den Tag aufgetrieben und bringt ihn um 9:30h in die Marina. Ich fahre gleich zur Post und hole das Paket mit den von SVB bestellten Artikeln ab. Gut so, denn neben den Blöcken für die Großschot ist auch ein Britany-Anker mit 14 kg dabei.
Gerade als Beate und Matthias aufbrechen wollen, den Lukas vom Flughafen abzuholen, kommt ein SMS, dass sich der Abflug um ca. 5 Stunden verspätet. Sie fahren daher zuerst Proviant einkaufen.
Um 16h landet das Flugzeug und nach der 3/4-stündigen Wartezeit auf das Gepäck, geht sich gerade noch ein Besuch im Anglergeschäft und ein Essen in “Tasos” aus bevor wir um 19h das Auto wieder abgeben müssen.
Der erste abendliche Angelversuch mit Brot und Multihaken endet damit, dass sich das Brot im Wasser auflöst.


05.08.2003 Dienstag
13:15 Kos / Marina Karte Ablegen
15:30 Bodrum / Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:14 Strecke: 12 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


Der Tag fängt mit Bootsgroßputz an. Matthias und Lukas setzten das Deck und die salzverkrusteten Leinen unter Süßwasser und Beate putzt innen. Dann gehen wir noch auf einen Frappee ins Marina Café, kaufen Trinkwasser und einen Eiswürfelsack für den Kühlschrank ein. Als auch die Wassertanks voll aufgefüllt sind, legen wir um 13:15h ab. Vor der Marina ankert der 4-Master “Star Flyer”, den wir uns von der Nähe ansehen bevor wir Kurs auf Bodrum aufnehmen. Der Wind ist gut, die Wellen nicht gerade klein, aber wir sind zu faul, um für die kurze Überfahrt volle Segel zu setzen. Also motorsegeln wir mit der Genua während der Blinker 100m hinter uns herschwimmt.
Nach knapp 2 Stunden passieren wir die Einfahrt in den Riesigen Hafen und ersuchen die Marina über VHF Kanal 73 um einen Platz für die Nacht. Erhalten wir auch umgehend und das Pilotboat weist uns den Weg und hilft mit der Mooringleine.
Es ist auffallend viel wärmer hier als auf den griechischen Inseln. 2 sm vor der Hafeneinfahrt haben wir schon den Temperaturanstieg deutlich gemerkt und das Thermometer zeigt 35° an. Ich gehe ins klimatisierte Marinabüro, zahle den Liegeplatz und das türkische Transit Log, erhalte ein Durchschreibeformular und Instruktionen, was zu tun ist: Formular ausfüllen und die Behörden aufsuchen: Gesundheitsamt, Passkontrolle, Zoll, Hafenmeister und zum Schluss wieder Zoll, die auf der anderen Seite der großen Hafenbucht verstreut liegen. Das Transitlog kostet 30 US$ und das für Österreicher notwendige Visum 15 €. Nach 1,5 Stunden ist alles erledigt und ich auch. Immerhin konnte ich zollfreie Spirituosen und Tabak einkaufen und alle Beamte waren korrekt und höflich.
Beate, Matthias und Lukas haben inzwischen die große, mittelalterliche Kreuzritterburg besichtigt und zufällig treffen wir uns beim Eingang zum “Bazar”. Die laubüberwachsenen Gassen der Altstadt dienen als solchen. Wir kaufen einige nachgemachte Marken-T-shirts und können unsere Verhandlungskünste ausprobieren. Mehr ist es nicht, denn die Verkäufer scheinen mit dem Ergebnis mehr als zufrieden zu sein. Aber am Abendspaziergang gelingt es mir immerhin ein Game-Boy-Spiel von 30 Millionen auf 20 Millionen herunterzuhandeln und wer hat schon binnen Sekunden 10 Millionen eingespart, wenn auch türkische Lira im Gesamtwert von 6 Euro 30. Die Stadt geht fast über vor lauter Menschen und so kehren wir nach einem türkischen Pizzamahl um 23h aufs Boot zurück, wo wir mit den Gesangskünsten einer Vokalistin im Marina Restaurant über das windstille Wasser beglückt werden. Zwei Stunden vorher hat es noch mit über 25 kn geblasen aber offensichtlich legt sich der Meltemi hierzulande am Abend.


