Aktualisierung 31.07.2022 14:33:18 Anzahl Tage: 43
17.06.2022 Patmos / O. Meloï
18.06.2022 Patmos / O. Meloï
19.06.2022 Patmos / O. Meloï
20.06.2022 Patmos / O. Meloï – Kálymnos / O. Vlychádia
21.06.2022 Kálymnos / O. Vlychádia – Kos / Kefalos, Kamari
22.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
23.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
24.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
25.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
26.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
27.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
28.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
29.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
30.06.2022 Kos / Kefalos, Kamari
01.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
02.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
03.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
04.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
05.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
06.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
07.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
08.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
09.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
10.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
11.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
12.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
13.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
14.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
15.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari – Kálymnos / Pothia Tankstelle – Kálymnos / Aktí Bucht
16.07.2022 Kálymnos / Aktí Bucht – Léros / Lakkí Kuluki
17.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
18.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
19.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
20.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
21.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
22.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
23.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
24.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
25.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki
26.07.2022 Léros / Lakkí Kuluki – Kos / Kefalos, Kamari
27.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
28.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
29.07.2022 Kos / Kefalos, Kamari
Crew:
Tötterström Tom
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 39:31 Strecke: 137,2 Seemeilen Ø Fahrt: 3,5 Knoten
17.06.2022 Freitag
Patmos / O. Meloï
Nachdem Christian abgefahren ist, gehe ich etwas herum. Bei jedem Schritt schmerzt das operierte rechte Knie. Für die zwei Kilometer nach Meloi nehme ich daher ein Taxi. Kostet eh nur fünf Euro.
Zurück auf dem Boot schlage ich nach: Die Queen Miri kann man chartern und zwar um schlappe € 1.825.000,- plus Spesen von etwa 134.000,- per Woche. Dafür haben ganze 36 Personen Platz darauf. Also nur 7.773,- per Person und Tag. Ideal für die Scheichfamilie.
Queen Miri
Als wir vorgestern in Meloi ankamen, war die Blodughadda das zweite ankernde Boot. Mittlerweile sind es sieben, davon vier Fountaine-Pajot Katamarane und kein Lagoon. Sehr ungewöhnlich. Die Blodughadda ist mit Abstand der kleinste Katamaran.
Und zum Vergleich schlage ich nach, was eine Lucia 40 in Charter für eine Woche kosten würde: € 4.315,- also pro Person und Tag für 8 Leute € 77,-, also gerade mal 1% vom Preis auf der depperten Motoryacht.
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18.06.2022 Samstag
Patmos / O. Meloï
Plan für heute: nichts machen.
19.06.2022 Sonntag
Patmos / O. Meloï
Heute mache ich etwas mehr als gestern, aber nicht viel. Der kleine Wassertank mit 170 Litern geht genau zu Ende als ich mich nach dem Abendwasch- und -Schwimm und -Rasur abduschen will. Na kein Problem denke ich, einfach auf den größeren Tank umschalten. Das Wasser kommt aber auch dann nur stotternd heraus und der Tank macht merkwürdige Geräusche. Ich komme drauf, dass er keine Luft bekommt. Als ich den Einfülldeckel etwas lockere, zischt die Luft nur so hinein. Ich verfluche wieder mal die depperten Mechaniker der Werft, die den Tank während des Winters wieder bearbeitet haben (gereinigt, Anschlüsse umgestellt) und vermute schon, dass sie den Überlaufschlauch, der gleichzeitig für die Belüftung sorgt, eliminiert haben. Dann sehe ich im Ankerkasten, dass er einen Knick hat. Ich drücke ihn etwas hinein um den Knick zu begradigen und hoffe, dass das die Problemlösung war.
Am Abend esse ich in der Taverna Meloi eine passable Hühnerkeule.
20.06.2022 Montag
09:28 Patmos / O. Meloï Karte Abfahrt
10:59 segel setzen
11:15 Genua weg, Stbd Motor an
12:12 Groß weg, auch Bb Motor an
15:05 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:36 Strecke: 33,5 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten
Abfahrt bei praktisch Windstille. Nach 1,5 Stunden kommt etwas Wind auf. Ich setze die Segel. Hauptsächlich, um zu sehen, wie gut man das Großsegel jetzt hinaufziehen kann. Sehr gut! Nur für die letzten paar Meter benötige ich die Winsch und die Kurbel. Leider ist der Zipferschluss am Lazybag kaputt. Es fehlen Zähne ca. in der Mitte. Er lässt sich trotzdem zuziehen. Und leider funktioniert der Traveller nicht perfekt. Die neue Leine ist etwas zu glatt und rutscht im Antal Line Driver.
Und leider geht es mit den Segeln nur knapp schneller als drei Knoten – zaach. Als die Genua nur mehr flattert, rolle ich sie ein und starte den Stbd. Motor. Das bringt immerhin zwei Knoten mehr. Als auf Höhe Leros NW der Wind wieder ganz weg ist, starte ich den Bb Motor und hole auch das Groß herunter. Das dauert keine zwei Sekunden.
Obwohl kein Wind sind recht große Wellen aus schräg hinten vom Wind weiter draußen. Nicht sehr bequem. An der SW-Ecke von Kalymnos kommt der Wind wieder ganz ordentlich von hinten, aber in Vlychadia ist es ruhig. Zwei Segelboote ankern schon da wo ich üblicherweise ankere, aber ich bekomme einen guten Platz auf 4,5 m Tiefe weiter drinnen in der Bucht.
Am Abend fahre ich natürlich ins Paradisio zum Abendessen. Wieder sehr gut, aber im Vergleich zu früher hat es abgebaut. Das neu entdeckte Zorbas auf Leros gewinnt klar.
21.06.2022 Dienstag
08:30 Kálymnos / O. Vlychádia Karte Abfahrt
08:46 Genua dazu
10:28 Genua weg
11:56 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:26 Strecke: 23,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,8 Knoten
Angenehme und schnelle Fahrt nach Kefalos.
Ich melde dem Demitris, dass ich da bin. Kurz darauf ruft er zurück und sagt, dass er um ca. 14:40 ankommen wird. Tut er auch und fängt gleich an, den Motor auszubauen.
Genau zwei Stunden später fährt er wieder ab. In der Zeit hat er den Motor und das Getriebe in Teile zerlegt und in sein klappriges Auto geschleppt. Als er das Getriebe zerlegt hat, sieht er sofort, welches Teil das nervige Singen verursacht hat, weil es verschlissen ist und erneuert werden muss. Alle anderen Teile wird er in seiner Werkstatt genau überprüfen.
Er erzählt mir noch, dass er seine Ausbildung zum Motormechaniker in einer Berufsschule in Deutschland gemacht und bei Ford gearbeitet hat. Deshalb spricht er recht gut Deutsch, meiner Meinung nach sogar besser als zuletzt. Und deshalb ist er hier wohl weit und breit der beste Motormechaniker.
Am Abend treffe ich mich in der Taverna Faros mit Michael Konz, der mit seiner Sioned schon seit ein paar Tagen in Kefalos ankert. Zuletzt haben wir einander am 8.10.2021 in Astypalea getroffen. Es ist wieder sehr nett, mit ihm zu plaudern und das Essen ist auch gut, wenn auch nicht wirklich besonders.
Obwohl der Wind immer noch nicht abgeflaut hat, bleibe ich windseitig längsseits an der Pier am Stammplatz. Es geht schon und im Vergleich zum 10/11. 6. 2022 sogar sehr komfortabel. Morgen will ich das Boot und das Schlauchboot ordentlich schrubben und die Wassertanks auffüllen.
Nebenbei: Heute ist also der Tag mit der längsten Sonnenscheindauer des Jahres, in Kefalos von 5:54h bis 20:35h = 14 Stunden, 41 Minuten und das ohne Unterbrechung.
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22.06.2022 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
Am Nachmittag ruft Dimitris an. Er hat schlechte Nachrichten. Der Motor muss zur Yanmar-Werkstätte in Athen geschickt werden. Er hat Schäden an der Kurbelwelle, die er nicht reparieren kann und die Kolbenringe sind undicht. Der undichte Simmerring an der Kurbelwelle wäre kein Problem für ihn gewesen.
Es wird also länger dauern und mehr kosten, er schätzt ca. zwei Wochen und ca. fünftausend Euro. Das tut weh, ist aber alternativlos.
