Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2010-07-13 Sommer 2010 B&T

Seite drucken Aktualisierung 21.08.2018 21:27:16 Anzahl Tage: 44
13.7.2010 Anreise nach Leros
14.7.2010 Léros / Marina Leros Evros SA
15.07.2010 Léros / Marina Leros Evros SA
16.07.2010 Léros / Marina Leros Evros SA
17.07.2010 Léros / Marina Leros Evros SA
18.07.2010 Léros / Marina Leros Evros SA
19.07.2010 Léros / Marina Leros Evros SA – Télendos
20.07.2010 Télendos – Kálymnos / Emboriós
21.07.2010 Kálymnos / Emboriós
22.07.2010 Kálymnos / Emboriós
23.07.2010 Kálymnos / Emboriós
24.07.2010 Kálymnos / Emboriós – Léros / Marina Leros Evros SA – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
25.07.2010 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Lipsi / Hafen
26.07.2010 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Lipsi / Hafen
27.07.2010 Lipsi / Hafen – Arkí / Tiganáki
28.07.2010 Arkí / Tiganáki – Arkí / O. Stenó
29.07.2010 Arkí / O. Stenó
30.07.2010 Arkí / O. Stenó – Lipsi / O. Katsadiá
31.07.2010 Lipsi / O. Katsadiá – Kálymnos / Póthia – Platy (bei Psérimos)
01.08.2010 Platy (bei Psérimos) – Kos / Stadthafen – Psérimos / O. Psérimos (Avlakia) – Psérimos / O. Vathy – Kos / Stadthafen – Psérimos / O. Vathy
02.08.2010 Psérimos / O. Vathy
03.08.2010 Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina – Gyali
04.08.2010 Gyali – Nisyros / Páli
05.08.2010 Nisyros / Páli
06.08.2010 Nisyros / Páli – Tílos / O. Skáfi – Tílos / O. Livádia
07.08.2010 Tílos / O. Livádia – Kos / Thérma – Kos / Marina
08.08.2010 Kos / Marina – Kálymnos / O. Paliónisos
09.08.2010 Kálymnos / O. Paliónisos – Léros / O. Xirókampos
10.08.2010 Léros / O. Xirókampos – Léros / O. Goúrnes / Ag. Isídoros – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
11.08.2010 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni – Levítha / O. Levítha
12.08.2010 Levítha / O. Levítha – Astypálea / O. Livadia
13.08.2010 Astypálea / O. Livadia
14.08.2010 Astypálea / O. Livadia
15.08.2010 Astypálea / O. Livadia
16.08.2010 Astypálea / O. Livadia – Astypálea / O. Schinunta
17.08.2010 Astypálea / O. Schinunta
18.08.2010 Astypálea / O. Schinunta – Astypálea / O. Skala (Hafen) – Amorgós / O. Kalotarítissa
19.08.2010 Amorgós / O. Kalotarítissa – Amorgós / Limáni Egiális
20.08.2010 Amorgós / Limáni Egiális
21.08.2010 Amorgós / Limáni Egiális
22.08.2010 Amorgós / Limáni Egiális
23.08.2010 Amorgós / Limáni Egiális
24.08.2010 Amorgós / Limáni Egiális – Kos / Kamari
25.08.2010 Kos / Kamari

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 75:33 Strecke: 444,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


13.7.2010 Dienstag
Anreise nach Leros
Der Airbus 319 der Olympic Air landet mit fast einer Stunde Verspätung. Wir nehmen den Bus X96 um 16:45h direkt vor dem Terminal. Der Express Bus kostet € 3,20 pro Person und bringt uns sehr bequem direkt zum Eingangstor 3 in Piräus. Das dauert fast eineinhalb Stunden. Bei diesem Verkehr wäre das Taxi auch nicht viel schneller gewesen. Aber wir haben es sowieso nicht eilig. Beim ANEK-Fahrkartenkiosk erhalten wir unsere per Internet bestellten Fahrkarten und erfahren, dass F/B Ierapetra erst eine Stunde später abfahren wird. Also um 23 Uhr. Im Starbucks Café fast direkt daneben warten wir die Ankunft der Fähre ab. Es ist nicht sehr gemütlich. Draußen herrscht ein irrer Lärm, weil die um 21h nach Kreta abfahrende Fähre Kriti I den Motor laufen lässt, keine 30 m vom Café entfernt. Wer sich unterhalten will, muss schreien. Das machen viele, eigentlich alle. Die eintönige Musikberieselung hat fast keine Chance, gehört zu werden, also draußen. Drinnen, im offiziellen Wartesaal der Piräus Port Authority schon, wo die Theke von Starbucks ist. Aber dort sitzt niemand. Die nervige Musikberieselung ist nicht so schlimm. Die Klimaanlage ist es um so mehr. Sie lässt sich laut Starbucks im Pullover bedienenden Personal nicht auf wärmer schalten und macht einen riesigen, windigen Kühlschrank aus dem Wartesaal trotz weit offener Eingangstür. Hier könnte Griechenland sparen.
Um 20:45h legt die Fähre an. Eine Dreiviertelstunde später haben wir unsere Außenkabine mit Stockbetten bezogen. Das Fenster bringt aber nix, weil die Aussicht aus einem bildfüllendem Rettungsboot besteht.
Wir besichtigen das Schiff und sind zufrieden. Dieses 35 Jahre alte Fährschiff ist weder groß noch klein, wirkt gepflegt und bietet eine gute Portion Seefahrtsromantik. Als es um 23h ablegt, sitzen wir schon längst im Bedienungsrestaurant, wo man tatsächlich aus dem Fenster was sieht – und außerdem gut und nicht teuer essen kann.


14.7.2010 Mittwoch
Léros / Marina Leros Evros SA
Nach Patmos und Lipsi legt die Fähre fast pünktlich um 10:45h in Leros an. Der Autovermieter erwartet uns, hilft das Gepäck ins Auto zu laden (mehr hätte nicht Platz gehabt), füllt den Mietvertrag aus und sagt, wir sollen uns melden, wann wir es wieder zurück geben wollen. Es kostet 30 Euro pro Tag.
Kurz darauf sind wir bei der Blodughadda. Ich sehe sofort, dass die Arbeiten am Frontbeam genau so weit fortgeschritten sind, wie vor drei Wochen. Das Drahtseil ist also nicht montiert worden. Ebenso sind die Gelcoatreparaturen nicht geschliffen und die neue Ankerhalterung nicht nach meinen Anweisungen zugeschnitten worden. Dafür ist das Service an Motoren und Saildrives fertig.
Im Marinabüro erklärt man mir, dass das Drahtseil nach Athen gesendet werden musste und heute per Botendienst von dort zurückgesendet wird, also morgen eintreffen wird. Ich bestätige meine Reservierung für den Travellift für heute. Nachdem Bob am Telefon versichert hat, dass das Seil auch montiert werden kann, wenn das Boot im Wasser ist, bekomme ich einen Termin für den Travellift um 16 Uhr.
Sogleich mache ich mich daran, die Logge und die neue Ersatz-Unterwasservideokamera zu installieren, damit das Boot im Wasser nicht gleich absauft. Es ist furchtbar sandig, auch innen. Aber wir beschließen, es erst im Wasser zu waschen, weil dies auf der Sandpiste ziemlich sinnlos ist. Wir räumen etwas auf und machen das Bett fertig. Um 13h sind wir reif für ein kühlendes Bad und fahren die 4 km nach Xerokampos, die Bucht im Süden. Das Schwimmen tut sehr gut. Die kühlen Getränke und die bequemen Strandsesseln, die wir im Schatten eines Sonnenschirmen aufstellen, ebenso. Bis ca. 15:15 lesen, schlafen und schwimmen wir. Dann fahren wir zurück, um rechtzeitig zurück zu sein.
Ich melde mich im Marinabüro und zahle die offene Rechnung: 80,- für die 7 zusätzlichen Standplatztage und 749,32 für das Motorenservice. Um 15:40h kommt der Motormechaniker. Er muss noch die Motoren entlüften und das System mit Diesel füllen, was nach jedem Dieselfilterwechsel notwendig ist. Hatte er also noch nicht gemacht. Es gelingt ihm aber nicht. Er probiert ca. 20 Minuten lang, schafft es aber nicht. Ich fürchte schon, dass die Zufuhr verdreckt ist, weil es bei beiden Motoren gleich ist. Er muss dann aber zu einem anderen Boot und lässt sich 1,5 Stunden lang nicht blicken. Mittlerweile probiere ich sein Vorhaben auch, aber mit demselben Resultat. Die Leitung lässt sich zwar mit einer Fahrradpumpe gut durchblasen. Aber man müsste saugen können. Mit einem dünnen Plastikschlauch in die Kupferleitung eingesteckt kann ich schon saugen, aber nach den ersten Tropfen Diesel im Mund schmeckt mir diese Vorgangsweise nicht.
Der Mechaniker weiß dann wieder Rat: Den Primärfilter/Wasserabscheider aus dem Reservekanister mit Diesel füllen und dann mit diesem Diesel am Sekundärfilter entlüften. Das macht er an beiden Motoren recht flott und erklärt dann, dass die Motoren jetzt starten werden. Aber das sollten wir erst machen, wenn das Boot im Wasser ist. Ich gehe wieder zum Büro hinauf und erfahre, dass der Kranführer mittlerweile nach Hause gegangen ist. Der Juniorchef Nikolas wird ihn aber anrufen, dass er gleich herkommen soll.
Ich will sicher sein, dass die Motoren funktionieren und installiere den Flusher auf die Wassereinlassöffnungen des Saildrives und schließe ihn am langen Wasserschlauch an. Da kommt der Motormechaniker vorbei und hilft mir, indem er den Wasserhahn aufdreht sobald ich den Motor starte. Der Backbordmotor startet tatsächlich auch sofort, wenn auch etwas stotternd. Aber dann beruhigt er sich und er spuckt auch brav das per Schlauch zugefügte Kühlwasser aus dem Auspuff. Der Steuerbordmotor startet auch, will aber kein Wasser lassen. Der Mechaniker meint, ich soll mehr Gas geben. Mache ich, aber immer noch kein Wasser. Ich überprüfe, dass das Ventil innen offen ist und dass die Wasserpumpe läuft aber erst als ich den Flusher mit der Schnur fester anbinde, damit die Gummiohrwascheln fester angepresst werden, kommt tatsächlich das ersehnte Nass aus dem Auspuff. Also kann das Boot ins Wasser. Der Mechaniker geht zufrieden davon und ich packe den Schlauch wieder weg.
Als ich wieder ins Boot über die Leiter hinauf steige, höre ich ein seltsames Tröpfeln. Es kommt vom Backbord-Motor. Es ist auch nicht ohne Wirkung: Aus dem Entlüftungsloch am Treibstofffilter beim Motor sprudelt der Diesel heraus. Ich schraube die Entlüftungsschraube, die ich bei meinen Versuchen geöffnet hatte, sofort wieder zu. Der Mechaniker hatte also an der anderen Schraube entlüftet, im Motorhandbuch „Schraubstopfen“ genannt. In der Motorbilge ist ein Dieselsee. Ich schöpfe ihn mit der Kelle in zwei Kübeln und tupfe den Rest mit Küchenpapier ab. Also so ca. 6-7 Liter ist da ausgeronnen. Weil der Diesel jetzt sicher nicht sauber ist, kann ich ihn leider nicht wieder in den Tank gießen, kommt also in den Altölsammelbehälter.
So um 19h stellen Beate und ich fest, dass wir jetzt wirklich gerne wissen möchten, ob das Boot heute noch ins Wasser kommt oder nicht. Wenn nicht, wollen wir uns nämlich ein Zimmer für die Nacht suchen, um nicht auf dem Trockenen schlafen zu müssen – ohne anwendbares Bordklo. Für das Marinaklo hieße es: Leiter hinunterklettern und über den Sandplatz huschen. Naja ich würde mir da leichter tun trotz nächtlicher Platzscheinwerfer.
Im Marinabüro erklären sie mir, dass Giorgios, der Kranführer, sein Handy ausgeschaltet hat und man ihn deswegen nicht erreichen kann. Sie werden es aber immer wieder versuchen. Ich erkläre, dass ich in einer halben Stunde wissen muss, ob wir nun ein Zimmer suchen werden müssen oder nicht.
Kurz vor halb acht gibt es die Erfolgsmeldung: Giorgios werde gleich da sein und wir können mit dem Boot über Nacht im Travelliftbecken bleiben. Der riesige Kran hat dann bald die Blodughadda und mich dorthin getragen. Zu Sonnenuntergang um 20:15 liegt das Boot längsseits. Das Becken ist so riesig, dass zwei Blodughaddas neben einander darin Platz hätten. Die können hier nämlich Boote mit einer Breite bis zu 13 Metern heben.

Wir verlegen ein langes Kabel für die Stromversorgung und schalten den Kühlschrank ein. Als wir jetzt auch die Frischwasserpumpe einschalten, hören wir ein bereits bekanntes Plätschern aus dem Backbordmotorraum. Ich stürze hin und sehe, dass Wasser aus den Schläuchen schießt, die bisher am Warmwasserboiler angeschlossen waren. Den Boiler, den wir eh nie gebraucht haben, hat der Mechaniker ausgebaut, weil er kaputt und die Ursache für exorbitanten Kühlflüssigkeitsverlust war. Den Motoranschluss für die Kühlflüssigkeit hat er wohl zugestöpselt. Aber nicht die Wasserleitung! Klar, dass das Wasser da hinaus schießen muss, wenn der Druck aufgebaut wird. Im Moment können wir nichts anderes machen, als die Pumpe ausschalten und die Enden der Leitungen so hoch hinauf binden, dass sie über dem Wassertank sind, damit dieser sich nicht durch das Gefälle in den Motorraum entleert.
Das wohl verdiente Abendessen im To Petrino ist wieder hervorragend gewürzt und mehr als ausreichend obwohl wir uns den besten Schweinsfilet-Souvlaki Griechenlands teilen.


15.07.2010 Donnerstag
Léros / Marina Leros Evros SA
Gleich nach dem Frühstück schaue ich in die Marinawerkstatt hinein. Tatsächlich liegt da der alte Boiler samt Anschlussstücken. Einer mit Ventil, der andere ohne. Ich schraube sie beide ab und es gelingt mir, sie mit den offenen Leitungen zu verbinden (no na, dort waren sie ja auch vorher) aber auch sie mit einander zu verbinden. Das müsste funktionieren, weil der Wasserfluss gleich ist wie vorher. Nur befindet sich kein Boiler mehr zwischen den Anschlussstücken. So ist es auch und wir können wieder das fließende Wasser einschalten.
Bevor die Heinis hier irgendeinen Platz zuteilen, suche ich mir einen aus: Am letzten Schwimmsteg innen mit dem Bug in Windrichtung. Der Wind geht noch immer ganz ordentlich, wie schon die ganze Nacht. Wir dürfen dorthin und werden beim Anlegen mit Bug voran vom Juniorchef Nikolas persönlich samt Kranführer Giorgios und Motormechaniker unterstützt. Jetzt erfahre ich, dass das Drahtseil angekommen ist, aber der Bob, der es montieren soll, erst am Samstag Nachmittag ankommen wird. Das macht mich nicht gerade glücklich. Auch nicht die Rechnung die ich gestern Abend noch zugesteckt bekam: 120 Euro für „Fill the engine system with fuel, aerification of the engines, run engines“. Für die eine oder maximal eineinhalb Stunden, die der Mechaniker herum laboriert hat, wollen sie tatsächlich 120 Euro haben! Ich reklamiere gleich beim Nikolas, dass das erstens viel zu teuer sei, dass zweitens wohl diese Arbeit zum Motorservice dazu gehöre und drittens, dass der Mechaniker mit dem Wasserboiler Mist gebaut hat. (Mit dem Entlüften ja auch, aber weil ich meine Finger im Spiel gehabt habe, erwähne ich das lieber nicht.) Warum das jetzt noch in Rechnung gestellt wurde: Weil die Arbeiten nach der vorigen Rechnung erfolgten, in der vorigen seien sie nicht enthalten gewesen. Das mit dem Wasserboiler wollen sie nicht glauben und der Mechaniker zeigt, dass die neuen Stopfen am Motor ordentlich angebracht sind. Es dauert, bis er kapiert, dass es auch notwendig gewesen wäre, die Wasserleitung zu schließen aber dann trollt er sich schnell davon. Auch Nikolas ist inzwischen verschwunden und die Diskussion über die Rechnung daher vertagt. Ich bin ziemlich sauer. Es stimmt schon, dass ich die Leute hier unter Zeitdruck gesetzt habe, wie Nikolas auch argumentierte. Aber drei Wochen zwischen Bestellung und Lieferung von Motorservice sollte für einen Nicht-Griechen kein Problem sein. Abgesehen davon, dass ich den versprochenen Kostenvoranschlag für das Motorservice nie bekommen habe, obwohl mir für denselben Tag versprochen, an dem ich das Motorservice spezifiziert habe, nämlich am 26. Juni. Fehler von mir, besser: Motorservice 3 Monate vorher spezifizieren und den Auftrag erst nach KV erteilen. In Griechenland nur mehr so! Da sieht man erst, wie ungriechisch der vom Kos vertriebene Servicemann Takis war.

Jetzt fängt Das Große Putzen an. Die Sand- und Staubschichten innen und außen sind grauslich. Beate werkt innen, ich außen.
Um 14h haben wir genug und fahren wieder nach Xerokampos. Die angenehme Stelle am Strand bei der Taverna Mama Veta wird erneut von uns besiedelt. Die gleiche Getränkebestellung, ein Bier, ein Eistee, eine Flasche Wasser kostet heute um 50 cent weniger als gestern, nämlich 5 Euro. Heute gönnen wir uns auch noch eine Speise: Der im Vorjahr von Christian entdeckte Spinat mit Feta und getrockneten Tomaten im Tontopf ist tatsächlich ein Geschmackshammer!

Solchermaßen gesättigt, fällt der anschließende Einkauf im Ypermarket Spanós zwar üppig aber nicht extrem aus. Als wir mit den vielen Sackerln zum Boot zurück kommen, gibt es den nächsten Schaden: Der Steuerbordbug hat gegen den Schwimmsteg geschlagen und ein 1-eurogroßes Loch im Gelcoat geschlagen. Ursache: die Spring auf der Backbordseite hat sich gelöst, weil der Nikolas einen schlechten Knoten gemacht und ich diesen nicht kontrolliert hatte bevor wir abfuhren. Allerdings regt mich das jetzt gar nicht auf.


16.07.2010 Freitag
Léros / Marina Leros Evros SA
Heute wird wieder geputzt, aufgeräumt, gebadet, eingekauft und am Abend auf dem Boot gegessen. So langsam kommt Ordnung ins Schiff.


17.07.2010 Samstag
Léros / Marina Leros Evros SA
Nachdem das Boot schon einigermaßen sauber ist, wird heute Wäsche gewaschen. Die Marinaloundry – ein Kammerl mit zwei Waschmaschinen – wird gesucht und gefunden.

