Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2008-06-23 Kos – Egina

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 02:35:14 Anzahl Tage: 11
23.06.2008 Kos / Marina
24.06.2008 Kos / Marina – Psérimos / O. Vathy
25.06.2008 Psérimos / O. Vathy – Léros / Marina Leros Evros SA
26.06.2008 Léros / Marina Leros Evros SA – Auf See
27.06.2008 Auf See – Sífnos / O. Fáros
28.06.2008 Sífnos / O. Fikiada – Sífnos / O. Vathy
29.06.2008 Sífnos / O. Vathy – Sérifos / Hafenbucht O. Livadi – Sérifos / O. Maliadiko
30.06.2008 Sérifos / O. Maliadiko – Kythnos / Hafen Merichas
01.07.2008 Kythnos / Hafen Merichas – Kythnos / O. Fikiada
02.07.2008 Kythnos / O. Fikiada – Egina / O. Klima
03.07.2008 Egina / O. Klima – Egina / Hafen

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 44:31 Strecke: 227,6 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


23.06.2008 Montag
09:50 Kos / Marina Karte Vom Travellisftbecken in die Marina
10:00 Kos / Marina Karte Längsseits Anlegen
Zeit unterwegs: 00:10 Strecke: ,4 Seemeilen Ø Fahrt: 2,4 Knoten


Kurz nach 7 stehe ich schon auf, weil ich noch den stbd-Rumpf polieren will bevor das Boot ins Wasser kommt. Es ist noch angenehm kühl aber die Arbeit trotzdem schweißtreibend. Die ausgeliehene Poliermaschiene ist sauschwer und diese in regelmäßigen Bewegungen auf und ab zu bewegen ist die reinste Fitnessübung. Kurz nach 1/2 9 bin ich fertig und der Kranführer lässt sich auch blicken. Also wird es pünktlich um 9h los gehen, denke ich. Aber als wir um diese Zeit fix fertig da stehen, ist der Kranführer verschwunden. Eine halbe Stunde später kommt er. Er versteht auch meinen Wunsch, den Sand von den Hebegurten abzuspritzen und übernimmt diese Arbeit selbst. 15 Minuten später ist das Boot problemlos im Wasser und nach weiteren 10 Minuten liegen wir bereits längsseits an der Außenmole in der Marina.
Wir gehen auf ein köstliches English Breakfast ins Café und warten auf Pierre, mit dem wir uns verabredet haben. Als er um 11:15 immer noch nicht da ist, gehen wir zum Kostas einkaufen. Dann wird der Kühlschrank voll eingeräumt inklusive Eiswürfeln, die Wäsche in die Wäscherei gebracht, die Poliermaschine zurückgegeben, Deck gewaschen, neue Toilette ordentlich montiert, weil sie leck ist (Die am einfachsten scheinenden Dinge haben großes Potenzial, sehr kompliziert werden zu können – in diesem Fall, weil der neue Ablaufstutzen ein wenig geringeren Durchmesser als der alte hat.) Unter Verwendung des alten Stutzens, drei Händen, 2 Hirnen, einem Hammer, eines Holzstabes und einer Rohrzange (der alte Stutzen wollte nicht ins Abflussrohr hinein, der neue hat drin gewackelt) und nach der Produktion von mehreren Litern Schweiß, bekommen wir die neue Toilette endlich dicht.

Ich teste zum ersten Mal die Internetverbindung mit der griechischen WIND-Wertkarte. Siehe da, es funktioniert auf Anhieb mit HSDPA-Geschwindigkeit, also wesentlich besser als im WLAN der Marina. Es ist beruhigend zu wissen, dass es zwar teuer ist (€ 4,30 per Tag) aber es nicht teuerer werden kann, weil darin bis zu 1 GB Datenvolumen inkludiert ist.

Zufrieden gehen wir uns duschen und anschließend in die Stadt, um WIND-Wertkartenbons zu kaufen und uns bei der Hafenpolizei abzumelden, sprich um den lebensnotwendigen Stempel in das griechische Selgelpapier zu bekommen. Außerdem möchte Patrick, wenn möglich, eine Badehose erstehen. Die Wertkartenbons für 10 Wochen sind schnell gekauft. Die Badehosen für Patrick sind schwieriger, um nicht zu sagen unmöglich. Denn auch eine XXL-Größe dürfte hierzulande für kleinere Leute gemacht sein. Größere gibt es nicht.

Um 20:20 gehe ich zur Hafenpolizei während Patrick im Lokal daneben wartet. Der Hafenpolizist ist ganz aufgebracht darüber, dass ich so spät komme. Alle Kollegen seien im Hafen und würden sich um die Fähren kümmern und niemand wäre da, der den Stempel in mein Papier drücken könne. Ich bin erstaunt darüber, weil seit 2001 die Hauptwache der Hafenpolizei in Kos rund um die Uhr zu Diensten gestanden ist. Es sei aber jetzt anders und ich solle doch morgen Früh wieder kommen.

Als ich wieder im Lokal daneben mit Patrick mir ein Seidel Mythos genehmige, fahren zwei Hafenpolizeiautos zur Kommandantur vor und eine entsprechende Menge Hafenpolizisten steigen aus. Ich wittere eine Chance, mir den morgigen Hatscher zu ersparen und gehe wieder zum Rezeptionistenschackl und frage ob es nicht doch möglich wäre, jetzt wo so viele Polizisten da sind, meinen Ausreisestempel zu bekommen. Mehr brauche ich nicht zu machen um den geballten Zorn der Obrigkeit auf mich zu lenken. Es fällt mir sehr schwer, die Ruhe zu bewahren und freundlich darauf aufmerksam zu machen, dass ich nur ein Kunde bin, der die neuen Gepflogenheiten nicht kennt, während ich unwirsch und wie ein Vollidiot zusammengestaucht werde. Interessanterweise scheinen die zwei mich anbrüllenden Hafenpolizisten, mein Anliegen bzw. dessen zweimaliges Vorbringen als einen persönlichen Affront zu erleben. Daher bleibt nicht anderes übrig als sich frustriert der Staatsgewalt zu fügen. Andererseits verstehe ich auch, was abläuft: Die Hafenpolizisten verdienen extrem wenig (sicher keine 1000 Euro im Monat), bekommen immer mehr Aufgaben zugeteilt und Personal wird auch noch eingespart, weshalb es heuer auch keinen Außenposten in der Marina gibt. Wieder ein Grund weniger, den Bootsliegeplatz in Kos haben zu müssen.