Als er um 18 Uhr zum Boot kommt, zeigt er die Teile und erklärt, was nicht in Ordnung ist. Ich erkenne das nicht. Nachdem er den Motrenraum pipifein gesäubert hat, gebe ich ihn eine Anzahlung von 2.600 Euro – alles was ich an Bargeld in Reserve habe. Ich dachte, das würde für die Motorreparatur ausreichen…
Am Abend esse ich bei Romos in Santa Barbara.
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23.06.2022 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
Absolut windstiller Morgen. Ich gehe trotzdem nicht ins Wasser. Es ist zwar genau so klar wie am Anker, aber es widerstrebt mir, da zwischen Ausflugsboot und Kaimauer zu plantschen.
Mit dem Ablegen warte ich noch ab, bis das Charterboot mit den acht jungen Engländern vor mir abgelegt hat. Mit nur einem Motor möchte ich Platz genug haben.
Um 10:30h ist es soweit. Jetzt brauche ich nicht das Boot schräg stellen und reversieren, sondern kann langsam gerade aus fahren bis die Pier zu ende ist.
Ich ankere 200 m vor der Taverna Maria. Die Ankerwinde geht wieder nicht! Gut, hinunter geht der Anker immer, indem man die Kupplung löst. Da ich jetzt längere Zeit hier verbringen werde, habe ich hoffentlich genug Zeit, den Fehler zu finden. Es muss diesmal was anderes sein, was mit dem Wirken von Dimitris zu tun hat.
Nach vielen recht kühlen Tagen mit max. 25°C ist es heute wieder wärmer, 30°C im Masttopp, 35 im Cockpit. Ich finde das angenehm. Vor allem, weil das abkühlende Meer nicht weit ist.
Da alles Zeug, was sonst auf dem Motorenraumdeckel liegt, jetzt im Boot verstreut ist, nehme ich mir vor, alles durchzugehen, zu sortieren und sicher nicht Benötigtes wegzuschmeißen. Wird wohl ein paar Tage dauern.
Am Abend esse ich erstmals in der Taverna Maria. Ziemlich gut besucht von ziemlich vielen ziemlich dicken Menschen. Ist dann auch klar warum. Die Portionen sind riesig und die Preise niedrig. Von meinem Bifteki mit Pommes, Reis und Gemüse schaffe ich die Hälfte. Die andere lasse ich für morgen in einen Plastikbehälter einpacken.
24.06.2022 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Der Nachteil einer schönen windstillen Nacht ist, dass die Mücken sich trauen, 200 Meter über das Meer zu fliegen, um mich zu überfallen. Um eins wache ich von arg juckenden kleinen Pusteln auf den Armen auf. Ich hole das Einschmieren mit Mückenmittel nach aber gegen das Jucken hilft das nicht. Zum Glück vergehen die Stichergebnisse bei mir etwa binnen einer Stunde aber schlafen ist trotzdem nicht möglich. Die Biester umschwirren mein Gesicht. Also ziehe ich mir den Trainings- als Schutzanzug an und setze mich zum Computer.
Der Wetterumschwung kommt am Nachmittag mit viel Wind und viel niedrigerer Temperatur als gestern. Nicht so gemütlich. Das werden die Mücken wohl auch finden, So hat alles Vor- und Nachteile.
Die halbe Portion Bifteki von gestern reicht voll fürs Abendessen aus.
Der Absperrhahn der Dieselleitung beim Tank ist kaputt, schließt nicht. Dimitris hat zwar den abmontierten Dieselschlauch mit einem Bolzen und einer Schlauchklemme verschlossen, aber es tröpfelt heraus, wie ich heute bemerke. In der Bilge befindet sich gut ein Liter vom kostbaren Saft. Ich tausche den Bolzen gegen einen passenden Holzkegel, der genau für solche Zwecke gedacht ist. Es tröpfelt immer noch, aber sehr wenig. Der Schlauch muss irgendwie porös sein.
25.06.2022 Samstag
Kos / Kefalos, Kamari
So, Ankerwinde provisorisch repariert. Die Messungen ergeben dass die Relaisbox keinen Strom hat und daher nicht schalten kann, was ich vermutet hatte. Im Kabelhaufen bei der abmontierten Lichtmaschine muss die Zuleitung irgendwo sein, aber ich finde sie nicht. Daher mache ich im Ankerkasten ein Provisorium mit einem kurzen Kabel zwischen dem dickem Pluspol der Ankerwinde und dem Pluspol bei der Funksteuerungsbox. Das funktioniert.
Um die Füße wieder mal zu bewegen, gehe ich fast den ganzen Strand entlang und zurück. Immerhin knappe 3 km. Dann gönne ich mir ein 310-Gramm Filetsteak im Syney. Wirklich sensationell gut und sonst kaum wo zu bekommen. Die Musikberieselung mit Brazil- und Soft-Jazz ist ausnahmsweise auch angenehm – bis 21:30h. Dann wird „moderne Musik“ extrem laut aufgedreht. Ich flüchte.
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26.06.2022 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari
Rechtzeitig vor Sonnenaufgang wache ich auf, nehme ein erfrischendes Bad im Meer, mache mir einen Kaffee und setze mich ins Cockpit. Es ist herrlich, kaum Wind, 22°C, bis auf Gockelschreie in der Ferne ganz still. Als die Sonne über den Bergen von Kos aufsteigt, wird es ungemütlicher. Sie blendet zu sehr. Ich lege mich wieder in die Koje und schlafe noch ein paar Stunden mit irrwitzig wirklichkeitsbefreiten Träumen. Das ist bei mir üblich und ich genieße das.
Beim Sortieren der Plastikwanne mit diversen Reinigungs- und Schmiermitteln finde ich eine kleine fast leere Flasche mit Nagellackentferner. Da kommt mir die Idee, wie eine Sorge für immer gelöst werden kann. Nämlich die Sorge, dass das Benzin im Außenbordmotor während der Fahrt ausgehen könnte. Das war immer so eine Sache. Von außen sieht man nicht, wie viel Benzin im integrierten Tank noch drin ist. Und wenn man den Deckel abschraubt und durch die Öffnung hineinschaut, sieht man es auch nur dann, wenn der 1-Litertank ziemlich voll ist.
Und jetzt: Das Fläschchen mit ca. 0,1 l Benzin füllen, in einem Brillenetuisackerl ins Schlauchboot hängen und jede Fahrt ohne diese Sorge machen. Denn sollte der Tank tatsächlich leer werden und der Motor deswegen stoppen, ist das Reservebenzin an Bord. Die kleine Menge ist auf jeden Fall ausreichend, um an Land und wieder zurück zum Boot zu kommen. Idiotischerweise gibt die Betriebsanleitung keinen Hinweis darauf, wie viel Benzin der Motor tatsächlich verbraucht.
Am Nachmittag vertrete ich mir wieder die Füße. Diesmal nur von Sydney-Schwimmsteg in die andere Richtung zum Hafen und zurück, 1,6 km – die Bucht ist wirklich groß.
Statt Filetsteak gibt es am Abend griechische Würsteln und Kartoffeln an Bord. Auch gut.
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27.06.2022 Montag
Kos / Kefalos, Kamari
Das Um- und Aussortieren der diversen Werkzeugkisten und -boxen geht weiter. Heute vor allem das Elektrozeug, die Schrauben und die Kleben-Abdichten-Kiste.
Wie jeden Tag fahre ich mit einen Lidl-Sack zu den Mistkübeln. Heute gehe ich danach zum Captain John abendessen.
28.06.2022 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Vom Ordnung machen bin ich so beseelt, dass ich mit der Sonne aufstehe und gleich wieder damit anfange. Interessant, welche Dinge da zutage kommen. Ich überlege bei jedem Stück, wie oft es gebraucht wird und in welche Kategorie es fällt und wo es demnach am besten aufbewahrt wird. Undefinierbares oder Sachen, die wirklich schon obsolet sind zB die uralte manuelle Motorölabsaugpumpe und die von mir gebastelte Akkuschrauber-Ölabsaugpumpe – nachdem jetzt ein überlegener PELA Oilextractor an Bord ist – werden entsorgt.
