Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2009-07-23 Astypalea

Seite drucken Aktualisierung 21.08.2018 21:33:17 Anzahl Tage: 14
23.07.2009 Nisyros / Páli – Gyali / Nsis Àg. Antónios – Gyali
24.07.2009 Gyali
25.07.2009 Gyali – Kos / O. Kamári (Kefalos)
26.07.2009 Kos / O. Kamári (Kefalos) – Astypálea / O. Maltezana
27.07.2009 Astypálea / O. Maltezana
28.07.2009 Astypálea / O. Maltezana – Astypálea / O. Livadia
29.07.2009 Astypálea / O. Livadia
30.07.2009 Astypálea / O. Livadia – Astypálea / O. Skala (Hafen)
31.07.2009 Astypálea / O. Skala (Hafen) – Astypálea / O. Schinunta
01.08.2009 Astypálea / O. Schinunta
02.08.2009 Astypálea / O. Schinunta
03.08.2009 Astypálea / O. Schinunta – Psérimos / O. Psérimos (Avlakia)
04.08.2009 Psérimos / O. Psérimos (Avlakia) – Platy (bei Psérimos) – Psérimos / O. Marathónta – Psérimos / O. Vathy
05.08.2009 Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 21:36 Strecke: 124,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten


23.07.2009 Donnerstag
12:05 Nisyros / Páli Karte Abfahrt
13:01 Gyali / Nsis Àg. Antónios Karte Ankern
17:20 Gyali / Nsis Àg. Antónios Karte
17:30 Gyali / Strand Karte
Zeit unterwegs: 01:06 Strecke: 3,7 Seemeilen Ø Fahrt: 3,4 Knoten


Mit Mühe gelingt es, kurz vor 10 aufzustehen. Claudia und Wolfgang führen die ersten Sachen ins Appartement mit dem Moped, kommen dann wieder vorbei für die große Reisetasche und um abzurechnen und sich zu verabschieden.
Da wir nicht wissen, wann wir das nächste Mal Wasser tanken können, füllen wir den kleineren Tank auf. Die Wasser- und Stromkassierin kommt gleich vorbei und erhält die fünf Euro für das Wasser. Weil nicht mehr als ca. 160 Liter tanke, denke ich, dass die fünf Euro auch für Bootwaschen ausreichen müssten. Es ist wirklich notwendig. Aber der Kassierin gefällt es nicht. Sie hätten ohnehin so wenig Wasser und würde Schwierigkeiten bekommen, wenn das wer sieht. Sie gibt sich aber mit meiner Erklärung der Verwendung der fünf Euro zufrieden.

Um 12h legen wir ab. Nach 3,5 sm ankern wir wieder vor dem netten Strand von Ag. Antónios mit Landleine. Unterwegs habebn wir eine Luftmatratze aufgefischt.
Der auflandige Wind frischt immer mehr auf. Obwohl der Anker bestens hält, beschließe ich, die Nacht doch nicht hier verbringen zu wollen und wir tuckern die paar hundert Meter zum langen Strand mit ablandigen Wind. Hier liegt man bei Meltémi wirklich sicher und bequem ohne Fallböen und mit perfektem Sandankergrund.


24.07.2009 Freitag
Gyali
Weil es so bequem ist, bleiben wir gleich den ganzen Tag wo wir sind. Ich mache Fotos vom auszutauschenden Beam und sende sie per E-Mail an den Hersteller in England und an Pierre. Dann schwimmen wir zum Strand und wandern diesen entlang. Der 800 m lange, herrliche Sandstrand wird von genau einer Person außer uns benützt: einer Frau, die auf einem großen Stein sonnenbadet. Wäre hier nicht der Bimssteinbruch am südlichen Ende des Strandes, wäre hier garantiert ein Strandbuffet und ein paar hundert Leute mehr.
Ich entdecke im Internet einen Windvorhersagedienst – http://predictwind.com/ – der von sich selbst behauptet, der beste zu sein. Muss er wohl auch, weil kostenpflichtig. Ich bestelle ein kostenloses Testabo für einen Monat. Mit der langsamen GPRS Internetverbindung funktioniert sie aber nicht. Also doch nicht so gut.


25.07.2009 Samstag
08:52 Gyali / Strand Karte Abfahrt
11:26 Kos / Kefalos, Kamari Karte
Zeit unterwegs: 02:34 Strecke: 16,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Heute wollen wir die ca. 35 sm nach Astypálea machen. Aber bereits die widerwärtige Kabbelsee südlich von Kos lässt uns umdisponieren. Bereits um 11 Uhr kommen wir in Kamari an. Wir fahren langsam den langen Strand entlang und beobachten was sich so tut. Es tut sich ausgesprochen wenig. Kaum zu glauben, dass es Hochsaison ist. Oder sind wir zu früh dran? Nur beim Stützpunkt für Cat Adventures, der wieder ein Stückchen weiter vom Ort gerückt ist, herrscht reges Treiben. Die 5 Nacra-Katamarane werden gerade ins Wasser geschoben. Wir ankern schräg davor, um zumindest einen guten Aussichtsplatz zu haben, wenn schon kein Segeln möglich ist.

Hier gibt es eine schnelle HSDPA Internetverbindung und ich kann Predictwind im vollen Testumfang verwenden. Sieht ganz interessant aus.
Am Abend kommt das Schlauchboot ins Wasser aber diesmal bleibt die Umgebung vom Lärm des Außenborders verschont. Das Benzin ist aus. Also ans Ufer rudern und eine fast eine halbe Stunde lang zur Tankstelle mit einer Mineralwasserflasche wandern. Wir gehen auch essen in die Taverna Stamatia (nicht schlecht), einkaufen im Supermarkt, der bis Mitternacht offen hat und dann noch auf ein Ouzo bzw. Glas Wein in die Taverna Kastri gleich beim Boot. In allen Lokalen herrscht gähnende Leere. Gerade Mal 2 oder drei Tische sind besetzt. Dafür sind die Preise gesunken und die zahlreichen Touristenlokale locken mit „all you can eat and drink“ um 9,95 Euro, bzw. ein Krügerl Bier um 1,50!


