Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2025-06-30 Nach Christian

Seite drucken Aktualisierung 31.07.2025 14:12:52 Anzahl Tage: 31
30.06.2025 Astypálea / O. Schinunta
01.07.2025 Astypálea / O. Schinunta – Kos / Kefalos, Kamari
02.07.2025 Kos / Kefalos, Kamari
03.07.2025 Kos / Kefalos, Kamari
04.07.2025 Kos / Kefalos, Kamari
05.07.2025 Kos / Kefalos, Kamari
06.07.2025 Kos / Kefalos, Kamari – Léros / O. Xirokampos
07.07.2025 Léros / O. Xirokampos
08.07.2025 Léros / O. Xirokampos
09.07.2025 Léros / O. Xirokampos
10.07.2025 Léros / O. Xirokampos – Léros / Lakkí Kuluki
11.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
12.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
13.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
14.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
15.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki – Léros / O. Lakki
16.07.2025 Léros / O. Lakki – Léros / Lakkí Marina
17.07.2025 Léros / Lakkí Marina
18.07.2025 Léros / Lakkí Marina – Léros / Lakkí Kuluki
19.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
20.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
21.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
22.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
23.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
24.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
25.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
26.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki
27.07.2025 Léros / Lakkí Kuluki – Arkí / Tiganáki
28.07.2025 Arkí / Tiganáki – Sámos / Marathókampos
29.07.2025 Sámos / Marathókampos
30.07.2025 Sámos / Marathókampos

Crew:
Tötterström Tom

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 19:08 Strecke: 113,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten

30.06.2025 Montag
Astypálea / O. Schinunta

01.07.2025 Dienstag
08:12 Astypálea / O. Schinunta Karte Abfahrt
13:19 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:07 Strecke: 33,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,5 Knoten

Der Wind ist in der Früh wie vorhergesagt schwach. Es ist der einzige Tag in dieser Woche, der sich für eine Überfahrt nach Kos anbietet. Also fahre ich los. Mit der Genua im zweiten Reff kann ich gut motorsegeln. Es geht flott voran mit meistens über 7 Knoten bei 15 bis 18 Knoten Wind. Statt den Motoren könnte ich das Großsegel setzen. Aber als ich das realisiere, realisiere ich auch, dass es ziemlich schaukelt und ich schon zu alt bin, um diese Aktion bei diesen Verhältnissen alleine zu machen. Man wird halt vorsichtiger.

Kurz vor Kos und insbesondere nach der Umrundung der Südspitze sind die Wellen weg und der Wind auch.

In Kefalos ankern 12 Segelboote praktisch in einer Reihe. Ich fahre an denen vorbei und ankere 100 m vor dem Strand bei Sydney auf 3 m Tiefe.
Die Anchor Sentry App bietet auch die Möglichkeit, auf einer Karte zu zeigen, wo man gerade ankert. Zu sehen auf
https://anchorsentry.mdksoft.de/front/www/
-> einloggen mit User: hugo und Passwort: Blodughadda
-> Klick auf Deutsche Flagge
-> Klick auf „Karte“
-> Zoomen

Nach einem Nachmittagsschläfchen rufe ich Dimitris an. Er freut sich hörbar von mir zu hören und dass er ein Problem für mich lösen wird können. Er wird morgen nach Kefalos kommen, den Außenborder in seine Werkstatt mitnehmen und in Ordnung bringen – davon bin ich überzeugt. Von SVB habe ich diesbezüglich noch keine Antwort bekommen.

Ich montiere wieder die Sitzbank im Schlauchboot, damit ich notfalls (bzw. wenn Dimitris den Suzuki mitgenommen hat) rudern kann und fahre zum Sydney-Steg. Jawoll richtig gehört: Da ist kein Schwimmsteg mehr, sondern ein fester Steg, der recht hoch ist. Mit Altherren-Technik geht das Aus- und Einsteigen aber problemlos. Man muss nur den Hintern und die Arme entsprechend bemühen. Beim Aussteigen zuerst die Arme, beim Einsteigen umgekehrt.

Ich esse Dakos und weiße Tarama im Cavos. Ersteres sehr gut obwohl zu wenig Paximadi, Letzteres nicht so gut, weil mit Knoblauch gewürzt.
Im Supermarket Tira kaufe ich was ein und frage die Inhaberin, warum das Santa Barbara Restaurant geschlossen ist. Sie sagt, dass der Romos samt Familie in Amerika ist! Also dieses Jahr wird das Lokal geschlossen bleiben und ob es nächstes Jahr wieder aufsperrt, weiß sie nicht.

02.07.2025 Mittwoch
Kos / Kefalos, Kamari
Der laut meinem FileMaker Datenbankblogbuch zweihundertsiebzigste Tag in Kefalos seit 10.8.2002 beginnt wie üblich: Aufstehen vor Sonnenaufgang, Nuttenfrühstück (schwarzer Neskaffee und Cigarillo), auf dem iPad Windprognosen anschaun auf https://www.windy.com, https://www.windfinder.com und https://poseidon.hcmr.gr/map?model=meteo, e-paper Kurier lesen, auf Marinetraffic.com nachschauen, wo die mir bekannten Boote sind (leider funktioniert das nicht mehr für die Blodughadda), Schachaufgabe des Tages lösen (meistens sehr einfach), neue Postings auf Miitelmeer Skipper Forum lesen, Aufgaben auf https://lichess.org/ lösen (oft schwer) und irgendwann dazwischen nackt ins Wasser gleiten wenn der Darmdruck eine Entleerung verlangt.

In Kefalos ist die Zeit vor dem Sonnenaufgang besonders schön, wie ich schon mehrfach geschrieben habe. Bis die Sonne über den Bergen von Kos aufgestiegen ist und unbarmherzig ins Cockpit scheint. Dann setze ich mich in den Salon und verdecke den Eingang mit einem Badetuch oder lege mich nochmals in die Koje. Erst wenn sie wieder so hoch steht, dass das Bimini Schatten spendet, setze ich mich wieder ins Cockpit.

Dimitris meldet sich heute nicht. Vielleicht hätte ich ihm nicht sagen sollen, dass ich vorhabe, länger in Kefalos zu bleiben…

Am Abend esse ich Psaronefri (Schweinlungenbraten) in Captain John. Die Chefin Chrisoula begrüßt mich ganz herzlich und ich bekomme den letzten freien Panoramablick-Tisch. Dann kaufe ich im benachbarten Kefalos Market was ein und die Chefin Adriana begrüßt mich ganz herzlich. Die Damen nennen mich einheitlich einfach nur „Captain“, wie schon immer.

