Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2016-08-16 Abschluss

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Seite drucken Aktualisierung 20.08.2018 00:09:40 Anzahl Tage: 17
16.08.2016 Kos / Kefalos, Kamari
17.08.2016 Kos / Kefalos, Kamari
18.08.2016 Kos / Kefalos, Kamari – Gyali / Strand
19.08.2016 Gyali / Strand – Nisyros / Páli – Gyali / Strand
20.08.2016 Gyali / Strand
21.08.2016 Gyali / Strand – Tílos / O. Skáfi – Tílos / O. Livádia
22.08.2016 Tílos / O. Livádia – Tílos / Ágios Antónios – Tílos / O. Pláka
23.08.2016 Tílos / O. Pláka – Nisyros / Páli
24.08.2016 Nisyros / Páli – Kos / Kefalos, Kamari
25.08.2016 Kos / Kefalos, Kamari – Kálymnos / Emboriós
26.08.2016 Kálymnos / Emboriós – Léros / O. Alíntas
27.08.2016 Léros / O. Alíntas – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
28.08.2016 Léros / N. Archángelos Ankerbucht
29.08.2016 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni Agmar Marine
30.08.2016 Leros
31.08.2016 Leros
01.09.2016 Leros

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 25:45 Strecke: 138,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


16.08.2016 Dienstag
Kos / Kefalos, Kamari
Heute ist es wirklich kalt. Die Lufttemperatur steigt im Laufe des Tages kaum über 25°, das Wasser erwärmt sich von 22 auf 23°. Also schwimmen wir nicht viel und tun auch sonst nicht viel. Am Abend treffen wir Vassilis zum Essen in seinem Stammlokal. Es gibt frische Dolmadákia von Kalliopy sen. absolut köstlich zubereitet.


17.08.2016 Mittwoch
10:18 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
10:34 Kos / Kefalos, Kamari Karte Anlegen
11:45 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt zum Fischen
16:04 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 04:35 Strecke: 13,8 Seemeilen Ø Fahrt: 3,1 Knoten


Für heute hat Vassilis eine Fahrt zum Fischen mit seinen Fischerfreunden Charlambos und Yannis organisiert. Es sind also Freunde, die oft und gerne fischen, was Vassilis allerdings nicht tut (ungewöhnlich für einen Griechen). Sie kennen die Stellen genau, wo es Fische gibt. Dorthin wollen wir heute fahren.
Wir verlegen die Blodughadda zum Anleger und gehen nicht weit ins Café Cavos, das dem Yannis und seinem Schwiegersohn gehört. Als der Schwiegersohn ausgeschlafen ist (er hat Nachtdienst am Flughafen als Security gehabt), ist Yannis frei und wir können abfahren. Wir fahren südwärts. Yannis packt gleich seine Schleppleine mit 10 Ködern heraus, sprich: Er lässt sie von der Plastikwanne ins Wasser gleiten. Ganz am Ende ist ein Wobbler, davor 9 kleine bunte Plastikoktopusse, insgesamt 100m Leine. Mit knapp 4 kn fahren wir der Küste entlang. Charlambos, sinnvollerweise Babi genannt, übernimmt gleich das Steuer. Ich darf auch die Fischerleine halten und sie regelmäßig nach vor und hinten bewegen, um die Fische so richtig anzulocken. Das gelingt aber nicht. Dem Yannis auch nicht. Wir fahren dann an die W-Seite des Inselendes und lassen das Boot im Wind treiben. Die zwei Haken der Angeln (eigentlich nur eine Leine, die auf einem Styroporblock aufgerollt ist) werden mit Fischstückchen bestückt und der ordentliche Bleiklumpen befördert sie in die Tiefe. Es dauert nicht lange bis die ersten Fische anbeißen, Schermesserfische! Xyrichtys novacula, hier Fílippos, auf Rodos Rosetta, auf Mallorca Raor genannt.
Wind und Wellen sind aber recht unangenehm und wir fahren wieder um die Ecke. An zwei weiteren Stellen wird wie gehabt geangelt und es kommen ein paar weitere Schermesserfische und auch kleine Brassen herauf.
Wenn Yannis und Babi zum Fischen hinaus fahren, bleiben sie acht Stunden lang draußen, wir diesmal nur vier – genügt eh. Die Griechen steigen am Ausflugsbootsplatz an Land und wir ankern.
Am Abend fahren wir an Land und machen einen Einkauf im Geschäft „Better than ASDA“. Von der Tochter der Geschäftsinhaberin erfahre ich, dass das gut sortierte Geschäft, in dem wir immer einkaufen, so heißt, bzw steht das oben auf dem Dach. Aber wir konnten bisher damit nichts anfangen. ASDA soll in England eine riesige sehr gut sortierte Supermarktkette sein, und dieses Geschäft ist also besser. Können wir nicht bestätigen, da wir ASDA nicht kennen.
(Nachtrag 2021: Das Geschäft heißt jetzt „Kefalos Market“. Wahrscheinlich kannten viele ASDA nicht.)
Bei Kalliopy (wäre ein wesentlich besserer Name als „Fast Food“ für das Lokal, zumal zwei dieses Namens hier arbeiten) bekommen wir den Fang des Tages gebraten serviert und dazu herrliche Melanzanichips (aus von Vassilis mitgebrachten Früchten), Patátes tiganitá (Pommes frittes) und dem obligsten Choriatiki (griechischer Salat). Babi kommt dann auch noch vorbei. Nach einiger Zeit verabschieden wir uns herzlich von allen.
(Nachtrag 2021: Das Lokal „Fast Food“ ist schon seit einigen Jahren geschlossen.)