26.07.2009 Sonntag
09:52 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
13:07 langsamer
14:15 Bei Astypalea
15:24 Astypálea / O. Maltezana Karte
Zeit unterwegs: 05:32 Strecke: 35,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Um 8 Uhr studiere ich die Windvorhersagen. Eine Überfahrt nach Astypalea scheint möglich zu sein. Bei Windfinder und Predictwind ist mit max 15 Knoten aus NW zu rechnen, so ab etwa 15 Uhr. Poseidon sagt hingegen 5 Beaufort, also 16-21 kn. Um 9:50h fahren wir los.
Bis 10 sm vor Astypálea kommen wir sehr gut und fast trocken voran. Dann nimmt der NW Wind allerdings zu und wir müssen langsamer fahren. Um 14:15h erreichen wir das wellenfreie Wasser S der Ostspitze von Astypálea. Der Wind ist allerdings wie üblich noch stärker als draußen auf dem Meer.
Wir sehen uns die Buchten an der S Seite der Insel an – Fokas, Agrilithi, Vrisis und Maltezana. Nur in der letzten kommen die Fallböen weniger heftig und so ankern wir hier zum dritten Mal nach 2002 und 2007.
Resümee der Windvorhersagen: Alle hatten recht: Windfinder und Predictwind bis 13 Uhr, Poseidon danach. Eigentlich nicht sehr befriedigend.

Abends düsen wir mit dem tadellos funktionierenden lauten Norweger-Motor zum Strand und gehen in die Nachbarbucht Schinontas. Hier sind auch drei Tavernen vorhanden. Wir entscheiden uns für die erste, Astakos (Hummer). Wir essen aber keinen Hummer um 60 Euro das Kilo sondern eine gemischte Grillplatte um 15 – sehr gut und viel. Am Strand gegenüber der Taverna gibt es einen Betonanleger. Ich frage den Kellner, wie tief es am Kopf des anlegers wäre und er zeigt, dass das Wasser ihm dort bis zu Hals reiche. Also müsste man dort mit der Blodughadda mit Bug voran anlegen können. Ich sehe sicherheitshalber nach und so wie es aussieht, dürfte das stimmen – also das nächste Mal…


27.07.2009 Montag
Astypálea / O. Maltezana
Heute morgen erfahre ich endlich, warum das Guthaben auf der Prepaid-Karte von Wind drastisch abnimmt: Wenn die 7 tägige Abo-Zeit für den Internetzugang abgelaufen ist, merkt man das zwar nicht, aber jedes Megabyte kostet ab sofort 7 Euro. Erst wenn der Kontostand so mit 8 bis 10 euro im Minus ist, wird der Internetzugang abgedreht! Ich fasse meine Erfahrungen mit dem griechischen Internetzugang zusammen, damit ich sie nicht vergesse und damit andere davon was haben auf http://tobago.tomarti.net/tim.html
Dann repariere ich das Ankerkettenführungsblech unterhalb der Ankerwinde (1 Schraube hat gefehlt, die anderen nachgezogen), mache die Bodenplatte vor der Nasszelle trittleise mit selbstklebenden Schutzpuffern und bürste die Holzplattform dreckfrei. Beate schwimmt, liest und lernt Schwedisch.

Beim abschließenden Schnorcheln entdecke ich unmittelbar schräg unterhalb des Bootes einen riesigen Stockanker in der 200 kg Klasse. Davon geht eine Kette weg Richtung E und dann in einem Bogen ca. 70 m buchtauswärts, wo sie mit zwei weiteren riesigen Stockankern mit einer weiteren aber nicht ganz armdicke Kette verbunden ist. Eine Sauerei, dass davon in keinem Hafenhandbuch die Rede ist. Wenn sich der Anker darin verheddert, hat man die größte Mühe, ihn wieder frei zu bekommen – deshalb immer eine Sorgeleine am Anker haben!
Position des Riesenankers: 36°34,493N, 026°23,131E bzw. Peilung: Straße zwischen weißer Mauer und garagenähnliches Gebäude am W-Ufer: 234, Windmühle ohne Flügel auf der Kuppe oberhalb des Dorfes: 352. Die Straße am W-Ufer läuft zum Schluss recht genau auf den Anker zu. Er liegt in ca. 5 m Tiefe.

Abends fahren wir wieder zum Strand und spazieren durch die bäuerliche Streusiedlung. Die griechische Schlampigkeit fällt wieder auf. Eingestürzte Mauern sind seit Jahren nicht hergerichtet worden. Und am Anleger liegt ein uralter, rostiger Hochseeschlepper, der einen schon gewaltigen Unterwasserbart hat.

Wir kaufen Brot beim Bäcker und Schafkäse und Bacon in Pantopoleion (Alleshabender = Supermarket, wobei da gar nichts super ist). Die ältere Frau am Käse-/Bacontresen telefoniert aber die jüngere an der Kassa sagt sogar „aufwiedersehen“. Eigentlich doch super.

Dann setzen wir uns in die Taverna Almira gleich am Fuß des Anlegers und essen Vorspeisen. Die sind schon super. Auch die Stimmung hier. Wir sind uns einig: Die Griechen sind leicht schlampig und ruppig aber total authentisch und im Grunde genau das, was wir wollen.


28.07.2009 Dienstag
13:58 Astypálea / O. Maltezana Karte
14:48 Astypálea / O. Livadia Karte
Zeit unterwegs: 00:49 Strecke: 3,3 Seemeilen Ø Fahrt: 4 Knoten


Wir verbringen den Vormittag am Boot bzw. Beate schwimmt zum Strand. Der Wind ist stark aber nicht wirklich so arg, dass die Sturmwarnung berechtigt wäre. Um 14 Uhr holen wir den Anker herauf. Als ich ihn festbinden will, sehe ich dass sich das Schlauchboot losgerissen hat – wir wollten es in die nächste Bucht nachschleppen. Es fährt davon wie nur was aber doch nicht schneller als wir fahren können. Wir überholen es also und lassen es auf das Heck zu treiben. Beate fängt es mit dem Bootshaken und ich kann die Leine wieder fest machen. Die weiße, an den drei Ösen befestigte Leine war gerissen.
Wir fahren durch die enge Passage aus der Bucht hinaus und erreichen stark aufgewühltes Wasser und einen irren Wind. Das Schlauchboot droht zu kentern hinter uns. Bei diesen Bedingungen wäre es aber sehr schwierig, das Schlauchboot samt Motor auf die Plattform zu hieven. Da kommt mir die rettende Idee: Das Schlauchboot auf die Schräge des stbd. Hecks herauf ziehen. Es funktioniert perfekt. Das ganze Boot kommt aus dem Wasser und nur das letzte Zipfelchen des Motors berührt das Wasser.
Trotzdem ist die Fahrt alles andere als angenehm. Etwa 200-300 m vom Ufer weg sind die Wellen sowas von aggressiv und mehr als einen halben Meter hoch. Wir müssen „kreuzen“, damit sie nicht direkt von der Seite das Boot blöd rütteln können. Aber es dauert nicht lange. Nach 3,3 sm und etwa 50 Minuten werfen wir den Anker in den feinen Sand der Livadia-Bucht. Im Vergleich zu Maltezana ist der Wind zwar nicht stärker aber böiger und es geht eine langwellige Dünung. Draußen müssen sehr große Wellen sein. Hellenic Center for Marine Research sagt 3 Meter.

