Aktualisierung 20.08.2018 00:52:17 Anzahl Tage: 7
02.07.2015 Sámos / Marathókampos – Arkí / O. Augústa (Hafenbucht) – Arkí / Tiganáki – Lipsi / Hafen
03.07.2015 Lipsi / Hafen – Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
04.07.2015 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Levítha / O. Levítha
05.07.2015 Levítha / O. Levítha – Schinousa / Livadi
06.07.2015 Schinousa / Livadi – Sífnos / O. Vathy
07.07.2015 Sífnos / O. Vathy – Kythnos / Hafen Merichas
08.07.2015 Kythnos / Hafen Merichas – Makronisos / Südbucht – Attikaküste / Lavrio
Crew:
Tötterström Tom
Schermann Christian
Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 36:21 Strecke: 223,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
02.07.2015 Donnerstag
10:35 Sámos / Marathókampos Karte Abfahrt
10:55 Genua dazu, Motoren langsamer
11:35 Genua weg, Motoren schneller
13:47 Arkí / O. Augústa (Hafenbucht) Karte Hafenrunde
14:12 Arkí / Tiganáki Karte Ankern
15:20 Arkí / Tiganáki Karte Abfahrt
16:38 Lipsi / Hafen Karte Längsseits anlegen Anlegerkopf
Zeit unterwegs: 04:55 Strecke: 31,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten
Das Flugzeug landet pünktlich um 8:30h und exakt nach der Berechnung des Routenplaners kommt Christian 44 Minuten später mit dem Taxi am Boot an.
Wir gehen zum sehr gut sortierten proton-Supermarkt und dann zum eher bescheidenen Bäcker einkaufen. Wir trinken Kaffee und essen unsere Bäckereispezialitäten, die allerdings vor allem geschmacklos sind.
Gleich nach der Ausfahrt aus dem Hafenbecken kommt der Fallwind von hinten mit bis zu 37 Knoten daher. Etwas weiter draussen beruhigt sich der Wind etwas und wir rollen die Genua aus. Das geht eine Zeit lang recht gut, aber dann kommt der achterliche Wind Mal von der einen, dann von der anderen Seite. Die Genua kann sich nicht entschließen, auf welcher Seite sie bleiben will und ändert immer wieder die Seite mit einem Knall. Also kommt sie weg und wir motoren ohne Segel flott dahin.
In Arkí schauen wir in die Hafenbucht Augusta ohne anzulegen hinein bevor es nach Tiganaki weiter geht. Nur zwei Ausflugsboote sind da. Also haben wir genügend Platz, den Anker zu werfen. Wir schwimmen und essen eine Jause.
Die nächste Station Lipsi bietet was Neues: Es ist nicht mehr verpönt, längsseits am Kopf des Anlegers anzulegen. Nein, ein neues Anlegerhilfskommando bestehend aus einem ziemlich schrumpeligen Mann in einem gelben T-shirt mit der Aufschrift „Delaila“ (Taverne in der Südbucht Katsadia) und einem jungen Mann in einer wichtig anmutenden Warnweste für Autofahrer begrüßt uns freundlich und hilft mit den Leinen. Viel Hilfe ist nicht notwendig. Und dann noch was Neues: Der schrumpelige Mann präsentiert einen quittungsähnlichen Zettel mit dem Text „Receipt of 5€“. Na gut, bekommt er.
Wie immer kommt Manolis vorbei, überreicht die Speisekarte seiner Taverna „Manolis‘ Tastes“ und preist diese an. Wir versprechen zu kommen. Davor machen wir Halt im Lokal an der Wurzel des Anlegers und dann auf der Terrasse der Kirche. Obwohl sich Manolis sehr bemüht, einen guten Eindruck zu machen, tut sein Essen das diesmal überhaupt nicht. Es ist gar nicht gut. Die obligaten Pommes Frites sind sogar schrecklich.
Den Vollmondaufgang sehen wir dann wieder vom selben Platz im Hafenlokal gemeinsam mit vielen anderen. Recht bald danach sitzen wir im Cockpit und hören Musik aus dem von Christian mitgebrachten Denon-envaya Lautsprecher. Funktioniert mit Akku und empfängt die Musik vom Handy oder Computer per Bluetooth und klingt richtig gut.
