Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2015-06-22 Wien-Leros-Samos

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 00:46:44 Anzahl Tage: 10
22.06.2015 Wien – Leros
23.06.2015 Leros
24.06.2015 Leros
25.06.2015 Leros
26.06.2015 Leros
27.06.2015 Leros
28.06.2015 Leros
29.06.2015 Leros
30.06.2015 37°11’05.34“N,026°48’08.58“E – Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Sámos / Marathókampos
01.07.2015 Sámos / Marathókampos

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 5:50 Strecke: 33,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten


22.06.2015 Montag
Wien – Leros
So ein Flug! Beim Gepäckabgabeschalter komme ich gleich daran. Bei der Sicherheitskontrolle auch. Im Flugzeug eine ganze Dreierreihe für mich allein. Ein wirklich gutes Frühstück wird serviert. Die 2000 Km vergehen wie im Flug, no na. Aber auch wie auf Schienen. So einen Flug möchte ich immer haben!

Um 11:25h bekomme ich meinen Koffer. Um 11:45 geht der öffentliche Bus nach Kos Stadt – perfekt! € 3,20 darf ich für die 40-minütige Fahrt zahlen, die mich zur Busstation führt. Gute 10 Minuten später sitze ich im altbewährten Touristenlokal Amaryllis und labe mich mit einem billigen Bier.

Es ist hier alles so wie immer. Auch das Wetter mit Sonnenschein und 26°C. Dass die Euro-Finanzminister gleichzeitig endgültig über das ökonomische Schicksal Griechenlands verhandeln, ist schon gar nicht zu bemerken.

Ich gehe den kurzen Weg zum Hafen. Ja, der Schnellkatamaran wird um 14h Richtung Nord ablegen und ich kaufe eine Fahrkarte nach Leros um € 21,50. Wie immer, nur ist diese Nachmittagsroute heuer neu. Ein sehr guter Espresso im Café Porto geht sich noch aus bevor der Katamaran pünktlichst ablegt. Es fasziniert immer wieder, wie leichtfüßig und schnell er auf die Marschgeschwindigkeit von 30 Knoten beschleunigt. Ich genieße die Fahrt über bestens bekanntes Wasser nach Kalymnos auf dem Vordeck, die Weiterfahrt nach Leros auf dem Achterdeck. Zu mühsam dauernd die Schirmkappe festhalten zu müssen da vorne im wilden Fahrtwind. Nach Plan werde ich die Gegend erst wieder ungefähr am 29. August sehen.

Der Dodekanissos Pride legt in Lakki exakt um 15:20h an. Ich nehme ein Taxi zu Hotel Alinda, wo mich Soula, die Chefin, herzlich willkommen heißt. Ich bekomme Zimmer Nummer 4 nach hinten im Erdgeschoß und lege mich sogleich hin. Die letzte Nacht war doch sehr kurz. Das Hinlegen wird auch kurz wegen der Gelsen. Also Balkontür zu, Gelsenstecker aktivieren und den Nachmittagsschlaf auf eine Liege am Strand verlegen. Der gelingt dann gut. Und der anschließende Schwimm tut sehr gut. Das Meer hat 25°C wie die Luft, wunderbar.

Der Moussaka und der Tomatensalat sind auch wunderbar. Also heute alles wunderbar.


23.06.2015 Dienstag
Leros
In der Nacht beginnt der Nordwind zu blasen und das nicht zu knapp. Laut Prognose soll es die kommenden 10 Tage so bleiben. Das ist weniger wunderbar.

Bei Tony’s miete ich ein Moped um € 10,- per Tag und düse damit zum Boot. Die meisten Arbeiten sind fertig. Die Scheuerleiste ist noch abgenommen und es wird mir klar, warum es so teuer wäre, diese komplett zu entfernen. Sie verdeckt nämlich die Fuge zwischen Deck und Rumpf, die wirklich nicht schön ist. Mit dem Technikchef Tony wird vereinbart, den letzten Stand wieder herzustellen, also inklusive beschädigter Stelle und nächsten Winter eine neue Lösung zu suchen.

