Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2006-08-17 B&T nach Chalki

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 11:29:12 Anzahl Tage: 12
17.08.2006 Kos / Marina – Tílos / O. Pláka
18.08.2006 Tílos / O. Pláka – Tílos / O. Tholós
19.08.2006 Tílos / O. Tholós – Chalki
20.08.2006 Chalki / Hafen
21.08.2006 Chalki – Alimiá / O. Tigáni
22.08.2006 Alimiá / O. Tigáni – Sesklí (Symi) / O. Skomisá
23.08.2006 Sesklí (Symi) / O. Skomisá – Tílos / O. Livádia
24.08.2006 Tílos / O. Livádia – Tílos / Loumpoúdi – Tílos / O. Skáfi
25.08.2006 Tílos / O. Skáfi – Nisyros / Páli
26.08.2006 Nisyros / Páli – Gyali / Nsis Àg. Antónios
27.08.2006 Gyali / Nsis Àg. Antónios – Kos / Thérma – Kos / Marina
28.08.2006 Kos Nord / Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 38:48 Strecke: 146,2 Seemeilen Ø Fahrt: 3,8 Knoten


17.08.2006 Donnerstag
15:09 Kos / Marina Karte Abfahrt
17:57 segel setzen
19:05 Segel bergen
19:24 Tílos / O. Pláka Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:15 Strecke: 27,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Beate radelt zum neuen Bäckereishop am Ende des Badestrandes Richtung Stadt. Danach bringt sie das Leihrad (3,-/Tag) zurück und kommt ganz begeistert mit einem großen Sack voller Köstlichkeiten, darunter dunkles Brot und Schokocroissants.
Wir waschen und putzen das Boot und um 11:40 kommt Dimitris. Er werkt mit dem abgebrochenen Bolzen eine Stunde lang ohne ihn heraus zu bekommen. Statt dessen bringt er eine Gewindehülse an so dass die Wasserpumpe mit einem kürzeren Bolzen fixiert werden kann. Am stb-Motor findet er Kalkablagerungen im Wärmetauscher, die Ursache für die ungenügende Kühlwassermenge bei höheren Drehzahlen waren.
Um 15h fahren wir los. Der Meltémi ist nach 18 Tagen wieder da, allerdings nicht sehr heftig mit um die 20kn. Wir fahren mit dem Wind südwärts mit ausgerollter Genua und beide Motoren auf 2800 RPM, um zu sehen, ob sie auch gut funktionieren – sie tun es. Beim E-Kap von Kos, Ag. Fokás, beginnen die Fallwinde und kurz danach erreichen sie Spitzen von 40kn! Etwa 4 sm weiter südlich ist der Spuk vorbei und wir kommen in das bekannte Flautenloch NW von der türkischen Halbinsel Datca.

Ein paar Meilen weiter, SW von Datca, kommt der Wind direkt aus W mit 20-25kn. Um 18h setzen wir die Segel im ersten Reff. Nach 30 Minuten ist der Wind wieder auf 8kn zurück gegangen, kommt aber nach 15 Minuten wieder in Schwung. Um 19:15h erreichen wir die Einfahrt in die NW-Bucht von Tílos. Das Tageslicht reicht gerade noch aus, um den Anker zu beschnorcheln. Andere Boote ankern hier nicht, obwohl Platz für 50 wäre, der Ankergrund gut ist und keine Fallböen vorhanden sind. Es kommt lediglich etwas umlaufende Dünung herein.
Wir essen Brote und gehen schon um 21:30h schlafen. Die Campierer am Strand musizieren dezent beim Lagerfeuer und spielen uns in den Schlaf.


18.08.2006 Freitag
12:00 Tílos / O. Pláka Karte
13:52 Tílos / O. Tholós Karte Ankern mit Landleine
Zeit unterwegs: 01:52 Strecke: 11,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Um 4h muss ich mal und stelle fest, dass es absolut windstill und extrem feucht ist. Auch um 8:30h ist es noch ganz ruhig und sehr diesig aber gegen 10 fängt der Wind zu wehen an. Um 12h fahren wir los. Obwohl wir die W-Küste von Tílos in mehr als 1sm Entfernung umrunden, ist stockender Wind und Kabbelsee von den reflektierenden Wellen vorhanden. Wer hier segeln möchte, sollte mindestens 2sm Abstand halten.
Um 13:45h erreichen wir die Bucht òrmos Tholós an der S-Küste von Tílos, die ich schon vor 3 Jahren mit Patrick und Georg erkundet habe. 10 Minuten später ankern wir auf besten Sandgrund in 5 m Tiefe. Am Sandstrand sind einige Leute und an der W-Seite des Strandes ankert die Riesenmotoryacht „AMZ“. Wir ankern daher auf der E-Seite und bringen sogleich die Landleine zu einem der vielen sehr großen Steine im Uferbereich hinaus – Umfang 10m! Die Bucht ist herrlich windgeschützt aber es gibt hin und wieder schwache Böen aus verschiedenen Richtungen. Es kommt auch ein leichter Schwell herein. Die Landleine richtet aber den Bug genau dagegen, wodurch er nicht weiter stört.
Bis auf den Sandstrand bestehen die Ufer aus steil abfallenden Fels- und Geröllwänden in verschiedenen Farben. Auch hinter dem Sandstrand steigt das Gelände steil hinauf und ganz oben, vielleicht in 300m Höhe, verläuft eine Straße auf der keine Fahrzeuge zu beobachten sind. Das Meer hat über 26° und der flach abfallende Grund mit seinem feinen Sand steht in unglaublichen Kontrast zu den steilen felsigen Ufern. Ich schnorchle entlang der Trennlinie zwischen Felsen und Sand, sehe nur wenige Fische und stelle fest, dass es so aussieht, als ob jemand große Steine ins Meer geschüttet hätte.
Um 17h verabschiedet sich die Yacht und auch die Leute am Strand verschwinden allmählich bis wir ganz allein in der Bucht sind. Beate macht uns eine selbst kreierte griechische Erdäpfelpfanne (Kartoffeln, Zucchini, Zwiebel, Schafkäse und Kräuter) und danach diskutieren wir noch lange über Neid und Bewunderung.


