Blodughadda-Blogbuch
Die Reisen der Blodughadda
Die Reisen der Blodughadda

2017-07-14 Sommer 2017

2 Kommentare

Seite drucken Aktualisierung 19.08.2018 23:54:06 Anzahl Tage: 43
14.07.2017 Kos / Kefalos, Kamari
15.07.2017 Kos / Kefalos, Kamari
16.07.2017 Kos / Kefalos, Kamari
17.07.2017 Kos / Kefalos, Kamari
18.07.2017 Kos / Kefalos, Kamari – Kálymnos / O. Vlychádia
19.07.2017 Kálymnos / O. Vlychádia
20.07.2017 Kálymnos / O. Vlychádia – Kálymnos / O. Paliónisos
21.07.2017 Kálymnos / O. Paliónisos – Léros / O. Xirókampos
22.07.2017 Léros / O. Xirókampos – Léros / Lakkí Marina – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
23.07.2017 Léros / N. Archángelos Ankerbucht
24.07.2017 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Lipsi / Hafen
25.07.2017 Lipsi / Hafen – Arkí / Tiganáki
26.07.2017 Arkí / Tiganáki – Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou
27.07.2017 Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou – Agathonísi / O. Póros
28.07.2017 Agathonísi / O. Póros – Sámos / Posidonio
29.07.2017 Sámos / Posidonio
30.07.2017 Sámos / Posidonio – Sámos / Klima
31.07.2017 Sámos / Klima – Sámos / Marathókampos
01.08.2017 Sámos / Marathókampos
02.08.2017 Sámos / Marathókampos – Sámos / Limnionas
03.08.2017 Sámos / Limnionas
04.08.2017 Sámos / Limnionas – Sámos / Marathókampos
05.08.2017 Sámos / Marathókampos – Sámos / Limnionas
06.08.2017 Sámos / Limnionas – Ikaría / Fáros
07.08.2017 Ikaría / Fáros – Foúrnoi / Thymenaki
08.08.2017 Foúrnoi / Thymenaki – Ikaría / Marina – Ikaría / Fáros
09.08.2017 Ikaría / Fáros – Patmos / Livadi Geranou
10.08.2017 Patmos / Livadi Geranou
11.08.2017 Patmos / Livadi Geranou
12.08.2017 Patmos / Livadi Geranou – Patmos / O. Meloï
13.08.2017 Patmos / O. Meloï – Léros / O. Xirókampos
14.08.2017 Léros / O. Xirókampos
15.08.2017 Léros / O. Xirókampos
16.08.2017 Léros / O. Xirókampos
17.08.2017 Léros / O. Xirókampos
18.08.2017 Léros / O. Xirókampos – Léros / N. Archángelos Ankerbucht
19.08.2017 Léros / N. Archángelos Ankerbucht – Léros / O. Parthéni Agmar Marine – Léros / O. Plakouti (Blefuti)
20.08.2017 Léros / O. Plakouti (Blefuti) – Lipsi / O. Katsadiá
21.08.2017 Lipsi / O. Katsadiá – Lipsi / O. Platys Gialós – Arkí / Tiganáki
22.08.2017 Arkí / Tiganáki – Máratho
23.08.2017 Máratho – Léros / Kuluki
24.08.2017 Léros / Kuluki
25.08.2017 Léros / Kuluki – Léros / Lakkí Marina

Crew:
Tötterström Tom
Tötterström Beate

Gesamt Törn:
Zeit unterwegs: 53:26 Strecke: 281,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


14.07.2017 Freitag
Kos / Kefalos, Kamari
Das Bus fährt ab. Wir kaufen Brot und Tomaten ein und setzen uns dann auf ein Kaffee ins Sydney. Bevor wir einen Wilsberg Krimi anschauen, essen wir die restlichen Dolmades und Briam von vorgestern. Schmeckt vorzüglich und reicht völlig aus. Dann noch ein Nachtschwimm und gute Nacht.


15.07.2017 Samstag
Kos / Kefalos, Kamari
Ein gemütlicher Tag. Beate liest, ich ordne Schrauben und räume auf. Am Abend fahren wir mit zwei Müllsäcken an Land, kaufen im Kefalos Market ein, essen sehr gut im Sydney und trinken einen Digestif im Aqua nach einem Verdauungsspaziergang zum Hafen und retour.


16.07.2017 Sonntag
Kos / Kefalos, Kamari
Heute ist Putztag. Die Blodughadda wird innen und außen gewaschen. Außen zwar nur mit Meerwasser aber zumindest geht der Dreck weg, wenn auch das Salz bleibt. Das gilt insbesondere für die Heckplattform. Durch die Windschutzscheibe kann man auch wieder hindurchsehen, was ja nicht so übel ist. Die neue Gummilippe von Leifheit erweist sich dabei als optimales Gerät.
Der neue Cockpitteppich wird verlegt, diesmal mit braunem Sandmuster. Der Sandstrand ist also quasi im Boot.
Den ganzen Tag gehen wir nicht vom Boot, außer ins Wasser. Das aber nur zwei Mal, weil es mit 21° zu erfrischend ist.


17.07.2017 Montag
Kos / Kefalos, Kamari
Schon kurz nach acht fahren wir zum Schwimmsteg von Sydney und gehen Richtung Autoverleih Manolis. Katherina, die Chefin, kommt mit dem Auto entgegen und nimmt uns mit. Wir haben wieder den elendiglichen Huyday Tucson bestellt, wegen der großen Ladekapazität. In Eiltempo gehts nach Kos Stadt. Um 9h habe ich einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung meines rechten Beines. Es ist zwar wieder vollkommen beschwerdefrei, aber es ist gut, bestätigt zu bekommen, dass alles in Ordnung ist. Beim Besuch der 24-Stunden Privatambulanz Medicare vor 9 Tagen war der Fuß und die Wade noch ziemlich geschwollen und hat geschmerzt wie schon während ein paar Wochen davor. Die verordneten Pillen und der Stützstrumpf haben die Thrombophlebitis (eine akute Thrombose und Entzündung von oberflächlichen Venen) geheilt. Die tiefen Venen sind glücklicherweise nicht betroffen gewesen.

Wir fahren zum Tapezierer Dimitris, um die neue Matratze abzuholen. Er ist ganz zerknirscht, weil der Stoff noch nicht geliefert wurde. Soll aber demnächst kommen und am Nachmittag wird dann alles fertig sein. Das glauben wir zwar nicht, aber nützen die Zeit für Einkäufe im Eisenwarengeschäft, dem neu umgebauten Supermarkt, der früher Champion hieß, natürlich im Lidl und weil wir die Hoffnung auf die Matratze nicht aufgeben wollen, dann auch noch in Kos Stadt. Das Auto ist voll.

Als wir in einem Café am Stadthafen sitzen ruft Dimitris an: Die Matratze ist fertig! Also nix wie hin zu seiner gut versteckten anspruchslosen Werkstatt. Die Matratze, also eigentlich dessen drei Teile, passen noch oben auf die Einkäufen locker ins Auto.

Dimitris' Werkstatt
Dimitris‘ Werkstatt

Gegen 16:30h sind wir wieder zurück in Kefalos. Ich fahre zur Blodughadda hinaus und dann mit ihr zum Anleger in Kamari, wo Beate mit dem Auto wartet. Alles per Schlauchboot transportieren wäre sehr mühsam und die alte Matratze entsorgen nicht möglich gewesen. Während Beate das Auto zurück bringt, bugsiere ich zum letzten Mal das Ungetüm hinaus und schmeiße – eigentlich stelle – es in die Mülltonne. Sieht lustig aus, so ein herausragendes Zweimeterding aufrecht in der Tonne.

Ich fahre zum Ankerplatz außerhalb von Sydney zurück und dann an Land. Nach einem frühen Abendessen in Santa Barbara werden die Einkäufe verstaut und begutachtet. Vorräte haben wir jetzt genug. Die neuen Schuhe und Schlapfen sind super, die Sitzkissen prima, die Gläser praktisch, die Kapperln elegant, die Schwimmflossen der Beate rot, die Schere scharf, usw…


18.07.2017 Dienstag
06:22 Kos / Kefalos, Kamari Karte
10:15 Kálymnos / O. Vlychádia Karte
Zeit unterwegs: 03:53 Strecke: 24,3 Seemeilen Ø Fahrt: 6,3 Knoten


Eigentlich wollte ich schon gestern Richtung Norden fahren, weil kein Wind. Ab heute Mittag bis Donnerstag soll richtig starker Nordwind kommen. Es war aber gestern dann doch zu spät. Also stehen wir bereits um 6 Uhr auf und fahren nach kurzem Morgenschwimm los. Es geht nicht eben aber auch nicht allzu holprig nach Vlychadia. Beide Bojen sind nicht mehr vorhanden! Also ankern wir. Es gilt jetzt, den Anker so zu legen, dass er sich nicht in einem der Bojensteine verfängt. Wo sie sein müssten, weiß ich ungefähr und lasse den Anker schätzomativ hinunter. Es gelingt gut. Schnorchelkontrolle ergibt: 4m vom Bojenstein entfernt auf bestem Sandgrund.

Wie vorhergesagt nimmt der Wind ab etwa Mittagszeit kontinuierlich zu. Einige Segelboote kommen und ankern kurz bevor sie wieder abhauen. Ist mir sehr recht. Da muss ich nicht befürchten, dass irgend ein Anker nicht hält und das Boot in der Nacht auf uns treibt. Der Wind steigert sich auf bis zu 29 kn in den Böen. Zwei große türkische Motoryachten, Azimut 52, die am „Straßenkai“ angelegt haben, bekommen Schwierigkeiten. Die Anker können dem Seitenwind nicht stand halten. Irgendwie gelingt es ihnen doch, mit Hilfe eines Beibootes, den Anker so zu legen, dass er nicht slippt.

Ich montiere die Halterung für das Garmin GPS Gerät nachdem ich endlich beschließen konnte, wo sie hinkommen soll – und die richtigen Schrauben gestern eingekauft habe. Auch muss ich für die Firma einiges erledigen.
Beate ist von den W5 Multi Surface feuchten Reinigungstüchern von Lidl ganz begeistert. Besonders auf dem Boot sind sie wirklich praktisch, weil jede Oberfläche ohne Wasser mit einem Wisch supersauber wird. Als alles glänzt darf wieder das iPad als superpraktisches Lesegerät dienen.

Am Abend fahren wir an Land, vertreten uns ein wenig die Beine der Straße entlang bevor wir natürlich ins Paradisio essen gehen. Es ist wieder eine echte Freude. Noch immer für mich das beste Esslokal Griechenlands. Nicht nur, dass die Küche total ungriechisch kreativ ist und alles sagenhaft gut schmeckt und schön serviert wird. Auch alles, was auf den Tisch kommt, wird von den Kellnern so zurecht gerückt, dass sich ein ausgewogenes Bild ergibt. Das ist schon einmalig. Und das zu ganz normalen Preisen.


19.07.2017 Mittwoch
Kálymnos / O. Vlychádia
Leider habe ich eine zu harte Matratze bestellt. Ich wollte die bestmögliche Qualität haben, damit sie möglichst lange hält. Nur ist die wirklich nicht bequem. Na gut, man wird sich daran gewöhnen oder der Schaumstoff etwas elastischer werden oder ich lasse ihn über den Winter austauschen.

Der Starkwind hält an mit Böen bis zu 32 kn. Wir haben weder Lust, weiter zu fahren noch ins aufgepeitschte Wasser zu gehen. Eilig haben wir es ja nicht irgendwohin. Und der Anker hält bestens.

Ich kann viel für die Firma arbeiten. Der Kühlschrank wird abgetaut. Auf dem Verdampfer ist die Eisschicht schon so dick, dass die große Plastikbox kaum mehr hineinpasst. Beate verlegt die am Montag gekauften neuen Antirutschunterlagen, diesmal in orange.

Vor dem abendlichen Pflichtbesuch in Paradisio machen wir doch einen Minischwimm mit Körperwasch. Beate nimmt dabei ausnahmsweise sogar die Brille ab, damit Wind und Wellen sie nicht davon tragen. Die Schlauchbootfahrt geht dann aber erstaunlich gut und ohne nass zu werden. Man muss nur zuerst genau gegen die Wellen fahren und dann einen 90° Schwenk machen, damit sie von der Seite kommen. Mit nur zwei Personen drin schwimmt das Boot natürlich auch höher. Der Wind bläst auch nicht mehr mit voller Wucht.

Zum Essgenuss in Paradisio ist schon alles gesagt. Diesmal ist es nicht anders. Mir fällt noch auf, dass sehr angenehme Musik in dezenter Lautstärke aus der Musikanlage kommt, soul-blues-jazzmäßig inkl. alte Ray Charles Klassiker.

