Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2011-08-24 Bootsübergabe

Seite drucken Aktualisierung 21.08.2018 20:52:30 Anzahl Tage: 7
24.08.2011 Kos Nord / Marina
25.08.2011 Kos / Marina – Pserimos / Bucht Südküste – Psérimos / O. Vathy
26.08.2011 Psérimos / O. Vathy – Astypálea / O. Schinunta
27.08.2011 Astypálea / O. Schinunta – Astypálea / O. Livadia
28.08.2011 Astypálea / O. Livadia
29.08.2011 Astypálea / O. Livadia – Gyali
30.08.2011 Gyali – Kos / Marina – Kos / Pier bei Busbahnhof

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Patrick

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 20:52 Strecke: 126,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten


24.08.2011 Mittwoch
Kos Nord / Marina
Nachdem ich mich von der Beate beim Abflug verabschiedet habe, gehe ich in die Ankunftshalle. Die Austrian landet exakt pünktlich und bald danach steigt Patrick aus dem Bus aus. Auf dem Weg zur Marina kaufen wir bei Lidl ein. Es ist eine Wonne, endlich wieder Mal in einem Geschäft mit großer Auswahl, für Griechenland extrem niedrigen Preisen, ordentlicher Warenpräsentation ohne herumstehende Kartons und einer flinken Kassiererin, die nicht dauernd telefoniert oder mit jemanden anderen redet. Trotzdem gibt es auch hier keinen Zitronensaft.
Nachdem das Auto aus- und der Kühlschrank eingeräumt ist, und ich die von Patrick mitgebrachten bestellten Sachen kurz begutachtet habe, fahren wir los. Bei der Anlegestelle des Tragflügelbootes, das Beate und ich zu Mittag beobachtet haben, stelle ich fest, dass es doch noch eine Verbindung zwischen Kos und Leros gibt. Genau genommen zwischen Samos und Kos mit Stopps auf diversen Inseln:
Samos / Pythagorion: Ab 8:00
Patmos: 9:15
Lipsi: 9:50
Leros: 10:25
Kalymnos: 11:15
Kos: An 11:50
Kos: Ab 14:30
Kalymnos: 15:10
Leros: 16:05
Lipsi: 16:30
Patmos: 17:00
Samos / Pythagorion: An 18:00
und zwar täglich zwischen 2.7.2011 und 15.10.2011. Bei unserer Ankunft am 29.6. hätte das Wissen um diese Verbindung also auch nichts gebracht.
Dann frage ich bei der ebenfalls dort gelegenen Busstation, ob es Busse zum Flughafen gäbe. Ja, aber nicht hier sondern „hinter dem Postamt“. Also fahren wir dorthin. Ich ergattere sogar einen Busfahrplan von einer auf den Bus wartenden Frau. Wahrscheinlich kennt sie sich auch nicht aus damit. Aber jedenfalls fährt ein Bus um 13h von Kos zum Flughafen, was gut passt für den Flug nach Wien, sogar wenn man vorher mit dem Tragflügelboot aus Leros angekommen ist, was beide den Burschen nach dem Einwintern von Blodughadda auf Leros sehr hilfreich sein wird.

Dann bringen wir das Auto zum Stamatis zurück. Er ist wieder sehr beschäftigt und bedient die Kunden mit nacktem Oberkörper und erzählt, dass so enorm viele Touristen in der Stadt seien, 130.000. Aber wenn ich oder Patrick anrufe, sollen wir sagen „from the Marina“, dann weiß er schon wer wir sind und er wird sein bestes geben, um ein Leihauto zur Verfügung zu stellen. Danach bringt uns sein Mitarbeiter Leftheris zurück zur Marina. Wir gehen ins Lithino essen.