Damit die offiziellen Papiere schon erledigt werden, falls wir tatsächlich am Abend abfahren können, besuche ich die Hafenpolizei. Es gibt was Neues: Die Quittung für die Gebühr ist mit Computer vorgedruckt und muss also nicht mehr per Hand ausgefüllt werden. Dafür gibt es ein neues Formular: „ADIA APOPLU“ = Sailing Permission, das mit der Hand ausgefüllt wird:
Port Authority: (Leros)
No of Departure: (298)
We permit the sailing to: (unlesbar)
Ship: (Blodughadda)
Under Flag: (Finlandias)
G.R.T.: (15,37) = Bruttoregistertonnen!
N.I.T.: (10,6m) = Länge
For: (Chalki) = von mir angegebener nächster Hafen
Captain’s Name: (Tom Totterstrom)
Arrived from: (Patmos)
On the: (09.09.09)
Crew: (02)
Passengers: (-)
Cargo: (-)
Light dues: Port of: (-)
Quardruplicate (-)
Date of issue: (-)
Date of expiration: (-)
Issued for the specific capital accountdncy of the port authorithy No of (14/07/10 / 2371)
Agency: (-)
Port of: (Leros 17/07/2010)
The Harbour Master: (Unterschrift, 2 Stempel)

Alles mit der Hand ausgefüllt, was in den Klammern steht. Eigentlich mehr Arbeit als die händische Quittung über die Kosten der Amtshandlung: 0,88 Euro. Hier könnte Griechenland die Einnahmen erhöhen. Bis zu einer Verzehnfachung würde ich das noch akzeptieren. Wäre immer noch ein Schnäppchen verglichen mit Kroatien.
Es ist auch faszinierend zuzusehen, wie die nette Hafenpolizistin (oder -politesse ? was ist nun die richtige Emanzenform für Polizist?) in einem riesigen Folianten den Ankunftseintrag vom 9. September sucht, dort eine Anmerkung hinschreibt, und dann als neue Zeile einige Seiten weiter die Abfahrt einträgt. Es müssen tonnenweise solcher Mordstrumbücher in den griechischen Hafenpolizeibüros lagern, die garantiert niemand mehr jemals ansehen wird. Zeitgemäß ist es sicherlich nicht.
Ansonsten wird nur mehr die Crew List und die Versicherungsbestätigung kopiert und auf Nimmerwiedersehen abgelegt aber nicht mehr die finnische Bootszulassung. Trotzdem hat sich die Anzahl Fotokopien erhöht, weil die oben genannte Computerquittung und die Sailing Permission auch kopiert werden. Dabei habe ich dem griechischen Staat sparen geholfen, indem ich gelogen habe. Nämlich, dass die Blodughadda die ganze Zeit im Wasser und gar nicht auf Land gewesen ist. In dem Fall wäre noch mindestens ein Formular und dazu gehörige Fotokopien notwendig. Ein Formular übrigens, in dem auch nach den Vornamen des Vaters und der Mutter des Bootseigentümers gefragt wird! Ich glaube der weibliche Hafenpolizist hat die Lüge als solche erkannt und war über sie erleichtert. Aja, noch was: Sie wollte den Vertrag mit der Marina Evros für die Liegezeit sehen. Aber ich hatte ihn nicht dabei. Ein Telefonat mit der Marina hat diesen Punkt erledigt. Die Dauer der Amtshandlung habe ich nicht gestoppt. Aber weniger als 30 Minuten waren es sicher nicht. Angeblich sind alle Amtshandlungen in Griechenland furchtbar langwierig und kompliziert. Hier könnte Griechenland sparen.

Dann registriere ich im Geschäft des Telefonproviders Wind meine alte Prepaid-Simkarte (anonym geht jetzt nix mehr), lade sie auf und kaufe eine neue in Reserve. Es gibt einen neuen Tarif „1GB“: Innerhalb von 30 Tagen kann man 1GB Internettraffic konsumieren und zwar um erträgliche 10 Euro. Das ist wesentlich günstiger als die „NS7“, die ich voriges Jahr verwendet habe: 14 (heuer 15) Euro für 7 Tage mit 7GB Traffic. Aber wer braucht schon so viel?

Zurück in der Marina hole ich die Wäsche mit dem Auto ab und sie darf auf frisch geputzten Relingseilen baumeln. Beate hat mittlerweile fast alle Holzteile – Tische, Türen, Laden, Blenden – mit der gestern eingekauften Pronto-Holzpolitur eingelassen. Das wirkt! Bis auf die Stellen bei der Eingangstür, an denen der Lack vom Salzspitzwasser abgeblättert ist, sieht alles wie neu aus. Weniger gut: Beate hat eine Sonnencreme vom Vorjahr verwendet, die kaputt gegangen sein dürfte. Das ganze Gesicht ist rötlich und brennt wie Brennnesselwunden.

Weil heute Nachmittag ja der Bob zurückkommen soll, fahren wir erst um 17 Uhr los, als es sicher ist, dass – auch wenn er noch ankommen sollte – heute keine Arbeiten mehr von ihm zu erwarten sind. Ich kaufe im mittlerweile täglich besuchten Yachtzubehörhändler 20m Ankerkette samt Anschlussglied zum Stückeln an die Alte. Kostet 104 Euro und wiegt genau 43,1 kg. Im Jutesack lässt sich das zu zweit ganz gut tragen.

Nun fahren wir nach Panteli zum Schwimmen. Ist aber nicht so schön und ruhig wie in Xerokampos. Dafür billiger: 4 Euro für die übliche Getränkepackung. Danach wieder Ypermarket für den letzten Einkauf per Auto (Morgen früh wird es abgeholt). Dabei kaufen wir ausgelöste Rindskoteletts, die wir nach Sonnenuntergang auf dem Boot braten. Sie schmecken hervorragend.


18.07.2010 Sonntag
Léros / Marina Leros Evros SA
Bevor der Autoverleiher Nikolas mit Kompagnon Yannis das Auto um 10h abholt, hole ich nochmals 400 Euro vom Bankomaten. Man kann ja nie wissen, was diese Marina noch in Rechnung stellen wird. (Auf Kreditkartenzahlungen verlangen sie 1,9% Aufpreis!)
Beates Allergie von der alten Sonnencreme hat ihr eine fast schlaflose Nacht beschert und als sie aufsteht, sieht sie ganz verändert aus. Das ganze Gesicht ist geschwollen und rot. Die Augen sind ganz klein, umgeben von Wülsten. Jetzt haben wir kein Auto mehr, mit dem wir zu einem Arzt oder ins Spital fahren könnten. Beate probiert es daher mit Joghurt. Also äußerlich. Immer wieder kühlt sie ihr Gesicht mit einem nassen kleinen Handtuch und wiederholt ein paar Mal die Joghurtapplikation und liegt viel im Schatten, sprich Kajüte.
Ich versuche, die neue Ankerkette mit dem Anschlussglied zu verbinden, leider erfolglos. Man muss mit dem Hammer 4 Stifte platt klopfen, damit die Sache hält. Nach einer halben Stunden Klopfens ist gerade Mal die Spitze EINES Stiftes etwas geplättet. Da werde ich wohl auch Hilfe von der Marina benötigen. Wahrscheinlich muss man die Stifte durch die Hitze einer Lötlampe weich machen bevor sie sich plätten lassen.
Also mache ich was anderes, nämlich die Flaggen setzen, die Halterung für die Nationale montieren, die Life-Sling-Taschen an die Reling hängen, den Cockpitteppich ausbreiten, die Sonnenschutzpersenninge anzippen, die Großschotblöcke schmieren und montieren und die Schot einziehen. Das mache ich auch mit den Genuaschoten und der Genuareffleine obwohl die Segel erst dann drankommen, wenn der Bob das Beam-Drahtseil montiert hat.
Aber wann kommt endlich dieser Bob? Im Marinabüro gebe ich bekannt, dass mir morgen jemand anderer helfen muss, wenn der Bob nicht da ist. Mehr als max. 1,5 Stunden wird es wohl nicht dauern und ich habe keine Lust, meine ganzen Ferien auf irgendwas wartend in dieser Marina zu verbringen. Der heute Dienst habende rundliche Marinaangestellte Parisis weiß auch nicht, wo Bob ist, und verspricht, die Sache gleich morgen früh zur Sprache zubringen.

Aber dann, um 17:15h: Bob kommt! Mit seinem kleinen Katamaran „Comanche Krystal“ legt er gemeinsam mit seiner Frau gleich neben uns an. Es gibt ein riesiges Hallo. Allerdings nicht von mir sondern von den diversen Engländern in den Booten hier am Steg. Bob ist nämlich Engländer wenn auch assimilierter Grieche. Beates und meine Hoffnung steigt, dass wir morgen wirklich und endlich los fahren können. Aber alles kann noch passieren. Am ehesten, dass das Drahtseil jetzt nicht passt.

Mittlerweile ist das Gesicht der Beate wieder zu erkennen – die Schwellungen sind fast gänzlich verschwunden – und ich habe so langsam die ganzen Tagesberichte nachgeholt. Der Hunger packt uns. Wir beschließen, zu Fuß in die Ortschaft Lakkí (pardon: Hauptstadt) zu gehen, um etwas zu essen. Kurz nach Sonnenuntergang ziehen wir los und setzen uns 25 Minuten später ins Morano Café gleich beim Wasser. Es gibt nur Snacks und Getränke. Wir bleiben trotzdem und bestellen Club Sandwich und Mixed Sausages, small plate. Diese erweist sich als eine riesige und absolut leckere Aufschnittplatte á la Heurigen. Das Sandwich ist eigentlich ein Dreifach-Schinken-Käse-Salat-Mayo-Toast serviert mit Erdäpfelchips in Sackerlmenge. Es ist unmöglich alles aufzuessen. Im Vergleich zum Preis für diese zwei Sachen, 12 Euro, sind die zwei kleinen Biere á 2,50 recht teuer. Dafür kommt aber jeweils eine große Schüssel Nüsse bzw. Chips kostenlos dazu. Also insgesamt 17 Euro für ein Abendessen zu zweit ist nicht viel. Da fällt mir Milos aus dem Jahr 2008 ein: Kleines Bier im Café kostete 4 Euro – prack!
So und jetzt bin ich up to date mit den Tagesberichten. Aber weil ich die Programmierung des Logbuches geändert habe, muss ich erst schauen, wie ich das Ganze ins Internet bringe.


19.07.2010 Montag
18:05 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Abfahrt
19:23 Télendos / Ort Karte Ankunft
19:41 Télendos / Ort Karte Leinen fest
Zeit unterwegs: 01:36 Strecke: 10,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Die Marina und Bob interessieren sich nicht sonderlich für uns. Übermorgen sollen hier 62 Segelboote er Aegean Yacht Rally anlegen. Es gilt, die Boote zu schlichten, damit Platz für sie geschaffen wird. Ich mache ein Bahöö und erkläre, dass ich seit fünf Tagen auf die Arbeiten von Bob warte und dass ich heute ablegen will, sobald diese erledigt sind. Dann ist ja wieder Platz geschaffen. Das wirkt, aber nicht sofort.
Das Drahtseil hat nun also ein neues Ende mit Wantenspanner erhalten. Der ebenfalls neue Beschlag, der vom Bolzen des Beams gehalten wird, hat zu kleine Löcher – 12mm statt benötigte 13mm. In der Werkstatt können sie die Löcher aufbohren nachdem sie einen neuen Edelstahlbohrer angeschafft haben. Um 12:15 kommt Bob endlich daher. Er erledigt die Kettenverlängerung mit wenigen Hammerschlägen. Der Trick: Er legt einen ordentlichen Fäustel darunter und nicht wie ich ein Vierkant-Stahlrohr. Also diese Arbeit dauerte keine 3 Minuten. Dann kommt der Gehilfe Ägidis mit dem aufgebohrten Drahtseil. Es ist um ca. 8 cm zu kurz! Bob beteuert, die Maße genau angegeben zu haben und hatte eher befürchtet, es würde etwas zu lang sein. Aber die Athener Spezialisten haben es eben zu kurz gemacht. Jetzt wird überlegt und improvisiert. Ein längerer Wantenspanner würde das Problem lösen, aber solch einer ist nicht aufzutreiben, auch nicht beim Yachtzubehörhändler Piperis. Bob geht, um Verlängerungsbleche anzufertigen.
Das dauert seine Zeit, bringt aber den erhofften Erfolg und um 18:05 können wir endlich ablegen. Aber auch dieses Jahr mit einem Malheur, allerdings halb so schlimm: Beim reversieren schalte ich den bb-Motor etwas zu früh in den Rückwärtsgang und die Mooringleine verheddert sich im Propeller und würgt den Motor ab. Ich schicke Beate mit einem Fender nach vorne, damit sie die bevorstehende Kollision mit dem Nachbarboot abfangen kann, schnappe mir die Taucherbrille und stürze ins Wasser. Die Leine ist so schnell wieder abgewickelt und ich zurück am Steuerstand, dass Beate gar nicht bemerkt, dass ich im Wasser war. Sie wundert sich später nur über das Wasser im Cockpit.
Ohne Schaden (hoffentlich haben die Dichtungsringe an der Propellerwelle keinen!) fahren wir davon und erreichen Télendos 80 Minuten später. Frank und Petra Haidinger erwarten uns schon auf ihrem Katamaran Lagoon 380 an der Stelle, wo wir uns letzten Herbst verabschiedet haben. Wir legen uns mit Anker längsseits und begrüßen einander herzlich. Die Eltern von Frank sind auch dabei. Sie wohnen im Hotel in Kos und werden nur diese Nacht auf dem Boot schlafen.
Nach dem ersehnten Schwimm gehen wir zum George’s Taverna essen. Es ist wieder sehr gut, obwohl es der Beate nicht so schmeckt. Man soll hier nämlich wild flambierten Saganaki und Fleisch mit Soosse essen und nicht nur Salat!
Nach dem Abendouzo auf der Charivari (Bootsname der Haidingers) sind wir so richtig müde.

So flambiert man Käse mit Ouzo


20.07.2010 Dienstag
10:45 Télendos / Ort Karte Abfahrt
11:25 Kálymnos / Emboriós Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:40 Strecke: 3,2 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten


Frühstück und Besichtigung der Lagoon 380 steht auf dem Programm. Das Boot ist wirklich wesentlich größer als die Tobago, obwohl nur 1m länger. Und im Vergleich mit einem 13 Jahre alten vergilbten Boot ist dieser Einjahresbaby noch sehr weiß.
Um 10:45 fahren wir los und tuckern langsam in die 3,2sm entfernte Bucht, wo wir 40 Minuten später eine der 10 Bojen nehmen, die die Tavernen hier ausgelegt haben. Wir nahen eine der zwei der Taverna „Artistico“. Also werden wir am Abend dorthin essen gehen, was ja erwartet wird. Allerdings ist es keinesfalls verpflichtend. Kosten tut die Boje jedenfalls nichts.
Der erste Tag unseres Urlaubs, der so ist, wie wir es erhofft haben, beginnt: Wir liegen sicher und bequem in schöner, ruhiger Umgebung. Jederzeit können wir ein Bad im kristallklaren, warmen Meerwasser nehmen. Wir müssen auf nichts warten und haben es nirgendwohin eilig. Außerdem funktioniert das Internet über die griechische SIM-Karte mit UMTS, so dass wir mit 2 Computern und einem iPhone über das Bord-WiFi-Netz jederzeit mit der Welt in Verbindung treten können. Sogar die Verbindung zum Telefonserver im Büro funktioniert. Bin also hier genau so erreichbar wie im Büro unter +431 5050304-1, vorausgesetzt ich höre das Klingeln.

Das neue Schlauchboot wird erstmals aufgeblasen. Es ist putzig! Statt eines Heckspiegels hat es auch am Heck eine Wulst. Man hat den Eindruck, dass es gleich breit wie lang ist. Mehr als 3 Personen können mit diesem Miniding sicher nicht transportiert werden. Dafür ist es so leicht, dass ich es mit einer Hand locker auf die Heckplattform hochziehen kann.

Besondere Freude macht mir heute die Montage meines GPS-Navigationsgerätes aus dem Jahr 1994, das seit vielen Jahren nicht in Verwendung war. Das Magellan NAV 5000 DX scheint bestens zu funktionieren und bekommt einen Platz gleich beim Steuerstand, inklusive Stromversorgung und Aufhängvorrichtung. Das eingebaute und extrem nervige Valsat 02L kann ich endlich außer Betrieb nehmen. Das Magellan kann sowieso mehr und findet die Position wesentlich schneller. Mehr als die genauen Daten für Kurs zum Ziel, Kurs über Grund und Geschwindigkeit brauche ich gar nicht. Also wozu was Neueres?

Abends rudern wir die 50m zum Strand mit dem Schlauchi. Im Mini Market kaufen wir ein wenig ein, gehen eine Runde durch das kleine, schön am Hang liegende Dorf, bevor wir in „Artistico“ Platz nehmen. Die Wirtsleute George und Irene Glinatsi sind auch klein. Aber sehr kommunikativ und lustig. Das Essen ist gut und nicht teuer. Die obligatorische Nachspeise „from the house“ sind zwei große Portionen Zuckermelone – sehr gut.


21.07.2010 Mittwoch
Kálymnos / Emboriós
Bereits um ca. 4 Uhr früh setzt der Melémi ein. In den Böen ist es richtig laut und das Boot zerrt wie verrückt an der Boje. Aber sie hält, was der Wirt gestern ja auch versprochen hat (Very strong, 3 tons). Um die Mittagszeit beruhigt sich der Wind wieder. Eigentlich sollte es umgekehrt sein.
Um 14h ist er wieder voll da. Inzwischen versuche ich das Echolot zu reparieren. Ich vermute einen Kontaktfehler bei der Steckerkupplung und schneide sie einfach weg. Das war es aber nicht. Die Tiefenanzeige bleibt bei 0,0m. Nachdem die Windanzeige seit ein paar Jahren auch nicht richtig funktioniert, wird es wohl Zeit, neue Instrumente zu kaufen…

Wie schon gestern festgestellt, tropft Diesel aus dem Motor, wenn er läuft. Diesmal auf der Steuerbord-Seite. Nicht sehr viel, aber so ca. ein halber Liter dürfte in der Motorbilge schon vorhanden sein. Der Supermechaniker hat es also geschafft, das nicht gerade billige Motorservice so abzuschließen, dass an beiden Motoren der Treibstoff ausrinnt! Ich vermute eine kaputte Dichtung oder ein kaputter O-Ring als Ursache, aber ich kann den Filter nicht aufschrauben. Außerdem soll der Mechaniker gefälligst selbst seine Pfuscherei ausbessern. Zurück nach Leros Marina dauert es von hier höchstens 1,5 Stunden auch gegen den Meltémi. Mein diesbezügliches Mail wird auch positiv beantwortet aber es wird wohl Samstag werden, bevor wir dran kommen können. Ich hoffe, sie meinen diesen Samstag…

Endlich bringe ich den voriges Jahr gekauften Wechselrichter Waeco PocketPower SI 102 richtig in Gang. Bisher hat er sich immer wieder ausgeschaltet und dann wieder eingeschaltet. Das direkt von den Batterien zur 12V-Steckdose gezogene Kabel mit 2 x 2,5 Quadrat ist dick genug, um keinen Spannungsabfall zu verursachen und täuscht dem Gerät daher nicht mehr vor, an leeren Batterien zu zutzeln.

Heute gehen wir nicht ein Mal abends an Land. Wir haben ja noch ein paar Tage Zeit dafür. Beate kocht uns ein köstliches vegetarisches Abendessen und danach schalten wir den „Fernseher“ ein – sehen uns also ein paar daheim aufgenommene Krimis am MacBook an.