Wir gehen durch die Touristen-Shopping-Straße bis ganz hinauf. Dort befinden sich einige Tavernen mit freundlichen Hineinschmeißern (“Where are you from?“). Das behagt uns nicht sehr und wir biegen links in eine scheinbar lokalfreie Straße, die wieder zum Zentrum hinunterführt. Nach wenigen Metern entdecken wir doch ein Lokal „Never on a sunday“ – übersetzt in alle Sprachen – kaum zu sehen ein paar Stufen hinauf auf eine Terrasse. Von den 6 Tischen ist noch einer frei an dem wir Platz nehmen. Es ist total urig und könnte auf jeder noch so abgelegenen Insel sein. So ist auch der freundliche und etwas verwirrt wirkende Wirt. Es gibt nur Vorspeisen und Fischspeisen in der sehr liebevoll mit vielen eingeklebten Bildern händisch gestalteten Speisekarte, die ursprünglich ein Schulheft war. Wir bestellen fünf verschiedene Vorspeisen, Cola , Wasser und Retsina. Den gibt es nur vom Fass, ist ein Rosé und schmeckt etwas ungewöhnlich aber nicht schlecht – sicher kein Industrieprodukt.

Gesättigt treten wir den Heimweg an und wollen noch das Wetter im Internet nachsehen. Inwischen ist der Computer in den Ruhezustand gegangen und lässt sich nicht mehr aufwecken. Nur der Brutalneustart hilft. Aber danach weigert sich die Huawei-DataCard mit WIND zu verbinden. Das Lämpchen blinkt beharrlich grün, statt auf blaublinkend umzustellen als Zeichen dafür, dass die SIM-Karte mit dem Provider Kontakt aufgenommen hat und bereit ist, die Internetverbindung aufzubauen. Das WIND Contakt-Manager Programm ist auch ratlos und führt nach einigen Minuten Wartens auf das Modem zum Totalabsturz des Computers (Kernelpanic). Frustriert gehe ich schlafen und frage mich, ob ich jetzt 300 Euro für Wertkartenbons unnötig ausgegeben habe.


24.06.2008 Dienstag
09:50 Kos / Marina Karte Abfahrt
11:20 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:30 Strecke: 7,4 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten


Am windstillen Morgen versuche ich die seit gestern Abend streikende Internetverbindung zu reparieren. Gelingt mir aber nicht. Also gehe ich in die Marinarezeption, mich abmelden und meine geplante Rückkehr am 27. August (Crewwechsel Beate fliegt nach Hause, Wolfgang kommt)anzukündigen. Die Marina kann nun meinen Platz 2 Monate lang an andere vermieten, nämlich genau in der Zeit, wo der Platz am meisten benötigt wird. Eine Vergütung dafür erhalte ich natürlich nicht. Die Marina kann auch kein Fahrrad leihen, mit dem ich schnell zur Hafenpolizei fahren könnte. Also mache ich mich auf den 20-minütigen Fußmarsch.
Die Amtshandlung dauert keine 10 Minuten und nachdem meine Bootspapiere zum 19. Mal kopiert worden sind (nachgezählt – nämlich jedes Mal, wenn ich diesen blöden Departure-Stempel in Kos hole) und ich die 0,88 Euro Amtshandlungsgebühr bezahlt habe, steht nur mehr der Fußmarsch zum Boot im Weg für die Abreise.
Dieser dauert etwas länger, weil ich im WIND-Shop noch eine Reserve-Wertkarte kaufe (€ 5,-). Am Boot angekommen wecke ich den Patrick, hole das Landstromkabel und den Wasserschlauch ein und wir können endlich ablegen.

Die Fahrt führt uns in 1,5 Stunden nach Psérimos / O. Vathy, wohin sonst? Der Anker hält wie immer sofort und das Meer lockt tiefblau mit 23°C. Aber den Hunger ist noch größer so dass wir vor dem Schwimmen ausgiebig frühstücken. Darauf folgt abwechselnd aufräumen des Bootsinneren und Internetverbindungsversuche. Ersteres gelingt auf anhieb, allerdings noch nicht perfekt, zweites benötigt längere Zeit und gelingt erst als ich die SIM-Karte in das Nokia-Telefon eingebe, die Zugangsdaten bei Wind nachfrage und dann die Verbindung per Bluetooth mit den MAC OSX-Standardkomponenten aufbaue. So ist zwar nur GPRS möglich besser so als gar nichts.

Die Kartenspielsaison kann danach geöffnet werden. Wir spielen wie üblich Casino. Bis spät am Abend schaffen wir 17 Runden und ich gehe mit 3 zu 4 verlorenen Partien in Führung. Zwischendurch essen wir Nudeln aus dem Packerl, die hervorragend schmecken, obwohl schon längst abgelaufen. Abends bewährt sich die beim Hofer gekaufte Akku-Laterne ganz hervorragend.

Noch ein Wort zum Wetter: Dieses ist auch hervorragend. Es könnte überhaupt nicht besser sein: Tagsüber ca. 30° und nachts ca. 25°, aber immer sehr trocken: 20-30% relative Luftfeuchtigkeit und dazu ein mäßiger Wind. So sollte es immer sein!

Bevor ich schlafen gehe, steche ich die Blasen an den Fußballen auf, die ich von den Hafenpolizeimärschen als Erinnerung mitgenommen habe.