03.07.2015 Freitag
09:06 Lipsi / Hafen Karte Abfahrt
10:15 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte An Boje
13:35 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte Abfahrt
14:02 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:36 Strecke: 9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten
Um acht wecke ich den Christian. Wir gehen zum Bäcker frühstücken. Dann ab nach Leros. Unterwegs sehen wir vier, vielleicht fünf, prächtige Delfine. Sie schwimmen so 10 Minuten lang gerne zwischen den Bügen hin und her.
Der im Voraus bestellte Platz längsseits außen am Travelliftbecken wird genau vor unserer Nase von einem Segelboot eingenommen. Wir werden gebeten, an der Boje zu warten – na was sonst hier. Dann wird das Segelboot in das Travelliftbecken verlegt um aus dem dem Wasser heraus gehoben zu werden. Hätte es nicht gleich dort hinein fahren können, damit wir den für uns reservierten Längsseitsplatz hätten nehmen können?
Gerade als wir von der Boje ablegen wollen, kommt ein Motorboot daher und nimmt sich den Längsseitsplatz. Ich rufe wieder die Irene von der Rezeption an und erkläre die Situation. Kurze Zeit später wird uns zugewunken, dass wir doch anlegen können. Das Boot hat sich nach hinten verholen müssen.
Es ist aus Patmos gekommen, um Diesel zu tanken. Das passt natürlich gut. Wir können den Tank auffüllen und auch den 25L Reservekanister. Damit schaffen wir es bis zum Festland auf jeden Fall.
Wir holen das mittlerweile reparierte Schlauchi und auch das Kartenbuch für die Nordägäis ab. Nach einiger Zeit kommt auch der Mechaniker für die Klopumpe. Sie funktioniert nämlich nicht gut. Auspumpen geht gut, aber spülen schlecht. Die zwei wesentlichen Dichtungen werden ausgetauscht und die Pumpe eingefettet. Danach flusht sie auch wieder.
Wir verlegen uns nach Archangelos. Ich ziemlich zufrieden. Jetzt sollte alles für längere Überfahrten vorbereitet sein. Nach Schwimm folgt Bootwasch, insbesondere die Heckplattform, dann ein Schachspiel und danach Essen in der Taverna Stigma. Viel besser als die gestrige Manolis Erfahrung.
Danach noch ein Schachspiel und das Schreiben dieser Zeilen. Am morgigen Ziel Levitha gibt es gar keine Mobilfunkverbindung und wo wir am Sonntag Abend sein werden, weiß ich noch nicht. Vermutlich auf Schinoussa.
Die eingebundene Routenkarte funktioniert noch nicht so richtig. Sie geht bei jeder Aktualisierung des Berichts verloren. Ich lasse sie jetzt einfach weg.
04.07.2015 Samstag
10:52 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Abfahrt
11:04 Motoren aus
13:19 Motoren dazu
13:58 Levítha / O. Levítha Karte An Boje
Zeit unterwegs: 03:06 Strecke: 19,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten
Wir haben es nicht eilig. Der Wind soll im laufe des Tages ein wenig abnehmen. Für ein Schachspiel nach dem Frühstück ist daher locker Zeit. Ich binde zwei Reffs ins Großsegel. Die werden sicher benötigt werden.
Wir lichten den Anker und setzen sofort die Segel. Kurze Zeit später brummen die Motoren nicht mehr und es geht mit 7 bis 8 Knoten rauschend dahin bei 20 bis 25 Knoten Wind. In der Mitte nimmt er etwas ab auf unter 20, aber die letzte Stunde vor Levitha kommt er mit bis zu 28 Knoten daher.
Christian bekommt ein mulmiges Bauchgefühl und wird müde. Also die sanfte Variante der Seekrankheit. Schlafen auf dem Sofa im Salon hilft. Ich wecke ihn auf, damit er die Bojenstange bedient. Allein wäre es bei dem Wind sehr schwierig. So ist es aber ganz leicht. Es dauert trotzdem eine Weile, bis wir so an der Boje so hängen, wie ich es haben will. Also mit Hanepot und einer Leine auf Slip zur Mittelklampe. Christian wundert sich über die vielen Leinen. Aber besser zwei zu viel als eine zu wenig.

Auf der Segelfahrt hat mich ein Rumpeln vom Backbordruder beunruhigt. Ich schaue mir das im Wasser an. Ja, das Ruderblatt wackelt ganz leicht. Der Ruderschaft hat also in der Buchse ein wenig Spiel. Bisher war das nicht zu hören, weil das Motorenbrummen das Rumpeln übertönt hat. Die Schrauben, die den Schaft mit der Lenkstange verbindet, sind ein wenig locker. Ich ziehe sie nach und ärgere mich, dass ich nicht daran gedacht habe, die Ruder in der Werft zu kontrollieren.
