Aktualisierung 21.08.2018 21:26:22 Anzahl Tage: 8
25.08.2010 Kos / Kamari
26.08.2010 Kos / Kamari – Gyali
27.08.2010 Gyali – Tílos / O. Èristos
28.08.2010 Tílos / O. Èristos – Chalki
29.08.2010 Chalki
30.08.2010 Chalki – Nisyros / Páli
31.08.2010 Nisyros / Páli – Kos / Marina
01.09.2010 Kos / Marina
Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 17:57 Strecke: 109,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
25.08.2010 Mittwoch
Kos / Kamari
Patrick landet mit einer halben Stunde Verspätung und bekommt als Letzter seine Reisetasche. Dann fahren wir nach Kardamena, der Urlauberstadt in der Nähe vom Flughafen. Sein Studienfreund Michael macht hier Urlaub mit seinen Eltern und diese Gelegenheit, ihn zu treffen, will Patrick ausnützen. Das Hotel „Carda“ W der Stadt finden wir gleich und wundern uns über die riesigen grünen Rasenflächen rund um die moderne Hotelanlage. Michael steigt ein und wir fahren zum Hafen. Da ist tatsächlich Platz für ca. 10 Yachten aber eine ruhiger Platz dürfte es nicht sein angesichts der vielen Lokale gleich über die Hafenpromenade.
Bei Sonnenuntergang sind wir wieder am Boot und bald gehen wir in die Taverna Faros essen. Um 23h bringt Patrick Beate zum Flughafen und Miachael zurück in sein Hotel.
26.08.2010 Donnerstag
16:05 Kos / Kefalos, Kamari Karte
17:54 Gyali / Strand Karte
Zeit unterwegs: 01:49 Strecke: 11,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten
Wir schlafen lange. Nach dem Frühstück und dem Schwimmen nützen wir den kostenlosen Wasserhahn am Kai. Die Tanks werden aufgefüllt und das Boot sehr ordentlich gewaschen – das erste Mal seit mehr als 5 Wochen. Während das Boot trocknet gehen wir auf eine Törnbesprechung, eine Pizza und ein Bier ins Faros. Patrick will die Inseln S von Kos besuchen, wofür unsere Ausgangslage ja ideal ist.
Um 16h legen wir ab und motorsegeln bis kurz vor Gyali. Da sieht Patrick, dass sich ein Rundfender ins Wasser verabschiedet. Der Knoten muss aufgegangen sein. Also umdrehen und mit dem Bootshaken auffischen. Bei dem Wellengang gar nicht so einfach aber trotzdem schnell erledigt.
Kurz vor 18h ankern wir vor dem Gyalistrand. Der Jacuzzi wird durchschwommen und gefilmt. In der Abendsonne glitzern die aufsteigenden Luftblasen sehr schön.
Patricks mitgebrachter Waboba-Ball wird ausprobiert, sprich hin und her geworfen. Er springt wie verrückt auf der Wasseroberfläche.
Dann wird der neue Außenborder betriebsfertig gemacht, also Öl und Benzin eingefüllt und aufs Schlauchi montiert. Mit abgenommenen Sitzbrett ist das Böötli gleich viel geräumiger und das Ein- und Aussteigen bequemer. Der Motor springt auch gleich an und wir lassen ihn gemäß Handbuch zuerst im Leerlauf 20 Minuten lang laufen bevor wir die erste Fahrt machen, diese aber auch nur langsam. Der Motor muss eingefahren werden und darf in den ersten zwei Stunden nicht über 3000 RPM gedreht werden. Aber auch mit wenig Gas geht es sehr gut dahin. Wir fahren ein paar Runden um die Blodughadda.
Dann gibt es Spaghetti mit Thunfischsugo im Vollmondschein. Schräg unterhalb des Mondes beobachten wir ein starkes weißes Licht, das dem Mond folgt. Im Fernglas sehen wir, dass dieses Licht noch weitere drei kleine Lichter schräg unter sich hat. Es sieht so aus, als ob sie mit einer Leine mit einander verbunden wären. Wir witzeln, dass es sich um einen Satelliten handelt, der eine Landleine mit drei Fendern ausgelegt hat. Aber was das wirklich war? Der Anblick des Vollmondes bei der jetzt sehr klaren Luft durch das Fernglas ist gewaltig! Die Mondlandschaft mit Kratern ist bildfüllend perfekt scharf zu sehen.