Es war ein herrlicher Tag mit der sehr seltenen Gelegenheit, so richtig Einheimische so richtig nahe zu erleben. Trotz aller Sprachbarrieren – Babi und Yannis sprechen nur Griechisch – war ein sehr starker Sypathiefunken zu spüren. Der kommt immer wieder vor, eigentlich fast immer hierzulande – bis auf ein paar Trotteln, die es überall gibt. Schade, dass mein Griechisch so rudimentär ist. Vielleicht sollte ich doch was dagegen tun.

Yannis fischt
Yannis fischt
Babi steuert, Vassilis beobachtet
Babi steuert, Vassilis beobachtet
Babi fischt auch
Babi fischt auch
Fische nach dem Fang
Fische nach dem Fang
Fische vor dem Essen
Fische vor dem Essen
Die herzliche Kalliopy jun. wünscht guten Appetit
Die herzliche Kalliopy jun. wünscht guten Appetit

18.08.2016 Donnerstag
11:38 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
13:46 Gyali / Strand Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:08 Strecke: 10,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


Ohne Hast fahren wir los und tuckern gemächlich mit dem schwachen Wind das Schlauchboot hinterher schleppend. Dann werden Wind und Wellen doch mehr und ich hole das Schlauchboot auf die Plattform herauf.
In Gyali ankern wir auf dem gewohnten Platz und genießen die Ruhe. Der Bimssteinabbau ist nicht in Betrieb. Am Abend gibt es „Unter Verdacht“ unterm Vollmond.


19.08.2016 Freitag
17:15 Gyali / Strand Karte Abfahrt
17:50 Nisyros / Páli Karte Anlegen
22:42 Nisyros / Páli Karte
23:23 Gyali / Strand Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:16 Strecke: 7,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


Der Wasservorrat geht zu Ende und Brot brauchen wir auch. Also fahren wir am Spätnachmittag nach Pali. Platz ist genug vorhanden und wir nehmen einen vor den Tavernen Ellenis und Aphrodite. Der Aphrodite-Vater hilft mit den Leinen. Kaum haben wir festgemacht, sagt Beate „wir müssen wieder fahren“ und zeigt auf die Tavernen. Es wird in beiden Tavernen ein Fest vorbereitet, die Tische zusammengestellt, die Musikanlage aufgebaut und der Bäcker liefert Brötchenplatten. Es ist klar: 25m vor der Musikanlage werden wir nicht schlafen können.
Ich fülle die Wassertanks auf, Beate geht einkaufen und dann gehen wir zum Captain George essen. Er meint, das würde eine „kleine“ Hochzeitsfeier werden, die sicherlich früh zu Enden gehen würde, also schon um zwei, drei Uhr.
Wir beschließen, abzulegen sobald wir das Brautpaar gesehen haben. Im Cockpit haben wir eine perfekte Beobachtungsposition. Die Gäste trudeln ein, sehr durchmischt bekleidet – alles von Minishorts bis Walkürenkleid. Die Gäste holen sich nach einer Weile Essen von den Buffets drinnen in den Tavernen, aber kein Brautpaar ist zu sehen. Das blumengeschmückte Tischchen für zwei mit weißem Tischtuch bleibt leer. Ein junger bärtiger Mann setzt sich zu dem Tisch, beugt sich tief über sein Essen, schiebt es beidseitig ellbogengestützt in sich hinein und geht dann wieder. Wir wundern und fragen uns, war das der Bräutigam? Möglicherweise schon, denn eine junge Frau in einem weißen nachthemdartigen Kleid, die aber schon vor langer Zeit in Begleitung ihrer Freundinnen angekommen ist, setzt sich dann gemeinsam mit dem jungen bärtigen Mann kurz an den Ehrentisch.
Bevor die Musik aufgedreht wird und der Ringeltanz beginnt, legen wir ab.