Ich mache weiter mit der Suche nach der Ursache dafür, dass der Spannungsumwandler an der 12V Steckdose nur dann funktioniert, wenn der Motor läuft. Nach vielen Test komme ich darauf, dass der Plusanschluss für die Steckdose in der Konsole locker ist. Aber da habe ich schon alles abgeschnipselt, die Steckdose abmontiert und unbrauchbar gemacht. Ich schließe daher den Umwandler direkt an. Das funktioniert. Der Spannungsabfall zwischen Verteiler und Umwandler beträgt allerdings immer noch 0,6 Volt. Für 6.7 amp sollte ich vielleicht doch ein dickeres Kabel nehmen. Aber ich habe keines.

Um 19h fahren wir mit dem Schlauch zum Strand. Wir gehen herum und stellen fest, dass dieser Ort viel „stylisher“ ist als der vorige. Die Lokale haben tatsächlich was besonderes und die Häuser sehen alle sehr gepflegt aus. Hier dürften fast nur Griechen Urlaub machen.
Wir gehen wieder ins To Gerani essen, das sich voriges Jahr bewährt hat. Diesmal auch. Da wird vorgeführt, wie eine einfache Speise einfach köstlich sein kann. Diesmal Souvlaki mit Pommes und Lammkoteletts mit Pommes. Das Fleisch wird vor uns vom Grillmeister zubereitet und die handgeschnitzten Pommes sind ganz knackig und schmecken besser als Kellys Chips. Irgendwie ist es aber doch witzig, dass das Lokal am Flussbett liegt. Das ist um diese Jahreszeit natürlich trocken und ist daher eine betonierte Straße, auf der auch der öffentliche Bus ins nachbarliche Chora fährt.
Anschließend gehen wir auf einen Drink in die stylishe Cafébar Allegro. Der Gintonic schmeckt aber extrem fad und ist die 4,50 Euro nicht wert. In der noch stylisheren Music Bar Ammos, auch direkt am Strand, schmeckt der Gintonic dann tatsächlich nach Gin und Tonic, kostet aber 6 Euro. Dafür ist die Einrichtung komplett neu und die Nussschale eine Sensation (also die in der Schale servierten Nüsse zum Drink). In beiden Lokalen sind übrigens die Toiletten extrem ungriechisch, nämlich perfekt mit allem Zubehör (Klobrille, Türschloss, Handwaschbecken, Seifenspender, Papierhandtuchspender) und schön gekachelt und sogar mit bewegungsregistrierenden Lichtschalter! – schaltet allerdings während des Pinkelns das Licht aus ;-(

Danach satteln wir wieder das Schlauchboot und reiten mit dem lautstarken Norwegermotor zum Boot hinaus. Wir sind uns einig, dass dieser Ankerplatz unterhalb der beleuchteten Burg und Altstadt einer der schönsten Griechenlands ist, was offenbar sonst niemand weiß. Die riesige, köstliche und kernfreie Weinbeerentraube, die wir zur Rechnung in der Taverna erhalten und eingepackt haben, begleitet die Abendunterhaltung über unsere Vorsätze für mehr Sonntagsbewegung ab Herbst.

Beate geht schlafen und ich schreibe das hier begleitet von Stevie Wonder, der gerade „Happy Birthday“ in der Ammos-Bar singt.


29.07.2009 Mittwoch
Astypálea / O. Livadia
Der Wetterbericht um 9 Uhr gibt wieder Sturmwarnung aus. Die Internetberichte versprechen sehr starken Wind bis Sonntag. Aber jetzt um 9:50h geht fast gar kein Wind. Dafür kommen Boote in die Bucht. Eine Hanse 470e ankert bereits neben uns und gerade fährt ein 4-stöckiges Motoryachtungetüm direkt auf uns zu. Sieht bedrohlich aus. Es ist die fast 58 m lange KWIKUMAT, siehe http://www.superyachttimes.com/yachts/details/1853 118.000 Liter Treibstofftank!

Der Tag vergeht mit Arbeiten am Computer und studieren von Fahrplänen im Internet für die Heimreise in September. Die Verbindungen von Leros sind einfach fürchterlich schlecht. Nur zu den Nachbarinseln gibt es die Dodekanissos Seaways tägliche Verbundungen. Aber nach Piräus nur 3 Mal pro Woche. Flugverbindung nach Athen gibt es zwar, aber die dürften alle ausgebucht sein. Es wird wohl Lauda Air Kos-Wien am 10. September um 1:15 in der Früh werden. Alles andere ist wesentlich teuerer oder wesentlich umständlicher.

Dann ist schon Nachmittag und unser gutes Beispiel, hier zu ankern, wird von einer weiteren Hanse 470e und einer weiteren Luxusyacht befolgt, nämlich von der
Alexandar V. Mit ihren 48 Metern sieht sie aber direkt klein aus im Vergleich zur Kwikumat.

Abends machen wir wieder einen Spaziergang mit anschließendem Essen in I Kalamia, am Strand die erste Taverne aus Richtung Chora kommend. Das Essen ist gut und günstig aber die Bedienung lahm. Die zur Rechnung servierte Weintraube ist auch viel kleiner als gestern und lange nicht so gut. Wir nehmen sie daher gar nicht mit, sondern holen gekelterte, geharzte, abgefüllte und gekühlte Weintrauben aus dem Supermarkt und fahren zurück aufs Boot.

Vor einem grandiosen Hintergrund bestehend aus der beleuchteten Burg und Häusern rundherum oben auf dem Berg und den festlich beleuchteten Luxusyachten sehen wir im Cockpit einen Tatort-Film aus dem Jahr 1993 an.


