Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2006-07-12 Patmos – Samos

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 11:36:05 Anzahl Tage: 8
12.07.2006 Patmos / Hafen Skála – Patmos / O. Grikós
13.07.2006 Patmos / O. Grikós – Foúrnoi / O. Kasídis
14.07.2006 Foúrnoi / O. Kasídis – Foúrnoi / O. Elidáki
15.07.2006 Foúrnoi / O. Elidáki
16.07.2006 Foúrnoi / O. Elidáki
17.07.2006 Foúrnoi / O. Elidáki – Ikaría / Fáros
18.07.2006 Ikaría / Fáros – Sámos / O. Limniónas – Sámos / O. Kyriakoú
19.07.2006 Sámos / O. Kyriakoú – Sámos / Marina Pythagoríu

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 14:49 Strecke: 78,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


12.07.2006 Mittwoch
19:20 Patmos / Hafen Skála Karte Ablegen
20:00 Patmos / O. Grikós Karte
Zeit unterwegs: 00:40 Strecke: 3,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,6 Knoten


Wir haben Claudia und Denis um 15:40h beim Tragflügelboot verabschiedet. Es folgt ein Putznachmittag – Beate drinnen (ihr geht es wieder gut), ich draußen. Ich verbrauche den gesamten Wasservorrat auf, um das Boot von der Salz- und Dreckkruste zu befreien. Eine Gardena-Handbürste an einem Schlauch an die Heckdusche montiert funktioniert perfekt. Das abgespülte Salz verursacht milchige Schlieren im Hafenwasser.
Kurz nach 18h kommt der Wasserwagen wie vereinbart. Allerdings ist es nicht derjenige Wasserboy mit dem wir uns verabredet haben und er erkärt, dass er „in Vertretung“ käme, weil der andere so beschäftigt sei und fragt, ob das ein Problem wäre. (Warum sollte es ein Problem für mich sein? So weit ich verstanden habe, beziehen alle Wassertankwägen das Wasser aus derselben Quelle.) Als ich dann die 7 Euro zahle ist auch schon „mein“ Wasserboy zur Stelle und erklärt, die Vertretung sei sein Bruder und daher alles in Ordnung. Es dürfte eine ziemliche Konkurrenz im Wassergeschäft herrschen – wie bei den Kokosnuss- und Bananenverkäufern auf Surfbrettern in der Karibik.
Nachdem wir auch noch Brot beim Bäcker, der um 18:30 endlich wieder aufgesperrt hat, ergattert haben, legen wir um 19:20 ab. Wir wollen eigentlich nur auf die andere Seite der Hafenbucht, um etwas schwimmen zu können. Obwohl dort 2 Segelyachten liegen, befinde ich die Stelle für weniger gut geeignet, weil ich nicht auf 16m Tiefe ankern möchte. Wir fahren daher weiter und beschließen die Grikos-Bucht im SE anzulaufen. Zunächst fahre ich langsam, um dem Kühlschrank Gelegenheit zu geben, sich abzukühlen. Dann stelle ich fest, dass er gar nicht läuft. Und dann stelle ich fest, dass die Steuerung wieder einen Kontaktfehler am bereits reparierten Minus-Pol der Stromversorgung hat.
Um 20h werfen wir Anker im SW-Teil der Grikos-Bucht. Auch beim zweiten Versuch hält der Anker nicht besonders gut. Aber bei fast absoluter Windstille mache ich mir keine Sorgen.