Bei Captain George
Bei Captain George
Mit Captain George
Mit Captain George

20.08.2016 Samstag
Gyali / Strand
Eigentlich wollten wir heute nach Tilos fahren. Dann fällt uns ein, dass die Wahrscheinlichkeit für ein lautstarkes Fest am Samstag am höchsten ist. Wir verschieben die Fahrt auf morgen.
Mein Ärger über das vom Segelmacher voriges Jahr verpfuschte Trampolinnetz ist mittlerweile so weit verflogen, dass ich es wieder angreifen kann. Ich will wissen, ob das wertvolle Dyneema-Netz noch zu retten ist, entferne die zahlreichen eingepressen Metallösen und trenne die aufgenähte Einfassung auf. Das dauert gute fünf Stunden! Der Segelmacher hat die falsche Arbeit sehr ordentlich gemacht. Hätte er die Einfassung aus Planenmaterial zumindest viel schmäler gemacht, wäre an eine Verwendungsmöglichkeit zu denken gewesen. Auf einem Kindertrampolin wäre das Netz sicher gut brauchbar aber auf einem Katamaran nicht. Eine von unten schlagende Welle könnte arge Zerstörung anrichten, wenn ihre Kraft auf die Plane trifft und nicht „gesiebt“ wird.
Aber immerhin hat er das Netz selbst auf ungefähr die richtige Größe geschnitten, was die Hoffnung nährt, es doch noch verwenden zu können. Leider hat es gelbe Streifen von den Teppichklebebändern, die der Segelmacher verwendet hat, um Plane und Netz fürs Nähen zu fixieren. Aber Wasser und Sonne werden sie wohl verschwinden lassen. Wie man das Netz mit der richtigen Spannung am richtigen Platz bekommt, ist zwar noch unklar. Es ist so fürchterlich unhandlich.

Entfernte Metallösen
Entfernte Metallösen
Einfassung wird abgetrennt
Einfassung wird abgetrennt
Ca. 7 Kilo Einfassungsreste
Ca. 7 Kilo Einfassungsreste

21.08.2016 Sonntag
10:40 Gyali / Strand Karte Abfahrt
13:09 Tílos / O. Skáfi Karte Anschaun
14:07 Tílos / O. Livádia Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:27 Strecke: 22,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Auf der Fahrt nach Livadia schauen wir in die Bucht Skafi hinein. Nichts neues zu sehen, auch kein einziger Mensch. In Livadia gibt es neue Schwimmbereichsmarkierungsbojen. Gut so, dann kommt zumindest nicht die Hafenpolizei oder irgend ein Wichtigtuer, die sich über zu wenig Abstand zum Ufer aufregen.
Ich tüftle weiter mit dem Bugnetz und mache Fortschritte, sprich: Es gelingt mir ganz gut, das Netz über das bestehende Netz provisorisch zu spannen.
Bei Sonnenuntergang fahren wir zum Ufer und gehen eine Runde im netten Ort. Der gut deutsch sprechende feiste Hafenmeister, oder was auch immer er ist, erzählt, dass der Schnellkatamaran Sea Star schon seit zwei Jahren nicht mehr zwischen Rodos und Tilos verkehrt. Die Blue Star Fähre Diagoras fährt auch nicht mehr, dafür die Blue Star Fähre Paros zwei Mal die Woche. Die sei zwar für viele Autos ausgelegt, aber die Passagiere hätten für die 16-stündige Fahrt nach Piräus keine Kabinen zur Verfügung.
Wir setzen uns nicht ins Stammlokal, sondern ins Restaurant Kritikos. Auch sehr gut mit bester Aussicht und für Griechenland untypisch aufmerksamer Bedienung.
Das ruhige Wasser mit fast 30° ladet zu einem Nachtschwimm ein. Ist auch herrlich.