19.08.2006 Samstag
13:40 Tílos / O. Tholós Karte Abfahrt
16:10 Chalki / Hafen Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 02:30 Strecke: 16,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Wir schlafen 11 Stunden lang. Obwohl sich der Wind in der Nacht wieder vollkommen legt, bleiben die kleinen Wellen, die das Boot sanft schaukeln lassen. Die Wettervorhersage um 13h warnt vor Sturm in der Zentralägäis aber bei uns regt sich kein Lüfterl. Es hat 33° / 50%, also schweißtreibend. Das 28° warme Wasser bringt auch kaum Kühlung. Als wir um 13:40h den Anker lichten kommt der erste Windhauch aus W. Außerhalb der Bucht haben wir Rückenwind mit 4-6kn, also weit weniger als die für die Rodos Sea vorhergesagten 5 bft (16-21kn).
Nach ereignisloser Überfahrt erreichen wir Chálki um 16:10h und bekommen einen sehr guten Platz außen am Schwimmsteg. Wir legen uns längsseits an der E-Seite mit dem Heck zum Ort (damit Beate die schönen Zeichenmotive vom Cockpit aus sehen kann). Auf der anderen Seite liegt IGOR, eine Motor-Katamaran-Yacht Type Maryland von Fountaine Pajot. Der Eigner hilft uns mit den Festmacherleinen und ich fange sofort an, ihn über sein Boot zu befragen. Er legt außerdem ein Stromkabel von der Versorgungssäule an Land und ladet mich ein, mich am Verlängerungsverteiler anzuschließen. Das mache ich natürlich sofort, womit ein kalter Kühlschrank gesichert ist. Es ist mit 1-3kn wieder fast windstill und das kristallklare Wasser hat auch hier 28°! Der Ort scheint zu schlafen, denn das leise Plätschern des Wassers ist das lauteste Geräusch. Es ist mir absolut unverständlich, dass dieser sehr hübsche Ort nicht beliebter unter Bootsfahrern ist, aber es kann mir ja nur recht sein.
Um 17:30h kommt der Hafenpolizist, begrüßt uns freundlich und weist uns an, nicht längsseits zu liegen, weil dann die anderen Boote keinen Platz hätten. In der Tat kommen drei riesige Segelyachten und eine Motoryacht gerade herein. Sie legen sich aber allesamt mit Anker in die E-Seite der Hafenbucht. Trotzdem müssen wir uns den Anweisungen des Hafensheriffs fügen und legen uns mit Buganker und Heckleinen an den Platz, wo wir vorher längsseits gelegen sind.
Um 19h kommt die nächste 4-saling Supersegelyacht „Out Of The Blue“ mit blauem Rumpf und italienischer Flagge, die bis ins Wasser reicht und schickt sich an, an den Kopf des Schwimmstegs anzulegen. Das sicher 10m lange Begleit- (nicht Bei-) Boot der Marke Wally macht sich nicht schlecht als kleines Anhängsel daneben. Und danach trudeln noch 3 Motor- und 2 Segelyachten ein. Also doch kein unbeliebter Platz!
Am Abend stellen wir fest, dass sich im Ort einiges verändert hat. ZB gibt es das Häuschen der Fishermen’s Association nicht mehr aber die Taverna Bambi, die gleich dahinter war, schon. Die Goldbrassenportion ist leider aus und so esse ich den miesesten Souvlaki dieses Sommers mit den letschertsten Pommes. Beates Hühnerfilet ist auch nicht besser und der warme Weißwein kann die Situation auch nicht retten. Aber an Bord haben wir ja eiskalten Retsína.


20.08.2006 Sonntag
Chalki / Hafen
Man glaubt es ja nicht: Um 5h kommt Ostwind auf! Zwar nicht mehr als bis knapp über 10kn in den Böen aber das reicht schon um unseren Anker auszureissen. Beim Schnorcheln habe ich gestern gesehen, dass er, obwohl eingegraben, schlecht auf einem Abhang liegt. Aber weil andere Windrichtungen als Nord bis West, vielleicht noch Südwest im Sommer hier nicht vorkommen, machte ich mir keine Sorgen, weil da die 4 Festmacherleinen wohl ausreichen würden. Ich habe keine Lust, jetzt ein Ankermanöver zu machen und montiere nur die Ballonfender am Heck und eine Stützleine zum Bug auf der Windseite. In den Böen drückt das Boot jetzt mit den Fendern gegen den Schwimmsteg. Wenn der Wind nicht stärker wird, kann es so bleiben.
Als das Segelboot an unserer BB-Seite, also Landseite um 8h ablegt, lege ich die Blodughadda wieder längsseits hin. Dabei lasse ich den Anker wo er ist und gebe entsprechend Kette nach.
Der Ort ist übrigens gar nicht so ruhig. Zwischen halb sechs und sechs schreien die Hähne wie verrückt. Ab halb acht bimmeln die Kirchenglocken alle 30 Minuten wie verrückt. Und ab acht wird die ortodoxe Sonntagsmesse über die Lautsprecher der 100m entfernten Kirche gesungen, dass man verrückt werden könnte. Um 10:30h hört die Messe dann endlich auf.
Der Tag entwickelt sich zum wärmsten bisher mit 36°. Wir sind nur faul den ganzen Tag. Außer zu einem Einkauf beim Bäcker (die mit Schinken und Käse gefüllten kleinen Baquettes _ „Sandwich“ genannt – kosten immer noch nur einen Euro) und einer gegenseitigen Bootsbesichtigung beim Maryland-Katamaran vergeht der Tag mit lesen, schwimmen (= im Wasser möglichst wenige Bewegungen machen) und schlafen.
Als die 30m Superyacht am Ende des Schwimmsteges los macht, macht der Steg einen Sprung von gut einem Meter Richtung Luw (jetzt Westwind!) – hätte den Anker auch ausgerissen. Vielleicht war der Zug des Schwimmstegs heute Früh auch der Grund dafür, dass der Anker nicht gehalten hat.
Es ist unglaublich: Alle vier Superyachten haben die Bucht verlassen und dann kommt wieder eine daher, die in der Bucht ankert. Diesmal nicht blau sondern beige aber auch an die 30m lang.
Vor uns legt eine Yawl längsseits an und ich höre das Skipperehepaar schwedisch reden. Nicht viel später sitzen sie bei uns im Cockpit und ich verrate ihnen die schönsten Plätze des Dodekanes.
Abends gehen wir in die Taverna Omonoia essen und haben bei gleichem Preis ein vielfach besseres Essen als gestern.
Als wir um 1/2 12 zum Boot zurück kommen ist der Wind wieder vollkommen verschwunden und das Deck total nass. Trotzdem herrscht ein Wellengang vergleichbar mit dem in der Bucht Tholós auf Tílos. Das deutet darauf hin, dass nicht weit weg mehr Wind vorhanden ist.


