Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2008-08-27 Kos – Leros mit WK

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 01:52:48 Anzahl Tage: 15
27.08.2008 Kos Nord / Marina
28.08.2008 Kos Nord / Marina
29.08.2008 Kos / Marina – Psérimos / O. Vathy – Kálymnos / O. Paliónisos
30.08.2008 Kálymnos / O. Paliónisos
31.08.2008 Kálymnos / O. Paliónisos – Léros / O. Xirókampos – Léros / O. Pantéli
01.09.2008 Léros / O. Pantéli – Lipsi / O. Katsadiá – Lipsi / Hafen
02.09.2008 Lipsi / Hafen
03.09.2008 Lipsi / Hafen – Arkí / Tiganáki
04.09.2008 Arkí / Tiganáki – Máratho
05.09.2008 Máratho – Arkí / O. Augústa (Hafenbucht) – Máratho – Patmos / O. Meloï
06.09.2008 Patmos / O. Meloï
07.09.2008 Patmos / O. Meloï – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
08.09.2008 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / Marina Leros Evros SA
09.09.2008 Léros / Marina Leros Evros SA
10.09.2008 Léros / Marina Leros Evros SA

Crew:
Tötterström Tom
Kickinger Wolfgang

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 75:04 Strecke: 77 Seemeilen Ø Fahrt: 1 Knoten


27.08.2008 Mittwoch
Kos Nord / Marina
Es dauert natürlich lange, bis das Gepäck von Wolfgang auf dem Förderband liegt. Aber Hauptsache es ist mitgeflogen. Alle drei und alles Gepäck haben gerade noch Platz im Auto. Wir fahren nach Kefalos, ganz im Westen von Kos. Am Programm steht Zeit vertreiben bis Beate abfliegt. Sie ergattert eine der vielen freien und kostenlosen Strandliegen und Wolfgang und ich mieten ein Nacra-Sportkatamaran beim Dirk Trio von Cat Adventures, was ich schon einige Male gemacht habe. Mit Wolfgang im Trapez macht es wieder großen Spaß, vor dem Strand hin und her zu flitzen. Es ist aber recht anstrengend, weil der Wind so böig ist. Nach einer Stunde sind wir direkt müde. Dirk lobt uns, weil wir nicht gekentert sind.
Anschließend essen wir ein wenig in der Taverna, die die Liegestühle zur Verfügung stellt und fahren wieder zum Flughafen. Massenhaft Leute warten draußen. Ich begleite Beate hinein und sie findet tatsächlich einen freien Sitzplatz für die Wartezeit bis der Schalter für den Wienflug aufmacht.

Beate erlebt einen recht abenteuerlichen Abflug: Die Maschine ist zur Abflugzeit noch nicht mal gelandet und alles in allem kommt etwa 1,5 Std. Verspätung zustande. Die Kontrolle des Gepäcks fällt wegen heilloser Überfüllung aus und sie muss die beiden Gepäckstücke mit zusammen 37,8 kg(!) selbst nach dem Einchecken noch zu einem anderen Platz schleppen. Das Handgepäck läuft zwar durch den Scan, aber sie muss nichts auspacken und es kümmert sich auch keiner um den Laptop. Noch ein Hinweis: Am Flughafen sind die Preise im Dutyfree Shop für Alkohol und Zigaretten ausgesprochen günstig.

Wolfgang und ich beeilen uns zurück. Auf dem Weg kaufen wir bei Lidl ein, vor allem Getränke, die hier weniger als die Hälfte eines normalen griechischen Supermarktes kosten(kleine dose Bier 0,39 statt 0,80 bis 1,00). Dann beeilen wir uns weiter, damit wir die Wäscherei in der Marina vor 21 Uhr erreichen. Das gelingt mit 10 Minuten Reserve. Nun folgt die Schlepperei zum Boot. Wolfgang meint, wir könnten doch ein Wagerl vom Kostas ausborgen aber ich will ihn nicht brüskieren. Daher schnallen wir die nun leere Wäschetonne auf die faltbare Transportrodel und können so alle Getränke mit wenig Anstrengung transportieren. Es folgt die große Einräumaktion, die bis kurz vor dem recht baldigen Schlafengehen dauert.


28.08.2008 Donnerstag
Kos Nord / Marina
Ich bringe das Auto pünktlich um 9:30h zurück und werde vom Stamatis-Schwager wieder zur Marina gebracht. Auf dem Weg kaufe ich beim Marineshop Pavlos einen neuen Elektroschalter, der anschließend den alten kaputten ersetzen darf. Wie üblich ist es extrem schweißtreibend, die verwinkelte Montage zu machen. Es gibt wohl kaum etwas auf einem Boot, das leicht erreichbar wäre. Die Motoren erhalten auch jeder ca. 1/2 Liter Motoröl und beim bb-Motor fehlt wieder etwas Kühlflüssigkeit. Wolfgang füllt die Wasservorräte auf und tüftelt dann aus, wie die gerissene Reffleine wieder eingefädelt werden kann. Die Lösung ist einfach: Die Einzuziehende mit Isolierband an der bestehenden Leine festmachen und diese von hinten herausziehen. Sie ist ohnenhin so lang, dass sie dabei nicht ausgefädelt wird.
Danach folgt die Windinstrumentgeberreparaturaktion. Dazu muss ich in den Masttopp. Zuerst üben wir mit dem leeren Bootsmannstuhl, dann zieht mich der Wolfgang mit der Ankerwinde hinauf. Die Reparatur gelingt und ein paar Fotos auch.

Dann haben wir eine Stärkung verdient und ich mache Speck mit Eierspeise und Bohnen. Inzwischen ist es schon 14h geworden und der Wind hat ordentlich aufgefrischt. Wir beschließen abzuwarten. Dabei gehe ich zum Pier E und besuche die gestern angekommenen Hildegard und Yves (Boote Dusty und Spilia), mit denen ich schon öfter geplaudert habe. Diesmal wird es etwas länger. Sie wollen recht genau wissen, wo ich in den letzten 2 Monaten war.

Um 17h ist der Wind immer noch nicht weniger. Die Vorhersage verspricht Beruhigung erst zur Nacht. Wir beschließen, morgen Früh loszufahren und jetzt duschen zu gehen. Am Abend gehen wir in die Taverna Lithrino gleich hinter der Marina und essen sehr gut und sehr günstig – eine der wenigen Tavernen, die die Speisen auch mit anderen Beträgen als mit fünfzig oder null Cent endend angeben.

Nach einem Nachtschluck im Cockpit gehen wir kurz vor Mitternacht schlafen.


29.08.2008 Freitag
14:08 Pserimos / O. Vathy Karte Abfahrt
16:35 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:26 Strecke: 14 Seemeilen Ø Fahrt: 5,7 Knoten