06.08.2003 Mittwoch
11:40 Bodrum / Marina Karte Ablegen
12:22 Ankern
15:00 Weiterfahrt
15:35 segel setzen
19:15 Segel bergen
19:40 Gökova Körfezi / Küçük Çati Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:22 Strecke: 34,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Der Morgen ist absolut windstill und um 9h hat es bereits 30°. Wir essen Frühstück, duschen in den klimatisierten Sanitärräumlichkeiten der Marina, füllen den Wassertank nochmals auf und legen um 11:40h ab. Per Motor fahren wir zur NE-Seite der Insel Karaada, wo sich heiße Quellen befinden sollen. Von diesen sehen wir nichts, dafür jede Menge Ausflugsboote aus Bodrum. Wir ankern an einem Sandstrand etwas südlich vom Trubel und können endlich schwimmen und schnorcheln. Lukas schießt einen Meerjunker mit der neuen Harpune von Matthias, der zu Fischköder verarbeitet wird. Bei der nächsten Schnorcheltour bringen die Burschen ein ca. 30cm langes Tritonshorn und 4 Kaurischnecken mit. Wir beobachten die Tieren, filmen und fotografieren die Ausbeute. Das Tritonshorn darf schließlich wieder zurück ins Meer aber die Muscheln werden gekocht – zu Fischköder natürlich.
Nach 2,5 Stunden setzen wir die Fahrt fort. Der Wind ist NW-lich und gut und kurz nach Karaada setzen wir die Segel. Mit einer blinkerbestückten Schleppangel überqueren wir den Gökova Körfezi von NW nach SE und nach 3,5h erreichen wir die Einfahrt in die absolut ruhige Bucht Küçük Çati. Es sieht hier aus wie an einem kiefernumrandeten Bergsee, allerdings mit Pinien, etwas Schilf und einer Wassertemperatur, die Bergbewohnern nur von der Badewanne her bekannt ist – 28°!
Wir ankern in einer kleinen Seitenbucht und Matthias und Lukas legen eine Landleine mit dem Schlauchboot zu einem großen Baum. In den anderen Seitenbuchten haben sich schon einige Yachten ihre Plätze reserviert.
Lukas und Matthias präparieren zwei Angeln mit all dem vorhandenem Fischköder und hängen sie über Nacht hinaus.


07.08.2003 Donnerstag
12:45 Gökova Körfezi / Küçük Çati Karte Abfahrt
14:00 Gökova Körfezi / Namenlose Bucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:15 Strecke: 4,2 Seemeilen Ø Fahrt: 3,4 Knoten


Der Tag fängt ungewöhnlich an: Bewölkt, das erste Mal seit ich im Sommer hier bin. UND: auf einer der über Nacht ausgelegten Angeln hängt eine Muräne, die sich um einen Stein gewunden hat. Lukas und Matthias harpunieren sie unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften und bringen sie aufs Boot. Sie ist ca. 50-60cm lang und hat die Angelhakenmontage um den Körper gewickelt. Somit ist sie zum Tode verurteilt. Ich bin mit dem Hammer behilflich. Als nächster beißt ein Baby-Zackenbarsch an, der schöne grüngelbe Flecken, wie sie ein Salamander hat. Er darf die Tagesetappe in einem Waschschaffel mitreisen, bevor er begnadigt wird.
Die Tagesetappe ist sehr kurz: Sie beginnt um 12:45 und endet um 14h in einer namenlosen Bucht 2,5sm NNW von Küçük Çati. Vorher sehen wir uns noch Amazon Creek an, drehen aber wieder um, angesichts des Campingplatzes. Wir ankern auf 1,8m auf Sandboden und bringen später auch einen Heckanker hinaus, um den, mit dem inzwischen aufgekommenen Meltemi, sich einfindenden umlaufenden Winden Paroli zu bieten.
In der Bucht ist gut schwimmen und schnorcheln. Matthias und Lukas finden je eine riesengroße Tonnenschnecke, die wir auskochen, um das schöne Gehäuse leer zu bekommen. Der gekochte Inhalt darf als – na was wohl – Fischköder dienen. Auch das Herumfahren mit dem Schlauchboot gehört zum Tagesprogramm. Das Einzige, was die Idylle stört, sind die Wespen, die sich gegen Abend einfinden. Matthias wird 2 Mal gestochen. Vor Sonnenuntergang werden die Biester echt aggressiv und wir müssen uns ins Bootsinnere flüchten. Um 20:30h sind sie wieder verschwunden und wir können Spaghetti draußen essen.


