Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2020-09-01 Tom Abschluss

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Seite drucken Aktualisierung 10.09.2020 17:36:07 Anzahl Tage: 7
01.09.2020 Kos / Kefalos, Kamari
02.09.2020 Kos / Kefalos, Kamari – Patmos / O. Meloï
03.09.2020 Patmos / O. Meloï
04.09.2020 Patmos / O. Meloï – Patmos / Livadi Geranou
05.09.2020 Patmos / Livadi Geranou
06.09.2020 Patmos / Livadi Geranou – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
07.09.2020 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni Agmar Marine

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 10:53 Strecke: 67,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten

01.09.2020 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Ich bleibe auf dem Boot und fahre am Abend ins Argo essen. Das Kotelett in Zironensauce mit Zwiebeln ist köstlich.

Das Rinnsal vom Wassertank hat aufgehört, eh schon am Samstag. Es hat also 6 Tage gedauert, bis der letzte Rest draußen war.

02.09.2020 Mittwoch
10:13 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
17:50 Patmos / O. Meloï Karte Ankern
Zeit unterwegs: 07:37 Strecke: 50,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten

Heute ist ein windloser Tag angesagt. Das nütze ich, um Meilen Richtung Nord zu machen bevor der Nordwind am Freitag wieder heftig werden soll.

12:45h: Es wird diesig. Den Horizont sieht man nicht mehr. Hoffentlich wird daraus kein Nebel. Noch ca. 5 Stunden bis Patmos Meloï.

14:15h: Die Sicht ist wieder normal. Man sieht Levitha im W, Kalymnos und Leros im E und sogar Patmos ca. 21 sm gerade voraus. Alle Inseln ziemlich dunstig, also wie immer im Sommer. Andere Boote sieht man nicht, weil es keine gibt, bis auf bisher drei Ausnahmen während über vier Stunden Fahrt. Der Wind kommt aus W mit max. 6 kn, die Wellen sind auch kaum erwähnenswert. Es ist angenehm und schön aber ziemlich fad. Am interessantesten ist es zu beobachten, wie sich die Meeresströmungen verhalten. Obwohl die Motoren mit konstant 2.500 RPM drehen und die Logge die Fahrt durchs Wasser mit 6,8 bis 7,0 kn auch ziemlich konstant anzeigt, hat die GPS Geschwindigkeit von bis zu 7,5 auf bis zu 6,0 Knoten abgenommen. Also bis NW von Kos war die Strömung mit uns und seither kommt sie aus N mit ca. 0,6 – 0,8 kn entgegen. Das ist viel! Auf einer Strecke von 20 sm bedeutet das ca. 20 Minuten längere Fahrzeit.

15:00h: Ha! Die Gegenströmung hat aufgehört. Logge und GPS zeigen gleiche Geschwindigkeiten an, 6,7 kn. Position 8,2 sm recht genau W von der Durchfahrt zwischen Leros und Kalymnos.

Ohne Gegenströmung oder irgendwelchen Problemen erreiche ich Meloï und der Anker hält beim ersten Versuch, was hier ja nicht selbstverständlich ist.
Zwei Boote mit schwedischer Flagge ankern bereits hier: Finally und yen-ai (was angeblich auf koreanisch ungefähr „die, die gerne am Wasser ist“ bedeutet). Kjell und Mia von yen-ai habe ich bereits in Leros Lakki kennen gelernt. Ich fahre mit dem Schlauchi zu ihnen auf eine nette Plauderei.

Danach gibt es köstliche in Lakki gekaufte Würsteln mit Minierdäpfeln. Der Wind schläft komplett ein und der Vollmond geht auf. Bis auf gelegentliches Klimpern von Ziegenglocken und ein Eselwiechern (klingt wie wenn das Tier gerade erdrosselt würde) ist es total ruhig. Die Lichter der Chora leuchten oben hinter dem Bergrücken. Es ist wunderbar.