Nach schnellem Frühstück und kleinem Einkauf bei Kostas legen wir kurz vor 10h ab. An der Tankstelle wird der Dieseltank aufgefüllt und dann geht es ab in nördlicher Richtung. Die Ausflugsboote aus Kos haben auch gerade abgelegt. Da ist es nicht schwierig, über die Sandbank an der N-Spitze von Kos zu navigieren – einfach nachfahren.
Die Wellen sind auf der anderen Seite der Sandbank sehr unfreundlich aber mit reduzierter Geschwindigkeit spritzen sie weniger. Es dauert aber nicht lange, bis sie wesentlich gemütlicher werden.
Um 11:55h werfen wir den Anker ins türkisblaue Wasser auf 2m Tiefe in den feinen hellen Sand der E-Bucht von Pserimos. Es sind schon 6 Segelboote hier und dauernd kommen welche dazu, insbesondere Katamarane. Wir schwimmen, putzen das Loggenrad, das nach drei Tagen Stillstand natürlich wieder von irgendeiner kleinen Muschel blockiert wird. Luft- und Wassertemperatur sind perfekt (30°/26°).
Um 14h fahren wir weiter, um 45 Minuten später an der W-Seite in die Pserimos Bucht herein zu schauen. Der Ort entlang des Sandstrandes ist praktisch ausgestorben. Keine Ausflugsboote sind da und nur ein einziges Segelboot ankert in der Bucht. Wahrscheinlich deswegen, weil Wind und Wellen direkt aus W herein stehen. Zwar nicht heftig aber doch ausreichend, um weiter zu fahren und ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Das machen wir und setzen die Fahrt fort ohne zu ankern.
Um 16:30h erreichen wir die „Nikolas-Bucht“ O. Palionisos. Der Betonsteg ist frei und Wolfgang macht ein perfektes Anlegemanöver während ich den Anker und anschließend die Heckleinen bediene. Kaum haben wir fest gemacht kommt auch der Nikolas daher. Er ist besonders gschaftig. In der Bucht ankern bereits zwei andere Boote und an die 10 Badegäste sind auch noch auf dem Kiesstrand. Die Ente und das Huhn, die dazwischen herumgehen interessieren ihn weniger. Sie werden wohl kaum einen Schwamm abkaufen oder seine Taverne besuchen.
Aber er will mit seinem Motorboot mit einigen der Badegäste losfahren, hat jedoch „vergessen“ das Benzin mit zu nehmen und schnorrt daher erfolgreich 1,5 Liter von mir. Das war nicht das erste Mal und wahrscheinlich nicht das letzte.
Wolfgang ist vom Anlegeplatz begeistert. In der Tat ist es hier schön. Wir fotografieren und schwimmen. Ich höre heimatliche Sprache von Badegästen und spreche sie an. Es ist aber eine junge Familie aus Rosenheim mit Sohn und Tochter. Der Vater, Harry, kommt auf die Blodughadda und erzählt, dass sie auf Kalymnos zum Klettern sind. Die Berge hier haben ideale Voraussetzungen für Kletterer und besitzen Formationen, die einmalig sind, nämlich total verrückte Stalaktiten in den Kletterwänden. Seine Frau Beate und kleine Tochter Lisa-Marie kommen das Boot noch besichtigen bevor sie abfahren müssen, während Sohn Simon bevorzugt, bis zur letzten Sekunde zu fischen.
Abends gehen wir die 250m zur Taverna Paradise hinauf. 5 Ziegengatter sind auf dem steinigen Pfad zu überwinden. An einem davon wird gerade eine Schafherde durchgelassen, damit sie zur Tränke kommen kann. Der Schafhirte zelebriert das Schauspiel und sagt nach dem letzten Schaf „finish“.
In der Taverna sind zwei Tische mit Gästen und ein Tisch mit der Familie besetzt sowie zahlreiche Katzen, die herumtollen. Wir nehmen Platz und warten auf Nikolas. Er kommt nicht. Daher gehe ich hinein und finde ihn in der „Küche“ – eigentlich müsste man Kochnische sagen – wie er gerade ein Stifado aus dem Kochtopf portioniert, das wir sicher nicht bestellen werden. Wir bestellen Souvlaki mit Pommes und Retsína. Letzteres kommt sofort, ersteres dauert etwa 1,5 Stunden. Inzwischen schläft Wolfgang ein Weilchen und ich sehe mir die Fotoalben an. Der Griller wird angeworfen. Sohn Leftheris, der ab Herbst in die Touristenhochschule in Rodos gehen wird, grillt unsere Spieße und der Vater Nikolas macht die Pommes. Ein kulinarisches Erlebnis ist es nicht, aber sagen wir ein ethnologisches.


30.08.2008 Samstag
Kálymnos / O. Paliónisos
In dieser Bucht schläft es sich besonders gut. Die sanften Wellen brechen am Kiesstrand und erzeugen ein extrem beruhigendes pschsch-pschsch-geräusch. Zum Frühstück mache ich Schinken-Käse Toasts, die wir alle sofort gar nicht wegputzen können.
Nikolas kommt wieder vorbei und bekommt Kaffee und Zigaretten. Er erzählt, dass im Laufe des September die Straße bis zum Dorf asfaltiert werden soll! Bereits jetzt ist sie so schön geebnet, dass er in 7 Minuten über den Bergrücken bis zur Westseite der Insel fahren kann. Das bringt auch schon viel mehr Gäste. Er führt Statistiken und sagt, dass jetzt an einem Tag bis zu 140 Personen Paliónisos besucht haben. Früher waren 40 das absolute Maximum. Für kommendes Jahr überlegt er schon, eine Küchenhilfe für die Taverna anzustellen, irgend so eine Rumänin, die für Kost und Logis praktisch gratis arbeitet.
Wir genießen den Tag und freuen uns immer wieder über den Besuch von Nikolas, also zumindest mehr oder weniger. Boote kommen und fahren wieder ab und als wir um 18:30h zur Taverne aufbrechen, sind nur mehr ein Motorboot und einige Campierer außer uns da. Diesmal sind wir gewitzter und bestellen gleich bei der Frau von Nikolas einen Teller mit Feta, Tomaten, Oliven und aufgeweichten Hartbrot zu unserem Retsína. Es wird auch sehr prompt serviert.
Bald kommen andere Gäste in die Taverna. Nämlich zwei Campierer vom Ufer, der Inder Sri Venudas und die Pariserin Coraline Naigard. Er ist Professor für südindische Musik und Joga und sie Physiotherapeutin. Wir unterhalten uns zunächst locker von Tisch zu Tisch. Wolfgang wird von der Müdigkeit gepackt und verabschiedet sich. Das will ich auch schon tun aber dann kommt Dynamik in das Gespräch. Innerhalb weniger Minuten haben wir das Konfliktpotenzial der vielen Muslime in Indien und der Restriktionen der arabischen Länder gegenüber Hindus und was für ein Wahnsinn Kriegs- und Rüstungsausgaben in der Welt bedeuten besprochen. Auch andere verwandte Themen werden beleuchtet. Es ist schön mit einem verwandtem Geist aus einer anderen Welt zu sprechen. Inzwischen sitzen wir schon alle an einem Tisch gemeinsam mit Nikolas, der etwas mehr als das bestellte Essen der Zwei bringt und mich mitessen und mittrinken lässt. Das Stifado ist doch tatsächlich genießbar.
Auf dem Boot hat sich inzwischen Wolfgang im Trampolinnetz gemütlich für die Nacht eingerichtet. Eine Lampe am W-Ufer stört dabei die Beobachtung des fulminanten Sternenhimmels. Ein Opfer an die Zivilisation. Vor zwei Jahren gab es hier noch keinen elektrischen Strom.


31.08.2008 Sonntag
10:20 Kálymnos / O. Paliónisos Karte
12:06 Léros / O. Xirókampos Karte An Boje
13:57 Léros / O. Xirókampos Karte Abfahrt
14:58 Léros / O. Pantéli Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 02:47 Strecke: 11,7 Seemeilen Ø Fahrt: 4,2 Knoten


Das Geklimper von unzähligen Glöckchen, die an den Hälsen von ebenso vielen Ziegen und Schafen hängen, wecken auch die vielen Campierer am Strand kurz nach Sonnenaufgang auf. Sie kriechen aus den fünf Zelten heraus. Es sind hauptsächlich griechische Familien, die das Wochenende hier verbringen. Dafür sind sie erstaunlich wenig laut, wahrscheinlich weil die Kinder noch schlafen. Ich verwende trotzdem erstmals die Ohropax, die in der Kajüte schon lange herumliegen. Seltsamerweise werden die Geräusche dadurch nicht weniger. Jetzt erst lese ich auf der Verpackung, dass es sich um „Ohrstöpsel aus wasserabweisender Wolle zum Schutz beim Baden und bei Wind und Wetter“ handelt und gar nicht um Geräuschdämpfer. Ich kann trotzdem wieder einschlafen.
Gegen 8:30h sind auch die Campierer-Kinder wach und ein Weiterschlafen unmöglich. Wir frühstücken gebratenes Brot, hupfen schnell ins Wasser und legen um 10:20h nach fast 42 Stunden am selben Platz ab. Nikolas, Sri und Coraline winken heftig und ich auch.
Für Samos Sea wurde NW-Wind mit 6 bis 7 Bft. angesagt. Davon ist noch nichts zu spüren. Es ist fast windstill. Aber die Wellen vor der Bucht sind ziemlich groß. Mit reduzierter Geschwindigkeit geht es aber gut gegenan. Das Wetter aus dem Internet konnte ich nicht abrufen, da in der Nikolas-Bucht nur türkische GSM-Netze zu empfangen sind.
Unterwegs kann ich wieder ins Internet und das Blogbuch aktualisieren bevor wir um 12h eine Boje in der Bucht Xirokampos auf Leros nehmen. Die Tavernen Aloni und To Kima haben hier Bojen ausgelegt, die man kostenlos benützen kann, was sehr nützlich ist, weil der Ankergrund mit viel Seegras sehr schlecht ist. Natürlich wird erwartet, dass man ins entsprechende Lokal essen geht, aber wenn nicht, regt sich auch keiner auf. Die gelben Bojen weiter drinnen in der Bucht gehören zur Taverna Aloni, die vieel besser als die andere ist…
Gleich nebenan liegt aber ein Katamaran Type Mahé von Fountaine Pajot. Es ist das Nachfolgemodell zu Tobago 35. Der Eigentümer, ein älterer Franzose, kommt bald daher geschwommen. Wir unterhalten uns von Boot zu Schwimmer. Dann gehe ich ins Wasser und er auf sein Boot, das ich natürlich näher ansehen möchte. Er bittet mich dann auch an Bord und ich sehe mir das Boot genau an. Das hätte ich wohl besser nicht tun sollen, denn es ist viel praktischer und schöner ausgestattet als meine Tobago. Es hat zwar auch „nur“ drei Doppelkajüten und ein „Badezimmer“ in den Rümpfen und ein Salon auf der Brücke. Jeder Raum für sich macht aber einen viel luftigeren und größeren Eindruck und vor allem kann man was Wesentliches: Die Motoren kontrollieren ohne ein Bett wegräumen zu müssen. Nun gut, jetzt weiß ich, was nach der Tobago folgt. Er bietet mir ein Bier und Nüsse an und erzählt, dass er ein optimales Boot für seine Zwecke hat. Sechs Monate im Jahr lebt er allein darauf und ein Monat im Sommer kommt seine Tochter mit Familie dazu.