27.08.2010 Freitag
14:51 Gyali / Strand Karte
18:41 Tílos / O. Èristos Karte Ankern mit Landleine
Zeit unterwegs: 03:49 Strecke: 21,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten
Der Vormittag vergeht mt dem Installieren des philippi Batteriecontrollers. Kurz vor 15h fahren wir los. Bei sehr wenig Wind fahren wir 3 stunden lang in die Bucht Eristos an der Südküste von Tilos. Wie immer kommt hier Dünung herein. Ich schwimme mit der Landleine zu einem passenden Stein am Strand.
Dann tuckern wir mit dem Schlauchi fast 10 Minuten lang zum Strand in der Nähe der Straße. Kurz danach sitzen wir in „En Plo“. Seit dem letzen Besuch hat sich dieses Lokal wirklich herausgemausert und wir essen gut.
28.08.2010 Samstag
12:23 Tílos / O. Èristos Karte
15:23 Chalki / Hafen Karte Ankunft
15:52 Chalki / Hafen Karte Motoren aus
Zeit unterwegs: 03:29 Strecke: 20,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten
Ich will noch das Landstromladegerät von philippi montieren bevor wir los fahren. Zur Mittagszeit ist es so weit. Wir brechen um 12:23h. 3 Stunden später sind wir in Chalki. Unterwegs wundere ich mich darüber, dass der Kühlschrank nicht anspringt obwohl genügend Strom zur Verfügung wäre.
Am Schwimmsteg in Chalki wollen wir uns an der W-Seite in eine Lücke einparken, was dem Motoryachtskipper nebenan gar nicht gefällt, weil der Platz reserviert sei. Wir ziehen wieder ab und legen uns an die S-Seite neben der nostalgischen Motoryacht „Mamma Mia“. Dabei gerät die Ankerkette fast zu kurz. Aber nur fast. Im absoluten Anschlag geht sich die Passarella noch aus.
Es gibt noch Strom an der Versorgungssäule, die jemand nicht voll aufgebraucht hat und Kühlschrank und Ladegerät dürfen arbeiten. Wir schwimmen, gehen auf ein Bier ins Costas und am Abend zum Essen ins Menori – gut. Vorher beobachten wir noch, wie Leute Schlange stehen am Fähranleger. Aber nicht auf eine Fähre wartend. Ich spreche einen jungen Hafenpolizisten an, der gerne Snowboard fährt und jedes Jahr in den Alpen ist. Er erzählt, dass heute und morgen das Inselfest stattfindet und oben im Kloster heute gefeiert wird. Dorthin wollen die Leute mit dem Shuttlebus. Wir nicht.
Nach dem Digestif in Costas spielen wir eine Runde Kasino oder zwei bevor wir uns ins Bett legen.
29.08.2010 Sonntag
Chalki
Am schrecklichsten Tag seit vielen Jahren weckt mich der philippi-Batteriecontroller um 7:30h mit einem Pfeifton und der Meldung „Batterie 3 ist leer“. Das Guthaben für den Landstrom ist aufgebraucht und die alte Starterbatterie bringt es nur mehr auf 10.7V trotz Aufladung die ganze Nacht. Also ist diese jetzt kaputt. Ich überlege, wie das Problem zu lösen sein könnte. Diese Überlegung und die entsprechenden Tätigkeiten dauern von 8 bis 18 Uhr. Das Ergebnis ist absolut niederschmetternd: Batterie kaputt, Trenndiode kaputt, Kühlschrankkontroller kaputt, philippi-Strommessgerät kaputt. Nach sicherlich 2 Wochen Arbeit an der Elektrik und ca. 2000 Euro Investitionskosten in diese will sie noch immer nicht funktionieren. Ich kann einfach nicht mehr und schreie, weine und fluche aus Wut und Verzweiflung.
Patrick schaut sich den Kühlschrankkontroller an und hat eine Idee, wie man diesen reparieren könnte. Es gelingt ihm dann auch in 2 Stunden und mit meiner Hilfe, den halb abgebrannten Minuspol des Controllers so weit zu reparieren, dass der Kühlschrank wieder läuft. Aber wie lange noch?
Dabei feiern die Griechen diesen Tag ganz besonders und das Wetter ist wunderschön. Die Kirchenprozession sehen wir nur aus der Ferne, die wild bimmelnden Kirchenglocken hören wir aus unmittelbarer Nähe und am Abend gibt es Volkstanzvorführung und live Musik.