Der Murphy wird schon recht bekommen. Aber viele Sachen können es nicht sein. Ich schätze das Verhältnis auf 1:250. Also 250 Sachen, die ich nicht wegschmeiße und die ich auch nie benötigen werde und eine Sache, die ich wegschmeiße und doch irgendwann benötigen würde.
Es ist echt mühsam. Gerade überlege ich was ich mit seinerzeit mühsam angeschafften hochqualitativen Eckenschützern für das Winter-Solarpanel machen soll. Das Panel gibt es nicht mehr. Wegschmeißen? Wenn nein, wo aufheben damit sie wiederauffindbar sind? Wofür könnten sie dann verwendet werden?
So geht das dauernd.
Übrigens ankert heute der Riesenkatamaran „Spirit of Adventure“ neben mir – 19 x 10 Meter! Also wer auf diesem Pott Abenteuer empfindet, muss schon ziemlich viel Spiritus intus haben.
Um 19 Uhr passiert Seltsames: Das große griechische Küstenwachschiff LS 050 steuert den Hafen an. Dann dreht es um und legt sich anscheinend auf die Lauer. Ein Lastschiff nähert sich. Auf Marinetraffic sehe ich, dass es die 190 m lange FREEDOM LINE mit MMSI 256991000 und maltesischer Flagge ist. Sehr langsam fährt sie in die Bucht und ankert ca. 1000 m östlich von mir. LS 050 pirscht sich heran und legt sich längsseits, leider auf der mir abgewandten Seite des Schiffes.
Ich rätsle was da los ist und schaue nochmals auf Marinetraffic nach. Am 16.6. hat das Schiff Southhampton verlassen und ist scheinbar jetzt auf Irrfahrt. Am Südostpeloponnes geankert, dann weiter, aber südöstlich von Kreta umgedreht und dann südöstlich von Rodos geankert und nun eben hier, siehe Screenshot.
Auf der Pier gehen immer noch einige Hafenpolizisten herum aber es sind drei Busse hinzugekommen. Dann wird mir klar: Das Schiff hat Flüchtlinge südöstlich von Kreta gerettet und hierher gebracht.
Um Mitternacht legt die FREEDOM LINE wieder sb und LS 050 an der Pier an. Leider kann ich nicht erkennen, was dort vor sich geht – ist ja auch fast einen Kilometer entfernt. Ich sehe nur viele Leute auf der Pier stehen, wahrscheinlich Schaulustige. Aber dann sehe ich doch Menschen, die irgendwas tragen, auf dem Weg vom Boot zu den Bussen, die ich nicht mehr sehe. Vor diesen hat sich blöderweise mittlerweile der Schlepper CHRISTOS XIV eingeparkt und verdeckt die Sicht.
Bei einem so spannenden Fernsehprogramm fahre ich natürlich nicht an Land, sondern mache mir Schinken Hörnli Hüttenschnack aus dem Packerl. Macht zumindest satt.
0:45h hat die FREEDOM LINE die Destination im AIS geändert auf Damietta in Ägypten. Möchte dort in 34 Stunden sein, falls nichts dazwischen kommt…
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29.06.2022 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
Nach elf Stunden ordnen, sortieren, aussortieren, beschriften kommt, Kurz gesagt, ein Lichtschimmer am Ende des Tunnels. Ich mache eine Inventarliste, damit man nachschlagen kann, wo was ist bzw. sein soll. Das kann man sich unmöglich merken in:
12 Werkzeugkisten
8 Plastikkisten
5 Plastikkoffern
4 Sortimentsboxen
3 Plastiksäcken
2 Wäschetonnen
… bisher in der Liste.
Um 18h mache ich Schluss damit. Baden im vom Wind aufgewühlten Meer, waschen, ans Land fahren, mit Ole und Annegret am Strand kurz plaudern, Mist ausleeren, Abwaschbürste, Käse und Griechenland Zeitung kaufen, abendessen in Captain John. Die Tochter bestätigt, dass es gestern eine Flüchtlichsaktion war, stand auf der Kos-Homepage.
Ole und Annegret sind aus Dänemark und haben den Fountaine-Pajot Katamaran Mahé „White Cat“, der auch den Standplatz bei Moor & Dock / Navmare in Partheni Leros hat. Von dort kenne ich sie.
30.06.2022 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
Seit einer Woche am selben Ankerplatz. Bis auf zwei Sachen ist er perfekt (solange der Wind nicht aus Ost bis Süd kommt): Die nächtlichen Mückenattacken bei Windstille und die morgens und vormittags immer wieder auftretende Wind-Wellenkonstellation. Gestern und heute wieder kommt der Wind aus Nordwest und die Wellen aus Nordost. Obwohl sie ganz klein sind, wackelt das Boot deppert. Wenn der NW-Wind nachmittags zunimmt, renkt sich das wieder ein.
Naja, die nachmittags vorbeizischenden Windsurfer und Touristenbelustigungsgeräte sind auch nicht angenehm, aber mir mittlerweile wurscht.
Eine Heckplattformleiste ist gebrochen. Es war zu erwarten, denn die Leisten sind schon sehr abgenützt. Die spanische Holzarbeit der Plattform (sie war schon beim Bootskauf vorhanden) ist sowieso schlecht. Nicht alle Leisten sind durchgängig, sondern zwei mittendrin gestückelt. So eine Stelle habe ich am 12.8.2012 mit einem Holzkochlöffel repariert. Hält immer noch (sieht man auf dem Bild). So ähnlich werde ich das jetzt an der gebrochenen Stelle mit einem voriges Jahr auf Lipsi vor einer Tischlerei ergatterten Holzstück machen. Dafür muss sich aber der Wind beruhigen, damit ich im Schlauchboot liegend von unten schrauben kann. Jetzt habe ich mal ein altes Schneidbrett darauf gelegt (man soll nichts wegschmeißen, was man vielleicht irgendwann brauchen kann…).
Eine Neubeplankung der Plattform ist aber unbedingt notwendig. Christian meinte, das könnte ich doch selbst machen. Ja schon, hätte ich das Material, die Werkzeuge und die Zeit dafür. Es wird also eine Winterarbeit für die Werft werden. Was Besseres als die Spanier werden die hoffentlich zustandebringen, wobei ich mir da nicht sicher bin…
Heute gibt es wieder das griechische Würstelmenü an Bord, mag nicht an Land fahren.
Die heutige Wurst „Creta Farms country sausage with herbs“ ist eine große 30 cm lange, 3 cm dicke (nachgemessen) und eine wirklich gute.
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01.07.2022 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Die Heckplattform ist wieder gefahrlos begehbar. Die Brettreparatur ist nicht schön, aber das ist bei der Plattform ganz egal. Zum Anschrauben habe ich „DRIBO Terrassenschrauben RUPERT SILBER mit Fräsrippen“ aus einer kleinen Musterpackung verwendet. Ich wusste ja, dass ich die irgendwann für irgendwas brauchen würde…
Am Abend fahre ich zum Sydney-Schwimmsteg, gehe aber zum Cousin des Sydney-Inhabers essen, also zum Romos ins Santa Barbara. Der hat keinen Steg mehr zum Anlanden.
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02.07.2022 Samstag
Kos / Kefalos, Kamari
In der Nacht rebelliert das rechte Knie wieder mal. Erst nach Einnahme einer Ibumetin-Kapsel kann ich schlafen. In der Früh sind die Schmerzen nicht mehr da. Gerne würde ich wissen, warum das so ist. Immerhin war die Knieoperation schon vor mehr als 9 Wochen.
Also ich werde kein frisches Brot mehr kaufen. Am nächsten Tag ist es nicht mehr frisch. Nach ein paar Tagen ist es hart oder verschimmelt. Da habe ich höchstens die Hälfte gegessen. So ein Stück gerade wieder den Fischen überlassen. Abgepacktes Brot hingegen hält monatelang, weil es Konservierungsmittel enthält. Das gibt es in praktisch jedem Supermarkt auch als Roggenmischbrot und Roggenvollkornbrot fertig in Scheiben – praktisch und schmeckt mir auch besser.
Käse in Scheiben von der Feinkosttheke geschnitten werde ich auch nicht mehr kaufen. Nach kurzer Zeit kleben die Scheiben so zusammen, dass es ein einziger Klumpen ist, den man kaum bearbeiten kann.
