Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2003-07-07 Kos – Tilos – Kos

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 12:57:35 Anzahl Tage: 7
07.07.2003 Kos / Marina
08.07.2003 Kos / Marina – Gyali
09.07.2003 Gyali – Tílos / O. Èristos
10.07.2003 Tílos / O. Èristos
11.07.2003 Tílos / O. Èristos – Tílos / O. Tholós – Tílos / Hafen Livadia – Tílos / O. Livádia
12.07.2003 Tílos / O. Livádia – Tílos / Hafen Livadia – Datça / Knidos
13.07.2003 Datça / Knidos – Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick
Pusarnig Georg

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 17:52 Strecke: 102,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,7 Knoten


07.07.2003 Montag
Kos / Marina
Ich kaufe einen neuen Bootshaken und 2 neue Blöcke für die Großschot. Mein Versuch, einen Ersatz für den verlorenen Stopfen vom Schlauchbootboden scheitert. Es gibt nicht einmal einen Waschbeckenstöpsel für ein Loch mit 35mm Ø.
Patrick und ich fahren zuerst zum Supermarkt Proviant einkaufen und dann gleich weiter zum Flughafen, den Georg abholen, der pünktlich ankommt. Auf dem Weg zurück sehen wir uns den Hafen von Mastichari an, wo die Wellen ganz ordentlich gegen die Hafenmole krachen. Der Nordwind hat seit gestern noch zugenommen. Auf dem Rückweg bleiben wir wieder beim Supermarkt Champion stehen, um nach Stopfen zu suchen, finden keinen, dafür günstige und fesche Badehosen (2 für Georg, 1 für mich).
Zurück in der Marina hole ich die Wäsche aus der Wäscherei und wir räumen die Einkäufe ein. Patrick und Georg tauschen die Blöcke aus, spulen den Wasserschlauch auf die neue Rolle auf und schrubben das Deck während ich staubsauge und die Böden wische.
Dann bringen wir den Leihwagen zurück an die andere Seite der Stadt und spatzieren zurück. Unterwegs essen wir Souvlaki bei “Papas” am Touristenbeach und kehren im “Global Café” auf Nachspeise und Kaffee ein. In der Marina sehen wir uns die Boote an, bevor wir um 20:30 auf die Blodughadda zurückkehren. Bis 23h spielen wir Karten – Präferanzen – bis wir bei immer noch starkem Wind schlafen gehen. Der erwartete 23h-Wetterbericht von Olympia Radio wird nicht gesendet.


08.07.2003 Dienstag
10:26 Kos / Marina Karte Ablegen
11:37 segel setzen
15:06 Gyali / Strand Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:39 Strecke: 25 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


O Wunder! Ein passender Ersatzstopfen wird im Bootszubehörgeschäft doch gefunden. Nach einigen weiteren Besorgungen verlassen wir die Marina um 11h. Der Wind ist mit 20-24 Knoten noch immer stark aber für unsere geplante Route aus der richtigen Richtung. Gleich außerhalb der Marina setzen wir die Segel, volles Groß und Genua zur Hälfte. Wir segeln mit guter Geschwindigkeit raumschots los Richtung Türkei. Nach 20 Minuten machen wir eine Halse und steuern das Südostkap von Kos an. Danach kommt der Wind zunächst aus verschiedenen Richtungen und ab der Höhe der Therme von den Bergen mit voller Wucht herunter. Fast jede Welle hat einen weißen Kamm und die im Minutentakt einfallenden Böen erreichen mehr als 40 Knoten, was das Segeln ungemütlich macht. Wir holen das Großsegel herunter und motorsegeln mit stark gereffter Genua in der aufgewühlten See.
Um 15h erreichen wir die Südbucht von Gyali, wo wir nach einem Ankerplatz suchen, weil die halbe Bucht mit einem Fischernetz versperrt ist. Wir werfen den Anker auf 2,5 m Tiefe gut 150 m vom Ufer Weg. Patrick und Georg schnorcheln und ich mache Spaghetti. Nach einem ausgedehnten Nachmittagsschlaf, Musik hören und Kartenspielen schmeckt die Abendjause wieder. Danach geht die Präferanzpartie über 24 Runden. Zu Mitternacht weht der Wind immer noch mit 20 Knoten.