30.08.2010 Montag
17:35 Ankunft
17:41 Nisyros / Páli Karte
Zeit unterwegs: 05:06 Strecke: 33,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten
Bis um 6h in der Früh spielt die Musik. Trotzdem gut geschlafen. Herr Vogt von philippi beantwortet mein Mail schnell und kompetent mit Anleitung, wie man den Shunt überprüfen und neu starten kann. Leider bringt das nichts. Er wird eine neue Elektronik an Pavlos senden. Soll schon morgen auf die Post kommen. Da denke ich mir, dass es ein Vergnügen ist, Kunde von so einer Firma zu sein, wie ich überhaupt auch gerne Kunde eines kompetenten Elektrikers wäre. Aber Kunde eines mir unbekannten griechischen Elektrikers will ich nicht werden. Da habe ich zu wenig Vertrauen in die Professionalität und pfuschen kann ich selbst auch.
Das machen Patrick und ich den ganzen Vormittag und testen dann das Ergebnis. Es funktioniert. Zwar nicht perfekt, aber doch ausreichend um endlich abzufahren. Das tun wir um 12:35. Es geht über fast windstilles Wasser und während der Fahrt beobachten wir, was der Ladestrom der Lichtmaschinen macht: Die bb-LiMa mit dem neu eingebauten Hochleistungsladeregler Sterling Pro Digital liefert zu viel Ausgleichsladespannung (float charge), 14,6 statt 14,1 Volt bei 30°C Batterietemperatur. Dabei habe ich extra einen neuen gekauft und damit den alten Sterling Advanced 4 Step Alternator Regulator ersetzt, weil der neue die Temperatur der Batterie bei der Regulierung der Ladespannung mit berücksichtigen soll. Tut er aber offensichtlich nicht. Das ist schlecht, weil die neue teuere Batterie dadurch zu gasen anfängt und die Lebensdauer verkürzt wird. Außerdem ist die Batterie eh schon knallvoll vom Landstrom der letzen Nacht. Ich drehe den Regler ab, was jetzt komfortabel über die ebenfalls installierte Fernanzeige auf Knopfdruck geht. Der Standardregler liefert jetzt 13,8V, also um 0,15V zu viel für die Erhaltungsladung bei der Batterietemperatur. Aber immerhin besser als der neue Pro Digital.
Die stbd-LiMa ohne externen Regler liefert ebenfalls zu viel Spannung an die Starterbatterie, konstant 14,25V wenn der Kühlschrank läuft, was glücklicherweise der Fall ist. Mit abgeschaltetem stbd-Motor würde alles sehr gut passen. Aber dann kommen wir nur mit knapp 5 statt knapp 7 kn voran. Die Strecke von 33 sm bis Nisyros würde dadurch immerhin fast 2 Stunden länger dauern. Und nur einen Motor voll belasten, wird diesem auch nicht gut tun.
Wir erreichen Pali um 17:35 nach einer sehr ruhigen Fahrt über glattes oder fast glattes Wasser. Platz ist genug vorhanden obwohl schon viele Segelboote da sind. Ich erzähle Patrick von der von Beate beobachteten Längsseits-Anlegemanöver eines sehr großen Katamarans in Kamari und er will das gleich ausprobieren. Es klappt auch perfekt:
1. Direkt auf den Poller mit dem anlegeseitigen Bug in einem Winkel von 90° oder weniger zufahren (sonst kommt der andere Bug zuerst am Kai an)
2. Ich hupfe auf den Kai und wickle die Leine um den Poller in einer Länge, die dem Hupfabstand entspricht.
3. Patrick schaltet die Motoren in den Rückwärtsgang (eigentlich schon während 2.) und wartet.
4. Das Boot zieht an der Leine und dreht sich ganz langsam zum Kai hin so dass ich in aller Gemütlichkeit die Heckleine entgegen nehmen und befestigen kann.
Wir sind von diesem Manöver begeistert und diskutieren dessen Anwendbarkeit bei längsseits anlegen, Ergebnis: Nur bei auflandigem Wind ist es besser, das Boot seitlich zu stellen und es dann zum Kai hin treiben zu lassen.
Wir gehen gleich zum Lavasandstrand auf der anderen Seite der Mole und waten ins Wasser. Es ist so warm, dass man gar es fast nicht spürt. Wir machen es wie die Griechen: Stellen uns so hin, dass nur die Köpfe heraus ragen und reden. Es fehlen nur Sonnenbrille und Hut. Erst als wir wieder heraus kommen und der ganz laue Wind den nassen Körper trifft, gibt es ein wenig Abkühlung. Das Wasserthermometer zeigt knappe 29°. Zum Glück ist das Duschwasser aus dem Bootstank kühler und davon haben wir genug.