08.08.2003 Freitag
13:25 Gökova Körfezi / Namenlose Bucht Karte Abfahrt
14:20 Gökova Körfezi / Yedi Adalari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:55 Strecke: 6,9 Seemeilen Ø Fahrt: 7,5 Knoten


Der Tag begrüßt uns mit sanftem Südwind (ohne Heckanker wären wir gestrandet) und Wespen. Wir müssen drinnen frühstücken aber um 10:30h verziehen sich die Biester. Matthias und Lukas machen einen sehr ausgedehnten Schnorchelgang und um 13:25 lichten wir die Anker. Bei sehr wenig Wind aber bemerkenswerter Welle umrunden wir Mersincik, Göllübük und Taneli Burun und steuern in die Yedi Adalari (Sieben Inseln) an. Wir finden einen schönen Platz an der Ostseite der kleinen Halbinsel an der Einfahrt in die Ostbucht. Zunächst legen wir Bug- und Heckanker aber als der Wind zunimmt, tauschen wir den Buganker gegen eine Landleine aus. Die Burschen schnocheln stundenlang rund um das Halbinselchen und legen dann die Angeln aus. Um 18:50 finden sich die ersten Wespen ein…
Heute ist aber nicht der Wespenabend und wir können in Ruhe draußen essen.


09.08.2003 Samstag
11:46 Gökova Körfezi / Yedi Adalari Karte Abfahrt
14:30 Gökova Körfezi / Degirmen Bükü Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:43 Strecke: 14,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


Der bereits sehr früh aufkommende Westwind vereitelt unser vorhaben, in der Morgenstille nach Westen aufzubrechen. Daher nehmen wir es gelassen und fahren kurz vor 12 los Richtung Osten. Zuerst müssen wir aber noch drei Kaps umrunden: Teke, Koyun und Tuztutan. Beim ersten sichten wir eine treibende Kinderluftmatratze. Lukas fängt sie mit dem Bootshaken auf. Wir fahren in die Bucht Kargili, die aber unserem Geschmack nicht so richtig trifft. Vor allem scheint das inzwischen ersehnte Restaurant eher eine Baracke zu sein.
Die nächste große Bucht Degirmen weist viele Seitenbuchten auf. In der östlichen, die in SW-NE Richtung verläuft, sind Holzanlegestege vor zwei Restaurants vorhanden. Wir legen uns per Heckanker mit Bug voran an die nördlichere, wobei der Wirt uns mit den Festmachern hilft. Der Weg ins Restaurant ist denkbar kurz: ca. 20m und die überwinden wir alsbald, um eine köstliche Nachmittagsjause mit türkischen Vorspeisen zu uns zu nehmen.
Ich spreche einen Deutschen an, der mit seiner Frau auf einem kleinen Segelboot am Ende des Anlegers liegt. Er erzählt, dass sie schon seit 2 Wochen da liegen und das voraussichtlich noch so lange bleiben werden. Das Festmachen, frisches Quellwasser aus Schläuchen auf dem Steg und sogar Strom sind gratis, sofern man im Restaurant isst! Er erzählt außerdem, dass es um die Wochenmitte sehr lebhaft werden kann, wenn die Gulets hier Station machen. Der Wind, der hier nachmittags aufkommt ist auch ganz üblich: Er weht in die Bucht hinein, also von SW nach NE, mit beträchtlicher Stärke, flaut aber mit dem Sonnenuntergang komplett ab.
Kurz vor Sonnenuntergang machen wir einen Streifzug durch die Umgebung, die eher an eine Kärntner Seelandschaft als ans Mittelmeer erinnert: Sehr üppige Vegetation, Kühe, Hühner, Maisfelder, Gemüsegärten… Hier wächst sogar der kaum sonstwo vorkommende Weihrauch-Baum.
Danach gehen wir nochmals in die Taverna auf Köfte, Kebab und Fisch. Die Deutschen kommen auch zum Essen und wir bitten sie, sich zu unserem Tisch zu setzten. Als einzige Gäste des Lokals unterhalten wir uns mit ihnen den ganzen Abend. Ihr Boot heißt Kairos III