Vlychadia kurz nach Sonnenuntergang
Vlychadia kurz nach Sonnenuntergang


20.07.2017 Donnerstag
12:57 Kálymnos / O. Vlychádia Karte
15:47 Kálymnos / O. Paliónisos Karte An Boje
Zeit unterwegs: 02:50 Strecke: 14,5 Seemeilen Ø Fahrt: 5,1 Knoten


Der Wind hält die ganze Nacht an. Ist aber nicht unangenehm, weil er nicht in heftigen Böen weht. Beim Morgenschwimm ist er wieder sanft und kommt aus S, wie so oft hier. Als wir abfahren, kommt er wieder mit gewohnter Stärke aus NW. Wir fahren zur Revoil Tankstelle außerhalb von Pothia. Zunächst sieht es so aus, als ob wir da nichts bekommen könnten, weil kein Mensch zu sehen ist. Nach einer Weile schlapft doch ein nackter Bierbauch daher und deutet uns, dass wir längsseits anlegen sollen. Machen wir und plötzlich sind auch zwei andere Männer in Tankstellenkleidung zur Stelle. 93 Liter um 125 Euro passen in den Tank. Der einzige englisch sprechende, Georgios, erklärt, dass die Tankstelle nur bei Bedarf bemannt ist, weil sie sonst wo anders arbeiten. Man soll ihn anrufen +30 6978 111 921 dann kommt er schon. Zumindest, wenn es vor 16 Uhr ist, nachher vielleicht auch noch. Er meint auch, sein Diesel sei besonders gut und enthalte Mittel gegen Mikroben im Dieseltank und alle einheimischen Boote im Hafen würden bei ihm tanken. Letzteres glaube ich ihm sogar.
Die Tankstelle ist von See aus nicht als solche zu erkennen. Vor der Hafeneinfahrt sieht man am rechten Ufer drei Stellen, etwa in gleichem Abstand, an denen Ansammlungen von riesigen zylindrischen Tanks erhöht stehen. Unterhalb der mittleren ist die Tankstelle.

Gegen teilweise heftigen Wind fahren wir langsam aber mangels arger Wellen doch einigermaßen komfortabel nach Palionisos. Wir nehmen eine rote Boje und ein Bursch mit kleinem Motorboot eilt zur Hilfe. Sehr freundlich. Trotzdem gehen wir abends nicht in die zugehörige Taverna Ilias, sondern zu seinem Vetter Nikolas. Themi, seine Frau und der jüngste Sohn Leftheris sitzen auf der Terrasse vor der Taverna Paradise aber sonst niemand. Leftheris, mittlerweile 27 Jahre alt, hat schwarzen kurzen Vollbart und ist gelernter Koch, fesch und sypathisch. Ich erinnere ihn daran, dass er vor 14 Jahren dem Matthias gezeigt hat, wie man einen harpunierten Oktopus behandeln muss, damit dieser essbar wird.

Er lebt in Pothia mit seiner Frau und 13 Monate alten Tochter und hilft jetzt hier aus, weil Nikolas Probleme mit seinen Knie-, Ellbogen und Handgelenken hat und kaum was arbeiten kann. Obwohl es kaum Arbeit gibt, weil kaum Leute die 250m landeinwärts gehen sondern lieber in einem der beiden Tavernen in der Bucht essen wollen. Nikolas erscheint dann auch und wirkt wirklich etwas gebremst. Die vielen Jahre härtester Arbeit haben seinen Gelenken arg zugesetzt und morgen in der Früh hat er einen Termin beim Physiotherapeuten und Chirurgen in Pothia. Aber sein Mundwerk, fast ständig mit einer Zigarette garniert, funktioniert nach wie vor perfekt. Der weiße Vollbart macht ihn auch nicht jünger.

Leftheris macht uns Kalymnischen Salat, Fisolen in Tomatensauce und 6 mit Ouzo flambierte Riesengarnelen mit Zwiebel-Tomaten Ragout. Schmeckt köstlich und kostet wenig. Dann verabschiedet er sich und fährt zu seiner Familie auf seinem Harley-Davidson 1200, den er von seinem Schwiegervater geschenkt bekommen hat. Wir alle rufen ihm „siga, siga“ zu – langsam, langsam.
Es dauert noch lange bis wir bezahlen und aufbrechen können. Nikolas hat so viele Geschichten zu erzählen.

Palionisos E-Seite mit Taverna Ilias
Palionisos E-Seite mit Taverna Ilias

Zum Vergleich: Ein Bild vom 15.10.2003
Zum Vergleich: Ein Bild vom 15.10.2003
Palionisos W-Seite mit Taverna Kalidonis
Palionisos W-Seite mit Taverna Kalidonis
Die Strandbar in der Mitte
Die Strandbar in der Mitte
Nikolas' Werbetafel am Strand
Nikolas‘ Werbetafel am Strand
THE CAR ROAD
THE CAR ROAD
Werbetafel Kalidonis
Werbetafel Kalidonis
Werbetafel Ilias
Werbetafel Ilias
Werbetafel Nikolas bei der Taverna
Werbetafel Nikolas bei der Taverna
Zwei Shrimps noch zu essen
Zwei Shrimps noch zu essen

21.07.2017 Freitag
13:14 Kálymnos / O. Paliónisos Karte
14:45 Léros / O. Xirókampos Karte
Zeit unterwegs: 01:31 Strecke: 8,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Um 1:33 Uhr zittert das Boot merkbar. Beate denkt, dass ich im Cockpit hupfe. Ich denke, dass sie sich im Bett heftig umdreht. Aber 20 bis 30 Sekunden lang? Was war es dann, ein Erdbeben? Die Hunde fangen zu bellen an und einige Leute am Strand rufen was.
In Palionisos gibt es ja keinen Handyempfang und daher können wir keine Informationen abrufen. Aber Nikolas kommt um 11h zum Boot und bestätigt, dass es ein Erdbeben war. Sein Bett hätte ordentlich gewackelt und die Gläser gescheppert. In Kos seien große Schäden entstanden, der Hafen derzeit gesperrt und zwei Leute ums Leben gekommen, das Krankenhaus wegen Einsturzgefahrs evakuiert und die Patienten nach Rodos übersiedelt worden usw. Den Rest hören und lesen wir auf dem Weg nach Xirokampos als wir wieder Online mit der Welt sind.

Aber vorher fahren Nikolas und ich mit seinem Boot Thunfisch fischen. Es hätte mich sehr gewundert, hätten wir einen gefangen. Aber es ist nett, an den Buchtufern entlang zu fahren und einen Wobbler an einer Langen Leine nachzuschleppen. Gestern hat er uns eine Flasche Retsina und einen Kaffe spendiert, heute zwei Brote für uns aus Pothia mitgenommen. Ich überlege, was ich ihm schenken könnte. Es gibt tatsächlich etwas, was er sehr gut brauchen könnte, das ich vor langer Zeit gekauft aber nie wirklich verwendet habe: Das Walkie-Talkie Set von Lidl. Damit kann er vom Boot oder Strand aus problemlos mit jemanden in seiner Taverna sprechen, obwohl es kein Handynetz gibt. Er scheint davon sehr angetan zu sein und Leftheris wird ihm sicher auch noch zeigen wie die Dinger funktionieren. Er muss seinerseits auch noch was schenken bevor er sich verabschiedet: Zwei kleine und einen sehr schönen Dekorschwamm.

Nikolas verabschiedet sich
Nikolas verabschiedet sich

Zum Handynetz noch eine Nikolas Geschichte von gestern: Es gibt eine Mobilfunkzelle oberhalb des Tals. Aber die ist kaputt. Er rechnet nicht damit, dass sie bald repariert wird. Denn, als vor acht Jahren elektrischer Strom ins Tal kam wurden auch einige Laternenmasten aufgestellt. Nach einem Jahr brannte die Glühbirne der Laterne vor seiner Taverna nicht mehr. Bis sie heuer endlich ausgetauscht wurde, vergingen sieben Jahre. Und das obwohl er sich insgesamt vierzig Mal beim Bürgermeister beschwert hatte!

In Xirokampos schneidet mir Beate die Haare bevor wir an Land einen Spaziergang machen und danach wieder sehr gut bei Mama Veta essen. Die Chefin Viktoria erzählt, sie hätte das Beben stark gespürt und danach vor lauter Angst nicht schlafen können.


22.07.2017 Samstag
12:20 Léros / O. Xirókampos Karte
13:23 Léros / Lakkí Marina Karte
16:24 Léros / Lakkí Marina Karte
18:16 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
Zeit unterwegs: 02:55 Strecke: 13,9 Seemeilen Ø Fahrt: 4,8 Knoten


Wir fahren wieder zur Lakki Marina, um Wasser zu bunkern, einige frische Zutaten für das Abendessen, ein paar Sachen fürs Boot einzukaufen und Geld vom Bankomaten abzuheben. Es ist kein Problem, einen Platz für ein paar Stunden zu bekommen.

Dann gehts zäh gegen Wind und Wellen nach Archangelos. In der südlichen Einbuchtung ankert niemand. Das ist schön.
Die zwei Kleinkinder und die fünf Erwachsenen mit zusammen etwa 600 kg Gewicht packen ihre zahlereichen Strandsachen mitsamt einem faltbaren Baldachin in ein kleines Boot und fahren ab. Wir wundern uns, dass es das alles tragen kann.

Wir sind allein in der Bucht und genießen die Ruhe und einen Nacktschwimm. Leider ist nicht alles perfekt. Von der Seite kommen kleine Wellen, die das Boot nur ganz wenig schaukeln. Aber mit einer unregelmäßigen Frequenz, an die sich der Kopf nicht gewöhnen kann. Trotzdem machen wir das Abendessen wie geplant: Talagani á la Paradisio und Salat á la Mama Veta. Statt Pinienkernen haben wir Croutons. Das passt auch.


23.07.2017 Sonntag
11:25 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
11:44 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
Zeit unterwegs: 00:19 Strecke: ,2 Seemeilen Ø Fahrt: ,6 Knoten


Nach Frühstück und Abwasch verlegen wir das Boot in den nördlichen Teil der Bucht, direkt unterhalb der Taverna Stigma. Hier sind die Wellen besser aber der Wind schlechter. Er kommt in Böen abwechselnd aus allen Richtungen

Vom Schlauchboot haben sich die Halterungen der Seitenseile nach 125 Tagen in Gebrauch angefangen, sich vom Schlauch zu lösen. Seit einigen Tagen schon traue ich mich nicht, das Schlauchboot an diesen Seilen hoch zu heben, obwohl das eine ihrer Funktionen ist. Heute will ich die abstehenden Flächen wieder mit dem gestern eingekauften Klebstoff ankleben und reinige die Flächen mit einem Pinsel und Azeton. Siehe da, der ganze Fleck löst sich vom Schlauch wie nix.

Ablösungserscheinung
Ablösungserscheinung

Vollständig abgelöst
Vollständig abgelöst

Jetzt verwende ich doch den Rest des vor drei Jahren gekauften ADECO Zweikomponentenklebers. Ganz sicher nie wieder dieser! Es ist sehr mühsam. Die Luft lasse ich aus dem Schlauch raus, damit es möglich wird, das Stück fest auf den Schlauch zu pressen. Jetzt muss der Klebstoff nur noch 72 Stunden lang aushärten, bevor man ihn belasten darf…

In der Absicht, abends in die Taverna Stigma zu gehen, ankern wir nur 60m vom Strand unterhalb. Trotzdem wird daraus nichts. Zuerst ist die Taverna voll, was wir ja gut beobachten können. Und dann kommen so heftige Windböen daher, sogar mit fliegendem Wasser, dass wir doch lieber auf dem Boot essen und das neugeklebte Schlauchboot schonen.

Taverna Stigma Archangelos
Taverna Stigma Archangelos

For the records: Zwei große rote Bojen für Gastboote sind jetzt neu hier vorhanden. Gute Idee bei immer wieder drehendem Wind. Vermute, es werden noch mehr werden und die Taverna wird erweitert werden müssen, um den Ansturm zu bewältigen. 2013 wurde sie neu erbaut. Davor war in dieser Bucht gar nichts außer einer Tränke für Ziegen und ein Marterl.


24.07.2017 Montag
07:23 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
07:40 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
09:20 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
10:35 Lipsi / Hafen Karte
Zeit unterwegs: 01:32 Strecke: 8,6 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten


Um 8h sollen wir an der Boje auf Anweisungen warten. Also fahren wir rechtzeitig los und schnellfrühstücken unterwegs. Kurz vor acht kommt der Kran. Der Kranführer deutet uns, wir sollen uns längsseits außen am Travelliftbecken legen. Sogleich hupft ein Mann an Bord, der sich als Segelmacher entpuppt. Er hat die neue Abdeckung für den Steuerstand gemacht und muss nur noch die Druckknöpfe an die richtige Position clipsen.
Dann kommen zwei Mechaniker, die sogleich mit dem bestellten Motoröl- und Filterwechsel anfangen. Mit professionellen Werkzeugen und Händen ist es schnell erledigt. Derweil füllen wir den Wassertank mit 50 Litern auf.
Ich hole noch das Postpaket von SVB im Marinashop ab und dann fahren wir nach Lipsi. Um diese Zeit ist Platz mehr als genug vorhanden. Neu: Ein Schild mit MOORING 3 EUROS und der Hafenheini. Für den Strom knöpft er mir zusätzlich ganze sechs Euro ab, was ziemlich unverschämt ist. Aber was solls, er bekommt zehn. Geht ja gerade noch.