09.07.2003 Mittwoch
13:15 Gyali / Strand Karte Abfahrt
15:57 Segel bergen
16:40 Tílos / O. Èristos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:25 Strecke: 22,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Die Nacht ist ruhig und wir stehen bei viel weniger Wind auf. Nach dem Frühstück und einigen Überlegungen zur Verbesserung des Großschottravellersystems schwimmen Georg und Patrick zum menschenleeren Strand. Wahrscheinlich lassen sich die meisten Segler vom Bimssteinabbau auf der Insel abschrecken. Sonst wären wir nicht das einzige Boot vor diesem gut geschützten, 1 km langen, herrlichen Sandstrand, der noch dazu aus dem Meeresboden aufsteigende Luftblasen als Attraktion bietet.
Nach der Wettervorhersage von Olympia Radio um 13h legen wir ab. Wir haben bereits vorher beschlossen, Tilos statt Astypálea anzulaufen, um eine bequemere Überfahrt zu bekommen. Wir setzen nur das Großsegel mit einem Reff und lenzen nach Südost. Der Wind nimmt wieder zu sodaß wir auch auf diesem Kurs zwischen 8 und 9 Knoten Fahrt machen. Der Beschluss, die 5-stündige Überfahrt am Wind über sehr offenes Wasser zu verschieben, war goldrichtig.
Um 16:40 ankern wir vor dem 1,3 km langen Sandstrand von Ormos Èristos wieder als einziges Segelboot. Auf dem Strand befinden sich per Fernglas gezählte 18 Personen, also durchschnittlich eine pro 72,2 Meter – nicht wirklich überfüllt. Das einzige, was die Idylle stört sind die sehr heftigen Fallböen, die so alle 2 Minuten Sand und Wasser aufwirbeln. Der Anker hält aber bestens im feinen Sand mit 25 m Kette auf 3m Tiefe.
Beim Schnorcheln sehen wir viele Fische und finden einen Sonnenschirm, den ich sogleich erbeute und als Paraswimgerät einsetze – leider ungeeignet, da sich die Streben total verbiegen. Daher befestige ich ihn aufgestellt am Bugkorb, damit sich der ehrliche Verlierer beim Finder melden kann.
Der Wetterbericht um 19h verspricht keine Veränderung für morgen. Wir erfahren aber, dass wir uns im windigsten Winkel des gesamten östlichen Mittelmeeres befinden. Zwei weitere Segelboote laufen in die Bucht ein, womit die Segelbootdichte auf eins pro 433,3 periodisch Meter dramatisch zunimmt.
Nach einer zur allgemeinen Unzufriedenheit ausgegangenen Rummy-Versuchsrunde gibt es Kartoffeln mit Würstchen. Auch im Schnellkochtopf dauert es eine ganze Weile bis die griechischen Steinkartoffeln weich werden. Die Würstchen aus der Dose sind von Haus aus weich – dänische hautlose Mini-Frankfurter. Während des Kochens legen sich Georg und Patrick mit Pullover und Socken bekleidet ins Trampolin, denn der Abend ist mit 24° schon fast nordisch kühl. Trotzdem hupfen Patrick und ich nach dem kulinarischen Hochgenuss und der obligaten Präferanzrunde in die Halbmondstraße.


10.07.2003 Donnerstag
Tílos / O. Èristos
Der Wind ist nicht wirklich weniger geworden. Daher bleiben wir in der schönen Bucht, schlafen lange, faulenzen, schwimmen, spielen Karten und lassen Lenkdrachen steigen. Dabei ist der Wind gerade dann etwas zu schwach, sodass wir uns schwer tun, die Drachen überhaupt in der Luft halten zu können. In den Böen klappt es aber bestens.
Wie voriges Jahr bietet der Meeresboden wieder eine Besonderheit: Diesmal einen großen und einen kleinen Flughahn ( Dactylopterus volitans). Georg und Patrick entdecken diese beim Schnorcheln und holen mich zum Bestaunen und Fotografieren. Bei Annäherung breitet der Fisch seine extrem langen Brustflossen flügelähnlich aus und sie leuchten dabei knallviolett – faszinierend.
Am Abend fahren wir mit dem Beiboot zum Strand, um in der Taverna Nausika essen zu gehen. Diese hat aber geschlossen, für immer? Wissen wir nicht. Ein wortkarger Grieche sagt bloß “Taverna closed, finished” und dreht sich um. Auf dem Weg dorthin hat aber eine neue Einkehrmöglichkeit “En Plo” aufgemacht. Recht nett ist es da auf dem Rasen (!) zu sitzen als einzige Gäste. Das Essen schmeckt bestens und es ist sehr preiswert.
Bevor es finster und zu kalt – 25°- wird, kehren wir auf die Blodughadda zurück und müssen noch etwas präferanzen.