Wir gehen hinauf zum Bauern essen. Es gibt günstigen – 37 Euro per Kilo – gegrillten Fisch, Barrakuda und ein anderer, dessen englischer Name der sonst gut englisch sprechende Kellner nicht weiß. Die Mannschaften von zwei der anderen drei Boote in der Bucht kommen auch. Aber es bleibt jeder Tisch für sich und isst Fisch.
Wir gehen noch im Abendlicht zurück und paddeln mit 18 Schlägen zurück zum Boot. Gestern waren es 25,5. Dafür den Außenborder anzuwerfen, vor allem montieren, wäre wirklich unnötig. Leider ist die hässlichste aller Schlauchbootreparaturen nicht dicht. Oder das Schlauchi verliert sonst irgendwo Luft aus der vordersten Luftkammer. Diesmal werde ich keinen Selbstreparaturversuch unternehmen. Bringt eh nix. Bei längeren Landaufenthalten halt die Pumpe mitnehmen wird reichen so lange es nicht schlimmer wird.
Wir spielen noch eine Partie Schach bevor wir früh schlafen gehen.
05.07.2015 Sonntag
07:58 Levítha / O. Levítha Karte Abfahrt
08:31 Segelfahrt
11:20 36°53’24“N,026°04’34“E Segel bergen
13:52 LF Südspitze querab
14:23 W-Spitze Amorgos Kursänderung
16:39 Schinousa / Livadi Karte Ankern
Zeit unterwegs: 08:41 Strecke: 57,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten
Nach sieben Stunden habe ich genug geschlafen und stehe um fünf auf. Die Sache mit dem Ruder beschäftigt mich. Mir kommt in den Sinn, dass der Winkel verstellt sein könnte. Aber Christian schläft noch in der stbd Achterkabine, so dass ich das Ruder dort noch nicht vergleichen kann.
Mit der Sonne steht auch Christian auf. Wir frühstücken und dann sehe ich eindeutig, dass das bb Ruder um sicherlich 5 Grad verstellt ist. Es dauert etwas, bis ich darauf komme, wie das korrigiert werden kann.
Gleich nach der Abfahrt zeigt sich, dass der Autopilot jetzt kein Problem mehr hat, der Kurs zu halten. Mich hat in den vergangenen Tagen immer gewundert, dass er Schlangenlinien fährt. Kein Wunder, wenn die Ruderblätter nicht exakt parallel stehen.
Beim Segeln ist das Rumpeln nicht mehr zu hören. Das bisschen Spiel in der Buchse dürfte also keine so große Rolle spielen, wenn das Ruder richtig eingestellt ist.
Bei der Amorgos Annäherung dürfen die Motoren mit schieben. Der Wind kommt sehr unregelmäßig daher. Ich beschließe, die Insel südlich zu nehmen, aber ganz knapp dem Ufer entlang. Von früher weiß ich, dass Amorgos eine fürchterliche Windmaschine ist, zu der man mindesten 8 Seemeilen Abstand halten muss. Aber knapp entlang des Ufers müsste es eigentlich gehen, zumindest ohne Wellen. Voriges Jahr hat diese Taktik an der Südküste von Kos auch funktioniert.
Da begrüßt uns schon das Windmonster:

Um 11:20 erreichen wir den ersten kurzen Windschatten unterhalb der E-Spitze. Die Segel werden in Rekordgeschwindigkeit geborgen – bevor die nächste Windbö daher kommt. Alles, was wegfliegen könnte, wird weggeräumt oder angebunden. Und gut ists. Irrwitzige Böen kommen blitzschnell daher und gleich darauf ist es wieder ruhig. Die Windmessanlage kommt gar nicht mit. Am Ende des Tages zeigt er die maximale wahre Windgeschwindigkeit mit „nur“ 47,5 Knoten an. Aber mit dem Handwindmessegrät messe ich bis zu 53 Knoten Wind. Dabei erwische ich die ärgsten Böen mit fliegendem Wasser gar nicht. Aber es geht kommod dahin. Ich steuere konsequent entlang des Ufers, maximal 100m entfernt, meistens viel weniger. Es gibt keine großen Buchten auszufahren und keine Untiefen zu umfahren, mit einer Ausnahme, siehe unten. Die Tiefenangaben in der Navionics Karte am iPad sind komplett falsch. Es gibt keine einzige Stelle mit weniger als 10m Tiefe.