21.08.2006 Montag
13:10 Chalki / Hafen Karte Abfahrt
14:14 Alimiá / O. Tigáni Karte
Zeit unterwegs: 01:04 Strecke: 5,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten


Den Schlüssel für den Wasserhahn an der Versorgungssäule hat der Besitzer des Cafés gleich dahinter. Wir füllen ca. 140 Liter auf aber das war so wenig, dass er gar kein Geld dafür haben will. Noch ein Pluspunkt für Chálki. Ein weiterer kommt hinzu als ich die Hafenpolizei aufsuche, wo ich sehr freundlich, direkt freundschaftlich behandelt werde. Und außerdem bestätigt der Hafenpolizist unaufgefordert meine Vorurteile über die italienischen Freizeitkapitäne. Diese würden der Hafenpolizei immer wieder Probleme bereiten, weil sie zu wenig Rücksicht auf andere nehmen. Na, was habe ich gesagt! Inzwischen hat Beate noch eingekauft und ein weiteres Bild gemalt. Sogar Eiswürfeln waren zu kaufen und wir können unsere extra dafür angeschaffte Plastikbox füllen. So ein Ding im Kühlschrank hilft enorm, die Temperatur niedrig zu halten und außerdem schmeckt der Sundowner viel besser mit Eiswürfeln. Apropos Temperatur: Gerade als wir kurz nach 13h ablegen, können wir einen neuen Rekord mit 38,5° verbuchen. Als wir eine Stunde später bei der Insel Alimiá E von Chálki ankern sind es „nur“ mehr 32°.
Hier gibt es an der S-Seite der Bucht einen kleinen aber recht hohen Betonanleger mit 2 m Wasser am Kopf. Wir legen den Anker sorgfältig recht weit davon auf 10m Tiefe. Im U-Wasservideo sehe ich diverse undefinierbare Gegenstände am Grund liegen, die ich nicht unbedingt mit dem Anker fangen möchte. Als wir zum Anleger reversieren stellt sich heraus, dass der Anker um einen Meter zu weit draußen liegt. Aber egal, Beate schwimmt an Land und nimmt die Heckleinen entgegen.
Beim Schnorcheln sehe ich dann, dass der Meeresgrund hier wirklich hässlich ist. Nicht nur der undefinierbare verrostete Metallmüll, der verstreut herumliegt, sondern auch der bewuchslose steinige Uferbereich mit den Massen von Seeigeln und immer wieder grauen Flecken, die wie wahllos vergossener Beton aussehen, strahlt irgendwie Unheimlichkeit aus. An Land hingegen erfreut der Wald (naja, viele kleine Kiefern halt) das Auge.
Am Abend darf ich die von Beate direkt vom Fischerboot in Chálki eingekauften Fische putzen. Es dauert lange und erfordert viele Werkzeuge, sehr viele Flüche und einen Gin Tonic. Denn die riesigen Schuppen auf den dafür viel zu kleinen Fischen lassen sich mit Bordmitteln kaum entfernen. Statt 6 kleine Fische wären ein oder zwei große oder gar keine besser gewesen. Sie schmecken aber gut und haben weniger Gräten als erwartet. Im Fischbuch kann ich die Art nicht finden, aber wahrscheinlich haben wir irgendeinen Lippfisch verspeist.
Noch was über diverse Windphänomene: 1. Obwohl seit zwei Tagen Sturmwarnung für Zentralägäis gegeben wird und bei uns Windstärke 5 sein soll, merken wir nichts davon. In den letzten 4 Tagen kam keine einzige Windbö mit über 20kn daher. 2. Im Hafen Chálki kommt der Wind entweder aus E (morgens) oder aus W (nachmittags) oder gar nicht. Ich vermute, dass der N- bzw. NW-Wind entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn um die Insel abgelenkt wird, wenn er nicht so stark ist, dass er sich über die immerhin fast 600m hohe Insel direkt hinüber schieben kann. 3. Auf der Fahrt hierher hatten wir N-Wind mit ca. 10kn. Als wir in die Bucht kamen war fast Windstille. Als wir anlegten kam Südwind auf, der später auf E drehte. Dafür habe ich nun wirklich keine Erklärung. Er ist eben „metablíti“.


22.08.2006 Dienstag
14:10 Alimiá / O. Tigáni Abfahrt
17:06 Sesklí (Symi) / O. Skomisá Karte
Zeit unterwegs: 02:56 Strecke: 19,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,8 Knoten


Um die Mittagszeit schwimme ich zum Ufer und begebe mich auf Inselbesichtigung. Zuerst steige ich zum Bergrücken hinauf und erhalte eine schöne Aussicht auf Chálki als Belohnung. Es ist auch hier irgendwie unheimlich, denn es ist absolut kein Lebewesen zu sehen oder zu hören. Das einzige was zu hören ist, sind meine eigenen Schritte, die in den nassen Teva-Sandalen quatschend- knarrende Geräusche von sich geben. Und der ganze Hang ist ein riesiger Labyrinth aus mehr oder weniger unwegsamen Schotter- oder Felspassagen zwischen mannshohen knorrigen Wacholderbüschen und wenigen Latschenkiefern. So suche ich mir den Weg zu den 3 Hausruinen östlich des Anlegers. Ich stelle fest, dass sie unglaublich gut gebaute Militärbehausungen gewesen sind. Vor jedem Haus befindet sich eine unterirdische Zisterne, wo das Regenwasser aufgefangen wurde und in den Häusern hat es Wasser- und Elektroinstallationen gegeben. Inzwischen ist alles herausgerissen worden, was nur irgendwie verwertbar gewesen ist, inklusive Tür- und Fensterstöcke sowie der Wasser- und Stromleitungen. In einem der Häuser sind Wandmalereien mit Soldatenmotiven vorhanden, die sehr sorgfältig ausgeführt worden sind. Und bei jedem Bild gibt es einen Spruch auf deutsch. „Bei all diesen Dingen, denk an Götz von Berlichingen“ habe ich mir gemerkt. Unter einem der Bilder steht „Victory 1945“ und im Wandverputz sehe ich Einschusslöcher. Da wird mir plötzlich klar, warum dieser Ort so unheimlich wirkt und warum es am Meeresgrund so viel Seltsames gibt: Hier hat es im 2. Weltkrieg einen deutschen Militärstützpunkt und einen Kampf gegeben.