22.08.2016 Montag
13:25 Tílos / O. Livádia Karte Abfahrt
14:51 Tílos / Ágios Antónios Karte Anschaun
15:17 Tílos / O. Pláka Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:52 Strecke: 9,2 Seemeilen Ø Fahrt: 5 Knoten


Neben uns ankert die 46 Fuß Segelyacht „Mamma Mia“. Zwei ungewöhnliche Sachen fallen auf: Unter der bb. Saling weht die brasilianische Flagge, und die „Mannschaft“ besteht aus einer allein segelnden Frau mittleren Alters. Ersteres haben wir vielleicht schon Mal gesehen, zweites sicher noch nie.
Es hat 30° sowohl in der Luft als auch im Wasser. Hier in der Livadia Bucht ist das Wasser immer besonders warm. Eigentlich würden wir gerne nach Chalki fahren. Aber zuletzt schworen wir, dass wir nie wieder im August dorthin fahren werden. Da ist es noch viel wärmer.
Also fahren wir wieder nordwärts knapp entlang der NE-Küste von Tilos. Wir schauen in den kleinen Hafen Ag. Antonios hinein. Da wäre zwar Platz längsseits an der Mole und die Taverne hat auch offen, aber wir beschließen, gegenüber in die Plaka Bucht weiter zu fahren. Wir ankern recht weit vor dem schmalen Sandstrand mit einigen Badegästen. Dahinter befindet sich ein Campingplatz. Wir schwimmen an Land und sehen ihn uns an. Vereinzelte Zelte auf auf einem schönen Platz, der vielleicht irgendwann ein bewirtschafteter Campingplatz war.
Ich tüftle weiter mit dem Bugnetz und versuche, die umlaufenden Glasfaserrundstäbe in die Maschen einzufädeln, an denen dann das Netz gespannt werden soll. So soll es laut der deutschen Lieferantin sein. Es ist aber unmöglich, die Ø 10mm Stäbe in die 10x10mm Maschen über eine längere Strecke einzufädeln. Die Reibung wird bereits nach 1 m so stark, dass nix mehr geht – und der längste Stab ist 4m lang. Also muss ich mir was anderes überlegen.


23.08.2016 Dienstag
10:05 Tílos / O. Pláka Karte Abfahrt
12:05 Nisyros / Páli Karte Anlegen
Zeit unterwegs: 02:00 Strecke: 11,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6 Knoten


In Pali nehmen wir diesmal den Platz bei der Bsuhaltestelle. Nach einer Weile kommt der Dieselwagen und der Tank wird mit 98l aufgefüllt. Dann schmeckt ein Bier bei Captain George.
Der Handyempfang ist in Pali schlecht. Ich gehe zur Aphrodite mit dem iPad auf ein Ouzo, um ihr WLAN zu benützen. Dabei erzählt der Aphrodite-Vater, dass die Feier vorigen Freitag keine richtige Hochzeit war, sondern eine Vorfeier mit Essen und Tanz für die Leute hier. Die eigentliche Hochzeit fand am nächsten Tag in Mandraki statt. Wer es sich leisten kann, macht das so. Na dann…
Wir beobachten das Hafengeschehen und spazieren um ihn herum. Imposant ist der extrem elegante silbergraue riesige Katamaran Outremer 5X mit Schweizer Flagge. Das krasse Gegenteil ist ein 110 Jahre alter Kutter, der gesunken ist, weil die morschen Planken geborsten sind. Taucher ziehen ein Plastikfolie um den Rumpf, Hebeballons werden seitlich befestigt und das Wasser ausgepumpt. Nach einigen Stunden schwimmt das Ding wieder. Schwer vorstellbar, dass es jemals wieder seetüchtig gemacht werden könnte.
Am Abend wollen wir weder zur Aphrodite noch zum Captain essen gehen. Aber es ist schwer, unbemerkt vorbei zu gehen. Also schleichen wir hinten auf einem schmalen Weg am Captain vorbei und setzen uns ins Salonikios. Mit weichem Schafkäse aus Nisyros gefüllte Zucchiniblüten und ein riesiger Mixed Grill schmecken hervorragend gut. Je eine Portion, zusammen € 16,50, reichen für uns völlig aus.

Gesunkener Kutter
Gesunkener Kutter


24.08.2016 Mittwoch
11:18 Nisyros / Páli Karte Abfahrt
13:22 Kos / Kefalos, Kamari Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:04 Strecke: 12,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