25.06.2008 Mittwoch
13:45 Pserimos / O. Vathy Karte Abfahrt
17:10 vor Marina Leros langsamer
17:13 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 03:27 Strecke: 21,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten


Während Parick schläft schreibe ich das Blogbuch fertig und stelle es auf den Webserver. Das Wetter ist noch immer herrlich. Wir frühstücken, schwimmen ein wenig und legen um 13:45h los Richtung NW. Patrick mach das ganze Manöver allein während ich mir einen Kaffee mache. Nach der Umrundung des W-Kaps von Psérimos kommt der Wind fast genau entgegen aber mit minimaler Stärke.
Um 17:10 kommen wir am neuen Wellenbrecher der Leros Marina Evros an. Weil ich unser Kommen per Telefon angekündigt habe, kommt schon ein Mann per Fahrrad daher und winkt uns zu einem Platz am Anlegekai neben dem finnischen Segelboot Seaguy. Wir machen einen Rundgang durch das Gelände der Marina, die ich mir als nächsten Winterplatz für die Blodughadda gedacht habe. Mir kommen aber immer mehr Zweifel, ob ich das tatsächlich tun soll. Das Ambiente ist scheußlich: Sandpiste vor Steinbruch (der halbe Bergfelsen ist für den neuen Wellenbrecher verwendet worden) auf dem jede Menge heruntergekommene Yachten stehen bzw. im Wasser liegen. Nur die Bootshebe- und -transportgeräte sehen sehr solide aus. Der 160-tonnen Travellift dürfte auch den breitesten aller Katamarane heben und transportieren können. Das Marinacafé ist noch lange nicht fertig und die Sanitäranlagen ziemlich mickrig. Das Büro ist nicht besetzt und der Chef, Herr Constantin Kalantzopoulos, ist nicht da, obwohl wir vorige Woche ausgemacht hatten, Mitte dieser Woche in seiner Marina Näheres zu besprechen. Das wäre alles halb so schlimmt, wären nicht die Preise vom 20.8.2005 bis heute um 52% gestiegen, nämlich von € 1.582,- auf 2.398,- für einen Stellplatz an Land für 9 Monate. Das ist entschieden zu viel für diese Staubpiste.

Wir gehen in die Stadt Lakki in 20 Minuten, finden gleich ein Geschäft „Microstar“, das alle Mobilfunknetze und vieles Elektronisches mehr vertreibt. Der Chef testet mein Huawei-DataCard-USB-Modem, bringt es aber auch nicht weiter als ich. Der Fehler liegt also eindeutig nicht in der Sim-Karte, nicht am Computer, sondern ziemlich sicher an der Firmware des USB-Modems. Wahrscheinlich hat sie das gschissene WIND-Programm gschossen, als der Mac in den Ruhezustand ging.

Inzwischen ist es schon fast 22 Uhr, höchste Zeit, ins beste Lokal der Insel, wenn nicht eines der besten von ganz Dodekanes, zu gehen: To Petrino bei der alten Markthalle, genau so wie die meisten andern Gebäude in Lakki von den italienischen Besatzern in der Zeit 1912 bis 1943 in Art-déco-Stil gebaut. Das Essen ist köstlich (Kraut-/Karottensalat, in Alufolie gebratener Feta, Schwein in Zitronensauce und Hühnerfilets in Pfeffersauce, dazu helles und dunkles baquetteähnliches Brot und perfekt knackige Pommes Frites).
Danach sehen wir in einem Café an der Uferstraße mit einem Auge das Fußballspiel Deutschland-Türkei an, mit dem anderen unser Casino-spiel. Deutschland gewinnt mit 3 zu 2, was allen zusendenden Griechen sehr erfreut. Ich gehe mit 6:4 „uneinholbar“ in Führung, was nur mich erfreut.


26.06.2008 Donnerstag
10:16 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Ablegen
10:30 Weiterfahrt
11:28 segel setzen
12:13 Motoren starten
15:26 Segel setzen
16:50 Kursänderung
17:31 Amorgos / A. Prasino (E-Kap) Segel bergen
18:39 segel setzen
19:03 Segel bergen
20:47 segel setzen
22:44 Auf See Motoren an
Zeit unterwegs: 11:46 Strecke: 66,1 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten


Ich gehe duschen. Es gibt 6 Kabinen á ca. 1,3 x 1,3 m mit jeweils Waschbecken WC, Dusche und Spiegel, also ungefähr wie auf der Blodughadda. Nur kann man hier das Wasser rinnen lassen und muss es nachher nicht auspumpen. Dann gehe ich zur Rezeption. Die Dame kopiert die Papiere und präsentiert die Rechnung: € 33,90. Nicht gerade günstig. In der Marina Kos hätte die Nacht € 34,- gekostet aber bei unvergleichbarem Ambiente und viiiel größeren Duschkabinen (allerdings allesamt mit kaputten Duschkopfhalterungen).
Wir füllen den Wassertank, spitzen das Deck ab und fahren um 10:15h los. Kurz danach bleiben wir in einer kleinen Einbuchtung der großen Lakki-Bucht stehen, weil der Patrick sich mit deinem Hüpfer ins Meer abkühlen will. Danach setzen wir die Fahrt fort und können nach Verlassen der Bucht schon den Kurs auf Schinousa, 65 sm entfernt, setzen. Nach 4 sm Fahrt scheint sich der Wind aus 330 bei etwa 18 kn stabilisiert zu haben und wir setzen erstmals die Segel. Dann frühstücken wir endlich und stellen fest, dass so das Segeln Sinn macht: Über 7 kn Fahrt und eine lange Halbwindstrecke vor uns (glauben wir). Aber wir haben noch gar nicht fertig gegessen, wird der Wind schon schwächer und nach ganzen 3 sm Segelfahrt müssen wir wieder die Motoren starten. Der Wind ist komplett weg. Nur die Wellen sind noch da, was Patrick „zaach“ nennt.
Um 13:30 ist der Wind wieder da, aus Richtung 290. Wir fahren 260. Zum Segeln braucht die Tobago eine Differenz von mindestens 50, aber dort ist nichts, Abdrift dazu gerechnet ist dort gar nichts. Also motorsegeln wir weiter. Im Laufe des Nachmittags steigert sich der Wind auf bis zu 30 Knoten, also volle 6, manchmal 7 Beaufort und die Wellen sind inzwischen so groß, dass wir an ihnen mal bergauf, mal eine Weile hinunter fahren, was natürlich viel angenehmer ist als kurze Spritzwellen. Die gibt es trotzdem dazwischen und wir bekommen unsere unfreiwilligen Duschen. Der Wind dreht außerdem immer mehr nach W. Um 16:50 müssen wir erkennen, dass wir nicht mal motorsegelnd einen sicherem Abstand zur Leeküste von Amorgos schaffen. Wir drehen also ab, um Amorgos südlich zu umrunden und können dabei auch die Motoren abdrehen. Es geht sehr zügig dahin und beim E-Kap von amorgos sogar mit 9,2 Knoten laut GPS. Aber dann ist plötzlich Schluss. Das Meer ist total ruhig und ein schwaches Lüfterl weht aus Süd! Ein paar Delfine begrüßen uns kurz in der Ruhe nach dem Sturm. 5 Seemeilen weiter entlang der S-Küste von Amorgos tritt der Normalzustand der griechischen Luvküste ein: Fallböen von den Bergen wie deppert. Bei uns in gehörigem Abstand zur Küste weht es genau so wie vor der Insel und nur gelegentlich erreicht uns eine Fallbö mit über 30 kn. Wir setzen wieder Segel und düsen dahin mit 7-9 kn. Jetzt steuert nicht der Autopilot sonder der Patrick, weil wir in den Böen immer wieder anluven müssen und danach wieder abfallen, um den Abstand zur Küste zu halten.
19:03h: 2,5 sm lang geht das gut, dann sind die Fallböen nicht mehr berechenbar. Wir müssen wieder die Segel streichen. Kaum erledigt schauen wieder Delfine vorbei. Diesmal schwimmen sie eine ganze Weile mit uns. Ein erfreulicher Anblick im tosenden Meer. Entlang der Küste ganz im SW der Insel ist es ärgsten und die Wellen sind sehr aggressiv. Es ist als ob die Insel ein dunkles, hoch aufragendes, furchterregendes, gewaltiges Wind- und Wellengeneratormonster wäre (Odysseus schau oba).

Der Hunger wird übermächtig und wir machen uns Instantnudeln. Bei reduzierter Geschwindigkeit und Kursänderung geht das Kochen gerade noch, das Essen besser. Dann wird es bald Zeit für den Sonnenuntergang und wir wissen immer noch nicht, wohin mit uns. Die Insel bläst uns nach wie vor wie verrückt an aber schon fast aus N. Wir beschließen, das 2. Reff in das Großsegel einzubinden und zu setzen so lange es noch hell ist. Die Genua lupfen wir auch ein wenig heraus und schauen, welchen Kurs wir segeln können, um wieder ein neues Tagesziel festzulegen. Es zeigt sich, dass wir den Kurs jetzt auf Schinousa legen können und flitzen mit über 7 kn auf kurs 310. Allerdings wollen wir jetzt nicht mehr nach Schinousa. Wenn dann gleich nach Sifnos, um dann einige Tage in den schönen Buchten auf Sifnos bummeln zu können. Obwohl der Wind immer noch stark ist, gibt es plötzlich seltsamerweise kaum Wellen mehr. Wir sind allerdings schon fast 4 sm SW von Amorgos, wo seine „Zauberkraft“ nicht mehr wirkt. Es ist also schönstes Segeln. Allerdings nur bis 22h. Dann geht der Wind schlafen – wie 10 Stunden zuvor. Eine Weile tümpeln wir dahin, aber als die Geschwindigkeit unter 1 kn fällt, schalten wir die Motoren mit niedrigen Drehzahlen dazu.
Es ist unglaublich feucht geworden. Auch der Boden im Salon ist total glitschig und ohne Segelschuhe grauslich und gefährlich zu betreten. Der Hygrometer zeigt 60% rel. Luftfeuchte und 24°C. Wahrscheinlich ist die Salzkruste von den Brechern so extrem hygroskopisch ;-)
Der Wetterbericht auf VHF um 23h wird nicht gesendet – egal inzwischen kann ich ja im Internet unter
http://www.windfinder.com/forecasts/wind_mediterranean_east_akt.htm die aktuelle Windprognose abrufen.
Die erste Nachtwache übernimmt der Patrick, weil ich schon hundemüde bin (hab gestern bis 1/2 3 erfolglos versucht, das verdammte Huawei-DataCard-Modem in Gang zu bringen).


27.06.2008 Freitag
06:07 Sífnos / O. Fáros Karte Bei der Buchteinfahrt
06:20 Ankern
Zeit unterwegs: 08:40 Strecke: 37,3 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Um 1:30h übernehme ich die Wache. Vom Wind und Segeln ist schon lange keine Rede mehr. Wir tuckern mit 5,5kn langsam dahin, damit wir nach 6h in der Früh, also bei gutem Tageslicht ankommen werden.
3:14h Kursänderung +14, weil laut Windprognose um 6h der Wind bei Sifnos aus N mit 20kn wehen soll. Daher jetzt lieber etwas Höhe gewinnen so lange es ruhig ist, also Kurs auf Ns. Strongilo. Von dort wird es dann mit Halbwindkurs wohl problemlos hinüber nach Faros gehen.
3:38h Patrick übernimmt die Wache. Mir brennen die Augen.
5:09h Ich bin wieder im Amt
5:33h In der Tat, der Wind springt an. Aber aus NW und nicht aus N. Bei 3,5 sm übrig sollte es kein Problem werden.
6:04h Die Sonne geht auf.
6:07h In der Einfahrt zur Bucht.
6:20h Ankern, Motoren aus, schlafen gehen.