13.07.2006 Donnerstag
12:52 Patmos / O. Grikós Karte Abfahrt
16:29 Foúrnoi / O. Kasídis Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:37 Strecke: 20,1 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten


Nach absolut windstiller Nacht bringt der Sonnenaufgang etwas Wind. Ich sehe mir nochmals die Kühlschranksteuerung an und stelle fest, dass eine weitere Reparatur kaum möglich sein wird. Nach an einem E-Mail an CLD-Marine mit der Bitte um Rat bzw. Kostenvoranschlag für ein Austauschgerät legen wir um 12:52 ab mit Ziel Fourni-Inseln, 18 sm im N ab. Die ersten 11 sm kommen wir bei leichtem Gegenwind und -welle schnell voran. Dann nimmt der Gegenwind auf über 20 Knoten zu und wir müssen langsamer fahren. Um 16:18 biegen wir in die mittlere der drei Südbuchten – O. Kasídis ein. Wir finden einen wunderbaren Ankerplatz in einer absolut menschenleeren Bucht vor und werfen den Anker in gut haltendem Sand auf 5 m.
Nach einem Schläfchen sehe ich mir den Ankergrund schnorchelnderweise an und stelle fest, dass sich der Anker keinen Millimeter gerührt hat trotz einiger Fallböen. Die 25m Ankerkette ersparen auch einen direkten Zug auf den Anker. Diese Inspektion verschafft auch entsprechende Ruhe als um 19h die Fallböen mit bis zu 27 kn herunter donnern. Wir müssen das Abendessen in den Salon verlegen – draußen würden uns die Keftédes mit Nudelreis, Fasolákia und Krautsalat wahrscheinlich weggeblasen werden.


14.07.2006 Freitag
13:47 Foúrnoi / O. Kasídis Karte Abfahrt
15:01 Foúrnoi / O. Elidáki Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:13 Strecke: 4,1 Seemeilen Ø Fahrt: 3,3 Knoten


Trotz heftiger Fallböen die ganze Nacht hindurch gut geschlafen. Der Morgenschnorchler bestätigt den guten Schlaf: Der Anker hat sich zwar etwas mehr eingegraben aber sich sonst nicht vom Fleck bewegt.
Ich versuche noch per Mail und Telefon CLD-Marine zu erreichen, um Information über den kaputten Kühlschrankkontroller zu bekommen. Während ich den neuen Cockpitteppich verlege, fällt mir ein, dass Frankreich möglicherweise Nationalfeiertag hat. Beate bestätigt das. Und da ist es klar, warum ich heute keine Antwort bekomme.
Um 13:42 legen wir bei heftigen Fallböen ab. Wir tuckern entlang der SW-Küste gegen 7 Beaufort Nordwind auf der Suche nach einem neuen Ankerplatz. Ormos Kampí ist als sichere Ankerbucht beschrieben. Allerdings gehen auch hier starke Fallböen nieder und es ist zu tief zum Ankern. Wir fahren daher wieder zurück und biegen in die Doppelbucht Elidáki/Mármara S davon ein. In der nördlicheren, Elidáki, werfen wir den Anker auf feinem Sand in 4m Tiefe. Hier gibt es zwar auch Fallböen aus wechselnden Richtungen aber wesentlich schwächer, dazwischen sogar Windstille.
Nach der griechischen Jause bringe ich die Landleine zu einem Stein am Strand aus. Die Windböen kommen aus allen Richtungen und ich möchte sicher sein, dass der Anker in dieselbe Richtung gehalten wird. Es kommt eine ziemliche Dünung auf, die aber hauptsächlich Lärm am Strand verursacht.
Wir lesen über die uns noch unbekannten Ziele Chios und Lesvos und überlegen, wie wir die kommende Zeit gestalten wollen.