Und weil ich schon dabei bin: Dosenbier kaufe ich auch nicht mehr. Es ist sehr teuer. Zuletzt für 6 x 0,33 l € 5,60 bezahlt, also € 1,40 per 0,5 l. Dagegen ist Gspritzte trinken billig, 1,5 l leichter trockener Weißwein in der Plastikflasche + 1,5 l Kohlensäurewasser (heißt hier „anthrakukos“) ca. 3,60, also € 0,60 per 0,5 l.
Mein neues Lieblingsgetränk ist aber ohnehin Schweppes Tonic gespritzt. Die 0,33 l Dose ist zwar noch teuerer als das Bier, aber davon gehen sich drei große Gläser Spritzer aus. Ist nicht so süß und schmeckt angenehm erfrischend.
Weil gestern die Heckplattformreparatur gut geklappt hat, sichere ich vorsorglich auch die übrigen Durchbruchskandidaten. Die entwickelte Methode klappt bestens: Die Latte unter den Plattformlatten fest anbändseln, von oben bohren und lange Holzschrauben hinein drehen, Bändseln weg, fertig. Terrassenschrauben habe ich keine mehr, aber in der Schrauben-Werkzeugkiste finden sich andere passende.
Nach 20 Jahren Basteln auf dem Boot finde ich eine einfache Lösung auf das ständige Problem „wohin mit dem Werkzeug und den Utensilien, die man für die Arbeit braucht, damit sie nicht ins Wasser fallen?“: Einen kleinen rechteckiger Kübel, den ich vor ein paar Jahren bei Künstlerbedarf Boesner in Wien gekauft habe, als Werkzeugträger benützen! Naja, es hätte auch ein anderer Kübel sein können, aber Größe und Form sind für den Zweck optimal. Kann man auch mit dem Bändsel irgendwo aufhängen bzw. sichern. Er bekommt auch eine wohlverdiente Beschriftung.
Ordnen, beschriften und Inventarliste schreiben geht weiter. Am Abend mag ich nicht an Land und so gibt es Uncle Ben’s Risotto Hühnchen & Pilze. Sehr fein im Geschmack = schmeckt nach gar nichts. Aber mit weißem Pfeffer schmeckts nach weißem Pfeffer und passt. Morgen werde ich mir dafür wieder ein Filetsteak im Sydney gönnen.
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03.07.2022 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari
Wieder ein wackeliger Morgen, weil der Wind genau aus Nord kommt, die Wellen aus Nordost. Wird sich am Nachmittag beruhigen. Bis dahin ist es besser, irgendwo sitzen oder liegen zu bleiben.
Das Wasser im kleinen ca. 170 l Tank ist aus. Hat also für 10 Tage gereicht. Eh üblicher Schnitt mit Wasserverbrauch 17 Liter pro Person und Tag. Das bringt mich auf die Idee, den Gardena Wasserzähler AquaCount, der bisher für das Befüllen der Tanks verwendet wurde, als Verbrauchszähler zu installieren. Jahrelang hat es ja einen Haushalts-Wasserzähler in der Ansaugleitung gegeben. Der hat aber nie richtige Werte gezeigt. Trotz der Wackelei mache ich das sogleich (mich eh nur zwei Mal irgendwo angehaut). Gleich nach der Pumpe in der Druckleitung sollte der Zähler schon richtig funktionieren. Er hat auch den Vorteil, dass man ihn nach dem Volltanken auf Null stellen kann. Sobald also die beiden Tanks ein Mal von voll auf leer durchgeronnen sind und man abgelesen hat, wie viel das war, müsste man immer nachsehen bzw. nachrechnen können, wie viel Wasser ziemlich genau noch übrig ist. Seit 20 Jahren ein Wunsch von mir, aber mit dem alten Zähler und der alten Pumpe hat das eben nie richtig geklappt.
Um eins ist der Wind wieder normal und ich kann meine zwei Sonntagsfrühstückseier kochen.
Dass heute Sonntag ist und die griechischen Schulferien angefangen haben, merkt man deutlich. Auf dem Wasser ist viel mehr los als in den letzten Tagen. Die knapp am Boot vorbeiknatternden Windsurfen stören mich nicht. Sollte wer ins Boot krachen, gibt es höchstens eine Delle am Rumpf. Und Wellen machen die auch nicht. Aber die Motorboote, die alles mögliche nachschleppen, worauf sich kreischende Jugendliche festhalten, fahren heute sehr knapp vorbei. Am ärgsten ist ein Jetskifahrer, der mit rasender Geschwindigkeit mitten durch das Feld der ankernden Segelboote donnert. Und natürlich muss heute das tägliche Piraten-Ausflugsboot ganz nah vorbeifahren und die Blodughadda in seinen Wellen schaukeln lassen.
Am Abend fahre ich wie geplant auf ein Filetsteak ins Sydney. Wieder hervorragend obwohl dieses Mal deutlich kleiner als zuletzt. Ist aber vollkommen ausreichend. Über den Preis, 26 Euro, sinniere ich: So viel wie 13 Liter Diesel in etwa. Damit könnte man mit den Motoren ca. 3,5 Stunden oder ca. 21 Seemeilen weit fahren. Also eine durchschnittliche Tagesetappe. Da ich ja nun seit Tagen auf demselben Platz ankere und den Restmotor nicht einmal gestartet habe (dank der Solarpanele), könnte ich die restlichen Wartetage auf den Bb Motor jeden Tag Beefsteak essen und hätte trotzdem weniger ausgegeben. Werde ich aber nicht machen…
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04.07.2022 Montag
Kos / Kefalos, Kamari
Absolut ruhige Nacht und ruhigeer Morgen, herrlich! Nach dem (späten) Morgenschwimm mit Abduschen checke ich den Wasserverbrauch der letzten ca. 24 Stunden: 16,9 Liter. Das kommt ja gut hin.
Nektarinen werde ich auch nicht mehr kaufen. Das Fruchtfleisch klebt so sehr am schrumpeligen Kern, dass Stücke fürs Schokomüsli abschneiden eine Qual ist. Obstmäßig nur mehr Bananen!
Frühabends an Land fahren, Mist ausleeren, Geld vom Bankomat holen (die Gebühr ist beim Bankomat der Piräus Bank 3 Euro, beim Euronet-Bankomat 3,95 jeweils für 390 Euro, zum Piräus-Bankomat muss man bis zur Hauptstraße gehen), beim Captain John die Aussicht genießen und essen, im Kefalos Market einkaufen und zurück zum Boot.
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05.07.2022 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Um 10:30h legt die SIRIOS CEMENT VI nach zwei Tagen vom Pierkopf ab. Kurz danach lege ich an den Nordseite an, um die Wassertanks zu füllen. Vor allem will ich ja mit dem neue installierten Wasserzähler herausfinden, wie viel Wasser vom großen Tank wirklich nutzbar ist. Ich fülle also diesen auf. Als ich auch den kleinen füllen will, hört das Wasser zu rinnen auf. Aus dem Wasserhahn an der Pier kommt kein Tropfen mehr heraus! Das war hier noch nie der Fall.
Na gut, mit dem gebunkerten Wasser werde ich gute zwei Wochen auskommen.
Ich ankare zur Abwechslung im N der großen Bucht. Viel Unterschied ist da nicht, außer dass die anderen Ankerlieger weit weg sind und man einen schönen Blick auf das markante Inselchen Kastri (oder Ag. Nikolaos oder Paleokastro…) hat.
Das Restaurant Hippokrates ist hier in der Nähe, bekannt für gute Pizzas. Probiere ich am Abend aus. Tatsächlich schmeckt mir die „Al Kapone“ sehr. Auch eine Abwechslung.
Dieses Jahr neu: Windsurfer schweben über dem Wasser auf einem Tragflügel.
06.07.2022 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
Um 16 Uhr schalte ich die Instrumente ein und staune nicht schlecht: Wassertemperatur 19,6 °C! Deshalb also war das Morgenbad heute besonders erfrischend. Lufttemperatur 25 °C und Wind zwischen 15 und 25 Knoten, wie üblich am Nachmittag.
Und wie üblich sind die Batterien um 16 Uhr knallvoll. Die Solarpanele zahlen sich jetzt wirklich aus.
19 Uhr: Luft 23 °C, Wasser 20,5, Wind 10 Kn, herrliches Licht der untergehenden Sonne. Es gibt griechisches Würstelmenü. Dann lege ich mich kurz zum Verdauen in die Knotzecke – und wache vier Stunden später auf.