2025-07-02 Kos Kefalos Essen in Captain John
Kos Kefalos Essen in Captain John

03.07.2025 Donnerstag
Kos / Kefalos, Kamari
So angenehm wie gestern beginnt der heutige Tag nicht. Es bläst ordentlich genau aus Nord und die Wellen kommen aus Nordost. Warum das hier so ist, habe ich noch nicht heraus gefunden. Es wackelt also deppert. Aber ich weiß, dass der Wind nach links drehen wird (das ist in ganz Dodekanes so) und dann die seitlichen Wellen aufhören.

Nach fünf Stunden, also ca. um 10:30h, ist es soweit. Und die Lufttemperatur steigt von 22 auf erträgliche 27°C. Keine Spur von Hitzewelle hier! Auch in den vergangenen zehn Tagen nicht. Im Gegenteil: Christian und ich haben in der Nacht eine Decke zusätzlich zum Leintuch gebraucht, um nicht zu frieren.

Ich gehe wieder rechtzeitig zum Cavos essen. Wer nach 20 Uhr kommt, muss vor dem Lokal auf einen freien Tisch warten.
Weil ich diesmal am Schwimmsteg von Grand Café angelegt habe, gehe ich dahin noch auf ein Glas Ouzo. Mit 4 Euro und ohne Wasser oder Knabbereien ist er allerdings teuer. Kein Vergleich zu La Palma in Lakkí.

2025-07-03 Kos Kefalos Taverna Cavos ist voll
Kos Kefalos Taverna Cavos ist voll

04.07.2025 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Den ganzen Vormittag versuche ich den philippi Batterielademonitor in Gang zu bringen. Erhalte sogar Hilfe von einem Techniker per FaceTime Video. Bis ich entdecke, dass der Stecker auf der Shuntelektronik komplett verbogen ist. Da hat wohl der Elektriker, der neue Kabeln für die Ankerwinde eingezogen hat, was draufgelegt. Ich biege den Stecker zurück, aber das Display bleibt leer. Das ist nicht schlimm, denn die Batterien werden ausreichend mit Solarenergie versorgt.

Um 17 Uhr holt Dimitris den Suzuki ab. Er konnte nicht früher kommen, weil er so viel Arbeit hat. Aber immerhin nimmt er sich 100 Minuten Zeit für mich. 80 für die Her- und Rückfahrt und 10 fürs Abmontieren und Verladen des Motors in sein Auto. Er wird den Vergaser in seiner Werkstatt reinigen und den Motor wieder am Montag oder Dienstag bringen.

Bei Captain John ist kein Panoramatischchen frei und die Chefin hat mich noch nicht gesehen. Also schleiche ich mich wieder und esse zwei Schinken-Käse Toasts und trinke ein Bier in der Memory-Bar. Das genügt eh.

05.07.2025 Samstag
Kos / Kefalos, Kamari
Eigentlich hatte ich vor, an diesem Flautentag an Bord zu bleiben. Aber um 17:18h ruft Dimitris an, dass er den reparierten Suzuki bringen wird. Also rudere ich zum Sydney-Steg, gehe ins Lokal, bestelle ein Bier und warte auf ihn.

Um 18;20h kommt er. Der Suzuki funktioniert wieder perfekt. Ich zahle ihm 100 Euro aber zu einem gemeinsamen Drink oder gar zu einem Essen in Sydney hat er keine Zeit. Er sagt noch, ich soll vor der Winterpause den Motor starten, den Benzinhahn schließen und den Motor so lange laufen lassen, bis er abstirbt. Damit alles Benzin aus dem Vergaser verbraucht ist. Mehr ist nicht notwendig und die Suzuki Bedienungsanleitung bezüglich Entleerung des Vergasers kann ich vergessen.

Ich beschließe, im Sydney wieder mal ein Steak zu essen. Mit 31 Euro für 310 Gramm Filetsteak ist der Preis nicht zu hoch. Aber die Qualität zu niedrig. Das erste als „medium“ bestellt ist komplett durchgebraten und schicke ich zurück. Das zweite geht gerade noch.

Ich beschließe auch, morgen Kefalos zu verlassen. Der ohnehin nie schöne Ort hat nichts mehr vom früheren sowieso spärlichen Charme. Mindestens jedes zweite Lokal entlang der Uferstraße hat zugesperrt. Es sind wenige Touristen da. Mir fällt besonders auf, dass die hässlichen, dicken, tätovierten und lautstarken Proleten aus England nur mehr spärlich vorhanden sind. Vor 10 Jahren war das noch anders als Kefalos als der preiswerteste Urlaubsort am Mittelmeer bekannt wurde.

06.07.2025 Sonntag
08:47 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
14:07 Léros / O. Xirokampos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 05:20 Strecke: 34 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten

Die Windprognose verspricht eine angenehme Überfahrt nach Leros.
Also fahre ich los. Westlich von Kos ist es nicht ganz angenehm, weil der Wind mit 10 Knoten und recht großen Wellen entgegen kommt. Aber dann beruhigt sich die Situation und ich kann gegen halb so viel Wind und Wellen fahren.

Ich rufe kurz vor Telendos den Paul Pecha an, der mit 18-jährigem Sohn Valentin seit gestern mit seiner PATRICIA auf dem Wasser ist. Sie hatten eine beschwerliche Reise nach Leros, weil das Flugzeug an zwei Tagen wegen starken Windes und Turbulenzen nicht landen konnte und sind schließlich mit Flug via Kos (mit Hotelübernachtung) und mit Schnellkatamaran am Freitag endlich angekommen. Sie ankern in Xirokampos.
Ich ändere den Kurs leicht und nach 1,5 Stunden ankere auch ich gleich daneben.
Nach einem Nickerchen (bin heute schon um halb fünf aufgestanden) besuche ich sie. Es gibt viel zu plaudern, einen griechischen Kaffe und einen Schluck Ouzo.

Nach der Rückkehr sehe und höre ich etwas, was mir nicht so gut gefällt: In der Bucht schwimmen viele Leute auch weit hinaus, die laut reden und lachen. Es sind Flüchtlinge aus dem Camp auf Leros. Die sonst kaum Gelegenheit haben, das Leben zu genießen und die sonst gar nichts zu lachen haben.
Es ist extrem unwahrscheinlich, dass diese armen Leute das Boot entern und was mitgehen lassen. Aber trotzdem macht man sich solche Gedanken, die anderswo überhaupt nicht aufkommen.