15.07.2006 Samstag
Foúrnoi / O. Elidáki
Der Wind zeigt keine Anzeichen, schwächer zu werden (wahrscheinlich, weil es in Österreich so heiß ist). Also beschließen wir, in der gut geschützten Bucht zu bleiben. Und ich beschließe, einen neuerlichen Reparaturversuch am Inverter/Kühlschranksteuerung zu versuchen. Das Problem ist der schlechte Kontakt zwischen der Unterlegscheibe und dem teilweise weggebrannten Metall auf der Platine. Ich überlege, ob ich das irgendwie löten könnte, muss aber eingestehen, dass meine diesbezüglichen Fertigkeiten nicht ausreichen würden. Statt dessen zertrümmere ich eine Bleistiftmine und mische das Pulver mit Vaseline zu einer hoffentlich gut leitenden Paste. Damit schmiere ich die Unterseite der Scheibe gut ein und ziehe die Befestigungsmutter ordentlich an. Dann wische ich die überschüssige Graphitvaseline gut weg, damit keine Stromfehlleitungen entstehen können. Die Widerstandsmessung zwischen Minuskabelschuh und Matallkontakt auf Platine zeigt 0,1 Ohm, also praktisch Null Widerstand. Entsprechend funktioniert das Gerät auch so wie es soll. Sogar besser, weil die Zuleitungskabeln jetzt weniger warm werden. In 3 1/4 Stunden hat der Kühlschrank um 10° weniger Temperatur.
Inzwischen versuche ich die seit Symi verdreckte Wasserlinie zu säubern, schaffe aber nur eine Seite. Es ist sehr anstrengend, den festgefressenen Russ und die Teerflecken mit Cif schwimmenderweise wegzuwischen. Vom Schlauchboot aus noch mehr, weil man keinen Anpressdruck auf den Scheuerschwamm bringt – das Schlauchboot wird weggedrückt. Also lasse ich die übrigen 3 Seiten für ein anderes Mal.
Um 18h setze ich mit dem Schlauch zum Strand hinüber und begebe mich zu Fuß in Richtung Hauptort Limáni Foúrnoi, 2 Buchten weiter. Über abenteuerliche Ziegenpfade, die teilweise klettern erfordern, teilweise rätselhafte Verzweigungen aufweisen aber auf jeden Fall von hoher, stacheliger Macchia gesäumt werden, gelange ich zur ersten Bucht, Kampí. Diesen überquere ich auf dem Sandstrand und beginne den Aufstieg zum Kamm mit zwei Windmühlenruinen. Ich zähle 222 Stufen unterschiedlicher Höhe, Breite und Tiefe bis ich zu einem Fahrweg gelange, der nochmals ca. hundert Meter bergauf führt. Und da beginnt ein unglaublich bequemer Fußweg, der zum Hauptort führt: 5 m breit, betoniert und mit schönen Natursteinen gepflastert. Ich gehe noch bis zu einer Krümmung, von wo aus man einen guten Überblick über den Hafen und den Ort hat und beschließe, nicht weiter zu gehen. Bis hierher hat es mehr als eine Stunde gedauert und ich möchte auf jeden Fall vor der Dämmerung wieder zurück sein. Ich mache noch einige Videoaufnahmen und stelle fest, dass keine einzige Yacht im Hafen liegt. Sie hätte auch gar keinen Platz, weil der Hafen gerammelt voll mit Fischerbooten ist. Nur an der Außenmole wäre Platz, aber die dort herrschende Dünung ist nicht zu verachten. Diesen Ort kann man getrost als möglichen Anlaufhafen streichen.
Auf dem Rückweg genehmige ich mir ein Bierchen in einer sehr hübschen Fischtaverna mit herrlichem Blick über die Bucht. Wahrscheinlich könnte man hier günstig essen, wenn man vom Bierpreis schließt: 1,50 Euro das Krügerl!
Der Pfad zurück ist leichter zu finden und ich kann noch die gesäuberte Seite der Blodughadda in den letzten Sonnenstrahlen filmen.
Am Abend sehe ich mir zum ersten Mal über Internet die Wetterlage an: http://poseidon.hcmr.gr/weather_forecast.html. Über GPRS geht das erstaunlich schnell. Für morgen 15h zeigt die Graphik schlappe 3-4 Beaufort für unser Gebiet an – hoffentlich stimmt das.


