Aktualisierung 20.08.2018 11:31:41 Anzahl Tage: 15
02.08.2006 Lésvos / Plomári – Lésvos / Strand Vaterá
03.08.2006 Lésvos / Strand Vaterá – Lésvos / Sígri
04.08.2006 Lésvos / Sígri – Lésvos / N. Sígri (Megalonísi, Nisópi) – Lésvos / Mólyvos
05.08.2006 Lésvos / Mólyvos – Lésvos / Skála Sykaminiá – Ayvalik Limani / Alibey Hafen – Ayvalik Archipel / Ankerbucht Mosko Adasi SE
06.08.2006 Ayvalik Archipel / Ankerbucht Mosko Adasi SE – Bademli Limani / Kalem Adasi
07.08.2006 Bademli Limani / Kalem Adasi – Oinoússes / O. Kalamiánis – Oinoússes / Hafen
08.08.2006 Oinoússes / Hafen – Chíos / Limenískos Katatarráktis
09.08.2006 Auf See – Ikaría / Fáros – Ikaría / Thérma – Ikaría / Hafen Ag. Kírykos – Foúrnoi / O. Kámpos
10.08.2006 Foúrnoi / O. Kámpos – Arkí / Tiganáki
11.08.2006 Arkí / Tiganáki – Máratho – Lipsi / O. Platys Gialós
12.08.2006 Lipsi / O. Platys Gialós – Lipsi / N. Makronísi – Lipsi / Hafen
13.08.2006 Lipsi / Hafen – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
14.08.2006 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Kálymnos / O. Limionári – Psérimos / O. Psérimos (Avlakia) – Psérimos / O. Vathy
15.08.2006 Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina
16.08.2006 Kos Nord / Marina
Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate
Lamprecht Matthias
Lamprecht Harald
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 62:27 Strecke: 317,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten
02.08.2006 Mittwoch
16:10 Lésvos / Plomári Karte Ablegen
17:48 Lésvos / Strand Vaterá Karte
Zeit unterwegs: 01:38 Strecke: 10,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten
Patrick und Tina haben wir in der Früh zum Flughafen gebracht und Harald und Matthias von dort abgeholt. Beate und ich sehen uns noch die Ouzobrennerei Varvayannis und ihr Museum an und bringen dann das Leihauto zurück. Der überaus freundliche Autovermieter erzählt, dass er früher mit einem Ausflugsboot von Plomári aus Tagesausflüge unternommen hat. Wir fragen ihn, ob man bei dem im Prospekt abgebildeten und vom Hafenpolizisten angepriesenen Stelle Panagiá Kryftí ankern und übernachten könne. Er skizziert den Platz und erklärt, wie das möglich wäre. Dann fahren wir mit seinem Sohn zurück zum Boot und tanken unterwegs. Dieser Wagen hat nur 7,9 l/100km verbraucht obwohl die Straßen viel steiler als auf Chios waren.
Beate und Harald gehen einkaufen und ich zur Hafenpolizei zum Abmelden. Heute ist der Chef da und er ist genau so freundlich wie sein jüngerer Kollege. Er empfiehlt die Umrundung der Insel im Uhrzeigersinn. Dann bekomme ich noch volle Wassertanks zum Nulltarif und nach einem Besuch ein der Café-Bar hinter dem Park gemeinsam mit Wolfgang legen wir um 16:10h bei Windstille ab. Wir steuern das 4,5 sm entfernte Panagiá Kryftí an aber kurz vorher ist plötzlich der W-Wind mit 20 kn da. Die Stelle ist viel zu eng, um bei diesem Wind sicher ankern, geschweige denn übernachten zu können und deshalb fahren wir weiter. Am 9 km langen Sandstrand von Vaterá lassen wir um 17:50h den Anker fallen und können endlich wieder ins Meer hupfen. Es hat hier ganze 24° und der Wind kommt mit angenehmen 8-10 kn aus N. ein sehr schöner wenn auch ungeschützter Ankerplatz.
Ich schreibe die Tagesereignisse nach und muss feststellen, dass die bisherigen Eindrücke von Lesvos sehr positiv sind und der Hafen Plomári auch für uns Hafenmuffel in sehr angenehmer Erinnerung bleiben wird.
Und schon wieder ein Problem mit der Internet-Verbindung: Trotz voller Feldstärke und ungeänderte Einstellungen verweigern Mail- und FTP-Programm die bestehende Verbindung zu erkennen. Morgen wird es wahrscheinlich wieder nur so flutschen. Warum nur, warum?
03.08.2006 Donnerstag
14:11 Lésvos / Strand Vaterá Karte
18:04 Lésvos / Sígri Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:52 Strecke: 25,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten
Nach dem guten Abendessen wollte ich mich gestern kurz hinlegen. Heute um 8h bin ich aufgewacht. Nach fast 12 Stunden Schlaf fühle ich mich recht gut ausgeschlafen!
Der Morgen beschert uns ungewöhnlicherweise einen ganz sanften Ostwind. Der Wetterbericht bestätigt meine Vermutung: Kein Meltémi heute. In ganz Ägäis gibt es kaum Wind, sogar im windreichsten Eck, Kárpathos, soll es nur 4-5 bft geben. Die großräumigen Hoch- und Tiefdruckgebiete haben sich verschoben.
Als wir um 14h nach ausgiebigem Badevergnügen und einer Jause abfahren, kommt der Wind aus W mit 5 kn und Wellen sind praktisch nicht vorhanden. Keine 7 sm weiter, außerhalb des Kólpos Kalloní, kommt der Wind ganz plötzlich mit fast 20 kn entgegen. Die spitzen Wellen lassen das Boot stampfen und Gischt über das Deck fliegen. Ich hoffe, näher am Land zumindest weniger Wellen vorzufinden und ändere den Kurs entsprechend. Entlang der Küstenlinie in einer Entfernung von 300-400 m geht es dann auch bestens. Nur segeln sollte man hier nicht versuchen. Der Wind kommt alle 10 Minuten aus einer anderen Richtung zwischen W und N und mit großen Geschwindigkeitsunterschieden. Eigentlich ideale Bedingungen für alle: Wer segeln möchte, bleibt 1-2 sm vor der Küste und hat beständigen Wind mit 20 kn und wer keine Lust zum segeln hat (wie ich meistens) schaut sich die vorbeiziehende Küste an. Blöderweise gibt es hin und wieder Untiefen und Steine, sonst wäre es eine Touristenfahrt. So grün der Süden von Lésvos ist, so kahl ist der Westen. Nur gelegentlich ein Sandstrand mit einem Fleck üppiger Vegetation.
Vor der Einfahrt in die òrmos Sígri sehen wir eine auf dem nur knapp aus dem Wasser ragenden Felsinselchen Deíktis gestrandete Segelyacht. Sie liegt ohne aus der Ferne erkennbare Beschädigungen auf der Seite mitten auf dem vielleicht 100 m2 großen Kex ca. 2.000 m vor dem Ort. Ein trauriger Anblick!
Um 18h hält der Anker einigermaßen beim zweiten Versuch im schlechten Ankergrund direkt unterhalb der gut erhaltenen genuesisch-türkischen Festung. Bei dieser Großwetterlage ist ja nicht mit starkem Nachtwind zu rechnen und daher belassen wir den nur halb eingegrabenen Anker so wie er ist. Beate macht sich sofort daran, den malerischen Ort zu zeichnen und zu aquarellieren.
Harald und Matthias haben heute auch das Kartenspiel Casino entdeckt und schicken sich offensichtlich an, ein Törnturnier zu veranstalten.
Gleich nach einem schönen Sonnenuntergang setzen wir mit dem Schlauch zum kleinen Anleger direkt vor uns hinüber. Wir besichtigen die Festung und den Ort. In der Taverna Remezzo mit Hochterrasse und wunderbarer Aussicht (v.a. auf die Blodughadda) stillen wir unseren Hunger. Beate mit „Sardéles“ – Sardinen aus dem Meer und nicht aus der großen Bucht Kalloní. Dort gibt es angeblich „süße“ Sardinen. Diese hier sind trotzdem sehr gut und mit € 5 für eine Riesenportion außerdem billiger als fast alles andere.