Um 14:10h fahren wir ab. Es ist sehr diesig bei Südwestwind(!) mit 7-10kn. Eine Stunde später hat er etwas auf W gedreht aber ich ziehe statt Segel die Sonnenschutzplanen auf. Auf unserem NNE.Kurs brennt nämlich die Sonne unbarmherzig ins Cockpit. Gerade mal 9sm vor Symi ist der erste Berggipfel im Dunst zu erahnen. Bei diesen Verhältnissen ist GPS schon eine große Hilfe. Die Luftfeuchtigkeit steigert sich auf ganze 66%, was wirklich nicht mehr angenehm ist.
Um 17:06h erreichen wir Sesklí. Der Anker fällt auf feinen Sandgrund in 2m Wassertiefe S des kleinen Betonstegs so nahe am Strand wie ich es noch vertreten kann. Ich schwimme mit der Landleine zum Steg hinüber und verhole dann langsam das Boot so, dass wir vom stbd-Heck über die Passarella seitlich zum Kopf des Stegs an Land gehen können.
Das mache ich dann kurz vor Sonnenuntergang und gehe auf einem pipifeinen etwa 2m breiten Betonweg in wenigen Minuten zu einem blendend weißen Kirchlein. Der Innenraum ist nicht größer als der Salon der Blodughadda hat aber wesentlich mehr Kellercharakter – nicht nur wegen des einzigen Fensters in A4-Format. Er ist aber eindeutig für eine griechisch-ortodoxe Messe für 4 Personen + Pope eingerichtet und es brennt sogar eine Kerze. Wahrscheinlich kommt der Pope aber nur ein Mal im Jahr zum Namenstag des Kirchleins und mit ihm dann mehr als 4 Leute. 20 davon haben dann bequem Platz auf der Steinbank entlang der Mauer des Kirchhofes, der mit Kieselsteinen schön gepflastert ist und in dessen Mitte ein nicht allzu großer Laubbaum steht. Die restlichen 2000 können sich zwanglos im eingezäunten Gelände um das Kirchlein herum verteilen. Naja, so viele werden wohl doch nicht kommen und ein bisschen eng wäre es dann schon.

Auf dieser Insel mangelt es wahrlich nicht an Lebewesen. Ziegen meckern und klimpern mit der Halsglocke, Schafe blöken, ein Esel schaut blöd, Zikaden zirren, Fliegen attackieren mich und ein schwarzes Kaninchen rennt mir davon. Es gibt auch ein ziemlich großes Getreidefeld, das jetzt natürlich total trocken ist. Das zu dem allen gehörende Bauernhaus sehe ich vom Feld aus auf einer Anhöhe sicher 1km entfernt im W. Der Bauer ist nicht zu sehen aber seinen Traktor erblicke ich im Schatten eines Baumes am Feldrand.

Der Beate geht es heute nicht so gut und sie hat keine Lust auf Inselerforschungen. Das liegt sicher an der sehr schwülen Luft. Um 22:30h hat es zwar nur mehr 28° aber 71% Luftfeuchtigkeit. Ich sitze nackt am Computer und muss immer wieder den Schweiß von der Tastatur wischen. Dem Bildschirm geht es auch nicht gut. Ich sehe kaum noch was ich schreibe, weil das Bild so voll mit blauen und roten Streifen ist. Bis zur letzten Woche dachte ich schon, dass dieser schon früher bei Hitze aufgetretene Fehler verschwunden wäre.

Noch eine letzte Italienerbeschipfung für dieses Jahr (hoffentlich): Als ich zum Steg mit der Landleine schwimme setzen sich gerade drei Männchen dieser Spezies in ein Schlauchboot und blockieren mir den Zugang (eigentlich Zuschwimm) zum Steg so dass ich in einem Meter Entfernung warten muss bis sie endlich den Außenbordmotor des Schlauchbootes in Gang bringen. Meinen Gruß und mich ignorieren sie (ok schwimmend mit Schnorchel im Mund und Landleine in der Hand bestand der Gruß nur aus einem freundlichen Kopfnicken – in der italienischen Körpersprache hat das vielleicht eine andere Bedeutung) und auf die für Bootsleute jeder anderen Nationalität selbstverständliche Idee, ihre Hilfe anzubieten, kommen sie schon überhaupt nicht. Dabei wäre es für sie ein Klacks, die Leine um den Poller direkt neben dem Schlauchboot zu legen, während ich da erst mühsam hinaufkraxeln muss. Aber zugegeben, ich habe sie auch nicht um Hilfe gebeten. Ich möchte ja schließlich meine Vorurteile bestätigt bekommen. Dass das soo leicht gelingt, ärgert mich dann doch wieder. Aber ich muss ihnen zugute halten, dass sie in direkter Linie zu ihrer in der Bucht ankernden, mit mageren Damen in Bikini dekorierten Charteryacht fahren. Sonst hätten diese Dumpfbacken garantiert die schwimmende Landleine doch noch mitgenommen, nämlich mit dem Propeller.