22.07.2010 Donnerstag
Kálymnos / Emboriós
Es gibt nichts, was es nicht gibt! Wer mich kennt, kennt diesen Spruch. Er wurde heute Nacht um 4 Uhr wieder bewiesen: Wir werden von einem Kracher aufgeweckt und stürzen hinaus. Den Kracher wurde vom Nachbarboot verursacht, das jetzt direkt neben uns liegt. Ich kapiere zuerst gar nichts und denke, dass ich wohl noch träume. Aber dann sehe ich, dass wir nicht mehr an der Boje hängen und die Blodughadda auf das Nachbarboot getrieben ist. Ich starte die Motoren und will davon fahren aber der Stbd-Motor stirbt sofort wieder ab, was mich noch mehr verwirrt – schon wieder eine Leine im Propeller? Inzwischen hat sich der Bugspriet des Nachbarbootes in unsere Reling verheddert und eine Relingstütze abgebrochen. Ich gehe hin, um es zu entwirren, während Beate vorsichtig Gas vorwärts mit dem Restmotor gibt. Das funktioniert auch bestens und wir sind wieder frei. Der andere Motor startet und funktioniert auch wieder normal. Wir fahren zu unserer Boje zurück und Beate hängt wieder den Karabiner in den Schäkel. Hier ist nichts beschädigt, also kann nur der Karabiner irgendwie aufgegangen sein. Wie das passieren konnte ist mir immer noch ein Rätsel, aber das gibt es eben. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass dies nochmals passiert, praktisch Null ist, legen wir noch in er Nacht eine zusätzliche Leine, die wir jetzt einfach durch den Bojenschäkel durchfädeln. Vom Nachbarboot haben wir das Solar-Gartenlicht, das am Bugkorb als Ankerlicht montiert war, unfreiwillig mitgenommen. Vom Glas fehlt ein Stück aber sonst funktioniert es. Es lässt sich gar nicht abschalten. Bevor wir wieder schlafen gehen, sinnieren wir über das Geschehene. Fazit: Riesenglück im Unglück. Wären wir nicht auf das Nachbarboot getrieben, wären wir womöglich erst aufgewacht wenn wir gegen die Felsen gekracht hätten. Das wäre dann ein erheblich größere Schaden gewesen. Wir wundern uns auch darüber, dass auf dem Nachbarboot niemand zu sehen war. Die können doch nicht alle so fest geschlafen haben, dass sie nichts gehört haben?
Haben sie auch nicht. In der Früh kommt einer der Spanier (Nationale) oder Italiener (Salingflagge) mit dem Schlauchboot herüber und will wissen, was eigentlich in er Nach passiert ist. Ich erkläre es ihm und frage, was die Gartenlaterne koste, weil ich es ihm bezahlen will. Er winkt ab und sagt, wegen der 20 Euro oder so, soll ich mir keine Gedanken machen, sondern froh sein, das sonst nichts passiert ist. Wir können ja am Nachmittag an Land gemeinsam ein Bier trinken gehen. Na gut, das werde ich wohl schon zahlen dürfen.

Ich bringe die Unterwasservideokamera provisorisch in Gang (das Kabel muss noch verlegt und die Stromanschlüsse gemacht werden). Ich sehe auf dem Monitor aber nur ein mit hohem Seegras bewachsenen Grund. Ich versuche Ordnung in die elektrischen Leitungen in der Schalterkonsole zu bekommen und bin fast erfolgreich.

Bevor wir am Abend zum Strand rudern, bringen wir dem Nachbarn seine kaputte Ankerlichtleuchte und 25 Euro. Ich entschuldige mich dafür, dass ich sie nicht reparieren konnte, aber für das Geld müsste sich eine neue ausgehen. Dann kaufen wir vom Kleinlastwagen des Obsthändlers Minigurken und Tomaten bevor wir uns wieder ins Artistico setzen. Das Essen ist wieder hervorragend, die Tische haben tatsächlich Stofftischtücher, das Besteck und die Teller haben ein schönes Design und es spielt eine sehr angenehme Hintergrundmusik. Ich erwähne das alles lobend und der Wirt küsst mich fast ab dafür. Es sei genau sein Ansinnen, etwas anderes als eine normale Taverna zu sein und dazu gehöre eben viel dazu. Sein Sohn Nikolas kocht und verwendet viel Kräuter, vor allem Petersilie und Dille, was auch im griechischen Salat sehr gut schmeckt. Er selbst spielt leidenschaftlich und gut Gitarre. Meistens singt seine Frau dazu, sagt er. Aber heute ist sie nicht da. Dafür der von uns gerammte Nachbar. Mit eigener Gitarre. Die zwei veranstalten ein Gitarrenkonzert mit Gesang. Sie versuchen verzweifelt auch die Gäste zum Mitsingen zu animieren. Bei einer englischen Familie gelingt das ganz gut. Die 8 jungen Norwegerburschen trinken lieber Gin-Tonic und Beate summt hin und wieder mit. Das Problem: Keiner kennt den Text. Aber die alten Beatleshadern kennt jeder.


23.07.2010 Freitag
Kálymnos / Emboriós
Bisher nichts über das Wetter berichtet. Es wird Zeit. Also die Temperatur ist in Ordnung, immer so um die 30-32°C tagsüber und in der Nacht 3 bis 4 Grad kühler. Aber den Wind ist schon wieder deppert. Seit Dienstag Abend orgelt der Meltémi seine Fallböen herunter. Tag und Nacht. Das ist laut, das zerrt das Boot hin und her, das ist nervig! Das Seil knarrt auf dem Beam sobald die Boje die Rückwärtsfahrt der Blodughadda abrupt stoppt. Das Gestell des Biminitops hat auf dem Cockpitdach einen Millimeter Spiel und das hört sich an, als ob jemand aufs Dach klopfen würde. Wenn der Wind nur konstant wäre und nicht alle 30-40 Sekunden mit Wucht und dazwischen fast gar nicht wehen würde! Andererseits, wenn ich bei der Tür hinausblicke, sehe ich so ca. 50m hinter uns dunkles Wasser mit sehr vielen weißen Kämmen – konstant. So gemütlich wäre es dort auch nicht. Am Sonntag soll der Meltémi eine 4-Tagespause einlegen. Am Sonntag und Montag soll sogar leichter Südwind wehen. Na hoffentlich.
Von der Marina Leros erhalte ich den Anruf, dass wir uns morgen um ca. 12h bei der Marina einfinden sollen, um den Stb-Motor zu reparieren.
Am Nachmittag beruhigt sich der Wind. Erst mit Sonnenuntergang fängt er wieder an. Diesmal nicht aus N sonder aus W. Den Nachmittag verbringe ich Kabelein- und ausfädelnd. Ein ganzer Haufen nicht mehr benötigter Kabeln und ein auf Knopfdruck funktionierende Seegrundvideokamera sind das Resultat.
Nach dem wohl verdienten Schwimm rudern wir wieder an Land. Diesmal setzen wir uns in Harry’s Paradise. Der Name bezieht sich wohl am ehesten auf den üppigen Garten und wohl gerne auch auf paradiesische Speisen (The best food Mediterranean can offer in a garden paradise by the sea“ steht auf der Visitenkarte. Aber wir wollen ja nur ein kühles Bier trinken und eine Kleinigkeit essen.
Während des Abendessens an Bord fängt an Land eine Band zu spielen an. Die Leute tanzen. Wir überlegen, wie lange die Dudelei wohl gehen wird. Letzten Samstag in Lakki hat die Band bis 6h früh gespielt, war aber viel weiter weg. Aber die Aufführung ist so einfallslos, vor allem die Computermusikbegleitung, dass wir nach dem Essen bereits im Cockpit bestens einschlafen.


24.07.2010 Samstag
10:20 zweiter Motor dazu
11:50 Ankunft
12:04 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Leinen fest
16:40 Léros / Marina Leros Evros SA Karte Abfahrt
18:08 Ereignis
Zeit unterwegs: 03:52 Strecke: 20 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


Um 9:40h verlassen wir die Boje. Bei einem Abstecher zur Nachbarbucht, Kalamiá, stellen wir fest, dass diese auch schön gewesen wäre. Auch hier liegen Bojen aus.
Gegen den Wind schaffen wir es mit einem Motor nur bis zur Straße zwischen Kálymnos und Léros. Dann muss ich auch den Stbd-Motor dazu schalten, um vorwärts zu kommen. Eigentlich wollte ich den kalt lassen, damit der Mechaniker sich die Finger nicht verbrennt.
Wir erreichen die Marina pünktlich um 12:04. Der Mechaniker im hellblauen Overall hilft mit, die Leinen entgegen zu nehmen. Ich wundere mich. Der Mechaniker erwartet uns! Aber nein. Kaum haben wir angelegt, verschwindet er wortlos wieder. Wir hängen den Wasserschlauch und den Strom an und ich gehe zum Büro. Ja, die Chefin weiß, warum wir da sind und der Mechaniker, der Tassos heißt, wie ich jetzt erfahre, wird in 30 Minuten da sein, also wahrscheinlich heute noch.
Da ich die hiesigen 30 Minuten kenne, nütze ich die Zeit und fahre mit dem Tret-Scooter zum Yachtzubehörhändler Piperis und kaufe vor allem einen Metallklebstoff ein. Ich hoffe, damit den gebrochenen Relingsstützenfuß kleben zu können bis der bestellte Ersatz eingetroffen ist. Aber nicht Tassos, sondern Bob macht sich dran, den Dieselfilter zu reparieren. Tassos muss den großen Kran reparieren, der irgendwie hin ist. Mittlerweile ist es schon 15 Uhr. Er stellt fest, dass der O-Ring des Filters ausgetauscht werden muss, weil er platt gedrückt ist. Ich habe leider keinen Ersatz. Er und die Werkstatt hier auch nicht. Mit dem neuen Filter, den der Tassos ausgetauscht hat, wurde kein O-Ring geliefert, erklärt er. Warum auch? Jedenfalls treibt er jetzt einen passenden O-Ring auf so dass wir um 16:40 endlich wieder abfahren können. Zu zahlen haben wir nichts. Eigentlich hatte ich mir das erwartet und mich auf eine entsprechende Diskussion vorbereitet. Aber es war eben keine Hammergeschichte á la Watzlawick.
Um 18:24 ankern wir bei der Insel Archangelos N von Leros. Es ist wunderbar ruhig, was auch den Wind betrifft. Es gibt Schinken-Käse-Toast aus dem Riess-Kelomat Blitz-Grill (Kann ich sehr empfehlen, schließlich ist die Firma nicht nur mein Kunde sonder die Ware auch schwer in Ordnung)


25.07.2010 Sonntag
Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Lipsi / Hafen
Total stille Nacht. Und kühl – 24°. Die angekündigte Windberuhigung tritt ein gemeinsam mit Abkühlung. Besser geht es nicht. Na gut, wir sind ja jetzt weiter nördlich…
Im Laufe des Vormittages nützen die einheimischen den Sonntag und das schöne Wetter ausgiebig für Bootsausflüge. Auch hierher. Um 12h rauchen die Griller schon am Strand und die Griechen unterhalten sich schreiend. Und ich habe den abgebrochenen Relingsstützenfuß mit BISON EPOXY METAL fast lautlos geklebt. Soll halten wie verrückt, das Zeug. Wird sich erweisen.

Der Tag vergeht mit so meditativen Tätigkeiten, wie Schrauben sortieren und Drahtkörbe unter dem Salontisch montieren. Alles mit dem Zweck, die Ordnung zu verbessern. Sonst beobachten wir das Kommen und Fahren der Sonntagsflügler und essen abends einen köstlichen Nudelsalat. Der Vollmond scheint malerisch und später streichen Wolken über die Berge von Leros.


26.07.2010 Montag
11:10 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Abfahrt
12:35 Lipsi / Hafen Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 01:25 Strecke: 7,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


Ich will das ruhige Wetter nützen, um endlich zumindest die Genua anzuschlagen. Aber als endlich alles vor das Hissen vorbereitet ist, hat der SW-Wind so ordentlich zugelegt, dass wir kaum mehr 20m vom Ufer entfernt liegen und das Segel beim Hochziehen fürchterlich flattern würde. Ich binde es kurzerhand zusammen und wir fahren los.
In Lipsi weht natürlich auch der Südwind mit mit 20 Kn. und wir nehmen einen Platz längsseits des Schwimmstegs auf der Leeseite. Das Anlegemanöver gelingt nicht wirklich elegant, weil die Helfer auf dem Steg mit den Festmachern nichts anfangen können. Leine mit Gummiruckdämpfer und Kette haben sie sicher noch nie gesehen und verstehen nicht, wie ein Karabiner funktioniert. Aber egal, nach einiger Zeit liegen wir sicher längsseits ohne jeden Schaden.
Wir gehen einkaufen, setzen uns auf ein Bier bzw. Fanta ins Lokal bei der Mole und beobachten das Treiben. Nicht wirklich aufregend aber nett. Dann packen wir unsere Strandsesseln und gehen zum Sandstrand über den Hügel, kaum 100 m entfernt.
Das Wetter bleibt ungriechisch: Immer wieder ziehen dicke Wolken vorbei.
Am Abend ist der Besuch der besten Taverna vom Dodekanes Pflicht: Manoli’s Tastes. Manolis persönlich kommt am Boot vorbei und teilt seine Speisekarte aus.


27.07.2010 Dienstag
10:30 Lipsi / Hafen Karte Abfahrt
12:08 Arkí / Tiganáki Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:38 Strecke: 7,3 Seemeilen Ø Fahrt: 4,4 Knoten


Um 10:30h lagen wir ab. Der Wind ist immer noch sehr schwach und kommt aus SW. Wir fahren entlang der W-Seite von Lipsi mit nur einem Motor. Der Stbd-Motor hat noch immer einen undichten Dieselfilter, der tropft, wenn der Motor läuft.
Nach 1,5 Stunden ankern wir zum 18. Mal in Tiganáki. Der Platz ist immer noch wunderschön. Heute überhaupt, weil kein steifer Nordwind weht. Insbesondere die RIB-Besitzer wissen das auch (RIB = Rigid Inflatable Boat = Schlauchboot mit Glasfiberboden/-rumpf). Unzählige brausen heran und davon mit einem kurzen Schwimmstopp dazwischen. Einige mehrmals, andere bleiben länger. Die Größe der Boote ist mitunter beachtlich. Das größte hat 45 Fuß, steht drauf, also 13,5 m Länge! Es ist aber sowas von potthässlich, dass es einem graust und macht mit seinem Einbaumotor ein Geräusch wie ein Rennboot. Sonst sind Außenborder standard, wobei das Wichtigste ist, dass man sieht, wie viele PS da hinten hängen. Zwei Mal 250 PS dürfte anstrebenswert sein. Heute gewinnt aber ein schwarzes Monster mit 2 x 350 PS das Wer-hat-den-Größten-Spiel. Die spinnen die Griechen!

Ich habe andere Sorgen. Das tropfende Dieselfilter konnte ich zwar reparieren. Allerdings war es gar nicht leicht zu erkennen, wo das Leck war. Aber dann war nur eine neue Dichtung beim Stopfen notwendig – hoffentlich. Meine wirklichen Sorgen gelten den Batterien. Sie scheinen sich weder ordentlich aufladen noch belasten zu lassen. Ich lade, messe, lese im Boatowner’s Manual und überlege bis spät in die Nacht. Dazwischen gibt es ein Abendessen im Mondschein mit griechischer Wurst.


28.07.2010 Mittwoch
11:05 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
11:35 Arkí / O. Stenó Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:30 Strecke: 1,4 Seemeilen Ø Fahrt: 2,8 Knoten


Eine absolut windstille Nacht ohne jeden Laut lässt mich schon kurz vor 6 aufstehen, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Hier sieht man die Sonne aus dem Meer aufsteigen. Mit dem Mond auf der anderen Seite ist es direkt kitschig.
Wir bleiben noch bis 11h und machen uns dann auf den Weg, der ein kurzer ist. Nämlich 1,4 sm ein Mal um die Ecke an die W-Seite von Arkí. Zwei der drei von der Taverna ausgelegten Bojen sind frei. Wir nehmen die südlichste, die am weitesten von Steg der Taverna entfernt ist.
Den Nachmittag verbringe ich im Motorraum hockend, die Installation der Batterienkabeln umstellend. In der Hoffnung, eine bessere Wirkung der Lichtmaschinen zu erreichen, schließe ich diese jetzt anders an. Um 19h bin ich fertig und habe so gut wie gar nichts erreicht. Es ist zwar etwas logischer und ordentlicher. Aber die zwei 140Ah großen Bordbatterien wollen immer noch kaum Ladestrom annehmen. Eine davon ist überhaupt kaputt, wie ich feststellen kann. Die Anschaffung von Ersatz wird wohl unvermeidbar sein. Ebenso ein Hochleistungsladeregler auch für die Stbd. Lichtmaschine.
Um 20h machen wir uns auf den Weg zur Taverna. Das erweist sich als nicht ganz leicht. Die Windböen nehmen an Stärke zu je weiter wir uns vom Boot entfernen und das rudern im neuen Minischlauchboot gleicht immer mehr einer Fitnessübung aber nicht einem Vorwärtskommen.
Da kommen uns die Bootsnachbarn zu Hilfe: Gerade als wir auf Höhe des ersten Bootes der Bojenlinie kämpfen, steigen sie in ihr Schlauchboot und bieten sich an, uns mit ihrem außenbordmotorbestückten Schlauchboot zu bugsieren. Das nehmen wir doch gerne an und kommen so kaloriensparend zum Steg.
In der Taverna malerisch etwas höher gelegen mit den sympathischen Wirtsleuten herrscht nicht gerade Hochbetrieb. Wir sind die einzigen Gäste. Später kommen 7 junge Burschen von einer Yacht aus der Nebenbucht und unsere Abschlepper dazu.
Wir essen weder teuere noch schlechte Tavernenkost, sprich Lammkotletts und Schweinskotletts vom Grill, der erst angezündet werden will. Die Heimfahrt danach gestaltet sich problemlos. Der Äolus-Motor treibt das Schlauchboot zur Blodughadda zurück.


29.07.2010 Donnerstag
Arkí / O. Stenó
Nach dem Frühstück gibt es wieder eine Suchaktion nach den verschwundenen Sachen, Kurzwellenradio, Hand-VHF-Gerät und Fuji Techno-Stabi Fernglas. Gestern ist uns noch ein möglicher Versteck eingefallen. Und tatsächlich: Dort sind sie! Also nicht gestohlen sondern nur extrem gut versteckt. Da sieht man wieder: Jahrelang habe ich diese Sachen im Backrohr versteckt und letzten Herbst eben nicht. Und schon konnte ich mich nicht mehr erinnern, wo. So habe ich meinen geliebten „Fernseher“ wieder.
Während Beate ihren 570-seiten Mankellkrimi fertig liest, konkretisiere ich die Neuanschaffungen für die Bordelektrik und schreibe eine Anfrage-E-Mail an Pavlosmarine auf Kos. Ich versuche auch einen Platz in der Marina Kos für die Nacht von Sonntag auf Montag zu reservieren, aber das geht nicht. So weit im Voraus kann niemand hier planen. Am Samstag oder Sonntag soll ich wieder anrufen.
Die schwergängige Ruderanlage wird auch repariert. Es ist ganz einfach: das mittlerweile pastöse Fett auf der Schubstange entfernen und schon lässt sich das Lenkrad wieder mit einem Finger bewegen.
Eigentlich wollten wir heute weiter ziehen. Aber angesichts des starken Windes sind wir froh an einer sicheren Boje zu liegen. Außerdem ist der Wind hier weniger stark, was man mit dem wieder gefundenen 14-fach Fernglas an den Wellen draußen leicht erkennen kann.
Abends macht Beate eine ganz spezielle Speise: Feingehackte Tomaten (frische und getrocknete), Fetakäse und Zwiebeln mit Olivenpaste, Olivenöl, Salz, Pfeffer und griechische Salatkräuter. Das ist ein Brotaufstrich der besonderen Art. Die Feta Furnu im Alufolie im Ofen gebraten mit getrockneten Tomaten und Kräutern ist auch eine Wucht.
Während des Abendessens beginnt ein 1,5 Stunden langes Hafenkinoprogramm. Diesmal nicht von unbeholfenen Freizeitkapitänen sondern vom ca. 100m langen Wasserschiff „Rodos“. Es fährt in die Nachbarbucht hinein, die man über eine flache Landzunge teilweise gut sehen kann, und macht ganze 3 Anlegemanöver, bevor es mit dem Wasserentladen anfangen kann. Jedes Mal fährt es mit dem Bug voran, wirft den Anker, dreht sich um den Anker und fährt dann rückwärts. Warum es bei den ersten zwei Mal nicht klappt können wir leider nicht erkennen. Aber es gibt Anlass für Spekulationen bis hin zu „der Kapitän hat nur seine Freundin abgeholt“.

