Die Saison fängt am 3. Mai mit Überraschungen an. Am Reisetag erhalte ich am Vormittag eine SMS, dass die Fähre nicht wie geplant um 22:30 von Piräus ablegen wird, sondern 2,5 Stunden später („due to heavy traffic“). Kein Problem, kann ich in meiner Kabine länger schlafen, neue Ankunftszeit in Leros 10:35.
Aber größeres Problem: Am Gate im Flughafen Wien, 1 Stunde vor der Abflugszeit um 16:10, werde ich aufgerufen. Mir wird mitgeteilt, dass mein Koffer nicht befördert werden kann, weil sich darin Batterien befinden. Es bestehe Brandgefahr sagt mir der junge Mann! Nanu, seit wann besteht Brandgefahr bei stinknormalen AA und AAA Alkalibatterien und wiederaufladbaren MiNH Akkus? Solche habe ich schon immer problemlos im Koffer mitnehmen können. Hilft nichts. Es hilft auch nichts, dass ich sage, sie sollen doch einfach die Batterien aus dem Koffer herausnehmen und wegschmeißen, wenn sie schon so gefährlich sind. Nein unmöglich, das dürfen sie nicht machen. Ich muss den Koffer holen, die Batterien herausnehmen und ins Handgepäck geben und dann neu einchecken! Der Koffer ist bei Lost-And-Found bei Ryanair in Terminal 3 abzuholen. Und dann muss ich wieder zum Ryanair-Schalter in Terminal 1 gehen.
Na gut, gehe ich halt raschen Schrittes vom letzten Ende des Terminal 1 zu Terminal 3, sehe aber kein Ryanair Lost-And-Found. Also zum Schalter in Terminal 1 wo ich die Auskunft bekomme, dass der Koffer bei „Ground Services“ abzuholen ist. Also den langen Weg wieder retour und erwische das richtige Guckloch. Ich soll „bei der schwarzen Tür nebenan“ warten. So nebenan ist er nicht, aber da es sonst keine schwarze Tür gibt, kann es nur die eine sein. Nach fünf Minuten öffnet sie der freundliche Mann und bittet mich durch diese in die Gepäckausgabehalle zu gehen (durch die ich zuerst gegangen bin). Mein Koffer käme demnächst auf Band 10 daher. Tut er auch.
Ich nehme die vamaledeuten Batterien heraus, stopfe sie in meinen Hangepäckskoffer und eile wieder in den Terminal 1. Weil ich vermute, dass die Self-Service-Baggage-Tag-Automaten für die Self-Service-Baggage-Drop-Off-Schalter Manderln machen werden, weil ich es mit meiner Boardingcard vor zwei Stunden schon gemacht habe, gehe ich zu den drei der zwölf mit einem menschlichen Wesen besetzten Schalter. Ich muss warten. Als ich darankomme ist alles zu spät. Der Flug geht in 20 Minuten und niemand kann mehr einchecken! Dabei hätte ich wahrscheinlich den Security-Check und den Marsch zum Flugzeug in dieser Zeit geschafft. Aber der Koffer wohl nicht.
Also ist der Ryanairflug nach Athen futsch. Bei einem Info-Schalter gegenüber erfahre ich, dass es einen AUA-Flug nach Athen um 17:35 gibt. Den müsste ich erreichen. Also eile ich wieder in den Terminal 3 und suche den AUA-Schalter für Ticketverkauf. Tatsächlich sind noch zwei Plätze im Flieger frei und ich bekomme ein Ticket um € 344,-. Für den Ryanairflug habe ich € 144,- bezahlt, aber das ist mir jetzt scheißegal.
Beim Security-Check sind die Batterien kein Problem. Auch kein Problem, den Flieger zu erwischen. Aber von der Rennerei bin ich schweigebadet – 5.100 sehr rasche Schritte!
Am Flughafen Athen wartet Steen schon lange auf mich, der von Helsinki um € 120,- mit der Aegean Air geflogen ist (ohne Koffer). Er hat im Flieger ein warmes Essen und Getränke kostenlos bekommen, ich ein Glas Wasser und eine Minischokolade.
—> Die spinnen die Fluggesellschaften!
Wir nehmen des Bus X96 nach Piräus um 21:35h. Um diese Zeit fährt er aber nur bis zum östlichen Ufer des Hafens, wo er um 22:35 ankommt. Von da ist es noch ca. 2 Km bis zur Anlegestelle der Fähre BlueStar 1. Glücklicherweise kommt recht bald ein freies Taxi daher.
Als wir an Bord gehen, atme ich tief durch – geschafft! Da hätte viel schief gehen können, wenn ich den AUA-Flug nicht bekommen hätte und die Abfahrszeit der Fähre nicht verschoben geworden wäre. Denn die Fähre nach Leros wäre erst wieder in drei Tagen gegangen.
Steen und ich freuen uns, einander nach langer Zeit wieder zu sehen. Jeder von uns hat eine sehr schöne Einzelkabine. Bevor wir kurz nach Mitternacht schlafen gehen, plaudern wir bei Bier und Ouzo in der Bar am Achterdeck.