03.09.2020 Donnerstag
Patmos / O. Meloï
Ich schlafe im Cockpit. Um ca. 4 Uhr beginnt das Gockelkonzert. Mindestens zehn nah und fern beteiligen sich abwechselnd daran. Warum eigentlich müssen diese Viecher so schreien? Und das bereits fast drei Stunden vor Sonnenaufgang. Vielleicht wollen sie checken, wie viele noch da sind und noch nicht in Weinsud schmoren. Dass die Hennen das tagtäglich über sich ergehen lassen, deutet darauf hin, dass sie taub sind.

In der Morgendämmerung um 6:15h mischen sich andere Vögel ins Konzert, Krähen oder dergleichen. Das ergibt eine etwas gleichmäßigere Geräuschkulisse. Es ist sehr schön, die langsam zutage tretende Landschaft zu beobachten. Um 6:35h kommen plötzlich Nebelschwaden über die Berge im W und verhüllen diese und den Vollmond. Um 6:56h sind sie wieder verschwunden und der Vollmond verschwindet auch hinter dem Berg. Die Morgensonne spendet herrliches Licht und die Landschaft und die Boote spiegeln sich im beinahe vollkommen glatten Wasser. So ein Morgen ist auch in Griechenland selten!

Um 7:45 hört das Hahnengeschrei endlich fast auf und ich nehme mir ein Morgenbad vor dem Frühstück.

Arbeit ist in die Dropbox hereingetröpfelt. Wie seit 32 Jahren mache ich heuer wieder die umfangreiche Preisliste für LAUFEN. Als die Tagesarbeit erledigt ist, fahre ich zum Strand und gehe nach Skala. Der Yachtkai ist so leer, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Ganze acht Boote haben angelegt. Auch in der „Neuen Marina“ wären Plätze frei, ein Wunder. Ein Bierchen im ARION muss traditionellerweise sein. Freie Plätze gibt es hier auch, fast nur solche. Nach einem Spaziergang durch die so gut wie menschenleeren Gassen esse ich im I NETIA bevor ich zum Boot zurückkehre und das Abendbad genießen kann.

Morgennebel in Meloï
Morgennebel in Meloï
Blodughadda, Schlauchi und ich aufgenommen von Mia auf yen-ai
Blodughadda, Schlauchi und ich aufgenommen von Mia auf yen-ai
Einen Gockelschreihals ausfindig gemacht
Einen Gockelschreihals ausfindig gemacht
Ein Esel interessiert sich für einen anderen
Ein Esel interessiert sich für einen anderen
Fährverbindungen von Patmos perfekt aufgelistet
Fährverbindungen von Patmos perfekt aufgelistet

04.09.2020 Freitag
08:45 Patmos / O. Meloï Karte Abfahrt
09:27 Patmos / Livadi Geranou Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:42 Strecke: 2 Seemeilen Ø Fahrt: 2,9 Knoten

Wie gestern vereinbart kommt der Inhaber von Blue Fin pünktlich um 8:30h mit der neuen igloo Cockpitkiste, kassiert 180 Euro und nimmt die alte zur Entsorgung mit – auf dem Moped!

Der Wind soll heute kräftig zulegen und bis Sonntag andauern. Obwohl der Morgen noch windstill war, fängt er schon an. Bevor es mühsam wird, verlege ich den Ankerplatz nach Livadi Geranou. Den Platz kann ich mir aussuchen. Kein Boot da und auch noch keine Schwimmer. Mit dem Anker im Sand gut eingegraben auf 6m und 40m Kette wird es kein Problem geben auch wenn der Wind wie vorhergesagt morgen in Böen bis zu 38 kn zulegen sollte.

Die Arbeit für LAUFEN geht weiter und wird mich noch bis Mitte Oktober beschäftigen. Gut, dass ich auch auf dem Boot einen 27″ Bildschirm habe.

Am Abend ist immer noch kein anderes Boot da. Es gibt Käserisotto. Der neue Kochtopf kommt erstmals zur Anwendung.

Es ist Mitternacht. Das vom Wind leicht aufgewühlte Meer glitzert silbern im Mondschein. Die Inselchen heben sich als schwarze Kegel aus dem Meer empor. Der Wind streichelt die Haut mit 24°C und lässt das Boot sanft schaukeln. Es ist wunderbar.