Dann machen wir uns unser eigenes Kino: Wir stellen die zwei Brunner-Strandsesseln neben einander auf den Cockpitboden, die Wasserkiste unter dem Cockpittisch als Fußablage und das MacBook darauf als Fernseher. Ganz vortrefflich lässt sich so ein Tatort-Krimi aus der Konserve ansehen.


30.07.2010 Freitag
09:38 Arkí / O. Stenó Karte Abfahrt
10:17 Motorsegeln
10:53 Segel weg
11:25 Lipsi / O. Katsadiá Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:46 Strecke: 8,8 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten


Um 1/2 10 fahren wir los. Wir schauen uns an, ob was sich am gegenüber liegenden Strand von Maratho geändert hat, fahren aber gleich weiter. Die Terrasse des Restaurants Pandelis ist neu hergerichtet. Am Steg der Piratentaverna liegen Segelboote längsseits, also dort wo die Ausflugsboote früher angelegt haben. Sonst fällt uns nichts Neues auf.
Bei Rückenwind mit 20kn können wir jetzt die Genua ausrollen bis wir die E-Küste von Lipsi erreichen. Nach 2 Stunden Fahrt werfen wir den Anker in den Sand der schönen Badebucht Katsaiá an der S-Küste von Lipsi.
Ich krieche wieder in den bb-Motorraum, wo die Batterien untergebracht sind. Nach einigen neuerlichen Umstellungen kann ich feststellen:
A) Alle Batterien außer er Starterbatterie müssen ausgetauscht werden! Obwohl scheinbar voll aufgeladen, bricht die Spannung sie sofort zusammen, sobald eine größere Last angehängt wird – sprich der Startermotor für den Diesel. Er zieht 210 Amp. und bringt die Batterien nach wenigen Sekunden auf 4,2 Volt! Nur die Starterbatterie Hält der Belastung mit 10,2V stand. Das ist in Ordnung. Aber es bedeutet auch, dass wir so schnell wie möglich neue Batterien brauchen. Ich berechne nochmals den durchschnittlichen Tagesverbrauch. Unter Berücksichtigung dessen und der Ladeleistung der Lichtmaschinen (nominell ja 55 Amp.) müsste eine ca. 200 Ah große Verbraucherbatterie optimal sein. Dann wird sie spätestens alle zwei Tage aufgeladen werden müssen und zwar ca. 4 Stunden lang. Auch das Batterieladegerät für den Landanschluss an 230V kann bis zu ca. 50 Amp. liefern, was allerdings weniger wichtig ist, weil wir sowieso kaum jemals Landstrom haben.
Ich schreibe dem Pavlos eine weitere E-Mail und rufe ihn auch an, um mich zu vergewissern, dass er meine Mails auch liest. Ja tut er. Aber er wartet auf Antwort vom Lieferanten.
B) Der Kühlschrankkontroller OND 800 kann man nicht direkt an das Ladekabel der Lichtmaschine anschließen. Da muss eine Batterie dazwischen sein. Sonst startet der Kühlschrank zwar kurz, schaltet sich dann aber sofort wieder ab aufgrund zu niedriger Spannung. Ich vermute, dass die Anlaufströme es Kompressors so hoch sind und so plötzlich einsetzen, dass die Lichtmaschine darauf nicht reagiert aber der Kontroller den Spannungsabfall sofort registriert und den Kühlschrank abschaltet. Da muss einfach eine Pufferbatterie dazwischen sein! Die bisherige Starterbatterie wird diese Rolle übernehmen und eine neue Starterbattrie wird auch noch angeschafft!

So vergeht also die Zeit. Als ich fertig bin, schlägt Beate vor, die zum Strand gerade in der Höhe unseres Ankers herunter kommende Straße zu bewandern. Mit dem Minischlauchi setzen wir hinüber und gehen die recht steile Straße hinauf. Der Ausblick wird immer schöner und ganz oben hat man eine sehr schöne Aussicht über den Ort und die Hafenbucht von Lipsi.

Wieder unten angekommen setzen wir uns in die schöne Taverna Dilaila. Sie hat mehrere Terrassenebenen und viele Palmen dazwischen. Auch das Essen ist gut und preiswert.

Noch bevor es ganz finster wird, rudern, bzw. schwimmen (Beate) wir zurück zum Boot.


31.07.2010 Samstag
10:20 Lipsi / O. Katsadiá Karte Ereignis
13:34 SE-Kap Kálymnos Delfine gesichtet
15:12 Kálymnos / Póthia Karte Leinen fest
17:50 Kálymnos / Póthia Karte
19:01 Platy (bei Psérimos) Karte
Zeit unterwegs: 06:04 Strecke: 35,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Die Taverna Dilaila verwandelt sich so um Mitternacht in eine Strandbar. Es ist zwar nicht zu erkennen, ob sie besucht ist. Aber, dass sie um Gäste der jüngeren Kategorie bemüht ist, kann man ganz eindeutig feststellen. Die ganze, fast windstille Bucht und alle 11 hier liegenden Segelboote werden gemeinsam mit den wenigen Häusern von den Lautsprechern der Dilaila beschallt. Bis 5 Uhr in der Früh. Keine griechischen sondern internationale monotone Musik, bei der die Musiker durch Computer und Sänger durch rezitierende Neger oder flüsternde Fräuleins ersetzt worden sind. Ich sitze eine Weile im Cockpit und versuche den Reiz dieser Töne zu finden. Es gelingt mir nicht. Ich bin zu alt dafür, melodielose, ewig gleiche Rhythmen, die lediglich am Anfang und dann irgendwo im Refrain eine Ähnlichkeit mit einem bekannten Akkord aufweisen, hörenswert zu finden. Das seinerzeit als melodielos geltende Stück „Hit Me With Your Rhythm Stick“ von Ian Dury And The Blockheads würde hier würde hier schon fast symphonisch klingen. Darauf komme ich, weil auch rund um einem Akkord aus diesem Stück eine neue Stampfofonie gespielt wird.
In der Koje hört man zum Glück viel weniger Lärm. Beates Schlaf stört er gar nicht.

Um 10:20 fahren wir Richtung SE ab. Das Wetter ist gar nicht sommerlich: Kaum Wind und sehr feucht. Aber für die 28 sm nach Pothia ist mir eine glatte See sehr recht. Wir kommen mit über 7 Kn voran mit nur 2600 RPM Motordrehzahl.

Beim SE-Kap von Kálymnos sehen wir schon von weit weg Delfine. Sie sehen auch uns und kommen zum Spielen. Im wenig aufgewühlten Wasser sind sie sehr schön zu sehen wie sie zwischen den Bootsbügen hin und her schwimmen. Mit der Filmfunktion der Digitalkamera kann ich auch einige kleine Luftsprünge festhalten. Nach so ca. fünf Minuten haben die ca. 5-6 Delfine fertig gespielt und schwimmen wieder zurück zum Platz, wo wir sie getroffen haben.
Film: http://www.youtube.com/watch?v=FOqX7ti3DEg

Um 15:12 haben wir die Leinen am Stadkai von Póthia festgemacht. Es ist heiß. Vor allem brauchen wir Geld und einige Einkäufe. Aber ich möchte gerne sehen, ob in einem der vielen Bootszubehörgeschäfte vielleicht auch Batterien für das Boot und vielleicht sogar ein passender Außenborder aufzutreiben ist. Bis auf den Discount Supermarket BAZAAR direkt beim Boot auf der anderen Straßenseite haben alle Geschäfte zu. Wir warten noch bis halb sechs, aber nicht Mal der Fleischhauer sperrt noch an diesem heißen Samstag Nachmittag auf. Beate schlägt vor, die Einkäufe zu erledigen und dann wieder abzufahren. Der Vorschlag wird sofort umgesetzt und um 17:50 legen wir wieder ab. Nach einer Stunde und elf Minuten werfen wir den Anker in der menschenleeren „Halbbucht“ auf dem unbewohnten Inselchen Platy. Das Schwimmen tut gut.

Während Beate kocht beobachte ich wie ein seltsames Ding im Wasser immer näher kommt. Es ragt dunkel zwischen 5 und 10 cm aus dem Wasser und sieht wie ein langer Flaschenhals aus. Ich schwimme hin und berge einen veritablen Mop. Es war das Ende des Stiels, das ich gesehen hatte. Am anderen Ende befindet sich ein sehr langhaariger Bausch. Wird sicherlich nützlich werden.

Die Nacht ist windstill und extrem feucht.


01.08.2010 Sonntag
09:20 Platy (bei Psérimos) Karte
11:00 Kos / Stadthafen Karte
11:02 Kos / Stadthafen Karte
12:34 Ankunft
12:42 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Ankern
16:13 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Abfahrt
17:05 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
18:04 Pserimos / O. Vathy Karte
19:10 Kos / Stadthafen Karte Ankunft
20:40 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 06:49 Strecke: 42,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Heute haben wir vereinbart, Heinrich und Luzia Pech im Stadthafen von Kos abzuholen. Wir fahren um 9:20h los und können pünktlich um 11h längsseits anlegen. Sie kommen an Bord und wir fahren sogleich wieder ab. Sie zeigen uns im Vorbeifahren das Hotel Atlantis an der NE-Spitze von Kos, wo sie eine Woche Urlaub gebucht haben.
Nach 1,5 Stunden kommen wir im Psérimos Ort an. Viele Motorboote und Jetski liegen hier an Anker und an den Bojen, die den Schwimmbereich zum Sandstrand hin markieren. Nach dem Schnorcheln muss ich den Anker noch ein paar Meter versetzen, um überhaupt ausreichend Kette verwenden zu können ohne, dass das Bootsheck an den Nachbarn anschlägt. Der schwache Wind dreht sowieso dauernd.
Während wir im Cockpit sitzen und plaudern, kommen vier Kids des Ortes wie üblich zum Schwimmen unter dem Katamaran. Aus Erfahrung weiß ich, dass sie liebend gerne herauf klettern, um dann ins Wasser hupfen zu können. Wenn man es ihnen erlaubt, hat man gleich eine Attraktion für alle Kinder des Ortes. Daher erlaube ich es prinzipiell nicht, dass die Kinder aufs Boot klettern. Das wurde bisher immer akzeptiert. Diesmal nicht. Auch nach mehrmaliger eindeutiger Aufforderung, das Boot in Ruhe zu lassen, geben die zwei Mädchen und zwei Burschen im Alter von 13-15 Jahren nicht nach. Sie versuchen überall herauf zu klettern, zupfen und zerren an allem, was sie erwischen können. Erst als ich mich ins Wasser stürze und das Surfbrett von ihnen erobere, kann ich erfolgreich einen Deal anbieten: Sie bekommen das Surfbrett zurück, wenn sie das Boot in Ruhe lassen.
Damit können wir endlich in die Taverna Tripolitis (auch Anna steht auf einem Schild) hinüber setzen. Sprich, Beate, Luzia und Heinrich schwimmen und ich rudere mit dem Schlauchi. Der Wirt Nikolas hat wieder Haare auf dem Kopf und begrüßt mich freundlich wie jedes Jahr (und wahrscheinlich jeden, den er irgendwie wieder erkennt). Es gibt hausgemachte Mussaká und Dolmádes, sowohl aus Wein- wie aus Kohlblättern und einen griechischen Salat.
Wir plaudern und beobachten wie die schönen Ausflugsschiffe die Touristen ausladen, die sich dann in Horden entlang des Strandweges zu uns herwälzen. Es ist eindeutig Hochsaison.
Um 16h haben wir genug gesehen und gegessen und schwimmen (alle!) zum Boot zurück. Kurz darauf fahren wir los und erreichen die unbewohnte Bucht Vathy auf der anderen Seite der Insel 50 Minuten später. Luzia sagt begeistert, dass es ihr hier an einen Bergsee erinnert, vor allem das Geklimper der Glocken vor den hohen, kahlen Bergen. Irgendwie stimmt das schon. Aber wenn man sich umdreht, sieht man die Türkei am Horizont und es sind keine Kuh- sondern Ziegenglocken.
Wir schwimmen wieder und nach einer Stunde fahren wir zurück nach Kos. Es gibt keinen Ankerplatz im Stadthafen. Wir laden die Pechs daher am Zusteigeplatz ab, verabschieden uns und fahren wieder los. Wir überlegen, vor dem Strand des Hotels zu ankern. Aber der Platz scheint mir doch zu offen zu sein, um dort sicher (und bequem) über Nacht zu bleiben. So fahren wir wieder zurück nach Vathy auf Pserimos, wo wir kurz nach Sonnenuntergang den Anker auf unserem bewährten Übernachtungsankerplatz fallen lassen.


Zum Glück sind die Pechs an Bord.


02.08.2010 Montag
Psérimos / O. Vathy
Beate schreibt an ihrem Schulkonzept und ich recherchiere im Internet nach Batterieüberwachungsgeräten. Pavlos schreibt ein E-Mail, dass die neuen Batterien bestellt sind und Bescheid geben wird, sobald er weiß, wann sie ankommen. Damit diese teuren Stücke (660,- und 265,- für Mastervolt AGM Batterien 225Ah und 70Ah) möglichst lange halten werden, müssen sie möglichst perfekt behandelt werden. Eine möglichst perfekte Behandlung ist nur mit entsprechenden Messinstrumenten und Ladegeräten möglich. Einen Hochleistungs-Laderegler habe ich ja schon, der Gel- und AGM-Batterien perfekt laden können müsste. Ein Batteriekontrollmonitor wird das zeigen.
Ich lade die Installations- und Bedienungsanleitungen von 3 verschiedenen Herstellern herunter (NASA, BEP und philippi) und studiere sie eingehend. Was philippi anzubieten hat, gefällt mir am besten und passt genau zur künftigen Batteriekonfiguration (1 große Verbraucherbatterie, 1 Startermotorbattereie und 1 Reservebatterie = die alte Starterbatterie). Auch die philippi-Anleitung ist mit Abstand die genaueste. Außerdem ist mir ein deutscher Hersteller wesentlich lieber als ein britischer oder neuseeländischer im Besitz einer US-Firma.
Aber weil ich dem Landstrom-Netzladegerät ohne Namen „Electronic Battery Charger 12V 50 Amp.“, der schon beim Kauf des Bootes installiert war, nicht ganz traue, entscheide ich mich auch für den Kauf eines philippi Ladegeräts AL 12/48, dessen Tätigkeit auch auf dem kombinierten Batterie- und Ladekontrollmonitor BLM 1 angezeigt werden kann und das außerdem die drei Batterien getrennt laden kann. Das um eine Nummer kleinere Ladegerät 12/30 (also mit max 30 statt 48 Amp. Ladeleistung) würde zwar jetzt ausreichend sein. Aber ich habe lieber ein wenig Leistung in Reserve, sollte ich irgendwann die Batteriekapazität erhöhen, zB wenn die Reservebatterie ausgetauscht werden muss.
Nur gelingt es mir nicht, herauszufinden, wo diese Geräte in Griechenland zu kaufen sind, bzw. welcher Händler diese hierher versendet. Ich schreibe ein E-Mail an Herrn Vogt bei philippi…
Weil wir praktisch den ganzen Tag am Computer sitzen, nur immer wieder kurz ins Wasser hupfen, um uns auszukühlen, muss ein Motor die ganze Zeit Strom produzieren. Die bestehenden Batterien sind so schwach, dass sie, obwohl voll geladen, innerhalb einer Minute auf 11,5V Spannung absinken, sobald sie 7 Amp. hergeben müssen.

Auch während des Abendkinos muss ein Motor tuckern, was dann mehr stört. Wir schauen uns den Film Topkapi aus dem Jahr 1963 an. Ein herrlicher Ri-Fi-Fi-Film!


03.08.2010 Dienstag
12:10 Pserimos / O. Vathy Karte Abfahrt
13:24 Kos / Marina Karte Ankunft
15:33 Kos / Marina Karte Abfahrt
18:45 Gyali / Strand Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:26 Strecke: 29,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Nach dem Frühstück ruft Herr Vogt von philippi an. Ja, alles ist lieferbar und kann direkt nach Kos gesendet werden!
Kurz nach 12h brechen wir auf und erreichen die Marina Kos um 13:25h. Es ist kein Problem, einen Platz für ein paar Stunden zu erhalten. Wir füllen die Vorräte und Wassertanks auf, laben uns etwas im Marinacafé und ich besuche Pavlos in seinem Geschäft und bespreche noch die Details für die Lieferung und Austausch der Batterien. Wir vereinbaren, dass ich mit dem Boot zur Tankstelle fahre, wo er auch mit dem Auto hinfahren kann. Und ich warne ihn, dass es sehr schwer (im wahrsten sinne des Wortes) werden wird, die Batterien auszutauschen. Sie können nämlich nicht von oben, sondern müssen seitlich heraus- und hereingehoben werden. Die neue 225Ah Batterie wiegt immerhin 63,5 kg!

Um 15:33 fahren wir wieder ab. Diesmal südwärts mit Ziel Gyali. Wie üblich pfeift der Wind am SE-Kap von Kos mit mindestens doppelter Stärke und kurz danach ist die absolute Flaute. Was nicht wellenfrei bedeutet. Es schaukelt wie deppert obwohl die Wellen nicht hoch sind. Am Computer was zu schreiben, ist fast sinnlos. Bevor der Finger die Taste erreicht hat, ist die Tastatur schon wieder woanders. Bitte, das ist nicht lustig! Bei diesen Bedingungen wurmt es besonders, dass auch das Internetbanking nicht funktioniert. HSDPA-Vrebindung aber der Bankserver will nach dem Login gar nichts zeigen. Dabei möchte ich die Bezahlung der neuen philippi-Geräte durchführen und zwar so schnell wie möglcih.

Nach 15 Seemeilen und knappe 2,5 Stunden ist die Schauklerei vorbei. Wir erreichen die Landabdeckung von Gyali. Der Wind pfeift mittlerweile mit 20 kn aus NW. Aber am Ankerplatz, wo schon 7 Boote liegen, weht ein eingenehmes Lüfterl. Es ist extrem diesig und feucht. So diesig, dass ich mir immer wieder die Brille putze, weil ich denke, dass sie an der schlechten Sicht Schuld hat. Hat sie aber nicht.
Trotzdem sehe ich etwas sehr unerfreuliches: Während der Schaukelei hat es das Fernglas Fujinon Techno-Stabi vom Tisch auf den Cockpitboden geschmissen. Dabei habe ich mir weiter nichts gedacht, weil dieses Ding so praktisch alles aushält. Diesen Sturz aber nicht. Es muss direkt auf den Fokussierdrehknopf gefallen sein, weil dieser abgebrochen ist. Der Fokus lässt sich also nicht mehr einstellen und eine Reparatur ist mit Bordmitteln unmöglich. In gepflegten Worten ausgedrückt ist es eine verdammte Scheiße und ich ärgere mich maßlos. Aber immerhin ist der Fokus zuletzt auf weit weg eingestellt gewesen, die Entfernung, die man am meisten braucht. Ich hoffe, dass dieser kaputte Drehknopf repariert werden kann. Aber wo, von wem und wann?


04.08.2010 Mittwoch
15:35 Gyali / Strand Karte Abfahrt
16:07 Nisyros / Páli Karte Ankunft
16:49 Nisyros / Páli Karte Leinen fest
Zeit unterwegs: 01:14 Strecke: 3,7 Seemeilen Ø Fahrt: 3 Knoten


Wir schwimmen zum Strand durch den Jacuzzi. Noch immer steigen hier aus dem Sandgrund massenhaft Luftblasen auf. Es gelingt mir ganz gut, diese mit der wasserdichten Olympuskamera zu filmen.
Film Gyalijacuzzi auf YouTube

Mit Hilfe von Martin in Wien gelingt es endlich die Bezahlung der philippe-Geräte durchzuführen. Volksbank-Internetbanking per GPRS geht einfach nicht.
Um 15:35h fahren wir los und erreichen Pali eine halbe Stunde später. Viele Plätze sind nicht mehr frei. Aber genug für uns und danach noch 10 eintreffende Yachten. Dann ist der Hafen aber voll. Ich zähle 37 Boote. Eine riesige Menge verglichen mit dem, was vor dem Hafenausbau möglich war, nämlich max 15. Außerdem ist der nunmehr vorhandene Stromanschluss sehr willkommen, weil die Motoren endlich ruhen können.
Es ist aber ziemlich heiß. Ein kühlendes Bier im Captain’s House genau beim Anlegeplatz tut gut. Wir genießen das Hafenkino mit den noch ankommenden Yachten und den lautlos fließenden Strom für die Computer.
Am Abend sind wir wieder im Capain’s House und essen ein gutes und günstiges Abendessen. Der Wein aus der Bouteille, den wir uns gönnen, ist aber mies.