16.07.2006 Sonntag
Foúrnoi / O. Elidáki
Von weniger Wind kann vorläufig keine Rede sein. Am Ankerplatz kommen die Fallböen die ganze Nacht hindurch aus allen Richtungen und bei Sonnenaufgang ist bereits (oder noch immer) das Wasser außerhalb der Bucht mit weißen Kämmen übersät.
Aus unserer geplanten Fahrt nach Ikaría wird daher nichts. Ich versuche zu eruieren, warum der bb-Motor meistens erst nach dem 4.bis 6. Druck auf den Startknopf anspringt und warum die Windrichtungsanzeige immer falsch anzeigt. Beides erfolglos. Dafür mache ich erfolgreich ein Service an der Ankerwinde. Beate liest und wünscht sich schon sehr einen Tavernabesuch. Ansonsten bleibt als Abwechslung nur die Beobachteung, welche Nackerten heute den Strand bevölkern.


17.07.2006 Montag
10:14 Foúrnoi / O. Elidáki Karte
12:56 Ikaría / Fáros Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:42 Strecke: 13,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten


Die ganze Nacht hindurch sind die Fallböen aus verschiedenen Richtungen gekommen. Um 8:30h sind wieder viele weiße Wellenkämme vor der Bucht zu sehen. Um 10:14h fahren wir los und stellen fest, dass die Wettervorhersagen, sei es über VHF oder über Internet-Poseidon keine Ahnung haben. Statt 5 Beaufort bzw. 3-4 sind es 7-8, nämlich ca. 30 Knoten Grundwind und bis zu 38 in den Böen. Südlich der Insel Thymaina (westlichste der Foúrni-Inseln) entstehen sogar kleine Wirbelwinde. In der Straße zwischen Ikaría und Foúrni ist es weniger schlimm: 20-25 Kn aber die Wellen sind etwas höher.
Etwa 3 sm vor Ikaría, als ich gerade überlege, ob wir überhaupt im Haupthafen Kyrikos oder im 3 sm NE davon gelegenen Thérma anlegen können, meldet der bb-Motor per Summer und Lichtanzeige an der Instrumententafel Überhitzung an. Ich schalte den Motor sofort ab. Er ist tatsächlich brandheiß. Ein neuerlicher Startversuch zeigt: Kein Wasser aus dem Auspuff, obwohl wir das wie bei jedem Motorstart kontrolliert hatten. Jetzt ist nicht mehr daran zu denken, in einen unbekannten, als unsicher beschriebenen Hafen mit nur einem Motor zu fahren. Wir nehmen daher Kurs auf die 5 sm entfernte N-Spitze von Ikaría. Die gleich S davon befindliche Ortschaft Fáros wird als guter Ankerplatz auch bei Meltémi in Greek Sea Guide beschrieben. Der Autopilot kann den Kurs mit einem Motor nicht halten, Beate schon. Während dessen baue ich die Wasserpumpe aus.
Um 12:56 lassen wir den Anker auf Sandgrund fallen. Der Platz scheint tatsächlich sicher zu sein. Beate schwimmt zum Strand, um die Ortschaft zu erkunden und ich repariere weiter. Als sie zurück kommt und ein ziemlich heruntergekommenes Kaff meldet, funktioniert der Motor mit der Ersatzpumpe schon wie er soll und ich bin dabei, die ausgebaute Wasserpumpe wieder betriebsfähig zu machen. Dabei stelle ich erstaunt fest: Die Lamellen und der ganze Gummikörper der kaputten Wasserpumpe sind vollkommen frei von Verschleißerscheinungen! Der Fehler ist nur, dass der Metallkern des Impellers, der mit einer Nut auf die Antriebsachse der Wasserpumpe gesteckt wird, keine Verbindung mit dem Gummimantel mit den Lamellen mehr hat und dieser daher nicht mehr mit dreht. Bei genauer Inspektion stelle ich fest, dass diese zwei Teile offenbar nur an drei Punkten mit einander verklebt waren. Was für eine schwachsinnige Sollbruchstelle! Das letzte Wasserpumpenversagen am 12.7.2003 mit Patrick und Georg war exakt gleich. Was soll man da über die Konstrukteure denken? Ich säubere beide Teile sehr sorgfältig und verklebe sie mit einem 2-Komponenten-Epoxikleber vollflächig wieder zusammen. So habe ich wieder eine Reserve, die wahrscheinlich sogar besser hält als der original JOHNSON 827 Impeller.
Beim Beschnorcheln des Ankers stelle ich erfreut fest, dass das Wasser hier wärmer ist. Das Thermometer bestätigt: 22 statt bisher knappe 20°. Muss mit den Meeresströmungen zusammenhängen.
Um 19:20h fahren wir mit dem Schlauch zum kleinen Anleger. Der Minimarkt entpuppt sich als gut sortierte und sehr saubere und freundliche Gemischtwarenhandlung, deren Besitzerin sich riesig freut, dass wir keinen Kassenbon benötigen.. Auch die Taverna mit herrlicher Aussicht auf Foúrni und Sámos ist ein überraschen positives Erlebnis. Ein altes Ehepaar aus Kalifornien mit griechischen Wurzeln organisiert für morgen 10h ein Leihauto. O Wunder, wenn das auch klappen sollte!