25.08.2011 Donnerstag
12:00 Kos / Marina Karte
14:00 Pserimos / Bucht Südküste Karte
15:22 Pserimos / Bucht Südküste Karte
16:11 Pserimos / O. Vathy Karte
Zeit unterwegs: 02:48 Strecke: 11,3 Seemeilen Ø Fahrt: 4,1 Knoten


Der Wasserhahn wird ausgiebig verwendet und das Boot kann um 12h voll betankt und gewaschen die Marina verlassen. Zwei Stunden später ankern wir an der Südküste von Psérimos, wo ich schon öfter Boote gesehen habe. Es ist recht hübsch hier mit einem kleinen Strand und interessante Felsen im Wasser. Auch der Ankergrund ist perfekt und es scheint, als ob hier einigermaßen Windschatten wäre. Das stimmt leider nur zeitweise. Denn hin und wieder kommt eine richtig ordentliche Windbö daher und zwar abwechselnd von links und rechts. Schwimmen und schnorcheln kann man hier sehr gut. Aber für die Nacht müsste man eine Landleine legen mit dem Nachteil, dass dann unweigerlich jede Windbö voll ins Cockpit blasen würde.
Wir beschließen daher, zu unserem bewährten Platz in der Vathy Bucht um die Ecke zu fahren. Da ist wieder der Wind sehr angenehm, was man über die beißenden Fliegen nicht sagen kann.
Wir montieren das von Patrick mitgebrachte Sperrholzbrett als Ablage für die Kühlschrankbatterie. Der ebenfalls neue Akku-Bohrschrauber BOSCH GSR 14,4-2-LI Professional kommt erstmals zum Einsatz – ein Traum! Nun ist der Boden unter der BB-Heckkoje wieder ganz frei für Gepäck bzw. Wasserflaschenvorräte und die Stromkabeln und Kontakte an einer Stelle, die unabsichtlich nicht erreichbar ist.

Zum Abendessen gibt es die gestern bei Lidl gekauften Schweinskarrees gebraten mit Erdäpfeln. Schmeckt wie daheim. Endlich Mal eine Abwechslung zu GGF (Griechisch Gegrilltes Fleisch).


26.08.2011 Freitag
13:08 Pserimos / O. Vathy Karte
20:13 Astypálea / O. Schinunta Karte
Zeit unterwegs: 07:04 Strecke: 49,5 Seemeilen Ø Fahrt: 7 Knoten


Der neue Batteriemonitor NASA BM-1+ für die Kühlschrankbatterie wird provisorisch montiert. Provisorisch, weil wir noch nicht genau wissen, wohin mit dem Display. Jetzt liegt er einfach neben der Batterie.
Um 13:08 fahren wir bei fast kein Wind los. Nach zwei Stunden erreichen wir die SW-Spitze von Kálymnos. Es gibt etwas mehr Wind aber kaum Wellen. Statt nach N abzubiegen wie ursprünglich geplant, biegen wir nach SW ab – Richtung Astypalea. Wir schätzen die Fahrzeit auf ca. 5 Stunden, also bis zum Sonnenuntergang.
Nach einer Stunde wird der Wind etwas stärker so dass wir die Genua ausrollen und die Motoren etwas drosseln können, um immer noch über 7kn zu fahren.
4,5sm vor Astypalea begleiten uns 3 kleine Delfine ungefähr 1,5sm lang. Um 20:13h, 22 Minuten nach Sonnenuntergang liegt der Anker am gewohnten Platz in O. Schinunta.
Wir machen Schiff und Schlauchboot klar und sitzen alsbald im Restaurant Asti…fagia. Nach einem guten Essen machen wir einen Verdauungsspaziergang durch Analipsi, wie der Ort bei der Nachbarbucht Maltezana heißt. Ich stelle fest, dass der grausliche abgewrackte Schlepper nicht mehr an der Pier liegt. Ist also wo anders hin geschleppt worden.