05.08.2010 Donnerstag
Nisyros / Páli
Am Vormittag ruft Pavlos an und teilt mit, dass die Batterien in seinem Geschäft angekommen sind. Weil die Chance besteht, dass die philippi-Geräte aus Deutschland per DPD bei ihm auch bald ankommen werden, fahren wir nicht gleich los. Am besten wäre, den kompletten Elektrik-Umbau auf ein Mal durchzuführen. Also Mal abwarten.
Als die Nachbarboote ablegen, verhole ich die Blodughadda ein wenig, damit der Anker direkt vor dem Boot liegt. Gestern war das nicht ganz gelungen. Die hohe Luftfeuchtigkeit löst bei mir dabei den ärgsten Schweißausbruch aus. Mir ist schon fast schlecht. Erst ein Bad im Meer am benachbarten Strand bringt die Körpertemperatur wieder auf einen Normalwert.
Aber ich habe keine Ruhe, am Strand zu sitzen. Beate schon. Ich gehe zurück zum Boot und schreibe einige wichtige E-Mails und dieses hier. Der Landstromanschluss und das gratis Wireless-LAN müssen genützt werden. Aber wie schon in Leros: Per FTP lässt sich keine Datei für den Törnbericht hochladen.
Den späten Nachmittag verbringen wir am Lavasandstrand in unseren bequemen Strandsesseln sitzend, lesend und schlafend. Bei Captain’s genehmige ich mir einen Ouzo während Beate auf dem Boot malt. Abends gibt es einen ganz besonderen Salat und danach einen Hafeninspektionsspatziergang. Wir stellen fest, dass heuer hauptsächlich Italiener und Franzosen unterwegs sind. Auf den Rängen folgen Engländer, Deutsche und Holländer.
Im Cockpit sitzen stellen wir fest, dass Pali ein sehr sympathischer Ort ist: Kaum Verkehr oder aufheulende Mopeds, die Berieselungsmusik der Tavernen so gut wie nicht wahrnehmbar und keine Fernseher aufgestellt!


06.08.2010 Freitag
10:34 Nisyros / Páli Karte Abfahrt
17:49 Tílos / O. Skáfi Karte
18:48 Tílos / O. Livádia Karte
Zeit unterwegs: 02:54 Strecke: 18,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten


Heute wollen wir nach Chalki fahren. Aber ein E-Mail von Pavlos ändert den Plan: Er will die Batterien morgen aufs Boot bringen, weil er danach für einige Tage nicht auf Kos sein wird. Also Nicht Chalki sondern Tilos. Es ist so diesig, dass man keine 10 Seemeilen weit sieht. Von Nisyros ist die Nachbarinsel Tilos gar nicht zu sehen. Da ist ein GPS nicht schlecht.
Nach zwei Stunden biegen wir in die Bucht Skáfi an er N Spitze von Tilos ein, werfen dort den Anker und uns selbst ins Wasser. Wir bleiben hier fünf Stunden lang aber nicht die ganze Zeit im Wasser, obwohl es mit 27° dazu durchaus einladen würde.
Auch in der Hafenbucht Livádia ist das Wasser bacherlwarm, eigentlich wie üblich. Wir ankern direkt vor dem Restaurant „To Armenon“, das wir voriges Jahr als sehr gut befunden hatten. Bevor wir ihn aufsuchen, machen wir einen Spatziergang durch den Ort, der aber kaum was Interessantes zu bieten hat. Das Essen finden wir diesmal nicht so gut. Aber vielleicht hat das auch was mit dem charmlosen Wirten und seiner ebensolchen Helferinnen zu tun. Kein Lächeln, kein Schmäh.


07.08.2010 Samstag
09:06 Tílos / O. Livádia Karte
13:35 Kos / Thérma Karte
14:30 Kos / Marina Karte
Zeit unterwegs: 04:49 Strecke: 34,4 Seemeilen Ø Fahrt: 7,1 Knoten


Um rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt an der Tankstelle in Kos zu sein, fahren wir schon vor dem Frühstück um 9h los. Bei spiegelglatter See lässt sich auch während der Fahrt vortrefflich frühstücken. Später kommt ein leichter Wind zuerst aus NW, dann W auf und so kommen wir schneller als beim hier sonst üblichen Gegenwind voran. Wir haben Zeit, einen kurzen Stopp bei der Therme zu machen. Um 13h werfen wir den Anker direkt davor und schwimmen zum Thermalwasserbecken. Eigentlich ist es ja nur ein mit großen Steinen vom Meer abgetrennter Bereich mit ca. 8m Durchmesser, in den ein vom Berg kommender Thermalwasserbach mündet. Die Südstürme zerstören jedes Jahr diese Steinaufschüttung und jedes Jahr wird es wieder neu aufgebaut. Heuer dürften die Steine besonders dicht gestapelt worden sein, weil das Wasser im Becken wärmer als sonst ist. Wir schätzen es auf mindestens 40-45 Grad. Entsprechend wenig Leute halten sich darin auf. Nach 10-15 Minuten hat man davon genug.
Außerdem ist es Zeit, abzufahren, um pünktlich zu sein.
Das sind wir und auch der Pavlos wartet um 14:30h wie ausgemacht auf uns. Wir legen uns ganz innen bei der Tankstelle längsseits und ich fange sogleich mit dem Abbau der Stromkabeln an. Pavlos hat jemanden, der ihn hilft, die neuen Batterien an Bord zu hieven. Als sie gerade die 225 Ah große, 63,5 kg schwere und 660 Euro teure Batterie hinüber heben, drückt eine Windbö das Boot nach außen und die Batterie landet fast im Meer! Aber eben nur fast – gottseidank.
Alsbald habe ich alle Kabeln von den alten Batterien entfernt und Pavlos kann sie aus dem Batteriefach problemlos heraus heben. Zu zweit bringen wir sie auf die Ladefläche seines Pickups. Weswegen ich mir große Gedanken gemacht habe, nämlich das Hereinheben der großen Batterie in das Batteriefach schafft Pavlos fast alleine. Ich muss nur zusätzlich einen kleinen Schubs geben und schon liegt sie drin. Die neue 70 Ah Starterbatterie mit 21,5 kg ist danach eine leichte Übung.
925 Euro wechseln den Besitzer und Pavlos düst zum nächsten Kunden mit einer Ankerkette. Ich düse in den Motorraum, um zumindest die Starterbatterie wieder anzuschließen. Ich will die Geduld des Tankwartes nicht überstrapatzieren und die anderen Batterien erst später anschließen. Aber Diesel brauchen wir auch. Ganze 93,6 l passen hinein. Ja, ja Strom erzeugen braucht Energie. Nach 80 Minuten an der Tankstelle fahren wir wieder ab. Die 5 Euro Trinkgeld für den Tankwart fürs Warten wird gerne entgegen genommen und er erkundigt sich sogar, ob wir wirklich schon ablegen wollen.
Eine Übernachtung in der Marina wäre jetzt nicht schlecht. Da könnte ich in ruhe die neuen Batterien anschließen und dann mit Landstrom voll aufladen. Außerdem wäre ein Besuch bei der Wäscherei schon längst fällig. Es ist natürlich kein Platz frei, aber wir sollen vor der Marina ankern und abwarten bis der Marinero Stavros uns abholt. Interessanterweise geht hier ein NW-Wind, obwohl zwischen Kos und Tilos fast gar kein Wind war. Es schaukelt also ganz schön. Aber ich hocke trotzdem bei den Batterien. Als der Stavros so ca. nach 1,5 Stunden mit dem „Pilot-Boat“ daher düst, sind die Batterien schon neu verkabelt und getestet: Der Stbd-Motor ladet nur noch die alte Starterbatterie an der der Kühlschrankkontroller angeschlossen ist. Der bb-Motor versorgt die zwei neuen Batterien über eine Trenndiode.

Stavros meint, drinnen gäbe es in so ca. einer Stunde einen Platz für uns, aber wenn wir wollen, können wir auch gleich am Steg A in Richtung Wind ankern. Das ist für uns in Ordnung, weil sich der Wind für die Nacht wahrscheinlich legen wird. Beate bringt die Wäsche in die Putzerei und ich schließe den Landstrom an, um zu sehen, wie das alte Ladegerät mit den neuen Batterien zurecht kommt. Eigentlich nicht schlecht, aber eine exakte Ladespannung lässt sich da nicht erreichen.

Zum Abendessen spatzieren wir durch die Stadt zur Taverna „Mummy’s Cooking“. Beate ist anfangs skeptisch und es gibt keinen freien Tisch. Der lustige Wirt bringt von drinnen gleich einen Tisch für uns heraus und empfiehlt seinen Tagesfisch. Der ist für zwei Personen ausreichend und besteht aus einem gegrillten und einen im Ofen gebratenen und kostet 20 Euro. Ein köstlicher grüner Salat und Hauswein dürfen die Fische begleiten. Alles schmeckt gut und ist mit 31 Euro alles zsam nicht teuer, für ein Fischessen sogar sehr preiswert.


08.08.2010 Sonntag
12:38 Kos / Marina Karte
15:56 Kálymnos / O. Paliónisos Karte
Zeit unterwegs: 03:18 Strecke: 19,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Wir frühstücken im Marinacafé. Es dauert endlos, bis das English Breakfast serviert wird. Dafür ist es den Preis von 7,50 mehr als wert. Es folgen Einkauf bei Kostas, Geld holen, Wäsche aus der Wäscherei holen, Boot und Cockpitteppich waschen, duschen, Mist wegführen, Seil einkaufen, Marinagebühr zahlen bevor wir kurz vor 13h ablegen.
Nach 3 Stunden erreichen wir die Bucht Paliónisos. Sie bietet viel mehr als wir bisher hier gesehen haben: 3 Gulets, 7 Privatboote, jede Menge schreiende Kinder und ihre ebenso schreienden Eltern, die schwimmen und in allen möglichen aufblasbaren Plastikbooten genau dort herumschwimmen, wo wir normalerweise ankern. An ein Anlegen am kleinen Betonsteg ist nicht zu denken, obwohl er frei ist. Also frei von Booten, aber nicht frei von Kindern, die nicht müde werden, dort ins Wasser zu hupfen. Offenbar ist auch die Straße endlich bis zum Strand fertig. Oder zumindest so weit fertig, dass man darauf gehen kann.
Wir ankern also etwas weiter weg und verzichten auf die Möglichkeit, direkt vom Boot auf Land gehen zu können und schmeißen uns zu den Badenden. Beim Schnorcheln mit den Ohren unter Wasser hört man das Kindergeschrei nicht, angenehm.
Wir beobachten zahlreiche Boote, die kommen und abfahren oder gleich wieder abfahren, weil ihnen wahrscheinlich der Platz zu eng ist. So einen Rummel habe ich hier noch nie gesehen, dabei ist es der 29. Tag an dem ich hier gewesen bin.
In der Marina Kos haben wir gestern gegen Mitternacht einen Autobus gesehen, der am Steg B eine riesige Horde Personen abgeladen hat. Heute Vormittag waren sehr viele Segelboote mit einer Relingsplane ausgestattet, auf der „Horca Myseria Flottiglie“ gestanden ist. Die Autobusladung galt also einer italienischen Flottiliensegelveranstaltung. Ich denke mir noch, dass es Sinn machen würde, im Internet zu recherchieren, welche Route für die Flottilie geplant ist. Denn Italiener + Flottilie (also 15-20 Boote voll mit Leuten, die von Segeln wenig Ahnung haben und noch dazu aus Italien kommen) sind unbedingt zu vermeiden. Da kann man den Schlaf gleich vergessen.
Als so gegen 19h zwei Boote dieser Flottilie in die Bucht eindampfen, bekomme ich die Panik und ärger mich, dass ich doch nicht nach deren Route recherchiert habe. Aber sie befinden die Bucht offenbar für zu voll und ziehen wieder weiter. Glück gehabt.

Wir rudern zum Strand und gehen der neuen Straße entlang zur Taverna von Nikolas. Jawohl, die Straße ist endlich da, obwohl sie diesen Namen noch nicht verdient. Aber bequemer als der bisherige Ziegenpfad ist sie allemal. Bei Nikolas hat sich nicht viel verändert. Er nimmt die Bestellung auf, kocht, serviert und kassiert hektisch und alle Sprachen einsetzend (heute Deutsch, Französisch und Italienisch neben Griechisch) mit der obligatorischen Zigarette im Mund. Die aber meistens nicht brennt. Also dürfte er sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Seine Frau tut jetzt nicht nur abwaschen sondern in der Küche mithelfen. Trotzdem dauert es ewig lange wie immer. Es sind ja auch immerhin so um die 15 Personen zu versorgen. Nach zwei Stunden bekommen wir dann unseren Vorspeisenteller. Auf dem Boot gibt es danach die Fortsetzung mit Prosciutto und Käse.


09.08.2010 Montag
12:59 Kálymnos / O. Paliónisos Karte
14:25 Léros / O. Xirókampos Karte An Boje
Zeit unterwegs: 01:25 Strecke: 9,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Nikolas wollte zwar um 19h auf einen Kaffee kommen aber er dürfte keine Zeit haben. Wir überlegen, ob wir noch eine Nacht da bleiben wollen. Aber das komplett fehlende Handynetz un der stetig steigende Lärm von den Badegästen lassen uns als das letzte Boot der letzten Nacht um 13h den Anker lichten.
1,5 Stunden später haben wir eine der Bojen in der Bucht Xirokampos gefischt. Obwohl diese einen quasi verpflichtet in die Taverna essen zu gehen, bleiben wir an Bord. Mit Ausnahme einiger Abkühlungen im Meer natürlich.


10.08.2010 Dienstag
12:41 Léros / O. Xirókampos Karte Abfahrt an Boje
14:00 Ankunft
14:24 Léros / O. Goúrnes / Ag. Isídoros Karte Ankern
16:35 Léros / O. Goúrnes / Ag. Isídoros Karte Abfahrt
17:23 Ankunft
17:38 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:46 Strecke: 14,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


Das Handynetz in Xirokampos ist auch nicht besonders gut. Und außerdem ist heute so wenig Wind, dass eine Erkundung der großen Bucht Gurnes günstig erscheint. Bevor wir die Motoren starten, entdecke ich beim Motorcheck, dass der Keilriemen des stbd-Motors an zwei Stellen stark eingerissen ist. Gut, dass ich eine in Reserve habe und der Austausch relativ einfach ist: An der Lichtmaschine zwei Muttern lockern, damit diese nach unten kippt, Keilriemen tauschen, Lichtmaschine mit dem Hammerstiel nach außen drücken, um den Riemen zu spannen und dabei die Muttern wieder anziehen. Dauert keine 10 Minuten.

Um 14:20h kommen wir in der zu erforschenden Bucht an. Wir steuern das Kirchlein Isídoros an, das auf einem Inselchen ca. 50 vor der Küste liegt und durch einen Betonweg mit ihr verbunden ist. E davon ist der Ankergrund alles andere als gut: Steinplatten mit Seegras bewachsen und dazwischen Sandflecken. Wir machen einen Ankerversuch. Aber der Anker hält nicht. Dann kreisen wir eine Weile herum und suchen einen ausreichend großen Sandfleck. Mit Augapfel- und Unterwasservideonavigation geht das ganz gut. Allerdings erwischen wir nur den Rand des ca. 4x4m großen Sandflecks so dass eine Flunke des Ankers unter einer Steinplatte liegt. Damit es sicher keine Schwierigkeiten beim Lichten geben wird, tauche ich hinunter und befestige die Landleine an der Bergeschlaufe des Ankers.
Obwohl wirklich wenig Wind in diese nach W offene Bucht kommt, kommen doch ausreichend Wellen herein, die das Boot unangenehm schaukeln lässt. Nach 2 Stunden fahren wir daher wieder los. Der Anker kommt problemlos nach oben und hätte das wahrscheinlich auch ohne Bergeleine getan.
Wir fahren die Bucht aus und sehen einen Sandstrand mit Badebetrieb. Hier wäre der Ankergrund reiner Sand mit ein paar Seegrasflecken. Aber auch hier kommen die Wellen herein. Daher setzen wir die Fahrt fort und ankern in der bewährten Ankerbucht S des Inselchens Archangelos N von Leros. Allerdings: Mit dem Westwind, der zwar fast nicht mehr da ist, kommen auch hier Wellen herein!


11.08.2010 Mittwoch
10:31 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
10:52 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte An Boje
11:48 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
Zeit unterwegs: 03:47 Strecke: 23,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Um 10:30h fahren wir bei beinahe Windstille in 20 Minuten hinüber zur Nordbucht von Leros. Angeblich kann die hier direkt beim Flughafen liegende Bootswerft Katamarane bis zu einer Breite von 6,2 m heben. Die Tobago hat 5,95 m. Das will ich mir genauer ansehen. Vor dem Travelliftbecken sind einige große Bojen ausgelegt. Bis auf die W-Seite des Travelliftbeckens gibt es hier sonst keine Anlegemöglichkeit. Wir nehmen eine Boje und ich rudere hinüber, ausgestattet mit einem Maßband. Obwohl es wirklich nicht so aussieht, hätte die Blodughadda tatsächlich Platz. Das Becken ist ca. 6,40 m breit, hat aber innen eine Plastikscheuerleiste, die ca. 10 cm dick ist, also netto ziemlich genau 6,2m.
Ich gehe die ca. 300m der Straße entlang bis ich zum Werftglände komme. Im sehr gut sortierten Yachtzubehörgeschäft gleich bei der Rezeption im ebenerdigen Gebäude kaufe ich zwei neue Keilriemen in Reserve sowie einige Kabelschuhe. Die Dame an der Rezeption, Irene Dinou, versichert mir, dass es kein Problem geben würde, die Tobago hier mit dem Travellift zu heben. Es ginge aber nur bei wenig Wind und mit Hilfe der „boys“, die dann das Boot herein, bzw. hinausziehen. Naja, ich bin skeptisch aber auf dem Werftgelände sehe ich eine Athena 38, das etwas größere Nachfolgemodell der Tobago 35. Also muss es ja doch gehen.

Dann fahren wir los Richtung Levitha, 23 SM über offenes Wasser. Zunächst ist gar kein Wind. Die Wellen werden aber immer größer und bei Levitha bläst es mit guten 20 Knoten. So auch in der engen Ankerbucht, in der man eigentlich nur an den dort ausgelegten 10 Bojen festmachen kann. Die Bojen hängen an sehr dicken Ketten, so dass man diese unmöglich zu sich herauf heben kann. Aber sie haben jeweils eine dünne Fangleine mit Schlaufe. Sie ist ausreichend, um provisorisch mit dem Hanepotkarabiner festzumachen. Beate schwimmt hin und zieht eine stärkere Leine durch den rostigen Schäkel. Damit sind wir sicher angebunden, wenn noch nicht gut. Daher bin ich an der Reihe, die Festmacherketten durch den Bojenschäkel zu fädeln. Die zwei Festmacher mit Ruckdämpfer lassen das Boot auch in den Böen sehr ruhig liegen und wir sind zufrieden.