Nach einigen Stunden machen wir uns ein kräftiges Frühstück und sehen uns die Bucht an. Die Möglichkeit, mit dem Bug voran direkt am Felsen zwischen den zwei Sandstränden anzulegen, besteht immer noch aber das Café On The Rocks samt Treppe hinauf sind nicht mehr da. Weil der Wind außerdem ganz ordentlich weht, verspüren wir keine Lust auf Änderung des Ankerplatzes. Wir schwimmen etwas herum und wischen hier und da die Salzkruste vom Boot weg, sind aber noch ziemlich geschafft.

Um 17:11 machen wir uns wieder auf den Weg. In der 1,5 sm entfernten Bucht Platis Gialos ist ein neuer Hafen in der NE-Ecke gebaut worden. Wir überlegen, hier längsseits anzulegen. Aber einerseits peitscht der Wind auf den Anleger, andererseits zeigt uns der Fischer von seinem Boot aus, dass der Platz, den wir uns ausgedacht hatten, „reserviert“ sei und wir den Platz vor seinem Bootsbug nehmen sollen. Dieser wäre bei weniger Wind kein Problem. Der Abstand zum nächsten Boot ist aber doch so knapp, dass der kleinste Fehler bei diesem Wind unweigerlich zu einem gröberen Problem, wenn nicht Schadensfall führen würde. Daher lassen wir den Hafen sein und fahren weiter. Nach 3,5 sm, biegen wir um die Ecke in die Bucht Fikiada ein. Bis auf ein Motorboot voll mit kreischenden Kindern und einem nackten, lautlosen Einsiedler am Strand ist hier niemand. Wir ankern auf 2,5 m Tiefe und gehen Schnorcheln. Das beschauliche, langsame, beobachtende Dahinschnorcheln ist diesmal nicht angesagt: Wir entdecken einen großen Schwarm Minifische, die dicht neben einander schwimmend wie eine Unterwasserwolke aussehen. Wir können recht nahe hinzu schwimmen, wobei sich die Wolkenform ganz faszinierend ändert. Daraus entwickelt sich natürlich ein Sport und es gelingt uns sogar, den Schwarm auseinander zu reißen. Köstlich zu beobachten, wie die zwei Hälften zusammenfließen, sobald die Gefahr vorbei ist, also wir uns ruhig verhalten.
Ich dusche mich schon als Patrick einen anderen Fischschwarm entdeckt: Riesige Fische! Also schnell wieder ins Wasser und vollgas hinten nach. Leider gelingt nur dem Patrick ein weiterer Blick auf die 20 bis 30 prächtigen Goldbrassen á 30 bis 40 cm.
Das Motorboot fährt ab und wir machen uns an das Abendessen. Zwischen Vorspeise (Feta mit Oliven) und Hauptspeise (Spaghetti mit Thunfisch-Basilikumsugo) verlegen wir das Boot und machen eine Landleine. Der Wind in dieser Bucht kommt nämlich immer wieder von einer anderen Richtung.
Am windstillen Abend spielen wir noch Karten bis 22h. Dann bin ich wieder todmüde und muss schlafen gehen.


28.06.2008 Samstag
15:52 Sífnos / O. Fikiada Karte Abfahrt
16:20 Sífnos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:27 Strecke: 2,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten


Wir können wirklich ausschlafen. Die Bucht bleibt wunderschön und einsam. Patrick legt Patience (Matematiken) und bekommt eine 9mm Sommerfrisur verpasst. Ich bearbeite das Blogbuch aber wegen nicht vorhandenen Empfangs kann ich online nichts machen.

Um 15:52h machen wir uns auf den Weg. Dieser ist nicht lang – 2,1 sm in die nächste Bucht, Ormos Vathy (Auf jeder Insel in Griechenland gibt es eine Vathy-Bucht, bedeutet „tief“). Auch hier ist es sehr schön aber nicht mehr einsam. So an die 10 Yachten liegen vor Anker und etwa gleich viele am kleinen Anleger. Wir finden einen guten Platz kurz vor den neuen Bojen, die den Bereich markieren, in dem die Einheimischen ihre Boote samt allerhand Grundgeschirr aufbewahren – damit man nicht mit dem Anker daran hängen bleibt, vermute ich – um den Schutz der Schwimmer wird es hier sicher nicht gehen.

Wir pumpen das Schlauchboot samt immer noch im Bug vorhandenem Loch zwischen Boden und Wulst auf, damit wir nach 3 Tagen endlich wieder an Land können und paddeln zur nächsten Taverna „Manolis“ unter den Tamarisken. Der Choriatiki ist ganz sensationell gut mit sifnotischem weichen Schafskäse. Aber als wir mehr als eine Stunde auf das Zahlen gewartet haben, lege ich den ungefähren Rechnungsbetrag auf den Tisch und wir gehen.

Im Minimarket kaufen wir „frisches“ Brot, machen dann einen Rundgang durch den Rest des „Ortes“ und landen zum Schluss im recht stylishen Lokal namens Bola. Danach paddeln wir bei absoluter Windstille zurück zum Boot. Vorher frage ich noch die Wirtin von Manolis, ob das auf dem Tisch hinterlassene Geld eh in Ordnung war. War es.