10.08.2003 Sonntag
11:00 Gökova Körfezi / Degirmen Bükü Karte Abfahrt
15:00 Gökova Körfezi / Cökertme Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 04:00 Strecke: 27,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,8 Knoten


Ein winstiller Morgen, frisches Brot vom Restaurant, ein gutes Frühstück im Schatten, Obst, Gemüse und Wasserflaschen eingekauft, Müll entsorgt, Kühlschrank eiskalt, Wassertanks aufgefüllt, Boot geputzt, frisch rasiert legen wir um 11h ab. Der neue Britany 14 kg Heckanker hat seine Bewährungsprobe bestens bestanden: Im gestrigen Seitenwind mit bis zu 25 kn eisern gehalten. So gut, dass wir ihn mit Muskelkraft gar nicht liften können. Aber auf kurze Leine genommen, an die Klampe festgemacht und mit Vorwärtsfahrt bricht der Anker doch aus.
Wir motoren gegen leichten Westwind mit Ziel Mersinçik an der N-Seite der Datça-Halbinsel. Kurz vor 14h wird der Gegenwind und vor allem die Wellen unangemehm. Daher beschließen wir, nicht das 20 sm entfernte Mersinçik im WSW sondern das 6 sm entfernte Çökertme im N anzulaufen.
Zunächst sehen wir uns die im Führer nicht beschriebene Bucht Kargili direkt W von Çökterme an. Sieht nett aus, aber das ist es schon. In Çökterme legen wir uns in die nördlichste Einbuchtung mit einer Bugleine an Land. Es sind schon einige Segelboote hier und bis zum Sonnenuntergang sind wir von Gulets umzingelt.
Lukas und Matthias erkunden die ganze Bucht mit dem Schlauchboot und anschließend fahren Beate und ich zur Häuseransammlung an der anderen Buchtseite. Der geschäftstüchtige Geschäftsführer vom Restaurant/Bar/Market Rose Mary ladet uns auf einen Tee und Zigaretten ein, zeigt uns den Kühlraum und die Küche, aber wir wollen nur eine Flasche Wein kaufen. Das dürfen wir auch um satte 11,5 Millionen, ca. ATS 100,-. Am Abend kommt er mit Bestizer und Motorboot zur Blodughadda und fragt, ob wir nicht essen kommen wollen. Wir wollen nicht, sondern kochen Spaghetti aus dem Packerl. Und wieder schlagen die Wespen zu: In dem Augenblick als wir uns zum Essen hinsetzten, schwirren mindestens ein Dutzend um uns herum. Wir flüchten hinein.


11.08.2003 Montag
05:30 Gökova Körfezi / Cökertme Karte Abfahrt
08:34 bei Bodrum segel setzen
10:15 Segel bergen
10:30 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:00 Strecke: 33,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Aufgrund der gestrigen Erfahrungen legen wir bereits um 5:30h ab. Die Bucht ist absolut windstill und die Morgendämmerung ist noch jung. Außerhalb der Bucht finden wir zu unserem Erstaunen fast so viel Wind vor, wie gestern zu Mittag. Wir motoren entlang der N-Lüste von Gökova Körfezi, wo die Wellen geringer und der Gegenwind weniger stark ist. Nördlich der Insel Karaada, außerhalb von Bodrum setzen wir die Segel als wir Richtung Psérimos abbiegen. Südlich der Bodrum-Halbinsel geht es gut mit über 7 kn voran aber als wir die Landabdeckung verlieren, bremsen die Wellen die Fahrt ordentlich ab. Unterwegs tausche ich die türkische gegen die griechische Gastlandflagge ohne gröbere Formalitäten.
Um 10:30 erreichen wir die Vathy-Bucht an der E-Seite von Psérimos. Gerade als wir ankern wollen, hebt und senkt sich die ganze See von den Wellen einer irgendwann vorbeigefahrenen Hochgeschwindigkeitsfähre. Wir warten das Abklingen der Unruhe ab und legen uns per Heckanker und Buglandleine an die N-Seite der Bucht, wo die Fallböen erfahrungsgemäß sanfter ausfallen.
Matthias und Lukas schnorcheln stundenlang und bringen eine Zweibindenbrasse, Meeräsche, zwei Lippfische und eine Goldstrieme als Ausbeute mit. Alle sind noch im Kindergartenalter, aber wir beschließen, sie trotzdem zu verspeisen. Danach folgt ausgiebiges Herumfahren mit dem Schlauchboot.
Beate und ich lesen und faulenzen. Es fällt der Temperaturunterschied zur Türkei auf: Luft und Wasser sind ca. 4° kühler. Um 18h mache ich eine 1,5-stündige Wanderung auf die Insel. Außer Aussicht, Ziegen, Steine und kleine Sträucher gibt es nichts zu sehen.
Abends kocht Beate Briam und Keftédes aus der Fertiggerichtpackung. Lukas und Matthias braten die Fischlein, die einen köstlichen Vorspeisenhappen abgeben. Wir essen bei aufgehenden Vollmond und abnehmenden Wind ohne Wespen im Cockpit.