23.08.2006 Mittwoch
09:55 Sesklí (Symi) / O. Skomisá Karte
13:00 bb-Motor abgestellt.
15:25 Tílos / O. Livádia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 19:13 Strecke: 24 Seemeilen Ø Fahrt: 1,2 Knoten


Nach absolut ruhiger Nacht stehen wir schon um 7:30h auf. Nach dem Morgenschwimm macht Beate Schinken-Käse Toast zum Frühstück. Dann geht sie an Land, um das Kirchlein und das Boot zu malen. Zum Letzteren kommt sie aber gar nicht, weil sie von Fliegen ärgstens attackiert wird. Diese bösartig beißenden Biester sind hier besonders lästig. Die durchschnittliche Tötungsrate ist sicher auf etwa 10-15 pro Stunde gestiegen. Ohne Fliegenpracker wären wir hier hilflos ausgeliefert. Seltsam, dass es dieses Utensil in Griechenland nur ganz selten zu kaufen gibt.
Jetzt geht das so: Wo immer man sitzt hat man einen Fliegenpracker griffbereit. Ca. alle 1-2 Minuten spürt man einen leichten, Nadelstich ähnlichen, Piekser, bevorzugt am Bein unterhalb des Knies oder zwischen den Schulterblättern. Man greift zum Pracker und haut hin. Leider ist die Trefferquote zwischen den Schulterblättern sehr schlecht. Am besten ist sie auf den Schienbeinen und dort tut der Schlag auch nicht so weh. Wenn die Fliege aus strategischen Gründen darauf beharrt, zwischen den Schulterblättern zu attackieren, steht man auf, dreht sich mit dem Pracker in der Hand wütend um, verfolgt die Fliege mit dem Blick und schlägt sofort zu, wenn sie sich irgendwohin setzt. Die Trefferquote ist dann überhaupt am besten. Aber diese Aktion verschlingt viel Energie, was sich in erhöhter Transpiration auswirkt. Das Aufsammeln der Fliegenleichen macht man am rationellsten als Sammelaktion 2-3 Mal am Tag.
Dieses Muster wiederholt sich bei jedem Ankerplatz mit jeweils unterschiedlicher Intensität. Ich bin daher dafür, eine internationale Skala dieser Intensität einzuführen, ähnlich der Beaufort-Skala für die Windstärke. Als Einheit schlage ich FLAPS vor (FLiegen Attacken Per Sekunde – FLy Attacks Per Second). Die Skala könnte dann so definiert werden:
FLAPS 0: Keine Fliegen
FLAPS 1: Hin und wieder eine Fliege zu sehen oder zu hören, aber keine Belästigung.
FLAPS 2: Man denkt daran, dass wir einen Fliegenpracker haben, aber greift noch nicht hin.
FLAPS 3: Man greift gelegentlich zum Fliegenpracker aber haut noch nicht hin.
FLAPS 4: Man greift gelegentlich zum Fliegenpracker und haut hin.
FLAPS 5: Man hat den Fliegenpracker griffbereit und haut oft hin.
FLAPS 6: Man lässt den Fliegenpracker überhaupt nicht los und haut dauernd hin.
FLAPS 7: Man fühlt sich wie ein in die Wiese frisch gelegter Scheißhaufen an einem sonnigen windstillen Sommertag in der Nähe eines Schweinestalls.

Demnach hatten wir in Seskli FLAPS 5 bis 6. FLAPS 0 und FLAPS 7 sind praktisch unerreichbar. Eine nach oben offene Skala ist daher nicht notwendig. FLAPS 3 bis 4 ist ganz normal. FLAPS 1 und FLAPS 2 kommen aber auch vor. Interessanterweise verringert sich der FLAPS-Wert sobald wir unterwegs sind. Während ich das hier auf der Fahrt nach Tílos hochwissenschaftlich entwickle, haben wir nur FLAPS 4 obwohl unmittelbar vorher FLAPS 5-6 geherrscht hat. Außerdem sind die Viecher viel leichter zu treffen, weil sie viel länger sitzen bleiben. Vielleicht werden sie seekrank.

Als Beate zurück kommt, kommt auch der Bauer auf die Insel zurück. Er wird von einem kleinen Boot hergebracht und hat noch einen Mann dabei. Sie laden mühsam mehrere verstärkte Plastiksäcke aus. Dann holt der Bauer den Traktor. Sie laden einen Teil der Säcke auf die Ladefläche und fahren davon. Ich mache die Leinen am Steg los und schaue nach, was in den Säcken drinnen ist – Sand! Es muss eben alles mühsam hierher transportiert werden, was auf der Insel nicht wächst.

Um 9:55h fahren wir los. Der Wind ist total metablíti und die Wellen entsprechend sanft. Aus irgendeinem Grund geht plötzlich die Logge nicht mehr. Es hilft auch nicht, einen ordentlichen Rückwärtsschub zu geben. Seltsam, das kommt eigentlich nur vor, wenn das Laufrad lange zeit nicht bewegt worden ist und daher vom Bewuchs und Muscheln blockiert wird. 10,4 sm vor Tílos geht die Logge plötzlich wieder aber 3 sm vor Livádia verabschiedet sich die Kühlwasserpumpe am bb-Motor schon wieder. Der original-Impeller hat also 114,5 Motorstunden bzw. 37 Tage gehalten. Wirklich eine tolle Leistung!

Beim Einbau des neuen Original-Impellers im Juli habe ich schon bemerkt, dass sie um eine Spur zu breit war. Daher die vorschnelle Auflösung der geklebten Verbindung zwischen Metallkern und Gummimantel mit Lamellen, die, wie schon festgestellt, eine schwachsinnige Sollbruchstelle darstellt. Ich habe leider, oder Gott sei Dank, keine Erfahrung mit anderen Bootsmotorenherstellern als YANMAR. Aber es wundert einen schon, dass ein im Prinzip so robust gebauter Schiffsmotor, der 114 kg wiegt und gerade Mal 18 PS Spitzenleistung bringt und immer vollkommen gemütlich mit konstanter Drehzahl und Belastung dahin brummen darf, so fehleranfällig sein kann. Ein Automotor mit dieser Fehleranfälligkeit und mit diesem Servicebedarf wäre absolut und definitiv unverkäuflich. Zu wenig Konkurrenz tut nicht gut!
Als die absolut größte Fehlleistung der YANMAR-Konstrukteure fällt mir wieder ein, dass der Mischkrümmer nicht meerwasserbeständig war. (Auf deutsch: die Stelle, wo das verbrauchte Kühlwasser vom Meer – äußerer Kühlkreislauf angesaugt durch die fermaledeute Wasserpumpe – wieder in das Auspuffrohr hinter und nahe dem Motorblock eingespeist wird). Vom außen nicht sichtbar, war das Ding vor zwei Jahren innen verrostet und hätte beinahe den Verlust beider Motoren bedeutet, weil das Salzwasser in die Zylinder hat eindringen können. Hat mir enorm viel Geld gekostet aber natürlich gibt es nicht den leisesten Hinweis darauf im lächerlichsten Bedienungshandbuch der Welt. Da es dem YAMAHA-Konzern sicher vollkommen Blunzn sein wird, was ich für Erfahrungen mache, denke ich nicht daran, Energie in eine Beschwerde zu investieren obwohl Beate mich dazu immer wieder aufmuntert wenn ich mich wieder ärgern muss.