Auf der Schlauchbootfahrt zur Taverna Aloni sehe ich am Ufer beim Fischerhafen eine Gruppe Schwarzhaarige sitzen und am Strand neben Aloni tummeln sich viele dieser bedauernswerten Leute, darunter auch Frauen und Kinder. Vom Flüchtlingscamp hierher sind es 2,5 Km, die sie wohl zu Fuß machen.

Obwohl 14 Segelboote in der Bucht ankern, ist in Aloni nicht viel los. Das Schweinskotlett ist sehr gut, die Pommes knusprig und die drei gut gewürzten gegrillten Brotscheiben mit etwas Olivenöl drauf geträufelt ein wahrer Genuss – 9 Euro !

07.07.2025 Montag
Léros / O. Xirokampos
Der frühe Morgen ist kühl: 19,5 °C, sehr feucht und windstill ohne nervige Wellen. Laut Windprognosen soll es bis Donnerstag so bleiben. Nach den vielen Tagen mit Extremwind sehr angenehme Aussichten – wenn die Lufttemperatur tagsüber dann auch nicht weit über 30 °C klettert.

Paul hat ein Problem mit seinem Suzuki-Außenborder, der mit 6 PS zwei Nummern größer als meiner ist. Eine Dichtung am Vergaser ist kaputt, eine sehr spezielle, die sich sicher nicht in meinem Dichtungsvorrat finden lässt. Er fragt nach, ob ich wüsste, wo man auf Leros so eine Dichtung auftreiben kann. Weiß ich nicht, aber ich gebe ihm die Telefonnummer von Mario, der ein technisches Genie ist, auf seinem Boot in der Leros Marina seit drei Jahren lebt und sicherlich alle diesbezüglichen möglichen Adressen auf Leros kennt.

Paul und Valentin brechen nach Lakki auf und später schreibt er mir, dass er die begehrte Dichtung erhalten wird. With A Little Help From My Friends …

Um 18 Uhr fahre ich wieder zum Aloni-Steg und gehe vor dem Abendessen in zehn Minuten zum mittlerweile sehr gut sortierten einzigen Geschäft in Xirokampos. Den sehr sympathischen Inhaber kenne ich schon seit Jahren als er noch Marinero in der Lakki Marina war. Er begrüßt mich herzlich mit Handschlag und erzählt, dass es ihm und seinem Geschäft gut geht. Die Flüchtlinge kaufen bei ihm massenhaft ein. Wie wir schon voriges Jahr bemerkt haben, als ein Türsteher notwendig war, um den Ansturm zu bändigen. Jetzt gerade sind nicht so viele da, aber eine robuste Türsteherin schon.

In Aloni esse ich wieder gut und und günstig, friere aber! Der sehr ungewöhnliche Westwind weht kühl herein und ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Griechenland am 7. Juli den Wunsch nach einer Windjacke gehabt hätte. Einige Leute gehen trotzdem noch schwimmen. Habe ich vielleicht Fieber?

2025-07-07 Leros Xirokampos Aussicht von Aloni. Ganz draußen links vom kleinen Sonnenschirm ist die Blodughadda
Leros Xirokampos Aussicht von Aloni. Ganz draußen links vom kleinen Sonnenschirm ist die Blodughadda

08.07.2025 Dienstag
Léros / O. Xirokampos
Paul und Valentin kehren nach Xirokampos zurück. Am Abend bin ich zum Grillen eingeladen. Es gibt köstliche Lammkotletts und interessante Gespräche.
Der Holzkohle-Grill hängt auf dem Heckkorb und funktioniert wie ein kleiner Gartengrill. Auf der Blodughadda wäre das theoretisch auch möglich, aber ich weiß nicht…

In jeder Taverna bekommt man preiswert Gegrilltes mit zumeist Pommes als Beilage. Und dann noch Grill putzen und irgendwo verstauen mitsamt Zunder und Holzkohle.

09.07.2025 Mittwoch
Léros / O. Xirokampos
Paul und Valentin rudern herbei. Gestern habe ich um Hilfe gebeten, die gerissene Salingflaggenleine durch eine neue zu ersetzen. Valentin steigt in ein Klettergeschirr und lässt sich vom Vater zur Saling per Großfall hinaufziehen. In Nullkommanix fädelt er die Leine ein und kehrt wieder zurück. Dankeschön! Alleine wäre das nicht machbar gewesen.

Sie verlassen alsbald den Ankerplatz, um in Lakki Diesel zu tanken, den (hoffentlich reparierten) Außenborder abzuholen und anschließend nach Levitha zu fahren.

Am Nachmittag lösen Martin und ich wieder mal schwierige Kreuzworträtsel per TeamViewer und Telefon.

Die Bucht wird immer stärker frequentiert. Zum Schluss zähle ich 24 ankernde Segelboote.

Der Wind ist irgendwie unheimlich, wechselt alle paar Minuten Richtung und Stärke – alles zwischen Null und ca. 15 Knoten. Das Boot dreht sich ständig iim Kreis um den Anker.

Am Abend habe keine Lust ans Ufer zu fahren und koche mit zwei große Erdäpfel. Obwohl in kleine Stücke geschnitten, müssen sie 30 Minuten kochen, bevor sie auf finnische Art mit Butter und Fischrogenpaste genießbar sind.

10.07.2025 Donnerstag
09:36 Léros / O. Xirokampos Karte Abfahrt
10:31 Léros / Lakkí Kuluki Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:55 Strecke: 4,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten

Wieder ist der frühe Morgen sehr feucht. Die Berge haben sogar Nebelschleier.

Bevor der Wind heute Nachmittag wieder für eine Woche stark werden soll, fahre ich zur gut windgeschützten Bucht Kuluki.

Vermutlich beim Ankeraufholen bereits in Kefalos dürfte ich mir eine kleine leicht blutende Wunde am Handrücken zugefügt haben, um die ich mich nicht weiter gekümmert habe. Anstatt wie üblich schnell zu heilen, hat sie in den letzten Tagen angefangen immer mehr zu schmerzen und eine dunkle Strieme hat sich davon ausgehend gebildet. Ich befürchte eine beginnende Blutvergiftung und gehe am Abend in eine der vier(!) Apotheken in Lakki. Die Apothekerin sieht sich das an und sagt, dass man das ernst nehmen müsse. Ich soll die Stelle zuerst mit octenisept besprühen und dann mit Betafusin einschmieren – drei Mal am Tag. Sollte es innerhalb von ein paar Tagen nicht besser werden, muss ich nochmals kommen und der „Doktor“ wird sich das ansehen und gegebenenfalls Penicillin zum Einnehmen verschreiben. Was sie mit Doktor meint, ist mir nicht klar. Arztordination in ihrer Apotheke?