Wir wollen uns heute noch die Bucht bzw. Ort Panteli ansehen und so brechen wir um 14h auf, ohne die Taverna Aloni besucht zu haben. Um 15h sind wir da und ergattern sogar den besten Platz, nämlich längsseits ganz außen an der Mole mit Blick auf den Ort und Bademöglichkeit, weil hier das Wasser ganz sauber ist. Weiter drinnen im Hafen würde ich mich nicht ins Wasser begeben. Wolfgang fährt das Landemanöver langsam und souverän. Ich steige einfach am Heck hinüber und hänge den Heckfestmacher über den Poller.

Wir schwimmen und machen Siesta. Dann gehen wir um den Hafen zur Taverna Patimenos zum Abendessen. Der frittierte Käse, die Zucchinibällchen, das Huhn in Champignonsauce mit Reis und das traditionelle Gericht „Giulbari“ (pork, herbs and 3 cheeses im Papier im Ofen gebacken) schmecken hervorragend. Und teuer ist es auch nicht. Danach gehen wir auf ein Bier und ein Glas Wein in die Bar Castelo. Dort kaufe ich einen großen Sack Eiswürfeln um 3 €, der gerade noch Platz in der dafür vorgesehenen Plastikkiste im Kühlschrank hat. Wir machen uns noch einen Abenddrink mit Eis und genießen das sich im Meer spiegelnde Panorama der Ortschaft vor uns bevor wir schlafen gehen.


01.09.2008 Montag
10:07 Léros / O. Pantéli Karte
12:07 Lipsi / O. Katsadiá Karte Ankern
16:00 Lipsi / O. Katsadiá Karte
16:45 Lipsi / Hafen Karte
Zeit unterwegs: 02:45 Strecke: 11,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,2 Knoten


Es ist auch in der Früh erstaunlich ruhig in diesem Fischerhafen. Nur der Wind pfeift ganz schön direkt aus W. Es ist fast schon kalt bei 27° Lufttemperatur. Um 10h legen wir ab und steuern um das Kap Pantéli herum. Hier kommt der Wind direkt aus N mit ziemlich großen Wellen. Trotz geringer Geschwindigkeit lassen sich die Duschen nicht vermeiden.
Nach genau 2 Stunden erreichen wir die Südbucht von Lipsi und ankern in der Limni-Einbuchtung auf Sandgrund und 3m Tiefe. Es gibt hier gar nichts außer Fallböen, die aber nicht wirklich heftig sind. Ich koche Pasta alla Bolognese aus dem Knorr-Packerl. Scheckt gar nicht schlecht insbesondere mit frisch geriebenem Parmesan. Das salznasse Cockpit bekommt eine Reinigung verpasst und Wolfgang wischt die Spuren vom gestrigen Landgang über den Bug ab.
Ich versuche eine neuerliche Reparatur des Logge- und Tiefeninstrumentes im Cockpit. Sämtliche Schraubenhalterungen sind inzwischen gebrochen. Die Taste für die Funktionen der Tiefe ist schon lange außer Betrieb und ich kann sie auch nicht mit Kontakt 60 reanimieren. Statt Schrauben darf jetzt schwarzes Isolierband das Gehäuse zusammen halten. Es wird Zeit, ein neues zu besorgen, also ein Autohelm ST 50 Plus Tridata wird schon lange nicht mehr gebaut, aber vielleicht finde ich ein günstiges gebrauchtes in Ebay oder sonst wo. Dasselbe gilt für Autohelm ST 50 Wind samt Geber im Masttopp, die jetzt zwar eine Anzeige produzieren aber nicht wirklich das, was tatsächlich ist, nämlich woher der Wind kommt und wie stark. Und wenn ich dann noch das GPS austausche, dann wird die Blodughadda wieder einigermaßen gut mit Navigationsinstrumenten ausgestattet sein.
Um 16h fahren wir weiter und erreichen den Hafen von Lipsi nach 45 Minuten. An der Innenseite der Hafenmole sind noch genügend Plätze frei und Frank Haidinger steht schon bereit, um die Leinen entgegen zu nehmen. Per SMS habe ich schon vorgestern ausgemacht, dass wir uns hier treffen. Der Wind kommt mit ziemlicher Wucht schräg von der Seite und so lässt es sich nicht vermeiden, dass wir etwas abtreiben. Aber mit Hilfe einer Spring zur Bugklampe, die auf die Winsch umgeleitet wird, können wir den verlorenen Raum wieder gewinnen und liegen danach perfekt neben einer Ferretti Motoryacht unter deutscher Flagge.
Ich begrüße Frank sehr herzlich und er kommt gleich an Bord auf ein Glas Retsína. Nicht viel später kommt auch seine Frau Petra dazu. Es gibt einiges zu erzählen. Es gibt auch einiges zu sehen, denn das Hafenkino ist voll angelaufen: Boote kommen und haben die größten Schwierigkeiten, unter diesen Windbedingungen anzulegen. Wir helfen allen Ankommenden mit den Leinen.
Abends gehen wir zu fünft – der 17 jährige Sohn Lorenz ist auch dabei – in den Ort hinauf zur Taverne, die ich unter dem Namen „La Nave“ kenne, jetzt jedoch „Manolis Tastes“ heißt. Das soll „Manolis Geschmäcker“ bedeuten. Die Haidingers kennen den sehr sympathischen Manolis schon gut und nach dem wieder hervorragenden Essen setzt er sich zu uns am Tisch und spendiert ein halbes Kilo Hauswein. Es wird ein längerer Abend an dem sich Wolfgang vernünftigerweise früher verabschiedet.