Um 13:25h ankern wir also in der Livádia-Bucht auf 8 m Tiefe etwa 500m außerhalb der Hafeneinfahrt und ich tausche die Wasserpumpe aus. Inzwischen kann ich das schon recht gut auch wenn der Motor noch heiß ist. Dann plantschen wir ein wenig im extrem warmen Wasser. Hier war das Meer schon immer wärmer als sonst wo. Aber knappe 30° sind schon ein Hammer! BITTESCHÖN: MEERESTEMPERATUR FAST 30° CELSIUS!

Wir fahren mit dem Schlauch zum Hafen und wollen ein Moped oder ein Auto mieten. Aber um 16h ist nichts zu machen. Der Ort schläft mit Ausnahme recht vieler und gar nicht so schlecht sortierter Lebensmittelgeschäfte. Dabei ist es hier nicht annähernd so schwül wie auf Sesklí. Der Unsympatler im Supermarkt direkt beim Hafen verlangt 4 Euro für einen Sack Eiswürfeln und ich Trottel bezahle das auch noch. Nach einer Schlauchbootrunde entlang des langen Kieselstrandes können wir aber dann gute Drinks mit den Eiswürfeln machen, die noch nicht geschmolzen sind.

Bevor wir zum Abendessen an den Strand fahren, hupfen wir nochmals ins Wasser. Es fühlt sich irgendwie seltsam an. Denn der Unterschied zur Körpertemperatur ist so gering, dass man kaum realisiert, im Meer zu sein. Das heutige Abendessen in der Oasis-Taverna unter vier großen Palmen ist etwas anders als sonst. Pizza essen wir wirklich nicht oft.


24.08.2006 Donnerstag
13:44 Tílos / O. Livádia Karte Abfahrt
14:04 langsamer
14:45 Tílos / Loumpoúdi Karte Ankern
17:51 Tílos / Loumpoúdi Karte weiter
18:01 Tílos / O. Skáfi Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:11 Strecke: 5,7 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten


Eine ungewöhnliche Nacht. Bei dieser Fußbodenheizung ist es in der Kabine sehr warm. Ich übersiedle ins Cockpit und lege mich auf Kapokkissen. Sie sind zwar härter als die Matratze aber viel kühler. Es ist überhaupt nicht feucht und es geht ein leichter Wind. Wunderbarerweise haben sie hier auf der Uferstraße in der Nacht Fahrverbot eingerichtet und der obligate schlafraubende Mopedfahrer muss wo anders fahren. So schlafe ich bestens bis die Sonne um 8:30h doch zu stark wird.
Beate macht wieder Schinken-Käse Toast. Wir plantschen und lassen uns vom Schwell schaukeln. Ich bürste das Laufrad der Logge ab und mache die kaputte Wasserpumpe mit Epoxikleber wieder funktionsbereit.
Um 13:45h fahren wir los. Inzwischen hat der Wind alle Richtungen ausprobiert. Außerhalb der Bucht hat er sich für NW 25kn entschieden, also genau auf die Nase und wir müssen die Fahrt auf 5kn reduzieren. Außerdem haben wir 1,3kn Strom gegen Wind, was die Wellen kurz, steil und spritzig macht. In 50-100m Entfernung entlang der NE-Küste von Tílos geht es besser. Hier sind zwar Fallböen aber kaum Wellen vorhanden. Nach 5sm ankern wir in der Ein-Boot-Bucht Lampoúdi E des N-Kaps der Insel und direkt E von O. Skáfi auf 3,5m Tiefe. Da verfehlt der Anker haarscharf eine Felsplatte. Auf 5m Tiefe wäre der Ankergrund besser, wenn auch nicht ganz optimal, da er wie Schotter aussieht. Der NW-wind wird hier abgelenkt und kommt sanft aus dem Scheitel der Bucht aus SW. Es kommt aber auch hier Schwell herein, wenn auch weniger als in Livádia. Über Nacht würde ich aber nicht in dieser Bucht bleiben, denn wenn der Wind auf N dreht, könnte er direkt in die Bucht herein wehen.
An Land sind einige Ziegen, die uns von einer Schatten spendenden grotte aus als Attraktion des Tages betrachten. Das tun dann auch die Fliegen. Und flugs steigt der FLAPS auf 4 bis 5. Außer einer Wrackruine am Kieselstrand gibt sonst es hier ja wirklich gar nichts.

Mir gelingt es endlich, aus der roten 3mm Leine, von der ich 1kg auf Patmos und dem Flumi-Ball, den ich auf Furni gekauft habe, eine Wurfleine á la Fährschiff zu basteln. Der Trick: Man muss 8 Stecknadeln in jeweils ziemlich genau gleichem Abstand von einander in den Ball stecken. Dann kann man ihn mit der Leine zu einer 3×10-lagigen symmetrischen Affenfaust einwickeln. Natürlich muss ich gleich probieren, wie weit der Ball mit der Leine fliegt. 25m sind kein Problem. Wenn ich das Ende also an einem entsprechend langen Festmacher binde, kann ich ja fast gleichzeitig den Anker fallen lassen und jemandem am Ufer die Festmacherleine zuwerfen! Aber das wird wohl nicht notwendig sein. Aber bei ungünstigen Verhältnissen, wenn es schnell gehen muss, kann es hilfreich sein, jemanden an Land die Wurfleine zuzuwerfen. Wenn er dann kapiert, dass das noch nicht der Festmacher ist, sondern er damit erst den Festmacher herbeiziehen soll, ist schon viel gewonnen. Die jetzt eindeutige Ausführung als Wurfleine wird dem sicher behilflich sein. Und das Beste: Sowohl Ball als auch Leine schwimmen. Sie können also nicht in den Propeller geraten, wenn beim Wurf etwas schief geht.