An der W-Spitze von Amorgos nehmen wir Kurs auf Schinousa. Wind und Welle sind jetzt stetig vorhanden und das nicht zu knapp. Der Wind kommt ein wenig zu westlich, um direkt nach Schinousa segeln zu können und das mit 32 Knoten über Grund. Also gebe ich Vollgas, lasse den Autopiloten draußen steuern und wir sitzen trocken im Salon. Ich freue mich darüber, dass er jetzt schnurgerade steuern kann. Und darüber, dass das Boot jetzt wieder gewaschen wird.
In der Livadi Bucht ankern schon zwei Segelboote. Platz wäre genug für mindestens 10. Eine schöne Bucht und, wie ich weiß, mit einer netten Taverna.
Allerdings beschließen wir, in die Ortschaft hinauf zu gehen. Das lohnt sich und der Fußweg dauert keine 20 Minuten. Christian ist von der Idylle ganz begeistert, wie bisher alle, die hier waren. Wir essen in der Taverna Margarita mit der famosen Aussicht und kaufen danach Obst, Bier und Brot im Geschäft an der „Hauptstraße“ ein.
Vor dem schlafen gehen verliere ich wieder zwei Schachpartien. Wahrscheinlich ist Christian mehr bei der Schachsache als ich.
Noch ein paar Bilder von der Südpassage von Amorgos:
Ab einer gewissen Windstärke staut sich der Wind und bildet Wolken:

Entlang der gesamten Südküste, immerhin ca. 31 Km, gibt es nur drei von Menschenhand errichtete Bauwerke. Dieses verlassene Dorf, vermutlich eine ehemalige Mineralienmine:

das „Schwalbennestkloster“ mit dem unaussprechlichen Namen Chozoviótisas (und dann irgendwo ein Privathaus, das ich wegen Bedeutungslosigkeit nicht fotografiert habe):


Aber die Gesteinsformationen sind gelegentlich interessant, wie diese:

An dem Kloster vorbei und nach Umrundung des Felsens Megálo Vriókastro fotografiere ich nach hinten. (Die Ausnahme: Laut Seekarte und Navionics soll sich zwischen diesem und der Insel ein Stein befinden. Da es hier mit über 40 Knoten so richtig kachelt, verlasse ich mich nicht auf die Augapfelnavigation + Polariodsonnenbrille und umrunde daher den Felsen):

Da ist die Wolkenbank ganz deutlich zu sehen. Meine Theorie, warum Amorgos so ein Windmonster ist: Hier staut sich der Wind. Ein Teil wird nach Südost, der weitaus größere Teil der Luftmasse nach Südwest abgelenkt. Zumindest haben wir ab dem Kloster den Wind mit uns, davor gegen uns.
06.07.2015 Montag
08:30 Schinousa / Livadi Karte
09:53 Segel setzen
12:34 36°54’26“N,025°00’17“E Reffleine gerissen, weiter im 2. Reff
14:33 Bei Sifnos S-Spitze Segel bergen
15:25 Sífnos / O. Vathy Karte Ankern
Zeit unterwegs: 06:55 Strecke: 42,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten
Gleich nach Frühstück bei Ö1 Morgenjournal fahren wir los. Es gibt zwei Varianten: Zwischen Naxos und Paros nach Syros oder nach Sifnos in West. Nach etwas über einer Stunde Motorfahrt gegen Wind und Wellen scheidet Variante eins aus und wir setzen die Segel.
Es ist max. 20 Kn Wind vorhergesagt, weshalb ich das Groß im ersten Reff setze. Funktioniert bestens bis der Wind nach 2,5 Stunden zu viel auffrischt. Die Frage, ob nicht einreffen doch besser wäre, wird mit einem Knall beantwortet, als die Reffleine reißt. Also das Groß ein Stückchen herunter und mit Reff 2 weiter segeln. Geht auch flott dahin aber den Rekord von 9,2 GPS-Knoten von vorhin brechen wir nicht. Obwohl der Fallwind südlich von Sifnos bis zu 37,1 Knoten daher donnert (wahre Windgeschwindigkeit 32,8 Kn). Ich traue mich halt nicht, den vollen Winddruck auszunutzen.