Bei der Ortsbesichtigung habe ich die erste Jazz-Blues-Café-Bar nach meinem Geschmack in diesem Sommer entdeckt und will unbedingt noch hingehen. Sie ist schnuckelig klein, einfachst eingerichtet, bis auf uns leer und die Bedienung trotzdem schlecht. Die zwei letzteren Eigenschaften wahrscheinlich als Nachwirkung des gestrigen Livekonzertes. Nach 3 passablen Blues-Nummern legen sie unnötigerweise steinalte Louis Armstrong New Orleans-Nummern auf. Sie meinen es wohl gut mit uns und der Beate gefällt es eh.
Bis Mitternacht sitzen wir noch bei 25° und fast Windstille im Cockpit, trinken Retsína mit 6° aus unserem Kühlschrank, plaudern und bewundern die silberglitzernde Mondstraße im ganz leicht gekräuselten Meer. Es ist so ruhig, dass ich nicht ein Mal Musik auflegen will, um die Stimmung nicht zu stören. So gefällt es mir, so gefällt es jedem. Es ist ja wirklich unglaublich, welchen Unterschied es macht, wenn der Wind mit 2 statt mit 20 Knoten weht.
04.08.2006 Freitag
11:23 Lésvos / Sígri Karte Abfahrt
11:40 Lésvos / N. Sígri (Megalonísi, Nisópi) Karte Anlegen
12:45 Lésvos / N. Sígri (Megalonísi, Nisópi) Karte Abfahrt
18:00 Lésvos / Mólyvos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:31 Strecke: 21,9 Seemeilen Ø Fahrt: 4 Knoten
Um 8h schläft der Ort noch. Die Mannschaft auch. Nur ich mache einen Morgenschwimm im kristallklaren, spiegelglatten Wasser. Im Wetterbericht höre ich, dass ein Tiefdruckgebiet über Norditalien (“Genuatief“?) sich langsam ostwärts bewegt. Das bringt der Adria schlechtes Wetter aber uns endlich ein paar weitere stressfreie Tage. Für fast ganz Ägäis wird „Metablíti tría me téssera“ und auf englisch „variable three to four“ versprochen. In der Sprache von Olympia Radio bedeutet das: fast Flaute. Für einige wenige Seegebiete wird noch „locally southeast four“ angekündigt – also wirklich „Anti-Meltémi“.
Als ich jetzt versuche, mich über GPRS ins Internet einzuloggen, meldet das Handy „Falscher APN=Zugriffspunktname“ und verweigert die Verbindung. Natürlich mit allen Einstellungen gleich wie immer und demselben Provider.
Harald und Matthias bringen noch den Mistsack an Land und fahren eine Runde mit dem Schlauchboot bevor wir um 11:20h abfahren. 20 Minuten später legen wir am Kopf des kleinen Anlegers der vorgelagerten Insel auf nur 1,2m Tiefe an. Im Hafenhandbuch von Radspieler haben wir gelesen, dass es auch hier versteinerte Bäume geben soll. Wir gehen den einzigen Pfad entlang in 20 Minuten zum großen Leuchtturm. Wir sehen Sand, Steine, verdörrtes kurzes Gras und massenhaft 40-50 cm hohe, trockene Dornenbüsche aber keine versteinerten Bäume. Die beiden Leuchtturmwärter, ca. 25-30 Jahre alt, sagen, dass sich diese auf dem Nordteil der Insel befinden. Außerdem erzählen sie, dass sie im Zeitabstand von 14-15 Tagen hier Dienst hätten und dann von zwei anderen abgelöst würden. Das gestrandete Segelboot sei vor drei Jahren von 6 Bulgaren auf ihrem ersten Segeltörn offenbar wegen Unfähigkeit und Leichtsinn auf Grund gesetzt worden. Die Bergung wäre zu teuer gewesen und so hätten sie es einfach dort liegen gelassen.
Die Aussicht vom Leuchtturm aus ist grandios und die Wärter meinen, sie würden sie immer noch genießen.
Um 12:45h legen wir bei leichtem Südwind(!) wieder ab und fahren durch die enge Durchfahrt Richtung N. Das Meer ist tatsächlich sehr „metablíti“ und die größten Wellen erzeugen wir selbst.
Um 14:25h kommen wir in der sehr schönen Bucht bei Gavathás an. Hier gibt es wieder Bäume und Olivenhaine, wenige Häuser, ein paar Tavernen und einen kleinen, fast leeren Hafen mit 1,5m Tiefe am Anlegekai. Am beinahe 1 km langen Strand mit feinem Sand gibt es sogar Umkleidekabinen und Duschen aber höchstens 50 Personen schwimmen oder liegen im Schatten der Tamariskenbäume.
Wir ankern ca. 200 m vom Strand auf 4 m Tiefe auf feinem Sandgrund, essen eine Jause und schwimmen. Das Wasser hat genau richtige 24°.
16:20h fahren wir weiter. Wieder ist die Fahrt vollkommen frei von Unebenheiten. Um 18h ankern wir vor der auf einem 200m hohen Felsen gebauten Stadt Mólyvos (antikes Mythimna). Im Hafen war kein Platz mehr frei und bei dieser Wetterlage (Wind 0 bis 1,5kn) ist es viel schöner und ruhiger auf der Reede. Harald und Matthias erhalten neue 6mm Frisuren und Beate ärgert sich, weil die Haarschneidemaschine nicht gut genug schneidet und weil Matthias dauernd mit dem Kopf wackelt.
Dann geht er schnorcheln und taucht aus 5m Tiefe einen riesigen Seestern herauf, der sofort zum Foto- und Videostar mutiert bevor er wieder in die Freiheit gelassen wird.
Während Beate einen veritablen Nudelsalat kocht und ich darauf warte, einen mindestens ebenso veritablen Sonnenuntergang filmen zu können, kommt ein kleines Boot daher. An Bord ist ein Hafenpolizist, der nach letztem Hafen, Bootspapieren und Crewliste fragt. Ich filme auch ihn bevor ich ihm die entsprechenden Dokumente zeige. Er ist zufrieden, nimmt eine alte Liste mit und fährt zum anderen Katamaran, der hier ankert. Sowas habe ich noch nie erlebt!
Der Sonnenuntergang im öligen Meer ist wirklich sensationell, der Nudelsalat danach auch.
Matthias und ich fahren am Abend mit dem Schlauchboot zur Stadt hinüber. Sie gilt als die schönste Stadt mit den meisten Touristen auf Lésvos. Beides stimmt. Und beide ergänzen einander. Denn die Stadt wäre ohne Menschen lange nicht so stimmungsvoll.
05.08.2006 Samstag
10:50 Lésvos / Mólyvos Karte Ablegen
11:45 Lésvos / Mólyvos Karte Ankern
13:58 Weiter
15:18 Lésvos / Skála Sykaminiá Karte Ankern
17:02 Lésvos / Skála Sykaminiá Karte Abfahrt
17:11 Marschfahrt
19:48 Ayvalik Archipel / Alibey Hafen Karte Hafenrunde
19:53 wieder zurück
20:23 Ayvalik Archipel / Ankerbucht Mosko Adasi SE Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:37 Strecke: 30,3 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten
Heute um 6:10h ist der Wind wieder gekommen. Er weht mit 10-15kn aus NNE, also von der Stadt her zu uns. Bis zu unserem Ankerplatz baut sich bereits eine kleine Welle auf und ein trockenes Schlauchbootfahren ist nicht mehr möglich. Wir machen uns daher auf die Suche nach einem anderen Platz. Zunächst versuchen wir es im Hafen, aber als wir den einzig möglichen Platz ansehen, kommt schon der Hafenpolizist und ruft, der Platz wäre für Ausflugsboote reserviert. Dann versuchen wir es direkt außerhalb vom Hafen, obwohl ich mit der Videokamera sehe, dass hier Seegras wächst. Natürlich hält der Anker nicht und nimmt mindestens 20kg Seegras mit herauf. 200m weiter gibt es dann Sandgrund, der gut hält. Bei 3m Tiefe braucht man eigentlich nicht die Bodeninspektionskamera, um zu sehen, woraus der Grund besteht.
Ich bleibe am Boot und die anderen fahren zum Strand hinüber. Um 12:49:55 ist der Wind wieder futsch und um 13:58 sind wir futsch von hier. Das Meer ist wieder spiegelglatt.
Um 15:18h ankern wir vor dem kleinen Ort Skála Sykaminiá. Der Hafen ist sehr klein und voll von kleinen Motorbooten. Also legen wir uns vor dem Strand W davon. Es ist klar, dass wir hier nicht bleiben können, falls der Meltémi beginnen würde, weil total ungeschützt.
Um 17h kommt leichter Wind aus NW auf und vor allem Wellen, die von mehr Wind herrühren müssen. Der Ankerplatz wird unruhig und ich auch, insbesondere als ich mit dem Fernglas weiße Kämme sehe. Wir brechen daher auf, schauen zuerst in den Hafen hinein, ob der Platz, wo das Ausflugsboot gelegen ist, frei wäre. Ist er aber nicht, also fahren wir weiter. Schade, der Ort hat sehr sympathisch ausgesehen.
Wir nehmen Kurs auf das Ayvalik Archipel in der Türkei, etwa 14 sm östlich. Auf halbem Weg schläft der Wind wieder ein aber ich kann trotzdem nicht entspannen: Der stb-Motor produziert weißen Rauch. Es ist aber sonst keine Abnormität zu bemerken. Unter 2400 RPM ist der Rauch nicht mehr sichtbar, bei Vollgas benimmt sich der Auspuff wie eine Nebelkanone. Warum, muss ich erst herausfinden. Also läuft er nur mehr mit 2400 statt üblicherweise mit 2700-2800 PRM.
Um 19:33:47 sind wir bei der Einfahrt in den Ayvalik Kanali. Es ist sehr stimmungsvoll mit der untergehenden Sonne, dem spiegelglatten Wasser und den vielen Booten, die durch die schmale Einfahrt in den „See“ Ayvalik Limani hinein- und herausfahren. Weniger Stimmung verbreiten allerdings viele blau-lila basketballgroße Quallen und Dreckschlieren im Wasser. Als wir den 2km langen und seichten Kanal mit einer ca. 70-100m breiten markierten, ausgebaggerten, Fahrrinne in der Mitte, passiert haben erreichen wir die große Bucht, die nur über diesen Kanal zugänglich ist. Die beiden Städte Ayvalik und Alibey sowie riesige Ferienhotels beherrschen fast die ganze Küstenlinie dieses „Binnensees“. Der Kontrast zu den beschaulichen Orten auf Lésvos ist gewaltig! Auch Mytilene wirkt wie ein kleines Dorf im Vergleich zu dem, was wir hier sehen. Wir drehen eine Runde im Hafen von Alibey, der genau so hässlich wie voll ist. Die Entscheidung, wieder aus der Drecklacke hinaus zu fahren ist schnell gefällt. N der Einfahrt finden wir einen Platz, wo bereits 2 Boote ankern.
Bevor es finster wird, sehe ich mir noch den Anker mit der Tauchermaske an. Das Wasser hat ganze 25° aber die anderen wollen nicht ins Wasser wegen der weiter weg gesehenen Quallen. Dabei habe ich eine Beschreibung der als „Rhizostoma pulmo“ eindeutig identifizierten Qualle gefunden: Hat keine langen Tentakeln und ist nicht bekannt als börartige Verbrennungen verursachend. Trotzdem ist die Vorstellung, während des Schwimmens auf dieses grauslich-schöne Lebewesen zu stoßen wirklich nicht einladend. Schon gar nicht, wenn es stimmt, dass es bis zu einem Durchmesser von 90cm groß werden kann! Also waren die gesehenen halb so großen Monsterexemplare noch Halbwüchsige.
Wir ankern zwischen zwei Campingplätzen mit Restaurant Trotzdem essen wir an Bord und gehen recht früh schlafen.
06.08.2006 Sonntag
10:11 Ayvalik Archipel / Ankerbucht Mosko Adasi SE Karte Anker auf
10:13 Marschfahrt
13:37 langsamer
13:42 Bademli Limani / Kalem Adasi Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:30 Strecke: 23,8 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten
Die Nacht und der Morgen sind absolut still. Um 7:30h tuckert ein Miniboot mit türkischer Flagge stolz auf dem Flaggenstock im Bug lautstark über das spiegelglatte Wasser an uns vorbei. Danach folgen mehrere davon.
Die Umgebung ist schön mit Pinienwäldern, die bis zum Ufer sanft abfallen. Das Meer ist viel wärmer als überall sonst in diesem Sommer und auch schmutziger. Als die erste Qualle vorbei schwimmt, freuen wir uns auf die Beobachtung und die Möglichkeit, sie zu filmen. Als dann binnen kurzer Zeit schon das dritte Monster unter dem Boot mit erstaunlicher Geschwindigkeit durchschwimmt, legen wir um 10:10h ab.
Wir wollen der Türkei aber noch eine Chance geben und steuern Bademli Limani, 20 sm südöstlich an. Ein Tiefdruckgebiet liegt jetzt ungewöhnlicherweise über der Ägäis und bringt ebenso ungewöhnliche Verhältnisse: Sehr diesig und schwacher Wind aus Südost. Wolken sind aber keine zu sehen.
Nicht weit von unserem Ziel dreht der Wind auf SW und frischt auf 17kn auf. Um 13:40h ankern wir in der etwa 400m breiten und 1 sm langen Durchfahrt zwischen Kalem Adasi unf Festland an der E-Seite der Insel, ungefähr in der Mitte. Das Wasser sieht hier klar aus und von Quallen vorläufig keine Spur. Die Umgebung ist sehr schön.
Dann steht die nächste Pumpenreparatur an. Die Frischwasserpumpe tut so als ob kein Wasser mehr im Tank wäre, auch dann wenn ich auf den kontrolliert vollen umschalte. Der Grund ist leicht gefunden: Der Filter im Ansaugstutzen ist blockiert und zwar von Kalk. Durgol leistet wieder gute Dienste und nach einigen kräftigen Flüchen wegen der unmöglich unbequemen aber unabwendbaren Montierhaltung halb eingekrochen unter der Salonbank rinnt das Wasser wieder.
Inzwischen haben Harald und Matthias die Gegend per Schlauchboot und Schnorcheln erkundigt. Warmes, leicht trübes Wasser, eine große lebende Muschel, die sich auf- und zuklappt, ein nie fertiggestelltes Riesenhotel mit eigener Standseilbahn und keine Taverna in der Nähe ist ihr Bericht.
Am gegenüberliegenden Festlandufer steht auch ein großes, edel aussehendes Hotel leer. Was ist hier los? Etwas südlicher davon gibt es einige warme Quellen entlang des Ufers. Beate und ich fahren mit dem Schlauch hinüber. Es herrscht Hochbetrieb. Die größte Quelle ist von einem einfachen Steinhaus überbaut worden – eine Art Primitiv-Hamam. Da drinnen hocken an die 20 Personen und es sieht nicht sehr einladend aus. Deshalb gehen wir die anderen Quellen suchen. Sie sind an gelblich-grünlichem Gestein zu erkennen aber kaum an Wärme. Etwas enttäuscht fahren wir wieder zurück.
07.08.2006 Montag
10:41 Bademli Limani / Kalem Adasi Karte Abfahrt
11:06 schneller
15:19 Motorsegeln
15:51 Nur Segel
17:03 Segel bergen
17:45 Oinoússes / O. Kalamiánis Karte Badestopp
19:13 Oinoússes / O. Kalamiánis Karte Weiterfahrt
19:30 Oinoússes / Hafen Karte
Zeit unterwegs: 07:20 Strecke: 46,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten
Jetzt bemerkt man etwas vom Tiefdruckgebiet. Um 7:30h ist es vollkommen bewölkt bis auf einen hellen Streifen am E-Horizont, wo die Sonne versucht, hindurch zu scheinen. Es ist so feucht, dass alles trieft, sogar der Plastikboden im Salon. Etwas später ist der Nebel da. Die Sonne ist nur noch als ein kleiner weißer Ball in der Nebeldecke zu sehen. Die Mannschaft wacht auch langsam auf und nach dem Frühstück um 10:30h lichtes sich der Nebel am Ankerplatz. Wir haben eine 40sm lange Überfahrt vor uns und fahren los. Kaum haben wir die Mitte der Durchfahrt erreicht, wird der Nebel wieder dichter. In der südlichen Ausfahrt aus diesem Kanal gibt es an beiden Seiten Untiefen und die fahrbare Rinne ist nur ca. 70 m breit. Die Sicht reicht gerade aus, um das Steuerbord-Ufer (die Insel) schemenhaft zu erkennen. Ganz langsam mit allen acht Augen aufmerksam beobachtend tasten wir uns vor bis wir sicher sind, dass die Durchfahrt hinter uns liegt und wir auf Kurs 230 gehen können.
Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, ein anderes Boot hier zu begegnen. Es schadet aber auch nicht, vorsichtig zu sein. Und so fahren wir langsam weiter. Harald legt sich sogar mit der Drucklufthupe auf die Lauer nach vorne ins Netz. Nach ca. 2 sm lichtet sich der Nebel langsam und die Farbe des Meeres ändert sich von grau auf das übliche blau. Ein leichter Wind mit 2kn kommt auf – natürlich wieder von vorne obwohl wir jetzt auf SW-Kurs sind.
Bis 13h gibt es immer wieder Nebelbänke, die aber nicht schlimm sind. Langsam dreht der Wind auf W und nimmt an Stärke zu. Dann stelle ich fest, dass der stbd-Motor, obwohl nur mit 2400 RPM unterwegs, zwar keinen weißen Rauch produziert aber offensichtlich zu wenig Kühlwasser aus dem Auspuff kommt und seltsam, wie eine Dusche, mit blechernem Ton herausgeschleudert wird statt eines satten stoßweisen Blubberns mit dickem Strahl. Ich reduziere die Drehzahl und sofort klingt und sieht alles wieder normal aus. Dann gehe ich wieder auf 2400 RPM und sogleich ist das seltsame Benehmen wieder da. Ich vermute, dass der Pumpenkeilriemen bei höheren Drehzahlen zu rutschen anfängt.
Der Anker- und Segelmann Harald bekommt Arbeit. Wir setzen die Segel und schalten den Motor ab. Inzwischen kommt der Wind auch mit angenehmen 18kn aus W. Als der Motor einigermaßen abgekühlt ist, baue ich die Kühlwasserpumpe aus. Das ist nicht so viel mehr Arbeit als den Keilriemen zu spannen. Ich kann aber nichts fehlerhaftes entdecken und baue wieder alles zusammen und spanne den Keilriemen ordentlich. Der Auspuff liefert wieder einen wunderbaren Sound mit viel Wasser aber ab 2500 RPM ist das vorbei und bei Vollgas mit 3400PRM kommt überhaupt nur eine graue Brühe aus dem Auspuff.
Bald ist der Wind wieder weg. Wir bergen die Segel und der Steuermann-Navigator Matthias findet die schmale Durchfahrt und fährt durch die Enge zwischen Inússa und Nsis Panagiá.
Es ist um 17:45h noch genügend Zeit für einen Badestopp bevor es finster wird und diesen machen wir in der auf der N-Route bereits besuchten Bucht Kalamiánis. Wieder gibt es hier schöne Schnecken, die Matthias und Harald herauf tauchen.
Kurz nach 19h fahren wir weiter und liegen bereits 20 Minuten später längsseits im großzügig neu ausgebauten Hafen. Meine schlechte Laune ist verflogen, das Wasser ist wieder klar, die Fischerboote sind weniger laut und von vertrauter Bauart, die Luft ist frischer und die Anzahl Boote und Menschen wieder überschaubar und die Handytarife wieder leistbar. Die Türkei ist leider nichts für mich obwohl dort die Wasser- und Stromversorgungssäulen wahrscheinlich funktionieren würden.
Der Ort Oinoússes ist aber auch nicht besonders griechisch. Hier gibt es kaum Lokale, keine Touristen, keine schönen Plätze, wo die alten Männer in Kafénions sitzen und tratschen und alles beobachten, keine Sesseln und Bänke vor den Häusern, wo die Frauen sitzen und tratschen und alles beobachten. Es gibt nicht ein Mal einen Mini-Market sondern nur einen großen Kiosk im Hafen, der Lebensmittel statt Tabakwaren verkauft. Dafür gibt es ein Freiluftkino in dem die Kinder sitzen und kreischen, viele Denkmäler und viele sehr stattliche Häuser.
Wir essen in einem der beiden gefundenen Tavernen passabel gut zum normalen Preis, ca. € 10-11/Person. Danach gehen wir auf einen Kaffee ins Nautic-Club-Café. Es sind viele Leute unterwegs und wir sind wahrscheinlich die einzigen Nicht-Griechen.
08.08.2006 Dienstag
10:29 Oinoússes / Hafen Karte Ablegen
10:47 neue Drehzahl
13:08 Chíos / Limenískos Katatarráktis Karte Anlegen
18:05 Chíos / Limenískos Katatarráktis Karte Abfahrt
21:00 Auf See segel setzen
Zeit unterwegs: 05:34 Strecke: 25,2 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten
Warum gibt es nicht ein Motorrad-/Mopedfahrverbot in der Nacht? Warum regt sich niemand auf, wenn irgendein Irrer den Ort in der Nacht mit einem lauten Moped terrorisiert? Bin ich etwa der einzige, der immer wieder davon aufwacht?
Bevor wir um 10:30h ablegen besuchen Beate und Harald das nautische Museum und ich fülle Öl und Kühlflüssigkeit im bb-Motor nach. Beide waren schon beim Minimum angelangt. Außerdem fülle ich die 20l Diesel aus dem Reservekanister in den Tank. Wir müssen auf Chios unbedingt sowohl Diesel als auch Wasser bunkern.
Das Wetter ist herrlich un-meltemisch: Absolut kein Wind und Schönwetter-Cumuluswolken über Chios und dem türkischen Festland. Vor 8 Tagen sind wir auch von hier am ersten meltemifreien Tag Richtung Lésvos losgefahren. Es ist als ob die Ägäis sagen wollte „brauchst nicht ins Ionische Meer flüchten, hier kann es auch weniger Wind geben“. Es ist trotzdem nicht heiß, 30° und 50% Luftfeuchtigkeit.
Die Rep.d.T. betrifft das Türschloss. Ein Zapfen des Plastikrädchens zum Versperren von innen ist gebrochen und blockiert die Mechanik. Kein Problem, wir sperren sowieso nie von innen zu, von außen auch nur selten.
Um 13h kommen wir im bereits bekannten kleinen Hafen Katatarráktis an. Von unserem letzten Besuch wissen wir, dass man hier zumindest Wasser bunkern kann. Es ist zwar ein Platz längsseits an der Mole frei aber er ist wirklich nicht groß. Ein Mann auf dem roten Fischerboot deutet, dass wir an diesem außen anlegen können, was wir auch gerne machen. Dann stellen wir aber fest, dass es sehr schwierig werden würde, unsere neuen Vorräte, Wasser und Diesel in die zweite Reihe zu befördern. Mit Harald an Land, der einen Festmacher immer auf Zug halten kann, quetschen wir uns in die Lücke zwischen den beiden Fischerbooten hinein. Vorne und Hinten sind jeweils kaum ein Meter Platz aber bei dem geringen Wind ist das in Ordnung.
Beate und die Burschen gehen einkaufen und ich auf Dieselsuche. Zuerst frage ich den Fischer, der sagt, dass außerhalb des Ortes eine Tankstelle wäre. Im Ort selbst sehe ich zwei Männer, die gerade etwas auf einen rostigen Skoda Pick-Up laden. Sie wissen auch wo die Tankstelle ist aber als der Jüngere hört, dass ich gerne ganze 120 Liter hätte, sagt er, er bringt mich hin. Den Älteren verbannt er auf die Ladefläche. Ich bin froh, hingebracht zu werden, denn erstens ist es weit, zweitens wird für mich übersetzt und drittens ist der Kleintankwagen gerade in Reparatur, weshalb wir zur anderen Tankstelle fahren, die noch weiter weg liegt. Diese hat zwar den richtigen Wagen vor der Tür stehen, ist aber mit Heizöl gefüllt. Könnte ich auch verwenden aber sie verkaufen es mir für das Boot nicht. (Ich verstehe sowieso nicht, warum Boote die Straßensteuer vom Auto-diesel zahlen müssen.)Der richtige Wagen könnte erst morgen kommen. Ich habe aber keine Lust, die Nacht hier zu verbringen. Es entsteht eine Beratschlagung, die darin endet, dass der Tankwart einen 20 l Kanister mit Diesel anfüllt. Diesen und mich bringt der Fahrer zum Boot, bringt dann den Anderen nach Hause, holt mich samt inzwischen leeren Kanister und unseren eignen wieder am Boot ab, bringt uns zur Tankstelle und wieder zum Boot zurück. So haben wir immerhin 60 l ergattert. Dieser sehr hilfsbereite Mann ist übrigens pensionierter Tankschiffkapitän. Er hat also ideale Voraussetzungen für diesen Hilfsdienst, für den ich mich noch mit einer Einladung bedanken will. Aber er sagt, seine Frau warte auf ihn.
Auch die Fischer sind freundlich. Sie borgen uns ihren bereits angeschlossenen extrem langen Wasserschlauch und ersparen uns damit viel Schlaucharbeit. Matthias füllt die Tanks an und spült Salz und Staub vom Deck und Cockpit und macht die Fenster wieder durchsichtig während Beate innen wieder Hochglanz herstellt.
Dann gehen wir in die erste Taverna essen und lassen uns ausnahmsweise Fisch servieren. Er schmeckt köstlich und ist nicht so arg teuer. Der Wirt ist ebenfalls sehr freundlich und erzählt, dass der Kapitän ein Freund von ihm sei. Ich zahle 4 Euro extra, damit der Kapitän beim nächsten Mal etwas darum trinken kann.
Um 16:30h wollen wir ablegen. Allerdings kommt nach dem Start beim bb-Motor kein Kühlwasser aus dem Auspuff. Ich stelle ihn wieder ab und sehe nach: Der Keilriemen für die Kühlwasserpumpe hat sich gelockert und dreht durch. Ich spanne ihn nach und die Pumpe geht wieder. Dann ziehe ich den Bolzen ordentlich nach, damit er sich nicht wieder lockert und da passiert es: Der Bolzen bricht ab! Ich bin wie gelähmt, weil mit sofort klar ist, dass ich das niemals mit Bordmitteln reparieren kann. Der letzte Zentimeter des 11 cm langen Bolzens steckt tief im Motorblock fest, sehr fest sogar. Die Pumpe ist nur mehr mit einem Bolzen befestigt, der alleine nicht die Keilriemenspannung wird beibehalten können. Ich versuche zuerst, einen Hohlraumdübel zur Befestigung zu verwenden. Aber abgesehen davon, dass es nicht möglich ist, diesen wirklich fest zu bekommen (dreht durch), fällt mir ein, dass es wohl nicht gut ist, einen Plastikdübel in einem Motorblock, der heiß werden kann, zu verwenden. Dann fällt mir ein, dass ich ein Sortiment Holzkonusse unterschiedlicher Dimension habe. Diese sind eigentlich dafür gedacht, im Falle eines Bootslecks in das Loch zu stopfen. Jetzt verwende ich zwei davon, die ich zwischen Pumpe und Motorblock klopfe in der Hoffnung, den verbleibenden Bolzen zu entlasten. Trotzdem beschließe ich, den bb-Motor so wenig wie möglich zu verwenden, weil die Ankerwinde nur dann funktioniert, wenn dieser Motor läuft. War also die zweite Rep.d.T.
Um 18h legen wir bei ganz wenig Wind ab. Beim Eindampfen in die Vorspring verbleiben nur jeweils 20cm Platz vorne und hinten als sich das Bootsheck hinaus dreht. Es geht aber bestens ohne Berührungen irgendwo. Mit dem stbd-Motor nehmen wir Kurs auf Ikaría. Bei wenig Welle und ganz leichtem raumen Wind kommen wir gut mit über 5kn voran. Nach 1,5 Stunden fängt der stbd-Motor aber wieder an, hohl zu klingen weil die Kühlwassermenge zu gering ist. Wir machen einen Badestopp im offenen Meer und ich inspiziere den Kühlwassereinlauf im Saildrive. Dieser ist tatsächlich recht voll mit Bewuchs. Ich reinige ihn mit einem Draht so gut es geht und hoffe auf Besserung. Aber leider war das auch nicht die Lösung. Nun fahren wir nur mehr mit 2200 RPM mit einem Motor aber es geht trotzdem gar nicht so schlecht voran. Es kommt etwas mehr Wind aus NW auf und um 21h setzen wir Segel. Bei 8kn Wind machen wir immerhin 4,4kn Fahrt. Inzwischen ist der Vollmond aufgegangen und wir segeln auf der Mondstraße. Matthias verwöhnt uns mit köstlichen Sandwiches während wir uns sanft vorwärts schaukeln lassen. Um 23h gehen alle außer Beate schlafen, die liest und Wache hält.
09.08.2006 Mittwoch
02:11 Auf See Segel bergen
04:35 Ikaría / Fáros Karte Ankern
14:46 Ikaría / Fáros Karte Abfahrt
15:40 Ikaría / Thérma Karte Anlegen
16:52 Ikaría / Thérma Karte Abfahrt
17:00 Ikaría / Hafen Ag. Kírykos Karte Hafenrunde
17:11 Ikaría / Hafen Ag. Kírykos Karte weiter
19:00 Foúrnoi / O. Kámpi Karte Längsseits anlegen
Zeit unterwegs: 10:36 Strecke: 45,6 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten
Beate weckt mich kurz nach Mitternacht als der Wind fast weg ist und wir nur knapp 2kn Fahrt machen. Sie legt sich schlafen und ich übernehme die Wache. Ich bin noch sehr müde und habe keine Lust, den Motor zu starten, ändere den Kurs etwas so dass wir wieder etwas schneller voran kommen und lege mich in den Salon. Alle ca. 10-20 Minuten wache ich von selbst auf und blicke mich herum. Es sind absolut keine anderen Boote zu sehen und bis Ikaría ist es noch weit. Dann kommt wieder etwas mehr wind auf aber um 2:10h ist nichts mehr zu machen. Ich starte den Motor und berge die Segel. Es ist sehr heller Mondschein und mit den an die Dunkelheit gewöhnten Augen sehe ich genau so gut wie in der Dämmerung.
Kurz nach 4h steuere ich die Lichter von Fáros an als Harald und Matthias plötzlich ohne Aufwecken im Cockpit stehen. Sie helfen mit beim Ankern und um 4:35h gehen wir alle wieder schlafen. Zum dritten Mal haben wir Fáros mit einem maroden Motor angelaufen.
Natürlich bin ich der letzte, der aufsteht und frühstückt um 11:30h. Beate, Harald und Matthias fahren mit dem Schlauchboot zum Einkaufen und in die nette Café-Bar während ich den Törnbericht aktualisiere.
Unsere geplante Inselbesichtigung per Leihauto ist wieder nicht geglückt, weil der Autoverleiher kein Auto hat. Für das nächste Mal: Rent a car Nikos +30 693 8340382.
Um 14:45h fahren wir wieder los. 50 Minuten später ankern wir vor dem Kurort Thérma, 4,6sm weiter SW. Der „Hafen“ besteht aus einem Sandstrand mit Badebetrieb, einem Wellenbrecher gegen Südstürme und einem etwa 20 m langen Betonanleger. Zwei, vielleicht maximal drei Yachten haben hier Platz, auf feinem Sandgrund in 3,5m Tiefe zu ankern. Der Anleger bietet am Kopf etwa 2 m Wassertiefe, sodass man hier mit entsprechendem Tiefgang anlegen kann, was wir auch tun. Ein Katamaran könnte sogar auf beiden Seiten längsseits mit dem Bug zum Ufer hin genügend Tiefe finden, was ich nächstes Mal tun werde, sollte ich jemals wieder hierher kommen. Wir sehen uns den hübschen Ort an, stellen fest, dass hier viele Kurgäste sein müssen, dass das Thermalbad eine richtige Heilbadeanstalt mit Einzelbädern statt eines Schwimmbeckens ist, gehen schwimmen am Sandstrand, wo es auch eine warme Quelle gibt und um 16:50h geht es wieder weiter.
Der Hauptort Kyrikos liegt praktisch um die Ecke. Hier halten wir aber nicht an, sondern fahren gleich weiter Richtung Fúrni nach einem kurzen Hafenschnupperer während dessen wir belegte Brote mampfen.
Das Wetter ist noch immer seltsam: schwacher bis gar kein Südwind. Die Sicht ist auch sehr klar. Wir sehen von Ikaria aus das Kloster auf Patmos, 25 sm weg und Naxos in fast 50sm (92,6km) Entfernung. Dabei liegt wieder ein Hochdruckgebiet über NW-Balkan aber das für den Meltémi benötigte Tiefdruckgebiet über Zypern befindet sich über dem Schwarzen und dem Tyrrhenischen Meer. Entsprechend ungewöhnlich sind die Windvoraussagen: Für Samos Sea, wohin wir gerade fahren, südwest 4 bft.
Um 19h legen wir längsseits am kleinen Anleger in Ormos Kámpos auf Fúrni an. Beide Motoren haben die Fahrt bestens bewältigt. Dieser vor 16 Tagen bereits erprobte Platz ist wirklich ideal: Gerade Platz für ein Boot mit wenig Tiefgang längsseits, sauberes Wasser zum schwimmen, langer Sandstrand mit wenig Badebetrieb, keine Mopeds oder Autos, 2 Tavernas, ein Café-Restaurant (Selbstdefinition) und ein Strandkiosk und in 20 Minuten geht man über den Bergrücken zum Hauptort. Und nur selten tuckert ein kleines Fischerboot hinaus oder herein, nicht leise aber viel leiser als die türkischen Krachmacher.
Kurz nach Sonnenuntergang gehen wir in die mittlere Taverna mit Terrasse in Mastspitzenhöhe. Die Aussicht ist entsprechend gut, die Speisenauswahl allerdings nicht. Die Rechnung ist mit 24 Euro aber auch sehr bescheiden. Wir gehen dann noch gemeinsam hinauf zum Bergrücken mit den zwei Windmühlenruinen und ich allein auf der anderen Seite zum Ort hinunter. Hier herrscht jetzt Hochbetrieb. Alle Lokale an der Wasserfront sind fast voll und viele Leute spazieren auf und ab. Ich höre nur Griechisch und sehe nur griechisch aussehende Leute. Die Geschäfte in der Alleestraße sehen auch griechisch aus, nein eigentlich erbärmlich ungriechisch. In den letzten Jahren haben sich Auswahl und Ordnung in den Mini- und Super- (>25m2) Markets merkbar verbessert, hier noch nicht. Ich setze mich in eine Café-Bar und beobachte die Leute, die vorbei gehen und die hinter mir ein Fußballmatch auf einem riesigen LCD-TV ansehen.
Zurückgekommen rechnen wir aus, wie viele Tage jeder bisher auf der Blodughadda verbracht hat: Harald 57, Matthias 170, Beate 245 und ich ganze 377.
10.08.2006 Donnerstag
11:50 Foúrnoi / O. Kámpi Karte Abfahrt
15:15 Arkí / Tiganáki Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:25 Strecke: 21,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten
Herrlich ruhig geschlafen. Beate macht uns Toastbrot zum Frühstück. Dann folgt schwimmen, schnorcheln und Minifische füttern mit trockenem Brot. Um 11:50h legen wir ab. Südwind 5kn, Sicht sehr diesig, Luft 29°, 49%.
Es ist eindeutig Hochsaison im August. Während der Fahrt entlang der SW-Küste von Fúrni sehen wir ganze 9 Segel- und 5 Motoryachten. Verglichen mit Kroatien oder Türkei ist das freilich nichts.
Um 14:18h erreichen wir Arkí nach einer extrem ruhigen Fahrt über glattes Wasser. Dieses ermöglicht uns, die bei üblichem Wind unnahbare NE-Küste anzusehen. Die kleine Bucht Kapsaliasménos wird von den zwei Landleinen eines italienischen Bootsungetüms (doppelmastiger Motorsegler mit Flybridge á la Dampfer) versperrt und so fahren wir nach Tiganánki weiter, weil es hier sonst nichts besonderes zu sehen gibt.
Um 15:15h werfen wir den Anker an unserem Lieblingsplatz. Offensichtlich finden auch andere diesen Platz idyllisch, denn hier wimmelt es nur so von Booten, wovon viele eine „Columbus“ Flagge gehisst haben, was auch immer das sein soll. Im seichten Becken sind wir aber fast allein, sprich: zusammen mit 5 Schlauch-Motorbooten. In Griechenland habe ich an einem Ankerplatz überhaupt noch nie so viele Boote wie hier gesehen, mindestens 30 in den seichten Gewässern rund um die 5 Inselchen S von Arkí.
Das Wasser hat sich seit dem letzten Besuch um über 6° erwärmt auf 26° und ist um gute 20-30 cm tiefer geworden. Beides hängt wohl mit dem Südwind zusammen. Die Luft hat inzwischen 32°/33% erreicht, was auch sehr angenehm ist.
Nach Sonnenuntergang sind die meisten Boote wieder weg. Leider nicht drei Charterboote voll mit Italienern. Mir schwant schon Schlimmes als sie einen Holzkohlengrill am 50 m entfernten Strand aufstellen und einen Schlauchbootschuttle für alle 24 Leute einrichten. Und ganz richtig, kaum haben sie die Mägen vollgeschlagen, fangen sie grölend zu singen an. Es ist zwar windstill aber von Ruhe kann keine Rede sein. Wir kontern mit Musik und Kabarett aus dem Computer und Beate, Harald und Matthias spielen DKT im Cockpit. Um Mitternacht ist es dann aber wirklich ganz ruhig. Endlich wieder eine windstille Nacht in Tiganáki, noch dazu im Vollmondschein.
11.08.2006 Freitag
15:57 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
16:22 Máratho Karte Ankern
17:50 Abfahrt
18:33 Lipsi / O. Platys Gialós Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:09 Strecke: 5,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten
Um 11:30h kommt das erste Ausflugsboot, danach viele und auch viele kleine Motorboote. Nach 24,5 Stunden fahren wir um 15:50h los und bahnen uns den Weg zwischen den Booten und Schwimmern. 25 Minuten später werfen wir den Anker vor dem Sandstrand in Maráthi. Wir schwimmen an Land und gehen in die Piratentaverna auf eine Jause. Um 17:50h sind wir wieder unterwegs. Wieder sehen wir die 4 Delfine dieser Gegend, fahren ihnen wieder nach, und wie am 10.7. haben sie keine Lust in der Nähe vom Boot zu schwimmen. Nur einer kommt näher, schaut uns kurz an und dreht dann ab.
Um 18:30h ankern wir in der sehr schönen Bucht Platys Gialós an der N-Seite von Lípsi. Hier ankert wiederum kein anderes Boot obwohl herrlicher Sandgrund und -strand und eine Taverna, die bis 22h offen hat. Wahrscheinlich ist die Bucht in keinem nautischen Führer näher beschrieben, vielleicht weil etwas zu seicht für die meisten Segelboote. Soll mit recht sein. Ich schnorchle noch zu den beiden potenziellen Anlegemöglichkeiten am Eingang der Bucht. Beide sind nicht zum Anlegen geeignet. Der halb versunkene Holzponton an der N-seite ist nur mit einem 5mm Seil an einem Stein befestigt und würde von einem hier festmachenden Boot sicher sofort losgerissen werden. Und bei der Betonrampe an der S-Seite ist zu wenig Tiefe. Aber egal, wir können ja mit dem Schlauch essen fahren.
Das machen wir auch und befinden die Taverna für ganz normal in Ordnung mit schöner Terrasse. Zurück am Boot spielen Harald und Matthias DKT und Beate und ich sitzen im Cockpit und bewundern einen aufgehenden ganz roten Mond bei einem Glas Rotwein.
12.08.2006 Samstag
11:43 Lipsi / O. Platys Gialós Karte Abfahrt
12:49 Lipsi / N. Makronísi Karte Ankern
14:00 Abfahrt
14:30 Lipsi / Hafen Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:35 Strecke: 8,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,5 Knoten
In der Nacht ist etwas Wind aufgekommen und das erklärt, warum diese Bucht nicht so beliebt ist. Sie schneidet nicht tief genug ein so dass kleine umlaufende Wellen seitlich herein kommen. Das ist natürlich nicht so bequem.
Langsam füllt sich der Strand mit Badegästen, die per Taxi vom Lípsi Ort herkommen. Um 11h kommt sogar ein Ausflugsboot und nachdem auch ich eine 6mm Frisur erhalten habe, fahren wir um 11:40h los. Auf der Fahrt schauen wir in die NW-Bucht Moskhátou mit 4 Nebenbuchten in (fast) jede Himmelsrichtung hinein. Besonders toll ist es nicht, aber die E-Bucht mit Fischzucht und Betonmole könnte bei Meltémi Schutz bieten.
Um 12:50h ankern wir in der kleinen N-Bucht von Makronísi. Hier war ich voriges Jahr mit den Bürglers, Martin und Patrick zum ersten Mal. Es gibt wieder ein tolles Schnorcheln im kraterartigen „Binnensee“. Harald und Matthias tauchen durch den Unterwassertunnel auf die andere Seite der Insel. Und auf dem Rückweg springen sie zwei Mal von der 10m hohen senkrechten Wand in den See. Der Tunnel ist kaum 5m lang, berichten sie und wirken recht zufrieden mit ihren Erlebnissen.
Um 14h fahren wir wieder weiter und liegen eine halbe Stunde später längsseits am Kopf der Mole im Hafen Lípsi. Dann gehen wir etwas herum, machen Siesta, trinken was im Café Kalypso und kaufen ein. Inzwischen kommen viele Segelboote herein und es gibt unterschiedlich geschickte Anlegemanöver zu beobachten.
Am Abend gehen Beate und ich zu einem Freiluftkonzert, veranstaltet vom Kulturverein Leros/Lipsi. Ein griechischer Klavierspieler gibt einige Mazurkas, die Ungarische Rhapsodie Nr. 6 und irgendwas von Chopin zum Besten bevor der Violinist mit einsteigt und sie gemeinsam etwas von Bartok spielen. Die Violine klingt zwar besser als das E-Piano aber es hört sich immer noch sehr blechern an, vielleicht auf Grund der Plastik-Lautsprecherboxen.
Nach dieser Kulturdosis gehen wir in eine Bar auf eine andere Dosis, halten es aber da auch nicht lange aus.
13.08.2006 Sonntag
10:45 Lipsi / Hafen Karte
11:02 segel setzen
12:49 Segel bergen
13:10 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:25 Strecke: 10 Seemeilen Ø Fahrt: 4,1 Knoten
Beate geht zum Bäcker und kommt wutentbrannt zurück. Sie hat gute 20 Minuten in der neuen Bäckerei neben dem Park gewartet bevor sie die Hoffnung aufgab, in der Masse der dort brüllend einkaufenden Italienern je etwas zu bekommen und ist daher hinauf zur alten Bäckerei gegangen. Dabei hat sie Brot von gestern bekommen.
Wie jedes Jahr kommen also auch heuer die Italiener im August bis hierher. Dagegen wäre ja nichts zu sagen, wenn sie sich nicht immer so aufführen würden als ob es außer ihnen keine anderen Leute gäbe. Rücksichtnahme auf andere, ein freundlicher Gruß oder gar ein freundliches Wort oder Hilfeleistung, wie es unter Seglern sonst selbstverständlich ist, gibt es bei diesen supergestylten Schreihälsen einfach nicht. Ich weiß, dass das eine schlimme Pauschalverurteilung ist, aber die Ausnahmen sind wirklich extrem selten bzw. fallen nicht auf. Da erhebt sich natürlich die Frage, wie groß die Italienerplage im August im Ionischen Meer ist und ob nicht der Meltémi in der Ägäis doch das geringere Übel ist.
Um 10:45h legen wir ab und setzen die Segel gleich in der Hafenbucht. Der Wind kommt mit angenehmen 16-18kn aus NW. Wir nehmen zuerst SW-Kurs und kommen mit guten 7kn voran. Allerdings wollen wir genau in Windrichtung und müssen daher nach N. Frángo eine Halse machen. Dann segeln wir Schmetterling mit 3-4kn bis kurz vor den Inselchen N von Léros. Dort bergen wir die Segel und fahren noch ein kurzes Stück zum schönen Ankerplatz S von Nsis Archángelos, wo wir um 13:10h ankern. Harald und Matthias machen das Ankermanöver inklusive Ankerplatzauswahl bestens ganz alleine. Dann verwöhnt uns Matthias mit superleckeren Sandwiches.
Obwohl wir vor hatten, weiter zu fahren, bleiben wir an diesem schönen Ankerplatz, faulenzen, lesen, schwimmen, lösen Rätsel, spielen und machen Power-Snorkeling und Miniluftmatratzensurfen hinter dem Schlauchboot.
Abends gibt es ein köstliches Zucchiniomelett und danach hören wir den Ö3 Call Boy aus dem Computer an. Seltsamerweise kommen nach Sonnenuntergang einige kleine Mücken daher. Man wundert sich wirklich woher.
14.08.2006 Montag
12:29 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Anker auf
16:02 Kálymnos / O. Limionári Karte Ankern
19:14 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Ankern
19:58 Abfahrt
20:50 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 08:20 Strecke: 32,6 Seemeilen Ø Fahrt: 3,9 Knoten
Nach dem späten Frühstück holen wir um 12:30h den Anker. Wir tuckern um die N-Spitze von Léros und danach entlang der E-Küste. Der Wind kommt mit 14-16kn genau von hinten. Die Genua hilft mit, die Fahrt um 0,5kn zu erhöhen. In der Höhe der SE-Spitze von Kálymnos hört Matthias, dass der bb-Motor plötzlich ganz laut wird. Er schaut nach und stellt fest, dass kein Wasser aus dem Auspuff kommt. Harald stellt gleich den Motor ab und ich räume die diversen Sachen weg, um den Motor anschauen zu können. Ich staune nicht schlecht als ich feststelle, dass im Motorraum Wasser bis zu den Keilriemen steht. Während wir mit dem stbd-Motor weiter fahren pumpt Matthias mit der Lenzpumpe das Wasser aus. Wir werfen um 16h den Anker in der kleinen Einbuchtung Limionári direkt neben der Einfahrt in die Vathy-Bucht auf Kálymnos. Dann starten wir den Motor, um zu sehen, woher das Wasser kommt. Aber es kommt kein Wasser herein! Das ist einerseits gut, andererseits schlecht. Denn damit kann man die Ursache nicht beheben, weil sie unbekannt ist. Es wird also notwendig sein, den Motorraum in den nächsten Tagen offen zu lassen, um immer wieder nachzusehen wie der Wasserstand ist.
Beate macht uns Spaghetti mit Käsesauce und anschließend schnorcheln wir noch ein wenig in der kleinen Bucht mit den steilen Felswänden.
Dann fahren wir wieder los. Der bb-Motor produziert schon wieder kein Kühlwasser aus dem Auspuff und daher können wir nur mit dem stb-Motor in die schmale Vathy-Bucht hineinfahren. Hier kommt der Wind so stark entgegen, dass der eine Motor es gerade noch schafft, uns vorwärts zu schieben. Natürlich nimmt uns ein anderes Segelboot den für uns einzig möglichen Platz am Kopf der Mole vor der Nase weg und mit einem Motor bei dem engen Raum und mit dem stark böigen Seitenwind haben wir keine Chance, uns einen anderen Platz zu nehmen. Also fahren wir wieder hinaus. Ich baue die Wasserpumpe aus und stelle fest, dass die Keilriemenscheibe locker ist und daher die Impellerachse nicht mitdreht. Das ist mit zwei neuen Unterlegscheiben und neuer Mutter schnell behoben. Sicherheitshalber sehe ich mir auch den Impeller an. Er ist in Ordnung. Allerdings ist die Reibung des Deckels auf dem Impeller recht groß, wahrscheinlich, weil die Dichtung schon so zusammengequetscht ist. Einen Ersatz habe ich nicht, also Vaseline drauf und nicht zu fest anziehen. Dann versuche ich die Pumpe wieder einzubauen, aber bei der Schauklerei mit dem Kopf nach unten in den Motorraum halte ich es doch nicht mehr aus. Wir fahren zum Psérimos Ort und werfen den Anker vor dem Sandstrand, wo bereits viele Leute zum morgigen Feiertag versammelt sind. Hier schaukelt es zwar auch aber ich kann die Pumpe gut einbauen und testen. Sie funktioniert und die Ursache für das Wasser im Motorraum ist auch gefunden: Das Ventil vom Ablassschlauch ist offen und durch das ca. 5mm starke kurze Schlauchstück rinnt das Wasser voll heraus. Ich mache das Ventil wieder zu, was nur mit Hilfe einer Zange möglich ist, und auch dieses Problem ist gelöst. Warum es allerdings offen war (ich habe das Ding nie angerührt) und warum nicht schon früher das Wasser dort herausgesprudelt ist, bleibt aber ein Rätsel.
Inzwischen bin ich ziemlich entnervt und die Wellen und der Trubel passen mir gar nicht. Ich schlage vor, dass die anderen mit dem Schlauch zum Ufer etwas essen oder zum essen einkaufen fahren könnten und wir dann in die Vathy-Bucht auf der anderen Seite der Insel fahren. Dafür ist aber niemand zu haben und so fahren wir gleich los. Im letzen Dämmerlicht erreichen wir die Psérimos-Ostbucht und werfen den Anker an der bewährten Stelle, wo die Fallböen am schwächsten sind.
Während ich am Abend über die Imponderabilien des Tages nachdenke, hole ich sinnloserweise nochmals die YANMAR-Bedienungsanleitung hervor und darf mich wieder ärgern. Auf großzügig gerechnet 21 Seiten wird das heute schuldige Ablassventil, oder was auch immer es ist, zwar abgebildet aber sonst ignoriert, obwohl man damit offenbar bei falscher Handhabung sein Boot versenken kann. Statt dessen wird fast nur furchtbar Lächerliches, Selbstverständliches oder Unverständliches beschrieben.
Einige wenige Beispiele:
1. „Diesel-Kraftstoff mit einer Cetanzahl über 45, weniger als 0,5% Schwefel- und 0,1% Wassergehalt wählen.“ – wählen? im Dieselsupermarkt auf Hokkaido vielleicht, aber sicher nicht irgendwo sonst.
2. „Das Fass mit dem Kraftstoff einige Tage lang stehen lassen, damit sich Wasser und Schmutz am Boden absetzen können. Den im Oberteil des Fasses befindlichen Kraftstoff verwenden.“ (Mit Grafik + Text nochmals) – die Japaner bzw. die Bedienungsanleitungsautoren dürften wirklich viel Zeit für das Auftanken investieren.
3. „Keine Gegenstände auf die Motoroberseite legen.“ – wieso? ist doch die absolut ideale Ablagefläche für Gegenstände aller Art.
4. „Vor dem Starten des Motors sicherstellen, dass sich in seiner Nähe, insbesondere seiner drehenden Teile, keine Hindernisse befinden.“ – Hindernisse? Ja natürlich, die könnten ja plötzlich dorthin hüpfen. Daher immer vor dem Start schauen, dass absolut keines der an Bord mitgeführten Hindernisse auf blöde Gedanken gekommen ist.
5. „Kraftstoff-Einspritzpunkt FID (vor OT) 15° +/- 1°. Bei zu später Einspritzung Kolbenpassscheiben hinzufügen, bei zu früher Einspritzung Kolbenpassscheiben wegnehmen.“ – aha, na eh ganz einfach. Wie viele Männer wissen das eigentlich?
6. aus dem Fehlersuch-Schema für ungenügende Leistung: „Zu starker Auspuffwiderstand -> Auspuffrohr verstopft (reinigen) -> Zylinderkopfauslass verstopft (reinigen)“ – Ist ja auch klar: Z’vü Auspuffwiderstand, ka Leistung. Geht einem jeden so. Reinigende Sitzung nach Einnahme von Laxierplus hilft. Und wenn nicht, Scheiße, was muss man bei Zylinderkopfauslassverstopfung nehmen?
usw.
Weil ich mich schon Mal über dieses, jeden einigermaßen ernsthaften Bootseigner verarschende Schrullensammelsurium, das anscheinend nur zur Vermeidung von Schadenersatzklagen amerikanischer Rechtsanwälte verfasst wurde, aufgeregt habe, wollte ich vor ein paar Jahren schon ein vernünftiges Servicebuch beim österreichischen YANMAR-Vertreter bestellen. Gibt es aber nur für offizielle YANMAR-Partner und alle anderen können sich brausen gehen.
15.08.2006 Dienstag
11:10 Pserimos / O. Vathy Karte Anker auf
11:30 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
17:21 Abfahrt
18:31 Kos / Marina Karte Ankunft
18:50 Abfahrt
19:10 Kos / Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:49 Strecke: 9,4 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten
Nach einem tollen Toast-Frühstück beobachten wir die aus Kos herkommenden großen Ausflugsboote, die ungewöhnlicherweise im seichten Scheitel der Bucht ankern. Wahrscheinlich ist der Ort, wo sie sonst immer hinfahren, wegen des Feiertages gesteckt voll. Trotzdem verlegen wir uns auch ins Seichte, um besser schwimmen und Paddleball spielen zu können.
Um die Mittagszeit fahren die Ausflugsboote wieder ab und im Lauf des Nachmittags wird der Wind bzw. die Fallböen stärker. Als wir um 17:20h abfahren ist der Wind schon fast meltemisch mit 20-23kn aus NW. Mit den Motoren im Schongang und der Genua erreichen wir die Tankstelle von Marina Kos in fast einer Stunde. Um 19:15 liegen wir an Pier D1 in der Marina.
Harald und Matthias versuchen noch ein Leihauto aufzutreiben aber in der absoluten Hochsaison ist nichts zu machen.
16.08.2006 Mittwoch
Kos Nord / Marina
Harald und Matthias packen ihre Sachen ein. Wir bringen einen Berg Wäsche in die Wäscherei und gehen dann frühstücken ins Marinacafé. Bei der Marinarezeption bestelle ich ein Taxi für 12h. Wir holen das Gepäck und warten auf das Taxi, aber es kommt nicht… In der Rezeption ruft die Empfangsdame nochmals in der Taxizentrale an aber obwohl wir eine bestätigte Reservierung haben, kann sie nur sagen, sie hoffe, dass das Taxi bald kommen würde, die Taxis seien wegen der absoluten Hochsaison total überfordert. Nach einer Stunde werden wir langsam nervös und ich mache mich auf die Suche nach einem Auto. Ich finde Pierre Dumont, einen sehr netten Franzosen, den ich schon lange kenne und der hier seinen Lebensunterhalt damit verdient, auf Boote aufzupassen und kleinere Reparaturen durchzuführen. Er bietet sofort an, sein Auto zu borgen, erklärt, wo es zu finden ist und wo die Schlüsseln sind. So marschieren wir zu seinem alten Renault 5 und können zum Flughafen fahren. Dort sind massenhaft Leute, die nach Hause fliegen wollen und vor dem Eingang Schlange stehen. Wir lassen Harald und Matthias aussteigen und verabschieden uns.
Auf dem Heimweg machen wir eine kurze Pause auf der „Ranch“ Konari und kurz danach erfahren wir schon telefonisch, dass sie gerade beim Einchecken sind. Wir stellen das Auto aufgetankt zurück und ich erreiche den Mechaniker Dimitris (Tel. +30 693 723 98 59), der gleich mit aufs Boot kommt. Er checkt den bb-Starter (in Ordnung-Startknopf hat was), den stbd-Keilriemen (in Ordnung – muss der Impeller sein) und nimmt den abgebrochenen Bolzen mit und sagt, er komme entweder am Abend oder morgen in der Früh wieder vorbei. Bin ja neugierig, ob er den steckenden Teil herausbekommen wird.
Am Abend gehen wir fein essen ins „Stadium“ (Schweinslungenbraten mit Basilikum/Parmesan bzw. gefüllt mit Pflaumen in Rotweinsauce – beides sehr gut und ungriechisch) und anschließend wieder in die gestern entdeckte Jazz-Blues-Bar mit happy hour bis 24h.