Meloï im Morgenlicht mit Mond
Meloï im Morgenlicht mit Mond
Die neue Cockpitkiste, Platz für 114 Bierdosen!
Die neue Cockpitkiste, Platz für 114 Bierdosen!

05.09.2020 Samstag
Patmos / Livadi Geranou
Heute ist es weniger wunderbar. Die Windprognosen stimmen genau. Es ist klassischer Meltémi verursacht durch Hochdruck über dem Balkan und Tiefdruck über Zypern.

Der Tag ist ideal für weitere Preislistenarbeit. Wenn der Benq GW2765 Bildschirm wackelt weil wieder eine Windbö das ganze Boot rüttelt, stört es aber schon ein wenig.

Ich schnorchle zum Anker und stelle fest, dass er sich um etwa 20m bewegt und wieder eingegraben hat. Also der ursprüngliche Halt im Sandgrund war doch nicht so gut wie er ausgesehen hat. Warum er jetzt offenbar besser hält, kann man nicht sehen. Aber egal, nächstes Mal wenn Starkwind angesagt ist, werde ich den Ankerhalt mit 2500 statt 2000 RPM Rückwärtsfahrt testen.

Die Fische hier sind lustig, gar nicht scheu. Sie schwimmen zahlreich nahe um mich herum und beäugen mich scheinbar neugierig. Am Boot zurück füttere ich sie mit dem Rest vom Käserisotto. Scheint auch ihnen zu schmecken.

Um 18h beruhigt sich der Wind ein wenig und ich fahre mit dem Schlauchi zum Strand. Hauptsächlich um ein Foto zu machen, aber natürlich auch, um etwas in der einzigen Taverna zu essen. Naja, das Hühnersouvlaki geht gerade noch aber eine gute Taverna ist es hier nicht.

Die Windanzeige hat heute einen Spitzenwert von 39,1 kn gespeichert, recht heftig.

Patmos Livadi Geranou für mich allein
Patmos Livadi Geranou für mich allein

06.09.2020 Sonntag
10:25 Patmos / Livadi Geranou Karte Abfahrt
12:33 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:08 Strecke: 13,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten

Mit dem Wind geht es gut südostwärts. In Archangelos ankere ich wieder recht weit draußen, damit mich am Abend kein Trottel mit einem Blink-Ankerlicht stört. Die Einwinterungsarbeiten können beginnen. Ich habe beschlossen, dieses Jahr doch nicht nochmals nach Griechenland zu reisen. Die Bestimmungen wegen Covid-19 sind so unvorhersehbar. Das Wichtigste (der Motoreinbau) ist ja eh erledigt.

07.09.2020 Montag
07:08 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Abfahrt
07:34 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:26 Strecke: 1,4 Seemeilen Ø Fahrt: 3,2 Knoten

Bevor ich los fahre kann ich noch ein wunderbares Morgenbad im fast spiegelglatten Meer machen. Auf der Fahrt nach Partheni gebe ich ausnahmsweise Vollgas an beiden Motoren, damit sie richtig durchgeblasen werden. Viel schneller geht es deswegen nicht.
Allein eine Boje nehmen ist keine einfache Sache. Obwohl praktisch Windstille benötige ich zwei Versuche. An der warte ich bis ich an die Reihe komme. Es wird mir auch klar, warum man manchmal warten muss: Die Hebegurten für einen Katamaran sind andere als für ein Einrumpfboot. Also warte ich bis drei Einrumpfboote expediert sind (2 ins Wasser, eins heraus).
Ich bekomme wieder den üblichen Platz nahe dem Segelwaschplatz und nicht den luxuriösen mit betoniertem Grund wie voriges Jahr. Aber gut, dafür sind hier die Toiletten und Duschen ganz in der Nähe.