30.07.2009 Donnerstag
11:57 Astypálea / O. Livadia Karte
12:36 Astypálea / O. Skala (Hafen) Karte
Zeit unterwegs: 00:39 Strecke: 1,4 Seemeilen Ø Fahrt: 2,2 Knoten


Um 12h übersiedeln wir die 1,4 sm in den Hafen. Es ist genügend Platz vorhanden. An Land helfen uns freundliche Bootsnachbarn aus Frankreich. Versorgungssäulen sind hier im neuen Yachthafen vorhanden aber niemand, der sie aufsperren würde. Ich probiere die am Verteilerkasten angeschriebene Telefonnummer für den Strom-Mann aber keiner hebt ab.
Wir erkundigen uns, was ein Leihauto kosten würde. Das kleinste Spucklerl 45 Euro für einen Tag! Und die grindigen Mopeds kosten 15 bis 18 Euro. Beides dürfte hier Mangelware sein. Es würde sowieso erst morgen wieder was zu mieten geben.
Ich mache mich auf, ein Geschäft zu suchen, das Stromkabeln verkauft, laufe 167 Stufen hinauf, also ungefähr halbwegs zur Chora und dann wieder den einzigen Autoweg fast wieder zurück bevor ich eines finde. Es hat aber nur Kabeln mit max. 1,5 mm2, was für mein Vorhaben, die 12V Steckdose direkt mit der Batterie zu verbinden, zu wenig ist. Stattdessen kaufe ich ein Kilo 5mm Seil um 6 Euro. Irgendwann werde ich es sicher brauchen.
Inzwischen entdeckt Beate ein nettes Souvenirgeschäft und kauft eine Keramikmuschel und ein witziges Ding zum an die Wand hängen (Holzrahmen mit Glasbild und Aufhänghaken mit dem Spruch „Welcome“. Nicht kitschig aber fast!
Dann treffen wir uns auf Kaffee und Bier im wirklich netten Café DAPIA oberhalb des Hafens mit schönem Ausblick.
Zurück auf dem Boot stelle ich fest, dass das bb-Heck schon fast an der Mauer anschlägt. Ich spanne die Ankerkette und gehe schnorcheln. Jawohl, in diesem Hafen ist schwimmen auch möglich. Das Wasser ist zwar nicht so klar wie in Chalki aber so 3-4 Meter sieht man schon. Also genug um zu sehen, dass der Anker bestens im feinen Sand liegt und wohl auch halten wird, egal was für Wind kommt – naja für heute Nacht ist 30 Knoten und mehr angesagt. Da werde ich das Boot vor dem Schlafengehen doch ein wenig weiter weg vom Kai holen.

Um 17:30 probiere ich die anderen Telefonnummern aus, nämlich die für Wasser und Diesel. Beide antworten und kommen wie versprochen innerhalb von 10 Minuten zum Boot. Der Wassermann Leftéris erklärt, dass die Stromversorgung gar nicht funktioniert wo wir liegen, nur an den Säulen beim früheren Fährkai. Also nix mit kühlem Kühlschrank.

Wir unterhalten uns mit den Bootsleuten, die inzwischen angekommen sind, ein Schweizer und ein Engländer. Auch ein Deutscher gesellt sich dazu. Sein Boot ist ein aufblasbares Kanu, das am Strand liegt. Er wohnt drauf und behauptet, damit von Insel zu Insel zu paddeln. Das kann ich mir schwer vorstellen. Ich glaube eher, er hat den Überschmäh gefunden, wie er immer wieder von den Seglern eingeladen wird. Diesmal tun es die französischen Nachbarn.

Wir essen in der Taverna am Strand weder teuer noch schlecht. Der Wind kommt nicht mit der angekündigten Wucht. Da genügt es, die Passarella herein zu holen für die Nacht.


31.07.2009 Freitag
10:20 Astypálea / O. Skala (Hafen) Karte Abfahrt
11:15 Astypálea / O. Schinunta Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:55 Strecke: 3,1 Seemeilen Ø Fahrt: 3,4 Knoten


Beate geht gleich in der Früh zum Supermarkt und Bäcker. Das ganz frische Weißbrot schmeckt herrlich zum Frühstück. Danach versuche ich vergeblich, einen kleinen Benzinkanister für den Außenborder zu kaufen. Wein in 1,5 l Plastikflaschen gelingt aber.
Ich lege eine Leine auf slip und starte die Motoren. Der bb-Motor klingt hohl. Und tatsächlich: Kein Wasser aus dem Auspuff! Also sofort stopp. Motorreparatur ist angesagt. Ich richte schon die Reserveimpellerpumpe her. Aber er wird gar nicht benötigt. Es genügt, den Keilriemen zu spannen. So können wir wenige Minuten später um 10:20 doch problemlos ablegen.
Wir fahren langsam schräg gegen den starken Wind, damit die wieder aggressiven Wellen nicht so viel ausrichten können. In einer ganz nett aussehenden kleinen Bucht unterhalb des Flughafens überlegen wir zu ankern. Aber bei diesem Wind und unbekanntem Ankergrund lassen wir es doch bleiben und fahren weiter. Um 11:15 ankern wir in der Bucht Schinunta, der Nachbarbucht von Maltezana, also außerhalb der Taverna Astakos.
Nicht viel später sehen wir unsere französischen Nachbarn vom Hafen, die mit der neuen Oceanis 393 und die mit der uralten Ketsch, herbeikommen. Auch die dritte Yacht, die im Hafen lag, als wir dort ankamen, die Hanse 470e ohne Namen und bar jeder Flagge, kommt hierher. Die beiden letzten müssen das Ankermanöver mehrmals fahren, bis der Anker hält. Der beste Ankergrund ist außerhalb und W des kleinen Anlegers. E davon gibt es zu viel Gras. Unser neuer Jambo-Anker hat auch diesmal auf Anhieb gehalten.
Ich schmeiße mich ins Wasser, um die Anker zu beschnorcheln und die Tiefe beim Anleger zu erkunden – 1,35 Meter! Das heißt, wir könnten am Kopf bestens anlegen. Dort pfeift der Wind auch viel weniger aber die griechischen Urlauber benützen ihn ausgiebig als Ins-Wasser-Sprung-Rampe.
Um 13h kommt schon wieder die täglich Sturmwarnung von Olympia Radio über VHF. Das Ritual, diese Meldungen drei Mal täglich abzuhören hat schon sehr gelitten seit die Wetterinformationen über Internet erhältlich sind. Jetzt wissen wir schon, dass der Meltémi bis Sonntag anhalten wird und wir erst am Montag wieder Richtung Kos abfahren können.
Am Abend kocht Beate eine gute Gemüsepfanne mit Ei und Schafkäse.