Wir schleppen die Wäsche in die Wäscherei. Morgen früh wird alles gewaschen und getrocknet sein, zehn Euro pro Maschine. Dann darf ein Besuch der Café-Bäckerei nicht fehlen. Der Capuccino ist köstlich.

Dem Hafenheini kaufe ich ein Einmachglas mit kleinen Makrelen in Olivenöl um fünf Euro ab. Er strahlt und wird vermutlich auf ewig „my friend“ sein.
Der Wind bläst unentwegt mit 18-20 Knoten ins Cockpit bis wir die Netze herunter lassen. Das wirkt wirklich Wunder. Um 16h ist die E-Seite der Yachtmole voll. An der W-Seite mit dem schlechten Ankergrund liegen zwei türkische Gulets und eine riesige Motoryacht. Sogar am Stadkai gegenüber der Mole, auf den der Wind direkt hinweht, haben drei Segelboote angelegt. Vielleicht ist es dort sogar gemütlicher. Denn auch hier ist es alles andere als wellenlos, insbesondere nicht geräuschlos.

Wir machen einen Spaziergang durch den Ort bis zum Gemeindeamt, wo auch die Schule untergebracht ist, mit schöner Aussicht über den Hafen. Obwohl Manolis alle Künste aufgeboten hat, uns in sein Lokal zu locken, gehen wir doch ins To Pefko. Vor allem, weil es wesentlich günstiger und windgeschützter ist.

Lipsi Hafen von der Kirche gesehen
Lipsi Hafen von der Kirche gesehen

Lipsi Hafen vom Gemeindeamt gesehen
Lipsi Hafen vom Gemeindeamt gesehen


25.07.2017 Dienstag
10:44 Lipsi / Hafen Karte
11:59 Arkí / Tiganáki Karte
Zeit unterwegs: 01:15 Strecke: 7,6 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten


Wir frühstücken und kaufen Brot in der Café-Bäckerei, kaufen vor allem Wasserflaschen im Supermarkt Calypso, weil wir alles mit dem Einkaufswagen direkt zum Boot führen können, holen die Wäsche ab und fahren los.
Fast glattes Wasser. Nur der entgegen kommende Patmos Star macht Wellen, die das volle Colaglas vom Tisch haut.

In Tiganaki ist schon einiges los. Aber um 14h ist der Drive-in-Swimmingpool schon sehr bebootet und bevölkert. Es ist herrliches Wetter, lauer Südwind(!) mit 29° und trockene Luft. Wir genießen, schwimmen und faulenzen.

Tiganaki - gut besuchter Drive-in-Swimmingpool
Tiganaki – gut besuchter Drive-in-Swimmingpool


26.07.2017 Mittwoch
12:10 Arkí / Tiganáki Karte
14:07 Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou Karte
Zeit unterwegs: 01:57 Strecke: 12 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Endlich eine windstille Nacht in Tiganáki! Um 5:30h schaue ich ins Cockpit und beschließe, den Sonnenaufgang aus dem spiegelglatten Meer eine halbe Stunde später zu genießen. Bis dahin kann ich mich ja noch ein wenig auf die Cockpitkissen hinlegen… Ich wache dann davon auf, dass mir die Sonne ins Gesicht scheint.

Bevor die Massen wieder eintrudeln, fahren wir los. Kaum ein Windhauch stört die ruhige Fahrt. Vor neun Jahren waren wir zuletzt auf Agathonisi. Direkt vor dem Ort und dem Badestrand haben wir noch nie geankert. Bester Sandgrund auf 4,5m vor der Bojenkette, die den Schwimmbereich kennzeichnet, passt perfekt. Mit dem schwachen Südwind sitzen wir im Cockpit praktisch mitten in Dorf. Luft und Wasser haben 28°C und ein Wind mit 8 kn weht herein. Eine gute Kombination.

Zwei unerfreuliche Dinge:
1. Ich bekomme die Rechnung von Drei. Beates Telefon hat vorigen Donnerstag unterwegs nach Palionisos vom griechischen zu einem türkischen Provider verbunden und 3,32MB Daten herunter geladen. Kostet satte € 49,80!!! Ein Grund mehr, nicht in die Türkei zu fahren. Seither ist die Netzauswahl nicht mehr auf automatisch gestellt. Zum Vergleich: Zusätzlich zum jetzt kostenlosen EU-Datenroaming habe ich wie jedes Jahr eine griechische Wertkarte im iPad, die jetzt für 30 Euro 12 GB innerhalb von 30 Tagen ermöglicht. Der Türke verlangt also den 6.144-fachen Preis.

2. Ich entdecke, dass sich die Verklebung der Heckspiegelbefestigung am Schlauchboot auch abzulösen beginnt. Das ist ärger und extrem ärgerlich. Werde ich auch zu kleben versuchen. Aber ich befürchte, dass es so weiter gehen wird und das fünfte Schlauchboot fällig wird. Im Internet recherchiere ich schon. Wird leider viel mehr als einige türkische Megabyte kosten.

Bei Sonnenuntergang paddeln wir an Land und gehen der asfaltierten Straße entlang zur Querbucht Spillás. Da ankern auch ein paar Boote mit Landleine und es sieht ganz gemütlich aus. Zurück im Ort essen wir in der zweiten Taverna George’s sehr köstliche gebratene Zucchini, ein gutes Kotelett und wenig aufregende Souvlaki.

In beiden Mini-Märkten sind die Pfirsiche ausverkauft, schade. Das morgige Mittagsjoghurt wird weniger fruchtig ausfallen. Dann eine Premiere: Wir beide schwimmen zum Boot zurück. Ich mit dem Schlauchboot im Schlepptau.

Agathonisi Hafen
Agathonisi Hafen


27.07.2017 Donnerstag
09:55 Agathonísi / Hafen Ágiou Georgíou Karte
10:43 Agathonísi / O. Póros Karte Ankern in Seitenbucht
Zeit unterwegs: 00:48 Strecke: 3,6 Seemeilen Ø Fahrt: 4,5 Knoten


In der Nacht ist der Südwind stärker geworden und die Wellen kommen direkt in die Bucht herein. Es ist aber auszuhalten. Trotzdem fahren wir gleich nach dem Frühstück los. In Ormos Poros sehen wir uns die westliche Seitenbucht Pálos an. Da kommen Wind und Wellen ein wenig zu stark herein. In Poros selbst detto. Aber in einer kleinen östlichen Einbuchung sieht es friedlich aus. So ist es auch. Wir ankern auf 4m Sangrund mit Flecken von kleinen Steinen durch eine kurze Landzunge vor den Wellen weitgehend geschützt. Am N-Ufer ist ein verlassenes Haus, wahrscheinlich ehemalige Versorgungsstation für die Aquakultur, die es früher in der Bucht gab. Am S-Ufer liegt ein kleines Fischerboot. Dazwischen in Kieselstrand, einige Bäume, ein paar rostige Fässer mit Müll und ein Zikadenkonzert, sonst nichts. Aber in der Luft ist volles LTE-Internetrohr. Also bleiben wir da.

Ich schwimme mit Landleine und Kamera zum Ufer, finde einen passenden Baum für die Leine und passende Stellen zum Fotografieren.

Agathonisi Poros E-Einbuchtung
Agathonisi Poros E-Einbuchtung

Agathonisi Poros E-Einbuchtung
Agathonisi Poros E-Einbuchtung

Die Schlauchbootreparatur kann (muss) beginnen. Zunächst schleife ich die Klebeflächen so gut es geht mit feinem Schleifpapier und wische sie sauber. Dann sollten drei dünne Schichten des Polyurethanklebers auf beide Flächen im Abstand von fünf Minuten erfolgen und danach nach 15 Minuten die Teile mit möglichst hohem Druck gegen einander gepresst werden. Ich kann es aber nur so machen: Zuerst gar nicht wenig Klebstoff auf den Schlauch verteilen, das schwarze Stück darauf drücken so dass es auch Klebstoff abbekommt. Dann wieder aufmachen und ca. 15 Minuten ablüften lassen und dann mit improvisierter Abpresskonstruktion gegen den prall aufgepumpten Schlauch drücken, gegen Sonne schützen, warten und hoffen. Ich bin aber sicher, dass diese Reparatur nicht lange halten wird.
Klebeflächen angeschliffen
Klebeflächen angeschliffen

Anpresskonstruktion
Anpresskonstruktion

Saunakilt als Schattenspender
Saunakilt als Schattenspender

Das Boot habe ich am 5.8.2015 gekauft. Mir fällt ein, dass vielleicht noch eine Garantie besteht und schreibe ein entsprechendes E-Mail an SVB.

Nach Sonnenuntergang kommt eine bedrohlich wirkende Wolkenrolle mit Wind aus W daher. Ich werde leicht nervös, weil der Anker für diesen Wind gar nicht gut liegt und sich außerdem auf dem sehr harten Grund nicht eingegraben hat. Es dauert aber nur ca. 20 Minuten bis der Spuk vorbei ist und wir das Abendessen in Ruhe genießen können.

Seltsame Wolkenrolle
Seltsame Wolkenrolle

Gutes Abendessen
Gutes Abendessen

28.07.2017 Freitag
10:37 Agathonísi / O. Póros Karte
13:55 Sámos / Posidonio Karte
Zeit unterwegs: 03:18 Strecke: 19,3 Seemeilen Ø Fahrt: 5,8 Knoten


Wir haben eine sehr angenehme Überfahrt nach Samos. In Posidonio ankern viele Segelboote, zehn. Es gibt aber noch Platz genug und nach einer Runde nehmen wir einen recht weit von den anderenund vom Strand. Seltsamerweise kommt hier der laue Wind aus E, auf der Fahrt kam er aus W. Im Lauf des Tages dreht er und kommt immer wieder aus einer anderen Richtung, stört aber nicht. Gelegentlich kommen Wellen von Booten herein, die außen vorbei durch die Schmale Straße zwischen Samos und der Türkei fahren. Auch ein türkisches Ausflugsboot ist dabei, das mit lautester Bauchtanzpopmusik zwei Kontinente zugleich beschallt.

Abends kommt das Schlauchboot ins Wasser. Der Leim hat jetzt mehr als 24 Stunden Aushärtezeit gehabt. Die Verklebung sieht nicht schön aus, aber sie hält, vorläufig zumindest.
Wir gehen eine kleine Runde durch den Ort. Eine große wäre gar nicht möglich. Es gibt ein elegantes Restaurant, eine einfache Taverna, einen gar nicht schlecht sortierten Minimarkt, einige Ferienappartements und einen ziemlich mickrigen Strand.
Wir bekommen den schönsten Tisch des eleganten Restaurants ganz außen auf der ins Meer hinaus gebauten Terrasse. Die Preise sind zwar höher als üblich aber erträglich. Das Essen ist gut, Halloumi auf Blattsalat, Hendlbrust in Sauce mit Pommes und Kalbfleisch in Sauce mit Pommes, aber keine Offebarung. Aber die Aussicht ist wunderbar.
Ein Ausflugsboot hat eine Touristengruppe hierher gebracht. Für sie spielt eine 4-Mannkombo die üblichen griechischen Hadern aber gsd nicht zu laut. Es wird mit Schulterschluss im Kreis getanzt und zum Schluss geben die alten Herren Solovorstellungen, vor allem der Kapitän des Ausflugsbootes. Es scheint ihnen wirklich Spaß zu machen.

Posidonio
Posidonio

Posidonio
Posidonio
Restaurant Posidonio
Restaurant Posidonio
Im Restaurant Posidonio mit bester Aussicht
Im Restaurant Posidonio mit bester Aussicht

29.07.2017 Samstag
Sámos / Posidonio
Wir beobachten ankommende und abfahrende Boote, lesen, schwimmen, faulenzen. Ich fange an, Griffe und Scharniere der Luken zu überholen, um sie leichtgängiger und knarrfrei zu machen. Sollte vielleicht öfter als alle 20 Jahre gemacht werden…

Frühabends fahren wir an Land und gehen 116 Stufen zum Kirchlein Agios Nikolaos mit schöner Aussicht hinauf. Dann ins zweite Lokal Tavern Marien auf ein frühes einfaches Abendessen. Danach gibt es wieder einen Tatort Krimi im Cockpit.

Vor dem Kirchlein
Vor dem Kirchlein

Aussicht vom Kirchlein
Aussicht vom Kirchlein
Tavern Marien
Tavern Marien

30.07.2017 Sonntag
17:35 Sámos / Posidonio Karte
17:55 Sámos / Klima Karte Ankern
Zeit unterwegs: 00:20 Strecke: ,8 Seemeilen Ø Fahrt: 2,4 Knoten


Das Lukenservice geht weiter und dauert den ganzen Tag. Alle Teile werden gründlichst gewaschen und mit Silikonspray behandelt, sehen wieder fast wie neu aus. Auch die Gummidichtungen werden silikonisiert.