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07.07.2022 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
In der Nacht viel Wind, am Tag viel Wind und Wassertemperatur 18,8 °C! Wenn es so weiter geht, friert das Meer in drei Wochen zu.
08.07.2022 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Nach dem gestrigen Hamburger in Bar & Grill MY PLACE, nicht schlecht aber wehr windig, gibt es heute am Abend Spätzle in Gulaschsaft. Dazu schneide ich Radln von der letzten griechischen Wurst. Wird wirklich gut.
Danach Kreuzworträtsel lösen mit Martin bis spät in die Nacht.
09.07.2022 Samstag
Kos / Kefalos, Kamari
Nach vielen Tagen ist in der Früh kaum Wind. Wie jeden Morgen studiere ich die Wind- und Wetterprognosen von vier verschiedenen Internetseiten. Alle sind gleich: Heute noch wird der Wind zunehmen und dann die nächsten sieben Tage so stark werden wie die letzten sieben Tage. Naja, zumindest wird er die Richtung nicht ändern.
Um 11 Uhr ist es soweit. Der NW Wind nimmt auf ca. 20 Knoten zu. In den Kykladen, wo es meistens mehr Wind gibt als im Dodekanes, ist laut Wetterkarten seit Tagen kaum Wind und auch kein starker zu erwarten. Seltsam. Ich werde trotzdem hier bleiben, bis der Bb Motor wieder eingebaut ist. Bisher habe nichts Neues von Dimitris gehört.
Um 14h ist plötzlich Flaute. Der Himmel bewölkt sich. Die Meeresfarbe wechselt von blautürkis auf silbergrau. Binnen kurzer Zeit sind viele Stand-Up-Paddler unterwegs. Ich überlege schon, ob ich die Drohne fliegen lassen soll, um endlich ein Foto vom ankernden Boot zu machen. Aber ich traue dem Frieden nicht und mache stattdessen Ordnung bei den Seilen im Ankerkasten (7 Stück zum Entsorgen aussortiert!). Kaum habe ich damit angefangen, wacht der Wind wieder auf – und wie! Binnen 15 Minuten bläst er mit über 20 Knoten, vertreibt die Wolken und bringt die überraschten Windsurfanfängerinnen in Bedrängnis. Das Rescue Boat hat viel zu tun, diese wieder an den Strand zu schleppen. Die Könner und eine Könnerin (man beachte das perfekte Gendering) rasen wieder im 45° Winkel zum Brett im Segel hängend knatternd durch die Wellen knapp am Boot vorbei.
Mir sind die Anfängerinnen lieber. Sind auch hübscher…
Am Abend darf es wieder ein Landgang sein mit Mist ausleeren, etwas einkaufen im Supermarket Oasis und essen in der Taverna Kastri. Die ist wirklich in Ordnung. Aber der Blick auf die schöne ankernde Blodughadda als einziges Boot davor ist das Beste.
10.07.2022 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari
Nicht viel los außer das Übliche: Viel Wind.
Nach dem Abendessen (Keftedes aus der Dose mit Erdapfel) ruft Dimitris an. Der Motor ist fertig, er wird morgen ca. zu Mittag in Kefalos ankommen.
11.07.2022 Montag
Kos / Kefalos, Kamari
Kurz vor Sonnenaufgang um 6h wache ich auf. Eine halbe Stunde später bin ich schon auf dem Weg zur Pier. Denn der Wind ist noch schwach, was für das Anlegen mit nur einem Motor günstig ist. Laut Prognosen kann er jederzeit ordentlich zunehmen. Kaum liegt das Boot längsseits, geht der Wind tatsächlich wieder ordentlich los und bringt zwar kleine aber nervige Wellen.
Die PANAGIAEVAGGELISTRIA legt vor mir an. Das ist das fahrplanmäßige Verbindungsboot zwischen Nisyros, Kos, Tilos und Rodos. Ich darf mich erstmals als Leinenhelfer für ein Linienschiff betätigen – nicht schwer. Ich weiß, dass der Kapitän dieses Schiffes der Sohn des Captain George in Pali Nisyros ist, der Kapitän auf dem Vorgängerverbindungsboot war. Ich warte noch ab, ob er sich zeigt. Tut er und wir plaudern eine ganze Weile. Er ist Jahrgang 1990 und sehr sympathisch und fesch. Leider habe ich seinen Namen vergessen, aber nächstes Mal in Pali frage ich danach.
Meine ausgemusterten Seile schenke ich dem Kapitän des Ausflugsbootes KEFALOS, das immer ganz innen längsseits an der Pier liegt, also ca. 15 Meter hinter dem Stammplatz der Blodughadda. Kann sicher nicht schaden, denke ich.
Dimitris kommt um 12:40 in einem Mazda RX8, mit dem Motor auf dem Beifahrersitz! Dieser und alle seine weiteren Teile sind superschön silberfarben lackiert. Zehn Minuten später hat er alles ins Cockpit getragen und fängt mit dem Montieren an.
Um ca. 16h ist er fertig, der Motor rennt. Aber der Drehzahlmesser zeigt nichts an und der Vorwärts- und Rückwärtsgang lassen sich nur sehr schwer einlegen. Nach weiteren 20 Minuten passt alles.
Wir fahren mit seinem Sportwagen zum Bankomaten hinauf nach Kefalos, weil der der Piräusbank außer Dienst ist. Ich brauche noch 600 Euro, um die Motorreparatur bezahlen zu können. Die 2 x 300 erhalte ich in 30 Stück 20-Euroscheinen. Der EiTiEm (Bankomat auf Griechisch, steht ja auch ATM drauf) hat wohl wie so oft nichts Größeres drin. Zurück beim Boot übergebe ich ihm 2.400 Euro als einen Haufen Scheine, die nachzuzählen eine Weile dauert obwohl eh auch 26 Fünfziger dabei sind.
Gerne würde ich mit ihm auf ein Getränk oder Essen gehen, aber er muss heute noch den Motor eines Touristenausflugsbootes in Kos Stadt reparieren.
Ich denke mir, dass ich jetzt nicht fünf Tausend Euro ärmer bin, sondern sie gegen einen quasi neuen Motor und neues Getriebe getauscht habe. So klingt das angenehmer.
Etwas später gehe ich zum Cavos auf ein Bifteki und danach fülle ich den kleinen Wassertank und spritze den Staub vom Boot. Dazu muss ich ca. 60 Meter Schlauch legen, weil der Wasserhahn direkt neben dem Boot ja nicht mehr funktioniert. Der für die Ausflugsboote natürlich schon, aber der ist eben in der Nähe von denen.
Als ich fertig bin, ist es schon finster und ich beschließe die Nacht an der Pier zu verbringen. Die ist aber auch ein beliebter Treffpunkt für die Jugendlichen, die ab ca. 22:30h lautstark eintrudeln. Natürlich müssen die Buben auch vorführen, wie toll sie auf ihren heulenden Mopeds fahren können.
Ich gehe auf ein Ouzo ins neue Lokal gleich neben dem Minimarket.
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12.07.2022 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Gleich nach Sonnenaufgang studiere ich schon die Windprognosen. Bis Freitag wird der Wind so stark sein, dass ich besser noch hier am Anker bleibe. Also lege ich ab und werfe den Anker 200 m direkt vor dem Sydney-Schwimmsteg. Auf der kurzen Strecke stirbt der neu installierte Motor drei Mal ab! Das erste Mal gleich beim Ausparken, was das Manöver ziemlich stört, dann auf der Fahrt und dann beim Ankern. Er lässt sich aber immer sofort wieder starten.
Ich denke und hoffe, dass das Dieselsystem noch nicht vollständig luftfrei ist und lasse den Motor noch eine Weile auf 1500 RPM laufen. Dabei schwankt die Drehzahl anfangs bis sie sich stabilisiert. Das muss ich noch ein paar Mal testen bevor ich mich außer Reichweite von Dimitris begebe. Also ist es ja gut, dass ich noch hier bleibe. Der Ankerplatz gefällt mir ja sowieso.