Bei meiner Wanderung durch Lakki entdecke ich das schönste Haus aus der italienischen Besatzungszeit mit typischen runden Ecken – ein Foto wert.

2025-07-10 Leros Xirokampos Morgennebel
Leros Xirokampos Morgennebel
2025-07-10 Leros Lakki Haus mit runden Ecken
Leros Lakki Haus mit runden Ecken

11.07.2025 Freitag
Léros / Lakkí Kuluki
Obwohl laut Gardena-Wasserzähler noch 60 Liter Wasservorrat vorhanden sein müsste, kommt das Wasser zunächst nur stotternd und dann gar nicht mehr aus den Entnahmestellen und die Wasserpumpe schaltet sich nicht von selbst aus. Also sind beide Wassertanks leer, warum auch immer. Und also ein guter Zeitpunkt, um das vor drei Jahren installierten 3-Wege-Ventil im Badezimmer-Design, das nicht mehr richtig funktioniert (vermutlich weil innen verdreckt), gegen ein gegen bereits im Herbst angeschafftes robusteres mit Kugelhähnen zu tauschen.

Ich mache mich ans Werk. Aber auch in drei anstrengenden Stunden gelingt es mir nicht, das von der Werft griechisch-russisch installierte Ventil abzumontieren. Ich schreibe dem Mario, ob er einen Wasserinstallateur in Lakki kennt, der bereit wäre aufs ankernde Boot zu kommen. Kennt er leider nicht.

Ich überlege, ob ich den Austausch überhaupt machen soll. Aber irgendwann muss er gemacht werden und der Zeitpunkt ist jetzt ideal dafür.
Ich schreibe der Werft, dass ich am Montag einen Liegeplatz in der Lakki Marina und Hilfe beim Ausbau des Ventils brauche. Und dann überlege ich genau, welche Teile (Fittings) ich habe und welche ich noch brauche, um das neue Ventil möglichst professionell anschließen zu können.

Am Abend gehe ich zum gut sortierten Baumarkt Andreas Kritikos und erhalte tatsächlich alles, was benötigt wird.

Dann esse ich zur Abwechslung von der griechische Küche Linguine Burratose im kleinen italienischen Restaurant AL FICO D’INDIA da Gabriella. Teuer, aber sehr gut.

Die Wunde am Handrücken hat sich wesentlich verbessert und schmerzt nur mehr ganz leicht, wenn man drauf drückt.

2025-07-11 Blodughadda technisch: Derzeitige Installation
Blodughadda technisch: Derzeitige Installation
2025-07-11 Blodughadda technisch: Das soll montiert werden
Blodughadda technisch: Das soll montiert werden
2025-07-11 Leros Lakki Menü des kleinen italienischen Restaurants
Leros Lakki Menü des kleinen italienischen Restaurants

12.07.2025 Samstag
Léros / Lakkí Kuluki
Die Wassertanks sind nicht leer! Nach ein paar schlägen mit dem Gummihammer auf das Ventil kommt wieder Wasser stoßweise heraus. Das filigrane Innenleben des Ventils dürfte komplett blockiert haben.
Ich fülle leere Wasserlaschen und den 5-liter Reservekanister auf, wonach eigentlich noch 48 Liter im Tank sein müsste.
Insofern ist es nicht schlimm, dass ich nicht wie angefragt am Montag sondern erst am Mittwoch einen Platz in der Marina erhalten werde.

13.07.2025 Sonntag
Léros / Lakkí Kuluki

14.07.2025 Montag
Léros / Lakkí Kuluki

15.07.2025 Dienstag
18:05 Léros / Lakkí Kuluki Karte
18:14 Léros / O. Lakki Karte
Zeit unterwegs: 00:09 Strecke: ,1 Seemeilen Ø Fahrt: ,7 Knoten

Am frühen Abend dreht der Wind auf West und wird stärker. Das Boot ist nur mehr 20 Meter vor dem steinigen Ufer. Wenn der Anker jetzt ausbricht ist die Kacke am Dampfen. Ich mache eine Schnorchelinspektion: Anker und Kette im 90° Winkel zu einander und Anker unter einem Seegrasbüschel, so dass man nicht sieht, wie er eingegraben ist. Also ist neu ankern angesagt.

Ich beschließe ausnahmsweise Kuluki zu verlassen und in der großen Lakkí-Bucht zu ankern. Viele Segelboote ankern wie üblich hier. Aber mit nur 1 m Tiefgang ist es kein Problem, einen Ankerplatz auf 2 m Tiefe 60 m vom Ufer zu finden.

Ich bringe die Wäsche zur Wäscherei und esse im I Thraka mit schöner Aussicht auf das Boot.

2025-07-15 Leros Lakki Ankern in Ormos Lakki
Leros Lakki Ankern in Ormos Lakki

16.07.2025 Mittwoch
11:15 Léros / O. Lakki Karte
11:35 Léros / Lakkí Marina Karte
Zeit unterwegs: 00:20 Strecke: ,1 Seemeilen Ø Fahrt: ,3 Knoten

Es ist gar nicht schlecht, in der Lakkí-Bucht zu ankern. Obwohl ich ganz nah beim Ufer ankere, ist der Stadtlärm erträglich. Ich kann sogar bestens im Cockpit schlafen.
Wie vereinbart fahre ich kurz nach 11 los, um meinen reservierten Liegeplatz einzunehmen. Der Marinero Kiriakos hilft sehr und springt sogar auf das Boot um die Achterleinen und die Bb-Mooringleine zu befestigen während ich einfach am Steuerstand sitzen bleiben kann. Naja, ich muss dann schon die Stbd-Mooring machen und die Achterleinen ordentlich spannen – aber in aller Gemütlichkeit.

Eine Stunde später kommt der Dieselwagen. Der Diesel kostet jetzt € 1,75 per Liter. Etwas später kommen die Techniker der Werft, um das alte Frischwasserventil auszubauen und das neue einzubauen. Ersteres, an dem ich gescheitert bin, gelingt dem kräftigen jungen Mann schnell. Zweiteres auch, aber nicht gut. Der Mann hat zwar Kräfte wie ein Bär aber weniger Hirn als ein solcher. Er schraubt die neue von mir genau ausgetüftelte Ventilkonstruktion drauf.
Nach nur 20 Minuten ist er und sein Lehrling fertig. Die Installation schaut super aus und wird hoffentlich die nächsten 25 Jahre keine Probleme machen. Aber weit gefehlt! Nachdem ich die Wassertanks voreilig aufgefüllt habe, sehe ich, dass die Konstruktion undicht ist!