02.09.2008 Dienstag
Lipsi / Hafen
Bevor wir gefrühstückt haben, kommt schon Frank an Bord, um die Windprognosen im Internet anzusehen. Sie sind nicht gerade freundlich, obwohl noch nicht so viel Wind da ist. Wolfgang und ich gehen frühstücken ins Calypso und beratschlagen, was wir tun sollen, noch einen Tag bleiben oder abfahren. Wir sind aber vorläufig wenig entschlussfreudig.
Ich suche im Internet nach Transportmöglichkeiten zwischen Leros und Kos und finde sowohl passende Flug- wie Tragflügelbootverbindungen. Wir entscheiden uns aber noch für keine, weil heute nicht der Tag der Entscheidungen ist. Aber stattdessen der Tag der Kommunikation. Mehr als die Hälfte aller Boote im Hafen haben deutschsprachige Crews und eine finnische ist auch dabei auf der Penelope. Ich bekomme den Wasserschlauch von netten deutschen Nachbarn auf einer Ferretti 48 als er mit dem Auftanken fertig ist und kann auch unseren Tank auffüllen.
Frank und Familie dürfen das Auto vom Manolis ausleihen. Gestern hat er es ihnen praktisch aufgedrängt. In zwei Stunden haben sie die ganze Insel abgefahren. Nachmittags wird das Hafenkino wieder geöffnet als die Yachten hereinkommen. Heute ist das innere Becken mit gutem Ankergrund schon um 15:30 praktisch voll. Das äußere mit dem Wind schräg auf die Nase und schlechtem Ankergrund bietet größere Erlebnisse – Anker hält plötzlich nicht – bis ich dem verzweifelten Skipper den Tipp vom Frank gebe, an den Schwimmsteg im Luv zu gehen.
Wir helfen wieder den Ankommenden mit den Festmacherleinen, wie viele andere hier auch. Das ist eine Sache besonders der Deutschen/Österreicher/Schweizer, meistens auch der Skandinavier/Engländer/Franzosen, nicht so oft der Griechen und kaum jemals der Italiener. Ein großer Katamaran, eine Belize von Fountaine-Pajot mit nur einem Mann und einer Frau an Bord legt auch an. Auch hier höre ich die Lipsi-Hafensprache deutsch obwohl er ein T-shirt mit dem Aufdruck „Australia“ trägt. Es sind Hans Schubert und Kerstin Pieper auf ihrer S/Y Cinderella. Später gehe ich auf ihr Boot, weil Kerstin vorschlägt, Bücher und Zeitschriften zu tauschen – komisch dass bis jetzt sonst niemand auf diese Idee gekommen ist. Dann darf ich endlich wieder jemandem, den es interessiert, erzählen, wohin ich gerne fahre. Sie haben vor, von hier südwärts zurück nach Marmaris zu ziehen. Also verrate ich alle meine Lieblingsplätze und anschließend kommen sie die Blodughadda ansehen. Wir unterhalten uns im Cockpit und bald kommt auch der Frank dazu.
Die Entscheidung, in Lipsi zu bleiben ist mittlerweile von selbst gefallen und wir verabreden uns, alle gemeinsam am Abend zum Manolis essen zu gehen. Er und sein auch sehr sympathischer iranischer Kellner Omid Beheshty (bedeutet himmlische Hoffnung!!) freuen sich über den Zuwachs und wir scherzen schon über die zukünftige Anzahl der Leute, die Frank herauf schleppen wird.
Das Essen dauert zwar lange aber die Wartezeit überbrücken wir locker mit netter und interessanter Unterhaltung. Es stellt sich heraus, dass Hans meinen Freund André Leers sehr gut kennt und die Eltern von Kerstin in Mödling wohnen! Außerdem haben sie schon Leute an Bord gehabt, die aus dem Seewinkel stammen, wo Wolfgang lebt und arbeitet. Klein ist die Welt! Sie bieten auf ihrem Boot Kojencharter und „Blauwasserseminare“ an, also Vorbereitung auf eine Weltumsegelung, die sie schon hinter sich haben (siehe http://www.cinderella-yachting.de/). Natürlich würde ich mich freuen, die beiden in Mödling wieder zu treffen wenn sie die Kerstin-Eltern besuchen und eine entsprechende Einladung zu uns wiederhole ich zwei Mal.
Es wird wieder spät. Diesmal verabschiedet sich der Wolfgang nicht früher. Aber so wirklich viel später als Mitternacht wird es auch nicht. Fast hätte ich es vergessen: Das Essen hat wieder herrlich geschmeckt. Der Wein auch.


03.09.2008 Mittwoch
10:25 Lipsi / Hafen Karte Ablegen
Zeit unterwegs: 22:15 Strecke: 7,5 Seemeilen Ø Fahrt: ,3 Knoten


Frühmorgens, also kurz nach 8, bin ich schon auf und inspiziere die Umgebung. Vor allem hole ich vom Bäcker frisches Brot und Leckereien zum Frühstück. Aber auch der Frank ist eine Inspektion wert: Er hat sein Laptop auf der Sprayhood seiner Charivari platziert und surft im Pyjama total konzentriert im Internet, sich über den guten WLAN-empfang freuend.
Ich tausche mit Hans und Kerstin die Adressen aus. Dem deutschen Motoryachtnachbarn erzähle ich wo die großen Yachten auf Ithaka sich sammeln zum Diesel tanken, worüber er sich sehr freut. Er will nämlich nach Korfu. Dann legen wir ab mit vorläufig unbekanntem Ziel.
Es zeigt sich, dass der Wind bzw. insbesondere die Welle nicht schlimm ist und da fahren wir um die W-Ecke von Lipsi nach Arki. Tiganáki begrüßt uns herrlich türkisfarben wie immer. Den Anker werfen wir auf 2m Tiefe. Aber er hält nicht gut. Wir sind ca. 40m weiter östlich als üblich und hier dürfte eine Felsplatte knapp unter dem Sand sein. Ich tauche zum Anker hinunter und versuche ihn in den Sand zu drücken, aber es geht nicht. Also verlegen wir den Ankerplatz. Diesmal allerdings noch etwas weiter nordöstlich direkt oberhalb – also windmäßig gesehen – des kleinen Felsinselchens wo das Wasser ganz klar türkisfarben ist auf 3m Tiefe. Hier hält er bombenfest.
Einige Ausflugsboote kommen, die Gäste hier schwimmen lassend, und fahren wieder. Ein sehr kleines deutsches Segelboot ankert ebenfalls im Swimmingpool. Aber dann kommt ein Segelboot und ankert vor der Durchfahrt zwischen Arki und Avapisto. Es ist eine Bavaria 44 namens Archi Six von Ecker Yachting, dessen Skipper auf die geniale Idee kommt, die Durchfahrt mit Landleinen komplett zu versperren, also eine zu Arki, die andere zu Avapisto. Diese sind zwar mit Fendern deutlich gekennzeichnet aber aus früheren Aufenthalten weiß ich, dass Fischerboote in der Nacht hier durchfahren und in der Finsternis sicher nicht sehen, dass sie das jetzt gar nicht können. Außerdem weiß ich, dass viele Boote hierher kommen, um die schöne Umgebung zu genießen und sich dabei unweigerlich in die Landleine zu Avapisto verheddern müssen. Als das zum ersten Mal geschehen ist, schwimme ich zur Charteryacht hinüber und frage nach dem Skipper. Es ist ein Österreicher, Salzburger oder Oberösterreicher, der sich auf meine Warnungen hin extrem überheblich zeigt und einfach sagt „wir lassen eh jeden durch“ und „ich vertrau meinem Anker nicht“. Ich fasse diese Blödheit nicht. Wer seinem Anker nicht vertraut, der fährt das Ankermanöver so lange, bis er ihm vertraut. Aber er sperrt doch deswegen keine Durchfahrt ab! Das versuche ich ihm klar zu machen aber er weiß alles besser. Ich schnorchle zu seinem Anker, der absolut bestens liegt ohne mehr als eine Landleine brauchend – wenn überhaupt – und wieder zur Blodughadda zurück.
Selten rege ich mich im Urlaub auf und noch seltener über Österreicher. Aber diese Kombination von Rücksichtslosigkeit, Überheblichkeit, Blödheit und Unerfahrenheit ist ziemlich einmalig. Nach kurzer Zeit können wir aber doch beobachten, dass meine Warnungen gefruchtet haben und die Landleine zu Avapisto umgelegt wird zur Arki so dass eine Durchfahrtsmöglichkeit vorhanden ist. Wozu sie bei etwa 7kn Wind zwei Landleinen direkt im Luv brauchen, wird aber wohl für immer ein Rätsel bleiben.
Inzwischen ist wieder die Zeit vergangen und unsere Entschlussfreudigkeit, woanders hin zu ziehen, nicht aufgekeimt. Also bleiben wir da und ich koche Thunfischspaghetti.


04.09.2008 Donnerstag
17:33 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
17:55 Máratho Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 00:21 Strecke: 1,2 Seemeilen Ø Fahrt: 3,4 Knoten


In Tiganáki ist es wirklich schön. Wir verbringen den Tag mit lesen, schwimmen, Toasts essen und aufräumen und putzen. Als wir um 17:30 aufbrechen, sieht der Salon und v.a. die Naviecke wieder zivilisert aus.
Kaum 20 Minuten sind wir unterwegs nach Marathi. Wir legen das Boot längsseits an der E-Seite des holzbelegten Betonstegs der Taverna Pantelis. Wolfgang fährt, ich hupfe an Land. Ein älterer Mann deutet zwar auf die vielen leeren Bojen und sagt „moorings“. Ich frage ob wir nicht da bleiben könnten. Eine Frau die ihrer auf den Steg hinausrennenden ca. 4-jährigen Tochter nachrennt, bestätigt, das wir das dürfen.
Ich schaue mir den Platz mit der Taucherbrille an. Die Blodughadda hat genau Platz. Breiter dürfte sie nicht sein, weil dort Felsen sind und mehr als 1,60cm Tiefgang wäre auch sehr knapp. Aber so liegen wir sehr gut im Windschatten mit gelegentlichen leichten Böen während die Boote an den Bojen heftig schwojen und stampfen. Am Steg kommt zwar auch eine leichte Dünung herein, die aber mit losen Festmachern kaum wahrzunehmen ist, weil der Wind uns vom Steg weg bläst.