Die gestrige Schlauchaktion inspiriert mich zu einer Schlauchinventur. Ich räume alle Wasserschläuche aus dem Ankerkasten, messe sie ab, beschrifte sie, wische sie ab, rolle sie auf und fixiere die Rollen mit jeweils zwei Bändseln. Die acht Schläuche zwischen 7 und 34 Meter haben insgesamt 130,5 m Länge. Gestern waren 65,5 m im Einsatz – hätte ein paar Meter weniger sein können. Also das nächste Mal so Wassertanken in Kefalos: 24 m gelb, 16, 15 und 8 m grün = 63 m.
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13.07.2022 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
Der Wind ist wirklich ätzend. Sogar den Windsurfern dürfte er zu stark sein. Aber gerade deswegen bin ich ja noch hier. Für übermorgen sieht es gut aus mit nordwärts fahren.
Am Abend ist es draußen so kalt und grauslich windig, dass ich meine Nudeln drinnen esse während ich die gestrige Diskussion zwischen Lanz und Precht im ZDF anschaue.
Ich war auch gar nicht im Wasser heute. Aber den Ankerkasten habe ich zumindest fertig in Ordnung gebracht. Dabei auch den alten total rostigen Delta-Anker weggeschmissen.
Nur der Vollmond ist schön.
14.07.2022 Donnerstag
10:15 Kos / Kefalos, Kamari Karte
Zeit unterwegs: 16:28 Strecke: 1,4 Seemeilen Ø Fahrt: ,1 Knoten
6:45h ist fast kein Wind, das Wasser hat fast 22°C, also nichts wie hinein.
Zur Mittagszeit ruft Dimitris an und erkundigt sich, wie es dem Motor geht. Ich erzähle ihm von den Aussetzern. Er sagt, ich soll nochmals den Motor etwas laufen lassen und ihn dann anrufen. Tatsächlich läuft der Motor nicht ganz rund und verliert immer wieder ein paar Hundert Umdrehungen. Ich berichte ihm das und er sagt, dass er heute noch nach Kefalos kommen wird.
Um 16h kommt er zum Sydney-Schwimmsteg, wo ich ihn mit dem Schlauchboot abhole. Er schraubt kurz am Motor und danach läuft er prima. Es war wirklich noch Luft im Dieselsystem.
Ich bringe ihn zurück und er versichert, dass ich ihn jederzeit anrufen kann, falls es ein Motorproblem gibt. Klingt als ob er mich mögen würde. Kann schon sein, aber mein Bargeld mag er sicherlich auch.
18h: Was für ein Unterschied zu gestern! Eine laue Brise, 24°C im Wasser, 30 im Cockpit (gestern 22). Da ist eine ordentliche Körperwäsche samt Rasur draußen ein Vergnügen (gestern nur Katzenwäsce drinnen).
Mittlerweile habe ich das FileMaker-Blogbuch so umprogrammiert, dass der Wasser- und Dieselverbrauch sehr übersichtlich und einfach zu handhaben ist. Der Gardena-Literzähler funktioniert anscheinend bestens und ich habe gerade festgestellt, dass die „Waschorgie“ ganze 4,8 Liter benötigt hat. Naja, meine Haarpracht braucht nicht allzu viele Spülungen…
Zum Abschied von Kefalos fahre ich nochmals auf ein Steak ins Sydney. Diesmal nehme ich ein Rumpsteak. Der ist zwar größer und fünf Euro günstiger als das Filet, aber mit Knochen und weniger als fünf Euro weniger wert.
Dann Vorräte einkaufen in Kefalos Market, ich weiß ja nicht, wann ich das nächste Mal in die Nähe von einem Geschäft komme. Kurz nach 21h bin ich zurück auf dem Boot und schwitze vom Einkaufstaschentragen. Ich nehme das fünfte Meeresbad heute bei immer noch fast Windstille aber einer seltsamen Dünung aus Ost. Es ist total bewölkt. Der Vollmond steigt glutrot über den Horizont und verschwindet gleich wieder hinter die Wolken. Es ist schon faszinierend, wie schnell sich das Wetter ändern kann und auf dem Boot beobachtet man das natürlich viel genauer als in der warmen Stube.
23h: Wetterleuchten! 30 Minuten später regnet es! Nicht viel aber hörbar. Eine Stunde später hört man auch Gewittergrollen in der Ferne und es tröpfelt immer noch. Sowas gab es Mitte Juli hier noch nie, Klimawandel!!!
15.07.2022 Freitag
09:28 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
13:40 Kálymnos / Pothia Tankstelle Karte Ankunft
14:07 Kálymnos / Pothia Tankstelle Karte Abfahrt
14:56 Kálymnos / Aktí Bucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:01 Strecke: 27,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten
Bevor ich los fahre schwimme ich zum Loggengeber und putze ihn mit einer alten Zahnbürste. Er hat einen 3 cm langen Bart. Bei windstille und mittlerweile klarem Himmel fahre ich los mit dem Bb Motor nur aus 2.100 RPM. Dimitris sagte, man müsse ihn jetzt einfahren wie einen neuen Motor mit max. 2.200 RPM. Und das nervige Singen aus dem Getriebe ist weg, endlich!
Als ich 45 Minuten später um die Kos Südspitze biege, kommen ordentliche Wellen entgegen obwohl der Gegenwind nur mit 12 Kn bläst. Wohl wieder weil 20 sm weiter ein kräftiger Wind weht.
Um 11:30h bin ich beim Wegpunkt Kos NW und nehme Kurs auf die Tankstelle in Kalymnos. Vom Wind her wäre es möglich, die 13 sm zu segeln. Bei der irren Wacklerei traue ich mich aber nicht aufs Deck zu gehen, schon gar nicht allein im Boot.
Fürchterliche Fahrt mit argen seitlichen Wellen. Sogar den Wasserkessel auf dem Herd hauts um. Erst 15 Minuten vor der Tankstelle wird es ruhig, aber wirklich!
Bei der Revoil-Tankstelle (die man nicht als solche erkennen würde, wenn mans nicht wüsste) ist niemand. Ich rufe +30 697 8111921 an. Ja der Giorgios ist eh im Büro und wird gleich herunterkommen und mir beim Anlegen helfen. So ist es und nach kurzer Zeit kann ich um 225 Euro erleichtert mit 105 Liter Diesel mehr im Tank wieder abfahren. Also Preis per Liter 2,14. Eigentlich wäre er 2,16, aber Giorgios gibt mir einen Fünfer auf 230 zurück. Bankomatzahlung geht hier nicht. Dafür kostet es weniger als anderswo, in Pali / Nisyros vom Tankwagen angeblich 2,40 per Liter.
Ich habe vor, in die Palionisos Bucht zu fahren. Aber nach Umrundung des SE-Kaps von Kalymnos kommen Wind und Wellen schon entgegen. Von der Schaukelei habe ich heute schon genug und biege in die Akti Bucht ein. Am 6.9.2019 war ich mit Herbert und Silvia schon mal hier. Es gefällt mir jetzt etwas besser vor allem, weil kein anderes Boot hier ankert und der Wind ganz schwach ist. Das Wasser ist immer noch so trüb, dass man beim Schnorcheln den Anker auf 5m Tiefe kaum sieht, aber immerhin genug, um zu sehen, dass er bestens im Sand eingegraben ist.
Am späteren Nachmittag kommen Fallwinde aus dem Scheitel der Bucht, wahrscheinlich weil der Wind allgemein mehr auf West gedreht hat. Fliegen gibt es hier außerdem zuhauf. Also länger als bis morgen früh werde ich hier nicht bleiben. Insbesondere, weil das Internet mit EDGE praktisch gar nicht funktioniert.
16.07.2022 Samstag
06:29 Kálymnos / Aktí Bucht Karte
09:56 Léros / Lakkí Kuluki Karte
Zeit unterwegs: 03:27 Strecke: 16,7 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten
Um 6h starte ich die Motoren und beginne mit dem Ankeraufholen. Aber Käptn wir haben ein Problem! Die Ankerkette hat sich um ein Uraltanker eines Fischerbootes gewickelt. Da gilt es zu überlegen, wie man den los wird. Mit drei Leinen gelingt es und ich kann eine halbe Stunde später losfahren. Nie wieder diese Bucht!
Eigentlich wollte ich in die Palionisos Bucht aber ich fahre daran vorbei. Einerseits sind die Wellen jetzt für eine Weiterfahrt nordwestwärts moderat. Andererseits weiß ich, dass es mich traurig machen würde zu sehen, was aus dem früher stillen Paradies geworden ist. Und der Nikolas würde nur jammern, was alles schlecht geworden ist. Und Mobilfunk gibt es dort auch kaum. Kuluki lockt.