29.06.2008 Sonntag
13:30 Sífnos / O. Vathy Karte Ablegen
16:41 In der Bucht
16:49 Sérifos / Hafenbucht O. Livadi Karte Ankern
17:48 Sérifos / Hafenbucht O. Livadi Karte Weiterfahrt
18:58 Sérifos / O. Maliadiko Karte
Zeit unterwegs: 05:28 Strecke: 22,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4 Knoten


Die Nacht ist abdsolut windstill. Exakt um 7:06h fällt die erste Bö ein. Wir lassen uns Zeit und beobachten, was sich so tut. Am interessantesten: Die Abfahrt des österreichischen Renn-Trimarans Ave Gitana und die „Hafenrunde“ des kreuzfahrschiffes Easy Cruise One. Voll in das Nebelhorn hineinblasend kündigt sie sich an. In der Mitte der Bucht bläst sie nochmals drei Mal so hinein, dass die Wände wackeln bzw. das Echo minutenlang in der Luft hängt, um dann eine Kehrtwende zu machen und wieder aus der Bucht hinaus zu dampfen. Wir rätseln darüber, wozu diese Aktion gut sein sollte.
Nachdem ich eine Bergwanderung vorgeschlagen habe, befindet Patrick, dass wir doch die Überfahrt gegen den Wind nach Serifos riskieren könnten.
Um 13:30h legen wir ab. Es schaukelt und kracht und spitzt aber wir kommen mit fast 5kn gegen die nicht so schlimmen Wellen voran. Im Haupthafen von Sifnos sehen wir die Easy Cruise One liegen. Sie hatte sich also in der Bucht geirrt und vor lauter Frust darüber geblökt!

Nach problemloser Überfahrt nimmt der Wind ca. 3 sm vor Serifos merklich zu. In der Buchteinfahrt um 16:26h ist der Gegenwind direkt grauslich. 16:40 in der weiten Hafenbucht Livadi ist der Wind zwar schwächer aber immer noch stark und sehr böig. Wir versuchen erst gar nicht, einen Platz an den bei diesen Verhältnissen unsicheren Kaianlagen zu bekommen sondern ankern gleich im NE-Teil der Bucht direkt hinter dem mit Bojen gekennzeichneten Bereich für Schwimmer. Der Anker scheint zunächst gut zu halten aber als Patrick ihn besichtigt, sieht er, dass er sich bewegt, wenn ich Vollgas rückwärts gebe. Wir ankern also nochmals. diesmal mit zwei Ankern, was recht mühsam ist. Das Resultat ist der Mühe nicht wert. Die zwei halten weniger als der eine vorhin. Der Ankergrund ist einfach miserabel mit einer recht dünnen Sandschicht auf schlieriger, schwarzer Unterlage. Wir geben es auf und versuchen ein weiteres Ankermanöver S der Anlegemole hinter einem Felsinselchen als potenziellem Landleinenpoller. Aber auch hier schliert der Anker nur so dahin. Fluchend und Beschwörungen murmelnd, diesen Ort nie wieder anzulaufen, machen wir uns auf den Weg, einen anderen Ankerplatz zu finden.
An der S-Küste von Serifos wird die Bucht Koutala als Ankerbucht beschrieben. Schon von weitem sieht man, dass hier die Wasseroberfläche schäumt und wir gar nicht hineinzufahren brauchen. Aber eine kleine Bucht daneben scheint ganz im Scheitel ruhigeres Wasser zu haben (ein gutes Fernglas muss man haben). Wir laufen also ein und tatsächlich ist es hier erträglich obwohl die Bucht Maliadiko auf 37°08,056‘N 024°26,467‘E in keinem nautischen Führer als möglicher Ankerplatz beschrieben ist.
Wir ankern zunächst auf 3m Tiefe schlecht auf Steingrund. Ab ca. 4,5 m Tiefe fängt der Sandgrund an und hier hält er den Anker bombenfest. Sonst gibt es hier nichts. Also dürfen die Knorr Instantnudeln wieder dienst machen. Heute leicht asiatisch als gebratene Nudeln mit Pilzen – hervorragend!