Vom Cockpit aus haben wir einen herrlichen Ausblick auf ein von der Abendsonne beleuchtetes Panorama, das mit den vielen kleinen Inselchen und blauen Durchfahrten zwischen ihnen kaum schöner sein kann.

Natürlich gehen wir in die Taverna. Sie ist ausgesprochen schön. Die gediegenen braunen Holztische stehen in Gruppen auf verschiedenen Ebenen unter großen Bäumen. Die dunkelbraunen massiven Holzsesseln haben alle eine helle Polsterauflage und sind wesentlich bequemer als die üblichen Kareklas. Also ist es keine Taverna sondern ein Restaurant. Man sieht, dass diese Stelle mit viel Liebe gepflegt wird. Auch die Wirtin, die Tochter des Hauses, ist elegant und überreicht uns ebensolche Speisekarten, die erwartungsgemäß auch elegante Preise enthalten. Weil mich seit der Früh eine leichte Übelkeit plagt, will ich sowieso wenig essen und begnüge mich daher mit einem Pastitsio und einem Eistee. Wolfgang bestellt frittierte Kalamari und einen kleinen Salat sowie einen Viertel Hauswein. Alles schmeckt vorzüglich. Wolfgang glaubt, noch nie so gute Kalamrari gegessen zu haben. Aber 30,50 ist dafür schon zu viel. Gut, der Platz am Steg oder an der von der Taverna gepflegten Bojen kostet nichts. Wenn man dafür 10 Euro abzieht, dass passt der Preis wieder.
Der Inhaber kommt zu unserem Tisch, der zweite, der besetzt ist. Er erzählt, dass die Saison beginnt, vorbei zu sein. Das kann man leicht erkennen. Dafür bestünde vom Wetter her allerdings gar kein Grund, muss eher daran liegen, dass Leute ganz allgmein immer weniger auf Urlaub fahren. Das hört und sieht man hier immer wieder.
Er hat diese Taverna vor 30 Jahren aufgemacht. Da war an diesem wunderschönen Sandstrand gar nichts. Er stammt aus der Nachbarinsel Arkí (die mit 45 Bewohnern auch nicht sehr groß ist). Die zwei anderen Tavernen werden von „Einheimischen“ betrieben, die inzwischen nach Rodos ausgewandert waren aber zurückgekommen sind, um ebenfalls Tavernas aufzumachen und im Winter die Tiere zu betreuen, also Ziegen, Schafe, Hühner usw.
Es wohnt aber nur eine Familie ständig auf diesem Inselchen, das nicht mal 1km2 groß ist.


05.09.2008 Freitag
09:52 Máratho Karte
10:43 Arkí / O. Augústa (Hafenbucht) Karte
13:25 Arkí / O. Augústa (Hafenbucht) Karte
13:42 Máratho Karte
16:54 Máratho Karte
17:10 Segel setzen
17:20 Mototen aus
18:20 Segel bergen
18:40 Patmos / O. Meloï Karte
Zeit unterwegs: 02:52 Strecke: 9,6 Seemeilen Ø Fahrt: 3,3 Knoten


Nach einem kurzem Morgenschwimm bei dem ich glaube im Aquarium zu schnorcheln – jede Menge Fische unterschiedlichster Größe und Bauart, die sich um das ins Wasser geworfenen Brot streiten – legen wir kurz vor 10h ab. Die Ausflugsboote werden demnächst eintreffen. Pantelis verabschiedet sich freundlich von uns und wirft die Leinen los. Er ist ein wirklich sympathischer Mann, der perfekt Englisch spricht und genau das darstellt, was ich an sehr vielen Griechen so mag: Freundlich aber absolut nicht übertrieben, dienstbereit aber keineswegs aufdringlich oder unterwürfig, diskussionsbereit und interessiert am Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe ohne jeden Versuch sich selbst niedriger oder höher einzustufen. Also in Summe das, was für mich die Grundbedingungen einer Freundschaft darstellen. Wahrscheinlich gibt es das auch in anderen Ländern. Aber als Segler im Mittelmeer habe ich das nur in Griechenland erlebt. In der Türkei werde ich es vielleicht nochmals vorurteilsvoll versuchen in der Hoffnung, ich hätte mich getäuscht. Aber viel Hoffnung darauf habe ich nicht. Andererseits haben die Griechen auch Eigenschaften, die ich nicht mag.
Nach nicht Mal einer Seemeile treffen wir im Hafen von Arkí ein. Ein Segelboot ist uns gerade entgegen gekommen und ein weiteres legt gerade ab und lässt eine große Lücke frei. Ideale Bedingungen! Ich zwinge Wolfgang, das Anlegemanöver so lange zu wiederholen, bis es perfekt passt und wir es ohne die hilfsbereiten Leuten am Kai meistern. Ein paar Wiederholungen sind schon dabei…
Wir gehen an Land und machen einen Spaziergang zum geschlossenen Mini-Markt. Dahinter sehen wir, dass hier das Dieselkraftwerk durch eine riesige Menge an Sonnenkollektoren unterstützt wird – sehr lobenswert.
Es ist zu heiß. um größere Wanderungen zu machen und so gehen wir zurück und trinken ein Bier in Tripas Tavern…Soul Resort. Die Musik ist wirklich gut. Vom deutschen, extrem lässigen Kellner mit nacktem Oberkörper und Tätowierung am Arm erfahren wir, dass die Ausflugsboote zwischen 11:30 und 16h eintreffen. Am besten kommt man zwischen 15 und 16h, wenn man hier übernachten möchte. Später kommen viele Yachten.
Wir gehen zum Boot zurück. Ich versuche den Funkthermometersensor, der immer im Kühlschrank liegt aber vor zwei Tagen ins Eiswürfelwasser gefallen ist, mit Kontakt 60 zu reparieren. Es gelingt. Der Kühlschrank hat wieder eine Temperatur. Damit diese möglichst positiv ausfällt, lege ich den Sensor neben die mit frischen Eiswürfeln aufgefüllten Plastikbox.
Wir ordnen und tauschen Digitalfotos als die nächsten Ausflugsboote eintreffen. Ich habe keine Lust, mich auf Diskussionen oder Platzstreitigkeiten einzulassen und beschließe, den Ort sofort zu verlassen, obwohl eh noch Platz da ist. Aber was wir tun, können wir an einer der Bojen in Marathi genau so tun und daher nehmen wir eine von ihnen nach wenigen Minuten Fahrt.
Dem Wolfgang überkommt das Hungergefühl und er macht eine Jause, scheint mir. Aber er meint, er hätte eine depressive Phase und müsste sofort was essen. Das glaube ich ihm nicht.
Wir essen und schwimmen und machen danach die Segel klar. Es ist aber nicht ganz klar, ob wir das erste oder zweite Reff im Großsegel brauchen werden. Also bereiten wir beide vor. Gleich nach dem Kap setzen wir die Segel mit zwei Reff im Groß und einem in der Genua. Nach dem nächsten Kap geht’s ab. Der Wind passt mit ca. 24-25kn und wir segeln eine ganze Stunde lang bis zur Einfahrt in die Bucht Meloi. Immerhin, das erste Mal bei diesem Törn, wo bisher nur wind auf die Nase war.
Ich peile wie üblich den letzten Baum rechts an, werfe den Heckanker, nehme die Landleine und schwimme zum besagten Baum während Wolfgang das Boot am Platz gegen die Fallböen hält. Die heuer neue Idee, die Landleine auf Slip zu legen, ist aber hier doch nicht so gut. Der Wind und der Zug des Heckankers treiben das Boot sofort rückwärts sobald Wolfgang den Steuerstand verlässt, um die von mir herauf gereichte Leine entgegen zu nehmen. Erst als er dabei die Motoren im Vorwärtsgang belässt, gelingt das. Nun liegen wir bestens. Die Fallböen kommen zwar daher, aber nicht so heftig wie im W-Teil der Bucht.
Wir machen das Schlauchboot startklar. Will heißen, waschen und das erste Mal bei diesem Törn verwenden. In Kos haben wir es schön gewaschen. Heute ist es salzverkrustet.
Dann rudern wir die 200m zum Steg bei der Taverna, gehen zum Mopedverleiher Stefanos und unterhalten uns mit zwei Österreichern, die das von ihnen ausgeliehene Moped zurück geben wollen, während wir auf ihn warten. Er verspricht für morgen zwei oder sogar vier oder fünf Mopeds für uns bereit zu halten, wenn wir wollen. Dann gehen wir in die Taverna am Strand essen und rudern zum Boot zurück.