In Kamari ankern wir wie zuletzt vor dem Autoverleiher Dimitris. Ich mache einen neuen Anlauf mit dem Bugnetz und quasi vernähe es mit dem Boot. Ganz vorne am Beam muss ich das im Schlauchboot stehend machen und meine ganze Kraft aufbringen, um es ganz straff zu spannen. Sieht gut aus!
Nach einem Einkauf und Bankomatbesuch treffen wir Vassilis um 19:30h wie vereinbart bei der Kylliopy. Diesmal hat er eine Flasche Roséwein aus Kos mitgebracht und natürlich auch Melanzani, die Kalliopy sen. als Vorspeise braten soll. Wir plaudern und essen und zum Schluss kommt auch Babi daher, der gleich nebenan wohnt. Zum Abschied schenkt uns Vassilis eine Dose mit „garantiert unverfälschtem“ Thymianhonig von einem Imker in Kefalos. Soll viel intensiver schmecken, als das Zeug, das man allgemein kaufen kann.
Laut Blogbuch ist heute mein Tag Nummer 1000 in Griechenland seit 29.5.2002. Stimmt natürlich nicht genau, weil einige Tage doppelt erfasst sind (Crew- und Törnwechsel) andere gar nicht erfasst sind. Aber eine Größenordnung hat das trotzdem.


25.08.2016 Donnerstag
10:20 Kos / Kefalos, Kamari Karte Abfahrt
14:50 Kálymnos / Emboriós Karte An Boje
Zeit unterwegs: 04:30 Strecke: 30,2 Seemeilen Ø Fahrt: 6,7 Knoten


Nach einer ziemlich langen und spritzwasserreichen Fahrt nehmen wir die äußerste Boje in Emborios. Beate steuert perfekt darauf zu, so dass ich das Seil problemlos in den Bojenbeschlag einfädeln kann. Gleich danach werden die zwei anderen Bojen der Taverna Mbarba Nikolas genommen, allerdings jeweils mit größeren Schwierigkeiten, weil der Steuermann das Boot nicht rechtzeitig zum Stillstand bringt – Beate sieht das mit Genugtuung.
Und was macht das neue Bugnetz? Es ruht sich aus und liegt bequem im alten Netz darunter. Die ganze Spannung ist weg, es wirft sogar Falten. Wie das? Das Material Dyneema SK 75 soll so gut wie gar keine Dehnung haben. Die einzelnen Seile mit ca. 2 mm Durchmesser sind aber recht locker geflochten. Da ist viel Luft zwischen den einzelnen Fasern. Das wird der Grund sein, warum das Netz so elastisch ist. Ich beschließe das Netz immer wieder von abwechselnden Seiten her zu spannen. Irgendwann muss die Dehnung aufhören.
Nach einem Spaziergang in den „Ort“ und Teeeinkauf gehen wir zur Taverna Barba Nikolas oberhalb seiner Bojen. Ist gut besucht und das Essen ist auch gut.

Straffes Netz
Straffes Netz

Schlaffes Netz
Schlaffes Netz
Aussicht über Emborios Bucht
Aussicht über Emborios Bucht

26.08.2016 Freitag
10:57 Kálymnos / Emboriós Karte Abfahrt
13:06 Léros / O. Alíntas Karte Ankern
Zeit unterwegs: 02:09 Strecke: 11,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,4 Knoten


Obwohl wir aus 2005 wissen, dass die Bucht Alintas (oder Alinda) Fallwinden stark ausgesetzt ist, wollen wir sie nochmals probieren. Die Windprognose sieht günstig aus. Kaum biegen wir in die große Bucht ein, steigt die Windgeschwindigkeit von 13 auf 18 Knoten. Am Ankerplatz drinnen in der Bucht sieht es nach noch mehr Wind aus. Aber davor, bevor die letzte Einbuchung Richtung N beginnt, scheint eine ruhige Stelle zu sein. Eine Motoryacht ankert bereits da und wir legen uns dazu. Viel Platz ist nicht vorhanden, weil W davon, wo es noch ruhiger zu sein scheint, die Ankertiefe zu groß ist.
Die Motoryacht fährt ab und ich kann die Ankerkette auf 30m verlängern. Ist auch gut so, denn gegen 16h fangen auch hier die heftigen Windböen an.
Um 18h verlässt das einzige drinnen in der Bucht ankernde Segelboot den dort sicher noch ungemütlicheren Platz. Wir bleiben aber. So schlimm ist es hier nicht und die Aussicht auf den Ort und die Burg gegenüber ist herrlich.
Und was macht das Netz? Es ist weniger schlaff als gestern. Ich spanne es diesmal von der stbd. Seite her.
Um 19h fahren wir an Land. Da gibt es sogar eine bestens geeignete Stelle zum Anlanden mit dem Schlauchboot, wo gar kein Wind geht und ein kleiner Strand und Betonstufen hinauf zur Straße vorhanden sind. In 15 Minuten erreichen wir das erste Geschäft mit angeschlossener Autovermietung „Tony“. Ja, wir könnten ein Auto am Montag nachmittag in die Werft in Partheni bekommen und es am Donnerstag Früh am Flughafen stehen lassen, um 80 Euro. Aber so ganz klar ist es nicht, ob der Vermieter das auch so richtig verstanden hat. Das Geschäft nebenan mit angeschlossener Autovermietung „Koumbaros“ hat kein Auto, dafür frisches Brot und ein Roman von Jojo Moyes auf schwedisch. Ein ziemlich abgegriffenes Taschenbuch um 5 Euro. Beate kauft es trotzdem.
Im Restaurant von Hotel Alinda wird heute eine griechische Musikdarbietung statt finden. Das brauchen wir nicht. Auch das Zacharoplastio Beikon, wo wir im Juli herrlichen Salat gegessen haben, scheidet aus. Im unmittelbaren Nachbarlokal sitzt die Geschäftsstörung: Eine Runde junger Männer, die trinken, schreien, singen und einer fidelt mit Inbrunst die uns bestens bekannten 5 Töne auf seiner Geige.
In „To Steki“, der letzten Taverna des Ortes, auch am nächsten zum Boot, finden wir einen schönen ruhigen Platz und gutes Essen. Aber hier wieder, wie fast überall, interessiert sich der sonst so aufmerksame Kellner sich nicht mehr für uns, nachdem er uns die letzte bestellte Speise serviert hat. Dabei hätte ich gerne einen Verdauungsouzo gehabt. Die schlussendlich mit der Rechnung servierte Wassermelone ist kein Ersatz dafür.