Kaum ist die Bojenaktion um 16h beendet, kommt schon die S/Y Illetas daher, eine Bavaria 38 mit österreichischer Flagge. Wir haben hier den Treffpunkt ausgemacht. Die Arbeitskollegin der Beate, Inge Koch-, ihr Mann Toni, deren Freunde Michael und Silvia Linhardt und deren Tochter Angi sind von Athen nach Rodos unterwegs. Sie nehmen eine andere Boje und danach schwimmen Inge und Toni zu uns. Wir plaudern und erzählen einander einige Erlebnisse des Sommers. Kurz nach 18h kommt der Bojenbetreiber und kassiert 7 Euro für die Benützung der Boje. Das ist in Griechenland ziemlich einmalig. Aber hier wirklich verständlich: Die Insel liegt meilenweit von jeder anderen und der hier lebende Bauer hat wirklich nicht viel zum Leben. Er betreibt aber auch eine Taverna in seinem Bauernhof oben auf dem Hügel, ca. 10 Minuten entfernt. Wir reservieren einen Tisch und für 19 Uhr einen Abholdienst für die Besatzung der Illetas, deren Außenborder auch nicht funktioniert. Beate und ich rudern aber problemlos die paar Meter zum Betonanleger hinüber.

Im Hof unter einem Schilfdach sind einige Tische aufgestellt und der Bauer erzählt, was er heute zum Essen hat. Es gibt keine große Speisenauswahl und wir bestellen von allem etwas. Es ist wirklich gut und das Service eigentlich perfekt obwohl bald alle Tische von den Besatzungen der anderen Boote belegt werden. Es wird viel geplaudert und Wein getrunken und bald sind auch die zwei nächsten Tische mit im Gespräch. Der Michl versteht es als Botschafter Österreichs in Griechenland sehr gut, Kontakte zu knüpfen, sei es auf Griechisch, Französisch oder Englisch. Sie kommen zum Einsatz mit zwei schrulligen und vor allem haarigen Griechen, der eine Architekt, der andere ehemaliger Diplomat des einen und mit der englischen Besatzung des anderen Nachbartisches.

Auf dem Heimweg bewährt sich wieder die Mitnahme einer Taschenlampe. In der mondlosen Finsternis ist der Trampelpfad sonst überhaupt nicht zu sehen. Erst bei der Anlegestelle gibt es eine solarpaneelbetriebene Straßenlaterne.


12.08.2010 Donnerstag
12:01 Levítha / O. Levítha Karte Abfahrt
12:20 Motorsegeln
15:47 Segel bergen
16:48 Ankunft
16:53 Astypálea / O. Livadia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:52 Strecke: 31,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Nach dem Frühstück schwimmen wir zur Illetas hinüber. Da fängt das Frühstück erst an. Wir hocken alle 7 im Cockpit, was gerade noch möglich ist. Aber meistens ist sowieso jemand von der Mannschaft unten im Salon und bereitet irgendwas vor bzw. reicht es herauf.
Um 12h fahren beide Boote los, die Illetas Richtung E, wir Richtung S. Eine sehr angenehme Motorsegelfahrt bei raumem Wind mit 15-20kn bringt uns in 4,5 Stunden zu „unserer“ Livadia-Bucht. Wir ankern im Nordteil unmittelbar neben ein paar kleinen Booten er Einheimischen. So können wir näher beim Strand liegen ohne den Badebetrieb zu stören. Der schwache Wind weht hier in die Bucht hinein, also von SE, dreht aber bald wieder bzw. stirbt überhaupt ab.
Wir messen die Wassertemperatur und bekommen unsere Vermutung bestätigt: 28 Grad! Seltsamerweise kühlt es trotzdem.

Bei Sonnenuntergang, also ca. um 20h rudern wir zum Strand. Den Mist werden wir endlich wieder los und die freundliche Besitzerin des Supermarkts Gefiri darf uns wieder Mal bedienen. Es gibt hier sogar Brot! Auf unsere diesbezügliche Frage fischt sie einen weißen Laib aus einem großen Papiersack hinter der Kassa heraus und sagt „of course“.

Wir wollen endlich wieder am Strand essen und setzen uns in die Taverna (pardin: Restaurant) Kalamia. Ein freundlicher junger Mann prahlt mit der Biervielfalt, die auch gar nicht teuer verkauft wird. So auch nicht die Speisen, von denen wir wieder drei Stück bestellen. Diesmal zwei Vorspeisen, Zucchinilaberln und gefüllte Zucchiniblüten, und eine Schweinssouvlaki. Das ist genau die richtige Menge für uns zwei obwohl es anfangs ein bisschen mickrig aussieht. Die mit Schafkäse gefüllten und im Teig gebackenen Zucchiniblüten sind besonders gut.


13.08.2010 Freitag
Astypálea / O. Livadia
Der Morgen begrüßt uns absolut windstill. Da kann ich wirklich schlafen bis die Sonne durch die Dachluke auf mein Gesicht trifft. Das ist aber dann brutal.
Wir bleiben den ganzen Tag die einzige Privatyacht in der Bucht. Lediglich ein Gulet legt sich mit elendslanger Landleine an die Felsen des Buchtufers gegenüber, also ca. 200 m entfernt. Der Tag vergeht mit Nachschreiben von Tagesberichten, Programmieren des Logbuchs und Suchen der Ursache, warum die stbd-Lichtmaschine kaum über 13 V hergeben will. Das hat mich die letzten Tage schon dauernd beschäftigt. Aber ich komme nicht darauf. Dafür komme ich auf weitere Merkwürdigkeiten: Die Starterbatterie wird geladen, wenn einer der Motoren läuft und auch wenn beide laufen, was an sich ganz normal wäre. Aber sie wird auch dann geladen, wenn das Ladekabel gar nicht angeschlossen ist! Also muss sie irgendwie Strom über den Startermotor erhalten, mit dem sie natürlich verbunden ist – sonst könnte sie diesen ja nicht anwerfen.

Auch das dünne rote Kabel, das irgendwie die Lichmaschinenleistung beeinflusst, beschäftigt mich wieder Mal. Ich komme einfach nicht drauf, wie es angeschlossen ist. Es verschwindet zwischen Lichtmaschine und Startermotor in einem Wulst von Kabeln, die alle mit einander mit Isolierband dick umwickelt sind. Ich habe keine Lust, diese Bandage aufzumachen und versuche durch Messungen herauszufinden, womit das Kabel am anderen Ende angeschlossen ist. Aber ich mache irgendwas falsch oder ich bin zu blöd dafür. Der Durchgangspiepser des Multimeters piepst einfach überall außer am B+ der Lichtmaschine, also dort wo das Batterieladekabel angeschlossen ist.

Es ist heiß, der Motorraum noch heißer und nass von meinem Schweiß. Ich muss zwischendurch immer wieder ins Wasser hupfen. Genau das tut Beate auch. Aber dazwischen liest sie. Das ist weniger schweißtreibend und weniger frustrierend.

Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, dass die stbd-Lichtmaschine nicht in Schwung kommt, weil sie ja jetzt nur den Kühlschrank samt Pufferbatterie betreibt. Aber bei der geringen Spannung springt der Kühlschrank automatisch gar nicht an, wenn der Motor läuft. Und das ist schlecht, weil er pro Stunde ca. 0,5° wärmer wird bei diesen tropischen Tag- und Nachttemperaturen. Bei so um die 16° im Kühlschrank pflegt Beate nervös zu werden. Der bei Conrad gekaufte Funkthermometer mit riesigen Ziffern und Sensor im Kühlschrank zeigt unbarmherzig die warmen Tatsachen an. Man muss jetzt den Kühlschrankkontroller aus und wieder einschalten, bis er bereit ist, den Komporessor in Gang zu setzen. Dann muss der Motor ca. 3 bis 3,5 Stunden mit ca. 1500 RPM laufen, um den Kühlschrank auf 6° herunter zu kühlen. Dabei verbraucht der Motor ca. 3,6 bis 4,2 Liter Diesel zu einem Preis von hierzulande und heuer 1,32 bis 1,40 macht also 4,75 bis 5,88 Euro pro Tag für den Luxus eines kühlen Kühlschranks. Bei etwa 60 Tagen pro Jahr macht das sagen wir 330 Euro aus. Grund genug darüber sich Gedanken zu machen, ob ein moderneres, energieeffizienteres Gerät sich lohnen würde. Also für diese Kühlboxgröße – 200 Liter – gibt es Geräte, die mit 7 Amp. auskommen, statt den jetzt notwendigen 30, also nur 23% der Energie benötigen, also Jahrestreibstoffkosten nur noch 77 Euro. Das würde ich sofort machen, wenn nicht dieses Gerät 1.529,90 kosten würde + Installationsaufwand. Aber auch wenn ich das selbst fertig brächte, würde sich das Gerät erst in 6 Jahren amortisieren. Aber vielleicht gibt es noch günstigere Lösungen. Andererseits ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis die vorhandene Kühlaggregatsinstallation irgendwo kaputt geht. Und dann schlage ich zu!

Um 19:30 rudern wir wieder zum Strand. Diesmal kaufen wir im anderen Geschäft, Supermarket Makos, ein. Auch hier ist der Besitzer und seine Familie – die Kinder helfen fleißig mit – ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Die 5-Liter Retsínabox dürfen wir im Kühlregal deponieren während wir auf einen Drink gehen. Zuerst nehmen wir Platz in der „Liegenabteilung“ des Café Ammos. Hier haben sie tatsächlich stylishe Strandliegen mit einem niedrigen Tisch dazwischen aufgestellt. Aber obwohl die Kellnerin gerade die Tische der Abteilung abwischt, lässt sie sich danach nicht mehr blicken. Vielleicht ist die Abteilung für den Tag geschlossen worden. Wir gehen zum Nachbarn, der Café-Ouzeri „To Trapezaki“. Hier gibt es Holzsofas mit großen türkisfarbenen Kissen. Die Bude ist fast voll mit lauter und lauten Griechen. Wir trinken Ouzo und Bier und freuen uns über die schöne Aussicht auf die Bucht mit der weißen Chora und dem daraus herauswachsenden dunklen Kastell und der darunter ankernden Blodughadda. Auf der wir kurz danach ein Salat-Abendessen zu uns nehmen und dann zwei Filme am Computer in den zu Fernsehsesseln umfunktionierten Strandsesseln ansehen.

Aja, noch was: Heute im Laufe des Tages war die Internetverbindung nicht mehr Möglich, obwohl hier beste UMTS-Verbindungsqualität herrscht. Ich übersiedle die SIM-Karte vom Huawei in das Nokia-Telefon und erhalte die Bestätigung meiner Vermutung: Das Guthaben von zuletzt 7 Euro ist jetzt Null. Offenbar wurde die in der 1GB – Internetoption enthaltene Datenmenge überschritten und dann das Kartenguthaben leer geräumt. Das kannte ich ja schon, weshalb ich auch nicht mehr darauf hatte. Es ist nämlich unmöglich, festzustellen, wie viel Datenverkehr man schon konsumiert hat. Also packe ich die vorsorglich gekauften 10-Euroladebons aus. Den SMS-Dienst haben sie natürlich auch abgedreht, so dass ich kein Auflade-SMS mit dem Code versenden kann. Ich muss 1268 anrufen und auf Befehl der Computerdame die 16 Ziffern eintippen. Beim zweiten Mal und mit eingeschaltetem Lautsprecher gelingt das auch. Aber das Guthaben ist nur 8,93! Also zu wenig, um ein neuerliches 1GB-Internetabo zu bestellen, weil da 10 Euro drauf sein muss. Wohin die 1,07 Euro verschwunden sind, weiß ich natürlich nicht. Aber einen Ladebon über 10 Euro habe ich noch. Damit lade ich die andere SIM-Karte auf, weil sie weniger Guthaben aufweist, das zum Schluss sowieso geraubt wird. Und dann nur ein SMS mit 1GB an 19595 senden und schon sind wir wieder online.


14.08.2010 Samstag
Astypálea / O. Livadia
Gemäß Vorhersage nimmt der Wind an Stärke zu. Dafür haben wir zu wenig Ankerkette draußen, knappe 10 m. Die Windböen können die gesamte Kette bis zum Anker spannen und lassen dabe das Boot unangenehm erzittern. Um mehr Kette stecken zu können müssen wir das Boot weiter Richtung Buchtmitte verlegen. Ca. 15 m genügen, um ausstreichend Abstand zu einem an einer Boje liegenden kleinen Boot zu haben für eine 20m Ankerkette. Es ist übrigens ein seltsames Boot: Ein Mittelding aus Segel- und Motorboot mit einem Motorbootrumpf aber Aufbau wie ein Segelboot und mit Rigg und Doppelruder ausgestattet. Derzeit ist das Rigg abmontiert und am Heckspiegel hängt ein größerer Außenbordmotor zwischen der Doppelruderanlage. Sieht wirklich seltsam aus.
Dann komme ich auf die Idee, einen neuen Hahnepot aus dem in Kos gekauften schönen, elastischen und geschmeidigen Seil zu basteln. Der alte ist zwar bestens in Ordnung aber das Seil knarrt immer, wenn es auf Zug kommt. Außerdem kann ich die im Vorjahr gekauften Ruckdämpfer bestens einsetzen. Damit sollte die harte Abbremsung der gestreckten Ankerkette ein für alle Mal erledigt sein. Um die Sache noch komfortabler zu machen, passe ich die Länge des Seils so ab, dass an die beiden Enden einfach mit einer fixen Schlinge an den Bugklampen eingehängt werden.

Als ich mir die Konstruktion im Wasser beschnorchle, sind schon zwei Personen da, ein Mann und eine junge Frau. Ich spreche sie an mit meiner üblichen Frage „Which language do you speak?“ (Das ist mir sympathischer als das hier ewig übliche „Where are you from?“). Es sind Engländer, also zivilisierte Menschen. Ich lade sie zu einem Kaffee oder Getränk aufs Boot und sie nehmen die Einladung gerne an. Ben und seine 15-jährige Tochter Lea machen schon seit ihrer Geburt Urlaub hier. Die Frau und 6-jähriger Sohn Stan sind auch da aber nicht herausgeschwommen. Wir unterhalten uns über alles mögliche und zeigen ihnen das Boot bevor sie wieder an Land schwimmen.

Um 20h rudern wir auch hinüber, kaufen im Supermarkt Gefiri ein und gehen dann gleich auf der anderen Seite des „Flusses“ in die Taverna To Gerani. Es schmeckt ausgezeichnet und ist so viel, dass wir von unseren drei Speisen jeweils zwei Krautroulladen und gebackene Zucchiniblüten im Dogibag mit nach Hause nehmen. Der Fluss ist übrigens nur dann einer, wenn es viel regnet. Sonst ist er eine Straße.


15.08.2010 Sonntag
Astypálea / O. Livadia
Lange geschlafen und gleich nach dem Frühstück bin ich entschlossen, das Ladeproblem der stbd Lichtmaschine zu finden und zu lösen. Ich überlege, wie die Messungen zu machen sind, damit ich der Sache näher kommen kann, studiere den Schaltplan und finde ein Fax aus dem Jahr 2002 von Herrn Dirk Popken der Firma Marx Motoren in Hamburg, die Yanmar-Vertretung für Deutschland. Schon damals habe ich mich über das ominöse rote Referenzkabel gewundert. Er schreibt „Sofern Sie die Steuerbord Maschine ohne Trenndiode und Ladebuster betreiben, müssen Ihre Anschlüsse dem Schaltplan entsprechen. Alles andere ist nicht sinnvoll. Ich habe die Vermutung, dass der L-Anschluss von der LIMA getrennt worden ist und unter anderem ehemals an dem R-Kontakt einer Trenndiode lag. Dies ist nun bei Ihrer Anwendung ohne Trenndiode falsch.“ Na bitte! Also zuerst die Verkabelung checken. Ich entschließe mich doch dazu, die Isolierbänder von den Kabelsträngen am Motor zu entfernen, damit man irgendwas sehen kann. Sie sind ohnehin schon spröde und der Klebstoff ist schmierig geworden. Das R-Kabel geht tatsächlich auf den L-Kontakt (heißt auf anderen LIMAs D+) aber getrennt ist da nix, das Kabel ist einfach auf das blau/rote (im Schaltplan blau/schwarz) Kabel dazu gehängt. Dieses und ein rot/schwarzes, das mit dem R-Kontakt der LIMA verbunden ist haben einen gemeinsamen Plastikstecker mit um 90° verdrehten Kabelschuhen für den Kontakt mit der LIMA. Hier hat sich einiges an Rost gebildet, den ich mit Kontaktspay bekämpfe. Ich entdecke weitere Änderungen gegenüber dem Schaltplan: Ein Relais ist eingebaut worden, nämlich ein Wittring Electronic CU-270-N41-0. Dieser schaltet das weiße Kabel zwischen Startknopf und S-Kontakt des Startermotors. Und außerdem hat das weiße Kabel auf der Motorseite Durchgang mit dem weißen Kabel am AC-Kontakt des Startschlosses. Laut Schaltplan sollte das nicht der Fall sein, sondern sollte zum anderen Kontakt des Startknopfes sein. Ich wittere Morgenluft und stelle die Verbindungen so her, wie sie auf dem Schaltplan angegeben sind unter Verwendung von Verbindungskabeln mit Krokodilklemmen. Also so, dass das Relais ganz umgangen wird. Das Resultat ist ernüchternd: Der Motor lässt sich nicht starten. Ich vermute die Ursache darin, dass ich nur knappe 11 V auf dem weißen Kabel messe, wohl zu wenig um das Einrückrelais des Startermotors zu aktivieren. Die Ursache dafür kann wohl nur im langen Weg des Stroms von der Starterbatterie zum Starterrelais sein, weshalb das Wittring-Relais eingebaut worden ist, also ein Relais, das ein Relais bedient. Als Laie tut man sich da schon verdammt schwer.
Jedenfalls baue ich alles wieder so zusammen, wie es war. Die Modifikation, dass das rote Kabel zwischen Startermotor B und LIMA B abgetrennt worden ist, lasse ich sein, weil der Schaltplan offensichtlich davon ausgeht, dass eine einzige Batterie zum Einsatz kommt. Hier speist aber die Starterbatterie den Startermotor und die Lichmaschine ladet diese und auch die Kühlschrank-Batterie über eine Trenndiode. Also nochmals eine kleine Modifikation meinerseits: LIMA BAT geht zum Eingang der Trenndiode. Die Starterbatterie schließe ich an der Trenndiode auf battery bank 1 und die Kühlschrank-Batterie auf battery bank 2. Zu meinem Erstaunen stelle ich fest, dass die Anschlüsse LIMA und battery bank 2 auf der Trenndiode gar nicht getrennt sind. Da wie dort liegen 12,5V an auch wenn der Motor nicht läuft, also der Batteriestrom fließt auch zur Lichtmaschine und nicht nur umgekehrt.
Das rote Referenzkabel schließe ich am AC – Kontakt des Zündschlosses an und starte den Motor. Und siehe da, die LIMA liefert sofort 14,2V und der Kühlschrank springt an ohne ausgetrickst werden zu müssen. Ich trenne das Referenzkabel und es ändert sich nichts. Resümee: Ich habe das Problem gelöst. Aber ich habe keine Ahnung wodurch.
Der einzige Unterschied zwischen Referenzkabel an AC angeschlossen und nicht angeschlossen: Im ersten Fall brennt die Ladekontrollampe nicht, wenn die LIMA nix liefert, im zweiten schon. Die Wege des Stroms sind unergründlich!

Während der Elektroarbeit entdecke ich ein weiteres Versäumnis des Motormechanikers der Leros Marina: Als ich das Gehäuse vor dem Luftansaugstutzen entferne, um an die Kabeln besser heran zu kommen, sehe ich, dass darin sich der Lufansaugfilter komplett aufgelöst hat! Es sind nur mehr Bröseln und das Stützgitter für die Schaumstoffauflage übrig. Das Gehäuse und der Luftansaugstutzen sind komplett verdreckt. Das gilt für beide Motoren. Ich wasche alles sorgfältig mit Diesel und wische mit Unmengen von Fetzen alles sauber und ärgere mich. In meinem Auftrags-E-Mail für das Motorenservice hatte ich ausdrücklich die Reinigung dieser Teile bestellt. Der Mechaniker, den ich zuletzt um 17h im blitzsauberen Overall im Marinabüro herumstolzieren sah, wird keinen Handgriff mehr an meinen Motoren machen dürfen!