06.09.2008 Samstag
Patmos / O. Meloï
Wie gestern mit dem Mopedverleiher Stefanos vereinbart, holen wir um 10h griechische Zeit, also ca. 10:30h die Mopeds. Es gibt größere und kleinere, um 15 und um 10 Euro pro Tag. Wir nehmen zwei kleinere. Zuerst sehen wir uns den Südteil der Insel an mit Kloster, Chora, Petra und Grikos. Es macht Spaß, wieder ein anderes Gefährt zu haben und wir fahren sehr langsam, um die Umgebung und die Düfte so viel wie möglich wahrnehmen zu können. Wir besuchen sogar das Museum im Kloster – sehr lohnend. Bei Grikos sehen wir eine Menge junger dunkelhäutiger Männer, die aus dem Fenster eines großen Hauses mit einem Polzisten darunter sprechen. Es ist klar, das ist ein Flüchtlingsquartier. Auf der Außentreppe vom Flachdach zum Turm des Polizeigebäudes in Skala sitzen jede Menge weitere im Schatten. Es wird klar, dass Patmos ein Flüchtlingsproblem hat. Das Boot habe ich wie üblich zwar abgeschlossen aber den Schlüssel versteckt und die Motorenschlüssel unter der Steuerkonsolenabdeckung stecken lassen. Da beschließen wir, eine Besichtigungspause einzulegen und fahren zurück zum Boot, damit es kein Flüchtlingsboot wird. Und gut war das. Nicht, weil es von dieser Seite her gefährdet wäre, sondern, weil zwischendurch der Gurt der Ankerrolle über die Klampe gerutscht ist und das Boot mehr oder weniger frei in der Landleine schwojt. Diese hat in der Rinde des Baumes bereits eine Spur erzeugt und ist selbst etwas aufgeraut und rötlich gefärbt. Der neue Klampenschlag mit dem sehr glatten Gurt muss jetzt halten. Er sieht aus wie eine Bandage.
Ich schneide ein ca. 1,5m langes Stück Schlauch ab und fädle es mit Hilfe von Wolfgang, einer Einziehfeder und Geschirrspülmittel auf das Seil. Dann bringe ich es zum Baum und versuche es richtig zu positionieren. Die von einem Bug zum anderen auf Slip gelegte Leine verrutscht aber recht leicht.
Nach ca. einer Stunde fahren wir abgekühlt vom Schwimmen in den nördlichen Teil der Insel: Lampi, Vágia, Livádi/Geranoú, sogar bis zum nichtssagenden Ostzipfel Alyki und über eine Staubpiste hinauf zu den Kapellen Panteleiimonas und Dimitrios. Wir bestaunen auch einen großen Staudamm, der fast leer ist. Auf dem Rückweg wollen wir in George’s Place am Kampos Beach was trinken und essen aber da wird gerade für eine große Feier Vorbereitet. Oben in Kampos Ort vermuten wir zu wissen, was für Feier: Die Kirche ist gesteckt voll mit sehr feuerlich gekleideten Menschen, drinnen singt der Pope, draußen stehen noch mehr Leute und auf dem Weg zur Kirche liegen Mistelzweige. Ein Auto mit einem großen Blumenstrauß steht bereit. Geheiratet wird hier um 19h. Früher wäre es eh zu heiß.
In der Bucht Merika sehen wir uns den Sonnenuntergang ins Meer an. Leider gar nicht so toll. Danach suchen wir das Lokal Hiliomothi auf, eine Ouzerie, die vom Inselführer hoch gelobt wird. Es ist ziemlich urig und es gibt nur Vorspeisen und Fisch. Wir bestellen eine gemischte Vorspeisenplatte und eine gemischte Fischplatte. Bei den Vorspeisen sind auch frittierte Shrimps dabei, die ganz lecker sind. Wolfgang zeigt mir, wie man sie mit Messer und Gabel essen kann. Ich beschwere mich nämlich, dass die Finger so grauslich fettig werden bei dieser Zubereitungsart. Ziemlich grauslich finde ich auch die kleinen gegrillten Fische. Ich esse trotzdem einen davon. Die Rechnung mit 20 Euro inkl. drei Flaschen Bier ist dafür gar nicht grauslich.
Aber wir erleben etwas Grausliches anderer Art: Ich möchte gerne Mitbringsel kaufen. Über zwei Stunden lang gehen wir von einem Geschäft ins nächste und sehen unglaublichen Ramsch dicht an dicht gereiht, so viel nur Platz vorhanden ist. Mehrmals wiederholen sich die Angebote. Etwas Brauchbares zu finden ist fast unmöglich und alles, was irgendwie mit Design zu tun hat, ist übertrieben teuer. Aber um 22:30h haben wir doch was beisammen.

Bis wir die Mopeds zurück gegeben haben und zum Boot marschiert und mit der Schlauchbootfähre übersetzt haben, ist es schon 23:30h. Die Müdigkeit macht sich bemerkbar. Trotzdem diskutieren wir noch eine Weile im Cockpit über Sinn und Unsinn von pedantischen Flughafenkontrollen.


07.09.2008 Sonntag
10:40 Patmos / O. Meloï Karte Abfahrt
Zeit unterwegs: 40:00 Strecke: 13,5 Seemeilen Ø Fahrt: ,3 Knoten


Als wir aufstehen, bemerkt Wolfgang, dass der Heckankergurt verdächtig lose hängt. Er zieht ihn nach und es sieht gut aus. Aber während des Frühstücks sieht er, dass wir fast schon am Strand sind. Also nix fertig frühstücken, Motoren an und in den Rückwärtsgang, Heckanker heraufholen (er lässt sich tatsächlich mit der Hand bis zum Boot ziehen und hat einen Wuschelkopf aus Seegras mit Wurzeln), Landleine einholen und abfahren. Fazit aus Ormos Meloi: So schlechter Ankergrund, dass der Britany-Anker sich nicht tief genug eingraben kann; Landleine auf Slip nicht gut; besser Hauptanker und eine Leine vom Heck zum Baum, obwohl der Wind dann direkt ins Cockpit weht und die Aussicht auf die Eselsfarm statt aufs Meer ist. Das nächste Mal probiere ich Landleine zum Hahnepot am Bug und den Hauptanker nach hinten unter dem Boot. Wenn dieser nicht zu stark angezogen ist, müsste die Kette unter den Kielen pendeln können.
Neben dem Ankergrund sind die Eseln die zweite Krux an dieser Bucht. In der Früh müssen sie unbedingt mit den Gockeln um die Wette schreien. Das ist Mark und Bein durchdringend.
Wir nehmen Kurs auf den schönen Ankerplatz bei der Insel nördlich von Léros. Der Anker hält bombenfest in 5m Tiefe und wir können endlich schwimmen. Ich koche Ham and Eggs und überprüfe die Checkliste für die Einwinterungsarbeiten während Wolfgang abwäscht.
die Einwinterungsarbeiten beginnen damit, dass wir das Großsegel abschlagen und zusammenfalten. Das dauert immerhin über eine Stunde zu zweit und ist recht anstrengend. Aber wir können ja noch schwimmen. In der herrlichen Abendstimmung ist es besonders schön.