Beim Inselchen Kitriani an der S-Spitze von Sifnos kommen die Segel um 14:30 herunter. Kurze Zeit später ankern wir in der Vathi-Bucht. Beim Abendessen in der sehr guten Taverna Symposio kommen wir mit einem dänischen Ehepaar ins Gespräch. Macht zum ersten Mal Urlaub in Griechenland und ist sehr begeistert.
Endlich ist es für Christian warm genug, so dass wir das Abendschach im Cockpit spielen können. Es wird eine lange und ausgeglichene Partie, die ich dann aus Ungeduld und Müdigkeit verliere. Kurz nach 22h schlafe ich bereits wie ein Stock.
07.07.2015 Dienstag
08:43 Sífnos / O. Vathy Karte Abfahrt
13:03 Motoren langsamer
15:30 Kythnos / Hafen Merichas Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 06:47 Strecke: 37 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten
Abfahrt wie gestern. Heute ist die Route klar: SW-Spitze von Serifos umrunden und dann Richtung Nord. Der Wind ist auch wie gestern, nur der Kurs nicht segelbar. Also schräg gegen die krachenden Wellen per Motor.
Kurz vor Serifos sehe ich, dass Wasser bei der Notausstiegsluke an bb herein schwappt. Und das gar nicht wenig. Bei jeder zweiten Welle ein Stamperl. Es sind verdammt viele Wellen. Die Bilge ist schon halb voll. Die Wolfcraft Impellerpumpe auf Akkuschrauber kommt zum Einsatz und entleert die Bilge durch das Klofenster mittels zweier kurzer Schläuche fast so bequem wie eine eingebaute Bilgepumpe. Ich lasse das Bodenbrett offen, um beobachten zu können, wann die nächste Entleerung fällig ist.
Nach der Umrundung der SW-Spitze von Serifos geht es im steilerem Winkel gegen die Wellen Richtung Kythnos. Es ist absolut unerträglich wie das Boot geprügelt und wir geschüttelt werden. Aber wir müssen da durch, um morgen am Abend am Festland zu sein. Übermorgen wäre das kein Problem. Da soll leichter Südwind aufkommen…
Westlich von Kythnos beruhigt sich die Lage wesentlich. Die letzte Stunde ist direkt erholsam. Nur gelegentlich kracht eine Welle unten an das Brückendeck und die Salzwasserduschen sind kaum ergiebig.
Der Hafen Merichas ist schon ziemlich voll. Eigentlich kein Platz für uns. Aber der Kopf eines Fischerpiers bietet sich an. Nach Besichtigung der Verhältnisse und nachdem kein Aufschrei von irgendwo ertönt, dass man hier nicht anlegen darf, ist die Entscheidung gefallen. Eine gute. Der städtische Hafenmeister erscheint und bestätigt „very good place here“. Es dauert zwar bis die Leinen passen. Die Festmachermöglichkeiten sind sehr beschränkt vorhanden. Aber der Platz bietet mit Abstand die schönste Aussicht auf die Ortschaft. Und nach vielen Jahren wieder einen Sonnenuntergang ins Meer, wie er kaum schöner sein könnte.


Davor darf ich zum Hafenmeister gehen und 9 Euro Hafengebühr bezahlen – inklusive Wasser! Er organisiert auch den Dieseltankwagen. Also werden alle Tanks aufgefüllt und die Salzkruste abgespült. Das ist beruhigend. Denn sollten wir morgen keinen entsprechenden Platz bekommen, ist alles für mindestens eine Woche an Bord, was man nicht mit dem Schlauchboot organisieren kann.
Einen Tobsuchtsanfall bekomme ich aber, als ich feststelle, dass die Werft ein neues Ventil für die Frischwassertanks eingebaut hat, das man nicht absperren kann! Es gibt drei Stellungen: Tank 1, Tank 2 oder beide. Beide bedeutet: Das Wasser vom höher gelegenen Tank 2 rinnt in den niedriger eingebauten Tank 1. Ist dieser voll, rinnt der Rest über das Überlaufrohr ins Meer. Und also keine keine Aus-Stellung. Wie verblödet ist denn das! Heute muss ich, wie so oft in der Saison, den Einlauffilter der Pumpe reinigen. Dabei rinnen zwangsläufig ein paar Liter Wasser aus, die nur mühsam mit einem Schwamm aufgetunkt werden können. Dieses Witzventil wird die Werft als Reklamation austauschen müssen.
Nach der Waschaktion gehen wir gleich essen während das Boot trocknet. Die Taverna Yalos am Strand erweist sich als eine gute und preiswerte.