11.07.2003 Freitag
13:56 Tílos / O. Èristos Karte Ablegen
14:47 Tílos / O. Tholós Karte Ankern
15:30 Tílos / O. Tholós Karte Weiterfahrt
17:05 Tílos / Hafen Livadia Karte Anlegen
17:30 Ablegen
17:47 Tílos / O. Livádia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:43 Strecke: 15,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten


Wir schlafen wieder lange. Nach einem ausgiebigen Frühstück schnorcheln wir zum Strand. Die etwa 50m breite “moos”bewachsene Felsplatte entlang des ganzen Strandes bietet korallenriffähnliche Schnorchelgründe, halt ohne Korallenköpfe und mit weniger und weniger bunten Fischen. Es gibt aber mehr Fische und eine größere Vielfalt zu beobachten als sonstwo in Griechenland. Außerdem gibt es hier keine Seeigel.
Um 14h fahren wir Richtung SE los. Wir wollen zum Hafen auf der anderen Seite der Insel und unterwegs einige Buchten an der Südküste ansehen. Die erste lassen wir aus, die zweite, Ormos Tholós ist wildromantisch. Sie bietet guten Windschutz (keine Fallböen), besten Sandankergrund auf 4m Tiefe und einen etwa 100m langen Sandstrand, dem wieder eine Felsplatte im Wasser vorgelagert ist. Mit Landleine zu einem natürlichen Poller am westlichen Ende des Strandes könnte ein Boot hier sicherlich über Nacht ankern, obwohl das in keinem Buch angegeben ist.
In die nächste Bucht, O. Ag. Sérgiou, sehen wir nur hinein ohne zu ankern. Diese wird als Ankerbucht empfohlen und vor dem Sandstrand ankert schon ein Ausflugsboot, dessen Kapitän nervös fuchtelt und schreit, wir sollen nicht seine Ankerkreise stören. Haben wir ja auch gar nicht vor, denn diese Bucht ist nicht so toll wie die vorige. Am östlichen Buchtende hanteln wir uns vorsichtig durch die nur etwa 20m breite Passage zwischen Tilos und dem vorgelagerten Inselchen Choironísi. Trotz einiger Steine gelingt die Durchfahrt nahe zur Tilos-Seite auf 5m Tiefe bestens, wenn auch mit etwas Herzklopfen.
Wir umrunden das von starken Meeresströmungen und Windwirbeln umgebene Südostkap und steuern in die Hafenbucht Livádia ein. Um 17h legen wir längsseits innen an der neuen Mole an. Die deutsche Hafenaufsichtsfrau will, dass wir gegenüber mit Buganker und Heckleinen anlegen, weil angeblich ein Boot mit kaputtem Anker erwartet wird und dieses unseren Platz benötigt. Für eine halbe Stunde Einkauf ist mir das aber zu viel Aktion. Patrick und Georg gehen Brot und Coca Cola einkaufen und anschließend fahren wir in die Bucht hinaus, werfen Anker und gehen schwimmen.
Während ich koche waschen Patrick und Georg ab und reinigen Deck und Fenster – ganz unaufgefordert. Soll noch wer sagen, die Jugend hätte keine Eigeninitiative. Es gibt Spaghetti Carbonara zur Zufriedenheit aller. Ein halbes Kilo Spaghetti ist gerade recht für uns drei!


12.07.2003 Samstag
10:25 Tílos / O. Livádia Karte Abfahrt
11:30 Tílos / Hafen Livadia Karte Anlegen
17:20 Tílos / Hafen Livadia Karte Abfahrt
20:15 Datça / Knidos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:59 Strecke: 20,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