18.07.2006 Dienstag
14:16 Ikaría / Fáros Karte Abfahrt
16:23 Sámos SW-Spitze Segel bergen
16:05 Sámos / O. Limniónas Karte Ankerversuch
17:18 Sámos / O. Limniónas Karte weiter
19:27 Sámos / O. Kyriakoú Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:11 Strecke: 30,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Auch wenn dieser Strand bei Meltémi als Ankerplatz dienen kann – gut schlafen tut man hier nicht. Er ist zu offen. Die umlaufenden Wellen, wenn auch nicht groß, schaukeln das Boot von allen Seiten. Weil in Windrichtung kein hoher Berg vorhanden ist, kommen keine harten Fallböen daher. Aber der Meltémi wird auch nicht gebremst und orgelt lautstark die ganze Nacht hindurch. Na gut, dafür dass der Wind schon die 5. Nacht hindurch voll geblasen hat, kann dieser Ankerplatz ja auch nichts. Ich kenne nur einen einzigen Platz – der öffentliche Kai in Lakkí / Léros – der auch bei starkem Nordwind ruhig ist.

Das Wunder ist ausgeblieben. Die neue Dame im Minimarkt ist zwar informiert, dass zwischen 10 und 11h ein Leihauto kommen sollte, aber als um 11:45 noch keines da ist, ruft sie bei einem Autoverleiher an, den sie als der bestellte vermutet. Er weiß aber von gar nichts, ist furchtbar zerknirscht und wäre sofort bereit, ein Auto zu bringen. Weil es aber schon so spät ist, vereinbare ich, dass ich ihn auf der Rückreise 2 Tage vor Ankunft in Ikaría anrufe und er dann das Auto organisieren wird. Er heißt Nikos und seine Mobilnummer ist 693 83 40 382.
Wir gehen zurück zum Strand und genießen die herrliche Aussicht bei einem Frappee und Toast in der sehr netten Café-Bar Almyra. Beate schwimmt danach zurück zum Boot und nach einigen Vorbereitungen auf den starken Wind heben wir um 14:16h den Anker. Das Großsegel mit dem vorbereiteten 3. Reff ziehen wir sogleich auf und nehmen Kurs auf Samos. Wie erwartet kommen Wind und Wellen sehr beachtlich von der bb-Seite. Mit dem stark gerefftem Großsegel motorsegeln wir bei nur 2000 RPM mit bis zu 9,1 kn. Die höchste Windgeschwindigkeit ist wieder 38 Knoten. Während der Überfahrt wird das Boot zwei Mal so richtig von einer Welle überspült. Weil wir im Salon und nicht im Cockpit sitzen, was zu kühl wäre, bleiben wir dabei trocken.
An der SW-Spitze von Sámos wird es Zeit, das Großsegel zu bergen, weil die angepeilte Ankerbucht O. Limniónas gleich dahinter liegt. Wir warten bis wir im Wellenschatten sind, bevor ich auf das Vordeck gehe. Ich entferne die Reffleine von der Winsch am Mast und übersehe, dass sie vom Deck beim Trampolinnetz ins Wasser rutscht. Kurz darauf verabschiedet sich der bb-Motor und gibt mit schrillem Summerton bekannt, dass er nicht mehr läuft. Er lässt sich zwar wieder starten aber nur im Leerlauf. Es dauert nicht lange bis ich erkenne, was passiert ist. Ein Blick mit der Tauchermaske bestätigt, dass sich die Reffleine um den Propeller gewickelt hat. Wir fahren mit dem stbd-Motor näher zum Strand und warten auf einen Augenblick, in dem die Fallböen weniger rasant daher kommen. Dann hupfe ich ins Wasser und kann in einem einzigen Atemzug die Leine wieder frei machen. Der Motor funktioniert wieder und es ist kein Schaden entstanden, außer wahrscheinlich an der Saildrive-Dichtung. Es ist also auch heuer damit zu rechnen, dass Wasser ins Getriebeöl gekommen ist, aber das ist die Blodughadda ja schon gewohnt.