Ankerplatz in Alinda
Ankerplatz in Alinda


27.08.2016 Samstag
11:51 Léros / O. Alíntas Karte Abfahrt
13:15 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Ankern
Zeit unterwegs: 01:24 Strecke: 6,3 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten


In der Nacht lasse ich die Instrumente an, um in der Früh die Maximalgeschwindigkeit ablesen zu können , 30,3 kn! Dieser Ankerplatz in der Alinda Bucht ist also auch nix. Das zeigt sich auch bei der Weiterfahrt. Kaum haben wir die Bucht verlassen, wird der Wind deutlich weniger. Aber die Alinda Bucht wird uns trotzdem wieder sehen, nämlich übermorgen, wenn wir ins Hotel Alinda für die letzten drei Nächte einziehen werden.
In Archangelos ist der Wind wieder recht frisch aber lange nicht so böig wie in Alinda. Gegen Abend schläft er fast ein und wir können die Genua herunter holen und verstauen. Dann gibt es ein Resteessen an Bord und danach Fernsehen aus der Konserve im Cockpit.
Und was macht das Netz? Es wird immer spannender, sprich: Heute verspanne ich die beiden Längsseiten. Unglaublich, wie es sich immer noch auseinander ziehen lässt. Aber so langsam wird was draus. Jetzt hält es sogar das Gewicht der darauf liegenden Ankerkette aus ohne dort einzusinken. Ich glaube, dieses Netz wird hier zweckentfremdet. Eigentlich ist es wohl konstruiert als Auffangnetz für herunterfallende Menschen, Trapez- und Hochseilartistenanfänger oder so. Stark genug ist es. Jedes der 2 mm zu einem Netz verknoteten Seile (eigentlich müsste man „Schnürln“ sagen) hat eine Bruchlast von 700 daN. 699,9 kg könnten also daran hängen. Auf ein Quadratmeter kommen 200 Schnürln…

Extra für Heinrich: Hier ein Foto von zwei griechischen Kartoffeln. Erdäpfel wäre hier falsch, eher Erdgurken oder Erdkürbisse. Nicht einmal einen haben wir zu zweit geschafft. OK, es gab schon noch was. Eine wilde Mischung aus gebratenem Saganaki-Käse, Avocado, Paradeiser, Thunfischaufstrich, Oliven, was halt noch übrig war.