Seltsamerweise ist die große Verbraucherbatterie komplett leer, hat nur mehr 11,5 Volt obwohl alles abgeschaltet war. Bisher war sie nach der Winterpause immer mit mindestens 12,6 V tadellos in Ordnung. Ich hänge sofort den Strom an, um sie aufzuladen. Hoffentlich hat sie keinen Schaden davon getragen.

Der Segelmacher kommt. Er bringt die neuen vertikalen Teile zum neuen Bimini und montiert sie. Auch der neue Lazybag wird montiert. Alles pipifein bis auf zwei Kleinigkeiten: Auf dem Lazybag hat er den Bootsnamen aufgenäht. Allerdings auf der stbd Seite mit BLOUGHADDA.
Der Sonnenschutz aus Netzgewebe am hinteren Ende des Biminis macht aus dem Cockpit ein richtiges Verandazimmer – super. Aber damit dieses doch recht unhandliche Teil immer daran bleiben kann, wünsche ich mir Befestigungsschlaufen an der Oberkante, um das Ding nicht abmontieren zu müssen, sondern einfach aufrollen zu können, wenn es nicht benötigt wird. Beides wird er bis Freitag machen. Das neue Bimini und die neue Winschutzscheibe sind aber wirklich bestens und elegant grau, was weniger Wärme darunter verspricht.

Mit dem Bugnetz war der Segelmacher aber weniger erfolgreich. Es ist auch ihm nicht gelungen, dieses fürchterlich elastische Teil zu bändigen und die von ihm mühsam hergestellte Befestigungseinfassung bringt auch nichts. Man muss auf dem Netz gehen können und das ist nur dann möglich, wenn das Netz stark gespannt montiert wird. Wie das gehen könnte, ist mir ein Rätsel. Schade, verdammt viel Geld für nix ausgegeben.

Ich finde einen riesigen Plastiksack, in den ich alles hineinpacke, was in die Wäscherei gehört. Wiegt sicher 10kg. Auf griechische Art transportiere ich den auf dem Moped zwischen meinen Füßen zum Hotel. Am Abend geht es damit weiter zur Wäscherei in Lakki.

Dann lasse ich meine Cosmote Internet SIM Karte mit 10GB bis 22.8. um € 60,- aufladen. Das ist angemessen.

In Lakki sind sehr viele Segelboote. Der Stadthafen ist voll wie die beiden Marinas und vor der Stadt ankern etliche Boote. Noch nie so viele hier gesehen. In Xirókampos sind aber noch viele Bojen frei, wie das?

Zu Mama Veta auf ein Spinat im Tontopf oder zu To Petrino in Lakki auf ein Souvlaki? Schwierige Frage. Die dem Wind und der Abendsonne voll ausgesetzten Tische der Mama Veta machen die Entscheidung aber doch nicht zu schwer. Der wie immer fantastisch gewürzte Schweinslungenbratenspieß von To Petrino bestätigt, dass die Entscheidung richtig war. Der sollte seiner geschmacklichen Einmaligkeit und Größe wegen eigentlich nicht einfach nur „Pork Souvlaki“ heißen, wie jedes andere mickrige Spießerl in Griechenland.


24.06.2015 Mittwoch
Leros
Die Windprognose für nächste Woche hat sich gebessert. Am Montag soll der Nordwind abflauen und am Mittwoch soll sogar leichter Südwind kommen. Das passt sehr gut. Dann kommt das Boot eben erst am Montag ins Wasser und am Mittwoch kann ich kommod Richtung Nord fahren.
Also habe ich jetzt keinen Stress, das Boot herzurichten. Werde noch die Fertigstellung der Werftarbeiten abwarten. Ich checke die Batterien. Wie es aussieht, ist die Starterbatterie hinüber aber die große Verbraucherbatterie in Ordnung. Also bezog sich der Alarm am Batteriemonitor gestern auf die Starterbatterie. Sie darf sich nochmals 24 aufladen lassen und dann werden wir weiter sehen.

