Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2003-10-13 Kos – Patmos – Kos

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 12:28:12 Anzahl Tage: 7
13.10.2003 In Marina Kos
14.10.2003 Kos / Marina – Kálymnos / O. Paliónisos
15.10.2003 Kálymnos / O. Paliónisos
16.10.2003 Kálymnos / O. Paliónisos – Lipsi / O. Katsadiá
17.10.2003 Lipsi / O. Katsadiá – Lípsi / O. Lipsi – Patmos / Hafen Skála
18.10.2003 Patmos / Hafen Skála – Léros / O. Pantéli – Kálymnos / Emboriós
19.10.2003 Kálymnos / Emboriós – Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 16:02 Strecke: 94,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


13.10.2003 Montag
In Marina Kos


14.10.2003 Dienstag
Kos / Marina – Kálymnos / O. Paliónisos
Am Vormittag entleere ich die Stbd-Bilge, wo sich 2 Kübeln Süßwasser gesammelt hat – woher? Ich wische sie noch ordentlich aus. Nach der Hafenpolizeiabmeldung mache ich die Blodughadda startklar und um 14:10 lege ich ab. Das Wetter ist herrlich und der Wind kommt natürlich auf die Nase, allerdings mit nur 12-14 Knoten. Es genügt aber, um das Vorschiff und die Fenster salznass zu bekommen.
Bei Psérimos hänge ich die Schleppangel hinaus ohne mir etwas dabei zu erwarten. Ich genieße die Überfahrt, das Meer und die Sonne. Ich spiele Musik, räume auf und stelle fest, dass ich mich alleine sehr wohl fühle.
Um 17:18 h erreiche ich den Scheitel der Bucht. Um 17:38 habe ich alleine bestens mit Buganker und Heckleinen am kleinen Anleger festgemacht – Katamaran sei Dank. Habe das Boot in die richtige Richtung und die Ruder gerade gestellt und beide Motoren im langsamen Rücklauf geschaltet. Den Anker habe ich wie bei einem normalen Anlegemanöver ausgelegt und kurz vor dem Anleger dicht geholt. Somit hat er das Boot abgebremst und ich konnte mit der Heckleine an Land steigen und festmachen. Etwas gemurkst hat es anschließend allerdings schon, weil der Seitenwind das Boot zur Seite gedrückt hat, als ich die zweite Heckleine festmachen wollte. Aber mit BB-Motor im Rückwärtsgang und Stbd-Motor im Vorwärtsgang und das Ruder voll nach BB habe ich dann die ursprüngliche Lage wieder erreicht und konnte die BB-Heckleine festmachen. Ich bin direkt stolz auf mich!
Um 18:30 kommt Nikolas daher, hektisch wie immer. Er bevorzugt einen Kaffee, den ich sogleich in der Espressokanne mache. Als wir ausgetrunken haben, gehen wir gemeinsam zu seiner Taverna. Er erwartet noch ein deutsch-griechisches Paar, das bei ihm wohnt und sich gerade in den Bergen herumtreibt. Wir holen einige Sachen von seinem Auto während in der Zwischenzeit die Pommes kochen. Dann serviert er die Pommes mit einer köstlichen Sauce, gefüllte Weinblätter und Gigantés zusammen mit selbstgebackenem Brot seiner Mutter. Wir essen aus gemeinsamen Tellern und lassen es uns herrlich schmecken. Als wir fertig sind, kommen auch schon Michael und Olympia von ihrer Bergtour zurück. Sie haben auch Hunger und bekommen das gleiche plus Stifado (!) serviert. Die beiden sind aus in Boulder, Colorado und seit über einem Monat in Griechenland unterwegs, weil sie als Computerfachleute arbeitslos geworden sind. Um 21h müssen sie aufbrechen, um die Fähre nach Athen zu erreichen. Nikolas bringt sie nach Pothia und ich gehe zurück zur Blodughadda. Er wollte diesmal gar kein Geld von mir!
Es ist pechschwarz und windstill. Ich höre nur den sanften Wellenschlag am Kiesstrand, eine Glocke und vereinzeltes Blöcken eines Schafes und eine kleine Nachtmusik der Grillen, bis ich selbst die Musik aufdrehe…