30.06.2008 Montag
06:22 Sérifos / O. Maliadiko Karte
10:09 Im Hafen
11:01 Kythnos / Hafen Merichas Karte Angelegt
Zeit unterwegs: 04:39 Strecke: 20,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Ich stehe kurz nach 6h auf, mache mir meinen täglichen Morgentee, hole den Anker herauf und fahre los. Der Wind ist zwar vorhanden aber unvergleichlich viel schwächer als gestern und wahrscheinlich später am Tag.
Die 10 sm lange Überfahrt nach Kythnos ist zwar schaukelig und spritzig aber erträglich. Patrick kann sogar schlafen. Ich versuche die seit gestern wieder mal streikende Internetverbindung in Gang zu bringen. Der Fehler diesmal: Ich kann nichts empfangen obwohl bestens verbunden. Ich versuche aus den Log-dateien schlauer zu werden.
Der Wetterbericht per VHF um 9h bringt den dritten Tag in Folge Sturmwarnung in der Zentralägäis. Gut, dass wir vorher durchgefahren sind.
Um 10:09 kommen wir im Hafen Merichas an. Wir warten bis einige Segelboote abgelegt haben und legen dann am äußersten Platz an. Ein Hafenpolizist erscheint und weist uns an, noch ein kleines Stück Richtung Stadt zu verholen und dann mit einer Spring ordentlich fest zu machen, denn es käme um 18h eine Fähre, die nebenan anlegen würde. Wir verzurren also das Boot mit 5 Festmachern. Es dauert fast eine halbe Stunde bis bei allen die richtige Länge eingestellt ist. Dann gehen wir ins Café auf Toasts und anschließend einkaufen.
Danach versuche ich eine 3kg Camping-Gasflasche aufzutreiben. Der Mann im Supermarkt gleich beim Boot hat mehrere davon aber alle sind leer. Kein Englisch könnend deutet er mir in Richtung „Hauptplatz“, also dort wo die Bushaltestelle ist. Ich gehe hin, finde aber kein Geschäft, das so aussieht als ob es Gasflaschen führen würde. Aber ich finde die Tankstelle, ca. 150 m inselwärts. Gas haben sie hier nicht aber den Diesel werden sie um 19h mit dem Tankwagen bringen. Ich soll in der Bank nach dem Gas fragen. In der Bank?!? – ja, in der Bank. Eine Bank, die mit Gasflaschen handelt, habe ich noch nie gesehen. Ich gehe zurück, finde aber gar keine Bank. Ich besichtige fast den ganzen ziemlich herunter gekommenen Ort ohne Bankfund und gehe zum Hauptplatz zurück. Das einzig einigermaßen bankähnliche Geschäft ist ein Reisebüro, das auch Getränke, Eier und Tabak verkauft, warum nicht auch Gas? Also gehe ich hinein und winke mit der leeren Gasflasche. Ein älterer Mann kommt hinter der Theke hervor, begutachtet die Flasche und meint, das müsse der junge Mann machen, der gerade telefoniert und stellt die Flasche auf den Boden beim Ausgang. Ich stelle mich daneben und warte. Der junge Mann telefoniert. Ein paar ältere Männer kaufen Schnapsflaschen. Ein Touristenpaar erkundigt sich nach Busfahrkarten (im Bus zu kaufen). Ich schaue mir das Geschäft von außen an. Dort hängt tatsächlich ein Schildchen „Agency for National Bank Of Greece“. (National Bank ist nicht die Nationalbank sondern nur ein Bankname. Sonst würden hier sicherlich die Goldreserven lagern.) Ich schaue mir die An- und Abfahrtszeiten der Fähren an. Ich schaue ins Geschäft, ob der junge Mann noch telefoniert. Das tut er nicht mehr. Er ist gar nicht mehr da! Ich nehme meine leere Gasflasche und gehe zurück zum Boot. Die Kellnerin des Cafés, wo wir vorhin die Toasts aßen, kommt heraus und fragt mich, woher ich das Gas bekommen hätte, sie bräuchten auch eine neue Flasche. Sie wirkt direkt erleichtert als ich mit der leeren Flasche winke und sage, dass ich gar kein Gas bekommen habe. Es dürfte hier schon längere Zeit Gasknappheit herrschen.
Beim Boot hat der Wind inzwischen angefangen, ganz ordentlich aus NW, also direkt auf die Stb-Bootsseite, zu wehen. Weil Platz, Zeit und Material vorhanden, legen wir noch eine 6. Leine zwischen einem weit entfernten Poller und der Mittelklampe. Jetzt sollte die Blodughadda gaanz sicher liegen.
Um 18h kommt die Fähre und wirbelt tatsächlich jede Menge Wasser auf die Blodughadda. Sie ist davon aber wenig beeindruckt. Kein Wunder bei der Bandage. Kurz nach 19h kommt auch der Dieselwagen und ich darf fast 150 Euro für 103 Liter bezahlen. Vielleicht sollte ich doch ein richtiges Segelboot kaufen.
Danach gehen wir gegenüber des Anlegeplatzes in die Taverna „Ostria“ zum Abendessen. Wir verschlingen es vor den flehenden Blicken zweier ausgemergelter Katzen und müssen es vor ca. 20 wild attackierender Fliegen verteidigen. Dann fliehen wir ins nächste Lokal, dann ins nächste und zum Schluss noch in eines. Dabei war sonst nirgends wirklich die Notwendigkeit einer weiteren Flucht gegeben. Allesamt nett, günstig und schön gelegen. Nur hat die Bedienung uns nach der jeweils ersten Runde vergessen.


01.07.2008 Dienstag
10:35 Kythnos / Hafen Merichas Karte Ablegen
11:07 Kythnos / O. Fikiada Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:32 Strecke: 1,6 Seemeilen Ø Fahrt: 3 Knoten


Ich hole Brot vom Bäcker und Schweinskoteletts vom Fleischhauer und wir können abfahren. Das Ziel ist nicht weit entfernt und sehr schön: Eine Doppelbucht, die eigentlich eine Durchfahrt zwischen einem Inselchen (N. Agios Loukas) und einer Insel (Kythnos) wäre, hätte sich da nicht eine schmale, niedrige, fast 300m lange Sandbank zwischen den beiden Inseln gebildet. Wie die meisten Boote ankern wir in der östlichen Bucht. Endlich können wir wieder schwimmen und das machen wir ganz ausgiebig – in beiden Buchten.
Am Nachmittag steht etwas Bootputz an. Die ärgste Salzschicht wird entfernt, vor allem vom Cockpitteppich und allen Fenstern. Auch die Holzplattform wird geschrubbt so dass das Teakholz wieder braun statt grau ist.
Als wir nach der zweiten ausgiebigen Schwimmaktion die anderen Boote und ihre Probleme beobachten, den Anker ordentlich zum Greifen zu bringen (unserer hält glücklicherweise), trauen wir unseren Augen nicht: Die größte Motoryacht, die ich je gesehen habe, dampft in die Bucht und wirft den Anker – eigentlich weit außerhalb. In der Bucht hätte die Delma mit ihren 85,3m keinen Platz. In der Liste der weltweit 100 größten Motoryachten werden wir gleich fündig: Platz 31. Auch im Internet findet sich was dazu (Google: Delma Yacht), vor allem interessant: Es ist eine Charteryacht, die man derzeit zum Spezialpreis von schlappen 595.000 Euro pro Woche mieten kann – für max 36 Passagiere. Die offensichtlich nur 6 Gäste lassen sich mit einem ziemlich schnittigen Beiboot zum Schwimmen in die Nähe der Sandbank bringen und die 4 ziemlich übergewichtigen Burschen düsen abwechselnd mit zwei Jetskis wie verrückt herum – auch zwischen den 10 ankernden Segelbooten und mit den zwei Mädels fröhlich winkend auf dem Sozius. Ich winke zurück, damit sie a Gaudi haben. Andere Boaties sind nicht so freundlich und schimpfen zurück, wobei sie ja recht haben. Ankernde Boote als Slalomstangen zu missbrauchen gehört nicht zum guten Ton. Aber ich glaube, dass die dahinflitzenden jungen Herrschaften glauben, ein guter Ton sei brauchbare Musik, wie zB das Heulen der Jetskimotoren (wobei sie zugegebenermaßen ungewöhnlich leise sind). Egal, der Spuk ist schnell vorbei. Die Delma packt ihr Spielzeug ein und dampft wieder ab.
Am Abend wird ausgiebig gekocht und gegessen. Die gebratenen Koteletts schmecken ganz ausgezeichnet mit Erdäpfel und Paradeisersalat