Wir fahren also in die Bucht Limniónas, die Radspieler in seinem Führer als verschont von Fallböen beschreibt. Zunächst sieht es auch so aus und wir werfen den Anker auf 10m Tiefe. Dann kommen aber ziemlich starke Fallböen aus unterschiedlichen Richtungen daher. Wir beratschlagen, was wir tun können. Beate bietet sich an, mit der Landleine zu einem großen Stein zu schwimmen. Als sie etwa 30 m geschafft hat, kommen die Fallböen mit unglaublicher Wucht aus verschiedenen Richtungen und treibt das Boot unkontrolliert hin und her. Ich traue mich nicht, die Propeller in Gang zu setzen, um nicht ein zweites Mal eine Leine zu fangen. Sie hat keine Chance weiter zu kommen, weil sich das Boot über die Leine schiebt. Wir brechen die Aktion ab und holen den Anker wieder hoch. Die Windböen erzeugen sogar fliegendes Wasser mit Regenbogen und da ist es klar, dass wir hier nicht bleiben können.
Einzig möglicher Ausweichplatz gemäß unseren Büchern ist der Hafen Pytagórion bzw. die unvollendete Marina knapp östlich davon. Es sind über 18 sm dorthin. Um 17:18h fahren wir wieder aus der Bucht heraus. Da herrscht plötzlich absolute Windstille aber vielleicht 100 m weiter nördlich kocht das Wasser förmlich. Kurz darauf sind wir auch schon mitten drin. Zum Glück kommt die Suppe von schräg achtern und treibt uns mit toller Geschwindigkeit quer über die 7 sm breite Bucht Marathókampou.
Am absoluten S-Teil von Sámos sehen wir uns die flache Bucht Tsópela an. Weil nirgends beschrieben und auch mit Fallböen aus verschiedenen Richtungen ausgestattet, verwerfen wir sie als Nachtankerplatz. Aber etwa 2 sm weiter östlich, als um 19h gerade Sturmwarnung über VHF für das Gebiet an der Nordostpitze von Ikaría gegeben wird, finden wir noch eine nirgends beschriebene kleine Bucht, Kyriakoú. Der Wind ist hier kaum mehr vorhanden, also um die 10 knoten, und in der Mitte der Bucht schwimmt ein großer grauer Plastikkanister, eine Boje? Tatsächlich hat das Ding eine Leine mit einem gespleißten Auge, das wir sogleich an unsere stbd-Bugklampe hängen. Ich schnorchle zum Bojenstein und stelle fest, dass es gar keinen gibt, sondern nur einen Anker unbestimmter Bauart und Größe, was mir gar nicht gefällt. Was mir aber sehr gut gefällt, ist der Sandgrund. Also lassen wir den Kanister wieder los und ziehen 50 m weiter östlich einen Anker bekannter Bauart und Größe in den 5 m tiefer liegenden feinen Sandgrund ein.
Dann richtet Beate einen guten griechischen Salat her. Wir besprechen die Ereignisse des Tages und freuen uns über den schönen Ankerplatz. Immer noch gibt es hier kaum Wind und die wenigen Fallböen kommen nur aus einer Richtung mit sehr erträglicher Stärke.