Dann fängt die Abarbeitung der Einwinterungs-Checkliste so richtig an. Es ist extrem schweißtreibend und die Sonne glüht unbarmherzig. Freundlicherweise hilft mir der übernächste dänische Nachbar Ole mit dem Zusammenlegen der Segel. Alleine geht das gar nicht. Er hat auch einen Fountaine-Pajot Katamaran Mahé, der gerade erst zehn Jahre alt ist, aber einen veritablen Motorschaden hat: Der Motor ist verrostet, weil der Auspuffkrümmer innen verrostet war. Jetzt muss er ca. drei Wochen warten, bis die Ersatzteile geliefert werden und dann werden die Werftmechaniker diese einbauen – na Grüß Gott…

Ich miete ein Auto von Giannakos mit dem ich am Abend nach Lakkí fahre, um Motorölfilter zu kaufen und im To Petrino sein berühmtes Schweinefilet-Souvlaki zu essen. War schon mal besser, ist aber allemal besser als ein normales Souvlaki.

08.09.2020 Dienstag

In der Nacht bekomme ich ärgste Krämpfe in den Beinen, vielleicht weil ich so viel geschwitzt habe, obwohl massenhaft Wasser getrunken. Daher fahre ich nach der Vormittagsarbeitseinheit in die Apotheke von Agia Marina und kaufe Magnesiumtabletten. Auch bringe ich den Fußendeteil der Stbd Achterkabinenmatratze zum Tapezierer, damit er aus diesem zu großen Teil zwei macht, die man leichter entfernen kann, wenn man einen Motorcheck machen will/muss. Der Motor ist nämlich genau darunter.

Um 16:30 mache ich wieder eine Pause und esse Bifteki in der Nachbarbuchttaverna Artemis. Schmeckt super, aber der Kellner ist unfähig und viel zu laute griechische Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Eh keine schlechte Fidel und Castro Jammerei, aber eben viel zu laut für mich.

Ich war ein bisschen skeptisch, ob mir das Auspumpen und Zusammenrollen des Schlauchbootes auf der Heckplattform und die Abmontage und Zusammenfalten des Biminis alleine problemlos gelingen würde. Das war unnötig.
Und dann zig Handgriffe bis das Boot endlich fast schon winterbereit ist.

Obwohl ich mir eine angeblich supere Motorölabsaugpumpe PELA neben anderen Sachen zur Werft habe schicken lassen und Ersatzölfilter gekauft habe, mache ich doch keinen Motorölwechsel. Laut Betriebsanleitung sollte sie alle 150 Motorstunden erfolgen. Seit dem letzten sind es erst ca. 63 Stunden, beim Stbd Motor etwa 8 Stunden weniger. Bei diesem ist nach der Generalüberholung das Motoröl auf dem Ölmessstab sogar noch fast durchsichtig. Die Spülung der Motoren mit dem voriges Jahr ausgeheckten Methode mit der Wäschetonne funktioniert bestens. Aber für die anschließende Spülung mit Kühlerflüssigkeit bleibt keine Zeit. Falls die Simmerringe der Wasserpumpen dicht sind (was sie wahrscheinlich sind, weil nichts heraus tropft), sollte das nichts ausmachen.

09.09.2020 Mittwoch

Gut, dass der Flug erst um 11:15h ist. Obwohl ich um 6h aufstehe, komme ich natürlich doch in Stress. Es geht sich aber alles aus und um 10h checke ich ein. Da bleibt noch Zeit für ein Entschleunigungsbier in der Flughafentaverna.
Der Flug im Inselhüpfer macht dieser Bezeichnung alle Ehre. Es weht kräftiger Wind, der die Maschine ordentlich hüpfen lässt. Macht mir nichts aus, es ist ähnlich wie auf dem Boot gegen die Wellen zu fahren.
In Athen habe ich zwei Stunden Zeit bis zum Abflug nach Wien. Ich schleiche mich in die Business-Lounge ein und döse unbehelligt in einem bequemen Sofa bis ich ein SMS erhalte, dass das Gate offen ist. Auf dem Flug nach Wien habe ich nur zu bemängeln, dass die Sitzreihen so eng sind, dass ich keine angenehme Stellung für die Beine finde.

Somit ist ein kurzer Griechenlandsommer zu Ende.

Flughafen Leros, von den Masten rechts ist einer der von Blodughadda
Flughafen Leros, von den Masten rechts ist einer der von Blodughadda
Mykonos
Mykonos
Tinos, bekannt für heftige Fallwinde, die man hier als Streifen deutlich sieht
Tinos, bekannt für heftige Fallwinde, die man hier als Streifen deutlich sieht

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