Nach getaner Arbeit fahren wir in die nächste Bucht, die wahrlich nicht weit entfernt ist. Hier gibt es weniger Boote, mehr Wind aber auch einen sehr guten Ankergrund und zwei Tavernas. Auch diese Bucht ist ziemlich türkenverseucht. Vier von den sechs Booten sind türkisch, davon zwei mit mini US-Flagge und in Delaware registriert (also die Hälfte – in etwa der übliche Schnitt). Mich wundert, dass Erdogan diese Steuerflüchtlinge noch nicht verhaftet hat. Mit US-Flagge wird doch deutlich gezeigt, dass man den dort ansässigen Gülen huldigt. Eine Beleidigung des Türkentums ist es auf jeden Fall.
Ein Segelboot mit türkischem Skipper kann man beim Anlegen und Ankern aber auch daran erkennen, dass er in den meisten Fällen keine Ahnung hat wie das geht. Früher waren für mich die italienischen Charterskipper die Buhmänner. Jetzt die Türken, egal ob Charterer oder Eigner. Deren Anzahl ist in den letzten Jahren von praktisch Null auf zu viele gestiegen. Nicht nur hier, einen Steinwurf von der Türkei entfernt.

Der Ort wirkt nett, besteht aus vielleicht 30 Häusern. Viele davon elegant und gepflegt und sogar mit einem grünen Rasen! Es dürfte hier überhaupt viel Wasser geben, nach der Vegetation zu schließen. Auf dem schmalen Kieselstrand gibt es Liegebetten, Duschen(!) und einige wenige Badegäste.
Wir gehen in die Taverne Kaduna, die einen Holzsteg als Anlegeplatz für max. vier Boote gebaut hat. Wir sind die Gäste Nummer 5 und 6, nachher kommen noch zwei dazu. Es gibt endlich wieder Tabulé. Die übrigen drei Vorspeisen schmecken auch sehr gut. Die Käsebällchen sehen aus wie panierte Pingpongbälle.

Der Wirt erklärt uns den Wind hier in der Bucht: In der Früh weht er schwach aus E. Am Nachmittag so gegen 15-16 Uhr dreht er und kommt stark und in Böen aus NW. Nach Sonnenuntergang flaut er ab und gegen Mitternacht hört er auf. So ist es dann auch. Aber vorher gehen wir in die zweite Taverna-Bar der Ferienappartementanlage Paradise auf ein Samos Retsína. Auch hier ist es sehr nett und nur drei Tische sind besetzt.

Ormos Klima. Samos
Ormos Klima. Samos

Ormos Klima. Samos
Ormos Klima. Samos
Ormos Klima. Samos
Ormos Klima. Samos
Steg mit Wasser und Strom
Steg mit Wasser und Strom

31.07.2017 Montag
09:10 Sámos / Klima Karte
11:11 Motoren langsamer
11:51 Motoren schneller
12:20 Sámos / Marathókampos Karte Ankern
Zeit unterwegs: 03:10 Strecke: 18,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,9 Knoten


Die ganze Nacht schlafe ich sehr gut im Bugnetz, weder zu viel Wind, noch zu viel Feuchtigkeit, noch irgendein Geräusch stört den Schlaf.
Wir legen los und der Ostwind schiebt mit. Bei O. Mesokampos kommt er schon aus N mit 15 bis 18 Knoten, was immer noch gut passt. Entlang der Südausbuchtung von Samos ist es praktisch windstill aber als wir zwischen Samos und Samiopula durchgefahren sind, kommt der Wind wie erwartet auf die Nase, und wie! Die Strömung schiebt gegen den Wind, was zwar geschwindigkeitsmäßig angenehm ist, komfortmäßig aber das Gegenteil. Die Wellen sind sehr steil und die Büge krachen nur so hinein. Wir müssen langsamer fahren. Der alte Trick, möglichst nahe entlang des Ufers zu fahren, bewährt sich wieder. Die Wellen sind hier wesentlich gemäßigter. Außerdem ist es lustiger, die vorbei ziehende Landschaft als die Wellenkämme zu beobachten. Auch hier zeigt das GPS um 0,2 Knoten mehr als die Logge, also immer noch Strömung von hinten.
Auf der letzten Seemeile vor dem Hafen zeigt der Wind so richtig seine Stärke mit 25-35 Knoten. Aber da kommt er schon von der Seite und auf der kurzen Strecke zum Ufer baut sich noch keine arge Welle auf.

Wir ankern im Hafenbecken vor dem Sandstrand. Platz zum Anlegen wäre zwar genug vorhanden, aber wenn man ankern kann, ist es uns lieber. Der Wind ist hier auch nicht angenehm, zwar weniger als direkt vor der Hafeneinfahrt dafür sehr böig.

Wir kaufen am Abend im gut sortierten praxis-Markt ein und essen im Restaurant TRATA, das von jungen Leuten betrieben wird und als einziges der vielen Restaurants bald voll wird. Das Essen ist auch gut aber die Bedienung leicht überfordert.


01.08.2017 Dienstag
Sámos / Marathókampos
Der Wind pfeift die ganze Nacht. Der Morgenschwimm ist seehr erfrischend mit 21,7°C. Zur Abwechslung frühstücken wir in TRATA. Ist zwar ok aber wenig und teuer. Die vier Scheiben Weißbrot von gestern oder vorgestern überzeugen gar nicht. Wir behelfen uns mit dem vom Bäcker vorher eingekauften Baguette.
Beate geht in ein anderes Lokal malen. Ich lese das gestern begonnene Buch „Live!“ von Petros Markaris am iPad weiter, fahre zum Boot mit dem Bäckereieinkauf und erledige ein paar Kundenanfragen. Ich hole Beate vom Ufer ab, fahre aber gleich wieder an Land, um die neu erbaute Hafenanlage genauer anzusehen. Um 4,2 Millionen Euro ist der Hafen sehr schön ausgebaut worden. Der östliche Teil mit dem neuen Hafenbecken ist noch gar nicht fertig und die letzten Arbeiten werden gemacht, aber – wie in Griechenland üblich – ist auch bereits verschandelt. Fischernetze und Fischernetzhaufen liegen willkürlich herum, einige wenige Boote belegen möglichst viel Platz für sich, eine Platzreservierungsboje darf natürlich auch nicht fehlen. Die Versorgungssäulen sind noch nicht installiert, was aber total egal ist. Die vor zwei Jahren im westlichen Hafenbecken aufgestellten funktionieren bis heute nicht. Auch hier ist eine vollkommen chaotische Bootsanordnung. Würde hier jemand für Ordnung sorgen, wäre Platz für 1/3 mehr Boote, am „Yachtkai“ sogar für doppelt so viele. Von den acht hier liegenden Segel- und Motorbooten sind sechs versperrt und verlassen. Ich plaudere mit einem jungen Paar aus Hamburg, die mit ihrem halbjährigen Sohn unterwegs sind. Der Mann bestätigt, dass sich niemand um die Bootsplätze kümmert und sie auch nichts kosten, weshalb sie als Dauerliegeplätze missbraucht werden. Auch die Mooringleinen sind teilweise schon kaputt, die übrigen jedenfalls zu kurz für Boote über 11 m Länge. Wir wundern uns beide darüber, dass die EU so ein Hafenprojekt zwar zu 85% finanziert, aber es der EU danach vollkommen scheißegal ist, was mit der Investition geschieht. Dabei wäre es ganz leicht, diese neue Hafenanlage zu einem schmucken und beliebten Anlaufpunkt für Bootsfahrer zu machen und damit Arbeitsplätze zu schaffen, Geld in die Gemeindekassa zu spülen und den Wirten entlang des Ufers mehr und zahlungskräftige Gäste zu bescheren, zumal es auf der Samossüdküste sonst nur das schreckliche Pythagorion als Hafenort gibt. Ich prophezeie: Das wird nicht geschehen. Die Hafenanlage wird genau so versiffen, wie fast alle mit viel EU-Geld umgebauten öffentlichen Häfen in Griechenland. Da kenne ich viele und nur zwei fallen mir ein, wo dies nicht der Fall ist: Pali auf Nisyros und Moudros auf Limnos.

Nach der Inspektionsrunde setze ich mich in ein Café und lese am iPad weiter bei einem Beruhigungsbier. Ich kann mich einfach nicht an die größte Schwäche der Griechen gewöhnen und ärgere mich immer wieder darüber, dass in diesem Land nichts mit Hirn oder System organisiert ist.

Nach Sonnenuntergang gehen wir wieder ins Geschäft einkaufen und essen diesmal in LEKATIS auch gut und unschlagbar günstig.

Samos Marathokampos Supermarkt
Samos Marathokampos Supermarkt
Samos Marathokampos Uferstraße mit Tavernen
Samos Marathokampos Uferstraße mit Tavernen

Samos Marathokampos Aussicht von TRATA
Samos Marathokampos Aussicht von TRATA

Samos Marathokampos neues Hafenbecken
Samos Marathokampos neues Hafenbecken

Typischer Fischerhaufen
Typischer Fischerhaufen

Schöne aber funktionslose Versorgungssäulen
Schöne aber funktionslose Versorgungssäulen

Funktionierender Wasserhahn
Funktionierender Wasserhahn

Dieser Elektrokasten funktioniert nicht
Dieser Elektrokasten funktioniert nicht

Dieser Elektrokasten funktioniert
Dieser Elektrokasten funktioniert

02.08.2017 Mittwoch
16:21 Sámos / Marathókampos Karte
17:14 Sámos / Limnionas Karte
Zeit unterwegs: 00:53 Strecke: 3,3 Seemeilen Ø Fahrt: 3,7 Knoten


Ich lese fast die ganze Nacht. Der Wind orgelt um drei Uhr noch immer unvermindert weiter und hält die Stärke bei bis um 13:55h als es plötzlich ruhiger wird. Der am Abend angekommene und schräg hinter uns ankernde Katamaran Isicia, eine Antigua von Fountaine-Pajort mit österreichischer Flagge, fährt wieder ab. Wir wünschen einander auf österreichisch gute Fahrt und guten Wind.

Guter Wind ist für mich wenig Wind. Als wir nach kurzer Fahrt in Reihe mit zwei deutschen Segelbooten ankern, kann davon keine Rede sein. Innerhalb weniger als einer Stunde beruhigt sich der Wind auf ein erträgliches Maß und wir können uns über die neue Aussicht freuen.


03.08.2017 Donnerstag
Sámos / Limnionas
Ungewöhnliches Wetter heute. Den ganzen Tag über herrscht absolute Flaute. Es ist drückend schwül und wir hupfen häufig ins Wasser. Wir nehmen uns vor, am Abend mit dem Schlauchboot an Land zu fahren, um bei einer der zwei in Google Maps angezeigten Tavernen zu essen. An Land waren wir hier noch nie.
Daraus wird aber nichts. Um 19:33h kurz nachdem sich die Sonne hinter dem Berg vertschüsst hat, kommt Wind auf. Etwa 500 m weiter nördlich sogar sehr heftig. Das Wasser dort kocht förmlich. Ich vermute, dass es nicht lange dauern wird, bis auch wir die Suppe haben und blase die Landfahraktion ab. Richtig so, auch wir bekommen Wind mit bis zu 35 Knoten aus N. Mit dem Laser-Entfernungsmesser überprüfe ich, ob der Anker hält. Das tut er. Bis zur Felsenküste hinter uns bleibt der Abstand bei 90 bis 100 Metern. Wir essen Packerlnudeln und Tomatensalat und lassen uns von den mittlerweile gar nicht kleinen Wellen schaukeln.

Beate schwimmt vor Oros Kérkis
Beate schwimmt vor Oros Kérkis


04.08.2017 Freitag
10:02 Sámos / Limnionas Karte
11:40 Sámos / Marathókampos Karte
Zeit unterwegs: 01:38 Strecke: 9,9 Seemeilen Ø Fahrt: 6,1 Knoten


Ungewöhnliches Wetter heute. Die ganze Nacht hat der Wind aus einer anderen Richtung mehr oder weniger geblasen. Als wir aufbrechen kommt er aus S mit kaum sieben Knoten. Das Meer ist praktisch wellenlos und wir freuen uns auf eine ruhige Überfahrt nach Ikaria.
Daraus wird aber nichts. Kaum haben wir das Leuchtfeuer an der SW Spitze von Samos passiert, kommt der Wind mit bis zu 35 Knoten aus NW. Die Wellen sind grauslich. Als das halbvolle Kaffeehäferl vom Tisch fliegt drehen wir um. Und ab dem Leuchtfeuer haben wir wieder sanften Südwind und keine Wellen.
Das Wasser geht zu Ende, in den Flaschen und in den Tanks. Das wollten wir in Ikaria auffüllen. Nun fahren wir statt dessen wieder nach Marathokampos. Eineinhalb Seemeilen davor ändert der Wind wieder seinen Charakter, kommt plötzlich aus N mit 25 kn, wie wenn man in ein anderes Zimmer eintreten würde. Komplett crazy.
Weil ich zuletzt den einzigen funktionierenden Wasserhahn entdeckte, legen wir uns längsseits an die Außenmole. Ich hole alle Schläuche heraus und siehe da, es geht sich aus. Aber erst nachdem wir das Boot noch ein wenig Richtung Wasserhahn verholt haben. Die Tanks werden aufgefüllt und das Boot und Schlauchboot richtig ordentlich gewaschen. Das Wetter ist dafür ideal: Herzhafter Wind und bewölkt(!).