Ich leere die Tanks wieder. Was bei der Förderleistung der Pumpe vom 11 l/min etwas mehr als eine halbe Stunde dauert. Dann schraube ich die Konstruktion auf, was extrem anstrengend ist, weil der bärenstarke Mann alles mit all seiner Kraft zugeschraubt hat und die Zugänglichkeit so schlecht ist, ich zu kurze Arme, zu ungeschickte Hände, zu großen Bauch und zu schlechte Augen habe. Zwei der vier Gummidichtungen hat er gar nicht eingebaut und die zwei anderen sind vom enormen Druck komplett verformt.
Ich schraube alles wieder mit neuen Gummidichtungen zusammen, was extrem anstrengend ist, weil …
Dann fülle ich nur je 20 Liter in die zwei Tanks, um zu sehen, ob meine Arbeit besser war. War sie nicht! Es tropft noch immer. Na gut, vielleicht habe ich die Verbindungen zu vorsichtig zugezogen und ziehe sie etwas nach, was extrem anstrengend ist, weil…
Hilft nix. Es tropft noch immer. Die Verbindungsstücke, die ich (ungebraucht mit beiliegenden Gummidichtungen) von einer mal vorgesehenen Wasserzählermontage hatte, dürften nicht geeignet sein. Ich muss mir was anderes überlegen, aber was?

Das alte Ventil, das eine Zeitlang bestens funktioniert hat, ist innen komplett verkalkt. Kein Wunder, dass es nicht mehr richtig funktioniert hat.

2025-07-16 Blodughadda technisch: Neues Ventil für Wassertanks - funktioniert nicht
Blodughadda technisch: Neues Ventil für Wassertanks – funktioniert nicht

17.07.2025 Donnerstag
Léros / Lakkí Marina
Ich wollte nur eine Nacht in der Marina bleiben. Aber wie es aussieht werde ich noch Zeit brauchen und die Wassertanks kann ich nur hier auffüllen.

Nach einer Weile habe ich die Idee, die problematischen Verbindungsstücke durch kurze Schlauchstücke zu ersetzen. Im Baumarkt Kritikos erhalte ich alles, was benötigt wird. Auf dem Rückweg hole ich auch die zwei Lidl-Säcke mit frisch gewaschener Wäsche bei Dimitrios ab.

Weil für die neue Konstruktion kein Fummeln mit Werkzeug notwendig ist, ist sie wesentlich einfacher zu montieren (und wieder abzumontieren, sollte das notwendig werden). Und dann der Dichtheitstest mit je 15 Liter Wasser in beiden Tanks. Ich lege ein Küchenpapier unter die Konstruktion, um klar sehen zu können, ob es tropft. Tut es nicht! Sicherheitshalber beobachte ich immer wieder das Küchenpapier noch einige Stunden lang. Es bleibt trocken – hurra, scheint gelungen zu sein.

Am Nachmittag geschieht Wundersames: Backbord von mir legen die Segelboote PENELOPE und MANTA an – beide mit finnischer Flagge! Also liegen hier jetzt drei finnische Segelboote neben einander. Es sind typische wortkarge Finnen. Ich versuche zwar ein Gespräch zu beginnen, aber nach ein paar Worten ist es auch zu Ende. Kein Vergleich zu Sakari und Riitta vor vier Jahren.

2025-07-17 Blodughadda technisch: Neues Ventil für Wassertanks - funktioniert! Küchenpapier darunter zur Kontrolle, ob es tropft
Blodughadda technisch: Neues Ventil für Wassertanks – funktioniert! Küchenpapier darunter zur Kontrolle, ob es tropft
2025-07-17 Leros Lakkí Marina: 3 Segelboote mit finnischer Flagge neben einander
Leros Lakkí Marina: 3 Segelboote mit finnischer Flagge neben einander

18.07.2025 Freitag
11:58 Léros / Lakkí Marina Karte
12:39 Léros / Lakkí Kuluki Karte
Zeit unterwegs: 00:41 Strecke: ,2 Seemeilen Ø Fahrt: ,3 Knoten

Obwohl ich gestern mindestens so viel Wasser getrunken wie ich Schweiß produziert habe, bekomme ich in der Nacht ärgste Wadenkrämpfe. Da hilft nur aufstehen, ein bisschen herumstapfen und noch ein Glas mit aufgelöster Magnesium-Tablette trinken. Heiß duschen wie zu Hause geht ja nicht. Die letzten Stunden vor dem Aufstehen zu Sonnenaufgang kann ich doch gut schlafen.

Nach meinem Morgenritual wasche ich das Schlauchboot und das Bootsdeck und fülle die Wassertanks auf. Und wenn ich schon zu Fuß frühstücken gehen kann, gehe ich ins La Palma. Gute Entscheidung, gutes ausgiebiges Frühstück.

Dann lege ich ab und ankere wieder ums Eck in Kuluki – wo sonst? Der Ankerkontrollschnorchelschwimm ist sehr angenehm: Anker auf 3 m Tiefe komplett im Sand eingegraben, wo er auch bei starkem Wind, egal aus welcher Richtung, halten wird. Und das Wasser hat sehr angenehme 26°C. Das anschließende Abduschen auf der Heckplattform mit 2,4 l frisch gefülltem Wasser ist auch angenehmer als sich mit 1,5 l aus der Wasserflache zu beschütten, wie zuletzt praktiziert. Naja, 10 solche habe ich noch. Werde ich wohl auch für den Zweck verwenden obwohl ich genug Wasser bis zur nächsten Tankmöglichkeit in 10 bis 12 Tagen in Marathokampos haben werde. Aber man weiß ja nie sicher wie es kommt.

Um das leidige Thema „wo bekomme ich Wasser in die Tanks“ endgültig zu eliminieren, überlege ich schon länger einen Wassermacher ( Watermaker) anzuschaffen, der aus Meerwasser Trinkwasser macht. Aber ein neues technisches Ding, das viel Energie verbraucht, Pflege braucht und eine Stange Geld kostet (unter € 5.000 nix zu machen)? Ich weiß nicht. ob ich damit wirklich glücklich werden könnte. Obwohl dafür ein guter Platz im Ankerkasten und eine separate Meerwasserzuleitung von der ehemaligen Kühlschrankwasserkühlung vorhanden wäre. Aber ich bezweifle außerdem, dass die die Wappler der Werft das Gerät ordentlich einbauen könnten…

19.07.2025 Samstag
Léros / Lakkí Kuluki
Die Nacht konnte ich wieder mal gut im Cockpit schlafen. In der Marina war das unmöglich wegen einer sehr hellen und leicht flackernden LED-Laterne.
Der Morgengrauen ist windstill und extrem feucht. Vom Bimini tropft es durch die Solarpanel-Befestigungen auf den Cockpittisch als ob es regnen würde. Erst gegen acht Uhr ist die Sonne stark genug, um alles zu trocknen.