19.07.2006 Mittwoch
19:10 Sámos / O. Kyriakoú Karte
20:35 Sámos / Pythagoríu Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:25 Strecke: 7,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


Als wir um 22h schlafen gehen, kommt ein leichter Wind aus 290°. In der Nacht dreht er auf 85°, also um ganze 155° und nimmt an Stärke zu. Offensichtlich umrundet der Wind die Insel jetzt im Uhrzeigersinn. Auch die Wellen kommen jetzt in die Bucht hinein und lassen das Boot schaukeln. Also wieder kein idealer Ankerplatz aber immerhin ohne arge Fallböen und mit guten Sandgrund. Mit einigen Unterbrechungen schlafen wir bis 11h und lassen uns dann ein gutes Spätstück schmecken.
Am Nachmittag verabschiedet sich der Wind komplett. Wir waschen den salzverkrusteten Cockpitteppich und uns selbst ausführlich. der graue Kanister wird zwischen 16 und 17h von Ausflugsbooten benützt. Nur einige beißende Fliegen verleiden die Idylle.
Um 18h beschließen wir, erst morgen früh nach Pythagórion zu fahren. Der Hafen ist sicher stickig heiß und erfahrungsgemäß extrem laut bis um 3 in der Früh.
Um 19h ändern wir unsere Meinung. Es ist zwar windstill und sehr schön aber die wenigen Wellen, die plötzlich von irgendwoher kommen lassen das Boot sehr unangenehm, weil unvorhersehbar, schaukeln. Irgendwo im äußeren Hafen von Pythagórion werden wir schon ein nicht zu lautes Plätzchen finden.
Einen entscheidenden Nachteil hat die Bucht auf jeden Fall: Kein Handyempfang.
Als wir uns dem Hafen nähern, weht ein steifer Wind vom Land her. Mit dem Fernglas können wir erkennen, dass der Hafen gerammelt voll ist, dass im äußeren Hafen auch ziemlich viele Boote liegen und dass die Flaggen an den Masten heftig flattern. Daher beschließen wir kurzerhand, die Marina anzusehen. Als wir langsam hineintuckern werden wir von Marineros auf Mopeds zu einem Platz an der Südmole verwiesen. Wir legen dort an, haben ein wenig Schwierigkeiten mit den total verdreckten und von Muscheln übersäten Mooringleinen und dem auflandigen Wind. Aber ohne Hektik gelingt es uns um 20:35h bestens fest zu machen. Ich spritze noch das von den Mooringleinen verdreckte Deck ab und schließe den Strom an bevor ich zum Marinabüro gehe. 27 Euro kostet die Nacht inklusive Wasser, Strom und einer funktionierenden Dusche und WC. Aja, den Mist können wir auch los werden.
Dann gehen wir die Staubstraße entlang des Ufers zur Stadt Pythagórion. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir die erste Taverna, Faros, wo wir von Hunger geplagt gleich einen schönen Platz ergattern. Bevor das Essen nach ca. einer Stunde kommt, haben wir schon eine ganze Karaffe sehr guten weißen „Faros Housewine“ getrunken.
Nach dem Essen sehen wir uns noch die Einkaufsstraße an und entdecken einen Supermarkt, der auch zum Boot liefert. Allerdings wollen sie von uns nichts mehr wissen, weil sie schon schließen. Naja, immerhin ist es schon 10 Minuten nach Mitternacht.

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