An der Mole in Marathokampos. Der Wasserhahn ist wo das Bild rechts aufhört.
An der Mole in Marathokampos. Der Wasserhahn ist wo das Bild rechts aufhört.


05.08.2017 Samstag
11:29 Sámos / Marathókampos Karte
12:20 Sámos / Limnionas Karte
Zeit unterwegs: 00:51 Strecke: 3,3 Seemeilen Ø Fahrt: 3,9 Knoten


Pünktlichst um exakt 8:30h fährt der gestern bestellte Dieselwagen vor. 90 Liter hatte ich berechnet, 89 passen hinein.
Wir gehen zum Bäcker und in den praxis-Markt vor allem Wasser einkaufen. Sechs 6-er Tragerln á 1,5 l passen in und auf die Plastikschuhkiste und diese auf die faltbare Rodel. Hängt sich trotzdem an, der Weg ist so holprig.
Nach einem Capuccino und einen Schinken-Käse-Toast rolle ich die die 80m Schlauch ein während Beate die Einkäufe verstaut.
Der Wind ist immer noch lebhaft und nimmt auf der Fahrt noch mehr zu. In der Ankerbucht ist bei Nordwind normalerweise Flaute so wie gestern. Heute genau nicht. Er donnert in ungemütlichen Böen mit bis zu 30 Knoten daher. Außerdem ist es ziemlich bewölkt. Hoffentlich beruhigt er sich am Abend, damit wir hier endlich mal an Land fahren können.

Die Sonne verschwindet hinterm Berg. Der Wind nimmt ab. Aber bedrohlich wirkende Wolken ziehen auf. Das Licht ist ganz seltsam. In Österreich würde man sagen, dass gleich ein Regen oder Gewitter kommt. Also fahren wir auch heute nicht an Land. Beate macht ein fantastisches Tabulé mit der heute eingekauften frischen Petersilie, dazu passt der gebratene Haloumi perfekt. Während sie kocht dreht der Wind von Nord auf Süd und bringt depperte Wellen. Nach einer Stunde kommt der Wind wieder aus N und wir sehen uns einen Krimi im Cockpit an.

Die Ursache für den verrückten und vollkommen unberechenbaren Wind hier kann nur der 1.434 m hohe Berg Kérkis sein, an dessen Fuß wir ankern. Je nach Windrichtung und -stärke verteilt er Portionen davon nach Belieben. Absolute Flaute und irrer Wind können unmittelbar neben einander vorhanden sein.

Bedrohliche Wolken
Bedrohliche Wolken


06.08.2017 Sonntag
10:40 Sámos / Limnionas Karte
13:38 Ikaría / Fáros Karte
Zeit unterwegs: 02:58 Strecke: 12,8 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Die Überfahrt nach Ikaria gelingt bestens. In der Mitte ist der Wind sogar unter 10 kn, obwohl in Inselnähe jeweils um die 20. Weil die Batterien schon komplett leer waren, fahren wir langsam, damit sie länger aufgeladen werden.

Als wir mit dem Schlauchboot anlanden wollen, deutet uns ein Mann von seinem Haus aus, wo wir am besten fahren sollen. Direkt vor dem Strand sind Steinplatten und Steinhaufen so dass die letzten Meter nur mit Paddeln zu machen sind. Ein anderer Mann kommt uns entgegen und hilft, das Boot an Land zu ziehen. Wir werden auf Wasser und Kaffee eingeladen. Der Hausbesitzer ist Christos, ein 80 jähriger Arzt in Pension, der hier sein Ferienhaus hat und in Berlin studiert hat. Er spricht perfekt Deutsch. Der andere jüngere, der uns geholfen hat, nur ein wenig. Er ist Musiker und Komponist und liest viel Fachliteratur auf Deutsch. Christos erzählt unter anderem, dass er auch ein Segelboot im Haupthafen von Ikaria hat und demnächst eine Segelregatta starten wird, die er organisiert hat. Da dürfen nur Leute über 70 mitmachen, es ist die „Ikaria Senioren Regatta“. Er zeigt uns stolz einen Pokal, den er angefertigt hat.
Nach einer Weile verabschiedet sich der Musiker und dann auch wir. Es ist mühsam, auf dem lockeren Sand den Strand entlang zu gehen. Beim ersten Strandlokal kann man abzweigen und auf einem betonierten verwinkelten Gehweg hinter den Häusern bequemer voran kommen. Wir gehen zum Minimarkt und dann zur Taverna O Grigoris am Strand – sehr gut und preiswert.

Haus von Christos
Haus von Christos

Bei Christos
Bei Christos

Strand von Faros
Strand von Faros
Taverna O Grigoris
Taverna O Grigoris
Warten aufs Essen
Warten aufs Essen
Hühnerspieße mit Pommes und Nudelsalat Hühnerspieße mit Pommes und Nudelsalat um € 7,50
Hühnerspieße mit Pommes und Nudelsalat um € 7,50

07.08.2017 Montag
12:15 Ikaría / Fáros Karte
13:16 Foúrnoi / Thymenaki Karte
Zeit unterwegs: 01:01 Strecke: 5,7 Seemeilen Ø Fahrt: 5,6 Knoten


Gestern hat uns Christos einen schönen Platz direkt gegenüber von Faros empfohlen. Heute fahren wir hin. Eine kleine Bucht auf der Insel Thymena, die im W vom Inselchen Thymenaki geschützt wird. Auch bei starkem Nordwind soll man hier sicher liegen können. Wir haben jetzt aber kaum Wind.
Die Einfahrt ist durch eine mächtige Klippe an der E-Seite gut markiert. Dann öffnet sich die Bucht gegen E mit einem Kirchlein und einem kleinen Kai im Scheitel. Drei kleine Ruderboote liegen an Bojen und das von uns in Faros beobachtete Segelboot mit Badegästen ankert vor dem Kirchlein. Wir ankern zunächst davor. Wie erwartet, fährt das Segelboot alsbald ab. Wir nehmen dessen Platz und legen eine Landleine zu einem großen Stein am Ufer.
Zum kleinen Kai kommen drei Motorboote im Laufe des Nachmittags. Die Leute steigen aus, gehen ins Kirchlein, zünden eine Kerze oder zwei an und fahren wieder ab.
Am Abend sehen wir uns auch das Kirchlein an. Drinnen ist es ganz rauchig und riecht nach Weihrauch. Wie Christos erzählte, sind daneben auch vier Kleinstgebäude, deren Zweck ist, Seefahrern zu dienen, die Schutz vor Sturm in dieser Bucht suchen. Bei einem davon steckt der Schlüssel im Schloss. Es ist eine kleine Küche. Die übrigen sind verschlossen, wahrscheinlich Schlafplätze.

Beate schwimmt zurück zum Boot. Ich gehe und klettere an der Südseite hinauf, um Fotos zu machen und die zwei dort befindlichen Gebäude anzusehen. Ein Fahrweg führt von oben kommend dorthin. Zwei Autowracks zieren dessen Ende. Es ist eher ein unnötig breiter Ziegenpfad. Zwei Ziegen beobachten mein Treiben neugierig.
Die Gebäude sind unfertige Ferienhäuser gleicher Bauart und höchstens fünfzehn Quadratmeter groß, eines weiß gekalkt mit Tür und Fenstern, das andere kompletter Rohbau. Seit vielen Jahren dürfte hier nichts mehr gebaut worden sein. Warum hier sicherlich mühsam überhaupt gebaut wurde, ist nicht nachvollziehbar. Die Aussicht ist zweifellos schön, aber das wars schon. Ich gehe den steilen steinigen Hang zum Meer hinunter. Hier ist auf einem Stein etwas Beton verbreitet, ein Holzpfahl eingegossen und davor eine Boje, also ein Bootsanlegeplatz. Weil ich keine Lust habe, die Kletterpartie zu wiederholen, schwimme ich zum Boot zurück von hier. Es ist nicht einfach, auf den sehr schroffen Steinen unverletzt ins Wasser zu gelangen, zurück ginge das gar nicht. Als Badehütten können die Häuschen also auch nicht konzipiert worden sein.

Die Romantik der Bucht wird nicht wenig von einer solarbetriebenen sehr hellen LED-Laterne am Kai gestört. Zwei junge Männer, die mit einem Minimotorboot angekommen sind, nützen sie aber sinnvoll. Aus der Hütte knapp oberhalb tragen sie Tisch und Hocker herunter und haben Licht für das Abendessen. Kurze Zeit später hätte der Vollmondschein auch ausgereicht.

Da gehts nach Thymenaki hinein
Da gehts nach Thymenaki hinein

In die Bucht biegt man 90° nach E ab.
In die Bucht biegt man 90° nach E ab.

Bucht von oben betrachtet
Bucht von oben betrachtet

Ziegen betrachten mich
Ziegen betrachten mich


08.08.2017 Dienstag
10:01 Foúrnoi / Thymenaki Karte
11:32 Ikaría / Marina Karte
15:27 Ikaría / Marina Karte
16:27 Ikaría / Fáros Karte
Zeit unterwegs: 02:31 Strecke: 10,4 Seemeilen Ø Fahrt: 4,1 Knoten


Ich schlafe wieder im Cockpit und wache vor dem Morgengrauen auf als die Männer, die in der Hütte übernachtet haben, zum Fischen hinaus fahren. Etwas später rattert ein kleines Fischerboot daher. Ich denke, der Fischer würde seine auf dem Kai drapierten Netze abholen. Tut er nicht, sondern er geht in das Kirchlein, zündet eine Kerze und wahrscheinlich Weihrauch an, bekreuzigt sich mehrmals und fährt wieder ab.

Wir haben genug vom Kirchlein und dessen Besucher gesehen und fahren ab. In Ikaria macht die neue Marina einen guten ersten Eindruck. Wir können uns einen Platz aussuchen und nehmen einen bei der Einfahrt an der Mole. Das ist ein guter Platz, denn hier kann das Boot so festgemacht werden, dass es nicht an den idiotischen schwarzen Gummiwülsten ansteht, die entlang aller Kanten des Beckens angebracht sind. Noch ein paar Dinge, die darauf hindeuten, dass der Marinaplaner wenig von Booten versteht: Es gibt zu wenige Poller, zusätzliche Befestigungsringe sind an der Mole unterhalb der Gummiwulst angebracht, so dass sie kaum erreichbar sind, die Versorgungssäulen haben Telefon-/Internetanschlüsse, die niemand braucht (und sicher auch nicht funktionieren) sowie riesige Stecker für 3-Phasenstrom, die höchstens eine Megayacht braucht (die aber sowieso nicht durch die Einfahrt passen würde). Nur im inneren Becken sind einige Säulen mit normalen Stromsteckern ausgestattet (die aber auch nicht funktionieren). Es gibt aber Wasser zum Nulltarif, das man ohne vom Boot zu steigen zapfen kann. Das machen wir bevor wir wieder ablegen.
Vorher gehen wir nicht viele Schritte direkt ins Zentrum der Stadt, kaufen Brot bei einem urigen Holzofenbäcker und setzen uns in die Café-Bar Akti mit Ausblick über das Meer, den Hafen und einen Teil der neuen Marina. Sehr angenehm hier.
Während ich zum Boot gehe, dreht Beate noch eine Runde. Am Boot ist es entsetzlich heiß. Man kann zwar im Marinabecken baden, bei 28°C bringt es aber nur eine kurzfristige Abkühlung. Es weht kein Lüfterl, das Bimini hält die Sonne schon ab, aber wärmt von oben mit 58°C. Als Beate zurück kommt, bin ich ganz fertig von der Hitze. Sie macht den guten Vorschlag, wieder nach Faros zu fahren. Nach dem Auffüllen des kleinen Wassertanks mit 117 Liter fahren wir kurze Zeit später ab.

In Faros ist es ideal mit 30°C in der Luft, 25°C im Wasser und Wind mit 15 Knoten. Wir gehen am Abend wieder zum Minimarkt und dann essen zum Strand, diesmal in die Taverna Leonidas. Sie schließt direkt an O Grigoris an und ist genau so gut und günstig – und genau so voll und laut. Die Leute versuchen die Zikaden zu übertönen, die die griechische Lautsprechermusik zu übertönen versuchen. Erst als die Musik abgestellt wird, endet der Wettkampf und eine normale Unterhaltung wird möglich.