01.08.2009 Samstag
Astypálea / O. Schinunta
Der Wind springt erst so etwa um 5h an. Bis dahin ist es richtig ruhig. Und es ist so kühl, dass der Morgenschwimm erst nach dem Frühstück statt findet.
Um 11h gesellt sich die letzte Yacht zu uns, die in Hafen war, besser gesagt, in der Hafeneinfahrt geankert hat, die Blue Pixel, die auch einige Male ankern muss.
Ich kann mich wieder dafür begeistern, das Logbuch weiter zu programmieren und Beate für das Malen. Dann pumpe ich das Schlauchboot wieder mehr auf und lasse es ins Wasser. Mittlerweile haben wir die optimale Weise herausgefunden, den Norwegermotor darauf zu montieren: Heck des Schlauchbootes an das Heck der Blodughadda. Beate hält es mit einer Leine fest und ich maschiere mit dem federleichten Motor die paar Stufen hinunter. Ich brauche das Schlauchboot gar nicht zu betreten, um den Motor zu befestigen.
Um ca. 18h fahren wir zum Strand. Wir besichtigen die nagelneuen Appartementanlagen entlang des Strandes. Sie dürften privat sein. Jedenfalls sind sie wirklich schön. Am Kap Schinunta, der Minihalbinsel, die die Bucht in E von der nächsten, namenlosen Bucht trennt, ist heuer ein Denkmal in Form einer halben Marmorsäule auf einem Podest errichtet worden. Irgendwie sollen französischen Helden aus dem Jahr 1823 gedacht werden, aber warum?
Der Strand vor den Appartementhäusern ist offenbar noch nicht als solcher in Betrieb. Es liegt noch im Winter aufgespültes Seegras und diverses Gerümpel herum. Das auffälligste: Ein rostiger Gabelstapler der Marke Yale.
Wir gehen jetzt in die nett aussehende Taverna zwischen den Appartementhäusern und der Kirche, wo die zwei anderen Tavernas sind. Sie liegt etwas höher, hat eine sehr schöne Aussicht über die Bucht und heißt auch so wie sie: Schinunta (∑XOINΩNTA∑). Die Zucchinibällchen sind gut und das gegrillte Fleisch ist OK aber insgesamt recht lieblos. Und auch hier: Hat man Mal das Essen erhalten, kommt kein Kellner mehr freiwillig vorbei. Auch wenn wir hier von 3 verschiedenen Frauen bedient wurden, die alle kaum was zu tun haben.


02.08.2009 Sonntag
Astypálea / O. Schinunta
Das klack, klack, klack der Ankerwinde der Franzosen weckt mich um 9h auf. Auch das zweite Boot legt ab und macht sich auf, ostwärts weiter zu ziehen. Ich checke sofort die Windprognosen im Internet. tatsächlich soll heute weniger Wind als die letzten Tage sein, aber morgen noch weniger. Vor allem soll morgen die Wellenhöhe wieder erträglich sein. Dann werden wir auch unseren Astypálea Aufenthalt beenden.

Ich stelle fest, dass ich gestern vergessen hatte, die Starterbatterie nach dem Aufladen wieder vom Gesamtsystem zu trennen. Es hat kaum mehr als 11,5 Volt. Ich ahne Schlimmes und es wird bestätigt: Zu wenig, um einen Motor zu starten. Aber gottseidank habe ich ja noch eine Batterie in Reserve, die gar nicht verkabelt ist. Sie hat noch 11,99 Volt. Ich schließe diese an und der bb-Motor springt sofort an – uff! Sonst hätte es geheißen: Batterie ausbauen, an Land führen, jemanden finden, der sie aufladen kann, und wieder einbauen. Naja wäre sicher auch möglich gewesen, sogar jetzt am Sonntag.

Bei den 20 E-Mails seit gestern Abend sind 19 Spams und eines vom Heinrich mit der berechtigten Frage „was zum Henker ist eine „PASSARELLA“ ??????“ dabei. Das ist zumindest griechisch, vielleicht auch italienisch und heißt Laufsteg, englisch gangway. Hier sagen alle nur Passarella und ich finde das Wort besser als Laufsteg. Mit Modevorführung hat es ja wirklich nichts zu tun, wenn jemand darüber geht, eher mit Mutprobe bei den Neuankömmlingen. Unsere ist 266 cm lang, 24 cm breit und 4,5 cm dick und besteht aus massivem Holz, Fichte oder so.

Während ich das hier schreibe, kontrolliere ich immer wieder die Ladespannung und die Ampére, die da hinein rinnen. Ich stelle fest: Es genügt, den mit dem Hochleistungsladeregler ausgestatteten bb-Motor mit 1.400 Umdrehungen laufen zu lassen. Das liefert schon ca. 44 amp mit 13,7 V wenn der Kühlschrank nicht eingeschaltet ist. Der andere Motor dazu ist gar nicht notwendig, bringt nur mehr 4-5 amp mehr. Nach ca. einer Stunde steigt die Ladespannung auf über 14,4V und der Ladestrom sinkt auf ca. 23 amp. Dann den Kühlschrank dazu schalten, wodurch die Spannung wieder auf 13,6V sinkt und die Stromlieferung wieder auf 41 amp steigt, wovon jedoch der Kühlschrank 29 amp frisst. 29 x 13,6 = ca. 395 Watt!!! – der Kühlschrank ist ein irrer Stromfresser. Moderne Systeme, zB Isotherm ASU 4201, auch wassergekühlt und für eine 200 Liter Kühlbox ausgelegt, verbraucht nur ca. 85 Watt. Wäre das nicht so teuer, würde ich das Gerät sofort austauschen. Aber um 1529,90 Euro kann man den Motor ja doch eine Weile rattern lassen.

Und während ich die Stromflüsse messe, ankert ein Katamaran der größten Klasse eben uns: Aldabra. Die 2 x 18,5 Meter sind also um 1,295 Mio Euro + USt. zu haben. Was macht die italienische Familie mit drei Kindern und der Angestellte Bootsmann dann? Wahrscheinlich auf einem halb so teueren aber immer noch riesigen Katamaran segeln.

Wir wollen mit dem Bus zur Chora fahren, tuckern also zum Strand mit dem Schlauch. Aber der nächste Bus geht erst in 1 Stunde und 20 Minuten. Macht nichts. Die zwei Tavernen sind ja direkt neben der Bushaltestelle. Es wird ein Bier, ein Ouzo und einige Oliven für mich. Beate begnügt sich mit Eistee. Wir beobachten die tollen Salatplatten und die mit Salatbeilage schön hergerichtete Fleischspeisen auf großen Holztellern und beschließen, am Abend hier in Asti…fagia (http://www.astifagia.gr)zu essen.

Der Bus um 16 Uhr kommt mit 15 minütiger Verspätung. Es ist ein kleiner, etwa 20-sitziger Mercedes-Bus, der irgendwann in Deutschland Dienst gemacht hat. Aber sogar eine Schaffnerin fährt mit und kassiert 1,50 Euro pro Person. An der schmalsten Stelle, etwa in der Mitte der Insel, ist diese keine 200 m breit. Die Aussicht ist herrlich mit dem Meer auf beiden Seiten. Aber die Landschaft ist extrem karg. Nichts Grünes zu sehen über weite Strecken. Allerdings ist die Strecke nicht weit und unweit des Kraftwerkes befindet sich der Campingplatz komplett im hohen Schilf versteckt. Dort steigen jede Menge fast nur junge Leute zu. Im Hafen, wo wir vor drei Tagen lagen, können wir sitzen bleiben, weil der Bus gleich weiter zur Chora fährt. Der Hafen wird übrigens „Pero Gialos“ genannt, was auf keiner Karte aber auf dem überall vorhandenen Busfahrplan steht. Dass auf dem Fahrplan „Maltezana“ steht, also wo wir jetzt ankern aber auf dem Bus „Analipsi“, verwirrt uns ebenfalls ein wenig aber man kann ja fragen.

Bei den 7 Windmühlen oben in Chora angekommen, steigen wir aus und machen uns auf den Weg hinauf zum alten Kastell. Von dort ist die Aussicht absolut grandios. Der Zustand des Kastells aber eher weniger, obwohl seit einigen Jahrzehnten Renovierungsarbeiten im Gang sein dürften. Interessant ist, dass dieses Kastell nie wirklich militärisch genützt worden ist, sondern vor allem der innerhalb und außerhalb der Mauern lebenden Zivilbevölkerung Schutz vor Piratenüberfällen geboten hat.

Wir gehen der einzigen direkten Straße entlang hinunter zum Hafen. Alle anderen Verbindungen sind mehr oder weniger, eher mehr, steile Treppen. Deswegen heißt der Ortsteil ja auch Skála (Treppe). Beim Bäcker sitzt die schwarzgekleidete Oma beim Fernsehen, hat aber kein Brot mehr. Wir kaufen vier Kipferln mit Schokofüllung um € 2,60. Auf der Terrasse des Hotels, eher Cafés, oberhalb des Hafens trinken wir sehr edel servierten Capuccino und Frappee bis der Bus kommt, kostet € 5,50 mit Trinkgeld.

Wieder zurück in O. Schinunta gehen wir sogleich in die Taverna Asti…fagia. Der Spezialsalat gleichen namens, den „most famous fried cheese of Greece“ und ein Chickensouvlaki werden bestellt. Es ist mehr als ausreichend und sehr gut. Der bröselige local goat cheese auf dem mit Tomaten- und Paprikastücken gespickten Blattsalathaufen schmeckt zwar etwas streng. Man darf nur wenig davon nehmen, wie ein Gewürz. Ca. eine halbe Stunde nachdem wir die Rechnung bestellt haben, kommt ein noch nie gesehener Obstteller daher: Wasser- und Honigmelone, eine Feige, einige Pfirsichstücke und einige Stücke von irgendwas Sauerem mit weißem Fruchtfleisch und dunkler Haut. Wir schaffen nicht Mal die Hälfte. Nach einer weiteren halben Stunde und heftigem Wacheln mit einem Fünfziger, hat der sympathische junge Wirt dann doch Zeit, das Geld entgegen zu nehmen. Die Griechen wollen einfach nicht, dass man geht bevor das Lokal voll ist. Und das ist es dann auch kurz vor 21 Uhr. Und die Rechnungshöhe? – 24,80 alles zsam, also dasselbe wie gestern nur heute extrem viel besser gegessen.

Nach einem Abendschwimm sehen wir im Cockpit wieder einen Film an. Diesmal mit Mondstraße auf dem Wasser als Hintergrund.


03.08.2009 Montag
09:55 Astypálea / O. Schinunta Karte
10:45 Genua dazu, Motoren langsamer
15:54 Genua weg, Motoren schneller
16:42 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte
Zeit unterwegs: 06:47 Strecke: 44,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Beate macht den Morgenschwimm bereits um 1/2 8. Ich meinen eine Stunde später. Wir frühstücken, bringen den Müllsack zu den Tonnen am Ufer, holen das Schlauchboot und den Anker herauf und nehmen um 9:55h Kurs auf Psérimos, etwa 40 sm mit Kurs 061.

Die Überfahrt ist eine scheußliche Schaukelpartie. Der Wind ist wie angekündigt anfangs mäßig stark mit ca. 20 Knoten und wird immer schwächer. Aber die Wellen wissen nicht, woher sie kommen, wer sie sind und wohin sie gehen. Daher probieren sie alle Richtungen und Höhen aus. Natürlich sind auch zwei dabei, die das Deck und damit das Cockpit unter Wasser stellen.

Beate liest im Cockpit und ich schreibe drinnen Blogbuch und ergänze die neue Logbuch-Plätze-Tabelle (= bereits aufgesuchte Plätze zum Nachschlagen). Es ist schwierig, wenn es so schaukelt. Man erwischt noch leichter als sonst die falsche Taste. Nach 50 Minuten, außerhalb der Landabdeckung von Astypálea ziehen wir die Genua heraus und drosseln die Motoren auf 1800 RPM. Nach 5 Stunden und 9 Minuten, 38,5 sm, S von Kálymnos ist der Wind komplett weg und das gleiche geschieht mit der Genua.

Um 16:42h, nach 44,1 sm, erreichen wir die schöne Psérimos-Bucht und werfen den Anker auf 2,4 m in den feinen Sand. Seit langer Zeit ist es wieder wirklich warm und fast windstill. Aber in den 6:47 Stunden konnte sich der Kühlschrank von 16 auf 8,4 Grad abkühlen. Eigentlich wenig, wenn man bedenkt, dass er dabei fast 2,7 kWh verbraucht hat. Oder doch nicht? – Ich habe wirklich keine Ahnung von Kältetechnik und deren Energieeffizienz.

Schwimmen ist angesagt.

Und wer schwimmt zu uns? – Der deutsche Paddler aus Astypálea! Er hat 1,5 Tage lang gepaddelt bei 6-7 Beaufort und war vorher in Kos und in Kálymnos, wo es ihm nicht gefallen hat. Aber hier in Psérimos ist es super. Da hat er recht. Und wir können wieder diskutieren, ob das wahr ist oder nicht. Ich sage, die Glaubwürdigkeit hat gewonnen. Beate sagt, verloren. Am Abend werden wir ihn in der Taverna Tripolitis treffen. Dann hören wir weiter.

Um 19h rudern wir zum Sandstrand. Der Paddler sitzt in der Taverna und erzählt. Er ist im Juni von Berlin nach Mykonos geflogen und habe 160 Euro für 20kg Übergepäck zahlen müssen. Das ist zwar relativ viel aber wenn man bedenkt, dass darin nicht nur das ganze Gepäck für vier Monate sondern auch sein Boot enthalten ist, dann ist es wiederum relativ wenig. Am 20 Oktober wird er von Heraklion auf Kreta wieder nach Hause fliegen. Dazwischen paddelt er und schläft in seinem 3,8 m langen aufblasbaren Kanu. Nur so alle 14 Tage nimmt er sich ein Hotelzimmer, um sich und seine Klamotten richtig gut waschen zu können. Es klingt wirklich unglaublich, dürfte aber doch wahr sein. Seit 30 Jahren ist Paddeln eine Leidenschaft von ihm und wenn er nicht paddelt hält er sich mit Radfahren fit, ca. 20.000 km per Jahr. Ein wahrlich sportlicher Pensionist!

Der Wirt, den wir hier schon oft besucht haben, erkennt uns sogar, Niko, heißt er. Seine langen Locken hat er gegen eine Kurzhaarfrisur getauscht und daher hätten wir ihn zuerst fast nicht erkannt. Er hätte das Gefühl gehabt, auf einem Stein zu schlafen und daher mussten die Haare weg, sagt er. Er empfiehlt griechische Hausmannskost und wettert gegen das trockene gegrillte Fleisch, das allgemein üblich angeboten wird. Beate bestellt hausgemachte Dolmádes, ich Pastitsio und Dieter, so heißt der Paddler, Ziege. Alles schmeckt tatsächlich sehr gut, die Ziege gar nicht nach Ziege und die gefüllten Weinblätter mit Naturjoghurt serviert schmecken sehr frisch.

Dieter erzählt weiter, dass auch seine Tochter Sonja gerne mit ihm paddelt, sich aber immer ein Zimmer für die Nacht nimmt. Aber seit sie vor 5 Jahren eine Tochter bekommen hat, muss er alleine reisen. Sein berliner Dialekt und seine leicht nuschelnde Aussprache machen es manchmal schwer zu verstehen, was er sagt. Aber es macht nichts, er wiederholt es dann sowieso.

Gegen 23h sind wir die letzten Gäste nicht nur dieser sondern aller Lokale auf dem Sandstrand und wir gehen schlafen. Wir rudern hinaus zur Blodughadda und Dieter schleppt sein Boot ins Wasser und wirft 50m vor dem Ufer den Anker. Er sagt, er schläft viel besser wenn es leicht schaukelt und außerdem ist es weicher als auf dem Sand. Er hat also jede Nacht ein Wasserbett.


04.08.2009 Dienstag
11:50 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Abfahrt
12:27 Platy (bei Psérimos) Karte Ankern
14:41 Platy (bei Psérimos) Karte
15:10 Pserimos / O. Marathónta Karte Ankern
17:19 Pserimos / O. Marathónta Karte
17:52 Pserimos / O. Vathy Karte
Zeit unterwegs: 01:40 Strecke: 8,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten


Um ca. 5:30 wache ich von Lärm und Schaukeln auf. Ein Fährschiff dürfte vorbei gefahren sein, dessen Wellen die Bucht durcheinander wirbelt. Es ist unglaublich laut, wenn sie auf dem Sandstrand brechen. Es ist auch nach langer Zeit extrem feucht, weil absolut windstill.
Wir schlafen doch wieder ein und stehen erst nach 9h auf. Nach dem Morgenschwimm sehen wir uns den Ort an. Der Minimarkt führt weiterhin nur Ramsch und Getränke für die Tagesausflügler. In einem geschäftsähnlichen Haus, bzw. dessen Terrasse wird Gemüse verkauft. Wir kaufen 3 Paradeiser, 3 Erdäpfel (die großen griechischen), 2 Karotten und eine Gurke. Der Mann legt alles in ein Plastiksackerl, wiegt es ab und sagt „twofifty“. Entweder gibt es einen einheitlichen Kilopreis für alles oder einen Schätzpreis, der durch das Abwiegemanöver quasi objektiviert wird. Ich glaube das Letztere.

In einer Taverna an der „Straße“ Richtung Kirche, wo Zigaretten verkauft werden, kaufe ich ein großes Brot ein, kostet nur € 1,20 und ist schön kalt. Weiter der Straße entlang finden wir das Scoutlager. Besser gesagt, das Pfadfindergelände. Ein freundlicher Pfadfinder in voller Uniform und festen Schuhen erklärt, dass das Gelände von den Pfadfindern aus Kalymnos verwaltet wird und derzeit Gruppen von dort und von Rodos hier seien. Es ist ein wirklich ideales Gelände mit großen Bäumen, die Schatten für die Zelte spenden.

Dann sehen wir uns das Gelände an, auf dem neue Häuser entstehen sollen. Zwei Musterhäuser gibt es zu besichtigen auf dem großen flachen Bauland in zweiter Reihe. Davor auf dem Strand gibt es eine Verkaufsbude „Houses or Land for Sale“. Wir erkundigen uns aber nicht weiter sondern setzen uns zum Dieter in der Tripolitis Taverna. Der Wirt ist gerade damit beschäftigt, neue Ware vom Verbindungsboot abzuholen und fährt daher mit dem Pickup auf der Straße = Strand dorthin. Aber irgendwann erhalten wir ja doch Kaffee und Toast.

Wir sehen uns das Boot von Dieter an. Es ist ein Gumotex Palava. Sieht recht stabil aus aber damit 1,5 Tage bei Meltémi über das Meer paddeln? Dieter erklärt, es mache ihm gar nichts aus so lange zu paddeln. Er verwendet immer gleich viel Kraft und je nach Bedingungen kommt er schneller oder langsamer voran. Am schnellsten so 2-3 Knoten aber manchmal eben kaum, wenn er gegen Wellen und vor allem Strömung unterwegs ist. Letztere sei besonders auffällig hier in der Ägäis. Das habe ich bisher noch nicht bemerkt, aber seine Antriebsart auch noch nicht ausprobiert.

Um 11:50h machen wir uns auf den Weg. Der Wind ist sehr schwach und da beschließen wir kurzfristig, Psérimos nördlich statt südlich zu umrunden. Dann kommt uns die Idée, die E-Seite von der unbewohnten Nachbarinsel Platy anzusehen. Hier gibt es viele schöne Plätze zum Schwimmen. Nach 40 Minuten Fahrt nehmen wir einen davon und machen eine lange Schwimmtour rund um eine Motoryacht, die hier mit Anker und Landleine liegt. Die Gegend ist schön, besonders bei diesem Nichtwind.

Um 14:40 fahren wir wieder weiter und eine halbe Stunde später ankern wir in der Nordbucht von Psérimos. Bei normalen Nordwindverhältnissen kann man hier nicht bleiben, zumindest nicht bequem. Wir ankern in der E-Einbuchtung vor einem Kiesstrand. Ich schwimme an Land und sehe ein verlassenes Anwesen mit 4-5 Tamarisken davor und 20-30 Olivenbäumen dahinter. Alte Fundamente sind zu erkennen und ein dachloses Steingebäude steht noch. Zwei Maschinen mit Riemenantrieb, eine Riemenantriebswelle sowie ein kleines Förderband rosten darin vor sich hin. Was hier wohl damit bearbeitet/erzeugt worden ist?

Nach einer Weile kommt ein Boot mit 2 Männern, 2 Frauen und 2 Mädchen. Sie fahren langsam vorbei und bleiben etwa 20 m entfernt stehen und starren ins Wasser. Eine sonderbare Aktion startet. Sie springen nach einander ins Wasser, tauchen mit einem frisbeescheibenähnlichen Gegenstand aber ohne Taucherbrille, fischen mit dem Bootshaken und lassen dann den Anker hinunter. Sehr mühsam dirigiert der am Bug liegende Mann den Fahrer, um anscheinendend irgendwas mit dem Anker zu erwischen. Es dauert lange und braucht viele Versuche. Wenn ich nicht gerade aus dem Wasser gestiegen wäre, würde ich sofort hinschwimmen. Aber neugierig bin ich schon. Dann hat der Anker offenbar gegriffen. Es kommt aber nichts hoch, sondern der Bug des Boote wird mit der Ankerwinde hinunter gezogen. Nach einer weiteren Viertelstunde muss ich mir das doch ansehen. Ich nehme die Taucherbrille und eine Leine mit. Die Männer gestikulieren schon und rufen „problem“. Als ich hinkomme traue ich meinen Augen nicht. Diese Oberblödmänner haben doch tatsächlich den Anker in ein rundes Loch einer leeren alten Schiffsmine aus dem 2. Weltkrieg mit viel Mühe hinein manövriert! Weil der Anker gerade noch hineingepasst hat, verspießt er sich bei jedem Versuch, ihn da wieder mit der Kette heraus zu ziehen. Genau das und dass dieses sicher 300 kg schwere, halb im Sandgrund festsitzende Ding mit der Ankerwinde niemals hochgezogen werden kann (und wenn ja, wohin damit?), hätten sie mit einer Taucherbrille vorher leicht feststellen können.
Ich tauche die 3 m hinunter und versuche ihn am Schaft heraus zu ziehen. Das gelingt aber erst beim dritten Mal, weil er regelrecht herausgefädelt werden muss. Die Leute freuen sich. Kein Wunder, so ein 10 kg Edelstahl M-Anker samt Edelstahlkette kostet ja doch so ca. 700 Euro. Als Dank bringen Sie uns dann ein Plastiksackerl mit Feigen, die ich unmöglich ablehnen kann obwohl ich es versuche. Beate und ich mögen Feigen nicht besonders.

Um 17:20 fahren wir abermals weiter und ankern 30 Minuten später auf „unserem“ Platz in der Vathy-Bucht. Herrliches Lüfterl, keine Fallwinde.


05.08.2009 Mittwoch
11:13 Pserimos / O. Vathy Karte
12:20 Kos / Marina Karte warten bei Einfahrt
12:46 Kos / Marina Karte Leinen Fest
Zeit unterwegs: 01:32 Strecke: 8,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Einen schöneren Morgen kann man sich gar nicht vorstellen. Vor 7 Uhr gehe ich schon in das spiegelglatte, kristallklare Wasser schwimmen. Dann sitze ich am Heck und beobachte die Ziegen am Berghang gegenüber. Es ist so ruhig, dass ich sie furzen höre.

Kurz nach 11h fahren wir los und erreichen die Kos Marina etwas mehr als eine Stunde später. Wir bekommen einen Platz direkt vor der Rezeption, bringen gleich einen riesigen Haufen Wäsche in die Wäscherei und suchen den vom Stamatis bestellten Leihwagen. Diesmal ist es ein riesiger SsangYong Rexton.
Ich gehe zum Pavlos und kaufe diverse Sachen, die ich unbedingt brauche sowie eine neue Gasflasche. Dann trefen wir uns im Marina Café. Kurz nach 15h fährt Beate die 4 Burschen abholen. Ich wasche das Boot, montiere den neuen Halterungshaken für den Anker und mache die Motoren frei, damit der Mechaniker Dimitris sie überprüfen kann, insbesondere den neuen Ölaustritt am bb-Motor.

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