12.08.2003 Dienstag
18:30 Pserimos / O. Vathy Karte Ablegen
19:30 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:00 Strecke: 5 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten


Um 10h sitzen alle beim Frühstück. Ein kleines Fischerboot tuckert ganz langsam und nahe heran. Ein Mann steht im Bug, beugt sich tief vornüber und schaut in eine Metalltrommel. Mit zwei Leinen, die am Ruder befestigt sind, lenkt er das Boot. Wir wundern uns sehr. Plötzlich stoppt er das Boot mit den Rudern, wirft eine Schnur mit einem großen Blei und einem ebensolchen Drillingshaken in Wasser. Wir wundern uns noch mehr. Er ruckt an der Schnur ein paar Mal und zieht einen riesengroßen Oktopus herauf – Aha, das tut er also! Wir staunen nicht schlecht. Lukas imponiert das am meisten. Er lässt sich zu einem Oktopusschnorchelfanggang inspirieren, richtet den Spezial-Oktopusköder her, sieht aber keinen.
Um 10:22 beobachten wir die vorbeifahrende Hochgeschwindigkeitsfähre. Vier Minuten später hebt und senkt sich wieder die ganze Bucht. Wir rechnen aus, dass die Wellen eine Mindestgeschwindigkeit von 30 Knoten haben müssen, ist aber angeblich gar nicht möglich.
Nächster Programmpunkt ist eine Schlauchbootfahrt zum Wrack des Frachters Liberty an der S-Seite der Bucht. Matthias und Lukas klettern darauf herum und schnorcheln über den versunkenen Teil während ich im Schlauchboot aufpasse, dass dieses nicht an die verrosteten Teile schabt. Als wir uns auf den Rückweg machen, hat der Wind sehr zugenommen. Wir fahren ganz langsam gegen die nicht hohen aber steilen Wellen. Immer wieder spritzt Wasser herein und je mehr Wasser hereinspritzt, desto tiefer liegt das Schlauchboot und desto mehr Wasser spritzt herein. In dem Augenblick kommt ein Fischerboot, das Badegäste in die Bucht bringt, vorbei. Wir winken mit der Festmacherleine und der Kapitän versteht sofort, dass wir Abschlepphilfe wollen. Er fährt langsam vor uns, wir holen ihn ein und übergeben die Leine, die er am Boot festmacht. Wir klettern auf das Fischerboot hinüber und werden bis zur Blodughadda geführt.
Wir rasten uns etwas aus nach diesem Abenteuer. Dann leeren wir das Wasser aus dem Schlauchboot und packen wir die Lenkdrachen und etwas Badezeug hinein. Wir fahren zum Strand und machen einen Drachen flugfertig. In den heftigen Böen steigt der Drache perfekt auf, aber als die Bö nachlässt, kommt sie ins Trudeln. Nach wenigen Versuchen, bei denen sich die Leinen jedes Mal im Bodengestrüpp verfangen, geben wir es auf. Nach einiger Zeit kehren wir zum Boot zurück. Ich versuche erfolglos, eine Internetverbindung zustande zu bringen, während Beate, Matthias und Lukas Schach spielen.
Um 18:30 machen wir uns auf den Weg. Bei den Fallböen ist es gar nicht einfach, die Landleine zu lösen und den Heckanker hochzuhieven. Mit dem heftigen Wind steuern wir am Wrack vorbei und umrunden die SE-Spitze. Jetzt kommt der Wind von der Seite und nach dem nächsten Kap von vorne. 39 Knoten war die höchste gemessene Windgeschwindigkeit!
Nach einer Stunde legen wir im windgeschützten Hafen von Psérimos mit Buganker und 5 Heckleinen an. Bald darauf gehen wir das wohlverdiente Abendessen genießen.