08.09.2008 Montag
13:34 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Abfahrt
15:05 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:30 Strecke: 7,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


Am Vormittag wird die Genua herunter geholt und verstaut sowie die Bildgen kontrolliert und geputzt. In der bb-Bilge ist etwas Salz aber kaum Wasser. die Notausstiegsluke dürfte ein wenig undicht sein.
Der letzte Köpfler des Jahres, eine Fischfütterung und um 13:30h Abfahrt. 1,5 Stunden später erwarten und die beiden „Marineros“ Bob und Thomas am Kai der Marina Evros. Sie sehen aber eher wie Werftarbeiter aus, was sie ja auch sind. Aber sie sind auch sehr freundlich. Bob ist Engländer, Thomas Deutscher.
Ich gehe ins Büro mit den Papieren. Die Sekretärin Irene Paraponiari bringt mir gleich ein Glas Wasser. Der Vertrag ist vorbereitet genau so wie ausgemacht und wird unterschreiben. 17% Rabatt konnte ich aushandeln und will die knapp 2000 Euro mit Kreditkarte zahlen. Aber hier haben sie keine Händlervertrag! Der Sohn vom Besitzer, Nikolas kommt herbei. Es ist alles kein Problem, wir gehen einfach morgen auf die Bank und holen das Geld. Er meint nicht Banküberfall sondern, dass ich es von meiner VISA-Karte abheben soll und auf das Bankkonto der Werft einzahlen soll. Gut, das ist also morgen und somit in Griechenland nie ein Problem.
ER kommt mit zu einer Versorungssäule und aktiviert sie für uns mit einem Funkschlüssel, den ich mit 10 Euro aufgeladen habe. Ich wundere mich schon, dass Wasser und Strom nicht im Preis inbegriffen ist, aber der Preis ist wirklich in Ordnung: 6 Euro pro Kubikmeter Wasser und 30 Cent pro Kilowattstunde.
Wir fangen sogleich an, Schlauchboot, cockpitteppeich, Lazybag und Bimini zu waschen. Der Platz ist ideal dafür: Der Kai ist so breit und menschenleer, dass wir alles auf dem Beton ausbreiten können und in der Arbeitsteilung ein Spritzer und ein Schrubber den Dreck ganz ordentlich aus den Stücken austreiben können. Ich bin der Schrubber. Anschließend können wir die Teile auf eine dahinter verlaufende Mauer zum Trocknen aufhängen, bzw. das Schlauchboot dagegen aufstellen.
Nach dem Duschen gehen wir in ca. 15 Minuten in die Stadt Lakki. Der Hunger treibt uns gelich in das Restaurant To Petrino, wo wir wirklich gut essen. Anschließend will ich den Ankunftsstempel bei der Hafenpolizei holen. Es ist sehr schwierig diese überhaupt zu finden – in einer Seitengasse gar nicht am Wasser. Es ist aber noch schwieriger, den Stempel zu bekommen: Wenn das Boot auf Land gehoben wird, muss dafür eine Lizenz um € 5,88 erworben werden aber der zuständige Kollege ist nur von Mo-Fr. 8:30-2:30h im Dienst. Ich müsse morgen kommen und beides holen. Unverrichteter Dinge ziehen wir wieder ab. Wolfgang isistiert auf ein Taxi, weil er schon so müde ist. An der Taxistation finden wir eines, das uns in kaum zwei Minuten zur Marina bringt. Wir fallen totmüde in die Kojen obwohl es noch nicht 22h ist.


09.09.2008 Dienstag
09:58 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Abfahrt
10:03 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Beim Travellift
Zeit unterwegs: 00:05 Strecke: ,1 Seemeilen Ø Fahrt: 1,2 Knoten


Wir sind früh auf, um die Arbeiten vor dem Herausheben rechtzeitig fertig zu haben, also alles, was wir gestern gewaschen haben zusammenlegen und am Boot verstauen. Besonders unmöglich verhält sich dabei wieder Mal das Schlauchboot.
Um 10h fahren wir die 100m zum Travlliftbecken. Die Größe vom Kos gewohnt, habe ich viel zu kurze Leinen an den vier Ecken des Bootes angebracht. Dieses Becken ist fast 14m breit. Der Wind kommt auch recht blöd von er Seite aber mit etwas Verzögerung werden wir bestens aus dem Wasser gehoben. Erst als wir über dem Boden schweben, können wir über eine Leiter hinunter steigen. Wir organisieren einen Wasserschlauch, hängen mit einem Y-Stück zwei Schläuche daran und bearbeiten jeder für sich einen Rumpf. Der minimale Bewuchs lässt sich bestens mit Wasser und Schwamm abwischen und nach einer Stunde sieht das Boot wie nach dem ersten Antifoulinganstrich aus. Ich freue mich riesig darüber, weil so die Arbeit Anfang Juni nächstes Jahr sehr vereinfacht wird.
Die Blodughadda wird auf ihren Winterplatz zwischen Travelliftbecken und Einfahrtstor vor zwei anderen Katamaranen gelegt. Der Eigenbau-Katamaran in der Mitte sieht aus wie ein graues UFO.Auch hier schließen wir Strom und Wasser an der 50m entfernten Versorgungssäule – man muss einfach lange Schläuche und Kabeln haben. Die Wäscherei, soll heißen die Waschmaschine, wird von uns in Beschlag genommen. Das funktioniert so, dass man den Schlüssel für den Raum und eine Waschmittelbox bekommt. Dann kann man werken und wenn man fertig ist,bringt man beides zurück, sagt wie viele Maschinen man gewaschen hat und zahlt fünf Euro pro Stück. Klingt viel und ist es auch. Aber mir es das egal, weil ich endlich die Möglichkeit habe, die Leinen wirklich zu waschen und nicht nur irgendwie im Wasser zu schwenken. Es werden vier Maschinen: eine mit Wäsche, drei mit Leinen. Erst nach 19h ist die Letzte fertig und wir hängen die Leinen auf die Reling zum Trocknen. Die Wäsche hängen wir auf eine eigens aufgespannte Wäscheleine Want-Genuafall-Want. Es passen gerade alle Wäschestücke drauf. In zwei Stunden sind sie in der Hitze und mit dem Wind trocken. Die Hitze setzt uns überhaupt zu bei den vielen notwendigen Handgriffen und den unzähligen Klettereien zwischen Boden und Boot. Am meisten setzt uns allerdings ein Fischer zu, der 4 Meter vor der Blodughadda sein Boot abschleift. Klingt wie beim Zahnarzt. Mit einer halben Stunde Mittagspause, in der wir köstliche Tortellini mit Parmesan und Olivenöl essen, arbeiten wir knappe elf Stunden. Der Kühlschrank ist glücklicherweise noch kalt und der Wasserkonsum enorm.
Nach Sonnenuntergang gehen wir duschen und anschließend essen in die Braterei gegenüber der Marinaeinfahrt – Hühner und Stelzen vom Drehspieß! Wir essen ein ganzes Hendl und einen griechischen Salat und kehren wieder sehr müde zum Boot zurück.


10.09.2008 Mittwoch
Léros / Marina Leros Evros SA
Es gibt viel zu tun und wir sind früh auf den Beinen. Das obwohl meine rechte Ferse beleidigt ist vom vielen stehen, gehen und Badeleiter ab- und aufsteigen in den Plastikschlapfen.
Jetzt müssen wir innen alles fertig machen und räumen um, damit die Motoren frei zugänglich sind, die Matratzen gelüftet werden, die Pölster staubgeschützt, etc. Wolfgang putz Pantry und Kühlschrank, ich die Nasszelle. Auch alle inzwischen getrockneten Festmacher, Schlauchboot, Segel, Lazybag, Teppich, Life-Slingbags und Fender finden Platz in der stbd. Bugkabine und dem Ankerkasten. Um 11h erhält die Blodughadda eine letzte Dusche und anschließend wir.
Ich besuche den Marinabesitzer, Constantin, der heute da ist. Mit nacktem Oberkörper, kurzen Hosen und Schlapfen sieht er nicht besonders repräsentativ aus. Aber er ist sehr freundlich und verspricht, den Ankunftsstempel bei der Hafenpolizei zu besorgen und das DEKPA-Papier aufzuheben. Er bestellt auch ein Taxi für uns, das um 13h pünktlich neben dem Boot hält. Wir heben das Gepäck direkt hinunter ohne es im Staub abstellen zu müssen.
In einer Viertelstunde sind wir am Flughafen ganz im N von Leros. Nach kurzer Wartezeit dürfen wir einchecken. Dann haben wir noch 20 Minuten Zeit, die wir für einen sehr guten Frappee in der Taverna gegenüber nützen. Die zweimotorige Propellermaschine Type Dash 8 landet, 2 Personen steigen aus, die Gruppe mit 8 Personen, die abfliegen wird von einer Hostess zum Flugzeug begleitet und kurz darauf hebt die Maschine wieder ab und hinterlässt ein leeres Flugfeld. Elf Minuten später landen wir in Kos. Das Gepäck der 4 ausgestiegenen Passagiere ist gleich da. Wir gehen in die überfüllte Abflughalle hinüber.
Während wir in der Schlange zum Check-In stehen, kommen Frank, Petra und Lorenz daher. Sie sind schon früher von der Marina losgefahren obwohl sie erst 1,5 Stunden nach uns den Flug nach München haben. Nach quälenden 50 Minuten in der Warteschlange dürfen wir unser Gepäck wie alle anderen eigenhändig in den Aufgabegepäckscanner schieben und können auf ein Abschiedsbier gegenüber dem Flughafen gehen.