Es ist ein sehr schöner Tag mit wenig Wind und sehr wenig Aktivität meinerseits. Hauptsächlich löse ich Schachaufgaben auf lichess.org

Ich entdecke eine neue Möglichkeit: Ich lege ein paar Wasserflaschen in die Sonne und kann danach nach dem Schwimmen warm „duschen“. Ist zwar nicht komfortabel, aber angenehm!

Am Abend esse ich die Hälfte einer sehr guten Pizza Prosciutto in der Freiluftpizzeria Kuluki und nehme den Rest in einer mitgebrachten Plastikbox mit. Die Pizzagröße ist mir ja schon von früher bekannt.

2025-07-19 Leros Lakki Kuluki die Freiluftpizzeria
Leros Lakki Kuluki die Freiluftpizzeria
2025-07-19 Leros Lakki Kuluki die Blodughadda ankert davor
Leros Lakki Kuluki die Blodughadda ankert davor

20.07.2025 Sonntag
Léros / Lakkí Kuluki
Eine neue Baustelle zeigt sich: Der bb-Hochdruckboden im Schlauchboot ist luftlos. Das war beim Christian auch schon mal so. Nach dem Aufpumpen hielt das Ding bis jetzt gut die Luft und ich vermutete Schmutz im Ventil. Aber jetzt wieder? Ich muss das genau beobachten und bei Bedarf wieder aufpumpen.

Ich rudere an Land und nehme mir als Apertiv einen Ouzo me Meze im La Palma und esse danach im I Thraka drei Kalamakia mit Pitabrot und kleiner Salatgarnitur. Das ist alles sehr preisgünstig, ausreichend und gut. Kalamakia sind kleine Spieße mit kleinen Fleischstücken. Also das was man üblicherweise Souvlaki nennt. Sie kosten das Stück nur 2,30 bis 2,60 Euro. Souvlaki wird hier als Riesenportion mit Fleisch auf langem Spieß und vielen Beilagen serviert. Die pack ich nicht und den Rest einpacken und mitnehmen mag ich auch nicht.

21.07.2025 Montag
Léros / Lakkí Kuluki
Am Abend gehe ich zum Friseur und lasse meine Haare auf 6 mm schneiden. Dann esse ich Spaghetti Bolognese in der Pizzeria La Nostra – naja eindeutig Sugo mit viel Maggi aus der Konserve. Eigentlich waren es auch Linguine und nicht Spaghetti, aber egal.
Danach esse ich ausnahmsweise ein Eis im Repapis. Ja schon gut, aber ein Eisfan werde ich nie werden.

22.07.2025 Dienstag
Léros / Lakkí Kuluki
Bisher war die Temperatur kein Thema. Sie war immer einfach nur angenehm. Aber heute ist es heiß: 37°C im Boot, 41°C im Cockpit unterm Bimini und kaum ein Windhauch. Die Abkühlung im Meer mit 25°C ist zum Glück nicht weit entfernt, was ich alle paar Stunden mache.

Es ist schon seltsam: Hat Wasser 37 Grad, ist es handwarm. Die Luft hingegen ist dann schon heiß.

Am Abend kommt vom Meer her eine kühlende Brise und die Temperatur sinkt auf angenehme 32°C.

23.07.2025 Mittwoch
Léros / Lakkí Kuluki
Der Dinghyboden braucht wieder Luft. Ist zwar noch nicht leer aber weich. Ein Miniloch ist also irgendwo oder das Ventil hat was.

Ein Wichtigtuer-Schwimmer nähert sich dem Boot und mokiert sich darüber, dass es zu nah am Ufer ankert und er würde die Hafenpolizei auf mich hetzen, wenn ich nicht verschwinde. In den fünf Tagen zuvor hat sich niemand beschwert – auch nicht die Hafenpolizei, die bei jedem Anlegen einer Fähre sieht, wo das Boot ankert – und für die sowieso ganz wenigen Schwimmer ist mehr als Platz genug. Ich sage ihm einfach nur „thank you“ und überlege, ob ich was tun soll oder nicht. Ein guter Ankerplatz etwa hundert Meter weiter westlich direkt vor der Steinküste, wo niemand schwimmt, ist frei geworden und ich hatte sowieso überlegt, den Abstand zu den Brumm- und Piepgeräuschen der LKWs am Fähranleger zu vergrößern. Also mache ich das. Der Schwimmpolizist kann zufrieden sein und ich auch.

Ich fahre mit dem Schlauchi in sieben Minuten zum Betonsteg quasi im Zentrum von Lakkí. Ich muss Wasser mit Kohlensäure kaufen und habe keine Lust, die neun Kilo durch die Gegend zu schleppen.

Dann esse ich wieder in I Thraka das gleiche wie am Sonntag. Es ist wirklich ausreichend, sehr griechisch, sehr gut und sehr günstig. € 12,- inklusive 1/2 l Wein.
Die Bedienung ist auch schwer in Ordnung wie auch die Lage auf der anderen Straßenseite vom Betonsteg. Mit schöner Aussicht auf die Lakkí Bucht. Aber der Tisch wackelt – ein sehr häufiges Phänomen in Griechenland. Ich rufe Beate an, die in einer Woche nach Samos kommen wird, und bitte sie, ein paar Möbelkeile aus dem Keller mitzunehmen. Damit bestückt sollte dieser Störfaktor des Abendessens eliminiert werden können.

2025-07-23 Leros Lakki Abendessen mit Wein in I Thraka um 12 €
Leros Lakki Abendessen mit Wein in I Thraka um 12 €

24.07.2025 Donnerstag
Léros / Lakkí Kuluki
Mücken sind immer lästig. In Griechenland kommen Sie nicht so oft vor. Ich habe festgestellt dass es in Kuluki gar keine Mücken gibt wenn ich im Cockpit schlafe. Allerdings wenn ich in der Koje schlafe kommen die Biester daher. Sie sind viel kleiner als die österreichischen und kaum sichtbar nur hörbar wenn sie am Ohr vorbei fliegen. Zum Glück bin ich nicht so empfindlich aber der Mückenstich juckt schon etwa eine halbe Stunde lang und stört den Schlaf sehr.