Irgendwann im Halbschlaf denke ich mir, dass die Fähre verdammt ruhig fährt, kein Motorengeräusch, keine Vibrationen, keine Krängungen. Als ich um ca. 7:30 aufwache, ist das alles da und ich habe um 5:30 ein SMS bekommen: Die Fähre fährt jetzt ab und die Verspätung war von einem Seil im Propeller verursacht! Also wieder eine Überraschung. Ankunftszeit in Leros 14:00 wird prognostiziert. Bei fast jedem Amateurskipper kommt ein Seil im Propeller irgendwann vor. Aber bei diesen Profis? Naja egal. Als Steen und ich einander zum kargen Frühstück treffen (es gibt nur letschate Sandwiches), heißen wir uns glücklich eine Kabine zu haben. Das nützen wir aus, um noch eine Runde zu schlafen.
Aber mir fällt ein, dass den Autovermieter über die nochmals verschobene Ankunftszeit informieren und der Werft mitteilen muss, dass ich erst nach Betriebsschluss ankommen werde und eine Schlüsselkarte für das Eingangstor brauche. Das lässt sich leicht organisieren. Sie wird in einem Kuvert in einem Postkasten mit Zahlenschloss deponiert. Aber die nächste Überraschung: Ich erfahre, dass der 1.-Mai-Feiertag auf Dienstag verschoben worden ist, um die griechischen Osterfeiertage zu verlängern und da ist alles zu! Ogottogott, für Dienstag habe ich Einkäufe und vor allem die Abholung der neuen Genua beim Segelmacher geplant. Da das Boot am Mittwoch in der Früh ins Wasser kommen soll, muss ich was organisieren. Nix ist mit Schlaf.
Nach einigen Essemessen ist es gebongt. Ich kann die Genua am Dienstag 10 Uhr abholen.
In Leros warten Herr und Frau Giannakos auf mich – wie üblich. Mit dem Leihwagen fahren wir zur Werft. Die Schlüsselkarte ist da und die Blodughadda sieht prächtig aus. Schön poliert, das Unterwasser gestrichen, die depperten Scheuerleisten entfernt und ein schöner grauer Strich statt diesen aufgemalt. Und das neue Holz der Heckplattform sieht fantastisch aus!
Keine Lust, heute am Boot was zu tun. Wir fahren ins Hotel Alinda. Es ist so gut wie leer. Das Restaurant öffnet erst am Montag. Den Mordshunger stillen wir in der Taverna Argo. Das Essen ist gut und der Chef gut gelaunt wie beides immer schon.
Nach einem Nachmittagsschlaferl fahren wir nach Lakkì. Da soll am Abend das Heilige Licht vom Grab Jesu mit einem Boot ankommen. Anzeichen dafür sehen wir nicht und setzen uns ins Café La Palma, das früher Morano hieß. Nach ein paar Stunden bei Ouzo me Meze (ausreichend als Abendsnack) tut sich was am Platz beim Betonsteg. Eine Menschenmenge hat sich versammelt, darunter fünf Soldaten in Tarnuniformen auf den Steg als Ehrengarde, einige Männer in eleganten Uniformen, ein paar Popen und ein Bischof. Diese auch in den entsprechenden Uniformen, letzterer noch mit einem Stab mit goldenem Knauf in der Hand.
Der Bischof stellt sich auf ein kleines mit grünem Filz überzugenes Podest mit Palmenblattbaldachin darüber. Vier rote bengalische Feuer werden am Stegkopf angezündet. Ein Boot mit zwei ebensolchen nähert sich und legt am Steg vor der Ehrengarde an. Am gegenüberliegenden Ufer wird ein imposantes Feuerwerk in die Luft geschossen und eine Musikkapelle spielt fürchterlich falsch. Von dem stinknormalen Motorboot wird eine stinknormale grüne Petroleumlaterne zum Bischof gebracht. Er macht sich damit sofort auf den Weg in die nächste Kirche, gefolgt von Leuten, die brennende Kerzen in der Hand tragen. Was bei dem Wind natürlich ein schwieriges Unterfangen ist. Das Heilige Licht in der grünen Sturmlaterne wird wohl eher nicht ausgehen.
Wir gehen nicht mit, sondern fahren zum Hotel. Zur Auferstehung geht ein kurzes fulminantes Feuerwerk an der Kirche knapp oberhalb los – um 23:55h. Vielleicht war Jesus frühaufsteher.
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4 Gedanken zu “2024”
na Mahlzeit! Ich bräuchte jetzt mindestens 3 Wochen Erholung.
ich auch! Sie werden kommen und sie fangen schon gut an. Morgen kommt das Boot ins Wasser (hoffentlich).
Wir nehmen heuer wieder die Fähre von Venedig. Und bummeln durch die Berge.
Kein Flieger (wenn es nicht sein muss), keine Raynair (ich nicht) auch die anderen billig Never-Come-Back-Airlines nicht.
Aber du bist in Greece.
καλό ταξίδι και πάντα λίγο νερό κάτω από το σκάφος.
Danke für die griechischen Grüße und euch wünsche ich auch eine gute Reise und einen schönen Urlaub mit wenig Wasser unterm Auto.
LG Tom