Als ich endlich alles wieder wegräume ist es schon 18:30h und Zeit für die eigene Reinigung. Diese gelingt zufrieden stellend aber es werden noch ein paar Tage dauern, bis die Hände wieder ganz sauber sind.

Um 20h rudern wir wieder zum Strand. Beate hat während des Tages erkundet, dass ein Bus um 20:30h zur Chora hinaus fährt. Wir erwischen diesen perfekt und erhalten sogar einen Sitzplatz. Der Fahrer kassiert auch hinten im Bus, 1 Euro pro Person, aber glücklicherweise bevor er los fährt. Wenig später steigen wir oben bei den Windmühlen aus. Hier weht der Wind wesentlich stärker als unten in Livadi. Von der Supermarktbesitzerin haben wir gehört, dass heute ab 21h ein Fest für die Nicht-Astypaläer stattfinden soll. Gestern Abend war sie für die Einheimischen. Es ist schließlich „Panagía“, also Mariä Himmelfahrt und da will sich die Kirche nicht lumpen lassen. Ich frage in der Bäckerei nach, ob das stimmt. Es stimmt. Wir sollen nur da hinauf gehen. Es geht tatsächlich ordentlich hinauf und nach einiger Zeit, erkennt ein junger Atypaläaner, dass wir offensichtlich unsicher sind, welche Abzweigung wir nehmen sollen und begleitet uns bis zur Kirche unterhalb des Kastells. Diese kannten wir bisher nicht. Wir gehen hinein und kommen zu einer Balustrade rund um einen Innenhof einen Stock darunter. Es sind viele Leute da und unten werden Speisen aus riesigen Kasserollen serviert. Alles mit Scheinwerfern hell ausgeleuchtet. Wir machen Fotos und eine Runde oben. Danach gehen wir die Stufen hinunter und holen uns Erdäpfel, Erbsenreis, Fleisch (vermutlich Schaf), Feta-Käse und Brot. Getränke gibt es auch, nämlich Cola, Bier und Wasser. – Na was nehmen wir denn? Oben finden wir einen Platz an einem der gar nicht so vielen Tische und zwar auf der Steinbank entlang der Außenmauer.
Als wir dort sitzen und das Essen etwas mühsam mit der Plastikgabel zu uns nehmen – das geht bei dem zähen Rippenstück nicht ohne zusätzlich die Finger zu benützen – sehen wir Ben und Lea samt Frau und Sohn auf der Balustrade gegenüber stehen. Wir winken. Sie winken zurück. Und bald ist der Ben auch da mit einem Teller voll Essen. Die übrige Familie ist nach Hause gegangen aber dafür gesellt sich seine Tante und eine griechische Nachbarin aus Athen, die beide hier ein Sommerhaus haben, dazu. Auch ein Athener Pärchen aus der Bankbranche setzen sich auf die von den Italienern verlassenen Sesseln und es entstehen angeregte Diskussionen.
Um 22:30 haben wir genug und obwohl uns die Nachbarin beschwört, noch zu bleiben, weil dann die Musik mit Volkstanz kommen werde, verabschieden wir uns und gehen in 30 Minuten zurück hinunter, teilweise sehr steil, nach Livadia. Der Supermarkt hat noch offen (Sonntag 23h!) und wir kaufen einen gut gekühlten Retsína, den wir danach mit Käse und Oliven auf dem Boot genießen.


16.08.2010 Montag
13:28 Abfahrt
14:30 Astypálea / O. Schinunta Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 01:01 Strecke: 5,6 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


Beate hat heute Morgen echt Hunger, nachdem sie gestern nicht viel vom Kirchenessen gegessen hat. Es gibt gebratenen Speck mit Spiegelei und geröstetem Brot – köstlich. Ein wenig muss ich noch an der Elektrik herum schrauben bevor wir losfahren: Ich versuche, auch am bb-Motor das R-Kabel an den AC-Kontakt des Zünschlosses zu verbinden, bzw. es gar nicht anzuschließen. Im ersten Fall ladet die mit dem Sterling-Hochleistungsladeregler asgestattete bb-Lichtmaschine nach wenigen Minuten mit mehr als 15V, im zweiten Fall gar nicht. Da wird sie ausgeschaltet und der Standardregler regelt nix. Es kommt praktisch kein Strom von der LIMA. Also lasse ich es wieder so sein wie vorher: Kabel von LIMA an die Trenndiode, R-Kabel an R-Anschluss der Trenndiode und Batterie an bat 1 der Trenndiode. Damit kommt zumindest viel Ampére in die Batterie, wenn auch mit etwas zu viel Spannung, 14,48V. Bei der Temperatur um die 30° sollte es so um die 14,1V sein.
Ich lasse das so sein und verschiebe die nächsten Tests auf später, wenn ich den von SVB bestellten neuen Laderegler Sterling Pro Digital erhalten habe. Er soll auch die Batterie- und die Lichtmaschinentemperatur mit berücksichtigen.

Um 13:23h holen wir den Anker auf und erkunden die SW-Seite der großen Bucht. Außer die unmittelbare kleinere Bucht gleich nach einem Halbinselchen gibt es hier keine Möglichkeit,sicher zu ankern. Nach einer Stunden ankern wir in der Bucht Schinunta vor dem Badestrand, W vom kleinen Betonsteg. Hier ist wirklich ein guter Ankerplatz mit viel weniger Wind als weiter draußen, weiter östlich oder weiter westlich in der Bucht Maltezana.

Ich habe Zeit, das hier zu schreiben…

Bevor Beate das Abendessen kocht, verpasst sie mir eine 3mm-Frisur. Damit bekommt mein Oberhaupthaar die gleiche Länge wie mein Unterhaupthaar, ist aber weniger kratzig. Morgen werde ich mich rasieren.

Bei endlich etwas kühlerer Abendtemperatur von 27° machen wir uns wieder einen schönen Fernsehabend und danach eine weitere Abkühlung im Meer.


17.08.2010 Dienstag
Astypálea / O. Schinunta
Wieder beschäftigt mich diese ominöse R-Leitung. Ich möchte sie am liebsten los werden, aber ich weiß nicht wie. Am stbd-Motor habe ich sie schon lose hängen und die Lichtmaschine bringt die benötigte Leistung. Allerdings nur, wenn auch die Starterbatterie über die Trenndiode von ihr geladen wird. Am bb-Motor muss die Leitung auf der Reglerdiode angeklemmt sein, sonst lädt die LIMA gar nicht – der Sterling Laderegler wird nicht aktiv. Am AC-Anschluss des Startschlosses geht die Ladespannung nach kurzer Zeit auf über 15V. Und diese Leitung hat Durchgang mit wirklich allem, außer dem BAT-Ausgang der LIMA. Nämlich auch mit den Kontakten der stbd-Seite.
Ich lasse es also wieder sein und räume die Kabeln bei den Batterieschaltern auf. Mit den neuen Batterien, drei statt vier, und der neuen Verkabelung kann ich gleich 3 von 6 Batterieschalter außer Dienst nehmen und die entsprechenden Kabeln abmontieren. Das sieht gleich ordentlicher aus.

Dann versuche ich nochmals das Echolot, also den Tiefenmesser, zu reparieren. Diesmal teste ich nicht nur alle möglichen Kombinationen, wie die drei Kabeln mit einander verbunden werden können, sondern öffne das Gehäuse des Tridata-Instruments und sprühe Kontaktspray hinein. Aber auch mit dieser Wunderwaffe richte ich nichts aus. Es bleibt bei Tiefe null Meter.

Um 19:30h rudern wir zum Strand, gehen in die Nachbarbucht Maltezana und kaufen das letzte Brot des Bäckers, gehen wieder zurück und wundern uns über die neuen Häuser, die komplett fertig sind aber offensichtlich nicht benützt werden. Es sind 6 doppelstöckige stilvolle Appartementhäuser mit je 2 bis 4 Appartements, sehr schön entlang des Strandes gelegen deren Gärten bestens gepflegt sind. Aber Spuren von Bewohnern sieht man nicht, alle Terrassen sind leer.

Der Wirt der Taverna Astakos löst für uns das Rätsel: Der Eigentümer ist ein sehr reicher Zypriote, der Besitzer der Bank of Zyprus, und benützt das „Familiendorf“ nur 10 Tage im Jahr. Sonst steht es leer bis auf die paar Bediensteten. Das gibt wieder Anlass zu einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit von privater Vermögensanhäufung während wir das gute und sehr günstige Abendessen zu uns nehmen. Jedenfalls hätte der Ort und vor allem die drei Tavernen mehr davon, wenn diese Appartements normal vermietet oder wie normale Appartements verkauft worden wären.


18.08.2010 Mittwoch
10:20 Astypálea / O. Skala (Hafen) Karte Längsseits anlegen
12:29 Astypálea / O. Skala (Hafen) Karte Abfahrt
18:44 Ankunft
Zeit unterwegs: 06:49 Strecke: 41,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten


Wieder eine sehr ruhige Nacht, für Beate zu warm, weshalb sie einige Stunden im Cockpit schläft.
Um 9:45h brechen wir auf und sehen uns zuerst die Nachbarbucht östlich an. Wir haben riesige vollbeladene LKWs gesehen, die sich die Straße hinauf in dieser Richtung geplagt haben und vermuten eine größere Baustelle. Aber dort ist keine. Der Weg führt weiter in die nächste Bucht. Die sehen wir uns dann doch nicht an und drehen um Richtung Skala. Wir legen elegant längsseits am Fischerkai vor dem Wellenbrecher an und ich rufen den Wassermann Leftheris um 10:21 an. Er verspricht zu kommen und auch den Dieselmann zu verständigen. Beate geht auf ein Capuccino und ich warte auf Leftheris.
Ich wundere mich über die zerstörten Versorgungssäulen, die voriges Jahr installiert wurden. Sie sind nicht nur zerstört, sondern gar nicht mehr vorhanden, komplett abgerissen. Nur der unterste Teil ist noch übrig und die Kabeln ragen dort heraus. Weil diejenigen, die geschützter am Kai entlang der Straße stehen, noch ganz sind, tippe ich auf einen zerstörerischen Wintersturm. Leftheris bestätigt meine Vermutung als er nach einer halben Stunde kommt. Ein provisorischer Wasserhahn ist an einer Säulenruine installiert worden, allerdings recht weit weg. Ich brauche 3 der 4 vorhandenen Schläuche. Das Wasser kommt aus einem großen Reservoir oben in den Bergen, das aber fast schon leer ist, wie mir Leftheris erzählt. Er erzählt auch, dass er vor 1,5 Jahren in Wien gewesen ist auf seiner Autofahrt von Ancona nach Polen und retour. Der Dieselmann schaut per Moped vorbei und bekommt die Bestätigung, dass wir ca. 85 Liter brauchen. Nach einer Weile kommt schon der Tankwagen mit einem anderen Fahrer. Der heißt Adolf, ca. 35 Jahre alt und aus Debrecen in Ungarn stammend. Seit einem Jahr lebt er hier, davor 3 Jahre in Deutschland und Österreich. Viel mehr können wir uns mangels gemeinsamer Sprache nicht unterhalten. Trotzdem: Wirklich nette Leute hier auf Astyálea. Um 11:50h ist auch der Dieseltank voll. Mehr als 73 Liter sind aber nicht hinein gegangen.
Ich fotografiere noch die kaputten Versorgungssäulen und den Leftheris auf seinem Moped und rufe Beate an. Sie ist gerade im Supermarkt. Weil ich nass vor Schweiß bin, habe ich aber keine Lust mich noch zu bewegen und so kauft sie nur das Notwendigste ein.

Um 12:29h legen wir ab. Für die Überfahrt habe ich die Wind- und Wellenprognosen im Internet genau studiert und die Überfahrt für heute geplant. Aber der Wind hat das offenbar nicht. Er ist aber nicht viel stärker als vorher gesagt und kommt von schräg vorne. Die Wellen sind erträglich. Bis wir in den Einflussbereich von Amorgós kommen. Schon vor zwei Jahren haben Patrick und ich diese Insel „ein dunkles, hoch aufragendes, furchterregendes, gewaltiges Wind- und Wellengeneratormonster“ genannt als wir abends südlich daran vorbei segelten. Nun, so dunkel ist es jetzt nicht, weil es noch nicht so spät ist und so arg wie damals ist es auch nicht. Aber 1 Stunde lang kämpfen wir schräg gegenan. Wind und Wellen sind bissig und statt der vorausgesagten 14 Knoten haben wir hier bis zu 34 Knoten Wind, meistens so um die 30. Aber abgesehen von ein paar größeren Windlöchern ist der Wind recht konstant, also nicht böig. Die Windschutzscheibe und der in diesem Winter modifizierte Wasserablauf vom Deck machen sich bezahlt: Das Cockpit bleibt trocken obwohl das Deck triefnass ist.

Als wir näher zur Küste kommen, mache ich eine interessante Beobachtung: Knapp unter Land ist der Wind auch recht konstant, aber weniger stark als weiter draußen. Also mindestens 5-6 Knoten weniger und gar keine Welle sind mehr als ausreichender Grund, hier bei Nordwind ganz nahe am Ufer entlang zu motoren. Extreme Fallwinde sollen hier vorkommen, aber ich glaube, der nautische Führer meint 100 m und mehr vor der Küste.

Nach 6 Stunden und 18 Minuten können wir nach 38,8 sm die Motoren in der seltsamen Bucht Kalotarítissa ausschalten. Seltsam deswegen, weil von See her überhaupt nicht zu sehen ist und obwohl am westlichsten Zipfel an der Nordseite von Amogós gelegen, ankert man hier auch bei starkem Nordwind ganz gemütlich. Man muss nur die Einfahrt finden. Zur Baracken-Strandbar finden aber viele junge Leute per Moped und Auto. Und in der Bucht ankern immer einige Fischerboote. Diesmal sogar auch ein Wasserrutschen-Boot.

Wir nehmen das wohl verdiente Bad im Wasser mit über 28° (!) und stoßen dann an mit Retsína mit exakt 6,7° – tja im Kühlschrank ist eben ein Digitalthermometer mit Fernanzeige installiert. Es gibt Resteessen und griechischen Salat.


19.08.2010 Donnerstag
12:49 Amorgós / O. Kalotarítissa Karte Abfahrt
15:55 Ankunft
16:18 Amorgós / Limáni Egiális Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:29 Strecke: 18 Seemeilen Ø Fahrt: 5,2 Knoten


Wir schwimmen zum Strand, Beate dicht neben mir. Ich muss mit der Taucherbrille nach Quallen Ausschau halten. Ein paar dunkelgelbe haben wir gestern und heute schon gesichtet. Aber jetzt zeigt sich keine.
Die Kantina hat schon offen und ca. 20 Badegäste sind schon da. Wir finden, dass der Strand vom Strand aus gesehen schöner aussieht als vom Boot. Aber als Urlaubsstrand aussuchen?, naja eher nein.
Um 12:49 fahren wir ab und tuckern langsam der Küsten entlang. Wir fahren in die Bucht Akrotiri hinein, eine laut griechischen Kartenbuch als „Shelter from all but NE Winds“ beschriebene Bucht. Hier gibt es praktisch nichts. Nur an Land eine Kirche, was sonst, und Quallen im Wasser. Landschaftlich ist sie auch nicht schön. Also weiter.
Im Haupthafenort Katapola gibt es keinen Platz für uns. Ankern vor dem Kiesstrand oder weit gegenüber beim Kirchlein finden wir nicht so toll. Also weiter.
Um 15:55 erreichen wir nach einer ziemlichen Schaukelpartie in der Kabbelsee den zweiten Hafenort Ägiali. Auch hier ist kein Platz für uns. Alles voll mit Fischer- und Einheimischenbooten. Aber jetzt können wir nicht weiter, weil die Insel schon aus ist. Ich bin sauer. Wir fahren die Bucht auf und ab mit hängendem Anker, stellen aber fest, dass in der Bucht die Dünung recht markant ist, besonders außerhalb des Piers. Wir werden also eine Landleine brauchen, um den Bug gegen die Wellen zu halten. Eine Landleine quer über den Sandstrand zu einem der Bäume will ich nicht machen. Erstens stört das die zahlreichen Badegäste, die dann darüber stolpern. Und zweitens ladet das die Kinder dazu ein, sich daran entlang zum Boot zu hanteln. Das brauche ich auch nicht. Aber am Kai ganz dort wo der Strand anfängt, gibt es eine Laterne und einige eingemauerte ringe, die sich für eine Landleine anbieten würden. Die Frage ist nur, wie sieht hier der Ankergrund aus? Beate beantwortet diese Frage, indem sie beim Bildschirm der Unterwasserviedeokamera sitzt und erzählt, was sie sieht. Da gibt es Ketten und Anker, die für unseren Anker nicht so ideal wären. Aber nach einigen Runden wissen wir schon, wo ein freier Platz für unseren Anker ist. Ich bringe die Landleine dann mit dem Schlauchi zu einem der Ringe und dann liegt die Blodughadda richtig.

Es weht fast kein Wind,es hat 33° in der Luft, fast 29° im Wasser und es hat eine hohe Luftfeuchtigkeit. Es ist wirklich heiß. Erst am Abend rudern wir an Land. Der kleine Ort wirkt sympathisch im Gegensatz zu den Autoverleihern. Die zwei „Tomaso“ und „Thomas“ haben sich offensichtlich abgesprochen und verlangen Minimum 60 Euro pro Tag für ein Auto. Ein Moped ist für 20 zu haben. Wir erbitten Bedenkzeit und gehen auf einen Sundowner ins Sunset Café. Als die kleine Fähre „Express Skopelitis“ an der Innenseite des Hafenpiers anlegt, beglückwünschen wir uns dafür, dass wir dort nicht angelegt haben. Und als sie gleich ablegt dafür, dass wir nicht mitten in der Bucht ankern, weil sie dort eine Runde dreht, bevor sie wieder auf Meer hinaus dampft.

Die Sonne geht unter und der Hunger meldet sich. Wir klettern die steilen Stufen zur Dachterrasse des Restaurants „To Limani“ hinauf. Das scheint ein beliebtes Lokal zu sein aber wir ergattern einen der letzten freien Tische. Wir essen nicht schlecht aber eine Haube würde ich diesem Lokal nicht geben.


20.08.2010 Freitag
Amorgós / Limáni Egiális
Wir haben uns entschieden, die Insel doch per Auto zu erkunden. Der doppelte Preis vom Leros, aber auf dem Moped bis zu 500 Höhenmeter hinauf und dann wieder hinunter nur um in die nächste Ortschaft zu kommen? Wir bekommen einen erbsensuppengrünen Fiat Panda mit funktionierender Klimaanlage und abnehmbarem Schaltknüppelkopf. Dieser erfordert etwas Übung. Am Anfang kullert er nach jeder Schaltbewegung irgendwo am Boden herum.

Die Straße auf Amorgos ist gut Asfaltiert. Einzahl, weil es praktisch nur eine Straße gibt. Sie führt bis zu Chora, der Hauptstadt in der Mitte der Insel, wo sie sich teilt: Hinunter nach Katapola und hinunter zur SW-Spitze der Insel, wo wir gestern in der Früh waren. Also vielleicht doch drei Straßen. Oder vielleicht doch ein paar mehr, die jeweils ein paar Kilometer zu irgendeinem Dorf führen.

Wir bleiben immer wieder stehen, um Fotos zu machen und in Chora angekommen finden wir gleich einen windigen Parkplatz. Hier geht immer der Wind. Sogar Straßenschilder mit einem Windsack im gelben Dreieck warnen vor starkem Wind.
Die alte Stadt ist natürlich nur zu Fuß erkundbar. Das aber recht praktisch entlang eines Haupttrampelpfades. Wir finden den Hauptplatz mit der Platane, der Polizei, dem Rathaus und zwei Cafés. In „Ilios“ trinekn wir Kaffee und Beate malt die Fassade ins Skizzenbuch. Derweil begebe ich mich hinauf zum Felsen, auf dem einst ein Kastell war. Jetzt ist dort nur ein immer verschlossenes Kirchlein, etwas Aussicht und viel Wind.