Nach 3 Stunden fahren wir weiter, um 10 Minuten später in der Nachbarbucht zu ankern. Sie ist zwar offen nach NNE, es steht auch hier eine Dünung herein, ist nirgends als Ankerbucht beschrieben und soll laut Seekarte Landungsplatz für Unterwasserkabeln sein. Von den Kabeln ist nichts zu sehen, der Wind kommt aus dem Scheitel der Bucht, also aus SW und der Ankergrund in 5m Tiefe im W-Teil der Bucht ist perfekt. Ich beschließe also, die Bucht als Nächtigungsplatz zu probieren obwohl es sein kann, dass wir den Platz verlassen müssen, falls der Wind dreht und in die Bucht herein weht. Deshalb lege ich auch keine Landleine, was den Nachteil hat, dass das Boot zwischendurch quer zu den Wellen steht und „teppert schaukelt“ wie Beate beim kochen treffend feststellt. Es gibt Packerlspaghetti von Maggi. Für Schiffsköche sehr praktisch „und solche Packerln kannst im Büro auch hinlegen, weil sie sind wirklich in null komma nichts fertig wenn du bis Mitternacht dort bleibst“. Dann muss ich sie aber auch mit frisch geriebenen Parmesan und Kapern geschmacklich aufpeppen können.


25.08.2006 Freitag
15:49 Tílos / O. Skáfi Karte Abfahrt
17:45 Nisyros / Páli Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:55 Strecke: 12,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Also bei diesem Wind (NW-W) ist diese Bucht auch zum Übernachten geeignet. Bis auf den leichten Wellengang, der in allen Buchten auf Tílos vorhanden ist, gibt es nichts auszusetzen.
Wir schlafen sehr lange bei sehr angenehmer Temperatur. Ein anderes Segelboot macht einen Badestopp in der Bucht aber sonst sind wir allein mit den wenigen Badegästen ein paar hundert Meter entfernt am gegenüber liegenden Strand. Sie kommen zu Fuß von weit weg. Es ist nämlich kein Haus, nicht ein Mal ein Baum irgendwo zu sehen obwohl man zwischen den sanften Bergflanken recht weit ins Hinterland sehen kann. Obwohl also praktisch nur Gestein und Gestrüpp zu sehen ist, wirkt die Bucht sehr freundlich, wozu auch FLAPS 1 entscheidend beiträgt.
Wir schwimmen zum Strand. Beate mit ihren auf Patmos gekauften „seac sub hyper X“ Flossen, die sie nie müde wird als „super“ zu loben, Haarband und Brille, ich nur mit Tauchermaske und Schnorchel. Ich sehe im steinigen Uferbereich sehr viele unterschiedliche Fische, auch größere, und schwimme dann die ganze Bucht ab, um sie ankertechnisch zu evaluieren.

Diese Bucht bietet auf ca. 5m Tiefe, etwa 100m vom Ufer, überall guten Ankergrund aus Sand. Näher zum Ufer wird er immer steiniger, im tieferen Bereich wächst kurzes Seegras. Direkt ca. 50-60m außerhalb eines sich für die Landleine anbietenden dunklen Steines am Ufer liegt am Grund blöderweise ein großer für Anker und Kette unguter Stein. Die zwei auf der Seekarte eingezeichneten Stromkabel sind tatsächlich vorhanden und führen von einem Betonkubus an Land gerade hinaus. Sie sind aber mehrfach unterbrochen und sicher seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in Betrieb.

Um 15:45h lichten wir den Anker. Draußen kommt der Wind nicht ungut aus W mit ca 15kn. Es schaukelt ganz schön. Es würde sich anbieten, jetzt die Segel zu setzen und die 11sm nach Nisyros zu segeln. Aber einerseits bin ich zu faul und andererseits braucht der Kühlschrank Strom. Er hat schon 17,7°. Und gut war die Entscheidung, weil der Wind nach 3sm praktisch aufhört, d.h nur mehr 6-7kn hat, was für dieses Boot zu wenig zum gscheit Vorwärtskommen ist. 2sm später ist der Wind wieder da, wie lange noch? – Antwort: nach 1,5sm. Es wundert mich nach wie vor immer wieder, wie unmöglich es ist, die Windstärke etwas weiter weg abzuschätzen. Bei einer Augenhöhe von 2,09m ist der Horizont exakt 3sm (5,556km) entfernt. Aber höchstens bis zur Hälfte dieser Entfernung kann man irgendeine Windprognose wagen. Dabei ist die Dichte der weißen Kämme, die man mit dem Fernglas ausmachen kann, das einzige brauchbare Indiz. Aber auch wenn man ganz sicher sagen kann, dass in 1,5sm mehr Wind vorhanden ist, weil sich die weißen Kämme dort tummeln, heißt das noch lange nicht, dass die Situation in 3sm nicht schon wieder ganz anders sein kann. Das sieht man erst wieder nach 1,5sm oder etwa 15 Minuten Fahrt, usw. Dabei ist es viel schwieriger zu sehen, dass WENIGER Wind in Anmarsch ist.

Um 17:45h legen wir uns längsseits an „unserem Platz“ innen an der E-Mole im netten kleinen Ort Páli Nisyros (lt. Filemaker-Logbuch war ich schon an 35 Tagen hier). Bei mäßigen W-Wind und keine Wellen im Hafenbecken geht das ganz leicht. Mit einem Meter Tiefgang hat man immer wieder seichte Plätze, die nicht so schnell von anderen Booten weggeschnappt werden. An der N-Mole wäre allerdings auch Platz genug vorhanden. Aber als Nicht-Italiener denke ich auch an andere und überlasse ich sie gerne tiefer gehenden Booten. Die Temperatur im Kühlschrank ist in 2 Stunden immerhin um 4,2° gesunken. Die Lufttemperatur hat angenehme 30°.

Abends essen wir gut in der Taverna Afrodite und gehen anschließend auf einen Greek-Coffee und Neskaffee mit Metaxa*** in das Beach-Café. Dann sitzen wir noch im Cockpit, hören griechische Musik und sehen hinüber zu den Tavernas, deren Licht sich im Hafenwasser spiegelt.