Der heutige Tag hat nicht gut begonnen aber gut geendet. Unser am Abend ruhiger Ankerplatz wird schon am Abend und erst recht im Laufe der Nacht aufgrund der Winddrehung auf Nord unruhig. Georg und ich schlafen schlecht.
Um 10h brechen wir auf mit dem Ziel Kamari auf Kos. Vorher sehen wir uns noch eine kleine Einbuchtung an der N-Seite der großen Bucht an, wo über Nacht ein Gulet geankert hat. Ich will wissen, ob wir dort ruhiger geschlafen hätten – wahrscheinlich schon – falls der Anker gehalten hätte. Als ich nach kurzem Augenschein Gas gebe, höre ich, dass der Stb-Motor seltsam klingt. Ich sehe nach und stelle fest, dass kein Kühlwasser beim Auspuff herauskommt und stoppe sofort den Motor. Mit nur einem Motor versuchen wir in dem Buchtlein zu ankern. Der Anker hält beim ersten Mal nicht, beim zweiten einigermaßen. Da der Wind ablandig ist, rechne ich mir bessere Chancen mit einer Landleine aus. Patrick bringt diese mit Mühe um einen großen Stein direkt am Ufer an nachdem Georg ihm eine Verlängerung nachgebracht hat. Aber der Wind verändert dauernd seine Richtung und Stärke, sodass wir Gefahr laufen, an eine Felswand zu krachen falls der Anker nachgibt. Wir fahren daher in eine andere kleine Bucht etwas außerhalb. Hier gräbt sich der Anker gut ein, was Patrick und Georg schnorchelnd feststellen. Der Wind pfeift aber wie verrückt und wir haben vielleicht 50 m Raum zu einem aus dem Wasser ragenden Riff.
Georg hält Ankerwache und Patrick und ich machen uns über den Motor her. Wenn kein Kühlwasser fließt kann es nur ein Fehler bei der Impellerpumpe sein. Patrick erweist sich als geschickter Mechaniker und schraubt den Pumpendeckel ab. Es ist extrem mühsam, denn die 6 kleinen Fixierbolzen sind kaum zugänglich. Mit seinen langen Fingern und geschickter linker Hand gelingt es ihm aber in einer halben Stunde. Dann stellen wir fest, dass die Gummiflügel des Impellers zwar vollkommen intakt aussehen, sich aber nicht mit der Achse mitdrehen. Nun muss die ganze Pumpe abmontiert werden. Zunächst den Zufuhrschlauch lösen, dann zwei Bolzen, Keilriemen ausfädeln und danach noch die Schlauchklemme auf der anderen Seite, dann können wir das Ding genauer ansehen. Der Gummiteil des Impellers lässt sich leicht herausziehen, aber der Metallkern steckt fest auf der Achse. Daher also auch die fehlende Rotation. Wir versuchen alles Mögliche, um den Metallkern abzuziehen aber erfolglos. Ich ärgere mich, dass ein Abzieher in meiner Werkzeugsammlung fehlt und bin ziemlich ratlos. Dann kommt Georg von seinem zweiten Kontrollschorchelschwimm zurück und meldet, dass der Anker ca. 10m weit nachgeschliffen hat. Höchste Zeit, doch in den Hafen zu fahren. Dort angekommen frage ich zunächst beim Jet-Katamaran-Luftkissenboot, das auf der Außenseite der Mole liegt und um 16h nach Rodos ablegen wird, ob sie an Bord vielleicht einen Abzieher hätten. Haben sie auch aber etwas 10x zu groß. Ich gehe zu einem Mopedverleih und frage, ob sie vielleicht einen passenden hätten. Haben sie nicht aber empfehlen den Andreas, der 100m vor der Tankstelle zu finden sei. Die Tankstelle wäre allerdings ca. 4 km entfernt. Ich leihe mir also ein Moped aus und fahre zum Andreas, der in der absoluten Einöde zwischen verstreut herumliegenden halb zerlegten Mopeds und Autos lebt. Als “Firmenschild” hat er “FOR.SALE” auf ein Brett gepinselt. Was auch immer das zu bedeuten hat. Er identifiziert das Ding sofort als Impellerpumpe und bittet mich, Platz zu nehmen in einem gar nicht so schmuddeligen Plastiksessel unter einen Sonnendach aus Stroh. Er setzt sich gegenüber hin und betrachtet die Pumpe wortlos eine Weile. Dann verschwindet er für mehrere Minuten in sein Haus. Als er zurück kommt, stellt er eine Plastikschüssel mit irgendeinem Brei vor einen zahmen Raben, streichelt diesen und verschwindet wieder wortlos mit der Pumpe in die andere Richtung. Ich bleibe sitzen, beobachte den Vogel beim Fressen und versuche, die meditative Seite der Situation zu finden. Irgendwann habe ich genug meditiert und gehe Andreas suchen. Ich finde ihn in einem Schuppen an der Straße, wo er eine Art Werkstätte eingerichtet hat. Er hat auch keinen Abzieher aber es ist ihm gelungen, den Metallkern zur Hälfte abzuziehen. Ich setze mich wieder hin und sehe, wie er an verschiedenen Werkzeuglagerplätzen nach etwas Passendem sucht, immer wieder probiert und dann wieder weglegt. Mir kommt in den Sinn, dass die Tankstelle vielleicht einen Abzieher haben könnte, verabschiede mich kurz und sause zur geschlossenen Tankstelle- kein Mensch da. Also wieder zurück und siehe da! Andreas hält sichtbar erleichtert den Metallkern in der einen und die Pumpe in der anderen Hand. Jetzt wird er auch gesprächiger, das heißt er sagt überhaupt was und fragt, woher ich komme, was für ein Boot ich habe und ob ich noch eine Dichtung brauche, alles in sehr gutem Greekenglish. Ich bezahle 10 Euro und bringe das Moped zurück bevor ich wieder zum Boot komme. Die Burschen haben sich inzwischen gewundert, wo ich so lange bleibe. Der Zusammenbau der Pumpe mit den vorhandenen Ersatzteilen und anschließender Montage ist im Vergleich zu Demontage ein Klacks. Wir starten den Motor und gratulieren einander als das Wasser vorschriftsmäßig aus dem Auspuff blubbert.
Bevor wir um 17:20h ablegen gehen wir auf ein mieses und teures Essen in die Taverna direkt oberhalb des Hafenbeckens. Das Ziel Kamari können wir uns abschminken, weil es zu spät ist und der Wind von genau dieser Richtung mit 7 Windstärken weht. Hoch am Wind können wir aber die Spitze der türkischen Halbinsel noch vor Sonnenuntergang erreichen. Ich habe vor, mit ganz gerefftem Großsegel und Motorunterstützung das Beste aus der Situation zu machen. Patrick entdeckt, dass eine neu gesetzte Kausch aus dem Segel gerissen worden ist und damit das Vorliek aufgerissen hat. Also kein Segel sondern per Motor hinaus auf die tobende See. Mit reduzierter Geschwindigkeit geht das einigermaßen, nicht komfortabel aber sicher. Gerade zum Sonnenuntergang erreichen wir die sehr gut geschützte Bucht an den Ruinenfeldern von Knidos. Es ist ein schöner Platz und das wissen andere auch. Mehr Boote als wir während der ganzen Woche gesehen haben, ankern hier, nämlich neun, darunter 3 Gulets. Wir suchen einen Platz und der Anker hält beim zweiten Versuch. Danach schmeckt die Abendjause ganz hervorragend.