Es wird Zeit, das berühmte Kloster mit dem unaussprechbaren Namen Panagia Chozoviotissa zu besuchen. Irgend ein Mönch im Delirium tremens muss vor 1200 Jahren angefangen haben, aus einer Höhle in einer senkrecht abfallenden Bergwand eine Behausung zu machen. Heute ist das Kloster DIE Sehenswürdigkeit. Wir sehen es aber nur von unten, also von außen. Denn es sperrt um 13h die Tore und es ist knapp danach. Es ist sowieso fraglich, ob wir da hinein gelassen worden wären mit unseren kurzen Hosen. Frauen dürfen dort nämlich gar nicht Hosen tragen, weder kurze noch lange und auch keine Miniröcke – laut Anschlag.

Na gut, wir fahren in den Süden, eigentlich Südwesen der Insel. Es geht ca. 18 km lang durch eine extrem karge Landschaft. Endlich im Ort Arkessini angekommen, kehren wir nicht ein sondern um. Das urige Lokal, das ich mit Christian und Robert im Mai 2003 per Moped frierend besucht habe, ist geschlossen und die neue Pizzeria über die Straße und etwas unterhalb lassen wir leer sein.

Auf dem Rückweg schauen wir uns eine Ferienappartmentanlage mit angrenzendem Restaurant an. Es liegt hoch oben mit atemberaubender Aussicht und ebensolchem Wind (aber wortwörtlich) und es ist kein Mensch zu sehen. Aber es dürfte im Betrieb sein, weil auf den Terrassen Sitzgarnituren mit Pölstern und auf den Tischen des Restaurants Aschenbecher stehen.

In Katapola angekommen, setzen wir uns ins Café Aigaion (also Ägäon), wo wir zuletzt 2007 mit Patrick waren. Sonst stellen wir fest, dass jetzt Platz am Yachtkai wäre, aber der Wind darauf ganz schön weht.

Auf dem Rückweg biegen wir auf eine mit „Asfodilitis“ beschilderte Straße ab. Nach wenigen Kilometern erreichen wir den Bergrücken, wo sich ein wirklich echtes Bauerndorf befindet. Es ist eine nirgends erwähnte Sehenswürdigkeit. Die zwei einzigen Hinweise darauf, dass wir uns hier nicht im 18. Jahrhundert befinden, sind ein total verstaubtes Auto, das vor dem Kirchlein steht und ein leerer Feuerwehrschlauch, der sich entlang der steil hinauf führenden „Hauptstraße“ windet. Alles ist Stein. Die Häuser, die Mauern, die Wege, die Tiergehege, die Äcker – einfach alles aus Stein oder aus auf einander gestapelten Steinen. Nur das Kirchlein ist weiß gestrichen, aber auch aus Stein. Die doch nicht steinernen sondern lebendigen Ziegen und die Schweine haben gerade Futter bekommen, das Maultier steht im Schatten einer Steinmauer und bewegt sich nicht – könnte aus Stein sein. Riesige Ohrwaschlkakteen mit gelben Früchten ragen hinter den Steinmauern hervor. Aber Menschen sind nicht zu sehen. Erst als wir wieder zurück fahren, sehen wir einen Bilderbuchgriechen mit wildem Schnurrbart und Kapitänsmütze quer auf seinem Esel reiten.

Wieder in Ägiali angekommen stellen wir fest, dass es hier überhaupt keinen Wind gibt. Es ist fast spiegelblank, bis auf die Dünung, die offenbar immer herein kommt. Wir ruhen uns ein paar Stunden auf dem Boot aus. Beate hat Migräne bekommen, wahrscheinlich von der Klimaanlage. Als wir um 20h wieder an Land rudern, geht es ihr trotz Thomapyrin noch immer nicht gut. Aber sie will auch das Auto noch ausnützen und ins 3 km entfernte Dorf Lagada oberhalb von Ägiali fahren. Im Reiseführer wird die Taverna Nikos empfohlen und sie sieht auch sehr nett aus. Die Speisekarte preist die biologischen Produkte aus eigener Landwirtschaft unten im Tal an und wir freuen uns auf ein gutes Essen. Aber es ist das mit Abstand schlechteste Essen, das wir seit sehr langer Zeit in Griechenland gegessen haben. Beispiel: Das Souvlaki „tenderloin“ ist so hart, dass man es weder schneiden noch essen kann und absolut ungewürzt. Aber die zwei Musiker unterhalten die offensichtlich kulinarisch unterentwickelten Amorgos-Touristen mit netten griechischen Standardvolksliedern.


21.08.2010 Samstag
Amorgós / Limáni Egiális
Bevor ich das Auto zurück bringe, fahre ich der Küstenstraße entlang bis Ag. Pavlos. Es stimmt genau, dass draußen auf dem Meer viel Wind ist, obwohl in der Bucht noch nichts davon zu bemerken war. Die Windprognose verspricht viel Wind für heute und morgen, ab Montag weniger. Daher werden wir abwarten.
Ich kaufe ein wenig im Supermarkt ein und rudere dann wieder zum Boot hinaus. Es könnte schlechtere Plätze geben, wo man auf freundlichere Windverhältnise wartet. Wir haben einen guten Internetzugang über Amorgos-WiFi noch dazu kostenlos. Und wir können jederzeit zum Einkaufen oder Essen rudern oder zum Strand schwimmen. Das machen wir auch am Nachmittag als mittlerweile der Wind auch diese Bucht erreicht hat. Hier kommt er abwechselnd aus wirklich jeder Richtung und mit jeder Stärke zwischen 5 und 30 Knoten. Die Dünung in der Bucht ist auch viel größer geworden. Sie erzeugt am Strand eine ordentliche Brandung und diese wiederum macht das Wasser in der Bucht trüb. So trüb, dass ich den Anker beim Schnorcheln nicht mehr sehe als ich kontrollieren will, ob er sich bewegt hat. Erst als ich hinunter tauche, sehe ich, dass er sich schon bewegt hat, nämlich abwärts. Er hat sich so in den Sandgrund eingegraben, dass er sowieso nicht mehr zu sehen ist. Gut so! Wir können beruhigt zu einem Strandcafé schwimmen, wo es gebratenen Feta-Käse und Hamburger mit FIX-Bier hinuntergespült gibt. Dieses griechische Bier schmeckt wirklich am besten von allen.

Obwohl wir schon seit vorgestern hier ankern, sind wir noch immer interessant für die Einheimischen. Vor allem die Pensionisten und Eigentümer der am Kai liegenden Schinakeln finden unsere Landleine zwischen ihren Booten aufregend. Natürlich muss sich einer darüber aufpudeln, dass die Leine gelegentlich ein kleines, schäbiges Ruderboot berührt. Dabei dient ein Wasserschlauchstück, durch das die Leine geht, als Scheuerschutz, sowohl für Boot als auch für Leine. Ich zucke nur mit den Achseln und signalisiere mit leicht ausgestreckten Händen „was soll ich tun?“. Das weiß der schreiende Pensionist auch nicht. Er dürfte aber doch auch erkennen, dass diese Leine für uns absolut unverzichtbar ist. Ohne sie würde das Boot um den Anker rotieren und diesen immer wieder ausreißen und neu platzieren. Bei den teilweise sehr heftigen Windböen keine angenehme Vorstellung. Auf die Idee, mehr Platz für unsere Landleine zu schaffen, kommt natürlich keiner.

Wir bleiben auf dem Boot, essen Thunfischspaghetti und griechischen Salat, trinken Retsína und diskutieren bis wir um 23h schlafen gehen. Der Wind hat etwas nachgelassen und es ist endlich kühler geworden.


22.08.2010 Sonntag
Amorgós / Limáni Egiális
Trotz in der Nacht wieder auffrischendem Windes schlafen wir gut bis uns ein langes und lautes Tröten um 6:45h aufweckt. Die Blue Star Fähre „Paros“ legt extrem elegant und knapp mit dem Heck zum Kopf des Piers an. Auch diese riesige Fähre schaukelt in der Dünung als sich die Menschen und Autos auf der Heckklappe drängeln. Hauptsächlich besuchen Rucksacktouristen diese Insel.

Die Temperatur ist nach 25 Tagen endlich wieder unter 25° gesunken, nämlich auf 24,8°C. Seit dem Morgen des 28. Juli hatten wir zu keiner Zeit weniger als 28 Grad! Sogar einige Wolken ziehen durch bzw. bleiben in den Berggipfeln hängen. Aber der Wind ist noch immer penetrant und unberechenbar. Am Horizont schäumt und brodelt es. Der Wetterdienst http://www.poseidon.hcmr.gr informiert über die Wellenhöhe da draußen: 3 Meter!

Zur Erklärung der Wellenhöhe steht auf der Webseite noch unter diesem Bild: „The significant wave height is the average height (trough to crest) of the highest one third of the waves. The likely maximum wave height can be up to twice the significant wave height.“
Diese also bis zu 6m hohen Wellen krachen gegen die Steilküste und erzeugen bis weit aufs Meer hinaus eine Kabbelsee vom ärgsten. Da müssen wir durch, wenn wir weiter Richtung Kos wollen. Hoffentlich ist das morgen, spätestens übermorgen besser.

Ach ja, weil ich gerade Zeit habe, baue ich auch die Webcam hier ein, die den Hafen zeigt:

Und weil noch ein wenig Zeit war, habe ich unseren Delfin-Film auf YouTube gestellt, siehe 31.7.

Nach einem prächtigen Sonnenuntergang hinter Naxos – die Luft ist überhaupt nicht mehr diesig – und einem Kontrollschwimm zur Landleine rudern wir zum Strand. Die Dünung ist immer noch hoch aber wir warten auf eine ruhigere Phase und können so trocken an Land gelangen. Wir sehen uns ein paar schmudelige Geschäfte mit ebensolchen Besitzern an, kaufen einen Becher Joghurt um 1,20 Euro und können uns nicht entschließen, in welche Taverne wir gehen sollen. Der Schrecken von Nikos Taverne vorgestern sitzt uns noch im Nacken. Da fällt uns Lakki Village am anderen Ende des Strandes ein, eine große Appartementanlage mit eigener Taverna. Da muss doch die Qualität in Ordnung sein, sonst flüchten die Appartementgäste wo anders hin. So ist es auch. Das Souvlaki ist sehr gut gewürzt, schneid- und kaubar und die Preise normal. Der Tisch direkt am Rand der Terrasse bietet eine tolle Aussicht auf die hier gewaltige Brandung. Die Wellen schlagen mit ungeheurem Getöse auf den Sandstrand. Hier wäre weder ankern noch mit Schlauchboot anlanden empfehlenswert.

Für den Verdauungsouzo gehen wir wieder zum Ort zurück. Die Café-Ouzerie Amorgialos direkt am Hafen macht einen netten Eindruck obwohl die Sesseln unbequem aussehen. Aber die Kareklas sind popofreundlich und der Kellner ist touristenfreundlich. Bald fängt ein fescher Grieche zu musizieren an. Er singt und spielt Gitarre so gut, dass das Lokal gleich voll ist und sich davor auf der Straße eine Menschentraube bildet. Wir sind mit Abstand die ältesten Gäste. Die anderen sind fast nur Griechen, die mitsingen und ordentlich bechern. Nämlich aus kleinen Flaschen ein dunkles und ein helles Getränk. Ich frage den Kellner, was das ist: Das Dunkle ist PSIMENI, das Helle RAKOMELO, aha, bitte ein Glas von jedem! Beide sind hiesige Drinks aus Raki (griechischer Grappa) und Honig. Psimeni ist etwas milder und hat die dunkle Farbe von 8 zugesetzten Kräutern. Rakomelo wird warm serviert. Beide sind köstlich! Nach zwei weiteren Gläsern bestellen wir die Rechnung und bekommen noch eine Packung from the house. Dann geht der Sänger Bekannte unter den Gästen besuchen und wir wanken zurück zum Schlauchi.


23.08.2010 Montag
Amorgós / Limáni Egiális
Der Morgen begrüßt uns kühl und total bewölkt. Beate ruft zum Frühstück und sagt „zieh dir was Warmes an“. Sie hat recht, es hat nur 25°C. Da sieht man, wie sehr der Körper sich an die Temperatur gewöhnen kann. Es gibt weiche Eier und gebratenes Brot zum Tee.
Die Wind- und Wellenprognosen im Internet sind nicht wirklich erfreulich. Heute sollen noch die Dreimeterwellen vor Amorgos toben aber morgen sollen sie sich ein wenig beruhigen. Der Wind wird etwa gleich sein. Also verschieben wir unsere Abreise auf morgen.

Jeder sitzt bei seinem Computer fast den ganzen Tag. Ich peppe die Blogbuchberichte mit ein paar Fotos auf und experimentiere mit Videos. YouTube funktioniert gut aber QuickTime will nicht so richtig. Es ist aber schon bemerkenswert: Wenige Stunden nachdem ich ein YouTube Video in diese Seite eingebettet habe, kommt ein Spammail an die Adresse tobago@tomarti.net. Diese befindet sich exklusiv auf der Bootsseite (Klick auf Blodughadda) ganz unten und ist bis jetzt nie auch nur irgendwo verwendet worden und es gab bisher noch nie ein Spam an diese Adresse. Zukünftig auch nicht, weil sie ab sofort nicht mehr existiert, obwohl es so aussieht. Da muss man doch Verschwörungstheorien entwickeln! Ich hebe also die Einbettung wieder auf und belasse es mit einem Link.

Den ganzen Tag über ziehen Wolken vorüber und über den Bergen im Osten hängt eine Wolke fest. Am Abend wollen wir Fleisch für das Abendessen einkaufen. Der Suptermarkt Captains hätte schöne Schweinskotletts. Aber eine Packung mit 1,5 kg können wir doch nicht brauchen. Beim nächsten steht draußen auf dem Schild unter anderen auch „local meat“ und hat drinnen einen Hackstock und einen Faschiermaschine. Fleisch ist nicht zu sehen und der Händler sagt, er hätte nur „Pork gulasch“, also wahrscheinlich das, was hier allgemein für die Souvlakis verwendet wird. Darauf können wir verzichten und auch auf die seltsam grauen Hendlstücke in der Tiefkühltruhe. Der dritte und letzte hat gar nichts fleischliches. Die Gyrosbude wäre natürlich eine Alternative, hätte sie eine Preisliste und wäre sie weniger schmuddelig. Aber ein vegetarisches Abendessen kann auch sehr gut sein mit gebratenen Zucchinis, Feta in Folie und Beates köstlichem Dakos, also fein geschnittene Tomaten, Feta und Zwiebel als Aufstrich auf Paximádi, also griechischer Zwieback.

Dann bauen wir wieder unsere Fernsehecke auf und geben uns einen Tatort-Krimi. Der Versuch scheitert, einen Film made in USA zu Ende zu sehen. Ich halte amerikanische Dramaturgie einfach nicht aus. Dabei soll „A Beautiful Mind“ so gut sein.


24.08.2010 Dienstag
09:07 Amorgós / Limáni Egiális Karte
09:32 Abfahrt
10:31 Kursänderung
11:12 segel setzen
12:03 Motoren aus
18:15 Segel weg
19:24 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 10:17 Strecke: 56,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten


Heute müssen wir also los fahren, um rechtzeitig in Kos zu sein. Wir stehen früh auf und werden von einem fast total bewölkten Himmel begrüßt. Nach dem Frühstück hat es schon einigermaßen aufgeklart aber als wir um 9:30h abfahren, hängen die Wolken immer noch in den Bergen. Außerhalb der Bucht sind die Wellen wie erwartet sehr groß obwohl sie ja jetzt laut Prognose kleiner sein sollen. Weil sie aber nicht steil sind, geht es ganz gut, langsam dagegen zu motoren. Das machen wir eine Stunde lang und biegen erst dann nach E ab, um genügen Abstand zur Küste zu haben. Nach 40 Minuten rollen wir die Genua aus und nach weiteren 50 stellen wir die Motoren ab. Jetzt segeln wir auf Kurs 108 direkt auf Kos zu mit 26 kn Wind von hinten. Der beschert uns eine Fahrt von 7-8 kn mit der wir Amorgos schnell verlassen bis wir zum Schluss nur noch die Wolken darüber sehen. Beate geht für ein paar Stunden schlafen in die Kajüte und ich setze mich mit dem Strandsessel auf die Holzplattform, lese und genieße die rauschende Segelfahrt.
Erst kurz vor Kos flaut der Wind ein wenig ab und nach 6 Stunden und 11 Minuten erreichen wir die SW-Spitze von Kos, ab wo es dann wieder mit Motor nach Kamari geht. Zuerst wollen wir längsseits an der Pier anlegen aber da erscheint ein hier lebender Engländer und warnt uns, dass das der Platz für die Ausflugsboote sei. Da wollen wir sicher nicht im Weg sein und fahren um die Pier herum. Nach 56,7 sm Fahrt werfen wir um 19:20 den Anker in der Bucht direkt vor der Taverna Faros. Dem verdienten Schwimm im hier viel kühleren Wasser folgt eine 1,7 km lange Wanderung zum Autovermieter Manolis. Der Vermieter Dimitris wäre zwar näher gewesen aber seine Auffassung von einer Tagesmiete ist nicht mit unseren Bedürfnissen kompatibel: Das Auto muss in der Früh übernommen und bis 20h am Abend zurück gebracht werden. Wenn wir es erst in der Früh zurück bringen, verrechnet er zwei Tage! Bei Manolis will die Frau Vermieterin das auch so handhaben, lässt aber mit sich reden, wenn wir das Auto spätestens um 8:30h zurück bringen. Der Tag kostet 40,- für ein Miniauto. Immerhin keine 60,- wie auf Amorgos. Sie wird mich morgen um 10h beim Boot abholen.
Wir wandern wieder zurück und essen danach sehr gut in der Taverna Faros mit deutsch sprechendem Wirt.


25.08.2010 Mittwoch
Kos / Kamari
Die Autovermieterin holt mich pünktlich um 10h ab, um die Papiere in ihrem Büro zu erledigen. Dann verlegen wir die Blodughadda an einen freien Platz an der S-Seite des Piers, wo die Privatyachten anlegen dürfen. Dazu schwimmt Beate zum Strand, um von Land aus die Leinen entgegen und befestigen zu können. Das klappt auch gut trotz des frischen seitlichen Windes.
Wir fahren die 45 km quer über die Insel zur Kos Stadt. Ich lasse Beate nahe dem Zentrum aussteigen und fahre weiter zum Yachtzubehörgeschäft von Pavlos. Meine aus Deutschland bestellten Sachen sind bei ihm abgeliefert worden und auch die Luftfilter für die Motoren hat er für mich besorgt. Ich packe alles gleich dort aus und kaufe noch Material ein, die ich für die Montage benötigen werde und noch ein wenig mehr. Es ist wie Weihnachten mit so vielen Packerln:
Außenbordmotor Suzuki DF 2,5
Sterling Hochleistungsladeregler Pro Digital
Sterling Kontroll- und Fernbedienungspanel dazu
philippi Landstrom-Ladegerät AL 12/48
philippi Batterie- und Ladegerätmonitor BLM samt Shunt für Strommengenmessungen

Auf dem Rückweg bleiben wir bei Lidl stehen, um noch ein wenig einzukaufen. Es wird ein ganzer Wagen voll, weil wir immerzu sagen, „na das werden die Burschen auch noch brauchen“. Seltsamerweise hat alles Platz im Miniauto.

Zurück am Boot bleibt nur noch eine Stunde Zeit, alles zu verstauen, bevor ich los fahren muss, um den Patrick abzuholen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert