Aktualisierung 20.08.2018 11:42:25 Anzahl Tage: 12
05.10.2005 Kos Nord / Marina
06.10.2005 Kos / Marina – Psérimos / O. Vathy
07.10.2005 Pserimos / O. Vathy
08.10.2005 Pserimos / O. Vathy
09.10.2005 Pserimos / O. Vathy
10.10.2005 Psérimos / O. Vathy – Kálymnos / O. Vathy – Kálymnos / O. Paliónisos
11.10.2005 Kálymnos / O. Paliónisos – Léros / O. Pantéli
12.10.2005 Léros / O. Pantéli – Psérimos / O. Psérimos (Avlakia) – Psérimos / O. Vathy
13.10.2005 Psérimos / O. Vathy – Kos / Marina
14.10.2005 Kos / Marina
15.10.2005 Kos Nord / Marina
16.10.2005 Kos Nord / Marina
Crew:
Tötterström Tom
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 9:12 Strecke: 56,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
05.10.2005 Mittwoch
Kos Nord / Marina
Mit Charterflug One-Way um € 55,- bestens mit Lauda Air angekommen. Div Besorgungen gemacht.
Telefonnummern von Charterveranstaltern ausfindig gemacht:
Neckermann: 22420 – 49342 Frau Dose od. Chantal, Mit Lauda am Mittwoch:
VIE-KGS 7:25-10:50 OS 9047
KGS-VIE 11:40-13:05 OS 9048 kostet €140
TUI und Gulet fliegen am Montag mit Lauda:
VIE-KGS 6:30-9:45 OS
KGS-VIE 18:40-20:05 OS 9120 kostet €112 (TUI)
Gulet: 22429 22340, 22420 56762
TUI: 22420 56758 bzw. Hotline in Athen: 210 94 67800, Geld muss in Bar oder per Banküberweisung im Voraus bezahlt werden.
Gulet und TUI befinden sich in Kos bei V-Tours in Marmarató (in der Nähe von Bank of Piräus)
AUA: +43-5-1789
06.10.2005 Donnerstag
Kos / Marina – Psérimos / O. Vathy
Nachdem ich endlich die benötigte Verbindung zwischen Schlauch und Schottdruckführungsstück für den noch zu installierenden Gasbehälter beim Tyrikos-Geschäft erhalten habe (gepresst), will ich um 12:30h abfahren. Es wird aber doch noch eine Stunde später, weil der Stbd-Motor noch von unter der Salzwasserdusche im Sommer leidet: Der Gashebel ist eingerostet und der Motor läuft nur zwischen 2 und 3000 Touren. Nach einigen Schüssen WD40 und einigen gewaltsamen Hin- und Herbewegungen mit dem Nussschlüssel geht der Motor zumindest auf 1000 rpm herunter – so dass man den Propeller problemlos einschalten kann.
Nach schöner Motorfahrt bei 15Kn N-Wind erreiche ich Vathy und ankere im Seichten. Mit der Handbürste bewaffnet gehe ich schwimmen, um die blockierte Logge zu putzen. Dabei kann ich entsetzt sehen, wie schmutzig das Boot oberhalb der Wasserlinie ist. Es lag ja jetzt 6 Wochen längsseits in der Ecke, wo sich das Schmutzwasser am ehesten sammelt. Ich muss mehrmals schrubben, um überhaupt was Weißes zu sehen. Jetzt ist es noch lange nicht sauber aber ich lasse es vorläufig so wie es ist. Wenn die Blodughadda an Land ist, wird es leichter zu putzen sein. Ich habe das Herausheben für Dienstag und den Stellplatz an Land bis Ende April bestellt. So kann das Boot ein Mal richtig trocknen und das Getriebeöl im Saildrive getauscht werden.
Kurz vor Sonnenuntergang habe ich das Boot noch zu unserem besser geschützten Platz verlegt. Die Fallböen waren zwar nicht so fürchterlich aber trotzdem störend. Am Abend habe ich noch ganz schrecklich schmeckende Nudeln Asia Süß-Sauer von Maggi feel good gemacht. Naja, Hauptsache war, dass ich satt geworden bin – mit Hilfe einer zusätzlichen griechischen Kartoffel.
07.10.2005 Freitag
Pserimos / O. Vathy
Als ich heute Nacht einige Male davon aufgewacht bin, dass der Wind in der Takelage gerüttelt hat, dachte ich mir, dass ich schreiben werde, dass das Wetter genau so ist wie im Sommer nur 5° kühler. Aber als ich um 9h aufgestanden bin, war diese Aussage schon widerlegt: Fast Flaute und der ganze Himmel bedeckt. Die Wolken sind zwar so dünn, dass die Sonne leicht durchscheinen kann aber das Meer ist grau bis auf die Stelle wo die Sonne durchscheint und einen silbrig schimmernden Fleck erzeugt. Es ist nicht unangenehm, einen neuen Meeresanblick zu haben.
Es ist mir gestern nicht und nicht gelungen, die Bluetooth-GPRS-Verbindung aufzubauen. Frustriert bin ich schon um 21h schlafen gegangen. Heute habe ich den Computer frisch gestartet und siehe da, die Verbindung klappte auf anhieb.
Den Rückflug habe ich für Mittwoch den 12. arrangiert. Bei Neckermann war noch ein Platz frei um €140,-. Der Flug geht um 11:40 Lokalzeit und wird also ca. um 13h in Wien sein.
Noch was Unglaubliches: Die Passarella ist wieder weg! Es muss jemand das Schlauchboot gehoben und das darunter liegende Brett herausgezogen haben. Nicht zu fassen. Es muss ein Passarellakleptomane in der Marina geben. Sonst hätte er/sie wohl eher das Schlauchboot im Wert von € 1.000 statt dem Brett um €25,- geklaut. Mir ist es aber so lieber.
08.10.2005 Samstag
Pserimos / O. Vathy
Heute habe ich fast den ganzen Tag unter Deck verbracht. Ich habe die Stromversorgung neu verkabelt und eine weitere 140Ah Batterie eingebaut. Nach einigen Tücken scheint es jetzt gut zu funktionieren. Meine Hoffnung ist, nie wieder ein Stromproblem zu haben (ich glaube das habe ich schon Mal gesagt…). Jedenfalls haben wir jetzt 380Ah Kapazität gegenüber 240Ah während des Sommers und 170Ah voriges Jahr. Habe ausgerechnet, dass wir pro Tag ca. 50Ah verbrauchen, was nicht heißt, dass wir 7 Tage ohne aufzuladen auskommen werden. Die Batteriekapazität ist nur zu 1/3 wirklich nutzbar ohne dass die Batterien vorzeitig verbraucht sind. Also sollte trotzdem noch genügend Strom in Reserve sein auch wenn wir einen Tag lang die Motoren nicht nutzen. Werma sehn. Von der hockenden Körperhaltung habe ich jetzt einen ordentlichen Muskelkater im Kreuz und in der rechten Wade. Nichts ist umsonst auf dieser Welt.
Außerdem habe ich noch den Arbeitsauftrag für Takis während des Winters geschrieben – 25 Punkte. Wird wieder teuer werden. Aber danach sollte das Boot für längere Zeit tip top sein – hoffentlich.
Das Wetter ist wieder sommerlich meltemisch aber wie gesagt ca. 5° kühler. In der Nacht habe ich direkt gefroren unter der dünnen Baumwolldecke.
09.10.2005 Sonntag
Pserimos / O. Vathy
Heute habe ich zum ersten Mal etwas entspannen können und habe jetzt zwei Stunden lang „Die Leopardin“ gelesen bis es um 19h zu finster geworden ist. Ich finde das Buch zwar unterhaltsam aber – besonders im Vergleich zu Cryptonomicon – sehr einfach gestrickt.
Ich bekam eine gute Gelegenheit, meine Einwinterungsarbeiten einzustellen, weil das CIF ausgegangen ist! Irgendwie habe ich das Gefühl, ich würde nicht mit allen fertig werden und versuche daher alles was geht, vorzuziehen. Blöderweise hatte ich ja im August das Schlauchboot draußen gelassen. Jetzt ist es ganz furchtbar grindig. Ich wollte es wieder sauber bekommen, was zu ca, 27,5% gut gelungen ist. Aber dann ist das Scheuermittel ausgegangen. Also habe ich mich dann nur mehr selbst gewaschen (etwas shower gel AXE groove guarana energisant ist noch da, obwohl in ziemlich undefinierbarem Aggregatszustand) und geschwommen (23° im Meer) und anschließend eine Speck-Eier-Erdäpfel-Paradeiser-Pfanne gemacht. Dabei hat mir schon wieder etwas gefehlt, was den letzten griechischen Salat schon etwas verfremdet hat: das Olivenöl. Ich hatte komplett vergessen, dass im August das Olivenöl ausgegangen ist und natürlich keines beim Kostas gekauft. Man hat ein blödes Gefühl im Leben ohne Olivenöl!
Wenn da die Dämmerung hereinbricht hört der Tag wirklich auf. Das ist ganz anders als sonst. Ohne Fernsehen oder sonst irgendeine ganz dringende Beschäftigung macht es einfach keinen Spaß länger aufzubleiben. So überkommt mich die Müdigkeit spätestens um 22h. Dafür wecken mich die Fliegen bei Sonnenaufgang um 7h auf. Wenn Griechenland in dieser Jahreszeit irgendeinen Nachteil aufzuweisen hat, denn ist es die Fliegenplage. Diese Scheißviecher sind noch aggressiver als im Sommer! Eigentlich wollte ich mitzählen, wie viele Fliegen ich erschlage – dachte ich bei der ersten – aber irgendwo bei 20 habe ich zum Zählen aufgehört . Eine anstrengende Putzarbeit wird noch sein, die herumliegenden Fliegenleichen diskret zu beseitigen. (Ich schreibe „diskret“ nur weil das Wort so gut passt in Verbindung mit dem Wort „Leichen“.) Vielleicht sind aber nur hier in Vathy so viele Fliegen, weil die Ziegen dauernd im Kreis wandern. Bin also noch nicht weiter gekommen als 9sm von Marina Kos. Als fanatischen Segler werde ich sicher nicht in die Geschichte eingehen.
10.10.2005 Montag
13:37 Kálymnos / O. Vathy Karte Ablegen
14:45 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:08 Strecke: 14,4 Seemeilen Ø Fahrt: 12,7 Knoten
Von wegen Wetter wie im Sommer! Heute Nacht hat es geregnet und gar nicht wenig. Um 2h haben mich die Regentropfen aufgeweckt. Ich habe alles, was im Cockpit war, hereingeholt und wollte anschließend weiter schlafen. Ging aber nicht obwohl das Geräusch des Regens auf dem Deck etwas Beruhigendes hat. Also habe ich gelesen.
Um 11h verlasse ich die Bucht bei Windstille. Immer wieder messe ich die Ladespannung und Stromstärke. Es funktioniert so wie ich mir das vorgestellt habe außer dass der Hochleistungsladeregler zu früh auf Erhaltungsladespannung umschaltet. Muss ich noch herausfinden warum.
Um 12:30 erreiche ich Vathy /Kálymnos. Am Anleger liegt nur ein Segelboot und es ist fast windstill. Also beschließe ich, mit Buganker anzulegen. Es funktioniert perfekt: Mit den Motoren im Rückwärtslauf kann ich die Fahrt mit der Ankerwinde gut kontrollieren. Ca 5 Meter vor dem Steg stoppe ich das Boot auf, stelle den Leerlauf ein und lasse noch Kette nach sodass sie das Boot nicht hinauszieht und fahre noch ein Stückchen rückwärts. Dann werfe ich die Wurfleine eines Festmachers zu einem willigen Helfer an Land. Als dann noch der zweite Festmacher drüben ist, kann ich die Kette wieder etwas hereinholen. Ich mache noch zwei Springs, damit das Heck nicht auswandern kann und gehe einkaufen. Dann setze ich mich noch auf ein Bier mit Meze bei der hurtigen Wirtin am Dorfplatz. Der Rechnungsbetrag hat mich ehrlich überrascht: € 2,50. Ich glaube sie hat vergessen die Meze zu verrechnen, weil marinierter Oktopus, Oliven, Schafkäse, Gurken und Tomaten müssten mindestens so viel kosten wie normalerweise das Bier, nämlich 2,50. Mir soll es recht sein.
Als ich zum Boot zurückgehe, dröhnen wieder die Dieselkompressoren und die von ihnen getriebenen Presslufthammer beim Haus oberhalb des Bootsanlegers los. Ich bleibe keine Sekunde länger als notwendig und dröhne auch los, allerdings leiser, um nicht zu sagen kaum hörbar.
Ich tuckere eine Stunde lang bis in die Bucht Paliónisos. Zwei Segelboote liegen vor Anker, aber der kleine Steg ist frei. Und so kann ich zum zweiten Mal an einem Tag alleine rückwärts zum Steg anlegen. Das ist schon wesentlich schwieriger wenn niemand die Leinen entgegennimmt. Da muss man so nahe heranfahren, dass man hinüberhupfen kann. Und das ist trickisch, weil das Boot absolut still stehen muss in richtigem Abstand. Und das tut das Boot nur, wenn absolut keine Spannung auf der Ankerkette vorhanden ist. Oder wenn die Motoren im Rückwärtsgang laufen und die Kette das Boot am Platz festhält. Ich weiß noch nicht, welche Variante die einfachere ist. Ich entscheide mich für die erste, brauche aber ein paar Anläufe, weil der Wind das Boot immer wieder auf die Seite treibt oder die Ankerkette immer noch zu kurz ist. Dann geht aber alles glatt und ich kann den Festmacher festmachen.
11.10.2005 Dienstag
11:15 Kálymnos / O. Paliónisos Karte Ablegen
13:01 Léros / O. Pantéli Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:46 Strecke: 9,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten
Die Bucht von Nikolas ist wirklich ein Beschaulichkeitsreservat. Beim Frühstück habe ich heute beobachtet, wie ein Mann und eine Frau (1/3 der Ortsbevölkerung) 2 Hühner und 10 Küken auf dem Strand spazieren geführt hat. Anschließend haben sie sie eingefangen und in großen Säcken wieder hinaufgetragen.
Gestern war der Nikolas auf einen Kaffee an Bord und am Abend war ich dann als einziger Gast in seiner Taverna. Wir haben gemeinsam gegessen und viel geplaudert. Habe gar nicht gewusst, dass seine drei Brüder alle noch immer Schwammtaucher sind und das ganze Jahr im Mittelmeer nach Schwämmen tauchen. Vor der Tschernobyl-Katastrophe genügte ein halbes Jahr, um vom Verkauf der gefundenen Schwämme leben zu können.
Er hat auch gut gekocht: Frische Kalamari (die gibt es nur von Oktober bis April) und Schweinskotlett. Vorher gab es von seiner Mutter gebratene Fische und von ihm in Rosmarinsauce eingelegte Fische. Alle waren zwischen klein und sehr klein aber sehr gut.
Habe auch endlich gut und lange geschlafen. Bin zwar wieder aufgewacht aber überrascht, dass es schon 1/2 6 war und bin gleich wieder eingeschlafen und nicht stundenlang wach gelegen.
Um 17h habe ich, wie letztes Jahr, versucht, den finnischen Schriftsteller Göran Schildt, der ja Griechenland in den 1950er Jahren besegelt hat, zu besuchen. Aber wie letztes Jahr war er nicht in seinem griechischen Haus anzutreffen, sondern wahrscheinlich noch in Finnland. Ich bezweifle, ob es jemals gelingen wird, ihm die Hand zu schütteln, was ich sehr gerne machen möchte.
Dafür bin ich über eine Stunde lang herumspaziert und habe mir den recht abgewrackten Ort Platáni oberhalb von Pantéli angesehen. Dort gibt es keine einzige Taverna, nur miese Kafenions und Souvlakibuden. Also bin ich wieder zurück gegangen und habe in der von uns schon besuchten Taverna Patimenos einen superleckeren Hühnerspieß in Speckmantel mit Champignonsauce und Reis gegessen. Auch jetzt war die Rechnung unglaublich niedrig: 9,20. Dabei hatte ich 2 Flaschen Retsína und einen Ouzo als Aperitiv gehabt. Naja, ich war ja auch lange dort und habe das Buch Die Leopardin fertig gelesen. In der Zwischenzeit hat der Kellner wahrscheinlich den ersten Retsina vergessen.
12.10.2005 Mittwoch
10:21 Léros / O. Pantéli Karte Ablegen
14:01 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Ankern
15:30 Pserimos / O. Psérimos (Avlakia) Karte Abfahrt
16:30 Pserimos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:39 Strecke: 23 Seemeilen Ø Fahrt: 4,9 Knoten
Heute bin ich von Panteli wieder zurück nach Vathy / Psérimos gefahren. Unterwegs habe ich natürlich die Stromversorgung beobachtet und musste zu meinem Ärger feststellen, dass sie doch nicht so gut funktioniert, wie das nach dem Umbau aussah. Die Steuerbordlichtmaschine liefert 15,44 V statt maximal 14,4V. Klingt nicht so aufregend aber damit ruiniert man die Batterie viel schneller. Die andere wiederum will gar nicht über 13,95V liefern. Das ist auch schlecht, weil dann die Batterien nie ganz voll werden, womit sie auch schneller kaputt werden. Es ist zum Verrücktwerden. Ich habe nicht herausgefunden, warum das so ist oder wie man es ändern könnte. Diese Elektronen haben wohl wirklich ein Eigenleben.
Der Wind war wieder kaum vorhanden und auch jetzt ist es fast windstill. In Psérimos Ort habe ich einen Zwischenstopp eingelegt und eine Pizza beim lustigen Wirt gegessen und die Touristen aus den Ausflugsbooten beobachtet. Sie sind alle tapfer schwimmen gegangen, wenn auch viele ganz kurz. Dabei ist das Wasser gar nicht kalt. Ich war so an die 10 Minuten schnorcheln und habe viele recht große Fische gesehen, die den Kopf tief in den Sand gebohrt haben.
In Psérimos bin ich aber nicht ans Ufer geschwommen, sondern habe im blitzsauberen Schlauchboot gerudert. Ohne Außenborder wiegt das Ding ja gar nichts und ich kann es problemlos mit einer Hand ins Wasser bringen und wieder herausheben. Dabei brauche ich nicht einmal 1/1000 meiner Kraft… Auch lässt es sich ganz bequem rudern mit der umgedrehten Plastikkiste als Sitzbank. Den Außenborder habe ich auf den Heckkorb gehängt und festgebunden. Ich überlege schon, ob das nicht allgemein eine bessere Lösung wäre, weil die Motorhantierung für kurze Strecken unnötig kompliziert ist. Andererseits gibt es ja Jungmänner, die diese Hantierung gerne machen.
Jetzt habe ich noch ein langes Mail an Claude und Miko in Singapore geschrieben als Antwort auf den Brief/Bericht vom Sommer. Ich habe vorgeschlagen, dass sie nächsten Sommer eine Woche mit uns segeln kommen sollen, falls sie gerade in der Nähe = Europa sind.
Es sind heute überhaupt keine anderen Boote hier. Dafür sind wieder die Fliegen aufgetaucht. An den anderen Orten gab es gar keine. Also müssen das spezielle pserimotische Ziegen-Fliegen sein, die gelernt haben, dass es auf den Booten was zum Knabbern gibt.
Leider fängt mein linkes Auge wieder zu irritieren an. Werde es mit Augentropfen behandeln und schlafen gehen.
13.10.2005 Donnerstag
09:20 Pserimos / O. Vathy Karte Ablegen
10:43 Kos / Marina Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 01:23 Strecke: 8 Seemeilen Ø Fahrt: 5,7 Knoten
Ich wache erst um 9:15h auf. Nach einem schnellen Morgenschwimm lege ich noch nass und nackt ab und um 9:24 bin ich schon unterwegs. Ich mache mir ein gutes Seefrühstück mit Speck und Eiern und gase an. Bereits eine Stunde und 23 Minuten später liegt das Boot längsseits an der Außenmole. Ich gehe zur Rezeption und hole das Formular für die Hafenpolizei zum Herausheben des Bootes. Dann gehe ich zum Fahrradverleih und leihe mir ein Fahrrad für 4 Tage aus um ganze € 8.
Ich habe ausgemacht, zwischen 11 und 12 bei TUI zu sein, um mein Flugticket zu bekommen und es zu bezahlen. Zunächst muss ich die Piräus Bank suchen, in deren Nähe V-Tours, die TUI beherbergt sein soll. Weit und breit nichts davon zu sehen. Ich gehe in die Bank und frage den Kassier, wo Marmarató ist. Das ist das ganze Gebiet! Aber er weiß auch wo V-Tours ist, nämlich noch stadtauswärts und die erste Straße rechts, richtung Supermarkt Vasililiadis. Dort komme ich um 11:25 an und finde sofort die zuständige freundliche Dame. Dann trample ich weiter zur Hafenpolizei durch das Wirrwarr von Einbahnstraßen. Nach etwas Wartezeit habe ich dann das begehrte Papier, mit dem das Boot aus dem Wasser gehoben werden darf und muss die obligate Gebühr von € 0,88 zahlen.
Dann kann ich mich im Marinacafé bei einem Frappee etwas ausspannen bevor ich zum Takis gehe. Wir besprechen die to-do Liste und beschließen, das fortzuführen wenn das Boot an Land ist.
Dann gehe ich mit dem Seilsack zum Selas und kaufe eine neue Landleine. Mit 114 Metern und dem praktischen Sack, wird es wohl kaum mehr eine Situation geben, wo das Ausbringen der Landleine Schwierigkeiten bereiten könnte.
Dann bekomme ich einen Riesenhunger und radle zum Sommerrestaurant Blue Beach, wo man eine schöne Aussicht auf das Meer hat durch große Fenster. Der Souvlaki schmeckt gut aber nicht überwältigend.
Zurück am Boot fange ich an, herumzuräumen, Außenborder durchzspülen, Bilge zu entleeren aber vor allem zu überlegen, wie die neue Stauordnung sein soll, damit das Bb-Heck nicht zu sehr belastet wird.
Außerdem kaufe ich noch eine kleine elektrische Pumpe, mit der man behende Wasser durch diverse Löcher heraussaugen kann.
Um 20h ist es schon stockfinster und noch kühler als tagsüber, 20° im Salon. Überhaupt war heute den ganzen Tag über sehr diesig und bewölkt. Der Herbst ist im Anmarsch.
14.10.2005 Freitag
10:55 Kos / Marina Karte Ablegen
11:10 Kos / Marina Karte Ankunft
Zeit unterwegs: 00:15 Strecke: ,8 Seemeilen Ø Fahrt: 3,2 Knoten
Das Boot ist jetzt auf Land. Auf einem guten Platz Mitten auf dem Gelände, weit weg vom Travelliftbecken, wo es letztes Mal war und nachher voll mit Fettspritzern von den Seilen des Kranes. Ich habe gestern den Kranführer bearbeitet und ihn eindringlichst ersucht, mir nicht den Platz vom letzten Mal zu geben, was er ursprünglich tun wollte.
Mit dem Takis habe ich den ganzen Nachmittag gesprochen. Zunächst über alle Arbeiten, die er während des Winters ausführen soll und anschließend im Café ganz allgemein und etwas privat. Ich werde jetzt ca. 2500 Euro in eine Osmosevorbeugung investieren. Alle Farbschichten am Unterwasserschiff werden entfernt und das Boot kann ordentlich trocknen. Dann wird es 5 Mal mit einer Epoxibarriere gestrichen, anschließend mit einer Grundierung und dann 2 Mal mit neuer Antifoulingfarbe. Das Spannende dabei: Falls noch keine Osmose vorhanden ist, wird sie durch diese Behandlung für immer – naja zumindest für sehr lange Zeit – unterbunden. Falls schon Osmose vorhanden ist, wird sie immer vorhanden sein aber die weitere Zerstörung des Laminats verlangsamen. Ich hoffe natürlich, dass noch keine vorhanden ist und es sieht ganz so aus. Osmose entsteht, wenn Feuchtigkeit durch mikroskopisch kleine Löcher in der Außenhaut in das Glasfiberlaminat eindringen kann und es dort unter Blasenbildung aufweicht, was langfristig zu Delaminierung der ganzen Konstruktion führt – die einzige Möglichkeit, wie ein Glasfiberboot verrotten kann. Also denke ich, dass die Investition sich lohnt vor allem, wenn es stimmt, was Takis sagt, dass es danach nur mehr notwendig sein wird, das Boot alle 2 Jahre neu zu streichen und das mit wesentlich weniger Aufwand als bisher (die neue Antifoulingfarbe kann mit einer Bürste abgeschrubbt und neue Farbe ohne weitere Vorbereitung aufgetragen werden). Außerdem ist die neue Farbe weniger giftig und sondert keine Biochemischen Krebserregersubsanzen aus, wenn es im Wasser liegt und man um das Boot herumschwimmt.
Auch die Motoren werden in Ordnung gebracht. Dimitris, der Mechaniker, wird am Bb Motor die Zylinderkopfdichtung austauschen (kostenlos), womit er – hoffentlich – wieder volle Leistung bringt, die nicht mehr perfekten Treibsoffleitungen austauschen, in den Saildrives das Öl austauschen, die Dichtungen erneuern (ein Gruß von seichten Hafen in Rodos) und natürlich das Motoröl und die Ölfilter erneuern.
Ich habe aber jetzt wirklich das Gefühl, dass das Boot in guten Händen ist und dass es Takis ein Anliegen ist, bestmögliche Arbeit zu machen. Ich muss eingestehen, dass meine ursprünglichen Vorsätze, möglichst alles selbst zu machen, recht naiv waren. Um so ein Boot gut in Schuss zu halten, braucht es wirklich viel Erfahrung und Zeit. Und dafür muss man eben zahlen.
Aber noch was Unglaubliches: Ich habe die Passarella wieder gefunden! Es lag am Steg, wo die Charterboote von Istion liegen. Das Unglaublichste: Jemand hat darauf noch einer Verstärkung angebracht, weil in der Mitte etwas Holz abgeschabt worden ist. Es ist mir einfach unfassbar, wie jemand eine Passarella unter dem Schlauchboot herauszieht und offenbar als das eigene Eigentum betrachtet. Die einzige plausible Erklärung, die ich dazu habe, ist, dass irgendeine Chartercrew ihre Passarella verloren hat und anstatt das dem Vercharterer zu sagen, in der Marina auf Passarellaklau gegangen ist, um den Verlust der Passarella nicht zahlen zu müssen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Chartergesellschaft es nötig hat, von einem Privatboot die Passarella zu klauen.
Passarelladimension 266 x 24 x 3,5 cm (Um nach dem nächsten Diebstahl die richtige zu erhalten)
15.10.2005 Samstag
Kos Nord / Marina
Ohne Klo geht es eigentlich gar nicht so schlecht. Ich muss halt in den Eimer pinkeln und mit dem Fahrrad aufs Klo fahren. Wasser habe ich mehr als genug. Der Schlauch ist an die Wasserleitung angeschlossen und heute habe ich sicher mehrere Hundert Liter verpritschelt. Habe das Schlauchboot nochmals und den Bootsrumpf gewaschen. Das war eine Sauarbeit, weil es ja 6 Wochen lang im dreckigsten Winkel der Marina gelegen ist. Die Steuerbordseite war voll mit Teerspritzern, teilweise zusammengewachsen. Die kommen sicher daher, dass die Motoren der Boote, die herein und hinaus fahren Russ und Dreck herausschleudern und der Wind hat dann alles zur Blodughadda getrieben. Ohne diesen Schmutz vorher mit Diesel einzuweichen, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht weggebracht.
Es ist jetzt sehr kühl geworden und es geht ein heftiger Wind. Ich höre im Wetterbericht, dass das Hochdruckgebiet über Nordbalkan liegt, was ja hierzulande starken Nordwind und in Österreich Schönwetter bringt. Wäre ja schon wieder ein Beweis für diese These. Es ist nämlich schon lange Starkwind in der Ägäis nur war der Dodekanes bis jetzt davon verschont. Bin ja nicht gerade unglücklich drüber.
16.10.2005 Sonntag
Kos Nord / Marina
Die Nacht war sehr stürmisch und kalt. In der Früh war es noch dazu bewölkt bei 17°. Ich bin echt froh, das Boot aus dem Wasser zu haben. Das Wasser im Travelliftbecken kocht und es bestünde keine Chance, ein Boot jetzt heraus- oder hineinzuheben.