13.08.2003 Mittwoch
Pserimos / O. Psérimos (Avlakia)
Um 10h gehen wir frühstücken in die Hotel-Taverna Tripolitis, wo wir gestern Abend gute Pizzen und Souvlakia gegessen haben. Der sympathische junge Wirt Nikolas begrüßt uns bereits wie alte Bekannte. Kurz vor 11 kommt das erste Ausflugsboot von Kos. Wir machen Platz am Kai, indem wir in die Bucht hinausfahren und dort Anker werfen. Wir räumen das Schiff auf und überlegen, wohin wir fahren könnten. Der nach wie vor wie verrückt anhaltende Nordwind bietet keine bequem zu erreichende Ziele. Daher beschließen wir, da zu bleiben.
Wir beobachten ein Ausflugsboot nach dem anderen, die im kleinen Hafen an- und ablegen. Der Wirt hat gestern Abend sinngemäß gesagt “Natürlich ist es ein freier Hafen an dem jeder auf seinen Platz bestehen kann. Aber jeder mit etwas Vernunft wird erkennen, dass wir hier auf Psérimos von den Touristen leben, die die Ausflugsboote bringen.”
Beim Schnolcheln sehe ich, dass der Anker sich an der Kante einer flachen Felsplatte festhält. Wir machen einen Versuch, den Anker mit dem Schlauchboot heraus zu ziehen. Dafür ist der Motor aber zu schwach und das Boot unmöglich zu lenken. Matthias und Lukas bringen einen weiteren Anker aus, um den Hauptnaker zu entlasten. Dann versuchen wir nochmals, den Anker mit dem Schlauchboot weiter zu ziehen, aber auch das gelingt nicht. Erst als Lukas den Anker von der Felsspalte heraushebt und Matthias die Schleppleine so einhakt, dass die Ankerkette Stück für Stück nachgeschleppt wird, gelingt es auch den Anker ca. 5 m nach vorne zu schleppen, wo er sich im Sand eingraben kann. Fazit: Als Schlepper ist das Schlauchboot gänzlich ungeeignet, vor allem, weil es dabei nicht gesteuert werden kann.
Nach einer Verschnaufspause fahre ich mit den Burschen zum herrlichen Strand. Wir kaufen Paddleball-Schläger und ein Frisbee für angehende Strandspiele ein. Als Ergänzung folgen schnorcheln, Schach spielen, würfelpokern etc.
Immer wieder versuche ich eine Internetverbindung zu bekommen, aber mit unveränderter Einstellung antwortet kein Modem. Erst als ich den GSM-Provider von Panafon auf Telestet wechsle, funktioniert es! Das soll mir Mal wer erklären.
Nach der Windvorhersage um 19h – unveränderter Starkwind, was sonst – fahren wir mit dem Schlauch zum Abendessen.


14.08.2003 Donnerstag
Pserimos / O. Psérimos (Avlakia)
Die ganze Nacht hindurch pfeift der Wind in den Wanten. Nur um 8h ist es ein wenig ruhiger, um gleich darauf wieder stürmischer zu werden. Vom Weiterfahren kann also nicht die Rede sein. Der Wetterbericht verheißt endlich abnehmenden Wind. Also warten wir, fahren mit dem Schlauch zum Strand, gehen auf ein Frapee in ein anderes Lokal, beobachten das Treiben und die Vorbereitungen zum Kirchenfest.
Als wir zurückkehren, scheint der Wind tatsächlich abgenommen zu haben, aber ein Blick mit dem Fernglas aufs offene Wasser, wo zwei Segelboote mit Vollreff gegen die Wellen kämpfen, überzeugt mich vom Gegenteil.
Da eine Abfahrt heute auch unwahrscheinlich wird, versetzen wir den Hauptanker, diesmal von der Blodughadda aus, weiter nach vorne, um die Lücke zwischen den Fischerbooten auszufüllen. Ich befürchte nämlich, das eines der zu erwartenden vielen Booten mit Festgästen sich in die Lücke pressen und über unseren Zweitanker legen könnte. Die Fischerboote beiderseits haben auch einen Heckanker und schwojen demnach gar nicht. Das tun wir allerdings schon und so nütze ich den Heckanker des BB-Fischerbootes indem ich eine Leine auf Slip zu dessen Heckankerkette lege.
Wir spielen Schach, lesen und Lukas und Matthias toben im Wasser herum. Die angekündigte Windberuhigung tritt nicht ein. Ein kleines Segelboot, das schon öfter Platz gewechselt hat aber immer im Weg für die heute ein- und ausfahrenden Fähren war ist wieder auf der Suche nach einem Ankerplatz. Ich habe Erbarmen mit dem Pärchen und biete ihnen den Platz neben uns an. Sie legen ihr kleines Segelboot längsseits an. Dann führen Matthias und Lukas sie noch mit dem Schlauch zum Strand.
Im Ort ist wegen des Marienfestes viel los. Das Kirchlein geht fast über und die 7 Lokale freuen sich über den umsatzstärksten Tag, die Buben des Ortes über neue Spielzeugpistolen und die Mädchen über das schöne Kleid, das sie heute ausführen dürfen.