27.08.2011 Samstag
14:00 Astypálea / O. Schinunta Karte
14:40 Astypálea / O. Livadia Karte
Zeit unterwegs: 00:40 Strecke: 3 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten


Um 14h verlegen wir das Boot in die Livadia-Bucht. Als wir den Anker mit 2000 rpm eingraben meldet der Sterling Hochspannungsalarm. Motor abstellen und gleich wieder starten – sofort steigt die Spannung wieder auf über 15 Volt. Was soll das nun denn schon wieder! Die Probleme mit falscher Ladespannung waren ja schon gelöst mit dem Abzwicken des internen Reglers.
Trotzdem kümmern wir uns jetzt nicht darum sondern setzen mehrere Jahre alte Überlegungen in die Tat um: Wir montieren zwei zusätzliche Heckklampen. Mit dem neuen Akkubohrschrauber sind die 10mm-Löcher im Deck schnell gebohrt. Die vorhandenen M10 Bolzen passen für die BB-Seite. Aber für die Stbd Seite müssen wir einen 10cm langen Bolzen in der Mitte durchschneiden. Patrick ist skeptisch, ob das mit der Minisäge gelingen wird, aber in ca. 10 Minuten ist er sauber durchgeschnitten. Mit den vom ihm mitgebrachten Zwingen und dem Passarella-Unterlegsbrett lässt sich eine provisorische Werkbank auf der Heckplattform bestens einrichten und mit dem Silikonkleber Soudal Fix All lassen sich die Kanten der Klampe perfekt wasserdicht versiegeln. Wirklich trickisch ist eigentlich nur, den Sperrholzhimmel in der Stbd-Kajüte wieder anzuschrauben. Aber um 18:30h ist alles erledigt.
Ich bade in Zufriedenheit und auch im Meer bevor wir mit dem Schlauch an Land fahren. In To Gerano essen wir gut und verdauen es anschließend bei einem Ouzo im Lokal neben Café Ammos am Strand. Beim Supermarket Gefira kaufen wir einen gekühlten Tetrapakwein, den wir anschließend im Cockpit bei absoluter Windstille und gedämpfter Musik genießen, äh trinken. Wir wundern uns darüber, wie stark das Nachbarboot, die wohl 80 Jahre alte Yawl VEGA, im kaum wahrnehmbaren Schwell rollt – sicherlich 10° auf jede Seite und das mit erstaunlicher Frequenz. Wer auf dem Boot nicht speibt, ist wirklich seefest!
Bevor wir schlafen gehen, testen wir nochmals den Laderegler. Jetzt scheint er wieder perfekt zu funktionieren.


28.08.2011 Sonntag
Astypálea / O. Livadia
Als Sonntagsfrühstück gibt es Speckomelett, ein bisschen zu knusprig gebraten. Der neue Batteriemonitor zeigt nach 24 Stunden, dass der Kühlschrank 30Ah verbraucht hat, viel weniger als wir geschätzt haben. Mit einer Stunde Motorlauf kann also der gesamte Tagesverbrauch wieder aufgefüllt werden. Sehr gut so!
Auch der gestern spinnerte Laderegler BB funktioniert wieder einwandfrei. Was auch immer da gemurkst hat. Dass sich der Kabelschuh vom Motorstundenzähler gelöst hatte, kann es wohl nicht sein.
Die seit dem Tausch des Kühlaggregates obsolete Seewasserpumpe funktionieren wir auf eine Deckwaschpumpe um. Die Verlegung und Verlängerung des Schlauches in den Ankerkasten geht recht flott. Aber bis wir das Stromkabel von der Schalttafel finden, vergehen ein paar Stunden. Die Pumpe funktioniert dann bestens und jetzt kann man sehr kommod das Deck mit Seewasser waschen.
Wir checken noch die Motoren und verlegen das Kabel für den Batteriemonitor in den Salon – immer noch provisorisch, weil sich für das Display noch immer kein guter Platz anbietet.
Um 19h nehmen wir den Bus zur Chora hinauf. Wir gehen schnell hinauf zum Kastell, damit uns wärmer wird. Es weht ein starker Wind und es ist ausgesprochen kühl. Der Sonnenuntergang findet hinter Wolken statt! Die Aussicht von da oben ist wie immer toll aber heute sehr diesig. Wir gehen zum Hafen hinunter und beobachten wie die riesige Motoryacht AIFOS neben der bereits dort liegenden BLUE BELLE anlegt. Dann gehen wir zur Strandtaverna To Akrogiali und essen sehr gut bevor wir den Bus nach Livadia besteigen. Knapp nach 22h sind wir wieder zurück auf dem Boot.