Griechische XXXL Kartoffeln, Topf Ø 17cm
Griechische XXXL Kartoffeln, Topf Ø 17cm


28.08.2016 Sonntag
Léros / N. Archángelos Ankerbucht
In der Früh haben wir ein schönes Frühstückskino. Zwei holländische Segelboote ankerten gestern neben einander und legten sich auf ein Packerl. Offenbar dessen nicht bewusst, dass der Wind hier in der Nacht und in der Früh zu drehen anfängt und das Boot (in dem Fall: Die zwei Boote zugleich) im Kreis dreht. Also hatten sie des morgens einen schönen Ankerkettenzopf beinander. Zum Glück für sie ist morgens fast gar kein Wind vorhanden. So können sie den Zopf innerhalb weniger Stunden entflechten.
Während dessen nähert sich das Segelboot AYFER mit finnischer Flagge und spricht und auf Finnlandschwedisch an! Am Heck der Blodughadda haben sie „Helsingfors“ (schwedisch) und nicht „Helsinki“ (finnisch) gelesen. Das Boot ankert hinter uns nachdem wir uns für einen gemeinsamen Tavernenbesuch in „Stigma“ für den Abend verabredet haben.
Am Nachmittag wird meine Neugierde doch zu groß. Ich rudere zur Ayfer und werde gleich gebeten, an Bord zu kommen. Meine Muttersprache sprechende Segler habe ich seit 20 Jahren in Griechenland nicht mehr getroffen. Es sind Svante und Nina Ewalds, die nach drei Jahren in der Türkei in griechische Gewässer gewechselt haben und jetzt den Bootsliegeplatz in der Leros Marina Evros in Lakkí haben. Svante ist in die selbe Schule wie ich in Finnland in Borgå gegangen, allerdings drei Jahre nach mir. Wir sprechen lange und ich gebe Tipps, wo man im Dodekanes gut ankern kann. Sie haben auch einen Tipp: Die Bucht Posidonia auf Samos, östlich der Marina, wo sie 3 Wochen lang sich wohl gefühlt haben.
Wie es sich für Nordländer gehört, treffen wir gleichzeitig zur verabredeten Zeit um 19:30h am Strand der Taverna ein. Es folgt ein sehr vergnüglicher Abend mit Abschluss im Cockpit der Blodughadda, wo wir unsere letzte Flasche Wein austrinken.

Mit Nina und Svante
Mit Nina und Svante

Aussicht von der Taverna - wieder Mal, weil sie so schön ist
Aussicht von der Taverna – wieder Mal, weil sie so schön ist

29.08.2016 Montag
07:18 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte Abfahrt
07:38 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte An Boje
Zeit unterwegs: 00:20 Strecke: 1,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten


Der Wecker läutet um 6:30h. Ziemlich verschlafen machen wir den letzten Morgenschwimm, der gleich aufmuntert. Auf der Fahrt nach Partheni lasse ich die Motoren mit Vollgas laufen. Gut so, denn der Auspuff spuckt die im Motor versammelten Russreste aus. Kurz vor der Agmar-Boje kommt wieder klares Wasser und kein grauer Rauch mehr aus den Auspuffrohren.
Kaum haben wir die Boje genommen und uns das Frühstück hergerichtet, kommt schon der Travellift daher. Jawohl, wir kommen gleich dran. Also Frühstück unterbrechen und in das Travelliftbecken fahren. Geht ganz gemütlich, weil der Wind mit kaum 8 kn sehr gnädig ist.
Nach 1,5 Stunden steht die Blodughadda wieder in etwa an ihrem Stammplatz nahe dem Segelwaschplatz und den Sanitärräumen. Im nassen Zustand war absolut null Algenbewuchs am Unterwasserschiff zu sehen. Im trockenen schon, allerdings nicht viel. Ich lehne das Angebot des Kranführers ab, das per Hochdruckreiniger zu säubern – da würde die ganze wertvolle Farbe mit draufgehen – und reinige die Rümpfe mit Wasser und Bürste. Beate macht sich an die Sauberkeit im Boot und ans Kofferpacken.
Pünktlichst um 17h bringt der Autovermieter Giannakis unser bestelltes Auto. Einen Riesenhaufen Wäsche bringen wir damit in die Wäscherei in Lakki und fahren dann zum Hotel Alinda. Diesmal bekommen wir Zimmer Nr. 16, das eigentlich für 3 Personen wäre. Ist uns aber egal. Das Abendessen im Hotelrestaurant ist wieder sehr gut.