Wieso sind sie nur in der Kajüte? Haben die vielleicht einen Brutplatz in der Bilge? Ich hebe die Bodenbretter und tatsächlich ist darunter Wasser und gar nicht so wenig mitsamt viel Dreck. Es ist so grindig, dass ich nicht schmecken mag, ob es Salz- oder Süßwasser ist. Ich leere zunächst ordentlich Chlorreiniger hinein und lasse ihn eine Stunde wirken, um alles abzutöten. Mit der Wolfcraft-Akkuschrauberpumpe geht es schnell obwohl nicht wirklich bequem das meiste Wasser abzusaugen – ich schätze so 15 – 20 Liter. Dann heißt es wischen wischen wischen, was bei der Hitze sehr schweißtreibend ist. Aber mit einigen Pausen gehts und zum Schluss ist die Bilge supersauber und trocken.

Am Abend esse ich im SouvLakki praktisch das gleiche wie gestern. Ist auch gut, aber etwas teurer und mickriger.

2025-07-24 Blodughadda  Bilge zu bearbeiten
Blodughadda Bilge zu bearbeiten

2025-07-24 Blodughadda  Bilge bearbeitet
Blodughadda Bilge bearbeitet
2025-07-24 Leros Lakki Abendessen in SouvLakki
Leros Lakki Abendessen in SouvLakki

25.07.2025 Freitag
Léros / Lakkí Kuluki
Heute ist der wärmste Tag bisher. Der ziemlich starke Wind kühlt gar nicht, sondern ist wie ein Heißluftfön. Um 21 Uhr hat es noch 35°C. An so einem Tag kann man nur schwitzen, trinken, immer wieder ins Meer hupfen und sich danach nicht abtrocknen.

26.07.2025 Samstag
Léros / Lakkí Kuluki
Es ist wieder windig und heiß, aber immerhin ein paar Grad kühler als gestern.

Am Nachmittag ankert ein großer Motorkatamaran mit türkischer Flagge etwa 80 m entfernt, an sich kein Problem. Aber als die Lautsprecher alle umliegenden Boote mit fürchterlicher türkischer Popmusik extrem lautstark zu beschallen beginnen, ist es nicht mehr lustig. So steigt die ohnehin geringe Sympathie für Boote mit türkischer Flagge wirklich nicht.

Als ich um 20 Uhr vom Einkauf und Abendessen in La Palma zurück komme, hat der Türkenlärm gottseidank aufgehört. Es ist ein paar Grad kühler als gestern, was aber viel ausmacht. Und der Wind hat sich auch ziemlich beruhigt. Es ist ein sehr schöner Abend an Bord.

27.07.2025 Sonntag
14:36 Léros / Lakkí Kuluki Karte
17:56 Arkí / Tiganáki Karte
Zeit unterwegs: 03:20 Strecke: 20,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten

Es wird Zeit, Kuluki zu verlassen. Die Windprognose verspricht mäßige 8 bis 11 Knoten Westwind(!). Um nicht zu früh in Tiganaki anzukommen fahre ich erst am Nachmittag los. Besonders am Sonntag sind dort erfahrungsgemäß viele Boote mit Badegästen, die sich im Drive-In-Swimmingpool tummeln.

Zunächst sieht es so aus, als ob ich in anderes Tagesziel anpeilen müsste. Denn trotz des Windes mit tatsächlich nur 8 bis 11 Knoten (gemütliches Fahrradfahrtempo) kommen westlich von Leros ordentliche Wellen daher.
Nach etwa einer Stunde biege ich ab und schaue mir Archangelos an. Da sind keine Wellen aber 13 ankernde Segelboote. Also vielleicht nächstes mögliche Ziel Lipsi Koklakura. Als ich Kurs darauf nehmen kann, ist der Wind noch da, aber kaum mehr Wellen – hurra! Tiganaki ich komme!

Ich komme zur richtigen Zeit an. Als ich in das Becken einbiege, geht ein Muskelboot ankerauf genau auf dem Platz, den ich haben möchte in der Mitte des Beckens und kein anderes Boot ist im Weg. Der Anker geht auf 2,6 m Tiefe und gräbt sich tief in den Sand ein, was bei dem nicht vorhandenen Wind eh wurscht ist.

Es sind noch fünf Motorboote und viele Leute am Strand da. Aber allmählich verdünnisieren sie sich und als um 19:38h das letzte Boot abfährt, habe ich den herrlichen Abend für mich allein. Nur sanftes Wellenplätschern und Ziegenglocken sind zu hören.

2025-07-27 Arki Tiganaki Ankerposition
Arki Tiganaki Ankerposition
2025-07-27 Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
2025-07-27 Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
2025-07-27 Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
2025-07-27 Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
2025-07-27 Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang
Arki Tiganaki Rundumblick nach Sonnenuntergang

28.07.2025 Montag
11:15 Arkí / Tiganáki Karte
14:32 Sámos / Marathókampos Karte
Zeit unterwegs: 03:16 Strecke: 20,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten

Nach acht Stunden Schlaf stehe ich wie üblich kurz vor Sonnenaufgang auf und kann auch einen herrlichen windstillen Morgen alleine genießen. Es ist mit 24°C angenehm kühl allerdings mit 84% relativer Luftfeuchtigkeit auch sehr feucht. Alles draußen und auch der Cockpittisch unter dem Bimini sehen aus als ob es geregnet hätte. Normalerweise bedeutet das, dass es tagsüber wenig Wind geben wird. Das versprechen auch die Windprognosen und zwar aus Süd – ideal für meine heute geplante Fahrt nach Marathokampos.

Neuerdings gibt es in Tiganaki ausreichend LTE-Empfang sodass ich meine übliche Morgenroutine am iPad machen kann.

Allmählich kommen Badegäste. Zuerst zu Fuß zum Strand, denn mit Booten. Bevor es wirklich viele werden, fahre ich los. Nach 15 Minuten kann ich Kurs auf Marathokampos anlegen und dann geht es drei Stunden lang schnurstracks auf praktisch glatter See dahin.

Der Hafen ist seit vorigem Jahr als Marina bewirtschaftet, in der ich vor vier Tagen einen Platz bis Sonntag reserviert habe. Der deutsche Marinabetreuer Stephan weist mir einen guten Platz zu und hilft beim Anlegen. Die Mooringleinen sind sowas von grindig und voll mit kleinen Muscheln. Ohne Handschuhe wären sie nicht bedienbar. Erst zum Schluss, wo das Seil über die Bugklampe geschlagen wird, ist es ein normales Seil.