15.08.2003 Freitag
08:15 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Abfahrt
09:30 Kálymnos / Póthia Karte Anlegen
11:45 Kálymnos / Póthia Karte Ablegen
12:30 Nsis Nerá Karte Ankern
13:30 Nsis Nerá Karte Abfahrt
14:00 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:30 Strecke: 13,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Ein fast windstiller Morgen begrüßt uns – endlich. Um 8:15h legen wir los: Die Deutschen neben uns machen eine Hafenrunde und wir holen beide Anker herauf. Bei einer leichten Brise fahren wir direkt in den Hafen Póthia auf Kálymnos. Es legt gerade das Verbindungsboot Nisos Psérimos ab und wir legen uns längsseits an seinen Platz. Es ist Feiertag und fast alle Geschäfte haben geschlossen. Mir gelingt es einen geöffnetem Laden zu finden, in dem ich Trinkwasser kaufen kann und Lukas und Matthias können neue Pfeile für die Harpunen besorgen. Ich erhalte noch vom Boot Anna Maria (eine Art Taxi) kostenlos ein Brot, das sonst nicht aufzutreiben ist.
In einem nahen Café stärken wir uns mit Kaffee und Toast bevor wir um 11:45h den stickigen Hafen verlassen. Wir steuern eine kleine Ankerbucht auf dem Inselchen Nerá an. Dort gibt es überraschenderweise fast eine kleine Hafenanlage, offensichtlich für die Besucher der Kirche angelegt. Außer einem verschlossenen Haus im “Hafen” gibt es sonst keine Häuser. Eine griechische Familie macht einen Feiertagsausflug mit Grillen und Abspielen lauter Musik. Nachdem Beate und Matthias die Kirche besichtigt hat, legen wir wieder ab, um am schroffen NE-Kap neuerlich zu ankern, schnorcheln und schwimmen. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund auf 20m Tiefe deutlich sehen kann.
Es kommt etwas Wind auf und es wird daher Zeit, aufzubrechen. Wir fahren in die Bucht Vlychadia gegenüber an der S-Küste von Kálymnos. Hier treffen wir die Deutschen von gestern und heute Früh wieder. Wir ankern neben ihnen uns sie schwimmen herbei. Sie wollen noch in den Hafen, um ein neues Fall zu besorgen, nachdem Lukas ihnen erzählt hat, wo das offene Geschäft für Tauch- und Bootsartikel zu finden ist. Wir bleiben vor dem friedlichen Feriendorf, in dem offenhörlich nur Griechen Urlaub machen.


16.08.2003 Samstag
12:56 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Abfahrt
13:20 Kálymnos / O. Vathy Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 00:23 Strecke: 10,1 Seemeilen Ø Fahrt: 25,3 Knoten


Windstille Nacht, windstiller Morgen – endlich bestens geschlafen. Wir frühstücken in aller Ruhe.


17.08.2003 Sonntag
12:00 Kálymnos / O. Vathy Karte Ablegen
12:47 segel setzen
13:26 BB Motor dazu
16:15 Kos / Marina Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 04:15 Strecke: 17,2 Seemeilen Ø Fahrt: 4,1 Knoten


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