29.08.2011 Montag
10:20 Astypálea / O. Livadia Karte
16:55 Gyali / Strand Karte
Zeit unterwegs: 06:35 Strecke: 41,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Um 10:40h holen wir den Anker hoch und setzen sogleich die Segel. Zwischen den Inseln S von Astypalea geht es mit rasender Fahrt dahin, bis zu 9,1kn. Der Wind ist wesentlich frischer als angesagt: 20 bis 25kn. Nach etwa einer Stunde haben wir die Landabdeckung von Astypaea verlassen und die Wellen werden viel größer. Da reißt plötzlich die Reffleine des Großsegels. Motoren starten, Genua einrollen, aufschießen und Großsegel fieren, so dass wir das zweite Reff verwenden können. Es ist nur trickisch, die noch nicht eingebundene Reffleine durch die Kausch des wild flatternden Segels zu binden. Aber das gelingt doch gut und kurze Zeit können wir mit beiden Segeln im 2. Reff die Fahrt fortsetzen. Es geht noch immer schnell, zwischen 7 und 8 Knoten. Der Wind bleibt so um die 20kn +/- 3 aber die Wellen werden immer größer. Wären dazwischen keine kleinere Wellen, die immer wieder gegen den Boden krachen, wäre es eine gar nicht so unangenehme Berg- und Talfahrt, da die Wellen leicht achterlich daher kommen. Weiter nördlich muss mehr Wind sein, sonst wären die Wellen hier nicht so hoch.
Patrick sitzt am Steuerstand mit einer Windbraker-Jacke und Musik im Ohr während ich das hier fehlerfrei zu schreiben versuche, was bei der Schaukelei nicht einfach ist.
Kurz vor Gyali können wir ein wenig Schmetterling segeln. Aber die letzte Stunde müssen die Motoren doch mithelfen.
Um 16:55h werfen wir den Anker. Das Wasser ist hier mit 26° sehr angenehm warm, was man über die Lufttemperatur nicht sagen kann. Am Abend kühlt es sogar auf 23° ab und die Luft ist so feucht, dass alles feucht ist, inklusive Salonboden.
Nach einem Würstel-mit-Bohnen-Essen spielen wir zum ersten Mal wieder Kasino. Ohne dieses Kartenspiel können Patrick und ich keinen gemeinsamen Bootsurlaub vorstellen.


30.08.2011 Dienstag
15:07 Gyali / Strand Karte
18:31 Kos / Marina Karte Ankern vor der Einfahrt
19:10 Kos / Marina Karte
19:30 Kos / Pier bei Busbahnhof Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 03:43 Strecke: 21,1 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten


Wir versuchen, per Telefon einen Platz in der Marin Kos zu reservieren. Das gelingt aber nicht. Ein Leihwagen von Stamatis ist hingegen kein Problem. Bevor wir um 15:07 abfahren, wischen wir das Unterwasserschiff ab. Mittlerweile hat sich wieder ein brauner Flaum darauf gebildet.
Nach einer schönen Motorsegelfahrt tanken wir voll und ankern dann vor der Marinaeinfahrt. Wir überlegen, ob wir noch einen Versuch starten sollen, um einen Platz zu bekommen. Aber dann kommt mir die Idee, die Pier beim Busbahnhof anzusehen. Auf der S-Seite liegt eine riesige Gulet längsseits. Aber davor ist noch Platz für ein flach gehendes Segelboot, also die Blodughadda.
Der Platz wäre sehr gut, wurden nicht gelegentlich Wellen von vorbeifahrenden Schiffen das Boot wie verrückt hin und her werfen. Trotzdem beschließen wir, die letzte gemeinsame Nacht hier zu verbringen. Auch für den morgigen Crewwechsel ist es besser, nicht auf das Schlauchboot angewiesen zu sein.

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