26.08.2006 Samstag
12:50 Nisyros / Páli Karte Abfahrt
13:32 Gyali / Nsis Àg. Antónios Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:42 Strecke: 3,4 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten


Am Vormittag kommt Takis Paspalidis von Yacht Shelter in der Marina Kos vorbei. Er macht Urlaub mit der Familie zu acht auf einem Motorboot und fährt immer wieder nach Pali. Die Familie seiner Schwester wohnt im Hotel, weil sie keinen Schlafplatz am Boot haben.
Mit frischem Brot vom Bäcker fahren wir um 12:50h ab. 40 Minuten später ankern wir vor dem kleinen, sehr schönen Sandstrand am Inselchen Ajos Antonios bei Jalí. Eine Frau und ein Mann sonnen sich am Strand, sonst ist hier niemand. Vom Bimssteinabbau auf Jalí ist auch nichts zu hören, weil Samstag ist.
Nach einiger Zeit kommt Takis und Gefolge auch zu diesem Strand. Bald danach sitzt er bei uns im Cockpit. Vor allem will er sehen, wie die von ihm montierte Unterwasserüberwachungskamera funktioniert.

Der Tag vergeht wie andere faule Tage mit lesen, schwimmen, schnorcheln, schlafen, essen und trinken.


27.08.2006 Sonntag
13:35 Gyali / Nsis Àg. Antónios Karte
15:31 Kos / Thérma Karte Ankern
16:43 Kos / Thérma Karte Weiterfahrt
17:38 Kos / Marina Karte Ankunft
17:50 Kos / Marina Karte Abfahrt
18:05 Kos / Marina Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 03:06 Strecke: 20,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Bis auf einige wenige Flugzeuge, die auf Kos landen, ist in der Nacht absolut nichts zu hören. Entsprechend gut schlafen wir. Am Morgen ist das Deck wieder so nass, als ob es geregnet hätte. Sogar auf dem Cockpittisch steht eine Wasserlacke. Es ist fast windstill und der Himmel ist stark bewölkt. Die Wetterprognose verspricht entsprechend ungewöhnlichen Wind: W-SW 4. Uns kann es recht sein, wenn wir nach NE wollen.

In der Früh bringt ein Boot einen Trupp von 5 Personen zum Inselchen. Takis erzählte gestern, dass hier eine Hochzeitsfeier stattfinden soll. Daher wundern wir uns nicht über die Putzaktivitäten am Kirchlein am Gipfel des ca. 50m hohen Inselchens. Allerdings staunen wir schon als wir sehen, dass zum Putzen auch das neu Streichen des Kirchleins mit weißer Farbe gehört.

Um 13h haben sich schon 5 kleine Motorboote mit Sonntagsbadegästen am Strand eingefunden. Bevor wir um 13:35h aufbrechen machen wir noch eine letzte längere Schwimmrunde im Meer für diesen Sommer. Unterwegs haben wir wie vorausgesagt Wind von hinten. Leider mit exakt Bootsgeschwindigkeit, womit es plötzlich am Boot windstill und heiß wird. Trotzdem ist es viel angenehmer als gegen den Wind zu kämpfen.

Um 15:30h ankern wir vor der Heißwasserquelle, die ins Meer rinnt. Wir schwimmen hinüber und suhlen uns eine Weile im Thermalwasser. Es ist überraschen wenig Wasser da (weil der Meersespiegel so niedrig ist) und es dauert eine Weile, bis wir bei den vielen Leuten einen Platz mit genug warmem und tiefem Wasser finden. Ich lege mich hin mit den Ohren unter Wasser und höre die aus dem Sand aufsteigenden Luftblasen blubbern. Und ich höre den Pulsschlag der Erde! Als ich wieder auftauche, entpuppt er sich als der Subwoofer des Standcafés. Wir schwimmen wieder zurück zum Boot und fahren um 16:40h nach Schwefel riechend weiter.

Hier hat sich überigens die U-Videokamera sehr gut bewährt. Ich konnte nämlich bei 6m Tiefe deutlich sehen, dass bester Sandankergrund vorhanden ist. Wegen der Wellen und des dunklen Sandes ohne Strukturunterschiede ist der Sandgrund sonst nicht zu sehen. Beim Schwimmen bestätigt sich, dass der Ankergrund direkt vor und W der Quelle sehr gut ist. Auch hier kommen immer wieder Luftblasen aus dem Meeresboden herauf.

Um 17:50h kommen wir bei der Tankstelle in Marina Kos an. Wir kommen gleich dran und lassen 88l Diesel nachfüllen. Das kostet immerhin schon 95 Euro, 1,08 per Liter. Ich bin ja wirklich neugierig, wie hoch der Preis in 20 Jahren sein wird. Wenig später liegen wir in der Marina längsseits auf einem provisorischen Platz. Dabei habe ich vor 12 Tagen meine Pläne mit der Rezeption besprochen und sie haben die Ankunft für heute in ihren Terminkalender geschrieben. Am Freitag habe ich per E-Mail alles nochmals bestätigt und erhielt eine Rückmail. Und trotzdem ist kein ordentlicher Platz für die Blodughadda frei. Insbesondere weil ich ja schon seit 5 Jahren einen Jahresvertrag habe, frage ich mich schon, was das ganze soll. Morgen werde ich den Manager dasselbe fragen.


28.08.2006 Montag
Kos Nord / Marina
Wieder eine absolut windstille, feuchtschwüle Nacht und der Vormittag ist genau so. Wir putzen das Boot, Schlauchboot, Außenborder, checken Motoren, entmisten und schwitzen ganz fürchterlich. Ich mache sogar ein unfreiwilliges Bad im Hafenbecken, weil ich auf dem nassen Deck ausrutsche. Es bleibt keine Zeit, sich den Manager vorzuknöpfen – kann ich ja auch per E-Mail machen.
Das Taxi kommt überpünktlich um 14:45 und mit einem Zwischenstopp bei der Hafenpolizei sind wir schon um 15:30 am Flughafen – als einzige Passagiere überhaupt! Erst um 16h kommt der Bus mit den anderen Fluggästen und die Abfertigung fängt an.

Um 17:55h heben wir ab und verabschieden uns endgültig von Griechenland für diesen Sommer.
62 Tage
952,6 Seemeilen
163:59:54 Stunden unterwegs
663,5 Liter Dieselverbrauch
1653 Liter Wasserverbrauch

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