08.07.2015 Mittwoch
09:30 Kythnos / Hafen Merichas Karte
10:12 Motorsegeln
11:10 Wind weg, Genua weg
12:56 Attika / Makronisos Südbucht Karte Ankern
13:35 Attika / Makronisos Südbucht Karte Abfahrt
14:30 Attika / Lavrio Karte Mooring
Zeit unterwegs: 04:21 Strecke: 27,7 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten
Wir gönnen uns ein gutes Frühstück im Allegro Café bevor wir los fahren. Der Wind ist heute direkt freundlich und der Wellengang auch. Die Genua wird ausgerollt und wir können ein Stück lang gut motorsegeln.
Christian möchte noch einen Schwimmstopp machen. Dafür sieht die Südbucht der Insel Makronisos geeignet aus. Ist sie auch. Ein recht großer Sandfleck auf 3m Tiefe zwischen Felsplatten ist mit der Polaroidbrille gut auszumachen. Bis auf einige Möwen am Strand ist die Insel verlassen. Einige Häuserruinen sind zu sehen. Die Insel war Verbannungsort für politische Gegner während der Juntazeit.
In weniger als einer Stunde erreichen wir Lavrio. Die freundliche, perfekt deutsch sprechende Dame von http://www.amz-yachting.ch (Tel. +30 694 313 66 94) hat gestern den Rat gegeben, nach der Einfahrt in das Hafenbecken die Port Authority, tel. +30 22920-26859 anzurufen, um einen Platz zugewiesen zu bekommen. Dort antwortet aber niemand. Ich rufe Magdalena an – so heisst sie, erfahre ich später – und kein Problem. Sie sitzt gerade mit der Port Authority in einer Taverna. Kurze Zeit später winkt schon ein stämmiger Mann und weist uns einen Platz am Kai bei Olympic Yachting zu. Es gibt Mooringleinen, wenig Wind und zwei Helfer an Land. Also supereinfach. Der Port Authority Mann geht und sagt, ich solle morgen zu seinem Büro wegen der Hafengebühr kommen. Magdalena kommt an Bord und sieht sich die Notausstiegsluken an, weswegen ich gestern – auf Empfehlung aus http://mittelmeer-skipper-forum.de – die Schweitzer Firma von Michael Züger angerufen habe. Allerdings ist er selbst nicht da und Magdalena macht Telefondienst. Aber sie kennt noch einen Mechaniker, den sie kontaktiert und der später auch vorbei kommt. Er, wie ich, vermutet, dass die Dichtung erneuert werden muss. Er notiert sich die Abmessungen und wird sich melden, ob er eine passende in seiner Werkstatt vorrätig hat. Wenn nicht, wirds nix. Sagt er gleich.
Beim wohlverdienten Ankunftsbierchen in der Taverna Karahalios, schräg gegenüber dem Boot, sitzt auch die Magdalena. Ist sozusagen ihr Homeoffice. Sie kennt sich gut aus. Ja, es gibt einen Lidl, sogar zwei auf dem Weg zum Flughafen. Und sie kennt die Taxikosten zum von vom Flughafen – 40 Euro. Und sie kennt einen Autovermieter, den Panagiotis vom „Auto Club“ in der Olympic Marina ein paar Kilometer südlich von Lavrion. Ich rufe ihn an, +30 22920 25210. Ein Auto hat er um 40 Euro pro Tag und ok, seine Frau wird mich im Lokal abholen und wird mit mir dann die Formalitäten machen. So ist es auch einige Minuten später. Also werde ich den Christian morgen in der Früh zum Flughafen bringen und die Beate am Nachmittag abholen. Dazwischen im Lidl einkaufen.
Zwei Schachpartien auf dem Boot gehen sich gut aus, bevor wir zum To Limani/The Port essen gehen. Ist gut und günstig und die Zucchini Frittes mit Parmesan ein Gedicht.
Dann will ich probieren, Geld abzuheben. Wir finden die Bank mit zwei Bankomaten, wovor zehn Personen warten. Wir stellen uns an und denken, dass es länger dauern werde. Aber nein. Der Mann vor mir sagt, dass der linke Bankomat nur 50 Euro während der rechte 60 ausgibt. Alle wollen 60. Mir egal, denn der linke gibt mir problemlos 400.
Das war das erste von mir beobachtete Zeichen einer Krise. Wird leider wohl noch mehr geben.