Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2003-05-19 Auswintern

Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 13:04:25 Anzahl Tage: 4
19.05.2003 Kos Nord / Marina
20.05.2003 Kos Nord / Marina
21.05.2003 Kos Nord / Marina
22.05.2003 Kos Nord / Marina

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: :00 Strecke: Seemeilen Ø Fahrt: Knoten


19.05.2003 Montag
Kos Nord / Marina
Die Lauda Air bringt mich pünktlich nach Kos. Per Taxi zur Marina. Werde gleich freudig vom gerade vorbeikommenden Vagelis Kavas begrüßt. Wetter ist prächtig – schöner Nordwind angenehme Temperatur. Komme zum Boot und muss zunächst die Passarella suchen. Sie liegt einige Plätze weiter draußen auf dem Pier. Die Blodughadda sieht prächtig aus, wenn auch sehr staubig und voll mit rötlichem Sand. Bringe meine Sachen an Bord und gehe gleich ins Marinacafé auf ein Bierchen und Capuccino. Dann zum Nicholaos von YACHT SHELTER. Wir besprechen die kommenden Arbeiten. Die Segel, das Bimi und der Lazybag waren über den Winter bei ihm zum Service und werden voraussichtlich am Donnerstag angeschlagen. Morgen wird die Blod herausgehoben, damit ich sie unterwassermäßig wieder auf Hochglanz streichen kann. Vorher muss ich mich ins Marinabüro bemühen, um die Formalitäten zu erledigen. Wie üblich brauche ich eine hochamtliche Genehmigung der Hafenpolizei, das Boot herausheben zu lassen. Ich fülle die Formulare aus, in der auch die Namen meiner Mutter und meines Vaters anzugeben sind und unterhalte mich bestens mit dem sehr freundlichen Hafenpolizisten während der etwa 15 Minuten dauernden Amtshandlung. Nach Bezahlung der Wahnsinnsgebühr in der Höhe von EUR 0,80 kann ich anschließend die offizielle Heraushebegenehmigung der Marinabüroangestellten übergeben und somit ist alles für morgen vorbereitet.
Auf dem Weg zum Marinabüro und ebendort unterhalte ich mich mit zwei anderen Seglern, beide aus Finnland. Irgendwie ist diese Marina sehr populär bei den Finnen. Die Boote heißen Matuska bzw. Pohjanneito und dessen Besitzer Kimmo Vaselius.
Zurück auf dem Boot fange ich an, das Deck zu schrubben. Mit dem Gardena-Superbesen geht das sehr gut und nach einer guten Stunde bin ich vorerst fertig. So richtig weiß ist das Deck noch nicht aber immerhin staubfrei. Dann spüle ich die Wassertanks durch und nach einigen Durchläufen gebe ich Entkeimungsmittel hinein und fülle sie auf. Ich stelle fest, dass die Motoren perfekt starten und ebenso der Kühlschrank. Inzwischen hat schon die Putzerei, die Firma Naftilos und Kostas, der Lebensmittelhändler, wieder aufgesperrt. Hole die Teppiche ab, will den Feuerlöscher von Naftilos holen aber die Nachfüllung dürfte nicht geklappt haben – Füllstandsanzeige zeigt immer noch auf rot. Bei Kostas hole ich den ersten Grundvorrat, den ich sogleich in den Kühlschrank einräume.
Dann installiere ich den Computer und versuche, E-Mails abzurufen. Klappt aber nicht. Ich stelle fest, dass es an der Telefonnummer liegen muss. Auf dem Weg zum Abendessen erfahre ich im Marinabüro, dass die Telefonnummer in ganz Griechenland geändert wurden. Mobiltelefone erhalten eine 6 statt der 0 und bei den Festnetztelefonen wandert die Null von der ersten auf die letzte Stelle der Vorwahl – sehr logisch!
Ich gehe ins “En Plo” auf ein gutes Essen und genieße das extrem freundliche griechische Service. Zurück auf dem Boot versuche ich wieder ins Internet zu kommen aber die Einwahlnummern dürften sich überhaupt geändert haben. Und so schreibe ich eben diese Zeilen bevor ich ins Bett gehe.