Nach einem Plausch mit Werner, einem Deutschen, der auf meine Empfehlung den Schaden am Kiel seiner Halberg Rassey „Alena“ hier reparieren lässt, erkunde ich Nordleros per Moped. Neue Schilder „Vine roads“ machen mich neugierig. Hinter Blefouti gibt es immer noch Schilder aber kaum mehr eine Straße. Als sich die Schlaglochpiste in einen für Ziegen – aber sonst niemanden – bequemen Weg wandelt, drehe ich um.

Seit einem Jahr gibt es eine neue Bootswerft „Leros Boatyard Artemis“ als direkter Nachbar zu Agmar, nur der Flughafen dazwischen http://lerosboatyardltd.com. Macht an sich keinen so schlechten Eindruck. Die Boote werden hier mit einem hydraulischen Trailer aus dem Wasser gezogen. Ich lasse mir ein Angebot machen und staune nicht schlecht: Teurer als bei Agmar! Das sage ich auch und sogleich fallen dem freundlichen Kundenberater Rabattmöglichkeiten ein. Aber der Vertrag bei Agmar läuft sowieso bis September 2016. Also bedanke ich mich und sage, dass ich in einem Jahr wieder vorbeischauen werde.
Schon erstaunlich, dass auf dieser kleinen Insel drei von einander unabhängige private Bootswerften vorhanden sind, wovon Agmar die mit Abstand größte Reparaturkompetenz hat. Das bestätigte auch der Sachverständige für den Kielschaden von Werner: Der kann in Griechenland nur da oder in Athen repariert werden.


25.06.2015 Donnerstag
Leros
Gut ausgeschlafen bin ich schon vor 8h munter und mache einen Morgenschwimm. Tut gut, aber ohne Taucherbrille und Schnorchel nicht lange auszuhalten. Bei der anschließenden Dusche im Zimmer ruiniere ich die Dusche. Das geht ganz leicht mit Verschieben des Duschvorhangs als ich aus der Dusche steige. Die Plastikbefestigung bricht und die ganze Eckstange hängt elendiglich da.
Dann mache ich noch einen Fehler: Ich öffne die Balkontür und sofort sind zahlreiche Gelsen im Zimmer. Diese Biester sind in Griechenland ganz selten, aber wenn, dann ordentlich. Leider ist hier ein Hotspot.

Die Mopedfahrt zum Boot dauert 8 Minuten. Mich interessiert besonders, wie es den Batterien geht. Sie dürften aber doch in Ordnung sein. Nach Abstecken des Landstroms bleiben sie auf über 13V. Das ist gut. Bis morgen lasse ich den Landstrom weg, um ganz sicher zu gehen.

Mittlerweile hat der Segelmacher geliefert. Der Buchstabierfehler am Lazybag ist ausgebessert und die Schatten fürs Cockpit versprechen jetzt optimalen Komfort:
1. Voll zu:

2. Tür offen:

3. Aufgerollt in Segelstellung:

Allerdings muss noch die Aufrolltechnik geübt werden.

Technical Manager Tony sagt, dass der Montag für Bootsbewegungen schon voll verplant sei. Am Dienstag aber kein Problem. Na gut, in zwei Tagen nach Samos wird zu schaffen sein.


26.06.2015 Freitag
Leros
In der Früh, also ca. um 10h, tausche ich Moped gegen Auto. Damit hole ich die Wäsche aus der Wäscherei in Lakkí. Die Cosmote Internet SIM lasse ich nochmals bis zum 21.9. mit 15 GB aufladen. Das wird vermutlich reichen. Der Besuch bei der Hafenpolizei ist ganz entspannt. Keine Folianten, keine Kopien der Schiffspapiere mehr. Den hochwichtigen Stempel ins griechische Schiffspapier DEKPA muss man mit einem in der EU registrierten Boot nur mehr ein Mal im Jahr abholen. Kostet statt früher 0,88 Euro nur mehr Null. Offiziell werde ich also ab morgen mit der Beate schippern. Was tatsächlich ist, interessiert niemanden. Eigentlich könnte dieses ganze Prozedere überhaupt eingestampft werden.
Andererseits ist seit zwei Jahren ein Gesetz in Kraft, das Freizeitbooten eine Art „Kurtaxe“ abverlangt. Für die Blodughadda wären es ca. 200 Euro per Jahr – die ich auch gerne bezahlen würde. Aber es ist nicht klar, wer dieses Gesetz exekutieren soll, geschweige dann wie. Also wird nix kassiert. Typischer griechisch geht es nicht.

Ich nütze das Auto für einen erweiterten Einkauf. So günstige Thunfischdosen und gehackte Tomaten in Kartonverbundverpackung (sage nicht TetraPak, weil SIG eine andere Firma ist – Heinrich kennt sich aus) werden sonst nicht so leicht zu finden sein. Je 13 Stück kommen ins Wägelchen. Mehr ist nicht da.

Beim Aus- und Einräumen des Einkaufs wäre ein zweite Person nicht schlecht. Aber es geht so auch. Ich muss halt öfter die Leiter hinauf und hinunterklettern.

Abends esse ich in der Fluhafentaverna Schweinskotletts mit Tomatensalat – von beiden mehr als reichlich.


27.06.2015 Samstag
Leros
Hier sind auch Gelsen! In der Nacht höre ich zwar nur gelegentlich eine um die Ohren herumsurren. Aber an meinen Füßen haben sie sich bestens bedient. Die sind voll mit roten Punktchen, die aber nicht jucken. Normalerweise bekomme ich gar kein Erinnerungsstück an einen Mückenstich.

Erstes Frühstück an Bord und der Schinken- und Käsevorrat schrumpft um ein Zwanzigstel. Vielleicht habe ich gestern doch ein bisschen zu viel eingekauft.

Ich tausche wieder Auto gegen Moped. Mittlerweile kennt mich der Vermieter so gut, dass er nur sagt, „ja ja nimm nur den Scooter“ und weg bin ich.

Die Ankerkette wird gewendet und erhält neue Farbmarkierungen alle 10 Meter. Dabei schaut der französische Nachbar vorbei und wir plaudern über Segeln in Griechenland. Ich kann wieder mit meiner enormen Erfahrung angeben.

Auch der Nachbar Werner von der S/Y Alena schaut vorbei. Wir diskutieren seinen Kielschaden, den heute ein Sachverständiger der Versicherung begutachtet hat. Er gibt mir auch Tipps, wie das neue Lazyjacksystem am besten zu montieren wäre, aber richtig zufrieden stellend wird es trotzdem nicht. Das Pfeiffer Layzyjacksystem siehe hier ist für drei Hebepunkte ausgelegt. Der neue Lazybag hat aber vier. An dem tüftle ich seit gestern schon eine ganze Weile.

Mit Werner vereinbare ich ein gemeinsames Abendessen in To Petrino. Um 19h startet die Mopedfahrt. Gut, dass jeder ein eigenes hat. Der kumulierte Bauchumfang wäre wahrscheinlich nur auf einer extended Version transportabel.


28.06.2015 Sonntag
Leros
Keine besonderen Vorkommnisse. Ich bleibe am Boot, werkle und schwitze so vor mich hin. Am Abend gehen Werner und ich zur Flughafentaverna essen. Heute gibt es „Bifteki“


29.06.2015 Montag
Leros
Es wird gewaschen. Eine Maschine mit Wäsche, eine mit Seilen. Hätte ich schon gestern gemacht, wenn die in der Waschmaschinenkammer aufgehängte Bedienungsanleitung aufdatiert worden wäre. Darin steht immer noch, dass man einen Jeton einwerfen muss. Ist aber nicht so. Münzen müssen es sein, 5 Euro pro Maschine. Die Münzen werden aber nur akzeptiert, wenn vorher alle Waschprogrammeinstellungen erfolgt sind.
Ja, es ist verdammt schwer, eine neue Anleitung zu schreiben.
Das Boot wird auch gewaschen und von einer rekordverdächtigen Anzahl Vogelscheisse befreit.

Das von der Werft reparierte Schauchboot wird von der Werft aufgeblasen und soll dann zum Boot kommen. Es kommt aber nicht, weil es beim Aufblasen geplatzt ist.

Ja, reparieren können sie es schon. Es dauert nur mindestens 48 Stunden. Also Plan geändert: Nachdem ich am Donnerstag Christian in Samos abgeholt haben werde, geht es wieder hierher zurück, um das Dinghy abzuholen.

Um 14h soll ich in der Rezeption sein, um die Rechnung für die Arbeiten des letzten Winters präsentiert zu bekommen. Bin natürlich pünktlich an Ort und Stelle, aber die Rechnung nicht. Neuer Termin 15:30h – dasselbe. Ausser, dass ich jetzt sage, die Irene soll mich einfach anrufen, wenn die Rechnung fertig ist.
Um ca. 17:30h ist es dann soweit und ich bekomme den Schock meines Lebens. Dass es teuer werden würde, war schon klar. Mit sieben bis achttausend Euro hatte ich gerechnet. Aber mit 12.932,14 wirklich nicht. Die Rechnung ist mit 21 Seiten schön plastikspiralgebunden mit Klarsichtfolie vorne und Karton hinten. Sie listet alle Arbeiten und Materialien penibel auf. Aber für keine Arbeit die Anzahl Arbeitsstunden und alle Materialien nur in Griechisch. Gelegentlich lässt sich doch was lesen, zB Lazy Jack System im Set € 295,-, würde allerdings bei SVB nur 119,95 € kosten. Die paar Schnüre und Blöcke sind auch das nicht wert.

Also diese Bootswerft hat bei mir das Vertrauen verspielt. Schade, denn die ausführenden Mechaniker können wirklich was.


30.06.2015 Dienstag
11:30 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte Abfahrt
17:20 Sámos / Marathókampos Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 05:50 Strecke: 33,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten


Um acht will der Travellift anfangen, die Blodughadda ins Wasser zu transportieren. Das will ich aber noch nicht, weil das bestellte Seekartenbuch für die Nordägäis per Kurier noch kommen soll. Tony kommt und beschwert sich, dass das Boot noch nicht fertig ist, wo doch das „Liftingprogram“ um 8 Uhr startet. Ich beschwere mich zurück aufs heftigste, dass er nicht in der Lage ist, zumindest die Reihenfolge der geplanten Bootsbewegungen zu vereinbaren und beschreibe nochmals die furchtbare Situation voriges Jahr. Er gibt zumindest zu, dass es nicht notwendig sein muss, 6 Stunden lang an der Boje auf das Herausheben zu warten. Mit absoluter Sicherheit wird sich aber nichts ändern.
So nett die Griechen auch sind, so organisatorisch unfähig sind sie eben auch. Deshalb wird es auch Tsipras nicht gelingen, dieses Land in Ordnung zu bringen. Darüber habe ich mit Werner in den letzten Tagen viel diskutiert. Jetzt kommt er, um sich herzlich zu verabschieden. Er mopediert nach Lakkí und die Blodughadda wird demnächst ins Wasser kommen. Morgen wird er nach Deutschland zurück fliegen und kommt erst in August wieder, wenn sein Boot hoffentlich fertig repariert ist. Es war eine Bereicherung, ihn hier kennen zu lernen und mit ihm zu diskutieren und zu Abend zu essen.