Ein langer Segelsommer ist zu Ende, ein etwas zu langer. 85 Tage und ca. 1.300 Seemeilen. Resümee: Die Ionischen Inseln kann man im Sommer nicht besuchen. Das machen zu viele andere. Der Golf von Korinth gibt für Bootsfahrer kaum was her. Südlich von Athen sind auch sehr viele Boote unterwegs aber Ermioni und der Argolische Golf sind nicht so schlecht. Monimvasia muss man einfach gesehen haben, Milos dagegen nicht. Die Kykladen sind immer schön aber im Sommer oft zu windig. Ab Astypálea ostwärts beginnt für mich der schönste Teil Griechenlands und davon der schönste Teil ist Patmos-Arki-Lipsi. Da gibt es mindestens so viele schöne Buchten wie auf den Ionischen Inseln mit einem Bruchteil der Anzahl Yachten und wenn der Wind zu lange zu arg ist, kann man zur Erholung ein paar Tage in die Türkei fahren. Das wusste ich zwar vorher schon aber eine Bestätigung war notwendig. Nächstes Jahr werde ich nicht in die Ferne schweifen.

Merklisten:
Zu besorgen/machen für Blodughadda:
– Autohelm ST50 Plus Tridata
– Autohelm ST50 Plus Wind + Geber im Masttopp
– Neues GPS, Handinstrument, per Laptop oder Einbau (Platz vorhanden 20cm breit, 15 cm hoch)
– Neuer Akku Type Li-Ion Battery Pack BP-2315 für ICOM VHF Sprechfunkgerät
– Finnland-Flagge Höhe 60-65cm
– Zusätzlichen Spannungswandler 12V -> 230V, mind. 300W Dauerleistung mit reiner Sinuswelle
– evtl. neue, etwas kleinere Propeller
– Gleitflächen für Passarella
– „Abschalter“ für Starterbatterie, also laden ja, Stromabgabe nur an Startermotoren
– Maßband
– Eierpiekser
– Heckklampen samt Edelstahl-Halteklammern
– Cockpit-Ablauf umleiten, Platz 15mm
– Einfädelschienen für „Bimini-Windschutzscheiben“

Winterservice bestellt von Pierre/Bob:
– Öl- und Filterwechsel
– Reinigung Stbd-Motor
– Tischlackierung

Und hier die Arbeitsliste für kommenden Juni:
1. Außen waschen: Deck + Cockpit mit Spülmittel und Bürste schrubben
2. Alle Beschläge, Winschen, Klemmen, Rollreffanlage, Travellerwagen, Mastrutscher gründlich abspritzen
3. Im Salon alle Flächen abwischen – auch Decke
4. Salonpölster aus bb-Kabine auspacken, klopfen, an ihre Plätze bringen
5. Detto mit Kapok-Kissen
6. Leintücher, Matratzenüberzüge und Schmutzwäsche waschen
7. Matratzen ausklopfen, neu überziehen und auf die Plätze
8. Werkzeugkisten unter bb-Koje zum Stauraum über bb-Motor
9. Logge unter bb-Koje ausbauen und gründlich reinigen
10. Blöcke montieren und Großschot (schwarz weiß) einfädeln
11. Dirk (gelb weiß) mittels roter Sorgeleine einfädeln
12. Genuareffleine (blau/schwarz weiß) einfädeln

Tücher:
– Segel aufziehen, mit Frischwasser abspritzen, im Wind trocknen lassen, herunter holen, von den Mastrutschern abschrauben, Segellatten herausziehen, zusammenlegen und unter Salontisch verstauen
– Lazybag waschen, trocknen, abmontieren und verstauen im stbd-Bug (kleine Reparatur des Zipferschlusses von Takis sofort gemacht)
– Groß- und Genuaschoten + Lazyjacks abmontieren
– Alle Leinen ausgiebig mit Frischwasser waschen (im Schlauchboot), trocknen lassen, aufschießen und im Ankerkasten verstauen
– Bimini waschen, abzippen, zusammenfalten, verstauen
– Fensternetze und Steuerstandabdeckung waschen und wieder montieren

Schlauchboot:
– waschen, auslassen, zusammenfalten, einpacken, im Salon verstauen
– Außenborder mit Frischwasser spülen und durchspülen und unter stb. Koje verstauen
– Paddel spülen u im Ankerkasten verstauen

Flüssigkeiten:
– Dieseltank auffüllen, Biodiesel dazugeben
– Wassertanks und -leitungen mit Chlorwasser durchspülen, leeren
– Bilgen trocken wischen
– Gasflasche absperren

Anker:
– Ankerkette hochbinden, damit sie nicht auf dem Trampolin liegt
– Kettenschutznetz abmontieren, waschen, trocknen, verstauen

Waschen/wischen und hereinholen:
– Großschotblöcke
– Flaggen
– Cockpitteppich
– Lifesling- Säcke
– Winschkurbeln
– Heckduschenkopf
– Wassersportkiste
– Landstromkabel

Außen:
– Baum mit Plastiksäcken verstopfen (gegen Vogelnester) und gegen Schlagen sichern
– Niro-Teile waschen und mit NevrDull behandeln (Relingstützen, Bug- und Heckkörbe, Biminigestell, Wantenbeschläge, GPS-Stange, Sitzfuß, Lenkrad, Steckdosenklappe)
– Luken auf Dichtheit prüfen, säubern, absperren
– Befestigungsknöpfe für Fensternetze und Steuerstandabdeckung schmieren

Mit Frischwasser gründlich spülen:
– Rollreffanlage
– Mastrutscher
– Winschen, Klemmen, Genuaschottraveller, Großschottraveller
– Deck, Fenster, Tür, Cockpit, Holzplattform
– Anker, Ankerkette, Fender, Bugnetz
– Ankerkasten innen
– Fallen und Reffleinen

Salon:
– Kühlschrank + Tür waschen und offen lassen
– Pantry putzen und aufräumen, Herd, Spülbecken und Wasserhahn polieren
– Boden wischen
– Sitzbankpölster klopfen, Auflageflächen wischen
– Bücher wegräumen, Ablage wischen
– Tisch + Kartentisch aufräumen, wischen
– Verderbliche und abgelaufene Lebensmittel entsorgen (auch unter Spülbecken!)
– Eingangsteppich säubern, trocknen
– Fernglas, Icom-Hand-VHF und Kurzwellenradio verstecken
– Batterien aus allen Geräten entfernen (Fernglas, Radio, Thermometer, Taschenlampen)

Nasszelle:
– Spiegel, Wände, Türen, Waschbecken, Toilette, Boden mit Reinigungsspray behandeln und abduschen
– Armatur und Handdusche polieren
– Toilette mit Toilet bowl cleaner and lubricant durchspülen
– Seeventil unter Waschbecken schließen
– Bodenrost beidseitig waschen

Kajüten:
– Matratzen + Kopfpölster klopfen, trocknen, in stbd-Kajüte hochkant stellen bzw. was darunter legen
– Teppiche klopfen
– Boden wischen
– Bettwäsche, Handtücher, Geschirrtücher putzen lassen und in entsprechende Säcke schlichten
– Detto für Bekleidung

Motorraum
– Sachen in Kajüten umschlichten, damit Motorräume für Service u Inspektion zugänglich sind
– Stromversorgung abschalten: Alle Schalter senkrecht

Zum Schluss:
– Fender, Mooring- und Festmacherleinen kontrollieren, auf Heckkorb aufschießen
– Ersatzfestmacher in Backskiste legen
– Ankerkasten versperren mit Niroschloss
– Tür versperren
– Passarella auf Holzplattform legen
– Schlüssel bei der Rezeption hinterlegen

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