In Kuluki schmeiße ich den Anker 40m vor dem Strand, näher geht es nicht. Je näher desto windgeschützter. Es ist jetzt wunderbar, absolut keine Wellen, eine ganz leichte Brise, schön warm. Ich lege mich auf das Cockpitbett (die Knotzecke durch einen Schaumstoffmatratzenteil sehr bequem geworden) und schlafe sofort ein.
Der Abend ist wunderschön. Ich mag ihn auf dem Boot genießen und koche mir Hörnchen mit Keftedes.
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17.07.2022 Sonntag
Léros / Lakkí Kuluki
Gestern schon vor halb elf auf dem Cockpitbett eingeschlafen und bei Sonnenaufgang aufgewacht. Wie jeden Sonntag Frühstück mit zwei weich gekochten Eiern.
10:41h die letzte (hoffentlich) Akti-Fliege derklatscht. Oder war es schon eine hiesige? Hoffentlich nicht. Ich muss einen neuen Pracker kaufen.
Gut, dass ich gestern den Abend auf dem Boot genossen habe. Denn heute um 16h hat der Tankstellenversorgungstanker EKO 2 angelegt. Der wird sicher bis morgen Nachmittag da bleiben und seinen Generator 140 m entfernt brummen lassen. 200 m in die andere Richtung ankert ein Riesenmotorkatamaran, eine Lagoon 78 mit türkischer Flagge, auf dem ein Remmidemmi um 18h anfängt. Und heute kommen ausnahmsweise blöde Fallwinde daher. Doch nicht immer perfekt hier.
Ich fahre ans Ufer und gehe ins I Thraka auf ein Kotobeikon Pita. Für € 3,20 wird was geboten aber nicht ganz ausreichend. Daher noch ins Morano auf ein Schinken-Käse Toast um € 2,50. Das reicht dann. Dabei sehe mir die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2022 im Fernsehen an. Die Siebenkämpferinnen gefallen mir besser als die Hammerwerferinnen…-
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18.07.2022 Montag
Léros / Lakkí Kuluki
Manfred und Nora Müller kommen zu Besuch. Sie ankern mit Landleine im W-Teil der Kuluki Bucht mit ihrer Cara Mia. Wir plaudern eine Weile, was sich so ergeben hat seit unserem letzten Treffen am 10.9.21 und tauschen Telefonnummern aus.
Ich packe zwei Lidl-Taschen voll mit Wäsche, 11 kg mit der Kofferwaage abgewogen. Mit diesen und einem weiteren voll Müll fahre ich mit dem Schlauchboot in sechs Minuten zum Betonanleger quasi mitten in der Stadt. Das ist schon sehr praktisch hier. Von dort ist die Wäscherei Efraim zu Fuß in auch etwa sechs Minuten zu erreichen. Dieser Familienbetrieb ist mir sehr sympathisch. Sehr freundliche Laute und sehr aufgeräumt. Am Mittwoch Abend bekomme ich die Wäsche gewaschen und getrocknet wieder.
Dann noch etwas einkaufen und essen wieder in I Thraka, diesmal eine ausreichende Portion Bifteki.
Um 14:46h verließ der Tankstellenversorgungstanker EKO 2 den Hafen. Um 21:50h legt sein Pendant ZEFYROS vom Konkurrenzunternehmen ELIN an, wohl um die zu dieser Firma gehörigen Tankstellen per Tankwägen, die an Bord mitgeführt werden, zu versorgen. Das ist krank! Auf Leros kenne ich nur fünf Tankstellen, zwei EKO, zwei ELIN und eine BP. Ein Schiff würde voll ausreichen, um die alle zu beliefern und würde die Kosten für Anfahrt und Hafengebühr des zweiten ersparen. Die garantiert nicht gering sind für ein 80 m Schiff mit Minimum acht Mann Besatzung. Offenbar können die sich nicht auf einen gegenseitigen Lieferpreis einigen. Wie es ihn für die BP Tankstelle geben muss, weil BP keine eigenen Schiffe hat, die die griechischen Inseln abklappern.
Oder vielleicht hat der eine nur Diesel und der andere nur Benzin geladen, aber das glaube ich nicht.
19.07.2022 Dienstag
Léros / Lakkí Kuluki
Trotz des Lärms vom Zefyros schlafe ich gut auf dem Cockpitbett bis zum Sonnenaufgang. Um 9:22h legt das blöde Schiff ab und dann folgt ein typisch schöner und ruhiger Kuluki-Tag ohne Windböen. Aber die Wassertemperatur ist nicht typisch für den 19. Juli: In der Früh immer unter 20°C und am Tagesende maximal um die 22. Ich kann mich nicht erinnern, dass das Meerwasser Mitte Juli jemals weniger als 24°C gehabt hätte. Und das seit Wochen und ja nicht nur hier. Ich denke schon, dass der Geber unter dem Bb-Rumpf falsche digitale Daten liefert und messe um 18:30h mit dem analogen Thermometer nach: 19,5°C! An der Wasseroberfläche! Kliiimawandel!!!
Das Pfadfinderlager am Ufer veranstaltet täglich abends was für die Jugendlichen und man hört, dass es ihnen gefällt. Das stört mich nicht im Geringsten, sondern es erfreut mich, dass es sowas noch gibt. Bei Sonnenuntergang hören sie eh auf damit.
Vor dem Zähneputzen ist der Wassertank 1 leer. 181,7 Liter hat er hergegeben. Ich hatte den Tank auf 45 Liter mehr geschätzt. Der letzte Liter ist eine braune Lure. Also hat die Werft im Winter den Tank zwar ausgebaut und die Anschlüsse richtig gemacht, aber den Tank nicht wie vereinbart gereinigt. Solche Scheißer!
Bevor ich auf den Tank 2 umschalte, will ich den Feingitterfilter vor der Pumpe reinigen. Er ist ganz braun. Beim Hersteller Marco haben die den so fest zugeschraubt, dass ich ihn nicht öffnen kann. Solche Idioten! Erst als ich auf die Idee komme, den Motorölfilterschlüssel und den Boa-Drehverschlussöffner einzusetzen, springt er mit großer Kraftanwendung endlich auf. Und wenn ich schon dabei bin, baue ich den JABSCO Feinfilter in die Saugleitung auch noch ein.
Also sind jetzt zwei Filter hinter einander vor der Pumpe = doppelt fein gesiebtes Wasser.
20.07.2022 Mittwoch
Léros / Lakkí Kuluki
Vormittags FM-Blogbuch programmiert, nachmittags 1bisX Kunden betreut, abends Wäsche abgeholt und wieder in I Thraka gegessen (zum letzten Mal).
21.07.2022 Donnerstag
Léros / Lakkí Kuluki
Wieder Arbeit für Hausverwaltungsprogrammkunden und Angebotserstellung für die Laufen-Preisliste 2023 für Deutschland, heute bei wunderbarem Wetter.
Am Abend fahre ich zum Stadtanleger, gehe zum famosen Hardwarestore Andreas Kritikos und kaufe Schlauchklemmen 12-22 mm auf Reserve ein. Danach gehe ich in 35 Minuten weiter nach Panteli zum Abendessen ins Zorbas. Obwohl es nur entlang der Straße geht, genieße ich den Weg. Mal Zeit zu sehen, was es links und rechts so gibt, u.a. ein elegantes Tee- und Kaffeegeschäft, das mir im Vorbeifahren nie aufgefallen ist. Den Treppenweg von der Straße hinunter nach Panteli genieße ich allerdings nicht, 84 sehr unregelmäßige Stufen und dazwischen Abschüssiges. Das tolle Essen und die Atmosphäre im Zorbas genieße ich dann umso mehr.
Zurück fahre ich aber mit dem Taxi.
22.07.2022 Freitag
Léros / Lakkí Kuluki
Wieder viel Computerarbeit.