02.07.2008 Mittwoch
11:13 Kythnos / O. Fikiada Karte Abfahrt
11:30 segel setzen
11:47 Segelfahrt
16:37 Wind nimmt ab
17:07 Segel bergen
18:13 Egina / O. Klima Karte Ankern mit Landleine
Zeit unterwegs: 06:59 Strecke: 45 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Um 11:13h fahren wir los. Der Wind bläst recht ordentlich aber als wir außerhalb der Landabdeckung angekommen sind, stellen wir fest, dass es sich nur um Wind mit 17-20 Knoten aus 030 handelt. Wir setzen das Großsegel voll und die Genua zur Hälfte und segeln los. Trotz einiger Windrichtungsänderungen und mal mehr mal weniger Wind und Wellen kommen wir sehr gut und flott voran. Auf den letzten 20sm sogar ohne dauernd gerüttelt und geduscht zu werden, weil die Wellen kleiner werden.
Um 16:30h merken wir deutlich, dass wir den Saronischen Golf erreicht haben: Das Klima verändert sich. Es wird dunstiger, die Luft wird „molliger“ und riecht anders – könnte auch Waldbrandgeruch sein. Der Wind wird schwächer und die Fahrt langsamer. Aber wir haben immerhin 32,4 sm in 4:50h absolviert, also mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,7kn. Mit dem Motor hätten wir das nie geschafft und ca. 24 Liter Diesel haben wir auch noch eingespart.
Nach exakt 7 Stunden Fahrt ankern wir in der südlichsten Bucht der Insel Egina. Das Wasser hat erfreuliche 25° und die Strandbar erfreut uns mit Musikberieselung. Es gibt aber auch etwas gar nicht erfreuliches: Wespen! Wir paddeln zur Strandbar und bestellen aus dem Speiseangebot bestehend aus Pizza oder Sandwich das Erstere. Hier sind die Wespen ganz besonders zahlreich aber die Pizza ist lecker.


03.07.2008 Donnerstag
11:35 Egina / O. Klima Karte Abfahrt
12:25 Egina / Hafen Karte
Zeit unterwegs: 00:50 Strecke: 4,3 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


Um sicher einen Platz im Hafen zu bekommen, fahren wir um 11:35h los. 50 Minuten später ergattern wir gerade noch den letzten für uns passenden Platz an der S-Mole. Kaum haben wir angelegt, kommt ein riesiger Katamaran Type Lagoon 420 daher und meint, wir sollten ein wenig Platz machen, damit sie neben uns anlegen könne. An unserer stbd-Seite ist zwar noch recht viel Platz aber auch eine Slipanlage für kleine Boote, die schräg ins Wasser ragt. Der Katamaran hat auch nach unserer Platzmachaktion, die hächstens 1 m mehr bringt, keine Chance, bis zur Kaimauer anzulegen. Daher biete ich an, so anzulegen, dass die Leute über die Blodughadda an Land gehen können und helfe, die Leinen fest zu machen. Der Skipper ist überrascht von meiner Freundlichkeit, die früher selbstverständlich gewesen wäre (außer bei den Italienern). Wir tauschen die Telefonnummern aus für den Fall, dass wir doch früher ablegen wollen. Es sind 4 Israelis auf Segelcharterurlaub und der Skipper heißt Yudah.
Bei 35 Krügerln im Schatten brauche ich jetzt unbedingt ein Krügerl. Glücklicherweise ist das nächste Café nicht weit entfernt, ungefähr 3,25 Meter, die Passarellalänge von 2,66 mit eingerechnet. Wir gehen aber doch so an die 10, um einen Platz im Schatten zu bekommen. Während wir da sitzen, kommt der Hafen-Wasser-und Strom-Meister vorbei, obwohl er zwischen 12 und 17h eigentlich frei hätte. Wir können die Tanks voll füllen und obwohl offiziell nicht gestattet dürfen wir schnell auch das Boot abspritzen. Mit der neuen Hozelock-Spritze geht das ganz wunderbar und in wenigen Minuten ist die Salzkruste weggeschwemmt – auch vom Cockpitteppich, der inzwischen wieder weiß geworden ist. Das Vergnügen kostet aber nicht wenig: 12 Euro für ca. 300 Liter Wasser!
Danach ist wieder ein Bier angesagt…
Der Waterman erklärt uns, wo man einen offenen Supermarkt und ein Yachtzubehörgeschäft für Seekarten finden kann. Er hat 8 Jahre lang in Schweden gelebt und kennt sich gut aus mit den Gepflogenheiten auf den Fähren zwischen Schweden und Finnland.
Wir schnappen also unser Ruxxac-Cart und gehen einkaufen. Das Yachtzubehörgeschäft hat zu obwohl vor dem Geschäft Waren vom beträchtlichem Wert gestapelt sind, darunter auch 3kg-Camping-Gaskartuschen. Hier herrscht also weder hohe Kriminalität noch Gasknappheit.
Zwischen dieser und der nächsten Einkaufstour bietet sich ein Aufenthalt in der Café-Bar direkt an. Diesmal kommt eine Frau vorbei, die Fotos anbietet: Wir wurden bei der Einfahrt in den Hafen fotografiert und diese Fotos, fertig ausgearbeitet im Format 31×46 cm werden uns zum Verkauf angeboten. Sie sind wirklich sehr gut. Und weil der Preis mit 25,- für zwei unterschiedliche Motive gerechtfertigt erscheint, kaufe ich sie auch. Die Geschäftsidee ist ja nicht gerade blöd.
Auch der Yudah samt Mannschaft kommen her. Wir plaudern ein wenig und dann holt er vom Boot eine gut gekühlte Flasche Roséwein, den wir zusammen austrinken.
Dann müssen wir doch das Seekartenbuch und die Gasflasche holen. Außerdem kaufen wir noch Getränke ein, damit wir sofort ablegen können, sobald der Christian ankommt.
Bis er kommt können wir ja noch im Café warten. Es wird Zeit, dass er kommt…

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