Dieser Ort hat alles nur keine Cash Machine, sagt der Wirt in Taverna Afrodite in perfektem Englisch. Wir dürfen ein Bier auf Pump trinken und versprechen in einer Stunde wieder zurück zu sein. Patrick hat noch Geld. Ich nichts mehr, weil der Bankomat auf Chalki meine Karten nicht akzeptierte. Wir trinken ein gutes „Fischer“-Bier aus einer grünen Flasche in Retrodesign. Schmeckt gut und ist angeblich von der griechischen FIX-Brauerei. Können wir nicht bestätigen, die griechische Schrift auf dem Minietikett rund um den Hals ist auch für Patricks Augen zu klein.
Jetzt folgt eine Tätigkeit, die ich noch nie so lange habe warten lassen: Großsegel anschlagen. Nach etwas mehr als einer Stunde ist der Lazybag wieder gefüllt und wir gehen zurück zur Afrodite in der letzten Abenddämmerung. Das Großsegel habe ich nicht vermisst. Ich hätte es höchstens 2 oder 3 Mal einsetzen können. Patrick, Matthias und deren Freunde werden es sicherlich öfter und mit mehr Experimentierfreude einsetzen. Diese ist mir schon lange vergangen, was die Segeleigenschaften dieses Bootes betrifft.
Ich rufe Beate an und frage, wie es ihr nach der Knieoperation heute Nachmittag geht. Sie ist gerade von der Narkose aufgewacht, hat Schmerzen im Knie und erzählt, dass der Arzt von einer sehr notwendigen Operation gesprochen hat. Die Knorpeln waren in sehr schlechtem Zustand. Aber sie wird diesmal keine Krücken verwenden müssen.
Das Essen in Afrodite ist ok obwohl der Saganaki etwas zäh, die gebratenen Zucchini frittiert, das „today’s special roasted pork on barbeque“ eigentlich ein Gyros und das Pastizio sehr dunkel sind. Es schmeckt aber alles gut und Patrick ladet ein. Auch auf den anschließenden Verdauungsouzo beim Captain’s.
In meinem Datenbank-Blogbuch ist es heute der 600. Tag seit Mai 2002. Also ein kleiner Rekord.
31.08.2010 Dienstag
14:58 Kos / Marina Karte Ankunft
15:30 Kos / Marina Karte Anlegen Mole a.d. Nordseite
Zeit unterwegs: 03:44 Strecke: 22,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten
Die nette Hafenpolizistin kommt vorbei, will, die Papiere des Bootes sehen und sagt, dass wir um spätestens 12h da ablegen müssen, weil ein Ausflugsboot kommt. Nach dem Frühstück gehe ich zu ihr hin und bezahle die 8,85 € Hafengebühr.
Wir checken die Motoren und räumen etwas auf bevor wir um 11:46h ablegen. Obwohl fast kein Wind, will Patrick das Ablegemanöver „Eindampfen in die Achterspring“ ausprobieren. Sie klapp ganz perfekt. Auf er Fahrt Richtung Kos sehen wir an einem Fleck das Wasser so richtig kochen und größere Fische in die Höhe hupfen. Da ist irgend eine Schlacht im Gange, vielleicht zwischen Thunfische und Schwertfische. Aber als wir ganz Nahe kommen, verabschieden sie sich in die Tiefe. Delfine waren es jedenfalls nicht.
Der geplante Besuch der Therme auf Kos wird abgeblasen – vom Südwind, der ein ein Mal hier ganz ordentlich direkt auf Land weht. Der nächste Stopp ist daher die Tankstelle bei Marina Kos und die nächste ein Ankerplatz vor der Marinaeinfahrt. Ich will noch die letzte Schwimmmöglichkeit wahrnehmen. Gestern konnte der Marinero Stavros nur einen Liegeplatz längsseits in der Marina zusichern. Darauf bin ich aber nicht scharf, weil sie 80% mehr kostet. Der jetzt per VHF angerufene Marinero Pandelis organisiert aber einen guten Platz auf Pier B. Der Abstand zu Pier A ist denkbar knapp aber Patrick dreht das Boot ganz perfekt auf der Stelle vor der Lücke und wäre auch perfekt in die Lücke reversiert, hätte nicht Pandelis mit seinem Schlauchboot „mitgeholfen“ und dem Boot mit seinem Pilotboat einen unnötigen Schubser gegeben. So kommen wir leicht schief und zu schnell hinein. Aber die Gummileiste auf bb-Heck hält den leichten Titscher an der Pier locker aus.
Ich fange an, meine Sachen zu packen. Patrick fühlt sich sonderbar, weil ich packe und er an Bord bleibt und nicht umgekehrt.
Wir besuchen die Marina Rezeption, die Hafenpolizei, ich kann wieder Geld holen.