Letztes Frühstück an Bord
Letztes Frühstück an Bord

Blodughadda wird gehoben
Blodughadda wird gehoben
Ein wenig Algenbewuchs
Ein wenig Algenbewuchs

30.08.2016 Dienstag
Leros
Nach einem wie üblich wirklich gutem Hotelfrühstück fahren wir zum Boot und arbeiten den ganzen Tag mit den Einwinterungsarbeiten. Es ist heiß und kein kühlendes Meerbad möglich. Um 16h haben wir genug und wollen abfahren. Das Auto will aber nicht. Beim Abstellen habe ich den Autoschlüssel in Position ACC stehen und stecken lassen. Das war nicht so gut. Die Autobatterie ist leer. Also was tun? Die Bootsbatterien hätten genug Saft, um den Minimotor des Minileihwagens anzustarten. Aber die (eigentlich für andere Zwecke) an Bord befindlichen Starterkabel wären zu kurz. Ich gehe zum Büro. Parisis, der Einkäufer des Yachtzubehörgeschäftes, ist noch da und wird gleich mit seinem Auto vorbei kommen. Beate und ich schieben das Auto so, dass die Motorhaube zur freien Fläche des Platzes zeigt und mit zur Batterie vom Auto des Parisis angeschlossenen Kabeln springt unser Auto auch gleich an.
Nun muss das Auto aber mindestens eine Stunde lang gefahren werden, um die Batterie wieder aufzuladen. Wir verbinden das Notwendige mit dem Nützlichen und fahren mit dem Reservekanister zur Tankstelle – und das gleich zwei Mal. Der Dieselwagen wollte wegen nur 40 l nicht daher kommen. So wird aber jetzt der Dieseltank bis an den Rand des Einfüllstutzens aus dem Kanister gefüllt, um die Gefahr der Kondenzwasserbildung im Dieseltank zu minimieren.
Heute Abend essen wir im Restaurant Paradiso in Vromolithos sehr gut und sehr allein.

Panteli mit Burg und Windmühlen darüber
Panteli mit Burg und Windmühlen darüber

Panteli Bucht, dahinter Vromolithos, dahinter Lakkí Bucht
Panteli Bucht, dahinter Vromolithos, dahinter Lakkí Bucht
Alinda Bucht von der Burg gesehen
Alinda Bucht von der Burg gesehen

31.08.2016 Mittwoch
Leros
Letzter Arbeitstag am Boot. Wir holen die Wäsche ab und verstauen diese fürs nächste Jahr. Es zieht sich und ist heiß. Schatten im Cockpit haben wir auch keinen mehr, nachdem wir das Bimini am Waschplatz gewaschen haben. Zum Schluss werden wir richtig grantig, aber um 16:30h ist alles fertig.
Nach einem allerletzten Meeresbad bei Hotell Alinda fahren wir zur Leros Marina Evros und treffen die Ewalds auf ihrem Boot „Ayfer“. Nach einer Weile verlegen wir uns in das Lokal „Skippers“ im Marinagelände und essen und plaudern. Beides sehr gut.
Nach herzlichem Abschied müssen wir in Hotell Alinda noch ein wenig wach bleiben bis der griechische Gesangsabend gegen Mitternacht zu Ende geht.

Die Ayfer
Die Ayfer


01.09.2016 Donnerstag
Leros
Wieder ein Tag, an dem früh aufgestanden werden muss. Unser Flugzeug geht um 7:40h und wir stehen schon um 6h auf. Alles kein Problem außer das Gewicht eines Koffers: 30 kg! 35 Euro Übergewichtstrafe müssen wir bezahlen. Erhöht den Wert der 4 kg Honig beträchtlich. Andererseits haben wir den Thymianhonig auch sehr günstig eingekauft.
In Athen warten wir 5 Stunden lang auf den Weiterflug nach Wien. Die meiste Zeit verbringen wir im spartanischen Cafélokal Gregorys vor der Abflughalle. Eine andere gibt es im Freien nicht.
Bevor wir die Koffer aufgeben (Durchchecken nicht möglich), übersiedeln wir diverse schwere Sachen aus dem schweren Koffer ins Handgepäck (Batterien, etc.) und ziehen uns wie Nordpolfahrer an. Das hilft. Beide Koffer haben je knapp über 25 kg, was die Kofferübernehmerin akzeptiert. Vielleicht weil ich reumütig sage, dass wir zu viel griechischen Thymianhonigs gekauft haben.

Fazit des Sommers: Schön wie immer. Teilweise sehr viel Wind, aber wenn man es nicht eilig hat, mit Windprognosen bestens zu ertragen. Keine Wespen! Nur im Juni Mücken. Sehr wenige beißende Fliegen. Viele Gulets und andere türkische Boote. Aber insgesamt nicht viele Boote. Touristen an Land eher auch weniger. Flüchtlingsproblem absolut nirgends erkennbar. Der Dodekanes bleibt für uns das beste Revier. Den Vertrag mit der Agmar Werft auf Leros habe ich um weitere zwei Jahre verlängert.

Es geht wieder nach Hause
Es geht wieder nach Hause

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Ein Gedanke zu “2016-08-16 Abschluss”