15.10.2003 Mittwoch
Kálymnos / O. Paliónisos
Ich schlafe lange, bis 1/2 11. Das macht 12 Stunden Schlaf. Die absolute Ruhe weckt mich erst als ich ausgeschlafen bin. Bei herrlichem Wetter frühstücke ich draußen. Dann fange ich an, die Salonfenster und die grauen Rinnsale von den Fensterdichtungen zu putzen. Ich lege mich ordentlich ins Zeug und behandle die Fenster mit dem High-Tech-Mittel, “Star Brite Rain View”, das angeblich Wassertropfen nur so zum Abperlen bringen soll. Na da bin ich neugierig. Jedenfalls war das eine ganz schöne Arbeit.
Dann darf die Blodughadda wieder Mal als Fotomodell auftreten. Ich fotografiere das Boot außen und innen, um die endgültigen Bilder zum Herzeigen zu haben.
Gestern hat Nikolas gemeint, er würde um 13:30h kommen und wir könnten gemeinsam Fische und Kraken harpunieren gehen. Als er um 16h noch nicht da ist, gehe ich das erste Mal schwimmen. Das Wasser hat 22°, ist herrlich klar und beherbergt jede Menge Fische, darunter auch große Goldstriemen und Brassen. Eine Harpune wäre vielleicht doch nicht so schlecht. Jetzt begnüge ich mich damit, das Schaufelrad der Logge zu putzen, damit es wieder dreht und die Logge wieder funktioniert.
Beim Abduschen bemühe ich mich, möglichst viel Wasser zu verschwenden. Denn ich habe vollgetankt und in fünf Tagen müssen die Tanks wieder leer sein. Ein wirklich außergewöhnliches Gefühl!
Anschließend schmeckt die griechische Jause mit Feta, Oliven und Retsína bestens.
Um 18h kommt Nikolas als ich gerade das Unterwasser mit der Bürste vom Algenbewuchs befreie. Wir fahren gemeinsam mit seinem Boot hinaus, Thunfische fangen. Er legt eine lange Leine mit vielen Plastikködern aus, die er mit relativ hoher Geschwindigkeit hinten nachschleppt. Sein Fischerglück ist allerdings identisch mit dem Meinigen. Also trinken wir eine halbe Stunde später Kaffee mit Metaxa an Bord. Aber nur so lange bis sich das französische Ehepaar vom inzwischen angekommenen Boot mit dem Schlauchboot ans Ufer kommt. Da muss er als Gastwirt ausrücken und beeilt sich zu seiner Taverna.
Ich folge bald darauf, setze mich zum Tisch der Franzosen. Er ist Bootsbauer und hat das Segelboot gebaut, mit dem im Sommer eine Familie unterwegs war und in Arkí neben uns gelegen ist. Nikolas organisiert Fische, Pommes und gefülltes Gemüse. Wir essen und plaudern. Die Franzosen verabschieden sich um 22h und ich eine halbe Stunde später.