Um 10:45h erscheint dann der Travellift wieder. Mein Seekartenbuch habe ich allerdings immer noch nicht. Der Kurier kam nicht. Nach sieben Minuten schwebt die Blodughadda in den Tragegurten. Die Abstützpunkte werden mit Antifoulingfarbe gestrichen und dann geht es weiter. Um 11:15h liegt das Boot im Travelliftbecken. Der Mechaniker überprüft, dass die Motoren richtig laufen. Bei sehr wenig Wind ist das Auslaufen 15 Minuten später kein Problem.

Bis Lipsi ist so gut wie gar kein Wind. Dann kommt er mit zwischen 10 und 15 Knoten, zeitweise bis zu 20 entgegen. Es geht daher langsam und nicht gerührt sondern geschüttelt voran. Aber nicht so schlimm.

In Marathokampos staune ich nicht schlecht: Der Hafen ist total neu und pipifein ausgebaut. Platz ist auch genug vorhanden. Ein griechischer Segler hilft mir beim Anlegen. Es gibt sogar Moorings.

Weil ich ja doch seit 6h auf den Beinen bin, lege ich mich 12 Stunden danach hin und schlafe ein bisschen. Tut gut. Das Abendessen in einer den vielen netten und fast menschenleeren Tavernen auch.


01.07.2015 Mittwoch
Sámos / Marathókampos
Es ist sehr ruhig hier. In der Nacht spielt zwar in irgendeinem Lokal penetrante griechische Jodel- kontra Geigenmusik. Aber sie ist nicht laut.
Das Boot liegt so ruhig wie auf Land. Bis ca. 8 Uhr als der Nordostwind einsetzt. Macht sich mit einem Bumperer bemerkbar als sich das Heck an die Kaimauer anlehnt. Ursache: Die Mooringleinen sind zwar gespannt, aber nicht ausreichend. Sie zu spannen ist keine einfache Aktion.

Das Bordklo spült nicht. Wurde auch von der Werft um immenses Geld gewartet. Ich zerlege alles, finde aber keinen Fehler. Also baue ich alles wieder zusammen und siehe da, jetzt funktioniert die Spülung. Zwar nicht so gut wie letztes Jahr, aber mit einigen herzhaften Pumpbewegungen gehts. Wo war da die Serviceleistung?

Um die Mittagszeit kommt ein Schweizer Segelboot. Ich helfe mit Leinen und Moorings. Sie sind aber zu kurz. Es dauert über eine Stunde, dies festzustellen. Die Helfer des Skippers sind absolut unfähig und er daher überfordert. Mein Vorschlag, sich einfach längsseits am Querkai anzulegen wird angenommen. Da helfe ich auch mit. Dabei verreiße mir leider mein Kreuz als ich die viel zu spät vom unfähigen Crewmitglied die Leine bekomme und mit ihr dann das Boot an den Kai ziehe.

Der Schweizer Skipper hat Anstand und bedankt sich nachträglich mit einer Schachtel „Echte Basler Leckerlis“. Sie sind steinhart, vor einer Woche abgelaufen und schmecken echt baslerisch. Trotzdem vielen Dank.

Der Nachmittag vergeht mit Einkommensteuererklärung machen und nochmals aufräumen. Es wird Zeit für ein paar Fotos:

Blodughadda liegt hier mit voll gestreckten Mooringleinen und daher mit der Nase tief im Wasser.

Die Anlage macht aber sonst einen soliden Eindruck

Die Versorgungssäulen funktionieren natürlich noch nicht. Aber als Anlehnplatz für Fischernetze gut zu gebrauchen.

Am östlichen Hafenbecken wird gebaut

Was da enstehen soll, steht hier. Bitte um Übersetzung, wenn jemand dazu fähig ist:

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