20.05.2003 Dienstag
Kos Nord / Marina
Um 9:30 breche ich zum Travellift um die Ecke auf. Muss noch warten während zwei Boote zuerst hineingehoben werden. Zu meinem Schrecken sehe ich, dass das Tragflügelboot Petros L mein Nachbar sein wird. Voriges Jahr haben die Edelstahlschleifarbeiten an den Tragflügeln mich beinahe verrückt gemacht.
Bis 12 h dauert es, bis ich endlich in das Travelliftbecken fahren kann. Die Blodughadda bekommt einen Platz direkt neben Petros L. Und natürlich wird darauf gehämmert, geschweißt und mit penetrantem Geräusch geschliffen. Allerdings habe ich zu tun und mache selbst möglichst viel Lärm. Zuerst schrubbe ich den Rumpf mit Abwaschschwamm und Scheuermittel. Das dauert eine Ewigkeit aber das Resultat kann sich sehen lassen. Dann wasche ich das Unterwasser mit dem Gardenabesen, was ausgesprochen gut geht. Anschließend muss ich nur noch einige Stellen, wo der Anstrich abgebröckelt ist und die Propeller/Saildrives mit dem Exzenterschleifer nacharbeiten. Um 19:30 bin ich fertig, schmutzig und die Arme schmerzen ärgstens.
Zwischendurch habe ich mit Hilfe von Martin, der griechischen Hotline und etwas Gespür die Internetverbindung zusammengebracht. Die Griechen haben ein Telefonnummernumstellchaos sondergleichen.
Um 20 h geht die Sonne unter und ich mich duschen und die Antifoulingfarbe holen. Hat in einem Jahr eine Preissteigerung von 13,5% erlitten aber mit 21,-/Liter immer noch wesentlich günstiger als per Versandhandel aus Deutschland. Auf 20,- kann ich herunterhandeln.
Nach einem köstlichen Lamm Spezial in der Taverna Lithino und einem Gin Tonic im Marinacafé komme ich zum Boot zurück und stelle fest
a) dass auch meine Kniekehlen weh tun – von der gebückten Arbeitshaltung und von der Sonne. Dass ich den Vorteil habe, den Rumpf ohne Leiter reinigen zu können hat den Nachteil, dass ich mich bücken muss, um das Unterwasser zu bearbeiten.
b) dass ich gar nicht daran gedacht hatte, die Arbeitsgeräte diebstahlsicher wegzuräumen. Es erhöht die Lebensqualität wirklich enorm, wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass etwas gestohlen wird.
Und jetzt freue ich mich aufs Bett.


21.05.2003 Mittwoch
Kos Nord / Marina
Jetzt weiß ich genau, wie lang die Wasserlinie der Blodughadda ist: 49,7 m. Von der 50m Maskierungstaperolle ist nämlich genau 30 cm übrig geblieben. Ich mache mich an die Anstreicharbeit. Zuerst ziehe ich mit dem Pinsel entlang der 49,7 m und am Wasserpass, wo die Belastung am stärksten ist. Die abgeblätterten Stellen tupfe ich auch mit dem Pinsel vor. Dann geht es ans Rollen. Es dauert etwas, bis ich die richtige Mischung aus Farbenmenge, Geschwindigkeit und Druck herausfinde aber dann passt es. Freundlicherweise kann ich im Sitzen und im Liegen arbeiten. Und ich kann schön im Schatten arbeiten. Trotzdem ein Scheissjob. um 1/2 4 bin ich vorerst fertig. Meine Arme und Beine sehen aus, als hätte ich die schwarze Pest. Werde die restlichen ca. 3 Liter noch für einen zweiten Durchgang bei den kritischen Stellen verwenden.
Ich repariere einige Gelcoatkratzer und bin wieder von meinem elektronisch geregelten Exzenterschleifer entzückt. Er lässt sich sehr präzise für ein optimales Schleifergebnis steuern.
So, nach 11 Stunden Arbeit praktisch ohne Pause mag ich nicht mehr. Beim Zweitanstrich habe ich bemerkt, dass der Erstanstrich an einigen Stellen Bläschen hervorgerufen hat. Die habe ich noch weggeschabt und drübergestrichen. Bin ich froh, dass der Anstrich unter Wasser keine Qualitätskontrollen erfahren muss. Er muss nur dem Bewuchs standhalten. Nächstes Mal werde ich wohl alle alten Anstriche entfernen müssen.
Dann habe ich noch die Außenseite vom BB Rumpf poliert. Sieht echt super aus. Und der Exzenterschleifer hat wieder zugeschlagen. Diesmal mit Lammfellteller.
Nach einer halbstündigen Duschorgie sind auch die Pestflecken weg – denke ich bis ich die Brille aufsetze. Aber die Fliegenschisse lassen sich auch gut abschrubben.
Als am Boot zurück bin und gerade überlege, wann der Robert Proisl ankommen soll, ist er schon da. Wir plaudern ein wenig, gehen ins Lithino essen und anschließend auf Gin Tonic ins En Plo


22.05.2003 Donnerstag
Kos Nord / Marina
Das Wetter ist hier, im Gegensatz zu Österreich, herrlich. So um die 25-28° und wenig Luftfeuchtigkeit. In der Nacht windstill, tagsüber ein angenehmer Nordwind. Soll aber schlechter werden.
Ich poliere noch die Außenseite vom Stb-Rumpf während Robert die Logge und einiges andere Reinigt und die vielen herumliegenden Sachen wegräumt. Um 12 h sind wir an der Reihe und werden problemlos ins Wasser getragen. Noch an der Tankstelle auftanken und denn machen wir uns auf dem Weg zur Marina zurück. Robert macht Boot-Handhabungsübungen und legt anschließend bestens am Stammplatz an.
Die Leute vom Yacht Shelter bringen die Segel und schlagen sie samt Lazybag und Bimini an. Dauert 2 Stunden lang.
Nach einem Capuccino machen wir uns wieder an die Arbeit. Robert geht einkaufen und Einkäufe verstauen und überhaupt innen alles in Ordnung machen während ich bei der Hafenpolizei ausklariere und das Deck schrubbe. Diesmal mit sehr viel Scheuermittel und besseren Erfolg. Erst nach Sonnenuntergang sind wir fertig und können eine kalte Dusche in der Marina geniessen. Danach gehen wir noch auf einen Hamburger zum Burger Hut. Es ist ein schönes Gefühl, wenn das Boot wieder einsatzbereit und sauber ist.

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