Ikaria Marinaeinfahrt
Ikaria Marinaeinfahrt

Platz bei der Marinaeinfahrt
Platz bei der Marinaeinfahrt

Ikaria Marinabecken
Ikaria Marinabecken

Kurzer Weg zum alten Hafen und Stadtzentrum
Kurzer Weg zum alten Hafen und Stadtzentrum

Alter Hafen
Alter Hafen

Stadtzentrum mit zahlreichen Lokalen
Stadtzentrum mit zahlreichen Lokalen

Urige Holzofenbäckerei
Urige Holzofenbäckerei

Junger und fescher Holzofenbäcker
Junger und fescher Holzofenbäcker

Versorgungssäule mit Telefon- und Starkstromanschluss
Versorgungssäule mit Telefon- und Starkstromanschluss

Wir verlassen die brütende Marina
Wir verlassen die brütende Marina


09.08.2017 Mittwoch
12:06 Ikaría / Fáros Karte
16:12 Patmos / Livadi Geranou Karte
Zeit unterwegs: 04:06 Strecke: 27 Seemeilen Ø Fahrt: 6,6 Knoten


Es geht wieder südwärts. An der S-Küste von Thymena (Insel W von Furni) sehen wir uns die Bucht Kleftolimano an. Elías schreibt darüber „You can go inside without beeing seen. The depths are greater than 3m.“ Beides stimmt. Aber die Bucht ist sehr eng. Mit einem Ruderboot könnte man die Minisandstrände aufsuchen. Mit der Blodughadda muss man schon aufpassen, dass man nirgends dranfährt. Starke Fallwinde kommen auch noch herein, sodass ich wirklich erleichtert bin, als wir heil wieder draußen sind.
Als wir Thymena fast schon hinter uns haben, kann die Windmessanlage einen neuen Rekord melden: 48,1 Knoten, also Windstärke 10. Eine Zeitlang bleibt es bei ca. 40 Knoten. Wir haben trotzdem keinen Stress, weil wir mit dem Wind „bergab“ und recht gemütlich unterwegs sind. Bis Patmos beruhigt sich der Wind kontinuierlich und als wir in die Ankerbucht einbiegen, kommt er mit weniger als 20 Kn daher.

Dass jetzt Hochsaison ist, merkt man anhand der Anzahl Badegäste am Strand und noch mehr an der Anzahl auf der Zufahrtsstraße abgestellter Autos und Mopeds. Aber nicht an der Anzahl ankernder Yachten. Nach Abfahrt der Ausflügler sind wir in der Bucht allein. Da wir vor haben, hier länger zu bleiben, haben wir es auch nicht eilig, in die einzige Strandtaverna zu gehen. Beates Saganaki, Dakos und Kolokithákia tiganitá sind sowieso Spitze.


10.08.2017 Donnerstag
Patmos / Livadi Geranou
Nicht viel Schwimmen aber viel Arbeit erledigen wir heute. Das 30-tägige COSMOTE Internetabo für die SIM-Karte im iPad endet mit einem Guthaben von 6 aus ursprünglich 12 Gigabyte um 17:06h. Jetzt kommen die österreichischen 4 dran.
Nach 25 Stunden muss ich wieder die Motoren anwerfen, weil die Batterien nur mehr knapp über 12V Spannung aufweisen. Gestern wurden sie vier Stunden lang auf über 80% geladen


11.08.2017 Freitag
Patmos / Livadi Geranou
Heute wollten wir in den Hafen Skala zum Einkaufen fahren. Der Wind will es aber nicht und wir bleiben da. Die Fahrt wäre kein Problem, den Stress beim Anlegen bei starkem Seitenwind wollen wir uns aber nicht antun wenn es nicht unbedingt notwendig ist.
Zu Sonnenuntergang beruhigt sich der Wind wieder kurzfristig und wir können an Land fahren, spazieren gehen, fotografieren und in der Taverna essen.

Viel Platz in Patmos Livadi Geranou
Viel Platz in Patmos Livadi Geranou


12.08.2017 Samstag
10:49 Patmos / Livadi Geranou Karte
11:51 Patmos / O. Meloï Karte
Zeit unterwegs: 01:02 Strecke: 3,4 Seemeilen Ø Fahrt: 3,3 Knoten


Der Wind nervt schon. Wir tuckern in die Meloi Bucht entlang des Ufers und sehen uns die Buchten Kampos (auch Wind aber hier nervt dass „Wassersportzentrum“ mit herumflitzendem Wasserski- und Ringozugmotorboot noch mehr) und Agriolivadi (weniger Wind) an. Vor allem sehen wir uns die vor Kampos ankernde extrem elegante Yacht NAHLIN des Staubsauger-Dyson an.
In Meloi ist fast kein Wind und wir finden sogar eine Stelle ohne hohes Seegras, wo der Anker auf Anhieb hält. Gegen Abend paddeln wir ans Ufer und gehen in zwanzig Minuten über den Hügel nach Skala. Ein Besuch im Arion muss traditionellerweise sein. Es ist schon klar, dass es in diesem Café am Hafen immer laut ist. Diesmal kommt es uns wie ein Geräuschbad vor. Eine normale Unterhaltung ist nicht möglich.
Wir sehen uns die wirklich eleganten Geschäfte an, kaufen einige Mitbringsel, Brot und ein paar Lebensmittel und setzen uns dann ins Café Petrino, auch laut aber nicht annähernd so wie im Arion.
Auf dem Weg zurück kommen wir am neu renovierten „Patmion – Cultural Centre of Patmos“ vorbei. Bei freiem Eintritt gibt es drei kleine Ausstellungen, moderne Mosaiken von Patritsia Kostoglou-Kritikou, Malerei und Fotografien, die im Innenhof recht stimmungsvoll gezeigt werden.
Zurück in Meloi werden wir im Restaurant von den jungen Kellnern (wahrscheinlich Tochter und Sohn des Wirtes) regelrecht verwöhnt und essen auch sehr gut.
Kaum sind wir wieder am Boot, hupfen wir ins Wasser. Es ist perfekt temperiert und absolut ruhig, also herrlich. Endlich ein Abend ohne Wind.

NAHLIN
NAHLIN
Patmos Skala
Patmos Skala
Patmos Skala
Patmos Skala
Fotoausstellung in Patmion
Fotoausstellung in Patmion

13.08.2017 Sonntag
10:15 Patmos / O. Meloï Karte
13:48 Léros / O. Xirókampos Karte
Zeit unterwegs: 03:33 Strecke: 22,1 Seemeilen Ø Fahrt: 6,2 Knoten


Ich schlafe wieder die ganze Nach im Bugnetz. In einem Schlafsack geht das gut, obwohl die Luft sehr feucht ist. So ist es eben. Entweder Wind oder Feuchtigkeit.
In der Früh vereiteln uns zunächst Wespen das Frühstück. Sie schwirren wie verrückt herum, verziehen sich aber dann ab 9h, GsD.

Über eine total ruhige See fahren wir nach Xirókampos. Wir nehmen eine rote Boje der Taverna To Kyma neben Herberts ILLIRIA. Er schwimmt sogleich herbei und hilft, das Hanepot an der Muringleine zu befestigen. Nich lange danach sitzen wir im Cockpit der Illiria und reden mit ihm und seiner Lebensgefährtin Pia. Sie sind bereits gestern angekommen und haben das Essen in To Kyma probiert. Es ist immer noch grauenvoll. Daher ist klar, dass wir abends bei Mama Veta den köstlichen Spinat im Tontopf essen werden.


14.08.2017 Montag
Léros / O. Xirókampos
Nach Frühstück und Arbeit kommen Herbert und Pia zum Kaffee auf die Blodughadda. Am Nachmittag fahre ich mit dem Computer im Rucksack zu To Kyma auf ein Bier und ein Ouzo, um zumindest ein wenig Geld für die Boje dort zu lassen. Auf dem Rückweg besuche ich das finnische Paar auf dessen Swan 48 LUMIKKI.


15.08.2017 Dienstag
Léros / O. Xirókampos
Die große Oceanis 523 SIMENON übesiedelt von einer Boje hinter uns zu der direkt vor uns, also in Windrichtung und näher zum Ufer. Ich verstehe nicht, was die lettisch-russische Crew damit bezwecken will, zumal es bei der Boje sehr seicht ist. Und dann fährt die gesamte Crew mit dem Schlauchboot an Land ohne vorher den Bojenstein per Taucherbrille inspiziert zu haben obwohl der Wind bereits ordentlich bläst.
Ich inspiziere sie aber und stelle fest, dass da wirklich nur eine Handbreit Wasser unterm Kiel ist und dass der Bojenstein ein ehemaliger Betonzaunpfahl ist, ca. 15 x 15 cm und ca. 1,2m lang mit einem Betonklumpen an einem Ende. Das ganze Ding wackelt, wenn das das Boot daran zieht. Weil es keine 10m direkt vor uns liegt, ist mir dabei nicht wohl und wir nehmen eine andere Boje. Herbert macht es ebenso und unsere Boote liegen wieder als Nachbarn. Natürlich inspizieren wir unsere Bojensteine per Taucherbrille. Kaum jemand macht das sonst, schon gar nicht die leichtsinnigen Letten. Dann hätten sie auch gesehen, dass ihr Boot bei einer Winddrehung Richtung W aufgesessen wäre.

Giannakos und Frau bringen uns um 13h ein Leihauto. Beate und ich fahren damit zur Lakki Marina, um einen Sack Wäsche zu waschen. Waschen und trocknen kostet je fünf Euro, also gleich viel wie die Wäscherei verlangt hätte. Aber weil heute einer der höchsten Feiertage ist, hat die Wäscherei natürlich geschlossen, wie fast alle anderen Geschäfte auch. Während die Wäsche wäscht trinken wir einen Kaffee in einer uneleganten Taverna in der Bucht direkt W vom Fähranleger. Hier ankern ein paar Segelboote und es wirkt herrlich windgeschützt.
Während die Wäsche trocknet trinken wir einen Kaffee in der sehr eleganten Castelo Bar in Panteli. Hier und auch um die Ecke in Vromolithos ankern massenhaft Boote, bzw. liegen da aufgereiht mit Anker und Landleine und es ist gar nicht windgeschützt. Die meisten haben türkische Flaggen.

Wir fahren mit der Wäsche zum Boot zurück und schwimmen bevor wir um 18:30h wieder an Land fahren. Herbert und Pia sind dabei. Mit ihnen machen wir ein bisschen Inselsightseeing und gehen dann ins Skippers in der Marina Evros essen. Es ist wieder sehr gut und sehr ungriechisch.
Als wir um 22h aufbrechen, kommt schon die Fähre Superfast XII in die Bucht herein, mit der Pia nach Piräus fahren wird. Es geht sich locker aus, rechtzeitig im Hafen zu sein und uns herzlich von ihr zu verabschieden.

Herbert, Pia und Beate am Kirchlein oberhalb von Xirókampos
Herbert, Pia und Beate am Kirchlein oberhalb von Xirókampos

Herbert und Pia im Skippers
Herbert und Pia im Skippers

16.08.2017 Mittwoch
Léros / O. Xirókampos
Das Auto sollen wir um 12h mit dem Schlüssel unter der Fußmatte am Parkplatz vor Mama Veta abstellen. Wir haben also den Vormittag gut Zeit, gemeinsam mit Herbert Einkäufe in Lakkí zu erledigen und in der tollen Konditorei Repapis einzukehren. Leider hat keines der drei möglichen Geschäfte in Lakkí M8 x 10 Bolzen mit Senkkopf, die ich für die Montage der neuen Heckklampen benötigen würde.

Nachmittags können wir diverse Bejenanlegemanöver beobachten. Vom Bug eines großen Segelbootes aus ist es gar nicht so einfach, die Boje, die das Festmachseil hält, mit dem Bootshaken herauf zu ziehen. Es geht nur, wenn man das dünne Seil, mit dem die Boje am Festmachseil befestigt ist unterhalb der Boje mit dem Bootshaken erwischt. Dazu ist der Bootshaken immer zu kurz. Denn man muss ihn dabei natürlich auch leicht schräg halten. Senkrecht von oben stochern funktioniert nicht. Außerdem ist es bei dem starken Wind sehr schwierig, das Boot so zu manövrieren, dass der Bug auch nur eine kurze Zeit neben der Boje stehen bleibt. Daher brauchen die meisten Boote mehrere Anläufe, die Nerven liegen blank und die Leute schreien wie wild und wir schauen genüsslich zu.
Das Boot an der Boje hinter uns macht das allerdings enttäuschend geschickt und hängt im Nu mit einer Leine in der Bucht des Festmachseils. Es stellt sich aber heraus, dass die italienische Chartercrew doch keine Profis sind. Sie machen zwei grobe Fehler: Erstens überprüfen sie nicht ob der Bojenstein und das Festmachseil stark genug für ihr mordstrum 54 Fuß Boot sind, insbesondere bei dem starken Wind. Zweitens machen sie das Seil am Bug von einer Bootsseite auf die andere viel zu kurz so dass es mit den Bootsbewegungen in der Bucht des Festmachseils scheuert. Es dauert keine zwei Stunden bis ihre Leine das Festmachseil durchgesägt hat und das Boot dahin treibt! Die haben noch Glück gehabt, dass das Seil so schnell kaputt war und sie nicht mitten im Schlaf über das Meer getrieben sind. Sie nehmen dann eine andere Boje und kümmern sich natürlich nicht um die von ihnen zerstörte Mooring – ekelhafte Ignoranten!

Am Abend macht Beate drei absolut köstliche Salate, Brotaufstriche und gebratenen Haloumi. Herbert isst mit uns und wir plaudern lange im Cockpit. Da passt die Wellenlänge wirklich gut.

Beate kauft Dille im Gemüsegeschäft
Beate kauft Dille im Gemüsegeschäft

Bohnen gibts da auch
Bohnen gibts da auch

17.08.2017 Donnerstag
Léros / O. Xirókampos
Fast den ganzen Tag arbeite ich am Hausverwaltungsprogramm. Als ich fertig bin, zerschneide ich die unnötige Schaumstoffmatratze aus der bb-Vorderkabine in Stücke und mache Schwämme daraus. Kann man vielleicht irgendwann gut gebrauchen. Auch mache ich einen Keil für die bb-Koje, damit die drei Teile der neuen Matratze schön beisammen bleiben.
Die gestern zerstörte Mooringleine der Mama Veta Boje lässt mir keine Ruhe. Was macht es denn für einen Eindruck, wenn ein unbrauchbares Festmachseil angeboten wird? Ich packe Werkzeuge und Kabelbinder in einen Plastiksack und fahre mit dem Schlauchboot hin. Es dauert keine 15 Minuten bis ich daraus wieder eine gut brauchbare Sache gemacht habe.

Mit Herbert folgt am Abend der letzte Besuch bei Mama Veta für uns. Viktoria wird also das Lokal Ende Oktober wirklich verkaufen und wie schon vorigen Winter gemeinsam mit ihrem griechischen Freund in einem Hotel in Neustift im Stubaital arbeiten. Sie lernt schon fleißig Deutsch, damit sie im Service und nicht wie zuletzt in der Küche arbeiten kann.


18.08.2017 Freitag
13:40 Léros / O. Xirókampos Karte
15:32 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
Zeit unterwegs: 01:52 Strecke: 9,9 Seemeilen Ø Fahrt: 5,3 Knoten


Der Wind hat sich nach vier Tagen jetzt so weit beruhigt, dass man ruhig nordwärts fahren kann. Ich bringe dem Herbert einen Sack meiner gestern geschnitzten Schwämme und plaudere mit ihm bevor ich den Müll an Land bringe. Dann muss ich noch den Wasserpumpenkeilriemen am bb-Motor spannen, damit die Pumpe läuft.
Die Fahrt ist sehr angenehm mit wenig Welle und um die 15 Knoten Gegenwind und in Archangelos bekommen wir einen guten Ankerplatz obwohl schon viele Boote hier ankern. Naja, Platz ist ja genug vorhanden und 13 Boote doch nicht wahnsinnig viele. Wir essen in der Taverna Stigma und kehren im letzten Dämmerlicht zurück zum Boot.

Sehr erfreulich heute: Meine Reklamation bei SVB wegen der sich auflösenden Klebestellen am Schlauchboot hat gefruchtet: Ich bekomme den gesamten Kaufpreis, 469,95 Euro, gutgeschrieben! Wahrscheinlich werden meine dilettantischen Klebereparaturen gerade deswegen jetzt lange halten. Bis jetzt haben sie es zumindest getan.


19.08.2017 Samstag
12:19 Léros / N. Archángelos Ankerbucht Karte
12:41 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
14:25 Léros / O. Parthéni Agmar Marine Karte
15:13 Léros / O. Plakouti (Blefuti) Karte An Boje
Zeit unterwegs: 01:10 Strecke: 4,3 Seemeilen Ø Fahrt: 3,7 Knoten


Wir fahren zum Travelliftbecken von Agmar, um die Wassertanks aufzufüllen. Im Becken parkt ein Segelboot, an der Außenseite, wo man anlegen kann, das Verbindungsboot Annaexpress. Dessen Motoren werden offenbar repariert. Immer wieder startet es die Motoren und eine gewaltige blaue Rauchwolke kommt aus dem Auspuff. Wir nehmen eine Boje und warten. Nach einiger Zeit fährt die Annaexpress davon und nachdem ich die Lage mit dem Schlauchboot erkundet und festgestellt habe, dass der Wasserhahn funktioniert, können wir den Platz nehmen und Wasser tanken. Annaexpress kommt zurück als ich beginne das Deck zu waschen. Macht natürlich Stress, dass sie den Platz haben will. Aber jetzt ist sie an der Reihe zu warten bis ich zumindest den gröbsten Dreck weggespritzt habe.

Es kommt mir in den Sinn, dass die östliche Nachbarbucht Plakouti (Blefuti) für die Nacht gar nicht schlecht sein könnte, weil eine windlose vorhergesagt ist. Sonst kommen hier Wellen und Wind in 90 Grad Winkel zu einander, was ziemlich unerträglich ist. In der Bucht ankert nur ein Segelboot weit ab im östlichen Teil. Die vier voriges Jahr versunkenen Mooringbojen sind wieder in Ordnung gebracht worden. Am innersten hängt ein Schlauchboot als Zeichen, dass diese reserviert ist. Wir nehmen die nächste nicht wissend, dass wir alsbald ein Paradebeispiel griechischer Desorganisation (um nicht Idiotie zu sagen) erleben werden.
Natürlich schnorchle ich zur Boje und inspiziere sie. Da liegt ein gut Viertelkubikmeter großer Betonblock also ca. 500 kg schwer am Grund mit einer ordentlichen Kette dran an der ein ordentliches Seil mit einem ordentlichen Palstek am Ende zum Festmachen angebracht ist. Also bestens, sieht alles genau so aus wie die Mooringbojen in Xirokampos

Es dauert nicht lange bis wir abwechselnd Hupen und Pfeifen vom Ufer hören. Ein Auto der Hafenpolizei steht dort und eine Hafenpolizistin fuchtelt wie wild. Wir verstehen nicht, was diese Aufführung bedeuten soll. Aber weil wir das einzige Boot hier sind, wird es wohl irgendwie uns angehen. Ich drehe das VHF auf, um eventuell über Funk zu erfahren was los ist. Aber die Hafenpolizistin hupt, pfeift und fuchtelt nur. Dann kommt ein junger Mann herbei geschwommen und erklärt, dass wir an einer Schwimmbereichsbegrenzungsboje festgemacht haben – aha. Ich versuche ihm zu erklären, dass eine solche normalerweise anders ausgeführt ist und dass man nicht erkennen kann, dass es sich um eine solche handelt. Aber er will gar nicht zuhören oder verstehen, sagt nur dauernd, dass wir abhauen sollen. Kein Problem, machen wir eh und ankern ein paar hundert Meter weiter auf bestem Sandgrund sogar besser vor Wellen, Wind und Lärm geschützt.

Wären diese vier Bojen zumindest in einer Linie, oder hätten sie irgend eine Aufschrift, oder wären sie deutlich als Begrenzungsbojen ausgeführt (große glatte gelbe Dinger oder kleine recht eng bei einander liegende und schon gar nicht mit einem für den Zweck komplett überdimensionierten Bojenstein und Seil), würde sich die Hafenpolizei unnötige Einsätze ersparen. Aber so wird sie wohl öfters ausrücken, hupen, pfeifen und fuchteln müssen. Am Seil habe ich anhand der Antifoulingfarbenreste deutlich gesehen, dass hier schon einige Boote festgemacht haben. 2014 und 2015 habe ich selbst problemlos an einer der Vorgängerbojen festgemacht, die genau so ausgesehen haben und etwa gleich platziert waren – eh weit vor dem schmalen und wenig bevölkerten Strand. Die spinnen die Griechen.

Wir fahren an Land, gehen entlang der Bucht zuerst in die eine, dann in die andere Richtung bevor wir uns in die einzige Taverna Artemis setzen. Die Luft ist herrlich trocken mit angenehmer Temperatur mit kaum wahrnehmbarem Wind. Das Essen ist auch super, besonders der Hühnerspieß in Speckmantel, und sehr preiswert, € 21,50 alles zusammen inkl. Getränke. Die 0,5l Flasche Retsína kostet gleich viel wie das Bier, nämlich 2,50.

Zurück am Boot genießen wir einen selten so stillen Abend. Kein Windlärm und obwohl Samstag Abend keine Musikdarbietung in der Taverna. Nur hin und wieder hört man das obligate Moped- und Motorradbeschleunigungsgebrüll. Die Luft ist um 0:30h immer noch trocken und mit 24° perfekt temperiert.


20.08.2017 Sonntag
15:33 Léros / O. Plakouti (Blefuti) Karte
16:56 Lipsi / O. Katsadiá Karte
Zeit unterwegs: 01:23 Strecke: 6,1 Seemeilen Ø Fahrt: 4,4 Knoten


Die kurze Überfahrt nach Lipsi ist sehr angenehm. Die Aussicht über das ruhige Wasser ist herrlich mit vielen kleinen Inseln am Horizont. Hier ist die schönste Ecke des Dodekanes und, so weit ich es kenne, der Ägäis und des Mittelmeeres überhaupt.
Als wir in die Südbucht Katsadiá einfahren, sehen wir in der östlichen Einbuchtung Limni ein bekanntes Segelboot ankern. Wir ankern daneben und ich schwimme gleich nach der Ankerbeschnorchelung zu Herbert auf seiner ILLIRIA hinüber. Wir plaudern und verabreden uns zu einem gemeinsamen Frühstück morgen.
Beate und ich fahren in sechs Minuten mit dem Schlauchboot um die Ecke in den Scheitel der Hauptbucht und gehen gemächlich zum Lipsi Ort. Bis zur famosen Bäckerei dauert es 33 Minuten, davon 12 steil bergauf. In der Bäckerei kaufen wir Brot und diverse Köstlichkeiten, trinken ein Bier und ein Tonic. Wir haben vor, im neuen schönen Restaurant von Manolis zu essen. Aber da gibt es nur freie Tische vor dem Lokal auf der Straße, also auf dem schiefen gepflasterten Gehweg. Das behagt uns nicht und wir gehen zurück, um in Katsadiá in der Taverna Dilaila zu essen.
Mittlerweile wurde hier die Küche umgestellt und die Speisekarte enthält fast keine typischen griechischen Gerichte, dafür recht sonderbare Spezialitäten zu ungewöhnlich hohen Preisen. Früher bekam man hier zum Brot eine Schüssel mit Dille-Joghurt-Dip und eine mit kleinen köstlichen Oliven. Die Oliven fielen wohl dem Sparstift zum Opfer. Trilofeta me Kima um acht Euro ist ungewöhlich: Drei Sorten Käse im Rohr überbacken mit Fleischsugo. Schmeckt und sättigt gut. Das ist auch gut so, denn Fried Pork with Fruit Sauce ist praktisch ungenießbar: Steinhartes Schweinsgeschnetzeltes in gebratenem Obstsalat voll mit Weintraubenkernen, dazu nichts um 12 Euro ist eine Zumutung. Immerhin erkundigt sich der Kellner, warum wir davon kaum was gegessen haben und auf der Rechnung ist dann diese Position gestrichen.
Die Rückfahrt in der stockfinsteren Nacht bringt eine Premiere. Wir navigieren im Schlauchboot mit Navionics am iPad um die zwei kleinen Kaps herum. Geht echt gut mit 3,7 Knoten.


21.08.2017 Montag
12:21 Lipsi / O. Katsadiá Karte
13:27 Lipsi / O. Platys Gialós Karte
16:04 Lipsi / O. Platys Gialós Karte
17:10 Arkí / Tiganáki Karte
Zeit unterwegs: 02:12 Strecke: 9,5 Seemeilen Ø Fahrt: 4,3 Knoten


Um halb zehn hole ich Herbert zum Frühstück ab. Es wird ein längeres mit mehr Plaudern als Essen. Dann heißt es wieder Abschied nehmen bis demnächst irgendwo hier oder im Winter in Österreich.

Auf der Fahrt nach Tiganáki machen wir einen Badestopp in Platys Gialos. Das ist eine der schönsten Badebuchten, langseicht mit weißem feinen Sand am Grund. Wir ankern 125m vom Strand auf 3m Tiefe gemeinsam mit ein paar anderen Badebooten.

Auf der Weiterfahrt über ganz glattes Wasser stelle ich den Autopiloten neu ein. Einerseits Rudder Gain von 5 auf 7, womit das Boot schneller auf eine Kursänderung am ST6000 reagiert – aber nicht zu viel. Andererseits korigiere ich die Missweisung des Fluxgatekompasses so, dass die Anzeige mit dem Bootskompass ziemlich genau überein stimmt. Ohne Wind, Wellen und Strömung stimmt auch dieser mit dem GPS-Kurs bis auf ein paar Grad überein. Eine genauere Einstellung dürfte nicht möglich sein. Eine automatische Korrektur der Missweisung ist auch nicht möglich. Laut Anleitung soll man im Setup-Modus zwei volle Kreise ganz langsam fahren, bis die Missweisung angezeigt und der Kompass automatisch korrigiert wird. Nach dem dritten Kreis gebe ich es auf.

In Tiganaki liegt nur mehr ein Ausflugsboot und wir können am Stammplatz ankern. Wir genießen die abendliche Ruhe und Einsamkeit. Auf Land ist nur eine Straßenlaterne weit entfernt zu sehen und nur zwei Ankerlichter hinter dem Avapisto-Huk stören den Blick auf den herrlichen Sternenhimmel kaum. Hätte die Windzunahme noch etwas warten können, wäre die Ruhe vollkommen. Aber leises Plätschern der Wellen und leichtes Sausen des Windes im Rigg kann man schon gut aushalten…


22.08.2017 Dienstag
16:18 Arkí / Tiganáki Karte
17:30 Máratho Karte
Zeit unterwegs: 01:12 Strecke: 3 Seemeilen Ø Fahrt: 2,5 Knoten


Nachdem der Keilriemen der Wasserpumpe am bb-Motor schon einige Male es nicht geschafft hat, die Pumpe in Betrieb zu nehmen, tausche ich ihn aus. Er sieht zwar noch brauchbar aus, ist aber um ca. 1,5mm schmäler als ein neuer. Kein Wunder, dass er in der Riemenscheibe beim Start gerutscht hat.

Heute gibt es ausnahmsweise ein warmes Nachmittagessen. Die gestrigen Nudeln schmecken heute noch besser und der grüne Salat mit Dille wird auch zu Hause ein Standard werden.

Wir verlassen Tiganaki bei auffrischendem Wind mit leeren Batterien und tuckern im Schneckentempo gegen immer mehr Wind nach Maratho praktisch gegenüber. Ein Ankerversuch direkt vor der Piratentaverna erweist sich als nicht brauchbar. Das Boot schwojt zu nahe an das Motorboot an der innersten Boje. Die äußerste Piratenboje ist aber noch frei. Bei wirklich viel Wind gelingt das Bojenmanöver auf Anhieb.
Ausnahmsweise beschnorchle ich die Bojenkonstruktion nicht. Denn von früher weiß ich, dass alle hier in Ordnung sind und außerdem würde ich kaum was sehen. Es ist hier 12m tief. Und bei dem Wind habe ich keine Lust ins Wasser zu hupfen. Es orgelt mit 25 bis 30 Knoten. Und so soll es die nächsten Tage bleiben. Die drei schönen entspannenden windlosen Tage sind also vorbei.

Obwohl wir an einer Piratentavernamooring liegen, fahren wir zum Essen in die Taverna Stavragos, die mittlere der drei Tavernen am schönen Sandstrand. Beim Piraten waren wir schon oft genug. Das Essen ist tadellos und die Aussicht sehr schön. Auch die Toiletten! Unglaublich, welcher Standard in letzter Zeit sogar auf einer abgelegenen Insel möglich geworden ist. Könnte die Politik und die Wirtschaft Griechenlands auch nur einigermaßen mit der Toilettenentwicklung mithalten, müsste man sich keine Sorgen um dieses Land machen.

Zurück am Boot sehen wir die voll beleuchteten Masten von sechs Megasegelyachten, die gegenüber bei Arki ankern. Obwohl ich noch es nie gesehen habe, denke ich, dass ein Ölbohrfeld in Texas so ähnlich aussehen könnte. Es muss schon sehr geil sein, einen hoch aufragenden Mast zu haben und diesen mit zahlreichen Lampen beleuchten zu können. Einen praktischen Zweck hat es jedenfalls nicht.

Der penetrante Wind und die Wellen steigern das Aggressionspotenzial. Ich ärgere mich tatsächlich darüber, dass es nicht möglich ist, das Cosmote-Guthaben am iPad für den Internetzugang per PayPal oder Kreditkarte aufzustocken. In Juni und Juli ging das tadellos. Nach so vielen Jahren habe ich immer noch nicht gelernt, dass hierzulande das Nichtfunktionieren der Normalzustand ist. Eigentlich eh gut so. Denn dann kann man sich wirklich darüber freuen, wenn etwas ausnahmsweise gut funktioniert. Kommt ja auch vor. Diesmal nicht.

Sonnenaufgang in Arki
Sonnenaufgang in Arki
Marathó
Marathó

23.08.2017 Mittwoch
11:47 Máratho Karte
14:40 Léros / Kuluki Karte
Zeit unterwegs: 02:53 Strecke: 18,4 Seemeilen Ø Fahrt: 6,4 Knoten


Die neben uns ankernde Yacht im Stil eines Expeditionsschiffes legt ab. Beate nennt es treffend „Mega-SUV“. Und dann fahren wir auch los. Bei sehr viel und kühlem Rückenwind rasen wir in die Lakki-Bucht. Hier ist der Wind wesentlich weniger und am Ankerplatz, den wir vorige Woche beim Warten auf die Waschmaschine entdeckten, ist er kaum vorhanden. Gelegentlich kommt eine Bö aber nicht unangenehm. Es ist also eine der ganz wenigen Ankerplätze im Windschatten einer Insel. Mit dem Fernglas sieht man die See toben vor der Lakki-Bucht und auch auf der Reede vor der Stadt ist der Wind wesentlich stärker als hier. Der Ankergrund ist auch gut mit Sand und kurzem Seegras, stellenweisen Seegrasflecken, in 5m Tiefe.

Wir paddeln an den nicht besonders attraktiven Kieselstrand, der unmittelbar am Fähranleger anschließt, und gehen das kurze Stück zur Rezeption von Agmar, um die Reservierung des Marinaplatzes zu bestätigen – und um einen Tag zu verschieben. Da der Ankerplatz uns so gut gefällt und der Schnellkatamaran nach Kos am Freitag erst um 14:30h abfährt, wollen wir die letzte Nacht nicht in der Marina verbringen. Zunächst scheint das ein Problem zu sein, was uns wundert, aber dann hat der Marinero eine gute Lösung: Er wird uns mit dem Schlauchboot abholen, sobald am Freitag Morgen ein Platz frei wird.

Nach einer Einkaufsrunde in Lakkí setzen wir uns ins Café Morano und begnügen uns heute mit einem Club Sandwich und einem Hamburger.

Mega-SUV
Mega-SUV
Es ist ausnahmsweise zu frisch für nur Badeanzug
Es ist ausnahmsweise zu frisch für nur Badeanzug
Ankerplatz Leros Kuluki
Ankerplatz Leros Kuluki

24.08.2017 Donnerstag
Léros / Kuluki
Sehr angenehm hier. Wir beobachten den Wind und die zahlreichen Boote und Schiffe, die Lakkí anlaufen bzw. verlassen. Der ausnahmsweise an Land vorhandene Wald dürfte der Grund sein, warum es hier windgeschützt ist. Nur hin und wieder erreicht uns eine nicht zu starke Windbö, das aber immer wieder aus einer anderen Richtung.
Eine letzte Schlauchbootreparatur steht an. Eine Halterung des Seitenseiles hat sich komplett gelöst und wird nun wieder angeklebt. Das ist mühsam und schwierig und erfordert wieder eine improvisierte Anpressinstallation. Möglicherweise wird das Resultat zumindest vorläufig wieder brauchbar wenn auch nicht schön werden.
Am Abend fahren wir diesmal mit dem Außenborder an Land, weil hier doch auch mehr Wind vorhanden ist, als mit Paddeln bequem zu bewältigen wäre. Als wir im To Petrino sitzen, stellen wir fest, dass das im Vergleich gar nix war. Da haben wir direkt die Befürchtung, die Pommes Frittes könnten vom Teller fliegen. Tun sie aber nicht, weil sie nicht knusprig genug sind, also quasi sturmgerecht serviert werden. Das gegrillte Schweinsfilet und der Kraut-Karottensalat sind aber hervorragend.
Ein Abenddrink in einem der Lokale am Ufer von Lakkí kommt windbedingt nicht in Frage. Aber das Lokal in der Ankerbucht Kuluki erweist sich als Volltreffer. Nur ein Lüftchen mit einer gelegentlichen Bö findet den Weg hierher, wie auch kaum Leute oder Mopedlärm. Wir bestellen ein Glas Wein, zwei Gläser Ouzo und einen sehr guten Ellenikó. Dazu erhalten wir zwei Flaschen Wasser, Eiswürfel und eine Platte mit Käse und Pitta und zahlen heiße zehn Euro dafür! Das macht das nicht so besonders attraktive Ambiente mehr als wett.

Einen Nachteil hat der Ankerplatz doch: Zwei Treibstofflieferschiffe, die mit Tankwägen die Tankstellen beliefern, legen am Fähranleger an und machen Lärm. Allerdings dürfte das eher selten vorkommen und in der Kabine ist vom Motorbrummen kaum was zu hören.

Kuluki Taverna
Kuluki Taverna

25.08.2017 Freitag
11:17 Léros / Kuluki Karte
11:40 Léros / Lakkí Marina Karte
Zeit unterwegs: 00:23 Strecke: ,2 Seemeilen Ø Fahrt: ,5 Knoten


Nach einem letzten Morgenschwimm für dieses Jahr packen wir unsere Sachen, machen wir das Boot fertig und warten darauf, dass wie besprochen der Marinero der Marina uns zum Anlegen abholt. Tut er natürlich nicht. Um elf Uhr rufe ich an und frage, wie die Lage ist. Ja, wir können gleich kommen ist die Antwort.
Wir bekommen einen guten Platz, verzurren das Boot nach allen Regeln der Kunst und gehen mit drei großen Lidl-Tragtaschen zur Wäscherei. Dann in das Reisebüro um die Fahrkarte mit dem Schnellkatamaran nach Kos um 14:30h zu kaufen. Die unsympathische kaugummikauende Dame sagt uns, die Fähre würde vom zweiten Hafen Agia Marina abfahren. Schade, von der Marina zum Fährhafen Lakkí wären es nur wenige Schritte.
Zurück am Boot packen wir alles zusammen und gehen um 13:30h ins Marinabüro, das uns ein Taxi nach Agia Marina bestellt. Dort angekommen fragt der Fahrer, ob wir sicher sind, dass der Katamaran von hier abfährt. Sind wir, weil das offizielle Fahrkartenbüro vor zwei Stunden gesagt hat, dass wir von hier abfahren werden. Wir gehen ins mittlerweile sehr schön hergerichtete Lokal direkt am Anleger und wundern uns, dass so wenige Leute da sind. Kommt uns verdächtig vor. Beate fragt die Kellnerin, die sofort Auskunft geben kann: Wegen des starken Windes wird dieser Hafen heute nicht von den Schnellkatamaranen angelaufen, sondern der Fährhafen in Lakkí. Na super! Der typisch griechisch hilfsbereite Wirt ruft für uns ein Taxi an, das in fünf Minuten kommen soll. Mir fällt es schwer, die Ruhe zu bewahren. Warum hat die depperte Tussi kurz zuvor eine falsche Auskunft gegeben, ist die neue Auskunft auch richtig (wird aber durch ein Anschlag im Hafenfahrkartenkiosk bestätigt) und wird das Taxi rechtzeitig eintreffen, damit wir die Fähre noch erwischen? Es ist mittlerweile 14 Uhr. Erwischen wir diese Überfahrt nach Kos nicht, können wir auch den Flug vergessen. Es gibt keine weitere Möglichkeit heute nach Kos zu kommen.
Alle Befürchtungen sind unnötig. Das Taxi kommt, wir sind um 14:10 in Lakkí Hafen und der Dodekanissos Express hat fast eine Stunde Verspätung.

In Kos legt der Katamaran nicht am vom Erdbeben zerstörten Hafenkai sondern am schmalen Betonsteg beim lokalen Busbahnhof an. Die großen Fähren können hier natürlich nicht anlegen, weshalb sie Kefalos/Kamari anlaufen, bis der Hafenkai repariert sein wird.
Wir setzen uns in eines der vielen Lokale auf der anderen Seite der Straße. Während ich beobachte, wie ein türkisches Gulet nach dem anderen am Betonsteg anlegt, geht Beate zum Hafen und in die Stadt, um die Erdbebenschäden zu begutachten. Einiges ist kaputt und mit Plastikbändern abgesperrt, aber nicht sehr viel. Die Häuser in der Disco-Straße, die alte Moschee am Hauptplatz und der Hafen dürften die größten Schäden davon getragen haben.

Mit dem Taxi um 37 Euro fahren wir mehr als rechtzeitig zum Flughafen. Weil wir schon mal Übergepäck für den zu viel eingekauften Thymianhonig bezahlten mussten, haben wir diesmal vor, diesen erst im Flughafenshop einzukaufen. Machen wir doch nicht, weil er im „Duty Free Shop“ aberwitzig teuer ist. Beim griechischen Großhändler in Brunn am Gebirge kostet er auch nicht mehr.
Der Flug ist angenehm und in Wien erwartet uns ein Wetter, das sich vom griechischen kaum unterscheidet – bis auf den hier nicht vorhandenen Wind.

Resümee des Sommers: Super!

Blodughadda gut verhüllt gegen Staub
Blodughadda gut verhüllt gegen Staub

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2 Gedanken zu “2017-07-14 Sommer 2017”