13.07.2003 Sonntag
12:56 Datça / Knidos Karte Abfahrt
16:00 Kos / Marina Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 03:03 Strecke: 19,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Die Nacht hat uns wieder irrwitzige Windböen beschert. Außerdem hat sich ein Segelboot genau über unseren Anker platziert, sodass ein frühes Auslaufen nicht möglich ist. Daher lasse ich die Burschen schlafen, denn ein Abstecher zu den Nacra-Katamaranen in Kamari geht sich zeitlich nicht mehr aus.
Zu Mittag stehen die Burschen auf und wir verlegen uns gleich zu einem kleinen Sandstrand außerhalb der Bucht, denn ein frisch angekommener Gulet schickt sich an, sich über unseren Anker zu platzieren. Was außer der schönen Lage und den vielen Booten an dieser Bucht auffällt: Das Wasser ist ungewöhnlich kalt und es gibt viele Fliegen. Resümee dieses “Nothafens” genau zwischen Tilos und Kos: Als solcher sehr gut brauchbar aber sonst ziehe ich weniger bevölkerte Plätze vor.
Um 13h fahren wir los Richtung Kos. Wir haben wieder Wind und Wellen fast auf die Nase und motoren mit reduzierter Geschwindigkeit. Die Wellen sind nicht so hoch, weil sie von der Kos-Südküste neu aufgebaut werden. Je näher wir kommen, desto stärker wird der Gegenwind.
Wir erreichen die Marina um 16h leicht durchgeschüttelt aber wohlbehalten. Ich staubsauge die Fliegenleichen auf – 3 Fliegen sind dem Fliegenpracker entgangen, die ich aber zum Schluss doch erwische – während Georg und Patrick duschen gehen.
Um 17:30h bringt Stamatis den bestellten Leihwagen, einen Deawoo Matiz, zur Marina und wir können zur Therme fahren. Das mit großen Steinen vom Meer getrennte Naturbecken ist gesteckt voll mit sich suhlenden Leuten. Gegenüber voriges Jahr wurde das Becken vergrößert mit dem Erfolg, dass das Thermalwasserrinnsal sich gegenüber dem zwischen den Steinen hereinschwappende Meerwasser sich nicht wirklich durchsetzen kann. Anschließend essen wir noch Feta mit Oliven und griechischen Salat in der Taverna und fahren zum Boot zurück.
Während ich die Beate vom Flughafen abhole bringen Georg und Patrick das Boot in Ordnung, waschen Geschirr, Deck, Cockpit und Fenster, sodass alles glänzt als wir ankommen. Alle haben Hunger und wir fahren zur bewährten Taverne Tasos.
An diesem für sie letzten Abend setzen sich Patrick und Georg nachher noch auf Vorschiff zum Plaudern. Eine schöne Woche ist vorbei.

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