16.10.2003 Donnerstag
06:15 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Abfahrt
09:20 Lipsi / O. Katsadiá Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:05 Strecke: 20,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Das Hahnengeschrei weckt mich um 5h auf. Habe ich gestern gar nicht gehört. Ich schlummere aber noch bis kurz vor 6. Dann stehe ich auf, mache einen Tee und esse ein Molto-Kipferl. Um 6:15h, lange vor Sonnenaufgang, lege ich ab. Der 3/4-Mond beleuchtet aber alles bestens solange ich kein Licht mache. Sogar der Computerbildschirm ist zu hell um anschließend was zu sehen. Ich steuere aus der Bucht hinaus und nehme Kurs auf Leros. Ab 7h wird es hell und um 7:25h geht die Sonne hinter den türkischen Bergen auf. Der Wind kommt ohne nennenswerte Geschwindigkeit aus Nord.
Ich motore entlang der E-Küste von Leros, genieße den Sonnenaufgang und das angenehme Schaukeln in den sanften Wellen, lese “Stupid White Men” und telefoniere lange mit Beate, die im Stau auf der Südautobahn steckt.
Kurz nach 9 erreiche ich die Südspitze von Lipsí. Ich sehe mir die weite Bucht Kouloura von der Ferne an – sieht nicht besonders aus und setze die Fahrt in W-Richtung am Kap Korakiá vorbei, an dem ich in die Bucht Katsadiá einbiege. Es gibt hier einige Seitenbuchten mit Sandboden, die alle recht einladend aussehen. Ich entscheide mich für eine kleine Einbuchtung in der Mitte, direkt innerhalb eines Inselchens, das die Bucht in zwei Hälften teilt. Nach dem Ankermanöver lege ich mich um 1/2 10 wieder hin und schlafe ca. eine Stunde. Dann gehe ich schwimmen – besser gesagt mich waschen, denn mir kommt das Meerwasser eiskalt vor. Ich messe nach und lese 22° ab, also gleich warm wie gestern. Die Umgebung ist lieblich, das Meer kristallklar und türkis, es ist fast windstill und geräuschlos bis auf zwei Arbeiter, die in der Ferne hin und wieder Steine zurecht klopfen. Ich lege mich ins Cockpit und lese weiter. Es wird ein absolut fauler Nachmittag und ich lese, döse, schlafe, schaue die Umgebung an. Um 16h ziehen langsam Wolken vom Westen her auf. Es wird kühler und es sieht nach Regen aus. Inzwischen habe ich Hunger bekommen und koche mir Spaghetti mit Barilla-Arrabiata-Sugo. Es schmeckt abscheulich. Gut, dass ich zuerst nur einen Löffel voll auf die Spaghetti gebe – war mir schon suspekt. Es wird daher Spaghetti mit Olivenöl und Basilikum, das geht. Die Fische bekommen das Sugo, das im Wasser so aussieht, als hätte es den Darm und die Klospülung schon passiert. Ein gebührender Anblick für dieses Geschmackserlebnis. Zum Drüberstreuen bekommen die Fische auch noch einige Spaghetti, die ich nicht mehr aufessen kann.
Ich lese weiter und lasse die Abenddämmerung in der absoluten Windstille und Ruhe auf mich wirken. Als es zu finster zum Lesen wird, gieße ich mir einen Gin Tonic ein und sehe zu, wie die Nacht hereinbricht. Was für ein Tag! Sowohl den Beginn wie das Ende voll bewusst miterleben zu können ist so selten der Fall. Meine Augen gewöhnen sich derart stark an das wenige Licht, dass ich im spiegelglattem Wasser Fische beobachten kann, die fosforisierendes Licht aussenden. Zuerst glaube ich an eine Spiegelung eines Sterns. Aber der Himmel ist nach wie vor bedeckt und sternenlos. Dann sehe ich, wie blau-lila Streifen in Fischbewegung so 50 cm lang durchs Wasser ziehen – also was kann das nur sein wenn nicht Fische mit eingebauter Laterne?
Nachdem ich die vorigen Zeilen geschrieben habe, gehe ich wieder hinaus in die inzwischen stockfinstere Nacht. Nach einiger Zeit gewöhnen sich die Augen wieder an die Finsternis und ich kann wieder zwischen Land, Himmel und Wasser unterscheiden. Die Wolken verziehen sich und die Sterne kommen hervor. Es ist zum Heulen schön und das einzige, was zu meinem Glück fehlt, ist, dass Beate diese Eindrücke nicht mit mir teilen kann.


17.10.2003 Freitag
10:34 Lipsi / O. Katsadiá Karte Abfahrt
11:17 Lipsi / O. Lipsi Karte Anlegen
12:10 Lipsi / O. Lipsi Karte Ablegen
14:05 Patmos / Hafen Skála Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:38 Strecke: 13,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