Als ich abends gerade an Land fahren will, kommt ein Schlauchboot daher. Es sind die Leute vom Nachbarkatamaran „Top Cat“. Sie laden mich zum Abendessen auf ihr Boot ein! Klar nehme ich die Einladung gerne an und eine halbe Stunde später bin ich auf deren Boot, ein Jaguar 36, gebaut in Südafrika. Es sind Steve und Eva aus England, sie ursprünglich aus Polen. Das Boot haben sie vor 10 Monaten – ohne es zu besichtigen! – in der Leros Marina Evros gekauft. Steve zeigt es mir ziemlich stolz. Obwohl nur 36 Fuß lang, dafür 7 m breit (Blodughadda 35 und 5,85 m) hat es Raffinessen wie Tiefkühlschrank, Waschmaschine und Watermaker. Mir gefällt das Boot aber nicht. Vor allem weil zwischen Wasser und gesamtem Brückendeck so wenig Luft ist. Die Wellen werden fürchterlich dagegen schlagen, sobald sie etwas größer sind. Nicht einmal das Schlauchboot passt darunter, was das Aus- und Einsteigen sehr erschwert.
Es gibt Reis mit scharf gewürztem gekochten Gemüse. Sehr gut. Die Wassermelone danach ist aber sensationell geschmacklos.
Wir plaudern nett und ich empfehle ihnen ein paar schöne Ankerplätze. Sie kennen die Gegend noch fast gar nicht.
23.07.2022 Samstag
Léros / Lakkí Kuluki
Ich fahre schon um 13h zum Stadtanleger mit dem gestern vorbereiteten Müllsack, kaufe was ein und esse einen Club-Sandwich im Kinezos Café.
Auf der Rückfahrt geht das Benzin im Aussenborder aus. Jetzt bewährt sich das Reserverflascherl.
24.07.2022 Sonntag
Léros / Lakkí Kuluki
Am Abend treffe ich mich wieder mal mit Mario und Sibylle Rauch, diesmal im „Souvlaki“. Hans-Peter mit seinem Hund ist auch dabei. Beide kannte ich vorher nicht. Abschließend gehen wir auf ein Eis bzw. Leckerli in die Konditorei Repapis.
25.07.2022 Montag
Léros / Lakkí Kuluki
Das Gas ist aus. Praktisch, dass es hier passiert, da ich weiß, dass man auf der BP Tankstelle eine leere gegen eine volle Flasche tauschen kann.
Die Stbd Mittelkabine bekommt eine neue Wandleuchte, d.h. ich ersetze die kaputte durch die nie gebrauchte aus der Vorderkabine. Wird auch nicht ewig halten, denn die LEDs sind nicht multivoltfähig, sondern benötigen exakt 12 V um lange zu funktionieren. Die Bordspannung ist aber irgendwo zwischen 12 und 13 Volt (wenn es finster ist und die Motoren nicht laufen).
Es ist sehr warm, im Cockpit 38°C. Deswegen mag ich nicht in die Stadt fahren.
Die Top Cat kommt wieder und ankert nebenan. Später fahre ich hinüber und plaudere mit Steve und Eva. Sie haben Leros umrundet und waren zwei Nächte in der Alinda-Bucht an einer Mooring. Die Fallwinde waren dort ganz fürchterlich. Das hätte ich ihnen auch vorher sagen können…
Eigentlich wollten sie nach Patmos, aber die Wellen waren so unangenehm, dass sie gegenan kaum vorwärts gekommen sind. Bei dem sehr niedrigen Brückendeck wundert es mich gar nicht.
26.07.2022 Dienstag
12:10 Léros / Lakkí Kuluki Karte Abfahrt
12:57 Genua dazu
15:40 Wind weg, Genua weg
17:43 Kos / Kefalos, Kamari Karte
Zeit unterwegs: 05:33 Strecke: 35,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten
Um 8:10h fahre ich schon an Land. Mit dabei sind ein Lidl-Sack mit Mist, die Schuhkiste mit zwei leeren Gasflaschen und dem fast leeren Benzinkanister für den Aussenborder sowie die Klapp-Transportrodel. Bei Piperis kann ich zwei Ersatz-Kabinenwandleuchten kaufen, genau so gebaut, wie die bisherigen. Eine mit LED (€ 13,50), die andere mit Glühlampe (€ 8,50). Mehr hat er nicht. Sonst hätte ich einen Vorrat gekauft. Aber er notiert sich die Artikelnummern und wird sie nachbestellen.
Nach diesem Erfolgserlebnis marschiere ich den langen Weg zur BP Tankstelle. Hier Enttäuschung, denn die 3-kg Gasflaschen sind ausverkauft. Der Tankwart, sagt „avrio“, also morgen. Aber weil avrio alles zwischen morgen und irgendwann in der Zukunft bedeuten kann, werde ich deswegen meine heute geplante Abreise nicht verschieben. Eine andere Bezugsquelle dafür gibt es in Leros nicht mehr. Die gestern neu angeschlossene Gasflasche wird sowieso für mindestens 7 Wochen reichen. Immerhin kann ich den Benzinkanister füllen.
Das neue Tee- und Kaffeegeschäft gegenüber der Tankstelle hat noch nicht geöffnet. Schade, hätte gerne hineingeschaut solange es das noch gibt.
Dann beim Andreas Kritikos wieder ein Erfolgserlebnis. Ich erhalte zwei Plastikboxen mit Deckel exakt in der Größe, die ich mir für die Lagerung der Leintücher mit und ohne Gummi bei meinen Ordnungsaktionen überlegt hatte. Die bisherigen sind zu klein.
Fast gleich daneben im Supermarkt Kritikos kaufe ich vor allem Anthrakukos, also Mineralwasser mit Kohlensäure, ein. Unverständlicherweise haben sie kein Tonic und auch keine Abwaschbürste.
Dann ziehe ich die schwere Last auf der Rodel zum Schlauchboot mit einem Frühstücksstopp im To Beïkon.
Ich fahre los. Nach 47 Minuten angenehm „bergab“ mit moderaten Wellen und passendem Rückenwind, sodass ich mit der Genua motorsegeln kann. Mit meist über 7 kn Fahrt geht es flott und bequem dahin. Ich kann sogar ein paar 15-minütige Schläfchen machen. Vor der Kos Westküste bleibt der Wind überhaupt fast weg und ich rolle die Genua ein. Aber ab der Südspitze von Kos, von wo es nordwärts geht, wird der Wind wirklich wild. Er kommt mit über 30 Knoten von schräg vorne daher und lässt erst kurz vor dem Ankerplatz nach. Das muss irgendwas mit der Topografie zu tun haben. Jedenfalls ist das typisch für hier.
Ich ankare vor dem Kefalos Market und nach einem Abendschwimm im hier wärmeren Wasser (24°C) esse ich ein gutes Hühnersouvlaki im Captain John.
27.07.2022 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
28.07.2022 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
29.07.2022 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Nach ein paar Tagen ohne besondere Vorkommnisse aber mit viel Programmierarbeit fahre ich zur Kamari Pier. Wie erwartet, funktioniert der Wasserhahn direkt neben dem Boot wieder nicht und ich baue mühsam die 65m Schlauchkette zum Wasserhahn bei den Ausflugsbooten auf. Aus dem kommt aber auch nicht viel Wasser. Aber genug um die Wassertanks zu füllen, was ewig dauert, das Schlauchboot zu waschen und die Blodughadda einigermaßen sauber zu bekommen.
Da es nicht möglich war, einen Leihwagen zu erhalten, kann ich Beate nicht vom Flughafen abholen. Sie wird den Bus um 21:35h nehmen. Ich gehe zur Taverne Faros, um auf sie zu warten und was zu essen. Das Schweinskotlett mit Salat ist zwar gut aber mit 12 Euro völlig überbezahlt zumal nicht einmal Brot dazu serviert wird. Die Bedienung ist wohl die schlechteste in ganz Kefalos. Die alte, hässliche, charmlose, tätovierte Kellnerin mit Männerstimme lässt mich ewig warten obwohl sonst nur ein Tisch besetzt ist. Ins Faros gehe ich so bald nimmer.
4 Gedanken zu “2022-06-17 6 Wochen allein”
Jetzt habe ich kurz überlegt, was der Lazybag mit Bier zu tun hat „Zipfer-schluss“. :-)
Hehe, stimmt sogar. Das Bier ist aus.
Murphy hat angerufen und gesagt, dass alles was du jetzt wegschmeißt, brauchst du in 2-5 Wochen :-)
Stimmt nicht. Alles kann es nicht sein. Irgendwas wohl schon. Aber das riskiere ich.