Dann gehe ich auf ein Bier und einen Toast in eines der vielen Lokale an der Strandpromenade. Danach Check-In bei und Instruktionen von Stephan. Und danach ist vor dem Abendessen noch Zeit für ein Schläfchen.

2025-07-28 Arki Tiganaki die Sonne zeigt sich
Arki Tiganaki die Sonne zeigt sich
2025-07-28 Samos Ormos Marathokampos Anlegeplatz in der Marina
Samos Ormos Marathokampos Anlegeplatz in der Marina
2025-07-28 Samos Ormos Marathokampos Guter Anlegeplatz
Samos Ormos Marathokampos Guter Anlegeplatz
2025-07-28 Samos Ormos Marathokampos Katze beobachtet das Geschehen
Samos Ormos Marathokampos Katze beobachtet das Geschehen

29.07.2025 Dienstag
Sámos / Marathókampos
Der Tag beginnt wie der gestrige komplett ohne Wind und mit angenehmer Temperatur. Obwohl die Lokale nicht weit entfernt sind, war es in der Nacht nicht laut. Kurz nach zwei hörte ich zwar ein paar Besoffene lachen, aber das wars schon. Keine dröhnende Musik wie zB in Pythagorion. Naja, am Freitag soll es Live-Musik in einem der Lokale geben…

Wie vereinbart hole ich um 8:30h einen Hochdruckreiniger, vulgo Kärcher, bei Stephan ab, kostet 5 € Miete. Es ist ein schnuckeliges PARKSIDE Ding vom Lidl. Wider Erwarten funktioniert es sehr gut. Die Farbe von Deck, Salondach und Bugnetz wechselt allmählich von hellbeige zu beinahe weiß und das Cockpit samt Teppiche werden wieder sauber. Beim Bugnetz bleiben die Einfassungen aus Planenmaterial aber braun. Allmählich heißt, dass es dauert. Der Wasserstrahl ist nicht besonders stark und da muss man schon knapp über der Fläche mit dann kleinem und starkem Wirkungskreis sprühen, um den Dreck zu lösen. Andererseits ist es gut, denn es lässt sich nicht vermeiden, dass man gelegentlich den nackten Fuß erwischt. Es tut zwar weh, aber die Zehen werden nicht abgetrennt.

Was mich besonders freut: Die voriges Jahr neue Heckplattform ist über den Winter grau geworden. Mit dem Sprühi erhält sie ihre Holzfarbe wieder. Auch die seit Jahren graue Passarella zeigt sich jetzt in einer holzähnlichen Farbe.

Lange schon habe ich überlegt, einen Hochdruckreiniger zu kaufen. Aber alle anderen bisher gesehenen waren mir zu groß. Dieses Ding ließe sich aber bestimmt noch irgendwo unterbringen und wäre insbesondere beim Auswintern sehr nützlich. Heuer habe ich fürs Bootwaschen vor meiner Ankunft der Werft 200 € gezahlt. Dabei haben die Dodln die Plattform und das Netz gar nicht gewaschen.

Aber wo kaufen? Auf Samos gibt es schon einen Lidl, wo Stephan das Sprühi gekauft hat. Es ist aber wie üblich nicht immer im Angebot. Extra deswegen mit dem Auto ca. eine Stunde zum Lidl fahren, lohnt sich wirklich nicht, wenn es nicht verfügbar ist.

Am Nachmittag bringe ich das Sprühi zu Stephan zurück und gehe wieder auf ein Bier und ein Toast. Danach ein Schläfchen…

Und danach im Unterschied zu gestern ein Meeresbad. Nicht hier im Hafenbecken, da graust es sogar mir, sondern am anderen Ende des Anlegestegs. Da kann man gut über ein paar Stufen und dann Kieselsteinen ins Wasser gehen. Das ziemlich klar ist und es gibt sogar einen Badestrand. Aber es ist zu warm! Abkühlung bringt erst eine der zwei Duschen, die die Marina gleich daneben eingerichtet hat – inklusive WC. Eigentlich super!

2025-07-29 Samos Ormos Marathokampos Lidl Sprühi und Unterschied zwischen damit schon und noch nicht gereinigter Heckplattform
Samos Ormos Marathokampos Lidl Sprühi und Unterschied zwischen damit schon und noch nicht gereinigter Heckplattform

2025-07-29 Samos Ormos Marathokampos Aussicht von meinem Bier- und Toastlokal Ta Tsakanakia
Samos Ormos Marathokampos Aussicht von meinem Bier- und Toastlokal Ta Tsakanakia

30.07.2025 Mittwoch
Sámos / Marathókampos
Der Leihwagenvermieter von Galaxy ruft bereits um 8:40 h an, dass er da ist. Er übergibt mir einen Toyota Aygo um 40 Euro per Tag. Am Samstag vor 22h soll ich ihn wieder mit dem Schlüssel unter dem Teppich abstellen und mit etwa gleich viel Benzin im Tank. Also die übliche griechische Art.

Ich räume um und auf und putze.

Die Sache mit dem Sprühi vom Lidl geht mir nicht aus dem Kopf. Ich fahre daher früher als notwendig los um die Beate vom Flughafen abzuholen. In 40 Minuten bin ich beim Flughafen und 15 Minuten später im Lidl. Es gibt wirklich einen solchen Hochdruckreiniger! Den letzen Restposten einer früheren Aktion. Er ist etwas größer und kostet 79 Euro – gekauft! Ich kaufe auch diverses mehr um etwa denselben Betrag, aber nichts Frisches.

Beates Flug landet fast pünktlich um 19:08h – große Wiedersehensfreude nach 1,5 Monaten!

Ihren Koffer und einen Teil meiner Einkäufe lassen wir im Auto. Morgen haben wir Zeit genug, alles aus- und einzuräumen und gehen lieber gemütlich zum Abendessen ins recht elegante The Local. Obwohl wir praktisch täglich mit einander telefoniert haben, gibt es viel zu bereden. Und es gibt auch ein sehr gutes Essen. Nur die griechische Live-Musik vom Nachbarlokal stört. Sie ist nicht sehr laut aber die zwei Männer spielen und singen in unseren Ohren immer wieder dasselbe. Auch noch als wir kurz vor Mitternacht schlafen gehen haben sie noch nicht damit aufgehört.

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