Heute weckt mich kein Hahn und ich wache erst um 9:45h nach 12 Stunden Schlaf auf. Der Morgenköpfler ins kühle Wasser weckt die Lebensgeister sofort auf. Ich frühstücke ein wenig und lege dann ab. 2 Seemeilen später mache ich längsseits an der leeren Hafenmole von Lipsí an. Es herrscht auch hier absolute Ruhe. Ich gehe hinauf, kaufe Tomaten und Bier und setze mich am Hauptsplatz in ein Kafénion auf Kaffee und Toast, beobachte die wenigen Leute und lese weiter.
Zurück auf dem Boot stelle ich fest, dass die Hafenbauarbeiten wieder im Gange sind und unnötig Lärm machen. Ich beschließe nach Patmos zu fahren – wenn schon Lärm, dann ordentlichen Mopedlärm! Um 12:10 lege ich bei fast null Wind ab. Der seit dem Morgen klare Himmel trübt sich wieder zu. Die Überfahrt verläuft problemlos und schnurgerade nach Skala.
Obwohl leichter Seitenwind herrscht, gelingt das Anlegemanöver bestens. Damit ich beide Heckleinen mitnehmen kann, wenn ich an Land springe, habe ich sie mit einem Seil miteinander verbunden. Die Ballonfender habe ich hinten angebunden, für den Fall, dass das Boot zu nahe am Pier getrieben wird. Nach einigen Justierungen liegt die Blodughadda perfekt. Ich verwende die Passarella gar nicht, sondern lege ein Zusatzseil, mit dem ich das Boot näher zum Ufer heranziehen und damit hinüberhupfen kann. Das hat auch den Vorteil, dass das Boot lockerer liegen kann und daher überhaupt nicht in den Seilen ruckelt. Ehrlich gesagt bin ich hierher gefahren, um mir selbst zu beweisen, dass ich auch hier alleine anlegen kann…
Dann lese ich noch die “Stupid White Men” zu Ende. Der Michael Moore ist ja wirklich ein Paradegrüner. Ich wundere mich, dass es solche in Amerika überhaupt gibt. Eine verschwindend kleine Minderheit dürfte ihr Gehirn dort doch von der Wäsche ferngehalten haben.
Um 17h begebe ich mich in den Ort. Ich flaniere herum und sehe mir den Hafenort ausführlich an, trinke einen Frappee und gehe Hühnersouvlaki essen ins Rastaurant mit dem meisten Verkehrslärm, wenn schon denn schon! Der Ort ist noch nicht ganz touristenfrei, aber fast. Auf dem Heimweg schaue ich noch ins “Arion” auf einen Gin Tonic vorbei. Das Lokal ist wirklich genauso nett wie immer, obwohl menschenleer – wahrscheinlich war ich zu früh dran.
Auf der Blodughadda zurückgekehrt fühle ich mich wieder “wie zu Hause” und schreibe diese Zeilen.


18.10.2003 Samstag
09:35 Patmos / Hafen Skála Karte Ablegen
10:00 segel setzen
12:00 Segel bergen
13:42 Léros / O. Pantéli Karte Anlegen
15:12 Léros / O. Pantéli Karte Ablegen
16:35 Kálymnos / Emboriós Karte An Boje
Zeit unterwegs: 05:30 Strecke: 29,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Der Mopedlärm hielt sich in Grenzen und ich kann bis 8:30h schlafen. Um 9:35h lege ich ab, es klappt wieder bestens ohne Hilfe. Es weht ein angenehmer Wind aus Nord mit 12-14 Knoten. Kurz nach der Hafenausfahrt setze ich Segel und nehme Kurs auf Leros. Es sind perfekte Segelbedingungen. Mit dem Autopiloten ist es wirklich kein Problem, alles selbst zu machen. Und die neue Travellerleinenwinsch macht das Verstellen des Travellers zum Kinderspiel – was für eine Erleichterung! Ich komme mit ca. 7 Knoten gut voran.
Südlich von Lipsí wird der Wind deutlich schwächer und die Geschwindigkeit ebenso. Ich lasse mich nicht von der langsamen Fahrt beirren, sondern lege die Angelköder aus, jawohl – DIE Angelköder. Denn ich verwende gleich zwei. Leider ist das Ergebnis gleich wie bei einem. Aber es ist recht lustig. Dann hört der Wind überhaupt auf und ich hole die Segel herunter.
Ich erreiche Pantéli auf Léros um 13:40h und lege mich längsseits an einem freien Platz zwischen einigen Eignerbooten. Das Ehepaar von der “Kleinen Brise” meint, die Fischer würden mich sicher verjagen, denn das hätten sie gestern auch getan. So weit lasse ich erst gar nicht kommen, denn um 15:10h lege ich wieder ab. Laute Mopeds gehen ja noch aber permanent bellende Köter und dauernd hin und herfahrende Fischerboote veranlassen mich, einen ruhigeren Platz zu suchen. Außerdem gibt es hier überhaupt keinen Blick aufs Meer, weil die Molenmauer zu hoch ist.
Den ruhigen Platz finde ich in Emporiós an der NW Seite von Kálymnos. Es ist wieder eine “neue” Bucht (dass es sowas hier noch gibt!). Zuerst schaue ich in die bis auf eine Hausruine und Telefonmasten unberührte Westeinbuchtung hinein. Landschaftlich ziemlich öde aber dagegen hätte ich nichts. Was mich zum Verlassen dieses Platzes bewirkt, sind die vielen Krähen. Sie scheinen hier überall zu sein und machen einen irren Krach – ein neues Lärmerlebnis in Griechenland.
Weiter östlich liegt die amerikanische Yacht “Brilliant” an einer Boje, die zur Taverna “Mbarba Nikolas” hoch am Ufer gehört. Es gibt noch eine freie Boje. Ich überlege, ob ich diese nehmen soll, denn ich habe keine Lust in die Taverna zu gehen. Der Ami versichert, dass die Bojen in Ordnung sind, also nehme ich sie und überprüfe noch mit Vollgas rückwärts, ob sie wirklich hält. Soll der Onkel Nikolas nur kommen, dann kaufe ich ihm gerne etwas ab.
Überhaupt gibt es hier viele Bojen, die verschiedene Tavernen ausgelegt haben. Offensichtlich ist die nördlichste Ortschaft von Kálymnos doch abseits der Hauptrouten und sie wollen damit Yachties anlocken. Kein schlechter Platz, soweit ich das mit dem Fernglas feststellen kann.

Ich wurde entführt! Nicht vom Onkel Nikolas, sondern vom aller Leute Freund Nikolas aus Poliónisos himself. Ich hörte ein Hupen am Strand und jemanden rufen “Hallo Thomas, bist es du?” Es war ich und es war Nikolas, der hier in der Taverne Freunde hat. Also rudere ich mit dem Schlauch hinüber und werde herzlichst empfangen vom Nikolas, Pavlos (dessen Vater Nikolas heißt und nach ihm die Taverne benannt ist) und Ulf, einem Schweden, der hier ein Haus hat und sich offensichtlich seither wichtig macht.
Es wird ein recht vergnüglicher Abend, sprich feuchtfröhlicher. Gut, dass ich anfangs Bier bestellt habe, denn es wird immer wieder eine Flasche auf den Tisch gestellt, den irgendjemand bezahlt hat. Die anderen sind schon längst bei Retsína und alsbald ziemlich hinüber. Kurz nach 22h habe ich dann genug, darf heiße 8 Euro zahlen (inklusive Lammkoteletts), erhalte noch 2 kleine Schwämme vom Nikolas (eins für Beate und eins für Eveline oder Maria, je nachdem, wen ich vorher treffe…ganz schön cool der Bursche) und rudere zum Boot zurück.


19.10.2003 Sonntag
10:10 Kálymnos / Emboriós Karte Abfahrt
13:34 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
17:05 Pserimos / O. Vathy Karte Ablegen
18:30 Kos / Marina Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 04:49 Strecke: 31,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Um 10:10 mache ich mich nach Psérimos auf. Es ist total diesig, absolut windstill und recht schwül mit 27°. Hoffentlich braut sich da nicht ein Unwetter zusammen. Der Wetterbericht um 13h bringt Sturmwarnung für Südadria und das Ionische Meer und verschont eigentlich nur diese Ecke vor Starkwind, Regen und Gewitter. Ich hoffe, es stimmt. Andererseits habe ich ja von Vathy nur mehr einen Hupfer bis zur Marina Kos.
Zum letzten (?) Mal habe ich jetzt vergebens versucht, herauszufinden, wieso der Steuerbordmotor zu viel Spannung an die Batterie liefert. Ich habe ein Mail mit der Bitte um Hilfe an die Werft geschrieben. Na werma sehn.
13:30h – bin in Vathy / Psérimos angekommen und ankere tief in der Bucht auf 2m. Gerade hier weht ein laues Lüfterl – in die Bucht hinein. Zumindest gibt es keine Fallböen.
Ich schreibe ein Mail an Beate. Dann koche ich mir ein köstliches Beacon Omelett. Das Wetter scheint schöner zu werden. Dann mache ich Bootsputz. Bis morgen muss ich 200 l Wasser verbraucht haben. Seit Patmos ist das Deck total dreckig, staubig, russig. Ich schätze, die Schuld dafür trägt das Elektrizitäswerk, das Tag und Nacht rennt und genau in Windrichtung die Dieselabgase hinausbläst.
Um 17h mache ich noch einer letzte Schnorchelrunde für dieses Jahr rund um die Blodughadda. Das Wetter hat sich wieder verschlechtert, der Himmel ist ganz trüb und der Wind steht in die Bucht hinein. Bei größeren Wellen und stockfinsterer Nacht möchte hier nicht den Anker hieven müssen, schon gar nicht allein. Also mache ich mich auf den Weg nach Kos. Der Wind kommt mit 11 Knoten direkt auf die Nase und es sieht sehr nach Regen aus.

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